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GENERAL LIBRARY
ZEITSCHRIFT
FÜR
VERMESSUNGSW ESEN
IM AUFTRAGE UND ALS ORGAN
DES
DEUTSCHEN GEOMETERVEREINS
herausgegeben von
Dr. O. Eggert,
Professor an der Techn. Hochschule in Danzig-Langfuhr.
XLVIIlI. Band.
(1919,)
Mit zahlreichen Textfiguren und einer graphischen Beilage
STUTTGART.
VERLAG VON KONRAD WITTWER.
1919.
Alle Rechte vorbehalten.
_ XLVII. Band «:‘ Januar
n -z. Heft. N 1919.
Zeitschrift für Vermessungswesen
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. O. Egge rt,
Professor a. d. Techn. Hochschule in RER
Preis: des "Jahrganges 10 Mark.
Im Postbezug 10 Mk. 10 Pfg. ohne Bestellgeld.
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart, Schlossstrasse 14.
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: Beitrag zur Bestimmung der Fernrohr-
vergrösserung, von Stahb. — Bücherschau. — Neue Schriften. — Der Deutsche
Geometerverein und der Krieg, von Hüser. — Ehrentafel. — Personalnach-
richten. — Nachruf.
eKARLSRUHE =
} PROSPEKT
I „N.F.6
KOSTENFREI.
NIVELLIER-INSTRUMENTE
Fernrohr mit fest und spannungsfrei verschraubter Libelle und Kipp-
schraube, als Sickler’sche Nivellierinstrumente in allen Fachkreisen bestens
eingeführt und begutachtet.
Fernrohrvergrösserung: 25 30 35 mal.
Libellenempfindlichkeit: 20‘ 15 10‘.
| “"" Preis: Mk. 175.— 210,— 270.—
. = SB. Der beste Beweis für die Zweekmässigkeit dieser Konstruktion sind die sahl-
reichen Nachahmungen.
BREBHEBEBRÄDESHENBHEISMERKANREIDERUKAREGEN
Otto Fennel Söhne
Cassel.
Bei unserem neuen Nivellierinstrument
Modell NZH
ist in bisher unerreichter Weise Einfachheit
der Bauart und Bequemlichkeit der Prüfung und Be-
riehtigung vereinigt. Das Instrument ist unempfindlich
im Gebrauch und hervorragend feldtüchtig. Es besitzt — ab-
gesehen von der Richtschraube für die Dosenlibelle zur all-
gemeinen Senkrechtstellung der Vertikalachse —
nur eine einzige Justierschraube
und lässt sich von einem Standpunkte
aus innerhalb einer Minute
durch nur zwei Lattenablesungen scharf prüfen. Wenn er--
forderlich erfolgt die Berichtigung durch eine kleine Drehung
der Justierschraube an der Nivellierlibelle.. Kippschraube zur
Feineinstellung der Libelle und Libellenspiegel ermöglichen -
ein sehr schnelles und bequemes Arbeiten, Dies Instrument
stellt eine völlig neue Art dar, die zu allen Nivellemenis
für technische Zwecke besonders geeignet ist.
Verzeichnis der Abhandlungen für Band XLVill.
An alle Landmesser, von Dömken j
Arithmetisches Mittel kein Universalheilmittel, von H. Krebs ;
Ausgleichen geodätischer Netze nach der Methode der kleinsten
Quadrate durch Einteilen der Netzbedingungsgleichungen in
Gruppen, von H. Boltz Fe a ee Fer Be ae
Berichtigung dazu
Ausgleichung einer Dreieckskette nach Sermilteinden Beobachtungen,
von A. Galle
Auswertung von Schichtenlinien mit Hilfe eines ensparenen Blattes,
von Hans Schwerdt
Beitrag zur Bestimmung der F SEirohivererößeiing;® von L. S ta h =
Bericht über die Versammlung des Deutschen Geometervereins und des
Landesverbandes preußischer Landmesservereine am 22./23. Juni
1919 zu Halle a. S., von Dr. Klempau.
Bericht über die 2., 3., 4. Sitzung des Arbeitsausschiases; zur Begründung
des D.V.V. . . . 020...339, 402,
Bestimmung des Moxitnelabsiandes g bayerischen Gaußkugel vom
Besselschen Erdellipsoid, von Dr. Franz Johann Müller 17,
Bezifferung des Meldegitternetzes in Uebereinstimmung mit den tat-
sächlichen Koordinatenwerten, mit einer graph. Beilage von
Baumgart
Bücherschau:
Auerbach, Felix, Das Zeißwerk und die Carl Zeiß- in Jena,
bespr. von Hauser. de
Förster, Gustav, Dr., Kreisteilingsunteksuchungen; bespr: von K.
Lüdemann
Hammer, Dr. E., Didaktische und röchenfechnische Beierkunden zur
Ausgleichung des Triangulierungsvierecks, nebst einigen Änwen-
dungen auf größere Dreiecksnetze, bespr. von Dr. O. Eggert
Hanisch, Tafeln für m Distanzmessung, = von A.
Egerer
Hoderlein, A., Köleitune: zum Keölieren. Bear von A. Füsse
Lehrbuch für den Unterricht in der Navigation an der Kaiserl.
Marine-Schule, bespr. von C. Wirtz.
Müller, C. u. a., Kalender für Landmessungswesen and Kultur-
technik, Jahrgang 1919, bespr. von Dr. O. Eggert. .
Oltay, K., Relative Bestimmung der Schwerkraft in Budapest,
bespr. von C. Wirtz .
Schmidt, Hellmut, Ueber die günstigste Wahl de Karteupeojcktiön
bei Katastervermessungen, im besonderen für das Kgr. Sachsen.
bespr. von Hauser. ’
Pr “n BR
= dm id
187
152
372
155
Bücherschau:
Weyh, Gottfried, Einführung in das Wassergesetz f. d. Kgr. Bayern
vom 23. 3. 1917 für nn bespr. von
Oberarzbacher 2
Zimmermann, Dr. H. Rechentafel ei Saung häufig ge-
brauchter Zahlenwerte, bespr. von Dr. O. Eggert.
Doppelprisma, ein neues, von Dr. Grünert
Doppelpunktsbestimmung i in der Aerophotogrammetrie, von Profesiör A.
Klingatsch
Ehrentafel f. d. Mitglieder des Deutschen Geometervereins
Einheitskarte großen Maßstabes, Welche Gesichtpunkte eröffnet. der
Plan einer E. für die an des ges. Vermessungswesens
von v. Rönne .
— Bemerkungen dazu, von L 0 t zZ: 2
Feldbereinigung, Zur Geschichte der F., von Dr. P. Mm artell.
Formel zur Berechnung der Refraktion, von Theimer.
Fürsorgeausschuß, Mitteilungen des F. 2.
Geltung der Fachwissenschaft im Kriegs- EN EN. und ihre
Wirkung, von Egbert Harbert.
— Berichtigung hiezu, von Treitschke. oo
Geometerverein, der Deutsche, und der Krieg XXX., von Hüser.
Gleichzeitige Einschaltung mehrerer Dreieckspunkte mit we Ab-
ständen von Dr. O. Eggert. 5
Grundbuch, Wer soll das Gr. führen? Von A ES: er.
Gründung des Deutschen Vereins für Vermessungswesen, von A. Hüser
Hauptversammlung des Deutschen Vereins für Vermessungswesen,
von Dengel.
Heeresnachrichten set ee eu,
Hochschulnachrichten . . - . ...2..69 97, 166, 231, 437,
Kolonien, Aus unseren K.
Kompaß, Ein neuer K. für nen, von Dr. H. Woltt.
Korrelationsfaktor, Ueber den K., von Otto Meißner.
Kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte und bisherigen Tätigkeit
der „Obersten militärischen Vermessungsstelle im Deutschen Reich
und in seinen Schutzgebieten“, von S ch ulze.
Kurze Mitteilung . : ee N
Luftbild im Dienste des une von Birr
Magnetische Deklination, mitget. vom Magnet. Observatorium Potsdam
Minimumsprobleme für Summen absoluter Beträge, von J. Sommer
Moore Kurlands, von Dr. H. Wolff . .
Moor- und Oedlandkultur, von Dr. H. Wolff A Fa
Neue Schriften . . ie ir
Neue Formeln zur Uchertragung jeögrächischer Koordinaten durch
Hauptdreiecksseiten, von L. Krüger
Neue Ziele, Zu den n. Z. des Deutschen Geometervereins
Not der verdrängten elsaß-lothringischen Landmesser, von eurer
Notwendigkeit einer Neuorganisation des staatlichen ASERBESEUnER
wesens, von Dr. v. Bertrab .
Seite
Personalnachrichten:
Baden uuEr a a Er FE a a Euer rung
Bayern. 2.0000. 0..38, 71, 167, 264,
Hessen . FR? Er a a er a er a a ee |;
Mecklenburg- Schwein: en ee ei
Preußen . .15, 38, 71, 103, 166, 231, 264, 312, 343, 407,
Reuß a. Le.
Sachsen
Sachsen Altenburt,
Sachsen-Weimar Er au ne Pre Tas a RE u a
Württemberg . . . b . ...104, 232, 408,
Nachruf Oberlandmesser es von Mater
r Baron Roland Eötvös, von Dr. O. Eggert .
5 Landesökonomierat Ruckdeschel, von A. Hüser
Photogrammetrie ohne Theodolit, von Dr. Haenert. ar
Präzisionsdistanzmesser, Der Hohenner'sche, von Dr. O. Eggert.
— Berichtigung dazu, von Dr. Hohenner u NE BEE
Prüfungsnachrichten . . . . 020.20... 9%, 231,
Reichsvermessungsamt, mitget. von etz ;
Reorganisation der Vermessungsbehörden im Volksstaat Reuß .
Satzung des Deutschen Vereins für Vermessungswesen .
Tätigkeits- und Standesbezeichnung, von Rau .
Tichy’s Trigonometrische Längenbestimmung geoditische Grundlinien,
von Johannes Frischauf.
Uebersicht der Literatur für Vermessungswegen vom Jehre 1918, von
M. Petzold
Umbildung des Vereinswesens .
Umgestaltung des Vereinswesens, von c. Strintz
441
419
477
470
262
273
161
313
452
99
395
Vereinsangelegenheiten u. -nachrichten 62, 99, 162, 229, 262, 311, 336, 341, 432, 478
Winkelkantgläser (Prismen) mit Schliff für steile Sichten und mit
Blenden zur Abwehr störender Nebenstrahlen, von Franz
Schellensi z 2. % 2 m u m ck Beh
Zweigvereine © : nennen. 262, 404,
356
435
Verzeichnis der Verfasser.
Baumgart: Die Bezifferung des Meldegitternetzes in Ueberein-
stimmung mit den tatsächlichen Koordinatenwerten, mit einer
graph.
Beilage
v. Bertrab, Dr.: Die Notwendigkeit einer Neuorganisation des
staatlichen Vermessungswesen
Birr: Das Luftbild im Dienste des Zivilvermessungswesens .
Boltz, H.: Ueber das Ausgleichen geodätischer Netze nach der Me-
thode
gleichungen in Gruppen . . . 2 22 00.20.41,
Dengel:
wesen
der kleinsten Quadrate, durch Einteilen der SeRBENISHG
: Hauptversammlung des Deutschen Vereins für Vermessungs-
Dömken: An alle Landmesser .
Egerer,
A.: Besprechung von: Hanisch, Tafeln für optische Distanz-
messung
— Besprechung von: Hodezlein. A. Aylcitund: zum Kecbisen Karten:
lesen und für Geländeerkundung .
Eggert,
Dr., O.: Gleichzeitige Einschaltung mehrerer Dreisäkesünkie
mit gegebenen Abständen ; z
— Der Hohennersche Prartsicnsdistsnksenser j .
— Besprechung von: Zimmermann, H., Rechentafel, 8, Aufl.
— Besprechung von: Müller, C., u. a., Kalender für Landareasunde-
wesen und Kulturtechnik, Jahrgang 1919 .
— Besprechung von: Hammer, Dr., E., Didaktische und IN
technische Bemerkungen zur Ausgleichung des Triangulie-
rungsvierecks nebst einigen Anwendungen auf größere
Dreiecksnetze
— Nachruf Baron Roland Eötvös \
Frischauf, Joh.: A. Tichy's Teisonometrisch Längenbertimmung
geodätischer Grundlinien .
Galle, A.: Ausgleichung einer Deeieskskens nach er Be
obachtungen
Grünert, Dr.: Ein neues Doppelprisma .
Hammer: Die Not der verdrängten elsaß- löihriägischeh asdmesser
Haenert, Dr.: Zur Photogrammetrie ohne Theodolit
Harbert, Egbert: Geltung der Fachwissenschaft im Kriegs- Verniee:
sungswesen und ihre Wirkung
Hauser:
Besprechung von: Auerbach, Felix, Das Zeißwerk und die
Carl Zeiß-Stiftung in Jena .
— Besprechung von: Schmidt, Hellmut, Ueber die günstigste Wahl
der Kartenprojektion bei Katastervermessungen, im beson-
deren über die für das Kgr. Sachsen .
Seite
152
155
— VI —
Hohenner, Dr.: Berichtigung zu Hohenner, Der Hohennersche Prä-
zisionsdistanzmesser .
Hüser, A.: Der Deutsche Geomelersereih und A Krieg XXX.
— Kassenbericht für das Jahr 1918 . Tr ;
— Zur Gründung des Deutschen Vereins für Verniessungeweren
— Nachruf Landesökonomierat Ruckdeschel
Klempau, Dr., Bericht über die Versammlung des Deutschen Geo-
metervereins und des Landesverbandes preuß. Landmesservereine
am 22./23. Juni 1919 zu Halle a. S.
Klingatsch, A.: Ueber die Doppelpunktsbestimmung in der Aero-
photogrammetrie
Krebs, H.: Das ad Mittel kein Untversslheilmiktel
Krüger, L.: Neue Formeln zur Uebertragung geographischer Koordi-
naten durch Hauptdreiecksseiten . Pa Su
Lotz: Bemerkungen zu der Abhandlung v. Rönne .
— Das Reichsvermessungsamt .
Lüdemann, K.: Besprechung von: Förster, Gustav, Dr., Kreisteilungs-
untersuchungen
Martell, Dr. P.: Zur Geschichte de Feldbereinidund.
Mater: Nachruf Oberlandmesser Loewe .
Meißner, O.: Ueber den Korrelationsfaktor .
Müller, Dr., Frz. Joh.: Bestimmung des Maximalabetandes a: N
rischen Gaußkugel vom Besselschen Erdellipsoidd. . . . 1,
Oberarzbacher: Besprechung von: Weyh, Gottfr., Einführung in
das Wassergesetz f. d. Kgr. Bayern vom 23. 3. 1907 für Ver-
messungsingenieure i
— Zu den neuen Zielen des Deutschen: Geomeletvereins
Petzold, M.: Uebersicht der Literatur für Vermessungswesen
vom Jahre 1918 .
Rau: Tätigkeits- und Sisndeabereichnink.
v Rönne: Welche Gesichtspunkte eröffnet der Plan“ einer Ficheißs:
karte großen Maßstabes für die me des gesamten
Vermessungswesens? .
Schellens, Franz: Winkelkantgläser een) mit Schliff er steile
Sichten und mit Blenden zur Abwehr störender Nebenstrahlen .
Schulze: Kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte und bis-
herigen Tätigkeit der „Obersten militärischen Vermessungsstelle
im Deutschen Reiche und in seinen Schutzgebieten"
Schwerdt, Hans: Ueber eine Auswertung von Schichtenlinien mit
Hilfe eines transparenten Blattes .
Sommer, J.: Minimumsprobleme für Summen absoluter Beträge .
Spamer, A.: Wer soll das Grundbuch führen? .
Stahb, L.: Beitrag zur Bestimmung der Fernrohriergtößerung:
Strinz, C.: Zur Umgestaltung des Vereinswesens .
Theimer: Formel zur Berechnung der Refraktion . 3
Treitschke: Zum Beitrag von Reg.-Landmesser Egbert
Geltung der Fachwissenschaft im Kriegsvermessungswesen und
ihre Wirkung .
281
145
470
372
425
16
409
169
37
158
452
161
130.
356
380
328
— VI —
Wirtz, C.: Besprechung von: en Relative an. der
Schwerkraft in Budapest . ; i
— Besprechung von: Lehrbuch für ER Unterricht in de Navi-
gation an der Kaiserl. Marineschule .
Wolff, Dr., H.: Moor- und Oedlandkarten .
— Ein neuer Kompaß für Krokiaufnahmen .
— Die Moore Kurlands
Druckiehlerberichtigung:
Seite 81 unter Ill. Zeile 8: Die Stelle: „Während der eine usw. bis
buntes Bild” muß ausfallen.
Seite 82 Zeile 18—20 „Eine praktische" usw. bis „könnte” fällt aus.
Seite 95 Zeile 3 von unten lies: und den übrigen außerpreußischen
Staaten statt „4 preuß. Staaten.
ZEITSCHRIFT ror VERMESSUNESWESEN
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. O. Eggert,
Professor an der Techn. Hochschule
Danzig-Langfuhr, Hermannshöfer Weg 6.
c Heft 1. =
1919. Januar. Band XLVIII.
Der Abdruck von Original-Artikein ohne vorher eingeholte Erlaubnis
der Schriftleitung ist untersagt.
Beitrag zur Bestimmung der Fernrohrvergrösserung.
Von L. Stahb, Landmesser, Assistent an der Landw. Hochschule Berlin.
Unter der Vergrösserung v eines Keplerschen Fernrohrs versteht man
bekanntlich das Verhältnis: |
(1)
KESESIETTIIIITERTEN
> INNEREN Sl oe
Bild 1% |
Ir
\
d.h.: Das Verhältnis der Sehwinkel, unter denen ein Auge in 4, in der
günstigsten Sehweite w des Okulars, das scheinbare Bild S des Gegen-
standes und ein anderes Auge im vorderen Brennpunkte F' des Objektivs
den Gegenstand selbst sehen würde (Bild 1a). N Dr
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft 1. 1
2 stahb. Beitrag zur Bestimmung d. Fernrohrvergrösserung. _, Zeitschrift für
v ns wegen
1 “os
Zur Bestimmung von v dienen folgende Relationen:
w f
ww
Mit grosser Annäherung kann man die günstigste Sehweite w gleich der
Brennweite p des Okulars setzen und erhält dann angenähert:
® = 5 "Brennweite des Okulars ' (2)
Da aber dem Geodäten die Bestimmung der Brennweiten nicht so bequem
ist wie dem Physiker, benutzt jener noch die folgenden Relationen:
Bild 2.
Wird ein Fernrohr auf „unendlich“ eingestellt, so ist der Abstand
zwischen Okular und Objektiv gleich der Summe der Brennweiten f-+
(Bild 2). Also wird: |
p d
wobei D den Durchmesser des Objektivs und d den Durchmesser des Objektiv-
bildes bedeutet. Den Durchmesser des Objektivbildes (des Ramsdenschen
Kreises) kann man auf einem Massstab hinter dem Okular ablesen. Man
erhält also zur Bestimmung der Vergrösserung die Formel
zu DE Durchmesser des Objektivs 0
% = 7° Durchmesser des Ramsdenschen Kreises (8)
“Benutzt man in der Definition der Vergrösserung statt des Winkels u
den wirklichen Selıwinkel o (Bild 1b), unter dem man den Gegenstand
mit blossem Auge sieht, so erhält man das Verhältnis:
v
Us = 9° (4)
das man als die „scheinbare Vergrösserung“ bezeichnet. Sie ist nicht
identisch mit der Vergrösserung v, sondern weicht um so mehr von v ab,
je näher dem Objektiv sich das Ziel befindet, denn:
Zeitschrift für 1 1 eg: :
| fermessungswosen Stahb. Beitrag zur Bestimmung d. Fernrohrvergrösserung. 3
‘ Nach Formel 1 ittv — z und nach Formel 4 v, = j ,‚ also tritt
anstelle des Winkels u der Vergrösserung v bei der scheinbaren Vergrös-
‚serung der Winkel 0, dessen Scheitelpunkt A von dem Scheitelpunkt F
des Winkels a um das Stück f-+- 2 entfernt ist.
Je kleiner nun die Entfernung des Gegenstandes vom Objektiv ist,
un so grösser ist der Einfluss der Entfernung f-- ! der beiden Scheitel-
punkte A und F’ auf die Verschiedenheit der Grösse der Winkel u und
| o und damit auf die Verschiedenheit der Werte v und »,.
| Rechnerisch besteht zwischen der wirklichen Vergrösserung v und der
scheinbaren Vergrösserung v, das folgende Verhältnis:
v
u 0
no T m
0
a Air H H
sun ist, in analytischem Mass ausgedrückt: o = GI und u = er
‚ (Bild la und 1b), also:
H
v oO a+! a—f
v„» a HH Ta-tl
a — rt
om. 6)
Die scheinbare Vergrösserung hat den Vorteil, dass sie sich sehr
| kicht feststellen lässt. Die einfachste Methode, welche nur das Auge
selbst als Hilfsmittel braucht, ist die folgende:
Man blickt mit beiden Augen zugleich nach einer Zielskala, und zwar
| Mit einem Auge durch das zu untersuchende Fernrohr, mit dem anderen
' Auge unbewaffnet (d. h. mit blossem Auge). Nun schätzt man, wieviel
_ Äirekt gesehene Skalenteile von einem im Fernrohr vergrössert gesehenen
Skalenteil überdeckt werden. Die sich ergebende Zahl ist die scheinbare
; Vergrösserung. Denn:
| Bezeichnet man die Grösse eines von A aus (Bild 1b) mit blossem
ı Auge gesehenen Skalenteiles mit s, denselben Skalenteil, durch das Fern-
rohr vergrössert gesehen, mit S, so ist:
S
0» _ m _ 8 _ __1 Skalenteil, im Fernrohr gesehen
Pre s s 1 Skalenteil, mit blossem Auge gesehen
m
Man kann zu dieser Abschätzung jede beliebige Nivellierskala benutzen,
übersichtlicher jedoch, besonders für den Anfänger, ist eine nur durch
schwarze, rote und weisse Querstriche in Zentimeter eingeteilte Skala;
+ Stahb. Beitrag zur Bestimmung d. Fernrohrvergrösserung. ers nn Bas
1919.
bei Benutzung einer solchen bietet sich den beiden Augen Bild 3 dar, bei
dem die schwarz gezeichnete Skala ‚die mit blossem Auge gesehene, die
schraffierte Skala die durch das Fernrohr gesehene darstellt. Die abge-
schätzte scheinbare Vergrösserung bei Bild 3 wäre etwa 7I/sfach, denn
ein im Fernrohr gesehener Skalenteil überdeckt
N fImtN etwa 71/, mit blossem Auge gesehene Skalenteile.
7 So einfach diese Bestimmung an sich ist, deren
Ergebnis, die „scheinbare Vergrösserung“, dem
5 Praktiker in vielen Fällen schon genügt, ohne sie
De erst in die wirkliche Vergrösserung umzurechnen,
z => Bochadhtng ale pltngen il, dis Zinhmale
og gleich mit blossem Auge und im Fernrohr zu be-
u. trachten. Der Grund hierfür ist einerseits der
Zwang, beide Augen zugleich auf zwei verschie-
dene Entfernungen akkommodieren zu müssen,
andererseits aber auch ganz besonders die ver-
schiedene Helligkeit der Bilder, denn das Bild
im Fernrohr besitzt natürlich eine viel geringere
Helligkeit als das direkt gesehene (es ist gewisser-
massen verschleiert), und endlich die Tatsache,
dass man im Fernrohr ein sehr eng begrenztes Gesichtsfeld hat, nämlich
nur wenige Skalenteile, während bei dem direkten Blick nach der Ziel-
skala die ganze sich dem Auge darbietende Umgebung als störend emp-
funden wird.
Diese Schwierigkeiten werden zum Teil behoben, wenn man, statt mit
dem einen Auge ganz frei nach der Zielskala zu sehen, durch eine etwa
3 cm weite und 30 cm lange Pappröhre hindurchblickt. Hierdurch ist
die Verschiedenheit der beiden gleichzeitig gesehenen Bilder in Bezug auf
Helligkeit und Umfang des Gesichtsfeldes nicht mehr gar so gross. Ver-
fasser hat die Erfahrung gemacht, dass es manchem Studierenden der
hiesigen Hochschule, dem das gleichzeitige Sehen durch das Fernrohr und
mit blossem Auge garnicht gelingen wollte, sofort gelang, beide Bilder
deutlich nebeneinander zu sehen, wenn er das freie Auge mit dem eben
beschriebenen Pappröhrchen bewaffnete. Anstelle des Pappröhrchens ge-
nügt sogar ein zusammengerolltes Blatt Papier.
Alle diese Schwierigkeiten fallen natürlich ganz und gar fort, wenn
man beide Augen mit Fernrohren bewaffnet, denn dann ist gleiche Hellig-
keit und gleiches Gesichtsfeld vorhanden, und die Augen brauchen nicht
auf verschiedene Entfernungen zu akkommodieren. Eine Vergrösserungs-
bestimmung würde dann so vor sich gehen, dass man mit einem Auge
durch das zu untersuchende Fernrohr blickt, mit dem anderen durch ein
Vormensungew sur. »tahb. Beitrag zur Bestimmung d. Fernrohrvergrösserung. 5
Fernrohr, dessen Vergrösserung bekannt ist. Am nächstliegenden ist es,
dem Vorgang Stampfers folgend, ein Hilfsfernrohr mit der Vergrösserung
„Eins“ zu verwenden. Da die Vergrösserung nach Formel 2:
beträgt, müssen also bei einem solchen Hilfsfernrohr mit der Vergrös-
serung 1 die Brennweiten des Objektivs und des Okulars genau gleich
sein. Ist dies nicht streng erreicht, sondern ist z. B. die Brennweite des
Objektivs um den Betrag Af grösser oder kleiner als die Brennweite f
des Okulars, so wäre die Vergrösserung des betrefienden Fernrohrs:
1 En a1 ARE DR I. A
ee
Mithin beträgt der Fehler in der Vergrösserung:
SE.)
dv = f
Ein zu dieser Art der Vergrösserungsbestimmung vom Verfasser konstruiertes
Hilfsfernrohr stellt Bild 4 dar. Die Brennweite der Objektiv- und der
Maße in mm.
l
fi
WESEN
Ökularlinse beträgt 100 mm; dementsprechend sind die Dimensionen des
Fernrohrs bemessen. Es besteht aus einem Mittelstück a, in dem ein-
Ring db mit dem Fadenkreuz befestigt ist. An das Mittelstück ist der
Objektivteil ce und der Okularteil d angeschraubt. Die Parallaxe wird
also hier nicht durch einen gewöhnlichen Okularauszug, sondern durch
Auf- bezw. Abschrauben des Objektivs beseitigt. Für diese Art der
Konstruktion waren folgende Gründe massgebend:
1. Es kommen für die Vergrösserungsbestimmungen nur einige wenig
voneinander verschiedene Zielweiten in Betracht, da die Zielskala meist
an der Wand befestigt sein und das zu untersuchende Instrument jedes-
mal ungefähr denselben Standpunkt einnehmen wird. Wenn daher das
Hilfsfernrohr einmal für diese Entfernung eingestellt ist, so braucht bei
späteren Untersuchungen der Abstand vom Objektiv zum Fadenkreuz gar-
nicht oder nur wenig verändert werden.
2. Die Entfernung vom Fadenkreuz zum Okular ist bekanntlich fast
konstant; wenn daher der Beobachter das Okular in die günstigste Ent-
6 Stahb. Beitrag zur Bestimmung d. Fernrohrvergrösserung. Zeitschrift für
NPENER WESEN
fernung vom Fadenkreuz (ungefähr gleich der Brennweite) gebracht hat,
so ist eine Aenderung dieser Entfernung überhaupt kaum noch nötig.
3. Mit Hilfe des Hilfsfernrohres sollte unsern Studierenden gleichzeitig
gezeigt werden können, dass man mit einem Fernrohr mit der Vergrös-
serung 1 Objektiv und Okular miteinander vertauschen, d. h. das Fern-
rohr einfach umdrehen kann. Hierzu ist aber notwendig, dass sowohl
die Entfernung des Objektivs als auch des Okulars vom Fadenkreuz hin-
reichend veränderlich angeordnet werden musste. Dies lässt sich aber
durch die gewählte Konstruktion einfacher und billiger erreichen, als
durch Verwendung von zwei Okularauszügen. |
Die unter Nr. 1 und 2 näher erklärten Entfernungen des Objektivs
und Okulars vom Fadenkreuz können mittelst eingeritzter Marken am
Fernrohr vermerkt ‚werden, so dass man bei der jedesmaligen Benutzung
nur die entsprechenden Marken einzustellen braucht, um die richtigen Ent-
fernungen des Okulars und Objektivs vom Fadenkreuz zu erhalten.
Um das Auge zu zwingen, sich immer in der günstigsten Sehweite
vom Okular aufzuhalten, ist ein Aufsatzröhrchen e vorhanden, welches so
weit aufgeschoben wird, dass das Auge ungefähr um die Brennweite vom
- Okular entfernt ist,'denn dies ist ja der angenäherte Betrag der günstigsten
Sehweite.e Der Umstand, dass sich das Auge stets in der günstigsten Seh-
weite vom Okular befindet, ist gerade bei der Vergrösserungsbestimmung
von grosser Wichtigkeit, denn die ganze Herleitung der Vergrösserungs-
bestimmung beruht ja gerade auf der Annahme, dass die Entfernung w
(Bild 1a) des Auges vom Okular gleich der Brennweite des Okulars ist.
Um dies zu erreichen, ist es von grossem Vorteil, wenn der Beobachter
‚durch das Aufsatzröhrchen gezwungen wird, das Auge in die richtige Ent-
fernung vom Okular zu bringen, denn die Erfahrung zeigt, dass bei manchem
Beobachter die Entfernung des Auges vom Okular recht stark von der
normalen Entfernung abweicht.
Zur Vergrösserungsbestimmung wird nun das Hilfsfernrohr durch einen
Retortenhalter als Stativ in dieselbe Höhe gebracht wie das zu unter-
suchende Fernrohr und die Entfernung der Mitten der beiden Fernrohre
gleich der Augenentfernung (65 mm) gemacht. Nunmehr blickt man mit
beiden Augen zugleich durch die beiden Fernrohre; es ist jetzt ein Leichtes,
da Helligkeit, Gesichtsfeld und Akkommodation für beide Augen fast gleich
sind, die beiden verschieden vergrösserten Bilder der Skala zugleich zu
beobachten und abzuschätzen, wieviel Skalenteile des im Hilfsfernrohr ent-
standenen Bildes einen Skalenteil des im zu untersuchenden Fernrohr ent-
standenen Bildes decken.
Um nun hieraus die Vergrösserung des zu untersuchenden Fernrohrs
zu bestimmen, ist aber noch zu beachten, dass sich zwar die beiden Augen
in derselben Entfernung von der Zielskala (re -- MD) befinen, dass aber die
zeitschrift ir‘ Stahb. Beitrag zur Bestimmung d. Fernrohrvergrösserung. 7
Veen ea wenen .
Entfernung @ (Objektiv-Ziel) beim Hilfsfernrohr eine andere ist wie bei
dem zu untersuchenden Fernrohr, weil die I,änge der beiden Fernrohre
verschieden ist.
Nach Gleichung 5 gilt für das zu untersuchende Fernrohr
ae L
ee
und für das Hilfsfernrohr möge die entsprechende Formel lauten:
an : a ir f'
® Us a‘ + l‘
Dabei ist a +! = a’-+-T!‘, denn beide Ausdrücke bedeuten die Ent-
ternung des Auges von der Zielskala. : Folglich ist:
v
0) vv a-—f 0 a—
Per e«_f ze af
o
Mithin :
rw... on (6)
Hierin bedeutet v’ die bekannte Vergrösserung des llilfsfernrohres, in un-
serem Falle also v = 1. Der Wert en ist gleich der Anzahl der im
Hilfsfernrohr gesehenen Skalenfelder, die von einem im zu untersuchenden
Fernrohr gesehenen Skalenfeld überdeckt werden. Die Zielweite @ des zu
untersuchenden Fernrohres und a‘ des Hilfsfernrohres müssen direkt ge-
messen werden, die Brennweite f’ des Hilfsfernrohres ist ein für alle Mal
bekannt, die Brennweite f des zu untersuchenden Fernrohres muss bestimmt
werden. Hierzu genügt die Methode der Brennweitenbestimmung durch
Einstellung des Fernrohrs auf „unendlich“, wobei bekanntlich die Bildweite
gleich der Brennweite ist.
Beispiel: Die Vergrösserung eines Fernrohres, dessen Brennweite
f= 430 mm beträgt, soll bestimmt werden. Es wird hierzu ein Hilfs-
iernrohr mit der Vergrösserung v’ = 1 und der Brennweite f‘ = 100 mm
benutzt. Die Zielweite a beträgt für das zu untersuchende Fernrohr
5015 mm, für das Hilfsfernrohr a‘ = 5123 mm.
Beim gleichzeitigen Durchblick dureh beide Fernrohre überdeckt ein
Skalenfeld des zu untersuchenden Fernrohres 25,3 Skalenfelder des Hilfs-
fernrohres.
Die gesuchte Vergrösserung beträgt:
‚„» (==
cv = Un. a . a f
Rn 5015 — 430
re ee
8 Bücherschau. — Neue Schriften. Zeitsehrift für
VORN
An diesem Beispiel sieht man, wie einfach und schneil die Bestimmung
der Fernrohrvergrösserung mittels eines Hilfsfernrohres vor sich geht,
besonders wenn die Vergrösserung einer grösseren Anzahl von Fernrohren
bestimmt werden soll.
=
Bücherschau,
Rechentafel nebst Sammlung häufig gebrauchter Zahlenwerte. Ent-
worfen und berechnet von Dr.-Ing. Dr. H. Zimmermann, Wirkl.
Geh. Oberbaurat. 8. Auflage. Berlin 1918. Ausgabe A ohne be-
sondere Quadrattafel. Preis geb. 8 Mk. Ausgabe B mit Anhang,
enthaltend Quadrattafel Preis geb. 9 Mk.
Im Jahrgang 1911 d. Z. ist S. 191—193 über die sechste Auflage
der Zimmermannschen Rechentafel eingehend berichtet worden. Nach-
dem die Ausgabe B bereits im Jahre 1912 in 7. Auflage erschienen ist,
wurde im Anfang des Jahres 1918 eine neue Auflage erforderlich. Grund-
legende Änderungen gegen die 6. Auflage sind nicht vorgenommen
worden; es sei daran erinnert, dass Ausgabe A nur die ursprüngliche,
in Fachkreisen genügend bekannte Multiplikationstafel enthält, wäh-
rend Ausgabe B eine Quadrattafel in der für die Zwecke des Land-
messers bewährten Form lose beigefügt worden ist. Papier und Druck
zeigen auch in der neuen Auflage trotz den zur Zeit bestehenden
Schwierigkeiten keine nennenswerte Verschlechterung gegenüber den
früheren Ausgaben. Eggert.
Neue Schriften.
Praktische Mathematik. 1. Teil: Graphische Darstellungen, Verkürztes
Rechnen, Das Rechnen mit Tabellen, Mechanische Rechenhilfs-
mittel, Kaufmännisches Rechnen im täglichen Leben, Wahrschein-
lichkeitsrechnung, von Prof. Dr. K. Neuendorff. 2. Auflage.
(Aus Natur und Geisteswelt, Bd. 341.) Leipzig 1917. Preis geb.
1.50 Mk.
Praktische Mathematik. 2. Teil: Geometrisches Zeichnen, Projektions-
lehre, Flächenmessung, Körpermessung, von Prof. Dr. R. Neuen-
dorff. (Aus Natur und Geisteswelt, Bd. 526.) Leipzig 1918.
Planimetrie zum Selbstunterricht, von Paul Crantz, Professor am As-
kanischen Gymnasium zu Berlin. 2. Auflage. (Aus Natur und
Geisteswelt, Bd. 340.) Leipzig 1918.
Kalender für Landmessungswesen und Kulturtechnik, begr. von W. Jor-
dan, fortges. von W. von Schlebach, jetzt unter Mitwirkung von
E. Canz, Oberbaurat in Stuttgart, A. Emelius, Landmesser in Bran-
Zeitschrift für Hüser. Der Deutsche Geometerverein und der Krieg. 9
el ie
denburg, W. Ferber, Ratsvermessungsdirektor in Leipzig, Dr., Dr.-ing.
e.h. Seb. Finsterwalder, Geheimer Hofrat, Professor in München,
Dr.-ing. W. Frank, Vorstand d. Kgl. Strassen- und Wasserbauinspektion
Heilbronn, Dr. A. Galle, Geheimer Regierungsrat und Professor, Ab-
teilungsvorsteher am geodätischen Iııstitut in Potsdam, P. Gerhardt,
Wirkl. Geh. Oberbaurat und vortragender Rat in Berlin, Dr. Eb. Gie-
seler, Geh. Reg.-Rat in Bonn, Dr. J. Hansen, Geh. Reg.-Rat, Professor
in Königsberg i. Pr., A. Hüser, Oberlandmesser in Harleshausen bei
Cassel, Dr. Samel, Privatdozent in Bonn, Dr., Dr.-ing. e. h. Ch. A.
Vogler, Geh. Reg.-Rat, Professor in Berlin, herausgegeben von Curtius
Müller, Geheimer Regierungsrat, Professor in Bonn. 42. Jahrgang
für 1919. Drei Teile in 2 Bänden mit vielen Abbildungen. Taschen-
format. Teil I und II gebunden M.5.—. (Teil III, geheftet erscheint
später.) Stuttgart, Konrad Wittwer.
Der Deutsche Geometerverein und der Krieg.
XXX.
(Schluss.)
Der Krieg ist zu Ende, wenngleich wir auf den endgültigen Frie-
den jedenfalls noch einige Zeit warten müssen. Wie derselbe aus-
allen wird, das ist jetzt die bange Frage, welche alle Gemüter bewegt,
wie denn auch über der Zukunft unseres geliebten deutschen Vater-
landes noch ein undurchdringlicher Schleier liegt. — Hoffen wir, dass
der Verfall des deutschen Kaiserreiches nicht gleichzeitig den Ver-
fall der mühsam errungenen Reichseinheit nach sich zieht. —
An einen solchen Rückschlag, der das gesamte Deutschtum wieder
in seine alte Zerrissenheit, deren Wirkungen nur die alten Leute noch
kennen, zurückwerfen würde, kann man ohne unendliche Trauer gar
nicht denken, und so wollen wir auch im Interesse unseres Standes
hoffen, dass Deutschland aus dem gegenwärtigen Chaos als lebens-
fähiger Staatenbund wieder erstehen möge. Dass unser Verein hieran
das grösste Interesse hat, liegt auf der Hand, denn ohne eine gemein-
same Reichsregierung sind alle unsere Bestrebungen betr. die Verein-
heitlichung der Vorschriften für die Ausbildung, Bestellung und Anstel-
lung der deutschen Landmesser und Geometer von vornherein aus-
Sichtslos und damit auch der Bestand des Vereins ernstlich gefährdet.
Für die noch lebenden wenigen Mitglieder, welche den Verein im
Jahre 1871 mitbegründet haben, worunter auch der Unterzeichnete, der
seit 25 Jahren dem Vorstande angehört, wäre es ein trauriger Ab-
Schluss, wenn sie den Untergang des Deutschen Reiches und damit
auch des Deutschen Geometervereins noch erleben müssten.
Hoffen wir das beste, und möge unser geliebtes Vaterland und auch
10 Hüse.. Der Deutsche Geometerverein und der Krieg. Zeitsehrift für
a
der Verein in nicht allzulanger Zeit imstande sein, die Wunden zu hei-
en, welche ihm der grausame Krieg geschlagen hat!
Von den 2622 Mitgliedern des Vereins im Jahre 1914 sind im Laufe
der vier Kriegsjahre 1213 zum Heeresdienste eingezogen worden. Von
diesen haben 141 auf dem Felde der Ehre den Heldentod erlitten.
In der am Schlusse befindlichen Ehrentafel sind die Namen der Gefal-
lenen veröffentlicht. —
In den Kolonien befanden sich 16 Mitglieder, über deren Schicksal
bisher keine Nachrichten vorliegen. |
Die Namen sind nachstehend genannt und jeder Anıtsgenosse, der
über einen derselben Auskunft geben kann, wird gebeten, diese an den
Unterzeichneten gelangen zu lassen.
3025. Görgens, Hugo, Oberlandmesser in Windhoek (Südwestafrika)-
3666. Techmer, Reg.-Landmesser in Moschi (Ostafrika).
3686. (Gödecke, Kaiserl. Oberlandmesser in Tsingtau.
3726. Steffen, Reg.-Landmesser in Omaruru (Südwestafrika).
3835. Haidlen, Reg.-Landmesser in Apia (Samoa).
3865. Moldenhauer, Kaiserl. Landmesser, das.
3926. Henze, Reg.-Landınesser in Okahandje (Südwestafrika).
3960. Löwenich, Reg.-Landmesser in Omaruru (Südwestafrika).
4011. Schmidt, Max, Reg.-Landmesser in Windhuk (Südwestafrika).
4192. Stübner, August, Reg.-Landmesser in Duala (Kamerun).
4217. Volkmann, Landmesser in Otavi.
4273. Drinkhut, Reg.-Landmesser in Ontjo (Südwestafrika).
4848. Dieterle, Reg.-Landmesser in Dar-es-Salam (Ostafrika).
5219. Dietrich, Otto, Landmesser in Neu-Moschi (Ostafrika).
5493. Sprandel, Paul, Feldmesser in Morogoro (Ostafrika).
5529. Hildenbrand, Reg.-Landmesser in Duala (Kamerun).
Von Herrn Stübner lief während des Druckes dieser Zeilen die er-
freuliche Nachricht ein, dass er wieder in Deutschland eingetroffen ist
und seinen Wohnsitz in Bautzen genommen hat.
Zu seiner glücklichen Rückkunft mögen ihm hiermit die herzlichsten
Glückwünsche ausgesprochen sein.
Die Einnahmen des Vereins haben sich durch den Ausfall der Bei-
träge der Kriegsteilnehmer ganz bedeutend verringert, denn von den
zum Heeresdienst eingezogenen Fachgenossen wurden nur die freiwillig
eingesandten Beiträge vereinnahmt, dagegen wurde auf Vorstandsbeschluss
von einer Einziehung durch Nachnahme abgesehen. Wo dieses in ein-
zelnen Fällen dennoch geschehen ist, war dem Vorstande die Itriegs-
teilnahme des betreffenden Mit "!irtes 1ieli bekannt geworden. Auch der
Umstand, dass ‘den mehrfachen Austritten gegenüver nur wenige Neu-
aufnahmen stattgefunden habeır, hat auf die Einnahmen nachteilig einzewirkt.
|
Zeitschrift für Hüser. Der Deutsche Geometerverein und der Krieg. 11
TrmESEnUBEW OBER
Infolge des angegebenen grossen Ausfalles an Einnahmen und
der Jahr für Jahr sich steigernden Ausgaben für den Druck und Ver-
sand der Zeitschrift war es ganz unmöglich, allmonatlich mehr als ein
Heft der Zeitschrift erscheinen zu lassen.
Auch die übrige Vereinstätigkeit hat natürlich unter dem Druck des
Krieges gelitten, wozu noch der Umstand, dass für den im Jahre 1913
verstorbenen Obersteuerrat Steppes kein Ersatz £cewählt werden
konnte, wesentlich beigetragen hat.
Immerhin wurden ausser der Herausgabe der Zeitschrrft noch
einige Eingaben an verschiedene Behörden fertiggestellt. Von der
Veröffentlichung des Inhalts muss an dieser Stelle abgesehen werden,
um dem Bericht des Vorsitzenden auf der nächsten Hauptversammlung
nicht vorzugreifen.
An der Fürsorge für unsere Krieger hat sich der Verein trotz der
Verringerung der Jahreseinnahmen lebhaft beteiligt, wozu allerdings
auch das Vereinsvermögen in Anspruch genommen werden musste.
Es wurden verausgabt:
im Jahre 1914 an das rote Kreuz. . . . 2 2 2.202...5000 Mk.
» „ 1914—1918 für Kriegerheimstätten j
4 Jahresbeiträge zu 30 Mk. . . 120 Mk.
"» „1916 ein ausserordentlicher Beitrag . . 100 „ 220
an den Kriegerhilfsbund . . . . . 2.2....200 „
"» „1917 als Liebesgabe für die U-Bootleute . . . . 150
desgl. für deutsche Flieger . . . . 100
| im Ganzen 5670 Ak.
Ausserdem wurden noch für 11300 Mark Kriegsanleihe erworben und
lie Unterstützungen an bedürftige Hinterbliebene von Fachgenossen
in bisheriger Weise weitergezahlt. |
Es wird sich nach Friedensschluss noch mehrfach (Gelegenheit
bieten, diese Hilfstätigkeit fortzusetzen, und es wäre sehr zu wünschen,
dass dieses dem Verein durch vermehrten Beitritt neuer Mitglieder
in ausgiebiger Weise ermöglicht würde.
Allen unsern Mitgliedern, hauptsächlich aber den Vorständen un-
serer Zweigvereine, möge daher die Werbung neuer Mitglieder dringend
ans Herz gelegt werden, damit für die durch den Krieg eingetretenen
Verluste völliger Ersatz geschaffen und der Verein in den Stand gesetzt
werde, die seiner aller Voraussicht nach wartenden grossen Aufgaben
au lösen.
Kassel-Harleshausen, im Dezember 1918. 4. Hüsır.
12 | Ehrentafel. Zeits
chrift
Vermessungswesen
1919.
Ehrentafel.
Von den Mitgliedern des Deutschen Geometervereins
erlitten den Heldentod im Kampfe fürs Vaterland:
3177. Ahrberg, Reg.-Landmesser in Hanau, 1917.
3927. -Ahrend, Reg.-Landmesser in Düren, 1914.
3132. Albrecht, F., Reg.-Landmesser in Frankenberg (Hessen-Nassau),
1917.
3752. Albrecht, Max, Vermessungsinspektor in Friedenau, 1915.
5565. Alpmann, Reg.-Landmesser in Prüm (Eifel), 1914.
3%5. Bader, Reg.-Landmesser, das., 1914.
4101. Baehrens, Reg.-Landmesser in Mühlhausen i. Thür., 1915.
5101. Bezler, Geometer in Heidenheim a. Brenz, 1915.
5825. Binder, Robert, Katastergeometer in Stuttgart, 1915.
4021. Bittner, Oberlandmesser in Kolberg (Pommern), 1917.
4914. Bloch, Oberlandmesser in Gera (Reuss), 1916.
5349. Blümel, Kreislandmesser in Osterode (Ostpreussen), 1914.
3740. Bode, Herzogl. Kreislandmesser in Cöthen (Anhalt), 1917.
3794. Brehmer, Dr., Landmesser, Hamburg-Fuhlsbüttel, 1915.
3745. Breithaupt, Wilh., Stadtgeometer in Singen a. Hohentwiel, 1918.
3909. Brockmann, städt. Landmesser in Frankfurt a. M., 1918.
5897. Davids, Reg.-Landmesser in Köln, 1917.
3875. Deiss, A., techn. Eisenbahnsekretär in Tübingen, 1915.
5433. Demme, Landmesser in Berlin-Südende, 1915.
3733. Dencker, Reg.-Landmesser, Stolzenau a. Weser, 1914.
5815. Donner, Willi, Kgl. Landmesser in Dresden, 1915.
5667. Dussler, Katastergeometer in Stuttgart, 1915.
5362. Eisl, Sebastian, Obergeometer in Cham, 1918.
5880. Engwitz, vereid. Landmesser in Berlin-Pankow, 1915.
4494. Erbstösser, Katasterlandmesser in Schönwald bei Gleiwitz, 1917.
5504. Finck, Katasterlandmesser in Strassburg (Elsass), 1916.
5580. Foss, Eisenbahngeometer in Brackenheim, 1916.
5%”. Finken, Reg.-Landmesser in Aachen, 1914. |
5105. Frank, Emil, Geometer in Langenau bei Ulm, 1914/15.
4502. Friedrich, Katasterkontrolleur in Glogau, 1915.
5605. Fromm, Reg.-Landmesser in Magdeburg, 1915.
5916. Füllgrabe, Landmesser in Plettenberg, 1915.
4149. Geissler, städt. Landmesser in Köln-Nippes, 1914.
5704. Grieshaber, Alfred, Geometer in Säckingen, 1915.
nee reersaeh Ehrentafel. 13-
5311. Grotrian, Harald, Landmesser in Hamburg, 1914.
5435. Hahn, Reg.-Landmesser in Zehlendorf-West, 1914 (oder 1915?)..
4714. Handke, Gemeindelandmesser in Berlin-Mariendorf, 1915.
4498. Hansen, Katasterkontrolleur in Berlin-Südende, 1916.
5197. Hermann, Katasterkontrolleur in Adelnau (Posen), 1914.
4220. Hermann, Katasterlandmesser in Königsberg i. Pr., 1914.
5300. Herrgoss, vereid. Landmesser in Tilsit, 1914.
2831. Hillmer, Professor in Bonn, 1915.
5078. Hintze, Kgl. Landmesser in Marienburg (Westpreussen), 1915..
5706. Hölderle, Georg, Geometer in Pforzheim, 1914.
4112. Hönnebeck, Katasterfeldmesser in Strassburg (Elsass), 1914.
5549. Horster, vereid. Landmesser in Neuss, 1915.
4895. Jsenmann, Geometer der Staatsbahn, Wertheim a. Main, 1917.
5663. Käselau, vereid. Landmesser in Karlshorst bei Berlin, 1915.
3957. Kern, Stadtgeometer in Heilbronn, 1914 (oder 1915?).
3067. Kessler, Reg.-Landmesser in Wetzlar, 1916.
4210. Kirsten, Erwin, staatl. gepr. Landmesser in Dresden, 1918.
5826. Kleine, Reg.-Landmesser in Sigmaringen, 1916.
5803. Klöckner, Landmesser und Assistent a. d. techn. Hochschule in
Danzig, 1915.
34586. Knoll, Rudolf, Katasterkontrolleur in Sommerfeld, 1914.
3799. König, Reg.-Landmesser in Wetzlar, 1917.
2768. Konegen, Abteilungs-Landmesser in Hamburg, 1915.
4844. Krauss, Karl, Bezirksgeometer, Bonndorf, 1914.
3183, Krüger, Kunibert, Reg.-Landmesser in Neustettin, 1916.
3284. Krüger-Velthusen, Steuerinspektor in Gelnhausen, 1915 (oder-
1916?). i
3661. Kuhn, Reg.-Landmesser in Recklinghausen, 1914.
4925. Lehrmann, Emil, Reg.-Landmesser in Jülich, 1916.
3066. Lohmann, Reg.-Landmesser in Dillenburg, 1915.
3605. Lübbers, vereid. Landmesser in Hannover, 1915.
3431. Ludwig, Reg.-Landmesser in Limburg a. d. Lahn, 1914.
3197. Lüthke, Franz, vereid. Landmesser in Charlottenburg, 1914.
3947. Maier, Emil, Geometer in Oberndorf, 1914.
9859. Mavin, Katasterfeldmesser in Saaralben i. Lothringen, 1915.
9951. Mauthe, Alfred, Geometer in Marbach, 1915.
3747. Mayer, Karl, Geometer in Karlsruhe (Baden), 1917.
3525. Meerbach, Walter, Reg.-Landmesser in Frankenberg (Hessen--
Ä Nassau), 1914.
3135. Meitzner, Otto, Reg.-Landmesser in Königsberg i. Pr., 1914.
4842. Mendel, Kgl. Landmesser in Neufahrwasser, 1915.
3014. Mestmacher, Reg.-Landmesser in Köln, 1916.
14
4453.
4336.
4778.
5742.
3781.
3928.
5547.
5571.
‚3082.
5172.
. 98307.
9094.
‚3607.
5289.
5475.
4858.
5491.
3643.
4034.
5290.
5238.
5874.
‚3261.
4460.
4350.
4064.
4882.
5922.
2823.
4367.
979.
6005.
4145.
3251.
5768.
3324.
3852.
Ehrentafel. Zeitschrift für
er: Anke
Meyerhoff, Oberlandmesser in Düsseldorf, 1914.
Möhring, Reg.-Landmesser in’ Waldbroel, 1915.
Moritz, Walter, städt. Landmesser in Königsberg ı. Pr., 1914.
Mortensen, Karl, städt. Landmesser in Berlin, 1915.
Muermann, Reg.-Landmesser in Arnsberg, 1914.
Nega, Reg.-Landmesser in Bülow in Pommern, 1918.
Oertel, Ulrich, verpfl. Feldmesser in Aue i. Sachsen, 1916.
Oertle, Geometer in Stuttgart, 1914 (oder 1915?).
Öttsen, Karl, Eisenbahnlandmesser in Halle a. d. Saale, 1918.
Panten, Kgl. Eisenbahnlandmesser in Breslau, 1917.
Paulus, Josef, Reg.-Landmesser, Recklinghausen, 1915.
Pfistermeister, Dipl.-Ing. und Geometer, München, 1915.
Pichelt, Reg.-Landmesser in Bielefeld, 1914.
Poeschmann, Bezirks-Landmesser in Oschatz, 1915.
Pohl, Reg.-Landınesser in Ratibor, 1916.
Poppe, Reg.-Landmesser in Koburg, 1915.
Rasche, Hermann, Katasterlandmesser in Halle (Westf.), 1915.
Reiss, A., Eisenbahn-Landmesser, Bischweiler (Elsass), 1915.
Remy, August, Reg.-Landmesser in Fulda, 1914.
Rentsch, verpfl. Feldmesser in Grossröhrdorf (Sachsen), 1915.
Richter, Finanzlandmesser in Dresden, 1914.
Richter, verpfl. Feldmesser in Frankenberg (Sachsen), 1916.
Röpke, Reg.-Landmesser in Breslau (beim Ausbruch des Krie-
ges aus Bolivia zurückgekehrt), 1914.
Roggenbau, Kreisbaumeister in Grimmen (Pommern), 1915.
Rohde, Eisenbahnlandmesser in Königsberg i. Pr., 1915.
Rohde, Reg.-Landmesser in Eisenach, 1917.
Sardemann, Reg.-Landmesser in Neuwied, 1915.
Schalk, Kurt, verpfl. Feldmesser in Dresden, 1917.
Scharnhorst, Baurat, Obervermessungsinspektor in Dresden-
Loschwitz, 1914.
Schmidt, Fürstl. Oberlandmesser in Schötmar (Lippe), 1916.
Schnoor, Katasterlandmesser in Saalfeld (Sachsen-Meiningen),
1918.
Schobert, Fritz, beeid. Landmesser in Dresden, 1918.
Schönherr, Katasterkontrolleur in Katscher, 1918.
Schott, Reg.-Landmesser in Mühlhausen (Thüringen), 1918.
Schuler, Geometer in Feuerbach, 1915 (oder 1916?).
Schulze, Markscheider und Landmesser in Hannover (seit 1914
vermisst, also wahrscheinlich gefallen).
Schwenzer, Aug., techn. Eisenbahnsekretär in Esslingen (Wärt-
temberg), 1918.
Zeitschrift für Personalnachrichten. 15
a
5996. Schwerdt, Jakob, Eisenbahngeometer in Offenburg, 1914.
5443. Schweyher, Geometer in Oberndorf a. N., 1917.
5827. Severin, Herzogl. Landmesser in Bernburg (Anhalt), 1916.
4896. Seybold, Eugen, Feldmesser in Waiblingen, 1918.
4871. Sielaff, Katasterlandmesser in Köslin, 1915.
4606. Siemann, Katasterfeldmesser in Bremen, 1916.
5398. Sollinger, Katastergeometer in München, 1916.
5847. Stammer, Karl, Geometer in Villingen, 1916.
5624. Stegemann, vereid. Landmesser in Hamburg, 1915.
3208. Stegen, Katasterkontrolleur in Altkirch (Oberelsass), 1915.
9948. .Steinbrenner, techn. Eisenbahnsekretär ın Stuttgart, 1915.
5976. Streitmüller, Geometer in Mannheim, 1914.
4000. Tiltmann, Steuerinspektor in Gerdauen (Ostpreussen), 1915.
4046. Truck, Sigismund, k. k. österreich. Major a. D., Wien, 1916.
5146. Türschmann, Bezirkslandmesser in Grimma, 1917 (im Lazarett
gestorben).
9427. Viereck, Reg.-Landmesser in Aachen.
3541. Voigt II, Reg.-Landmesser in Wiesbaden, 1918.
4002. Weber, Reg.-Landmesser in Greifswald, 1915.
3248. Weber, Kreisgeometer in Butzbach, 1914.
4400. Weinig, Dr., Reg.-Landmesser in Soest, 1914.
9407. Weller, Adolf, Geometer in Tübingen, 1914.
3598. Werner, Karl, Reg.-Landmesser in Oppeln, 1915.
3919. Wernicke, Kataster-Landmesser in Gross-Bartelsee (Bezirk
. Bromberg), 1915.
3441. Wesener, Katasterfeldmesser in Strassburg (Elsass), 1918.
5131. Wetzig, Rudolf, Eisenbahngeometer in Pforzheim, 1915.
4830. Wienbeck, Reg.-Landmesser in Hildburghausen, 1918.
5416. Wild, Reg.-Landmesser in Düren (Rheinl.), 1914.
4039. Willrath, Reg.-Landmesser in Guben, 1914.
3416. Zielinski, Reg.-Landmesser in Limburg a. d. Lahn, 1916.
4673. Zimmermann, städt. Landmesser in Friedrichsfelde bei Berlin,
1914.
4788. Zur Loye, Reg.-Geometer in Oldenburg i. Gr., 1915.
Personalnachrichten.
Preussen. Katasterverwaltung. Versetzt sind der Kataster-
kontrolleur Steuerinspektor Bigalke von Glogau als Regierungslandmesser
nach Magdeburg und der Katasterkontrolleur Müller von Wallmerod
nach Langenschwalbach. Bestellt sind die Katasterlandmesser Greve,
16 Nachruf. Zeitschrift für
Vermessungswesen
Kamolz und Scholz zu Katasterkontrolleuren in Wallmerod, bezw.
Tilsit (Kat.-Amt 1) und Glogau, sowie Schlue zum Regierungslandmesser
in Stettin. — Dem Katasterkontrolleur Steuerinspektor Müller in Cleve
ist der Rote Adlerorden IV. Kl. verliehen worden.
Kommunalverwaltung. Vereid. Landmesser Hoffmann in Köslin
ist zum Leiter des Stadtvermessungsamtes in Tilsit ernannt worden. —
Gestorben ist der städtische Oberlandmesser Richard Repkewitz in
Charlottenburg.
Landwirtschaftliche Verwaltung. Dem OÖberlandmesser a. D.
Nebelung in Halle a. S. ist der Kronenorden III. Kl. verliehen worden.
— Gestorben ist der Reg.-Landm. Stechhan in Königsberg i. Pr. —
Der Privatdozent an der Universität Münster i. W. Dr. Timpe ist zum
ord. Professor der Mathematik an der Landwirtschaftlichen Hochschule
in Berlin ernannt worden.
Sachsen. Der Vermessungsprüfer beim Landesamt für Grundstücks-
zusammenlegungen, früher Generalkommission für Ablösungen und Ge-
meinheitsteilungen in Dresden, Oekonomierat Emil Oskar Büttner, ist
vom 1. Januar 1919 ab zum Oberrat befördert worden mit der Dienst-
bezeichnung Oberregierungsrat.
Nachruf.
Am 16. November 1918 verstarb in Magdeburg nach längerem Leiden
aber nur kurzem Krankenlager in seinem 61. Lebensjahre
Oberlandmesser Loewe.
Durch seine in früheren Jahren ausgeübte rege Beteiligung in der
Fachliteratur ist Loewe in weiten Kreisen der 'Kollegenschaft bekannt
geworden, und haben seine geistigen Werke wie: Koordinaten-Tafeln für
Polygon- und Kleinpunktberechnungen, Wassermengen in Kanälen, Drainagen
u. a. m. ihm bei seinen Fachgenossen ein dauernd gutes Andenken gesichert.
Magdeburg, im Dezember 1918. Mater.
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: Beitrag zur Bestimmung der Fernrohr.
vergrösserung, von Stahb. — Bücherschau. — Neue Schriften. — Der Deutsche
(seometerverein und der Krieg, vo. Hüser. — Ehrentafel. — Personal-
nachrichten. — Nachruf.
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart.
Druck von Carl Hammer (Inh. Wilh. Herget), Kgl. Hofßuehdruskerei in Stuttgart.
ws
xLvmm. | Band. Februar
2. Heft. 1919.
Zeitschrift für Vermessungswesen
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. ©. Eggert,
Professor a, d. Techn. Hochschule in Danzig-Langfuhr
Preis des Jahrganges 10 Mark.
Im Postbezug 10 Mk. 10 Pfg. ohne Bestellgeld.
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart, Schloßstraße 14.
'nhalt.
_Wissenschaftliche Mitteilungen: Bestimmung des Maximalabstandes der
bayerischen Gausskngel vom Besselschen Erdellipsoid, von Müller. — Moor-
und Oedlandkultur, von Wolff. — Bücherschau. — Personalnachrichten.
FEINNIVELLIER-INSTRUMENTE
UNÜBERTROFFEN Ta]
EINFACHHEIT der Handhabung u. GENAUIGKEIT der Messergebnisse
De enden — -
MIT oder OHNE en Va | Ze _
KIPPSCHRAUBE Dem U a, PROSPEKT
m REIT- oder u | ie |
REVERSIONS- | A al |
mw LIBELLE u Ai Se ‚ll
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= =
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m =
SEHENNEBSEBZINRKEZAERKEERERZUHERBEBHBENER
EEPTKEREREERRESENEEEREHERN RENRNNNBRME
Theodolite mit Nonien-Mikroskopen.
D.R.G.M. System A. Fennel. D.R.G.M.”
en
Ama it
162 1693
Gesichtsfeld eines Nonius-Mikroskops
Teilung sexagesimal in !/ı2°.
Ablesung 162° 11° 30“.
Durchmesser des Horizontalkreises
13.cm
Preis ohne Vertikalkreis 600 Mark.
Preis mit Vertikalkreis 815 Mark.
Diese Theodolite weisen gegen alle anderen folgendeVorzüge auf:
1. Limbus und Nonius erscheinen stets gleichmässig und gut beleuchtet,
gleichviel ob der Theodolit im freien Gelände oder bei Benutzung
des Reflektors in Tunnels oder Gruben gebraucht wird.
2. Die Ablesung ist viel bequemer als die des gewöhnlichen Nonius, da
das Führen der Lupe entlang der Teilung wegfällt und man mit einem
Blick den Mikroskop-Nonius in seiner ganzen Länge völlig übersieht.
3. Die Schnelligkeit der Ablesung ist wesentlich grösser wie bei dem
gewöhnlichen Nonius.
4. Die neue Ablesungsart ist völlig frei von Parallaxe, da das Bild der
Limbusteilung genau in der Ebene des Mikroskop-Nonius liegt.
5. Infolge der Schnelligkeit der Ablesung, sowie der gleichmässigen
Helligkeit und Schärfe der Bilder ist die Ermüdung des Auges be-
trächtlich geringer wie bei der Ablesung mittelst Lupen.
6. Durch die grosse Uebersichtlichkeit der Limbus- und Nonienteilung
und die volle Bezifferung jedes einzelnen Grades ergibt sich eine
grosse Sicherheit gegen große Ablesefehler.
OTTO FENNEL SÖHNE, CASSE*
wu | Werkstätte für geodätische Instrumente,
ZEITSCHRIFT FÜR VERHESSUNGSWESEN
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. O0. Eggert,
Professor an der Techn. Hochschule
Danzig-Langfuhr, Hermannshöfer Weg 6.
Bee un Heft 2. Mm
1919. Februar. Band XLVIII
Der Abdruck von Original-Artikeln ohne vorher un Erlaubnis
der N Ist untersagt.
Bestimmung des Maximalabstandes der bayerischen
Gausskugel vom Besselschen Erdellipsoid.
Von Dr.-Ing. Franz Johann Müller in Augsburg.
| -1. Einleitung.
Herr ®r.:äng. Clauss hat in seiner Dissertation: „Das Verhältnis
der Gaussischen und der Soldnerschen Bildkugel zum Besselschen Erd-
ellipsoid “ (München 1916) gezeigt, dass die Gausskugel das Besselsche
Erdellipsoid in einer Raumkurve 4. Ordnung 1. Art durchdringt, die im
Berührungspunkte mit dem Ellipsoid einen wirklichen Doppelpunkt hat.
Diese Kurve 4. Ordnung schneidet aus der Gausskugel eine Schals aus,
die ausserhalb des Besselschen Erdellipsoids liegt. Auf Seite 13 seiner
Dissertation bestimmt Dr. Clauss mittels eines Näherungsverfahrens jenen
Punkt .dieser Kugelschale, der von dem Besselschen Erdellipsoid am wei-
testen absteht und zwar einmal für die Gausskugel mit der Mittelbreite
po = 48055‘ von Bayern, das andere Mal für die Gausskugel mit der
Mittelbreite g = 51035’ von Deutschland.
Die nachfolgenden Zeilen bezwecken nun die von Dr. Clauss ge-
machten Annahmen mittels den Methoden der analytischen Geometrie nach-
zuprüfen. Die rechnerische Auswertung der gewonnenen Formeln gibt für
die geograpbische Breite des vom Besselschen Erdellipsoid am weitesten
entfernten Punktes der bayerischen Kugelschale pm = 660 24° 30” und
die Entfernung D zu 139,13 m; während Dr. Clauss für diese Grössen
folgende Zahlenwerte ausgerechnet hat, nämlich: 9 = 62018’50°;
D = 120,06 m.
Bei Behandlung der analogen Aufgabe für zwei Raumkurven habe ich
als Beispiel zwei windschiefe Gerade gewählt und für diesen Fall ein
Zeitschrift fiir Vermessungswesen 1919. Heft'’2. 2
Y8 Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. vermeenungs für
Zahlenbeispiel durchgerechnet, weil mir dieses Beispiel’ für die höhere
Geodäsie sehr lehrreich zu sein scheint. Die in den Elementen der dar-
stellenden Geometrie so oft gestellte und gelöste Aufgabe: „Den kürzesten
Abstand zweier windschiefer Geraden zu bestimmen“ hät in der analyti-
schen Geometrie nicht allzuviel Lösungen gefunden, welche für die Zwecke
der höheren Geodäsie in rechentechnischer Hinsicht praktisch verwendbar
wären. Hesse hat zwar in seinen klassischen Vorlesungen über die ana-
Iytische Geometrie des Raumes (Leipzig 1869, Seite 76) die Aufgabe in
theeretischer Hinsicht völlig gelöst, dieselbe für :Rechenzwecke aber nicht
weiter- verfolgt. Vom Standpunkt. des Geodäten aus hat sich lediglich
A. Sonderhoff in seinem: „Beitrag zur höheren Geodäsie“ (Leipzig 1872,
Sonderabdruck aus der Zeitschrift für Mathematik und Physik, herausge-
geben von Schlömilch) an das vorliegende Problem herangemacht. Doch
Sonderhofis Resultate blieben "unbeachtet, weil seine Ausdrucksweise. unge-
läufig, ja ini Vergleich zu .der herrschenden. widersprechend und entgegen-
gesetzt ist; so.dass das‘ Studium der Schrift fast zur Plage wird.
II. Geometrische Lösung der Aufgabe.
1. Zwei Flächen.
a) Allgemeiner Fall.
Die Gleichungen der. zwei Flächen denke ich mir in Parameterform
Re die Parameter 4, v und 7, V seien voneinander unabhängig.
Die: ‚Flächengleichungen lauten dann:
ef), | “= KUN)
MV). 3. y=g9Wwmo), (ı. Fläche) y = 6(U,V), (2. Eiche)
u 3 # = H(, n\
Die Fatferning D zweier Bene Punkte der Flächen ist dann gegeben
darch ‚die bekannte ER
= @- + Yy—- M+e— .)
Nach den ‚bekannten Regeln der Differentialrechnung müssen die Koordi-
naten jener Flächenpunkte, welche die Entfernung D zu einem Maximum
oder. Minimum machen, folgende vier Gleichungen erfüllen:
Be de | | of oh |
5 | (a) (— ”) Au (4 wo ap es (- = =.0)%
ER Er REN of, Se „oh
a d- "Re, IN red
\ x De i oE ’ dG I HH. -:
(c) eoe1ao® Ge y- Yu re N
la. e- Net N te Nee.
Zeitachrift für.
Vermessungswesen
1918,
Aus diesem Gleichungen ziehe ich mittels Elimination
Ya 2 — x’
(8).
yoy
2 — 2
x. == x
2 — z'
A405
a —y
z — z'
Aus den Gleichungen
dargestellten Geraden
raden lassen sich also zweimal angeben, sie lauten:
on fo 2 ‚Fur En
ö Varshgn un + us Vrras + Gun + Has
; Ju. . GUB
) he ya = a a
Vr uv + g’uo + Arun Vriun + One + He
De Auv G Hug
ee = me Behr berer
Müller.
vr Protein
dg Oh ög
du Ov ©
Tr dy Of
au bob So
of oh 9
du O0 9 %b-
Taf dg_.Af
au dv 0v
9G öH 9G
0.80 VW. 58V
= = aF öG ÖF
ou 87 WW
oF OH OF
av oVv "90°
= OF 9OG 96F
au or 97
(3) und (4) folgt ohne weiteres, dass die durch sie
Bestimmung des Maximalabstandes 'ete.
19
die vier neuen: .:::
fuv ,
— - 5
Hu
identisch sind. Die Richtungskosinusse dieser: Ge-
— Vrns + Ga + Hrus
Bekanntlich wird die Tangentialebene im Punkte (z, y, 2) der Fläche (1),
welche durch den Punkt (t, 9, %) geht, durch die nachstehende ‚Deter-,
minante. definiert: 1)
(7)
_
._
| „or öf,
Ka ua
. du dr
- ög dag,
(ui TE
an an
3 zu ‚sv
bole f, 9, k entsprechend. zu vertauschen.
Aus der Gleichung (7). folgt bei Einführung € einer "oben benktzteh Ab-
kürzung die- neue Gleichung:
(8) este —_ 0. dr
Il. Band. Leipe
> [0
une
; Schef fers: u in die Theorie der Rachen.
1902 8. 80. :
ee Ph
Aehnlich lautet die Gleichung. für die Tangeutialebene i im n Punkte («“, y ” #2
der. Fläche (2), welche durch den Punkt (t, y,3) geht, en sind 1 nur die, Sym-
Be
(10)
20 Müller. Bestimmung des Maximalahstandes etc. ‚ Zeitschrift für
a aha
Die Gleichung der Tangentialebene an die 2. Fläche lautet ähnlich:
(9) EA) +9 — y)6er + — 29er = 0
Diese zwei Gleichungen bringe ich auf die Hessesche Normalform, ich
finde dann, dass die Richtungskosinusse der Ebenen (8) bezw. (9) identisch
sind mit jenen der Gleichungen (6). Die Gleichungen (3) und (4) stellen
also die Normalen vor, welche durch die Punkte (2, %, 2) und (x, y‘, 2)
auf den zugehörigen Flächen gehen. Aus dieser Ueberlegung folgt also
nachstehender Satz:
„Die Verbindungsstrecke jener Punkte zweier Flächen, die
Minimal- oder Maximalabstand voneinander haben, ist für beide
Flächen gemeinsame Flächennormale.* (Hauptsatz).
Zur Unterscheidung, ob ein Maximum oder Minimum in die Lösung.
eintritt, sind die zweiten Differentialquotienten der Entfernung D naclı
den vier Veränderlichen a, v. U und 7 zu bilden, sie lauten wie folgt:
(D #D 02 f | Kar 9°
m men x) a Fe an ro) Fr rE
D 0'D 0%f ö°g oh
_—.0— {(r__ pt Zu AN PEN. Y Lu VE SSANEE GENE EERBSERERT 7. 0 WESEREERHRFEEN
duör (8) dudr y%) wor r( 2‘) duör or
D 9D Orf Org „Oh
>: = R-9)54, 179W- Narr red) +
D_®D __fof.ör | 09.20 | 9% OR
ouoaU — Ndu HU ou OU du HU
DD __[ör.oF , 80.00 | ohö
dur | Iou 98V ou OV ou 09V
D_@D __[31.OF | 20.26 |, &h OH
dvöU "Nov OU dv HU dv OU
D_.®D ___[9f.oF | 20.06 | 2% OH
övor | 0» 99V dv AV dt 09V |
D 0°D 0? F 02G „ 0*H
aU8 = [0 Gr + N) or en) so |+®
D 9°D 9 F 02G : 0° H ,
= [ent Norte ZEV ae
D 0'D
2% 2 2
gr = [et N Zr tert
Hierin bedeuten die Z, E’ usw. die ersten Gaussischen Differentialpara-
meter der beiden Ausgangsflächen. Schliesslich will ich noch bemerken,
dass die Gleichungen (10) nicht die vollständigen zweiten Differentialquotienten
der Entfernung D nach den Veränderlichen «, v, U und V vorstellen,
sondern dass alle jene Glieder dieser Gleichungen, die gemäss den Be-
dingungen des Problems für die ausgezeichneten Werte verschwinden, der
Einfachheit halber weggelassen sind.
- Da das Kennzeichen des Eintretens eines Maximums oder Minimums
meist aus dem Endergebnis des Problems selber folgt. so dürfte die zahleı-
Zeitsehrift für Müller. Bestimnrung des Maximalabstandes etc. 21
tr
mässige Auswertung der zehn Formeln (10) nur in den seltensten Fällen
notwendig werden.
b) Zwei Drehflächen mit parallelen Achsen.
Die zwei Flächen seien durch die nachstehenden sechs Gleichungen,
worin die Strecken m, n und o die Koordinaten des Mittelpunktes der
Fläche (2) vorstellen, bestimmt:
\ x = f(u)cosv: x = m + F(U)cosV:
(11) — f(u)sinv: y = n + F(UO)sinV;
Fe h(u); 2 =o-+ H(U).
Die zweite und vierte der Gleichungen (2) lauten dann:
19) Gas (2 — z’)sinv -- (y— y’)cosv —= 0;
— (2 — w)sin’ + (y— y')cosV — 0.
Bei Beachtung der Gleichungen (11) folgen hieraus die neuen:
x Yo
—ın
zw —m'
Aus der Gleichung (13) tliesst also der neue Satz:
„Jene Punkte zweier Drehflächen mit parallelen ‚Ächsen,
die einen Minimal- oder Maximalabstand voneinander haben,
liegen in jener Ebene, die von den beiden Drehachsen be-
stimmt ist.‘
Setze ich: f(u) = acosu; h(u) = csinu und dann: FU = = les
H(U) = c’sinÜ, so erhalte ich zwei Rotationsellipsoide mit parallelen
Achsen. Für diesen Fall lauten dann die erste und dritte der SISICHUngen (2)
wie folgt:
\— ala — w)wsv +(y - y)sinvjsinu +e (2 — #)eosu = 0
14) 3
= I — alla — z)cosV + (y — y)sinV]sin U+ c(z — #')cosU = 0
Aus Gleichung (13) ergeben sich u nn
| nee ne eosV — = lese: SER
(15a) \ We I Ve +Wn ©
| / TE E00. (SE Be EEE FREE
Va! +y? Via — m! + —n) "
Die Parametergleichungen für die beiden Ellipsoide geben die Beziehungen :
; : P.4 i = z' — (
\ sınu = —; snU — - —
(15b) . Hi
/ cosu = IR Be Y a c08 U — Vie m) + (Y 22)
a a’
22 Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. Zeitschrift. für
reset
‘Diese Ausdrücke setze ich entsprechend in die beiden Pan en
ich erhalte dadurch die neuen Beziehungen: Ä
F
— — ft (a —- N. +y— y)yle+- — (+ Ne e‘) —=0
die) : — [le — 2) (@' ERTERE ll —o+
+% [a — m)? + (y Be = 0
Die gesuchten Punkte können also als die Schnittpunkte zweier Flächen-
tripel aufgefasst werden, von denen jedes aus einem Ellipsoid (Ausgangs-
flächen Z,), einem zu einer Doppelebene entarteten hyperbolischen Zylinder
(Z; Gl.(13)) und einer Fläche 3, Ordnung (7, Gl.(16)) besteht. ‚Es sind
also 3X2X1 = 6 Punktpaare zu erwarten, denen die geforderten Minimums-
bezw. Maximumseigenschaften zukommen.
Verstehe ich unter A einen willkürlichen Proportionalitätsfaktor, so
folgt aus Gleichung (13) das Gleichungspaar: ,
\y-y=Ay
IX = AxX
(17)
22 une" dieser Wertein eeIENnUg (16a) gibt die neue Beziehung:
RE @ +9: 2u+le 2) = 0
Aus Gleichung an) and 2) füiben die nachstehenden:
| Pe Yv_
| u 2,
(18a) j | a2 .$ RE us a? --
Y B7
| Dr a? = +eZ ee c? Rasen u°
Die Durchdringungskurve der F, |G1.(16)] und des Z, [Gi.(13)] ist also
eine zerfallende Kurve 6. Ordnung, die aus einem imaginären Geradenpaar
(y? + x? = 0) und einer Kurve 4. Ordnung besteht. Die CO, ist die ge-
meinsame Schnittkurve der drei Flächen (18a)., Diese C, durchdringt die
E, in acht Punkten, denen die geforderten Eigenschaften zukommen. Da
aber hier der Z, [Gl. (13)] in eine doppelt zu zählende Ebene entartet,
so gibt es bloss vier reelle und zwei a: Punkte für den gegen-
wärtigen Fall. ge | er...
Ich setze wieder wie och
\v-y=uyon
An a — u(z’ — m).
(19)
Vermenrungewore „ Müller. ‚Bestimmung. des Maximalabstandes etc. 28
Dies in Gleichung (16a) eingesetzt, gibt: .
a’ b‘
(20) la’ — m)! -- (y’ — we [Eu == Fr [2 — «|| =0
Die Werte für „ in Gleichung (20). durch den Wert aus Gleichung en
ersetzt, gibt:
ua „le
|“ von Tary-ı y‘)
En a’ 2' — 0 em — 2
(208) re ee
ew—m u" oc — Er
yon H—Y
m 1 —X
Nehme ich an Stelle des zweiten Ellipsoids eine Kugel, ‘so wird a = c’,
Die durch die zwei ersten der Gleichungen (20) definierten Zylinderflächen
entarten auch hier zu Ebenen.- Mit der durch die Gleichung (13) be:
stimmten Ebene sind es also vier Ebenen, auf welchen die gesuchten
Punkte liegen müssen.. Die Gleichungen derselben lauten wie folgt:. :
xy - y'E NL —my=V0
RE 'e'n er "m u = 0 j
21); on | :
Br — 2). RE — Mm) --—- 08% m = 6
| + y’/(o--%) reyon) —oy te =0
Vier Ebeiien gehen bekanntlich durch einen Punkt, ‚wenn die Determinant
4. Ordnung der 16 Koeffizienten der Gleichungen der vier Ebenen vert
schwindet. Dies trifft für die vier Gleichungen (21) zu, wie die nach
| stehende Berechnung zeigt. |
y 2:0 ne—my N x VD. NnT—MmYy.r
(22 AL en 0 | 0. Be 0 u 0 we hag
0-2 0. 0—m 0 TMmE 02 mMm— LE 0 M—E —0°--mE
0 0-1 ya —0öy—nz Nn—YRE-—-ON—Y =öy-nE a
Der Schnittpunkt, in dem sich die vier Ebenen (21) schneiden, fällt mit,
dem ‚Kugelmittelpunkt zusammen; denn ersetze ich- in den Gl. a1) die
gestr ichelten Unbekannten durch die entsprechenden Werte von m, n und 0;
so werden diese Gleichungen identisch erfüllt. Beim Falle der Kugel und
des Rotationsellipsoids also schneiden sich die Verbindungsgeraden , der
gesuchten ‚vier Punktpaare im Mittelpunkt der Kugel. Eine Tatsache,. die
schon aus dem Hauptsatze folgt und die ich im 3. Abschnitt dieser Ab-
handlung noch auf eine andere Art bestätigt finden werde.
Aus den Gleichungen (17) und (18) folgen die neuen:
E = cl —A);
y=y(il-—h);
2
| | Ze AE — 5 }) a
(23)
(25)
(26)
u me re rar)
24 Müller. ‘Bestimmung des Maximalabstandes etc var Zeitachrirt tür
Ermessungswesen
1919,
Ebenso fliessen aus den Gleichungen (19) und (20) die anderen: .
TEL 2 2 21 2.
I+u
| ji _9tun
4) nn
a
z + Td ce’?
g‘ = 1 a‘?
+ Tau
Werden diese Gleichungen miteinander verbunden und vereinfacht, so er-
geben sich die folgenden:
a pm iR PER al+ Anm F
Autumn m —i—-/u+u'
| ; _ Am
Er er Pre
: un yo ratan
—A-Ayu+u —A—Autn'
ee AN 2.
2 A-Autu
a”? a': a,
E Ba Br ezalt+ AR
Ta I AT FTP Tuner": Bra
u Se a 7 Br er Sir Ber
a'?
a.
u as 30a 00078
a a’ a a
er
Beachte ich die Gleichungen der beiden Ausgangsflächen, so erhalte ich
zwei Gleichungen 6. Grades für die beiden Parameter A und u, sie läuten:
1 = ge? m? + n° „a“ 0? 1
— Er Da va Tau, da, ar
gi a atnt Zeh
23 m? + n? at 0? 1
a? d
se FT Tza
W>
y
»
ze |
I
PN
Um diese 'zwei Gleichungen auf ihre Richtigkeit zu prüfen, nehme ich den
Sonderfall zweier Kugeln. Nach dem Hauptsatze ist ohne weiteres ein-
zusehen, dass die Zentrallinie der beiden Kugeln die gesuchten Punkte
bestimmt. In diesem Falle ist also:
weder eaer met ee
Die Gleichungen (26) vereinfachen sich hier in:
GREENNE.. SEHEIERENGEN ea ARE VRNBEREN
\Saae He = VarwEn‘
7
Vatntto:
(268)
Erexro re:
Henssmngswasen Müller. Bestimmung des Maximalabstandes ste. 35
Die Koordinaten der gesuchten vier Punkte ergeben sich dann. zu:
= + Be nee w = RES SER:
| - 5 VmEn’2o Fr Varna - m;
u ; . ”» i Ban ’ N -- ” =
u En 0 rd
nF i oO. 3 3 5
Ei E77 Do Be En
Hieraus ergibt sich die Entfernung zu:
ze m? I. 22 | 9 j ı Die Richtigkeit dieser Gleichungen ist +
D= Vm + n? Zu 0? 7 (r u r).: } synthetisch unschwer zu beweisen. )
Aus den S FICHUNGEN (26) kann ich die nachstehenden ziehen:
a _ 08 248 __ 23
1 a2° c‘ a?c a':c =
"55 ec!
Ben a Vm’+n Vo! > oa Va’rct — a3”?
— Fa en m ee a =
= Vet}: == ac? u? c Varia — at ,
) a — ce ade? — ac
ua? —; Do ae aan
= Mr [a‘ V m: + n? Var _ 2 0a Va?e — 3.9 |
Vera _— a2c!u3 eo Ver: « 24°
Entartet das zweite Ellipsoid zur Kugel, so it = e — r‘, die erste
der Gleichungen (27) vereinfacht sich dann wie folgt; .
a o
(28a) Vu! — u aalYmtn + n2 Var = Vena: Vassss)
Die zweite der Gleichungen (27) lautet weniger einfach:
Ver ce [ Vm®t nm _.9@ l
(28b) u 1+0)= u | Vera: a Pr) Vran — arar
— ea Ä \
Setze ich: E —=t und 2 3 e®, so lautet Gleichung (28a) wie
folgt:
ER Vm’ ni j 0
(29) Dez
.@
In dieser Gleichung setze ich: r?t? — a® = X?; ich erhalte aus.ihr dann
nach einer kleinen ‚Umformung und Zusammenfassung die nachstehende
Gleichung 4. Grades:
e 0 | m n?+0°? uf | a* as
xt — ext 4 K[trre 2 e| _ 2X060 37 — 0° =)
| we _ Xtra |
(30) . (#) =: 5 4? .
2 AZ EI. 05% =:
96 Müller... Bestimmung des Maximalabstandes..etr. „Zeitschrift für
Vermessungswesen:
Mit diesen ‚Gleichungen ist dann .alles gegeben, ‚was zur rechnerischen Aus-
wertung des in Rede stehenden Problems nötig ist; doch werde ich im
3. Abschnitt dieser Abhandlung noch einfachere Beziehungen ableiten,
mittels deren ich das Zablenbeispiel für die ‚bayerische Gausskugel rech-
nerisch. erledigen will. ”
Setzeicha=c=r, so erhalte ich den Sonder fall der beiden Kugeln.
Die zwei Gleichungen (28) führen dann zu folgenden Schlussgleichung :
pi
die sich leicht aus den Gleichungen (26a) ableiten lässt.
c) Zwei Ellipsoide in allgemeiner Lage.
Das eine Kllipsoid sei gegeben durch die Parametergleichungen:
| nn 18 = MC0SUC08V
(32) 2 y = beosusint |
[2 = csinw | ne
Das zweite Ellipsoid sei durch die nachstehenden Gleichungen be-
stinimt, worin die a, ß, y die Richtungskosinusse der drei Hauptachsen
und die Grössen m,n uns 0 die a aienee Ellipsoids
"vorstellen: en 2 zen -_— EEE SZ
— m ZaarcosÜ via + . Bı = U 3 Y+ ey sinU
. syn + 0ag00sUcosV + b’Bzcos UsinV -—- c'ygsin U
u | 2 =0-+-.a 1608 U cosV + b’B,cos UsinV T cyssin U
Nach bekannten Sätzen der Geometrie der-Flächen 2. 2. Ordnnüg‘ folgen
aus diesen Gleichungen die neuen:
(a’cosUcosV = « — m)aı + (yY — N), + (er — 0), = Gm
oo b'cosUsinV = (x — m)ßı + (y — n)Pe +@— 0) = @mß
a esinU oe (# —- mM)ı WW — Na + —0)p% = Gdmy
Die bekannten ln liefern die vier -Be-
ziehungen: Ä
—a (2 — )sinucost —b(y--y y')sinusinv #3 (e— 2N\ccosu — O
—a @- —_ on 1: dw — en = 0
| . - — ele- ——% Ya > G- a 4-2 4 - #)a,) sin TA
FE 5 u (By yo +eo - #)B,) sin Usinv = ,
Fela-n) „+ @W— N) ı (e Ba .>)%) PT
— a‘ (( — M)a + (y— Y‘)az + (e _ 20) sinV’ /
+ (e-ma + nat) |
Vermeasulgre men Müller. Bestimmung des Maximalabstandes’ etc. 97
Bei. Beachtung. der- Beer (82) und der Gleichungen en er-
halte ich:
..by—y' ie ay BER br
9) igo= == ._ Luz, = Veps na c08 : == Very y biz
Gb
Diese Beziehungen in die erste der Gleichungen (35) eingesetzt,. gibt die
nene Gleichung:
(37) — a?b?z («292 +(y—y 2) ca —r we be?) —=0 FÜR )
Aehnlich wie vorhin setze ich:
S Fr
cosu = sınu =,
d y
(37a) #7 _r = Zar: y—-y= : Ay.
Gleichung (37) lautet dann:
(38) (a? y? —- b2a®) (-: aber ce — ")) = 0
Aus et (37a) und (38) ergeben sich die folgenden:
PEN A
\ SM. :.. Y r
(39) Te BL alone
Yy 74
| Ina
2 B 4
Die Durchdringungskurve der #, [Gleichung (38)], und des z, ölecnene
(36)] ist also eine zerfallende Ce. die aus einem imaginären Geradenpaar
(aty® 4122? = 0) und einer CO, besteht. Diese C, ist die gemeinsame
Schnittkurve der drei: Flächen (39); sie nn die = ‘in: den‘ Be
‘suchten acht reellen Punkten.-
Für das zweite Flächentripel klgen aus den. Gleichung as nd
* Gleichungen (35) die folgenden‘ Pan |
j aGmp LP. | a GmBß
(40) igv Eu b’Gma u aGza' nV’ = VarGimp +? Gima
vGmB vn
(41) cosV = ur nn ı csU = ee Tebe .
Vera G’mß+-b?G’ma
sinu— r-
c’
Die Gleichung ‘der £y lautet dann:
(42) — a2l).Gxa Gmu + GxB amp lan, +. .
— Galant - beGima
Ich setze hier wieder wie oben: Be
a . \G2«’ = „men: A
(43) 2
Bu Gap = „AmBu...
28 Müller. Bestimmung des Maximalabstandes ete. Zeitschrift fiir
j : a - one
Diese Beziehungen (43) führe ich wieder in die Gleichung (42) ein, ich
erhalte dadurch eine der Gleichung (38) sehr ähnliche Beziehung:
(44) (a?G?m$ + b*G2mea)(— a b’u.Gmy + c?@xy) = 0
Die Durchdringungskurve des 2 und der F, ist also eine zerfallende
Kurve 6. Ordnung.
Aus Gleichung (44) folgen bei ‚Beachtung der Gleichungen (43) die
ttäachstekenden Beziehungen:
(48) a Oza BER. Gay, vauß a wer.
2 ' ce Gma aGmy’ ce GmBß b'’ Gmy
Die vorstehenden Gleichungen stellen geradlinige Flächen’ 2. Ordnung vor:
sie können je als das Erzeugnis zweier zueinander projektiver Ebenen-
büschel aufgefasst werden. Die”so erzeugten Flächen sind geradlinige
und müssen also_die Geraden:
46) rel) zn
Gmy = 0\ Gme=0o\. |
enthalten. Oder wenn” ich von den Symbolen zu den Gleichungen selber
übergehe, so erhalte ich für die eine Büschelkante die Gleichungen:
(@e-Nn+W-Wa+@-n=0:
(em t+W— na te) = 0:
für die zweite Kante die folgenden:
@— a r(y— Ya (8 — u; = 0:
(@-m)u4+W— ma + (— 2) =.0.
Aus diesen Gleichungen ist zu entnehmen, dass?die beiden Ebenenbüschel
aus parallelen Ebenen bestehen, die erzeugte Fy ist also eine Zylinder-
‚fläche. Die geradlinigen Erzeugenden dieser Zylinderflächen sind demnach
parallel der Schnittlinie der beiden Ebenen:
a tyatratde= 0:
an tyatentdr=0.
Die Richtungskosinusse der A,, Ay, 4; der Erzeugenden: der Z, sind pro-
portional den Grössen:
Ya — are . Ya afı. R
L, — s Ls sind ’ J
Hierin ‘bedeutet 9, den Winkel, welchen”die Ebenen (49) miteinander
bilden, der durch die Beziehung:
cd, un Turm Tan |
bestimmt ist. Nach bekannten Regeln der Geometrie der F3 ist dieser
(47)
. (48)
(49)
Wyı = ns
sin a,
3
Ausdruck identisch Null d.h. >, = 5; aus demselben Grunde erhalte
ich für: |
L = 8: L=ß; Gmb
ME H für Müller. Bestimmung des Maximalahstanden etc. 99
d. h. der durch die erste der Gleichungen (45) be-timmte Z, hat die ge-
rade Erzeugende mit den Richtungskosinussen ß,. ß,, Be 2,
Ganz dieselbe Ueberlegung gilt für die zweite der Gleichungen (45)
und für die Gleichungen (43). Die Erzeugenden der ersten Z, haben die
Richtungskosinusse «,, as, &s; die der zweiten Yır Jar 7e-
Schneide ich die Z, mit einer Ebene senkrecht zur Leitkurye (49),
so erhalte ich die kleinste Leitkurve, da diese ein Kegelschnitt mit zwei
unendlich fernen Punkten ist, so ist die Leitkurve eine Hyperbel und da-
durch sind die mit Gleichung (45) bestimmten F, als Zylinderflächen mit
hyperbolischen Leitkurven gefunden. .
Aus den Gleichungen (37a) an (38) ergeben sich die folgenden:
b
I AEERERRRESE = ae er R *
|’ (1-9): w = Pin:
(50) y = si = yr): y-y=- Fiy: |
/ ab N b
Die Gleichungen (43) und (44) geben die Beziehungen:
2) + —W)eat+(2—r)a, =
| d | |
. =>; [e-m«, ryona + (r 0a |#:
+ yet —), = Dan Rn
@'
=y [em A t+W— m + (#0) | ni
@—a)yı +(#-YW)yatlk@— 2)
a'b’
[em nrW—r)n+(@—o) | ü
In diese Gleichung ersetze ich die gestrichelten Unbekannten durch die
Werte aus Gleichung (50); zur Abkürzung setze ich:
ma, + NGg + O0 — d.;
mA Tre +0 = de;
mn thnuton=d
(61)
Ich erhalte dadurch: |
b b’ / b a dh‘
+] tr [-5R+ (Fa) +
ab b' ab b
+0 - Zr +zlı- 2a) = ud
(52) 4-2 +5 (1-2a)a +9A|-5: +5(1- Fa) =
ab a’ ab a‘ |
| «Be| a1 | d’ (i .e )u] z hüp
b ab’ b @ a’h‘ a
ny I Tr (1 — ZA)u + Yrs [-5. ur (1 — za) A
ab a'b'
a'b‘ ab i
+ 273 |-+ rn) 1 a)u = ud.
30 - Muller.: . Bestimmung des Maximalabstandes etr. Zeitschrift.
a eiene
Ordne ich diese drei Gleichungen nach den Parametern A und u, 80 .er-
halte ich. die drei —. Gleichungen:
alten + in + Ba]
Ki Au Eu E= > y% Par a0 2] a
Falez- Hay ta dla; 9°
Mi ap zfı 7% EyBı + | — er |
-anglaae + au + | +
-ulbıo + Bey + Bor — 415; 0
wen + 5un + irn] -
[oe nt; YYya ar
une + nu + ne - 4) em.
Die Determinante dieser drei. Gleichungen gibt die Fläche an, auf welcher
die- gesuchten Punkte liegen müssen; sie lautet. bei Verwendung leicht
deutbarer Symbole: 2 an ee
4: v A Ar
Bı 5 'Bı EB = 0) °“
. ae
Oder. ‚ausgewertet: mau =
(54) AıBı Ce[a” — b’?] +. 4ı B: Cı le —a2] = A Bı da] - zo
Diese Fläche ist also für das. dreiachsige- Ellipsoid vom 3. Grade (F}),
berechne ich die Unbekannten z, y’und z aus den Gleichungen (52), 80
erhalte ich die Gleichung der F5 in TParameterform; sie ‚durchdringt das
Ausgangsellipsoid- in. einer: Kurve 6.-Ordnung, auf der die gesuchten Punkte
liegön. -
Ist das "Zweite Ellipsoid- eine -Dreifläche: so entartet die Fe in eine
Ebene ‚und in ein, einschaliges Hyperboloid. Dieses Hyperboloid wiıd ein
Kegel, wenn zwischen dan’ Koeifizienten der Gleichungen Aı, As, an B;
die nachgtehende m. besteht:.
| I: at; eu: 0°
ee A
u a; Dan: eas:.
ua hr Br
=
Ä
i
Beitschrift für Müller. Bestimmung des Maximalabstander etc. 31
een ö
Aus Gleichung (51) folgt dann:
a’ jb ‚a ab )
b' (- a8 29 T c? 03?
IS
—
6b a ab
vom lohe tat he)
ce? /b er
ab (- ji +5 r2% ;sz) 0,8
a (b a ab
u: v (- ar X + 29 L PIBR. z) (8
BR } A b’ (Ib a, ab
(35) y—Nn = " Bi: 2 (zB: 2 my Em = Ps z) Bs u
ci 5, a ab .N. 2 ER:
Bene Fran an) ei u
a b | a. BaeY, 7 ‚Te SP
ai ler tz re),
7 ( i ab \i
7 EN u. . 5 er . PEN BEE . H
Kom mi Bi ale tar. + =)
3 ar gipe (- ya ty raY £ ee 2) E
Aus diesen Gleichungen ist ohne_ weiteres zu er rsehen, dass die Gleichung
der E”; ähnlich gebaut ist, wie jene der Fr.
Ans den. GISIhUngen, 02) ergibt sich die Dede a
PR er
een (& +5 +) +++) +
te ler) |
ee fee
= rm) — nz = £ab + Are) nn
_L -2(y Br (w. 0) @ 0, Pr + ab 2).
Ersetze ich hier: die ‚Unbekannten durch-die Beziehungen (55), so erhalte
ich eine Gleichung 12. Grades mit den Unbekannten A, u. Die erste Fläche
gibt eine ähnlich gebaute Gleichung. Die vorgelegte Aufgabe ist also auf
die on zweier Gleichungen 12. Grades mit 2 Unbekannten zurückgeführt.
Setze: ich-in Giesen hal am: he La = bh —' a so’ aihalte
ER PER, ae. m num
ich ee Gieichungen: ' ee ee R ne ar ES 5 ee:
39 Müller. Bestimmung’ des Maximalabstandes. et«. Zeitscinift für
ve a Ta
BL > RN NR
= (7 TAZRuH+ ;) u (v— ÄA—Au+ a 5
Pas (> = ee =u
7) Bı (2 = 2) ag Be (9 —_ Se az
| ee
Meere 2
ne a) =
Da die Determinante dieser drei linearen Gleichungen bekanntlich gleich
der Einheit ist, so müssen die drei Klammerausdrücke Null werden, da-
mit das Gleichungssystem erfüllt wird. Die so gewonnenen Werte stim-
men mit den Gleichungen (25) überein. Das Gleichungssystem (52) genügt.
also den Forderungen des Sonderfalles zweier Kugeln. Ebenso liefert das
Gleichungssystem (55) bei u naung auf den Fall der Kugeln das dritte
System der Gleichungen (25).
Durch die in diesem Abschnitt gegebenen Formeln ist alles das ge-
geben, was zur Lösung des allgemeinen Falles nötig ist.
2. Zwei Raumkurven.
Die Raumkurven denke ich mir definiert durch die Parametergleichungen,
worin % und v zwei voneinander unabhängige Parameter vorstellen:
\= = f(u); x' = F(v);
9(u); y' = Gb);
(68) y
% — hu); ” — H(v).
Die Entfernung D der beiden Punkte ©, 9, 2 und a‘, g‘, =’ ist dann ge-
Br durch die Gleichung: |
‚D=-@- 1 +W- + @— 2).
Die rechte Seite dieser Gleichung wird zum Maximum oder Minimum,
wenn die Parameter % und v den folgenden zwei Gleichungen genügen:
\e-N+u-nEte-Ng=0
en „OF „9G „oH
Bert) rer dt
| Aus diesen zwei Gleichungen entferne ich einmal die Glieder mit y, das
andere Mal jene mit x; ich erhalte dann fulgende zwei Gleichungen:
ww
Zeitschrift fiu Müller. Bestimmung des Maximalabstandes ete. ar
Vermos«unsswesen
1919.
oy OH oh 0G
2 -- u dt Or on de
Pu G dy dk’
J du ar Hu de
er of 0 HT ah 0 F
y-—ıy' en au Ö " . on or
ve" af 0a Oy OF
du Pe 77} J Ü
Diese zwei Gieh hungen stellen die Gleichung der Verbindungsgeraden der
beilen gesuchten Punkte vor. Bezeichne ich mit ds, bezw, ds, die Dogen-
elemente der zwei Kurven (58), dann sind die Richtungskosinusse ee. @,. (1,
‘ ‘
bezw. 51. Ba. As der Tangenten in den Punkten ww, y, z und er ya
die Kurven (58) dureh die nachstehenden Beziehungen gegeben:
of )y oh
er du gu ou
ı) = A x 3 =,»
(6 a) ‘2, ds, ER Ös, 013 “ Ss
u ou du
öf OF OF |
dr or dn
Kb ee ee ee z
1b) Pı AN” nn os, er Os Sy
ED dr da
Die Richtungskosinusse 71. ze. ja der Verbindunesstrecke D sind nach
/
naeh Gleichung (60) gegeben dureh die neuen Beziehungen:
9y OH oh 9 af OH Oh OF
On Be re e du Ir ou 9
re | y “ ec: m
Vf 0G d)y OF
ne
ji W .
1 Kerl heilentet
of HG 947 91 094 ol oh oI@N\2 ER
1 de du det Er ÜE ou or 7 ._
| n IT er
du dr du Ar
Vun der Richtigkeit dieser Gleichungen kann man sich unschwer dadurch
überzeugen, da ass die Glieder der Gleichungen (60), welche Differential-
zrössen enthalten, den Richtungskosinussen der gesuchten Entfernung pro-
portional sind. TE
- Den Winkel.-welchen die Verbindungsstrecke der zwei gesuchten Puukte
(2. y. zY: und (@°, y’. 3%) mit der Kurven'angente im Punkte (x, Y, 2) an
die Kurve (5Ya) bildet, bezeichne ich mit O,. jenen, welchen dieselbe Strecke
it der Tangente im Pınkte ©, 9%. 2°) der Kurve (58h) einschliesst, mit
9,: ich erhalte dumm nach einem Elemen'arsatz der analytischen (reonetiie
lex Raumes für den Kosinus des Winlels 0, bezw. 6, folgende Gleichungen‘
Zeitsehrift für Vermessungswesen 1919. Heit 2. 3
34 Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. Zeitschrift für
tn
( ög 9H Oh ) + Ag > aF of ») a
g 12 ü u Ir Ton dv du In I An ar).
COS), == ar ee
Ta \
In
of Au äöy öh
a u An Ov ou 35)
(62) a
ar, dy dH oh IE d@jah dF Of aH
dr \du 9 ou ar F Ir ‚Au ö» Bu u)
COSW, —- Be RE ee Aula: Bene A u
- 0% :
4
dr
se si We
an 90 au 9%,
ON
Die Ausrechnung der Zähler der Gleichungen (62) zeigt ohne weiteres,
dass dieselben gleich Null sind. Daraus folgt der neue Satz:
„Die Verbindungsstrecke jener Punkte zweier Raumkurven,
lie voneinander einen extremen Abstand haben, stehen auf den
Tangenten der entsprechenden Kurvenpunkten senkrecht.“
Als einfachstes Beispiel für diesen Abschnitt sei die Aufgabe gewählt:
den kürzesten Abstand zweier windschiefen Geraden zu bestimmen. Die
zwei (reraden seien durch die folgenden Gleichungen bestimmt.
| \? = Um, en -tv5,
(63) „ = y rin: yo yY top:
2 == 2 + My em vB,
Die beiden Gleichungen (59) lauten dann:
\ (— Mu + (y—y des (2 2)ag = 0:
! (2 a8 - (y— Y)ße +(@— 2')B; = 0
Ersetze ich in Gleichungen (64) die Unterschiede (x —- x) usw. durch die
entsprechenden Werte aus den Gleichungen (63), und Leachte bekannte Grund-
formeln der Raumgeometrie, so erhalte ich die neuen Beziehungen:
\ (&ı— 2) + lyı— Ya)aa (21 — 22)ag Hu va egße-egß;] > 0
! (2,2) + Ye)ßa (1 —22)d ulm, hı Fr Kaßg aß) =0
Bezeichne ich den Abstand der Punkte 1. 2 mit $;; und die Richtungs-
kosinusse dieser Geraden mit ö,, 6, und ä,. ferner den Winkel, welchen
die zwei windschiefen Geraden miteinander bilden, mit @, dann den Winkel,
welchen die windschiefe Gerade (1) mit s,, bildet, mit Dı. jenen der Ge-.
raden (2) mit derselben Strecke mit D,. so folgt aus den beiden Glei-
chungen bei Beachtung von bekannten Grundformeln die nenen:
\Sı2c0osD, 4- u — veosn = N;
(64)
(65)
(66
66) | sjgc0sDd, -- ucosd —v = 0.
*, Der Bruchstrich ist aus Raumgründen abgebrochen.
Zeitschrift für Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. 35
a
Beachte ich die eingeführten Abkürzungen, so erhalte ich für die Ent-
fernung D zweier beliebiger Punkte der beiden windschiefen Geraden den
nachstehenden Ausdruck:
(#7) D? — s?,, +- 28,z3uUc0sD, — ?255VcosT, u 7 1? — 2UuVcosp.
Um den kürzesten Abstand Dm der zwei windschiefen Geraden zu
erhalten, habe ich in Gleichung (67) für « und © nur die aus den Glei-
erungen (66) sich ergebenden Werte einzusetzen. nach einigen Verein-
fachungen ergibt sich dann:
cos? T, + cos?T, — 2cus T, cos T,cosW% )
58 Dm’ — s? (1 — __
(68) 12 \ sin?y)
Die Gleichungen (66) und (68) lassen noch Vereinfachungen zu, die für
Rechenzwecke mit Vorteil verwendbar sind. |
Wenn ich mir durch den Punkt (1) der Geraden (1) eine Parallele
zur Geraden (2) gezogen denke, so erhalte ich ein Dreikant, von welchem
die drei Seiten bekannt sind, bezeichne ich den der Seite Dı des Drei-
kants gegenüberliegenden Winkel mit u,, den der Seite D, gegenüber-
liegenden Winkel mit u,, 80 erhalte ich nach der dritten Grundformel
der sphärischen Trigonometrie nachstehehende Beziehungen:
c08D, — cosWcosT,
| \ eosuı == DO
(69)
= cusD; — c08PcosT,
ee,
von sind, sin
Hieraus folgen nach einer kleinen Vereinfachung die zwei anderen Glei-
chungen:
\ sin? u sin?Vsin’Td, = sinto — v0s?Dı — 08? D, + 2008 c03dı 608 D,
(0); |
! sin? u,sin?osintDd, = sin?O — 005° Dg — c0s?D, + 2c0sWeosDzcosd,
Verwerte ich diese zwei Gleichungspaare, su erhalte ich die zur logaritlı-
nischen Rechnung sehr bequemen Endformeln:
= cos, sind, cos u$5ind,
u = 0— Sa 7: U ZZ ISy Tun
(71) 7 2 sind
(72) Dus >= SjosinD,sinue = susinD,sSinu,
Aus Gleichung (71) und (72) folgt die Beziehung:
(73) ulym = — vlg:
Schneiden sich die beiden Geraden (1) und (2). so fällt das Dreikant in
eine Ebene zusammen, die Winkel u, und u. werden dann gleich Null
bezw. 180°; zwischen D,, D, und & besteht die Beziehung:
IN f
iR = L L ae vV).
36 Wolff. Moor- und Oedtlandkultur. ‚ Zeitschrift für
AULMESSHNESWEREH
ivid,
Ich betrachte nun das Tetraeder 1, 2. 3. 4, welches durch die End-
punkte der Strecke « und v auf den Geraden (})) und (2) be -tinimt ist.
Von diesem Tetraeder sind bis jetzt der Länge und ltichwung nach bekaunt
die Kanten 12, 13. 21, 34: unbekannt «ie Kanten 25 und 14. Nach dem
Vorstehenden gilt:
rs = rn -Fum: ur Adg-Friß:
er 1 R ec Fe Bi
= Yyırlr! Yız Yet oß:
23 21 +ve,;: en 23 TB
(Fortsetzung tolgt.)
Moor- und Oedlandkultur.
Die Kultivierung der Moor- und Ödländereien !: geschtehl uni
staatlichen und a Mitteln. Über die staatliche Maor- und Gd
landkultur geben die Jahresnachweisungen der keneral-
kommissionen Aufschluss. die regelmässig im Staustisekon Jahı-
buch für den Preussichen Staat veröllentlieht werden. Porn I Jahr-
vang 1917 seien folgende Angaben entnommen:
In den Regierungsbezirken Königsberg, Gumbinnen. Lüneburg.
Stade und Aurich beirägt der Umfang der zu besisdelnden Mäche zu-
sammen 9341 ha. Davon sind bis zum Berichisjahre kultiviert 2788 Int.
Mithin bleiben noch zu kultivieren 5555 ha. ÖdlandSIhächen sind or
worben in den Bezirken Allenstein, Daunzie, Martenwerder, Köslın,
und zwar zusammen 1729 ha. Dafür sind gezahlt 921932 Mk. d.h.
im Durchschnitt für 1 ha 533 Mk. Am höchsten war der Preis für I ha
im Bezirk Köslin mit 603 Mk., dem folgt Mlenstein mi 588 MR. Die
} ha. Marienwerder mit 230 Mk., Danzig nit 225 Mk.
Eine wesentliche Ergänzung der vorliegenden Zahlen bieten die
Angaben, welche auf der 36. Mitgliederversammlung dos Vereins zur
Förderung. der Moorkultur im Deutschen Reiche am 21. Febrnar 1915
gemacht wurden.?) Ilier berichteie Wirkl. Geh. Oberhaurat Nolda
über den Stand der Kultivierungsarbeiten: in den eimzeinen Landes-
teilen. unter besonderer Berücksichtigung der in Praussen durcı die
Verordnung vom 7. November 1914 geschaffenen Lawe. Auf Crunel
dieser Verordnung wurden 417 Genossenschaften ins Leben gerufen,
die ein Gebiet von 156 173 ha umfassen. Dazu kommen noch 15 040 ha
von 4335 linzelbesitzern. die sieh zur Kultivierune bereit erklärt
‚hatlen. Die veranschlagten Kosten für die Urbarmachung dieser mis-
gesamt 172000 ha beliefen sich auf über 66 Millionsn Mark. XNolda
erwähnt, dass sich um die Durchführung der Arbeiten die Ober-
') Vergl. auch diese Zeitschrift Heft 5, 1917.
") Vergl. den Bericht fiber diese Versammlung, erschienen als Beilaer zu
den Mitteilungen des genannten Vereins.
Zeitschrift fiir RBitcherschan.
vermessüiieswecey.
1210,
ER)
Y
landmessein, Laudinesser und Vermessungsäassisteh-
(en der Genenukönnnissivuen bosomders verdient gemacht haben.
Von den vorher erwähnten Flächen sind ürbar gemacht: In Schleswig-
Bolstein 6009 ha, in Hannover 7809 ha, in Westfalen 5800 ha, in der
Provinz Sachsen 600 ha. in Oldenlurg 761 ha. In Angriff genommen
waren 1916: ın Schleswig-Holstein 8500 ha, in Hannover 2N 100 ha,
ın Westfalen 4500 ha, in der Provinz Sachsen 1300 ha, in Oldenburg
19865 ha. Forstimeister Krahimer, Schmolsin, berichtete über die öst-
lichen Provinzen. In Ost- und Westpreussen, Posen, Pommern, Bran-
denburg und Schlesien sowie Mecklenburg wurden bis Ende 1916 wäh-
ru des Krieges 14965 ha an Meiiorationen fertiggestellt und 6927 ha
n Angriff genoninen. Rachne! man die privaten Meliorationen auf
hinzu, so kann man annehinen, dass während des Krieses rund
65) ba wirklich kultiviert sind. Es isi dies eine ansehnliche Kriegs-
long: die Fläche ist aber klein im Vorgleich zu den grossen Flächen,
ale noch fiir die Kultivisteng zur Verfügung stehen. und deren Kultur
uns immer mehr unabhängige machen soll vom Ausland. Dr. 4. Woljf.
Bicherschau.
jünrensg in dus Neassergeseiz jr das Königreich Bayern von
23. re En Vermiessennsingeniere. Von. Gottfried Werh,
Bezirkszeamwier in nNosanketin, Selbstverlag 1918. 76 5. Preis
Das voriiesende Schrifiches soil deio Im die Praxis einirelenden
ur BE Pi PEN Fr”
\ CIINESEMEHTSIH
eosenr ojnen Weogwoilsor und Ratgeber an die Hand
‚eben, weöo!cher Iraineswens ans Gesstz und die vorhandenen Erläute-
—
mwngen enthahtiteh munehem onnderr dazu "beitragen soll, sie mil
wössereig Grwimu untl Ver-töndnis=se zu gebrauchen. Der Verfasser
A 1
umitt bringt neben
eschiehtlichem über em Wassergesolz weltuishölende Erklärungen
2:3 sioft vn slrei Ahbschrrie, Der erste Alse
7. ae BE a ae NE SERIE ı “ 1. Trost Irplhte
über die Rechisbestinfer Direninm an Grundstücken, Besitz, Reochts-
4 . ı > FR dur Z I u vr. t R > 7 oe IL SAN Nas { i : i 5. 1% i . Ri a
rg. sa, Aalen, EN ER llmesinok, Ehorunno es Kisontums an
‘ ie; Fe Fe BEL. Ve a en 5 ER Ee Ic rele
handasih Nero aha BAReegslrD ir Pond arundshHicke.
ba zweßen Absehmtilo were de Dieentums- wukl Grenzverbält-
hisse an dert da don tem üsweri jo unen Ihrer Eigenschaft als flie-
ende Kewässen te! zwor nl Afentiche Flüsse oder Privatflüss:
Bil Den Ga le ir Ares in Dana lusse en Bäche ını
Kisentume Biber ie als Flüsse und bäche im Bigentume der Uler-
elsenfünzer = Und als stehende Gewässer a SW Unter-
teilung besprochen. woher der Verfasser seht mmiisscn> Fırklärangen
tür die Ufarlinie md deren Posisetzung dureh lie. en
38 Personalnachrichten. ann fürn
1919.
den, für die Grenze des Flussbettes und für die verschiedene Bedeu-
tung der Begriffe: Ufer, Grundstück und anliegendes Grundstück ein-
flicht. Ausserdem wird für jede Art der Gewässer der Begriff, das
Unterscheidungsmerkmal und die Stellungnahme des Vermessungs-
beamten in den auftretenden Eigentums- und Grenzfragen besprochen.
Der dritte Abschnitt behandelt die Veränderungen an und in den
Gewässern nach der gleichen Arteinterlung wie im zweiten Abschnitte.
Als Veränderungen konımen hierbei die Verlandungen, die Wegräunung
oder Durchstechung von Verlandungen, die natürliche und künstliche
Verlegung des Flusslaufs, der Abriss und die Umbildung der Inselufer
in Betracht. Wie die Veränderungen jeweils katastertechnisch zu
bearbeiten sind, wird an praktischen Fällen gezeigt, welche durch eın-
fache Skizzen veranschaulicht werden.
Durch kritische Beleuchtung der vorhandenen Erläuterungen zum
Wassergesetz und Gegenüberstellung seiner eigenen Anschauung, durch
Anführung von Entscheidungen de: Verwaltungsgerichtshofs und von
Gutachten des Landesvermessungsamis, sowie durch Vorschläge zur
Verbesserung der Katastrierung versteht es der Verfasser, dem in die
Praxis eintretenden Vermessungsingenicur und auch dem erfahrenen-
Vermessungsbeamten von Seite zu Seite neue Anregung zu geben, so
dass das Werkchen eine bestehende Lücke in der Literatur des baye-
rischen Vermessungswesens auszufüllen wohl geeignet ist.
Für eine Neuauflage möchte. empfohlen werden, die Verordnungen
des Wassergesetzes, auf welche Bezug genommen ist, im Wortlaute zu
bringen und die 29 Skizzen, statt sie in drei losen Blättern anzuhängen,
in den Schriftsatz einzufügen.
München, im Dezember 1918. Oberarzhacher.
Personalnachrichten.
Preussen. Katasterverwaltung. Pfitzer,Katasterkontrolleur, zum
Vorsteher der Neumessungsabteilung in Sorau ernannt. — Landwirtschaft-
liche Verwaltung. A. Verleihung von Orden und Ehrenzeichen: Dütske,
Reg.-Landm. in Frankenberg, das Eis. Kreuz II. Kl,, Thomas, Albert, Reg.-
Landm. in Dillenburg, das Eis. Kreuz I. Kl., Jasper, Oberlandm. in Cassel,
das Verdienstkreuz für Kriegshilfe. B. Planmässig angestellt: Derbe, Land-
messer in Wiesbaden, vom 1.10.18 ab. C. Versetzungen: Beyreiss, Reg.-
Landm. zum 15. 12. 18 von Cassel nach Göttingen, Hofferbert, Oberlandm.
in Arolsen. zum 1. 4. 19nach Wiesbaden, Krahl, Oberlandm. in Arolsen, zum
1.4.19 nach Cassel, Reccius, Reg.-Landm.in Arolsen, zum 1.4.19 nach Fulda,
Jestaedt, Reg.-Landm. in Arolsen, zum 20. 12. 18 nach Fulda zur vorüber-
gehenden Beschäftigung.
Bayern. Vom Staatsminister der Finanzen wurden mit Wirkung
vom 1. Januar 1919 in etatsmässiger Weise befördert (die Bezirksgeo-
Zeitschrift für Personalnachrichten. 3)
vermesanngswesen
meter Karl Bläsy, Pirmasens, Joh. Haser, Viechtach, Ludwig Roth,
Trostberg, Otto Hilz, Vilshofen, Heinrich Kohn, Schongau, Karl Pock.
Arnstein, zu Obergeometern an ihren bisherigen Dienstsitzen; der
Kreisgeometer Louis Schneider in Regensburg zum Regierungs- und
Steuerassessor bei der Regierung von Oberfranken; auf ihr Ansuchen
in etatsmässiger Weise versetzt der Obergeomater Michael Welsch in
Kemnath auf die Stelle des Vorstandes des Messungsamts Weissenhorn,
der Bezirksgeometer Emil Oestreicher bei dem Messungsamt Mün-
chen II auf die Stelle des Vorstandes des Messungsamts Volkach, der
Bezirksgeometer Otto Kreuzer in Regensburg auf die Stelle des Vor-
standes des Messungsamts Cham, der Bezirksgeometer Josef Schwarz-
fischer in Münchberg an das Messungsamt Hof, der Bezirksgeometer
Michael Steinmetz in Homburg an das Messungsamt Regensburg,
sämtliche in gleicher Diensteigenschaft; der Kreisgeometer Josef von
Streber in Landshut auf die Stelle des Vorstandes des Messungsants
Landau a. I., der Kreisgeometer Hans Reiger in Ansbach an das
Messungsamt Ansbach, der Katastergeometer Hans Haderer in Mün-
chen an das Messungsamt Simbach, sämtliche unter Ernennung zu Be-
irksgeometern; der Bezirksgeometer Paul Sedlmair in Simbach auf
die Stelle - eines Katastergeometers beim Landesvermessungsamt; in
etatsmässiger Weise berufen der Bezirksgeometer Joh. Blamberger
ın Erding auf die Stelle des Vorstandes des Messungsamts Kemnath in
gteicher Diensteseigenschaft, der Kreisgeometer Richard Bieber in
München an das Messungsamt München II, der Kreisgeometer Adolf
Sinz in Augsburg an das Messungsamt Erding, beide unter Ernennung
u Bezirksgeometern; in etatsmässiger Eigenschaft ernannt die ge-
prüften Geometer August Christmann, verwendet im Regierungs-
bezirk Pfalz zum Bezirksgeometer bei dem Messungsamt Homburg.
Wilhelm Oppel, verwendet im Regierungsbezirk Oberfranken, zum
Bezirksgeometer bei dem Messungsamt Trostberg, Franz Xaver Frank,
verwendet im Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, zum Be-
ıirksgeometer bei dem Messungsamt Münchberg, Fritz Ludwig, ver-
wendet im Regierungsbezirk Oberbayern, zum Kreisgeometer bei
der Regierung von Oberbayern, Max Gebhardt, verwendet im Regie-
tungsbezirk Oberfranken, zum Kreisgeometer bei der Regierung der
Oberpfalz und von Regensburg, Franz Sporer in München zum Kı-
lastergeometer beim Landesrermessungsamt Josef Bauer, verwendet
im Regierungsbezirk Oberbayern, zum Kreisgeometer bei der Regierung
von Schwaben und Neuburg, Wilhelm Bachmann, verwendet im Re-
gierungsbezirk Mittelfranken, zum Kreisgeomeier bei der Regierung
von Mittelfranken, August Jung, verwendet im Regierungsbezirk
Mittelfranken, zum Kreisgeometer bei der Regierung von Niederbayern,
40 Versonalnsehriehten. Zeitsekasst iur
Vermuesst ySWUBCH
1910,
Friedrich Böcklein in München zum Katastergeometer beim Landes-
vermessungsamt; auf Ansuchen wezen nachgewiesener Dienstuniähigkeit
unter Anerkennung seiner Dienstleistung der Obergeumeter Karl Amann,
Vorstand des Messungsamts Landau a. Isar; der im zeitlichen-Ruhestande
befind.iche früher beim Landesvermessungsant verwendete Katastergeometer
Julius Kleylein in den dauernden Ruhestand ver ezt: vom 1. Februer
ds. Js. an auf ihr Ansuchen auf Grund des Art. 47 Ziffer 1 des Beamten-
gesetzes in den dauernden Ruhestand versetzt der Steuerrat Jese]h Müller,
Vorstand des Messunzsamts München I und der Obergeomeier des Landes-
vermessungz-amts Johann Rauch. beide unter Aneikentnune ihrer Dienst:
leistur g; in etatsmässiger Weise befördert der mit Titel und Rang eines
Obergeoumeters beklehlete Katastergesmeter Joh. Firmbach in Mün:hen
zum Oberzenmeter des J.andesvermessungsamis: aufihr Ansuchen in etats-
ınässiger Weise versetzt der Ob-recometer Lorenz llausel in Selb auf
die Stelle des Vorstandes des Messungsum!s Hof, der Bezirksgeumeter
Friedrich Wittmann in St. Ingbert auf die Stelle des Vorstandes des
Messungsamts Kulmbach, der Beziiksgeometer Wilhehu Döderlein in
Starnberg auf die Stelle des Vorstandes des Messungsamts Frankenthal.
der Bezirksgeonmeter Juohaun Göttinger in Pfarrkirchen an das Messung=-
amt Landau a. I, sämtliche im gleicher Diensteseirenschait. der Kreis-
weometer Joh. Osiander in Spever an das Messung-amt Schwabach unter
Ernennung zum Dezirksgsometer: in etatsmässiver Weise ernannt die ze-
prüften Geometer Matih. Ziegler, verwendet im Regierungsbezirk Ober-
pfalz und Regensburg, zum Bezirksgeometer beiin Me-sungsamt Viechtach,
Hıns Alt, verwendet im Regierungsbezirk Oberbayeiın, zum Kreisgeometer
bei der Regierung von Oberbayern, hammer der Finanzen, Joseph Schäfer
in München zum Katasterweometer beim Lamlesserinessungscent, Hans
Wörfel, verwend-t im Regierungsbezirk Oberpfalz und Rerensburg, zum
Katastergeometer beim Landesvermessungsömt, Tieiniich Vogel, verwendet
im Regierungsbezirk Niederbayern. zum Bezuksgeometer bei des Mes-
sungsamt Eschenbach, Eugen Thiery. verwendet im Legierungsbezisk
Pfalz, zum Bezirkszeometer bei dem Messangsamt Dergzabern, Franz
Reuschel, verwendet im Rezierungsbezirk YPlalz, zwa Kreiszeometer bei
der Regierung der Pialz, Kan:mer der Iinanzen. — Vom “taatsurinisteriun
des Innern wurden mit Wirkune vom 1. Janwar 1919 die veprüften Geo-
meter Max Priehler, Fritz Porsch, Leenhard Weiss, Hans Keune-
mann, Hans Völklein. Jakob Hap»perzer. Frauz Rob] und Theodor
Müller zu Flurbereinigungsgeemetern laka Laudessist für Finvbereini-
zung in etatsmässiger Kigenschalt ernannt.
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: Bostimnnmr des Maxtmalibstandes der
bayerischen Gansskngel vom Besseischen KErdelivsoidl. von Müller - Alouvr-
und Oedlandkultur. von Wolff. --- Bächerschau. — "ersenalnzchrichten.
- om. — a Dr ar a a a 2 u. mn
Verlag von Konrad Wittwer iu Stuftzart,
‘ Druck von Carl Haınmer (Inh. Wilh. Herget), Rgl. horbuchdruckerei iu Stuttzurt,
a A
REN,
ar
| , XLVIO. Band. März
n 2, ‚Het. | 1919.
#
Zeitschrift für Vermessungswesen
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. ©. Eggert,
Professor. a. d. Techn. Hochschule in Danzig-Langfuhr
Preis des Jahrganges 10 Mark.
Im’ Postbezug 10 Mk. 10 Pfg. ohne Bestellgeld.
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart, Schloßstraße 14.
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: Ueber das Ausgleichen geodätischer Netze
nach der Methode der kleinsten (Quadrate durch Einteilen der: Netzbedingungs-
gleichungen in Gruppen, von Boltz. — Vereinsnachrichten. — Heeresnachrichten.
— Hochschulnachrichten. — Prüfungsnachrichten. — Personalnachrichten. —
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gesehen von der Richtschraube für die Dosenlibelle zur all-
gemeinen Senkrechtstellung der Vertikalachse —
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und lässt sich von einem Standpunkte
aus innerhalb einer Minute
durch nur zwei Lattenablesungen scharf prüfen. Wenn er-
forderlich erfolgt die Berichtigung durch eine kleine Drehung
der Justierschraube an der Nivellierlibelle. Kippschraube zur
Feineinstellung der Libelle und Libellenspiegel ermöglichen
ein sehr schnelles und bequemes Arbeiten. Dies Instrument
stellt eine völlig neue Art dar, die zu allen Nivellements
für technische Zwecke besonders geeignet ist,
41
ZEITSCHRIFT ron VERMESSUNGSWESEN
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. O. Eggert,
Professor an der Techn. Hochschule
Danzig-Langfuhr, Hermannshöfer Weg 6.
| Heft 9.
1919. ' | März. Band XLVIIl.
=
Der Abdruck von Original-Artikeln ohne vorher eingeholte Erlaubnis
der Schriftleitung ist untersagt.
Veber das Ausgleichen geodätischer Netze nach der
Methode der kleinsten Quadrate durch Einteilen der
Netzbedingungsgleichungen in Gruppen.
Von H. Boltz.
Einleitung.
Die bisherige Ausgleichung eines geodätischen Netzes nach be-
dingten Beobachtungen geschieht gewöhnlich in der Weise, dass man
die unabhängigen Netzbedingungen aufstellt und durch Einführen von
Korrelaten die Bedingungsgleichungen mit der Minimunmsforderung,
wie sie sich nach der Theorie der kleinsten Quadrate ergibt, in Ver-
bindung bringt; auf diese Weise wird das Normaälgleichungssystem er-
halten, das, nach dem (rauss’schen Algorithmus aufgelöst, die Korre-
laten liefert. Aus den berechneten Korrelaten und den gegebenen
Koeffizienten der Bedingungsgleichungen erlangt man schliesslich die
Verbesserungen der beobachteten Netzgrössen. Bei dieser Art der
Netzausgleichung ist der Ausgleichungsbereich ein beschränkter; denn
das Auflösen der Normalgleichungen nach dem Gauss’schen esse
verursacht bei 40 unabhängigen Bedingungsgleichungen bereits eine
Rechenarbeit, die praktisch gerade noch geleistet werden kann; Hel-
mert empfiehlt in seiner „Methode der kleinsten Quadrate“ nicht mehr
als 30 Bedingungsgleichungen auf einmal aufzulösen.
Im folgenden soll nun 'ein Rechenverfahren entwickelt und be-
wiesen werden, dass die Korrelaten aus den Normalgleichungen in anderer
Weise herleitet als dies der reine Gauss’sche Algorithmus tut, bei dem
ferner die Anzahl der Bedingungsgleichungen beliebig gross sein kann
und das dennoch scharfe Verbesserungen liefert, ohne die Rechenarbeit
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft 3. 4
42% Boltz. Ueber das Ausgleichen geodätischer Netze etc. Zeitschrift für
ee nen ae
umfangreicher- zu gestalten, als die analoge Arbeit nach dem Algorith-
mus zusammen genommen ausmachen würde. Der Grundgedanke dieses
Verfahrens lässt sich in der Literatur bis auf C. F. Gauss verfolgen
(vgl. C. F. Gauss’ Werke, IX. Band, S. 250 und S. 297 ff.); seine han-
noversche Gradmessung beispielsweise ist nicht streng nach dem Algorith-
mus ausgeglichen, vielmehr zerlegt Gauss die besamtzahl der Netzbedingungs-
gleichungen in zwei Gruppen, lässt die einfachen Gleichungen der ersten
Gruppe (Winkelgleichungen) ungeändert und löst deren Normalgleichungen
für sich auf. Bei der zweiten Gruppe (Seitengleichungen) fornıt er zuerst
mit Hilfe weniger Gleichungen der ersten Gruppe die Koeffizienten um
und gleicht sie dann ohne Rücksicht auf die erste Gruppe aus; durch die
getrennte Ausgleichung werden Korrelaten erhalten. die die Bedingungs-
gleichungen näherungsweise erfüllen. Die Werte der endgültigen Kor-
relaten erlangt Gauss endlich durch wiederholte wechselseitige Ausgleichung.
Eine Begründung dieser Methode hat Gauss nicht gegeben, dies tat erst
Prof. L. Krüger in der Abhandlung: „Ueber die Ausgleichung von be-
dingten Beobachtungen in zwei Gruppen“; Veröffentlichung des Kgl. pr.
Geodätischen Instituts, Neue Folge Nr. 18, Potsdam, Druck und Verlag
von B. G. Teubner in Leipzig, 1905. — Prof. I. Krüger behält die Gauss-
sche Art der Gruppenteilung bei, d.h. er nimmt alle Winkelgleichungen
zur ersten Gruppe und die Seitengleichungen zur zweiten; während nun
bei Gauss das Umformen der Seitengleichungen immer nur mit Hilfe.
weniger Dreiecksgleichungen geschieht, benutzt Prof. L. Krüger zu diesem
Zweck alle Bedingungsgleichungen der ersten Gruppe. lierdurch wird die
völlige Unabhängigkeit der beiden Gruppen und deren Normalgleichungs-
systeme crreicht, was bei Gauss nicht der Fall ist. — Im folgenden
wird nun die wiederholte Anwendung des Zwei-Gruppen-Verfahrens
in den Vordergrund gerückt und dementsprechend auch die Beweis-
führung abweichend von Prof. L. Krüger durchgeführt werden.
I.
Die Bedingungsgleichungen und deren Normalgleichungen;
Gruppeneinteilung.
Sind alle unabhängigen Bedingungsgleichungen eines geodätischen
Netzes aufgestellt, so mögen sie der äusseren Kennzeichnung wegen
in zwei Gruppen zerlegt werden:
)avyu +, +,% +... Hamm tw = 0
2) bi v, — UA + b3v, u. ser — din Yın + wg == .f)
I) a + og + Gr + -.: + Cmtm +Ww = 0
rt tn Hr +... Hrata +w = 0
Zeitschrift für Boltz. Ueber das Ausgleichen geodätischer Netze etc. 43
en
s
I) “X [21 — 19) ®g + u3 Ug .n oo. + (Um Cm — LLAy — 0
1) Arı + he t Betas - - . +dmtum bu = 0
U) „vo + . vg -- an ja 7 ze tn =) (2)
v) Hd + rt + 93% ie we Ym Um ae ı, |
Das Netz hat. mitlin (r + ») nen: m>(r—+n.
Für die allgemeine Beweisführung ist es gleichgültig, nach welchen
Gesichtspunkten die Gruppeneinteilung der Bedingungsgleichungen er-
folgt: die Koeffizienten an... munda...n(h=12%...m)
sind beliebige. gegebene Konstanten, die hinsichtlich der Vorzeichen
und absoluten Beträge keine weiteren Voraussetzungen zu erfüllen
haben.
Führen wir jetzt Korrelaten A. Aa....A, und An kKıı...K,
ein. so erhalten bekanntlich die endgültigen Verbesserungen, die die
Gleichungen (1) und (2) nebst der Minimumsbedingung nach der Me-
thode der kleinsten Quadrate erfüllen, folgende algebraische Form:
U ahrb al, m... tr
ta kp kuntykmt... tn M
Wr „ht, oak +... tr hr
+, H+ßhntyaekmt... rk,
usw.
im Ankh + buke + Cunks 4... rad
+ wukr + Bakır + ymkın =... + mE,
Um zu den Bestimmungsgleichungen für die eingeführten Korre-
laten zu gelangen, setzen wir die Verbesserungen in der obigen (ie-
stalt in die Gleichungen (1) und (2) ein; auf diese Weise erhält man
die Normalgleichungen:
(aa)k, + (ab)ig +(ac)ki 4... +lar) = — u,
— (aa)kr — (aß)kır — (ay)kın — ... — (ar)k,
(ba)k, —- (bb) ke + (bc)k: — ia 5 + (br) k, = — I,
— (ba)kı — (bB)kır — (by)kınm —... — (br)k,
(ca)k, + (cb)k, + (cO)ks +... +(er)k, = — us (3)
— (co)kı — (cb)kır — (cy)knm — :.. — (cr)Kk,
ra) t(rb)h, L(ro)ks ... tin. = —w
— (ra)kı — (rß)kır — (ry)kın — . er — (ry)k,
(wa)kı +(ab)ke + (uc)ks +... + (ar)k- +
+ (ae)kı +(eß)kır +lay)kn +: +lenk,„+w = 0
Ba)k +4) + Boks +... +(Br)kr +
+ (Be) kı + (BB) ku + (By) kan H ... + ß)k, tw =0
(ya)k, Be TenT ... ton) (4)
+ (Ye) kı (PB) ku (y)kıı + ae (yr)k, + vnı=0
Go)kı +bd)ir tk +... +ornie +
+be)kh +6ßdkuntbykun +:::- ok, tw = 0
44 Boltz. Ueber das Ausgleichen geodätischer Netze ete. „Zeitschrift für
FOrSskunganenen
1.
Einführen von Korrelatenfunktionen für die erste Gruppe.
Die linken Seiten der Gleichungen (3) stellen ein in sich abge-
schlossenes Normalgleichungssystem dar; die rechten Seiten mögen
der Abkürzung wegen gleich — vw’ Wi = 1,2...r) gesetzt werden. Nun
denke man sich dieses Normalgleichungssystem: _
(ah (ad) 4 M)hs th... tan, tu =
(ba)kı +6); tlO)ks +... +kbr)ir + ug
-(ca)kı + (cb)i, 4-(ec)iz3 -- ...— (er)ir 4 us’
IN
>.
PER
aD
—-
(r a) kı er u, — Beh +... +). tw‘ = 0
in der Weise aufgelöst, dass w;‘ (@=1,2....r) unbestimmt bleibt (vel.
Abschnitt V, S. 51); dann mögen für die ee Korrelaten MIEde
Funktionen erhalten werden:
—k, = fiiwi + fiawg! + fies’ — - : . + fırwi‘
— ig = far w + fogwa' A fast +... + fort‘
— I, = fuw’+ few + fazws’ +... + far Wr‘ (6)
= fıw’ + fraw + sus’ +... + fr
Wegen des symmetrischen Baues von (5) gilt für (6) allgemein:
| he fe:
In dieser Art der Auflösung: den Widerspruch der Bedingungs-
gleichungen der ersten Gruppe unbestimmt zu lassen und die Korre-
laten als Funktionen dieser Widersprüche darzustellen, besteht der
grosse Vorteil, den das Zwei-Gruppen-Verfahren vor der allgemeinen
Anwendung des Gauss’schen Algorithmusses hat, sobald die Anzalıl der
Bedingungsgleichungen grösser als 40 ist. Soweit mir die einschlägige
Literatur bekannt ist, hat Prof. L. Krüger zuerst diese Methode ange-
wendet [vgl. a. a. ©. S. 9 und 10 Gleichungen (5) und (6)]. Die
Kenntnis der funktionalen Zusammensetzung einer Anzahl Korrelaten
bewirkt, dass die Bedingungsgleichungen, zu denen diese Korrelaten
gehören, für die weitere Netzausgleichung gar nicht mehr in Betracht
kommen. Das Zwei-Gruppen-Verfahren in seiner wiederholten An-
wendung vermeidet ein Auflösen der Normalgleichungen nach Art des
Gauss’schen Algorithmusses; während bei diesem immer nur eine Nor-
malgleichung sukzessive eliminiert wird, werden beim Zwei- -Gruppen-
Verfahren durch das unbestimmte Auflösen einer Anzahl Normal-
gleichungen sofort mehrere Gleichungen auf einmal eliminiert. Ferner
kommt dieser Art der Reduktion noch der Umstand 'zustatten, .dass
Zeitschrift für Boltz. Ueber das Ausgleichen geodätischer Netze etc. 45
le ER
die Wirkung der Bedingungsgleichungen auf die Beobachtungen nur in
jenem Netzteil stattfindet, in dem die Bedingungsgleichung liegt.
Im grossen kommt es nun darauf an, in die erste Gruppe mög-
lichst viel Bedingungsgleichungen einzubeziehen und für deren Korre-
laten eine bequem aufzustellende Funktion zu erhalten. Dies wird
auch Stets am Anfang einer jeden grösseren Ausgfeichung möglich sein,
da ja die Mehrzahl aller Netzbedingungsgleichungen‘ Dreiecksgleichun-
ven sind. Die Aufnahme der Dreiecksgleichungen in die erste Gruppe
darf nicht wahllos geschehen; es sind in diese Gruppe nur jene Drei-
erksgleichungen aufzunehmen, die zu einer einfachen Dreieckskette
gehören, dann ergibt sjch der -Vorteil,: die ‚Korrelatenfunktion dieser
Bedingungsgleichungen aus der „Korrelatentafel für die einfache Drei-
eckskette‘‘ *) entnehmen zu können; allerdings setzt das Benutzen der
Korrelaten tafel gleiches Gewicht für alle 'geodätischen Richtungen
voraus, die in den Gleichungen der einfachen Dreieckskette vorkommen.
Gewichtsu nterschiede der .einzelnen Richtungen, die zwischen 24 und
25 liegen. (vgl. die Vorschriften der pr. Landesaufiiahme), haben: auf
die einzelnen ‚Richtungsverbesserungen nur ganz geringen Einfluss; im
übrigen bietet gerade die Schreiber’sche Methode der Winkelbeobach-
tungen in allen Kombinationen genügend theoretischen Saal die
Gewichte zwischen 24 und 25 zu halten. |
I.
Die Zwischenkorrelaten. |
Werden in (6) für diew’ (i=1,2...r) die w; aus (1) eingesetzt,
so ergibt sich ein bestimmter Zahlenwert, der mit f(i=12....r)
bezeichnet werden möge. Mit diesen A‘ werden Verbesserungen ©‘
(h = 1,2 ... m) erhalten, die die ersten r Bedingungsgleichungen er-
füllen; dagegen werden die so berechneten Verbesserungen in den Bedin-
gungsgleichungen der zweiten Gruppe eine Änderung‘ des Widerspruchs
w (s = LI ...») herbeiführen, ihn aber wohl’in den seltensten
Fällen zu Null machen (vergl. (23) S. 51).
Die soeben definierten A (? = 1,2, ... r) haben folgende funktio-
nale Zusammensetzung: |
—k' = fu, + fett + fis ws +... + Fırr
= fuaw tr fette tfauwst ..: + fort
— kw tfew+fsWws +: :. + fer ()
k=fwthewg fest; tt... + fer
- *) Eine solche Tafel .wird später veröffentlicht werden; bei Ausgleichungen
von Polygonzügen wird sie sicher Vereinfachungen bieten. ,
46 DBoltz. Ueber das Ausgleichen geodätischer Netze etc. ee für
Um die durch die Gleichungen (3) definierten uk | = 12... r)
bestimmen zu können, bedarf es der Kenntnis der Korrelaten A,
(s = LIU... +); denn setzt man in (6) für w’ i=132,...r)
die ganzen rechten Seiten von (3) ein, so wird:
‘
— k= Aw +fılae)kı + fiilaß)kuntfilay)kın +... +fılan)k,
+fıs ug +fız(b x) k, + fıa(dB) kır + fıe(d}) kın + ... +-fıe(br)k,
+ fısug + fıs(ea)kı + fıs(eB)kut-fıs(ey)kın +: --+fısler)i,
+ fır@r +fra)kı + fir) ku +fi ‚(r Ykın + nee +fir(r v)k,
k=fıWı +hlaa)kıt Ylaß)kntfalay)kınt-.. +feılar)k,
+ fa + faba)kr HfeelbAdkı + fldp) kant - - + Feld),
+ fas%s + fasle e)K; +f sec P) kyı +f ze(c ykıı ee +f es(cv)Kk,
fa, Hskre) k, fat Ken parte a +... +felenk,
= fswı + flau)kıt falaß)kutfalan)kun +... +fsılar)k,
Hs wa + Felde) kı + fae(dA)ku+ Frl Mk +. + fselbr)k,
+ fasst fsalca)kı +fas(eß)kır + feale kn +: + fasler)k,
(8)
ER Hrn hal N +... tfr(lr nk,
usw.
— = faıwı + frılaa)kı + Frılaß)ku + frılay)kın +... + frı(ar)k,
+ferw + fralba)kı + Fre(bB)eın + Freldy)kın + -.- + Frelbr)k,
+ fr + frs(eo)kı + Fıs(le dran + faleYkın---.. + Frrler)k,
+ fer Wr + felre)kı +FreerB)en + Fer Yıkın + .. es Fer(P r)Kr
Die erste Vertikalreihe. jeder Koyrrelate von (8) entspricht einer
| Gleichung von (7); die übrigen Vertikalreihen von (8) hängen aber
auch ursächlich mit (7) beziehungsweise mit (6) zusammen, und zwar
treten an Stelle der:
ur‘, wo’, Mg, . . . ww.’ von (6)
die Normalgleichungskoeffizienten von (3):
(ac), (be), (ca), ... (re)
(aß), (dB), (cB), - - - (rP)
(ay), (by), (ey), -- - (rp)
(ar), (bs), (ev), -.. (Fr)
Wegen diesem. analogen Aufbau sollen die erwähnten Vertikal-
reihen in folgenden als „Zwischenkorrelaten" Z, (s = LIL...»}
Zeitschrin für 1 IQp , .
an Boltz. Ueber das Ausgleichen geodätischer Netze etc. 47
1919.
fi= 1,2... r) bezeichnet werden; ihre funktionale Zusammensetzung
und eindeutige Bezeichnungsweise ist wie folgt:
— Zı = fhı (aa) + fır(dba) + fis(c«) +: RE + fı-(re)
-- Ze = Raılau) + fas(du) + frs (ce) +...-tfer(re)
— Zn = frı(aa) + fsalda) + frslce) + - - - + fer(re)
— Zı = fa (u «) + fa(be) + fr (ca) r Rn Ei frr(r we)
usw. (9)
— Zu = fır(an)+ fıe(bv) + fıslen) +. - - + fır(r®)
— Za = faluv) + faldr) + fs(le) +--- + fr(r®)
— Zu = fa (av) + fss(dv) + fs(le) +.:. + far(r®)
— Zu — fn (av) + fa (dv) + frs (c») +. ge + fa(r®)
Nunmehr lauten die Gleichungen (8): | nn
kıı = kı' + Zukı + Zııku + Zum ki +...+Zı%,
kg — ka’ + Ziakı + Zusku + Zurekm tt. - - + Zak,
kg — ka + Ziskı + Zugku + Zurskiu tt Zuskr (10)
kr = kr + Zurkı -+ Zurrku + Zurkn +: - - + Zork;
Die Zwischenkorrelaten sind dieselben Ausdrücke wie die o,,
bei Prof. L. Krüger (vgl. a. a. O. Gleichungen (12) S. 4).
IV.
Darstellung der Verbesserungen.
Geht man auf die Gleichungen (1) und (2) zurück, so lehrt die
Theorie, dass die endgültigen Verbesserungen:
tr = ak tb ak +: + Tıkr
+ aıkı+ Bd, kı + ku: - - + rıkr
v% = aakı + Da ke + Gh; +..:.+1a
+ @kı + Bekın + yakın + - - - + Pak, (11)
usw.
Um Ankt banks +Caks +: :: + Takr
+ amkıt Bakıu + Ymkın-t - » + ’mk, sind.
Setzt man diese Werte für va (h = 1,2... m) in die Gleichungen
(1) und (2) ein, so erhält man bekanntlich die Normalgleichungen (3°
und (4).
In (11) führen wir jetzt die Ausdrücke (10) ein:
48 Boltz. Ueber das Ausgleichen geodätischer: Netze ete.. _ Zeitschrift für
Bi ; .® SEN RUE
tı = a, hy’ +0 Zrıkr +4 Zum kn + Zunkn +... +0 Zuk,
+ bi ig’ +bdı Zuakı + by Zuekn +d, Zurekmm +... +91 Zu
+ Cı ka’ +6 Ziskr +Cı Zuskn + Cı Zmskin +... +0 Zah,
+r, kit rı Zukr tr, Zurku +7, Zurkm+:.:+#ri Zeh,
Air ahıt Bıkı + kt. Zur
Br j usw. ee ne we (1:
un = Un ki SE An Zıkrt+ Am Zınku E an un kın + ... + An Zua k,
— Dark‘ 2 a Du Ze kı-t bi Zins If + D,. Zun kın Le ' rt bau Zurky
+ Cm hy‘ ze Cm Zizkı + Ca Zugky +. Br kıı +.» . + Can La Ä'.
+ rn kN + Fu Zirkı + Nu Zurku + Tu DE kın + ie + Yıı Zul,
ro mt mia 2 Jede, ta
Zur Abkürzung seien eigende Bezeichnungen: eingeführt:
vu‘ = ankı‘ + buy‘ Fonky‘ ee + Fa! W 2......m) (18)
Au arZı + ba Zı, ge cn Zıs > um Y, Zr er X
5 Bi =. a» Zr + bk Zire + enZus + ...+1r Zr + fa De
= a» Zum + Zu + En EN +...+rnZum + ya (14)
N = an Zua + bu 4er VZR +...+-r Zr + rn
/
. h=1h2,...m)..
Die Grössen es Hand in (13) und. 14): sind teils a
Konstanten der ursprünglichen Bedingungsgleichungen (i) und (2
teils Funktionswerte der eingangs eingeführten Ko eslenankuonen
(6); das Bildungsgesetz ist deutlich- erkennbar.:*)
Bei dieser (ielegenheit sei erwähnt, dass durch die Ausdrücke (9),
(13) und (14) das praktische Rechenverfahren bei‘ der Gruppen-
methode übersichtlicher und "böquemer wird als beim Gauss’schen Al-
gorithmus; bei diesem kann immer nur ein Rechner die Reduktion
nach und nach durchführen, eine Arbeitsteilung" für mehrere
Rechner zu gleicher Zeit ist unmöglich; beim Zwei-Gruppen-Ver-
fahren ist der Rechnungsgang mehr. nebeneinander . auszuführen,
*) Die Austlrücke (14) sind die ee ‚wie sie Prof. L. Kruerr ai ander em
Wege erhält (verel. a..a. ee“ Gleichungen en S. E
Zeitschrift für Boltz. Ueber das Ausgleichen zevdätischer Netze etc. 49
AINBESEUDRaW een
d. h. die Berechnungen der Ausdrücke (9), (13) und (14: aus (6)
können zu gleicher Zeit von verschiedenen Rechnern erledigt werden.
Unter Berücksichtigung von a3) und (14) erhält man nunmehr
für (12):
tı = v,' + 4 K,+Bı Kı-+ C, Kınt.--+Nı RK,
U = Vo‘ + A, RK, + B, Kyı uw C, Kın +...+ N, K, (15)
Um .= Ca’ + Am K, + Bu Kıı _- C Kın + .. + Nu K'.
V.
Entwicklung dei Normalgleic hungen für die ZW eite Gmu, pe.
Um die ee er für nn 4 (s= LH, .:.») zu
erhalten. setzen w ir, der Theorie entsprechend, die @«„ (k = 1.2... m)
aus (15) in die ursprünglichen Bedingungsgleichungen (1; und (2)
ein; es ergibt sich:
l) (@ A) kı Zu (a B) kıt (a C) kın ‘r ii ou (a N) k. + ıCı — (a v‘) = 19)
2) (bA)kı + (db B)ku+(d Okınt...+(bN)k,+ %s +bdv)= 0 „’
3) (c A)kı + (c B) ku+(e O)km-+: ..+ (6 N), tw; + (c v) — 19) | (16)
r)) (r A), + (r B)kn + (r CO) Rın 2 ..+(r N) hr. + 1%, +(rv) — N)
]) (a A) kı + (@ B)kır + (we C) kn ...4+ (u N) kt} + (a&vV‘) =)
1) (BA)Rı + (BD) ru + (BC) kn + ...—+(B N)r, + u; +(Bv)—=0 er
IM) 7N)H+GDkunthr Omi... + Na tw ea )=0 (0)
) A) t+@Dku+bO)knt.-.+(r Nu, +W, +bv)=0
Wir wollen zuerst die Grössen: (av). (bvX), (cv), ... (rv‘) und
dann die analogen: (xv‘), (Br), (zv), . . . (re) untersuchen. nm
Aus (13) folgt:
(aa) kı' + (ab)iy 4-(ae)isy +... + (ar = (av)
(ab) hı + (bd)Ay‘ + (lbe)k +... + (order = (dv)
ar + ON + N + len = ler
50 Boltz. Ueber das Ausgleichen geodätischer Netze etc. Zeitschrift ftir
Vermessungswesen
Vergleicht man diese Gleichungen mit (5), so folgt unmittelbar:
(v) = — wı
bv)—= — We
(18)
(rv) = —ı,
Andererseits ist:
ka)’ + (aM) le) +...+ (ar)k’ = (av)
Bay ED + BR’ +... + Br) = (Br)
Fa) + od HdR +... + one = (vV)
Setzt man hier für &' fü = 12... r) die Entwicklungen (7) ein
und berücksichtigt dann die Gleichungen (9), se wird:
(u v’) = Zu w - Ze Wg + Zrs ws + a" + Zr Wr
(Bv’) = Zn 1% + Zus 8 + Zus Ws 4 u ie Zur %r (19)
vv) = Zw + Ze 4 Zst 4... + Zırter
Jetzt gehen (16) und (17) über in: |
1) (aA)kıı +(aB)ku+(aC)km-+...-+(aN)k, = 0
2) 6A)kı + bB)ku + (bO)kum-+...+(6bN)r, = 0
3) (eA)kı +(eB)kuı + (cC)km-F...+(eN)k, = 0 (20)
) Ak +(rB)kı + Okın +. . -—+ (r]N)a, = 0
und |
D (a A) kı + (ux B) kn —- (« €) kın + ... + (a N)k,
+ wı + Zıı «ı —- 2ie 108 + Zr Wg + Erde ze + Zir vw. —=0
I) BY + BI + BEOkm +... - EN,
+wn + Zu + Ze w + Zu wt...+Zurw —0
ID) GM +YBkn +4Oam +: + (Mk (#1)
—+ vn Zmi w; = Zune Ws + Zus 0, ... + Zur Wr =0
») (v A) kı + (v B) kıı + (» ©) kın Ar ... + („N)k,
r W, + Zul w + Z,2 Wg + Zug Ws - er ie + Zur Ur =—0
Die Gleichungen (20) und (21) geben an, welche Eigenschaften
diek.(s=1I.1, ... v) besitzen müssen, wenn die unvollständigen
a DL Boltz. Ueber das Ausgleichen geodätischer Netze etc. 51
Korrelaten %;' statt der vollständigen k; fi = 1,2, .... r) eingeführt
werden. Schon aus der verschiedenen Anzahl der Bedingungen (in
(20) sind es r, in (21) sind es » Gleichungen) und aus der Zusammen-
setzung des Absolutgliedes in (21) lässt sich schliessen, wie die end-
gültigen Bestimmungsgleichungen für 4, (s = I, I. ... v) zu bilden
sein werden; offenbar so: Die Gleichungen (20) werden der Reihe
nach mit Zu (W = 12,... r) multipliziert und dann zur Gleichung I;
von (21) .addiert; zur Umformung der Gleichung I) von (21) multipli-
zerea wir sämtliche Gleichungen (20) der Reihe nach mit Zırs (fi =
12... r) und addieren sie dann zu II) ven (21) usf. Auf diese Weise
erhält man schliesslich bei Berücksichtigung der Entwicklungen (14):
AM + (ABD)kın + AC)km +... +ANM,+Wı = 0
(BA)k, + (BD) kı + (B-O)kın naar. (BN)k, Y Wu = 0
(CAkı + (CDkı + (COkn +... + (CN, + Wu = 0 (22)
(NAkı + (NBku + (N Ok +... + (NN, + WW, = 0
Zu 'Beginn einer grossen Ausgleichung wird auch das Nermul-.
gleichungssystem (22) meistens noch so viele Korrelaten enthalten,
dass der Gauss’sche Algorithmus die Einninerion nicht bewältigen kann.
Dann wendet man von neuem das eben durchgeführte Zwei-Gruppen-
Verfahren an. Die nunmehr neuen Korrelatenfunktionen (6) verschafft.
man sich am :besten daduxch, dass man für eine bestimmte Anzahl
Korrelaten von (22) das zugehörige Normalgleichungssystem nach dem
Algorithmus auflöst, dabei aber das Absolutglied unbestimmt lässt;
für ungefähr 15—20 Korrelaten ist die erforderliche Rechenarbeit.
nicht allzu umfangreich und lässt sich mit 4—5stelligen Logarithmen
scharf genug ausführen. Bei dieser Ausgleichung sind diejenigen Be-
dingungsgleichungen zur jeweils ersten Gruppe zu nehmen, die am
wenigsten Glieder haben.
Aus (21) und (22) folgt für:
WW =wı +2nw + Zuter + Ze +. + Zrw
WW, = wıı + Zum um + Ze IPg + Ztıg 3 — ... + Zitrter
Wın = wı + Zunw; + Zune 0) + Zus vg — rs + Zitir Wr (23):
W, = uw, + ZAıtı + Zoatg 4 Zusts +... + rer
Die W, (s =1LU,....») können auch dadurch erhalten werden,
dass den ursprünglichen Beobachtungen die Verbesserungen vr (Rh =
12 ... m) aus (13) (auf Grund von (7) hinzugefügt und die Berlin-
yungsgleichungen (2) von neuem aufgestellt werden.
59 Boltz. Ueber das Ausgleichen geodätischer Netze ete. Zeitsehrift fiir
z j MORD UNEENL EBEN
Schliesslich sei noch erwähnt, dass die Kenntnis der Normal-
vleichungskoveffizienten von (4) bis auf diejenigen, die der Symmetrie
wegen schon in (3) vorkommen, für den praktischen Rechnungsgang
nicht erforderhch ıst.
Das Wesen des Zwei-Gruppen-Verfahrens‘ besteht darin, ein ge-
gebenes Normalgleichungssystem nicht auf einmal ‚aufzulösen, wie
beim Algorithmus, sondern die Auflösung in zwei Teile zu zerlegen.
Die Auflösung des ersten Teils’ geschieht unabhängig vom zweilen
Teil und liefert daher so viele unvollständige Unbekannte (7), als
"Gleichungen in der ersten Gruppe enthalten sind; die zweite Teilauf-
lösung liefert den Rest «der -Unbekannten in ihrer endgültigen Form
aus (22).*; Das Zwei-Gruppen-Verfahren nützt nun weiter die: Be-
ziehungen aus, die durch: die Minimumsbedingung zwischen den be-
‚rechneten Unbekannten (Korrelaten) und den Koeffizienten der Be-
(dingungsgleichungen bestehen [vgl. (11), (12) und (15)], und erreicht
schliesslich, dass die unvollständigen Unbekannten (7) der ersten Teil-
auflösung bestehen bleiben können, dafür aber die Koeffizienten der
Bedingungsgleichungen (2) der zweiten Gruppe geändert werden müs-
sen; denn das Normalgleichungssystem (22) kann. man sich infolge der
Theorie aus den Bedingungsgleichungen: |
Artı + A + Ad +... + Anim+ Wi = 0
Bıvı + BD, Ua + B, Us — ee + Bu Un + WW,
C [21 + Cs (AP) 4 Uyd, + Be + Cu Om + Wr = 0 (24)
=
N, eı + Nav, — N,v, + Bee + Nil — W, —— 0 y
entstanden denken.
Diese Gleichungen (24) sind selbständige unabhängige Bedin-
cungsgleichungen, die denselben Operationen unterworfen werden kön-
nen, wie.die ursprünglichen. Netzbedingungsgleichungen (1) und (2i:
ob sie auch geometrisch zu deuten sind, soll hier nicht näher unler-
‚sucht werden.
. ”
*) Würden die Normalgleichungen (8) und (4) vereinigt und nach dem
Algorithmus aufgelöst worden sein, so würde diese Auflösung dieselben A, (x =
l,1,... ») ergeben haben wie die Auflösung der Gleichungen (22). Da man
ferner die unvollständigen Korreläten (7) mit Hilfe dr ,(s=1I,1,...»)
’ederzeit nach (10) in die endgültigen A; @ = 1, 2,...r). verwandeln kann,
so ist der. Uebergang vom. Zwei-Gruppen- Verfahren zum Gauss’schen Algoritlımus
leicht zu bewirken. |
4 .
...
Zeitschrift für Boltz. Ueber das Ausgleichen zeodätischer Netze etc. 53
vermessungswesen
VI.
Verallgemeinerung des -Zwei-Gruppen-Verfahrens.
Nachdem in den Abschnitten I bis V die Entwicklung des Zwei-
Gruppen-Verfahrens für eine einmalige (ruppenteilung durchgeführt
ist. bedarf es keiner besonderen Beweisführung. um die wiederholte
Anwendung des Zwei-Gruppen-Verfahrens auf das neu entstandene
\oımalgleichungssystem (22) zu begründen. Denn im Abschnitt 1.
Seite 43 ist dargetan, dass hinsichtlich der Beschaffenheit der
Koeffizienten an, da. Cm... Fun und an Bm sm... m (h=1.2,... m)
keine einschränkende Voraussetzungen erforderlich sind. Wir können.
daher das Normalgleichungssystem (22) oder, was dasselbe ist, die Be-
dingungsgleichungen (24), beliebig in zwei Gruppen zerlegen und das
Rechenrerfahren von’ neuem durchführen: eine Änderune der bisher
zahlenmässig berechneten Teilverbesserungen w (h = 12, ... m)
vgl. (7) und (13)] findet erwiesenermassen durch eine weitere
(ruppenzerlegung nicht statt. Bei jeder neuen -Gruppenzerlegung
kommt ein besonderes System von Korrelatenfunktionen hinzu, wie es
\urch (6) eingeführt ist, mit dessen Hilfe neue Teilverbesserungen
yon, vIP, ...0®9 (h=1,2,...m) wie auch neue Zwischenkorre-
laten zu berechnen sind. Bei £ (iruppenzerlegungen lauten «die endgül-
tigen Verbesserungen: |
str +” +u” tu” +...+0" +
+ dı Ih, —+ Bi: kn + Cı Kın + er + N Aa
neytu' tut”... +0e"+
+ Ash; + Boah + Calın + .::+ Nol,
at tut tu" tu’ +... +0" + (25)
| + Azhy + Dahn + Chin +... + Noh,
I dnt Un + vn’ + u +... +4 vn" +
+ Jah + Baht Cakm-+ ::: + Nul,
Die 4, (= I, II... r) in (25) sind die Korrelaten der zuletzt
umgeforniten Bedingungsgleichungen und können nach dem Giauss-
schen Algorithmus berechnet werden; für weitere Zwecke, namentlich
:ir (dewichtsberechnungen, empfiehlt es sich, für diese Sehlussaus-
zleiehung nicht den Gauss’schen Algorithmus im gewöhnlichen Sinne
ineendlan: sondern ebenfalls, wie bisher, die Absolntslieder bei der
Keluktion unbestimmt zu lassen. | |
Der Gauss’sche Algorithmus erstrebt die Kenntnis des reinen
Zahlenwertes der Korrelaten aus dem Normalgleichungssvstem und
54 Boltz. Ueber das Ausgleichen geodätischer Netzs etc. vermessungs eh
| 0.
nützt zu diesem Zweck lediglich die Symmetrie im Aufbau der Nornaal-
gleichungen aus. Bei nur wenigen Unbekannten ist dieses Rechen-
verfahren bequem; nimmt die Zahl der Unbekannten aber zu, so büsst
es an Übersichtlichkeit ein und erreicht die Grenze seiner Anwendbar-
keit bei etwa 40 Unbekannten. Die wiederholte Anwendung des Zwei-
Gruppen-Verfahrens dagegen nützt nicht nur die Symmetrie der Nor-
malgleichungen aus, sondern auch den funktionalen Zusammenhang der
zu berechnenden Unbekannten unter sich. Gerade mit Hilfe dieser
funktionalen Beziehungen wird die Auflösung eines Normalgleichungs-
systems mit ungleich mehr Unbekannten durch einen eigenartigen Rech-
nungsgang (Zwischenkorrelaten) ermöglicht, der durch die zuletzt eı-
haltenen Unbekannten (ku, kyı ... %, aus (22) die vorher berechneten
Unbekannten [k,‘. kg... 7,‘ vgl. (7)] vervollständigt [nach (10)]. Da-
her lässt sich das Zwei-Gruppen-Verfahren auch für vermittelnde Beob-
achtungen anwenden, sofern die Anzahl der Unbekannten grösser als
40 ist.
VI.
Berechnung des mittleren Fehlers der Gewichtseinheit nach
der Ausgleichung.
Um den mittleren Fehler der Gewichtseinheit nach der Ausglei-
chung berechnen zu können, bedarf es der Kenntnis der Quadratsumme
aller Verbesserungen. Der geschlossene Ausdruck, der hierfür schliess-
lich erreicht wird [vgl. (31) ], lässt sich auf verschiedenen Wegen ab-
leiten; im folgenden soll nun nicht der kürzeste Weg gewählt, sondern
ein umständlicherer eingeschlagen werden und zwar deshalb, um
a er Eigenschaften der Koeffizienten (14): An, Du, Cr.
NE kW = 22 35 m) nachzuweisen.
Werden die Ausdrücke (15) quadriert, so erhält man:
|®.v0.) =
[v,’ vr] . . . A $ . . . 7 e A . . . . . . ... (26)a
+ [An Ar]kıkı + [Ar Br] kıkın + An Or] kıkım + ...+ [An Na] kı |
+ [Br Ar] ku :+[ 8» Ba] uk u+[BrCn]k ah 7 ne + [Ba Nn]kuk,\...(26)b
+[Nn Anlk, kı+|NrBi] EEE + [NaN]kunk,\
+2 [vn An]ikı + 2|on‘ Bu]kır +2 [or Crlkın +... +2 low Nr], ...(26)e
(h = 1, 2,...m)
Nach der Theorie ist:
(26) = — uk’) (ei = 1, 2%,... Pr), (27)
ebenso ist
26) = — [W,.K) (ss = LI,...»); (28)
(2
Zeitschritt für Boltz. Ueber das Ausgleichen geodätischer Netze ete.e 55
et ick We
es handelt sich jetzt darum, die Ausdrücke (26) c näher zu untersuchen.
Aus (13) ergibt sich
[WA] = [an An]a,‘ + [du An] re’ + [cn An]as’ +: . + [rm Anlaı“ (29)
(kh= )1,2...m):
analoge Entwicklungen ergeben sich für: |?’ Br]. [en Cal, . - - [un Aal.
Aus (14) folgt:
aA) = (aa) Z,, + (ab)Zg + (ac)Zs +:::.-+ (ar)Zır + (ta)
»A])= (ba)zı, + VW) 22 +bo)Zs +... +(hr)Zr + (ba)
AT nt 2 Zıa + (ce) “ +...+ u * (ea) (30)
ae — oz, + iz, + Bi +...+ NZ. R (r«)
("= 1; 2...)
Die Gleichungen (30) stellen rechter Hand das N\orinalgleichungs-
system (5) dar, aus dem die Korrelatenfunktionen (6) abgeleitet sind,
und zwar treten an Stelle der w’ (i = 1,2, ... r) die Ausdrücke
(se), (ba), (ca), - - . (ra) [vgl. S.46]; die rechten Seiten von (30) sind
also infolge (5) gleich Null. Wenn die Ausdrücke (30) Null sind, so
sind es auch die Ausdrücke (29) und: (26)c. Wir erhalten also
für (26):
— [vv] = |wsk’) + [WW] (31)
(ee Pe ee EEE ee Ca EP | re
Die Gleichung (31) sagt aus, dass die beiden Normalgleichungs-
systeme, die einerseits u (i = 1,2.. r) als Absolutglied enthalten,
also (3) und (5) und die andererseits W (s = I, Il, ...») als
Absolutglied enthalten, also (22), voneinander unabhängig sind. Der
analoge Vorgang ist auch bei dem Beweise von Prof. IL. Krüger zu
verfolgen :[vgl. a. a. O. S. 3 und 4 die Gleichungen (6) bis einschliess-
lich (12)], nur geschieht er hier umgekehrt, da Prof. L. Krüger die Un-
abhängigkeit der beiden Normalgleichungssysteme (5) und (22) zur
Voraussetzung macht.
Die Anzahl der Bedingungsgleichungen des geodätischen Netzes
[zu Beginn der Beweisführung (1) und (2), am Schluss (1) und (24)]
beträgt (r +); der mittlere Fehler der (iewichtseinheit nach der Aus-
gleichung ist demnach:
we Be AL zZ ee -Leikt) — IWK) ”) (32)
rtv
(=1,2...r),s=1LI,...»).
*) Ich musste hier und auch im folgenden (vergl S. 57) für den mittleren
Fehler an Stelle der üblichen Benennung „m“ den Buchstaben „uw“ einführen,
weil „m“ bereits als feststehende Bezeichnung für die Anzahl der vorhandenen
Verbesserungen gesetzt war.
%
Zeitschrift für
Vermessungswesen
1919.
56 Boltz. Ueber das Ausgleichen geodätischer' Netze etc.
N
VID.
Ungleiche Gewichte.
bei der vorangegangenen Beweisführung wurde aus Zweckmässig-
keitsgründen gleiches Gewicht für alle Beobachtungen vorausgesetzt;
in der Praxis wird man derartig einfache Voraussetzungen nicht vor-
finden. Nehmen wir an, die Beobachtungen, die dem geodätischen Netz
zugrunde liegen, haben durchweg verschiedene Gewichte und es ent-
spreche
der Verbesserung vı das Gewicht 7,,
’ » dv, n be) p 2°
Ra) Vz b2) h2) pP 39
a) | br) DT b) b>) DPın .
Unter dieser Voraussetzung gilt nun die Minimumsbedingung nach
der Theorie der kleinsten Quadrate für folgende Summe:
- P2 vg. + Ds g? — ... + Pan Un.
Die Gestalt des nunmehrigen Minimums bewirkt eine Änderung der
ursprünglichen Bedingungsgleichungen (1) und (2), die jetzt lauten
müssen:
[pvv]) = pi? (33)
Mc ee ae: U — 2 Am
Vp aVp + Vn »VP+...+ V» Um om VD a=0
1 72 m
De ne u, — ee
2) v "m Vo -H 7 v, Vp 4... V» Om Vo. Mg = 0
2 : m
(34)
C em
e "vu Pı "Ö vVr-+ + . -H- On Om V pm A En la =
vn vVp in vn Pa : Von =
9 "m
er en + var. Fun? YUm V pm + ur = 0
Vo V» Pm
— 7 EEE am —Aa/,
2 Ey Dis, Vo. 3 Vm+...+7. re Vmtw = 0
1 2 m
1 Zu Vn + Be 2 Vor + "m Von tun — 0
Vp: 71, Pın (35)
IN) FR vı V pi +Y in a Vr+
Y nV ‚es —AaA/,:
a YA, Vr+
) V», VP 2 +
. + Von = a: Om Von + Wın — 0
+ys 07 ai, 1 ww. =
Zeitschrift für Boltz. Ueber das Ausgleichen wendätischer Netze ete. 37
Verme SEES wenn j
Führt man die in (34) und (35) angegebene Division der Koelfi-
zienten von (1) und (2) aus, so kann man mit den so erhaltenen Koeiti-
zienten die Normalgleichungen aufstellen und das Zwei-Gruppen-Ver-
fahren anwenden, als hätte man es mit den ursprünglichen Bedin-
eungsgleichungen (1) und (2) zu tun. Diese Ausgleichung hefert die
Verbesserungen in der Form (tv, V): es ist also eine Division durch
Von (h = 1,2...m) erforderlich, um jene Verbesserungen zu erhalten,
die das Netz stimmig machen.
Bei Triangulationen operiert man meistens init dem mittleren
Fehler «a priori:g,; die Beziehung zwischen dieser Grösse und dem
entsprechenden Gewicht 9, lautet:
1
>
Mi h
pP, = ee: (36)
Da die Gewichtsberücksichtigung eine Änderung des absoluten
Betrages der Koeffizienten in den ursprünglichen Bedingungsgleichun-
ven (1) und (2) herbeiführt, so wird auch die Koeffizientengleichheit
der Dreiecksgleichungen davon betroffen. Die Gleichheit der Koeflhi-
zienten gerade diesen Bedingungsgleichungen zu erhalten, ist ein
Gebot der Zweckmässigkeit; denn das Zwei-Gruppen-Verfahren bietet
die Möglichkeit, diese Eigenschaft zugunsten der Rechenarbeit bei der
Ausgleichung auszunützen.
Bei jeder Grosstriangulation, «die in Kettenform angelegt ist, wird
es stets möglich sein, eine „einfache Dreieckskette“ herauszuschälen,
die ın ihrem Bau und Verlauf folgende Voraussetzungen erfüllt:
1. jedes folgende Dreieck hänge mit dem vorhergehenden mit
einer Seite zusammen; a
2. jedes Dreieck der Kette darf höchstens mit zwei, niemals mit
(lrei Dreiecken eine gemeinschaftliche Seite haben;
3. jede Punkt- oder Seitengemeinschaft im Verlauf der Kette, die
zu Polygon- oder Seitengleichungen führt, ist zu vermeiden;
4. es müssen alle Dreieckswinkel beobachtet sein.
Die Bedingungsgleichungen einer solchen Kette werden bei gleichen
Gewichten für alle Richtungen folgende Normalgleichungen ljelern:
+ 66h, — 2, j 4 =0
— 2, + 6, — Als 2 +, =0
— 24, + bla — 22h, tn =)
; : . (37)
u : — 22h, 2 + bh, 1 — hr + UÜr—-ı] 7 0
men Ihrer — 6/, -H- LANE = 0
Zeitschrift für Vermessungswesen 191). Heft 3. 5)
58 boltz. Ueber das Ausgleichen geodätischer Netze etc. er
| 1919.
Die Korrelatenfunktionen dieses Systems lassen sich übersicht-
lich und verhältnismässig kurz tabulieren; diese Tafel gilt für jede be-
liebige Anzahl von Dreiecken, da die einzelne Korrelate Immer nur
von höchstens 17: aufeinander folgenden Dreieckswidersprüchen ab-
hängig ist. Nimmt man nun alle solche Bedingungsgleichungen in (ie
erste Gruppe, so wird man bei einmaliger Anwendung des Zwei-
(wruppen-Verfahrens in vielen Fällen über die Hälfte und mehr Xetz-
bedingungen eliminieren können; bei dieser Elimination ist ein Be-
rechnen der Korrelatenfunktionen (6) nicht erforderlich, da die .„‚Korre-
latentafel der einfachen Dreisckskette” bereits die Zahlenwerte Fir
von (6) gibt.*;
Bestehen nun die Gleichungen (34) nur aus Dreiecksgleichun
von
(der einfachen Dreieckskette und denkt man sich alle dort auftretenden
?rn (h = 12... m) einander gleich, so erhält man die ursprüngliche
(tdeichheit der Koeffizienten durch Multiplikation mit V pn. In den
(leichungen (35), die bei erweitertem Ausgleichungsbereich und bei
Lotabweichungsbestimmungen auch andere Verbesserungen als geo-
dätische Richtungsverbesserungen enthalten werden, wird ebenfalls
die Division durch u, durchgeführt (wo unter «„ nur der durchweg gleiche
mittlere Fehler aller geodätischen Richtungen zu verstehen ist). Die so
berechneten Verbesserungen müssen dann noch mit ihren entsprechenden
mittleren Fehlern multipliziert beziehungsweise durch VP: dividiert werden,
um zu den Verbesserungen zu gelangen, die | pre] zum Minimum machen
und die Netzbedingungen (34) und (35) erfüllen [nieht (1) und (2)].
IX.
Gewicht einer Funktion von Funktionen der Beobachtungen.
Eine Funktion, die sich aus Funktionen beobachteter Grössen zu-
sammensetzt, hat zufolge der Ausgleichung nach der Methode der
kleinsten Quadrate ein ganz bestimmtes Gewicht; um dieses Gewicht
bestimmen zu können, müssen wir auf die Beobachtungen zurückgöhen;
es entspreche
der Beobachtung 7, die Verbesserung T,,
” ” E „ „ '2.
» N lz 9" R 7 3
.
” „ Ch “ “ Un .
Die Funktion, deren Gewicht bestimmt werden soll, laute:
F= Flut) 4 Poly ra Pal +) I... Fulaten) (89)
*, Vergl. Fussnote S. 45.
Zeitschrift für Boltz. Ueber das Ausgleichen geodätischer Netze et. 59
VAREL EN EREL
Setzt man an Stelle der /„ (h = 1,2... m) die beobachteten Zahlen-
werte, so erhält man:
F=f},: (39)
lässt man den Wert der Verbesserungen ı, (h = 12... m) unbe-
stimmt, so geht (38) unter Berücksichtigung von (39) über in:
F= F =. fıv, A fat; T tz ey de + Fan tm. (40)
Wird das Gewicht der Funktion F vor der Ausgleichung mit P
und nach der Ausgleichung mit P bezeichnet, so lehrt die Theorie,
dass:
2 = ih) a; 222m) (41)
ist, wenn alle 7, gleiches Gewicht haben (vgl. den Schluss dieses Ab-
schnittes).
Der Ausdruck rechter Hand in (41): (//) wird rein zahlenmässig
auch folgendermassen enthalten: Wir betrachten den Teilausdruck
von (40):
" = fı %ı — f» U, 4- fa Ua 4- oo... + Fin Un (42)
als eine selbständige Bedingungsgleichung und setzen ihn ohne Rück-
te
sicht auf ein Absolutglied als \(r +9) + I. Bedingungsgleichung zu
den Gleichungen (1) und (2) S. 42/43 und stellen nunmehr die Normal-
gleichungen aller 5j(r — ») +1 Bedingungsgleichungen auf. Wir erhalten
dann, wenn die Korrelate der Gleichung (42) mit %„ bezeichnet wird:
(aa)k, +tab)A, +... (ar)k,--(aa)liy +... +(ar)k,t(af)hut.:.:
bay) + hbyi, + ...(br)k, + (beo)h;t...+lbov)k, + (bf)hat...
(cayk, + (eb)ig +... (er)iv + lee)ir) 4 ...4+(er)A, + leef)hlua +...
roh +6 Dit... uni. t+trekt..+6rmk, +ofdiat... (18)
wall, — (x Die, u. ... (x Yr)h, -H (x (X Art ... + (ex »)h.r (er Miu - ...
ak, +(rb)iy+...(rr)iör + ve)ir-...4+(rr)i, + Mhat..-
fh, + (fbö)h, +... (fr)h, + fe )dr +... + fa, + fM)ha tt e:-
Der Ausdruck (41) ist also der quadratische Koeffizient der neu
eingeführten Korrelate ku. Die Theorie besagt nun weiter, «(ass «das
reziproke Gewicht der Funktion (38) nach der Ausgleichung der
Koeffizient von %, ist, wenn das Normalegleichungssystem (43) nach
dem Gauss’schen Algorithmus aufgelöst und A, als letzte Korrelate
60 Boltz. Ueber das Ausgleichen geodätischer Netze etc. “ _ Zeitschrift für
Vermessungswesen
1919.
im Verlauf des Rechenganges erhalten wird. Es ist also nach den
üblichen Bezeichnungen des Gauss’schen Algorıthmusses:
een 0 DON SCH IE >
ll (aa) (bh.1) (ec.2) (44)
Hier bedeuten:
(ub)(ab)
(bb.1) = (bb) — a
(be.M)(be.b
(ee. (cc.1) — bb)
(+5)
hf.1) = N. ar)
a nu ıbe.)) ’
er. Def. D-gy,&r-)
USW.
Der Übersichtlichkeit wegen wollen wir zu Determinanten über-
gehen; es sei:
(aa) (ab) (ac)... (av)
(ba) (bb) (be)... (dv)
(ca) (eb) (ce) ... (|
ee Be Re u (46)
(aa) (eb) (wc)... (ar) |
\
(va) vb) ) ED)
Eine beliebige Unterderminante nächst tieferen Grades möge mit
dem Element von (46) als Index bezeichnet werden, zu dem die be-
treffende Unterderminante gehört, z. B.:
(bb) (be) (bd)... (bv)
ch) (ce) (cd)... (er |
( ) ( ( ) ( ) == 7) an 2 (47)
(vb) (ve) (vd)... (vv)
Entwickeln wir (44) unter Berücksichtigung von (45) und führen
die soeben definierten Deterninantenbezeichnungen (46) und (47) ein,
so wird:
1 u
P = /f)
Di«a) D(ab) , Diav) „.
”- Ole ai Ed ie“ Be
a.
I:
\—: fv), '(fb) (48)
\
a 1)»+ ‚Dian)
1
vaH—)rt Du. ine den TOHG
Zeitschrift für Boltz. UWeher das Ausgleichen geodätischer Netze ete. 6]
wesen :
.. D«(aa) | en
Die D usw. sind aber nichts anderes als die analogen Ausdrücke
der fi» in (6); wir können also (48) in die Form von (6) bringen:
1
pP (Ve ruf) fd Hufe) +... + fı.(f®) | (re)
— Fat) Hof) Pad +... + fr, (fo) (7b)
Da ri Fa)+felfW) Hs ft: +, (fv) (fr) (49)
= uf) +fı FW) +-fs(fd)-+--- +f,,(fP) (f«)
Pal HE Hd + +0) {9)
Die Klammnerausdrücke in (49) stellen die Korrelatenfunktionen
des vereinigten Normalgleichungssystems (3) und (4) dar und zwar
treten an Stelle der Argumente w (ö = 12, .... r) und w (s
=1, D,...v) die Argumente (fa), (fd)... (fr) und (fe), (fB), (fr).
(f»); nennen wir die Klammerausdrücke in (49) „Gewichtskorrelaten“
und bezeichnen sie mit 9; (= 1,2...r) ud 9 (s=1LI,...»),
so geht (49) über in:
2 = (ff) — 19 Fr.) t...+ m‘ 60) | (50
19) + nF) Ham + +94) 60%
(30)a entspricht im Rechnungsgang des Zwei-Gruppen-Verfahrens
den Gleichungen (10) S. 47: die den x analogen y’ = |]1,2...r)
lauten nach (7) S. 45:
gg’ = fulfa) + fızt ft) + rs fd +... + fı.(fr)
9% = fa a + fa _ u 2 +- = fr: m (51)
"— fr( ru Not. HH fetfr)
Führt man die unvollständigen Gewichtskorrelaten (51) in (50) a
ein, so lauten die Bestimmungsgleichungen für , (s = LIl...»)
nach (22) S. 50:
(44A)91 + (AB)gu + (Al)ygmn +... + (AN)g, +6: = 0
(B4A)9: + (BB)gu + + (BO)gm + 2 En (BN)g, + Gy = ()
en 2: an + Sn sa (em0, ie
o
Fa
So
2)
(Nagı Tr Ban Ir oo Ta ms, +6, = 0
62 Vereinsangelegenheiten. ‚ Zeitschrift für
Vermessungswesen
1919.
Hier ıst:
G; = (fe) + Zutlfa) + Zietfdb) + Zslf) +:-- + Zurtfr)
FB) + Zuıfa) + Zue(fb) + Zus(fe) +... + Zur(fr)
Gu = m + Zum a Tr en fb) ar Aust) Ei Zunr(fr) (53)
Sr
|
G, — (fm) + 2. (fa) +2, My ri 1,110) £. en Zur(fr)
Die @, (s=1L II, ...v) in (52) und (53) kann man auch dadurch
erhalten, dass man zum Bilden der Normalgleichungskoeffizienten nicht
die Bedingungsgleichungen (2) heranzieht, sondern die umgeformten Be-
dlingungsgleichungen (24); mit anderen Worten: es ist:
G, = (fA)
Guı = (FB)
FG = (FC) (54)
G: el A)
Der Ausdruck (50) geht schliesslich über in:
= (N Ta) Hl) HR) +. Han)
. 9A) -- gu(fB) + gu) +... + 9,(7N)|
(55)
Sind die Gewichte der einzelnen Beobachtungen verschieden, so
verfährt man mit (42) genau so, wie mit den Bedingungsgleichungen
(1) und (2) (vergl. S. 56); die Normalgleichungskoeffizienten (fa), (fd),
(fe), ... (fr), (Fa), (FB), (Fy). --- (fv) folgen dann aus (34) und (35) S. 56
Vereinsangelegenheiten.
Kassenbericht für das Jahr 1918.
Die Zahl der dem Verein nach Beendigung des Krieges noch ver-
bleibenden Mitglieder lässt sich zur Zeit auch nicht annähernd bestimmen.
Beiträge sind nur von 1358 Mitgliedern gezahlt worden, denen gegenüber
798 Rückstände zu verzeichnen sind.
Demnach würde der Verein immerhin noch 2156 Mitglieder haben.
Es haben aber im Laufe des Jahres ihren Austritt erklärt 36 Mitglieder,
(Gestorben sind einschliessl. der vor dem Feinde Gefallenen 40
Sa. 76
Neuaufgenommen wurden . 2 2 2 em 222.9
Verbleibtt Abgang . . . 2 2 2 nenne... 67 Mitglieder.
Zeitschrift für Vereinsangelegenleiten. 63
a
Der Verein tritt also rechnungsmässig mit 2089 Mitglieder in das
neue Vereinsjahr ein.
Die Zahl der Zweigvereine beträgt 22, hat sich demnach um einen
vermindert, denn die gewaltsame Auflösung des Els.-Lothringischen Vereins
ist wohl mit Bestimmtheit als endgültig anzunehmen.
Wieviele der heimkehrenden Krieger sich wieder melden werden,
lässt sich bis jetzt nicht übersehen, dass aber die volle, der Summe der
rückständigen Beiträge entsprechende Anzalıl erreicht wird, ist kaum an-
zunehmen, denn allein der durch die Ausweisung der Deutschen aus Elsass-
Lothringen entstehende Ausfall wird annähernd 150 Personen ausmachen.
Ebenso wird auch ein starker Ausfall in den vom Feinde besetzten
Landesteilen eintreten, da es durch das Verbot der Einführung von Druck-
sachen unmöglich ist, den dortigen Mitgliedern die Zeitschrift zukommen
zu lassen. Wenn diese unbegreifliche Massregel nicht bald zurückge-
nommen wird, wird sie notwendigerweise ungünstig auf den Mitgliederstand
des Vereins einwirken.
Im Jahre 1918 sind gestorben:
3523. Bach, Geometer in Sindelfingen.
12. Bänitz, Oberlandmesser und Vermessungsrevisor in Frankfurt a. 0,
5745. Breithaupt, Wilhelm, Stadtgeometer in Singen a. H.
3909. Brockmann, städt. Landmesser in Frankfurt a. M.
323. Brülbeck, Trigonometer a. D. in München.
2892. Dettling, Bezirksgeometer in Schwäb. Gmünd.
3353. Dietze, Regierungslandmesser in Aachen.
5562. Eisl, Obergeometer in Cham (im Kriege gefallen).
4854. Grupe, Regierungslandmesser in Dortmund.
5012. Haigis, Katastergeometer in Aalen (Württbg.)
4401. Hanisch, Regierungslandmesser in Meschede.
2356. Heidelberg, Oberlandmesser in Posen.
2262. Hüser, Gerhard, Ohberlandmesser in Marburg a. d. L.alın.
4210. Kirsten, staatl. geprüfter Landmesser in Dresden (im Kriege gefallen).
2778. Klein, Friedrich, Obergeometer in \WVeilheim.
5914. Lichtenberg, vereid. Landmesser in Düsseldorf.
4854. Löwe, Oberlandmesser in Magdeburg.
1470. Mager, Rechnungsrat in Wernigerode.
2346. Maske, Geh. Oberfinanzrat in Berlin.
3137. Maute, Katastergeometer in Ebingen.
3928. Nega, Regierungslandmesser in Bütow (im Kriege gefallen).
3832. Ottsen, Eisenbahnlandmesser in Halle a. d. Saale (im Kriege gefallen).
64 Vereinsangelegenheiten. Zeitschrift für
; j ns wesen
2644. Pohlig, Stadtvermessungsdirektor in Düsseldorf.
940. Rüffer, Oberlandmesser und Vermessungsrevisor in Cassel.
5791. Schnorr, Katasterlandmesser in Saalfeld (im Kriege gefallen).
6005. Schobert, staatl. geprüfter T,andmesser in Dresden (im Kriege gefallen).
4145. Schönherr, Katasterkontrolleur in Katscher (im Kriege gefallen).
3251. Schott, Regierungslandmesser in Mühlhausen i. Th. (im Kriege gefallen).
2341. Schrötter, Oberlandmesser a. D. in Beuthen. | f
3832. Schwenzer, techn. Eisenbahnsekretär in Esslingen (im Kriege gefallen).
4896. Seybold, Feldmesser in Waiblingen (im Kriege gefallen).
2061. Siemens, Oberlandmesser in Danzig-Langfuhr.
1151. Sprenger, Optiker und Mechaniker in Berlin.
3311. Strenzke, Regierungslandmesser in Meschede (im Kriege gefallen).
3795. Thomas, August, Vermessungsinspektor in Nordenhan.
3541. Voigt II. Regierungslandmesser in Wiesbaden (im Kriege gefallen).
2851. Weiss, Eisenbahnlandmesser in Hannover.
5430. Wellershaus, vereid. Landmesser in Schwelm.
3441. Wesener, Katasterfeldmesser in Strassburg i. E. (an seinen im Kriege
erhaltenen Wunden gestorben).
-4860. Wienbeck, Regierungslandmesserin Ilildburghausen (im Kriege gefallen).
3172. Zimmer, Steuerinspektor in Brühl.
Die Namen der im Felde gefallenen Fachgenossen sind bereits in der
Iihrentafel des Heftes 1 dieses Jahrganges der Zeitschrift enthalten, aber
der Vollständigkeit wegen hier nochmals aufgenommen. Als Ergänzung
zur Ehrentafel ist hier noch nachzutragen, dass Herr Regierungslandmesser
Strenzke aus Meschede, am 28. 8. 18 vermisst, nach privaten Nachrichten
den Heldentod für das Vaterland erlitten hat.
Unter den Verstorbenen befinden sich wiederum 2 Mitbegründer des
Vereins, nämlich die Herren Bänitz und Brülbeck. Letzterer hat noch
die letzte Hauptversammlung in Strassburg im Jahr 1912 besucht und
hatte 1914 bereits die Karte für Hamburg gelöst. Der plötzlich aus-
brechende Krieg hat sein Vorhaben vereitelt.
Rechnungsabschluss für das Jahr 1918.
| A. Einnahmen.
I. Mitgliederbeiträge.
1. Von 3 Mitgliedern zu 10 Mk.. . 80.— Mk.
2. ” 1355 „ ” ü ” : 9 455.— ”
3. nachgezalılte Beiträge aus den Jahren
1915 bis 1017 2 2 2 2 220 Wh. 9781.— Mk.
“ Uebertrag 9781.— Mk
‘ Zeitschrift für 1 i n
Termesaungswrenen Vereinsangelegenheiten. 65
1919. |
Uebertrar 9781.— Mk.
II. Zinsen.
1. Zinsen von der Beamten-Spar- und Dar-
lehenskasse für das Jahr 1917. . 133.30 Mk.
2. Zinsen von 3000 Mk. 31/,0/, Reichs-
anleilhe . . . 2. 2 2 2.22..108.— .
3. Zinsen von 4500 Mk. 31/,0/, kons.
preuss. Anleille . . . 2 .2.2...15750 „
4. Zinsen von 1000 Mk. 5 0/, kons. preuss.
Anleihe . . .. 30.—
5. Zinsen von 1500Mk.40/, Kasseler Landes-
kreditkasse (vom 1.1. bis 31.8.1918) 40.— „
6. Zinsen von 1000 Mk. 2. Kriegsanleihe 50.—
I; =» „:1000 „3. 2 0.— .
Zu »„ 2500 „ +. e II—. 5
9, .. „ 2300 „ 5. : 125.
10. . „2000. 6. R 1002,
ll. . „2100 „7. i a
12. „2000 „ 8. „f.1/. Jahr 50.—
13. = „ Konrad Wittwer für 1918 16.72 „ 1117.52 Mk.
III. Sonstige Einnahmen.
1. aus dem Verkauf eines Wertpapieres von
1500 Mk. Nennwert (Landeskredit-
kasse Cassel). . . 2 .2.2..2..1426.30 Mk.
2. desgl. von 1000 Mk. der 2. Kriegsanleihe 940.60 „ 2 366.90 Mk.
zusammen 13 205.42 Mk.
B. Ausgaben.
. Für die Zeitschrift.
a) Honorare der Mitarbeiter . . . . . 51850 Mk.
b) Für Schriftleitung, Druck, Verlag und |
Versand. . 2. 2 220 2020.2..6829550 „ 8814.— Mk.
x T6—_—__j_öiö
II. An Unterstützungen. :
a) Beitrag zur Unterstützungskasse für
deutsche Landmesser in :Breslau . 800.— Mk.
b) An unterstützungsbedürftige Hinter-
bliebene verstorbener Fachgenossen 320.— „ 1 120.— Mk.
Uebertrag 9 954.— Mk.
66 Vereinsangelegenheiten.
Uebertrag
III. Verwaltungskosten.
a) an Drucksachen 3
db) „ Botenlohn für das ganze Jahr
C) „ Auslagen des Vorsitzenden für das
ganze Jahr . er ee
Auslagen des Kassenführers für das
ganze Jahr . ;
e) „ Auslagen des Schriftleiters für En
erste Halbjahr ; i
f) „ Auslagen Wittwer für Zahlkanten
9) „ Honorar des Kassenführers .
h) „ Postscheckgebühren .
i) „ Schreibhilfe
d) ,
De 2
IV. Sonstige Kosten.
a) Jahresbeitrag zum deutschen Verein für
Wohnungsreform . 2%
b) desgl. zum Hauptausschuss für Kuikgar
heimstätten
c) Beitrag zu den Kosten einer gemein-
samen Eingabe des D.G.V. u. L.P.L.
an das Kriegsministerium .
d) für den Erwerb von 2800 Mk. der 8.
und 9. Kriessanleihe
e) zurückgezahlter Beitrag an die Witwe
eines für das Vaterland gefallenen
Mitgliedes
Summe der Ausgaben .
Verglichen mit den Einnahmen
Mithin mehr an Ausgaben
1l.— Mk.
24.—
Der Kassenbestand betrug am 1. Jamuar 1918
Davon ab die Mehrausgabe
Mithin Kassenbestand am 1. Januar 1919
Erläuterungen.
A. Zu den Einnahmen. |
Die Einnahme aus Mitgliederbeiträgen ist gegen das Vorjahr um
84 Mark zurückgeblieben, während hauptsächlich durch den Ankauf von
Kriegsanleihen die Zinsen des Vereinsvermögens sich um 139.02 Mark
erhöht haben.
”
Mk.
”
Zeitschrift für
VOREROngS wesen
9 934.— Mk.
2 784.50 Mk.
13 495.86 Mk.
13 265.42 „
230.44 Mk.
620.48 Mk.
250.44 „
390.04 Nk.
Zeitschrift tür ereinsangelerenheiten.
TERDESSURRANENEN v geien 67
1919.
Da es aber im vaterländischen Interesse nötig erschien, dass der
Verein sich auch in diesen Jahre nach Kräften wieder an der Kriegs-
anleihe beteiligte, so wurde der Verkauf von 2500 Mark älterer An-
leihen nötig.
B. Zu den Ausgaben.
Um am Ende des Jahres noch eilıen für alle Fälle genügenden Kassen-
bestand zu haben, und da verschiedene Rechnungen infolge der oftmals
eingetretenen Störungen im Postverkehr am Ende des Jahres 1918 noch
nicht eingegangen waren, mussten die Honorare für das letzte Vierteljahr
und einige kleinere Beträge, die sich im Ganzen ungefähr mit dem oben
angegebenen Kassenbestande decken, auf das Jahr 1919 übernommen
werden.
Zu den einzelnen Titeln ist folgendes zu bemerken:
Die Zeitschrift hat trotz der denkbar grössten Einschränkung der
Druckbogenzahl einen Mehraufwand von 264 Mark erfordert, der sich
durch die gewaltige Steigerung sowohl der Druckkosten als auch der
Portokosten erklärt.
Die letzteren machen sich auch bei den Auslagen der Vorstandsmit-
glieder bemerkbar, wenn auch nicht in gleichem Masse, weil hier noch
die bisherige Portofreiheit der Feldpostsendungen in Betracht kommt.
Wie schon bei den Einnahmen bemerkt, wurden für den Verein wiederum
2800 Mark Kriegsanleihe erworben, die bei den Ausgaben mit 2705.50 Mk.
in Rechnung gestellt sind, so dass sich das Vereinsvermögen nicht wesent-
lich verändert hat.
Nachweis des Vereinsvermögens.
Das Vereinsvermögen besteht zur Zeit
aus folgenden Wertpapieren:
Nr. 4795 Lit. C 31/,°/, Reichsanleihe von 1878 = 1000 Mk.
„ .’10170/71 Lit. D deggl. „ 1881 = 1000 „
12980/84 „ D „ „ 1887 — 1000 „
„ 460104/5 Lit. D 31/,°/, preuss. kons.
Anleihe_ . . 2. 2.2.2.2... von 188 = 1000 „
„ 257760 Lät. © 31/,0/, desgl. „ 1890 — 1000 „
„80379 N ir von 1876—79 = 500 „
„17148 „ C310l, von 1889 — 1000 „
„ 716424 „ 631,0, „ „ 1894 —= 1000 „
„ 67391,15369 Lit.D 3°/, preuss. kons.
Anleihe . . . . „von 1891 bis 1594 = 1000 „
‚ 3596080 Jit. GC 5°/, Reichsanleihe
“ (III. Kriegsanleihe) . . . . . von 1915 = 1000 „
68 Vereinsangelegenheiten. Zeitschrift für
Vermessungswesea.
1919.
Xr.8035950 Lit. C 50/, Reichsanleihe 1000 Mk.
„ 5464270 „ D 50 5 500 „
„5564271 „ D 50, i 500.
„ 6297296
100 „
„ 6297297 100 .
„ 6297298 |. G 50, E 100 „
„ 6297299 100 „
„ 6297300 100,
IV. Kriegsanleihe von 1916
„ 2719597 „ DB 5°/, Reichsanleihe 2000
„5681805 „ D 5%, ’ 500,
V. Kriegsanleihe von 1916
„ 11053005 „ C) 50/, Reichsanleihe 1000 „
„ 11058047 „ C\ 50%, E 1000
VI. Kriegsanleihe von 1917
„ 12724385 „4 C 50;, Reichsanleihe 1000
„8660139 „\ D 50, n 500
VII. Kriegsanleihe von 1917
„ 14728566 „ C 50/, Reichsanleile 1000 „
Vl1l. Kriegsanleihe von 1918
„ 14728567 „ C 50/, Reichsanleihe 1000
Ausserdem IX. Kriegsanleihe von 1918, deren
Stücke noch nicht ausgegeben sind 800
Sa. 20800 Mk. Nennwert.
Der Kassenbestand von 390.04 Mk. ist diesesmal dem Vermögen
nicht hinzugerechnet, weil er grösstenteils zu den aus dem Vorjahre noch
zu leistenden Zahlungen verwendet werden muss. — Auch kann der Zeit-
wert der Wertpapiere wegen der unsicheren politischen und wirtschaft-
lichen Lage Deutschlands augenblicklich nicht annähernd berechnet werder.
Voranschlag für das Jahr 1919.
A. Einnahmen.
I. An Mitgliederbeiträgen
von etwa 1700 Mitgliedern zu 7 Mk. . . 11900 Mk.
ll. Zinsen wie im Vorjahre . . . ....2....1100 „
III. Sonstige Einnahmen.
Nachzahlung von Beiträgen aus den Vorjahren 250 „153100 Mk.
_ Zeitschrift für Heeresnachrichten. — Hochscaulnachrichten. 49
‘ ee
B. Ausgaben.
I. Für die Zeitschrift.
a) Honorare der Mitarbeiter . . . R 00 Mk.
5) Für Druck, Verlag und Versand de
Zeitschrift . » 2 2 2 2020 202..2.700 5
c) Honorar der Vorstandsmitglieder für
Schriftleitung etc. . . . 2..2..2...1700 „ 9500 Mk.
I. An Unterstützungen wie im Vorjalre 1200 „
I. Verwaltungskosten . 2. 2 2 202. 800 „
IV. Sonstige Kosten mit Rücksicht auf eine
dringend notwendig werdende Ilauptver-
versammlung . . 2 2 2 2 2 00. 1750.
Sa. 13250 Mk.
Die Schätzungen der Einnahmen sowohl wie der Ausgaben beruht
in diesem Jahre auf so unsicheren Unterlagen, dass es sehr zweifelhaft
ist, ob sie sich als einigermassen zutreffend erweisen wird. Immerhin
kann aber der Umstand, dass die Zeichnung von Kriegsanleihen nunmehr
vorüber ist, darauf gerechnet werden. dass bei mehrfacher sorgsamer
Prüfung der Finanzlage kein Fehlbetrag am Schlusse des Jahres ent-
stehen wird.
Cassel-Harleshausen, den 7. Februar 1919.
Kassenverwaltung des Deutschen Geometervereins:
Hiiser.
Heeresnachrichten.
Uhden. Diplom-Ingenieur und Landmesser zu Bevern, Kreis Holz-
minden, am 8. Januar d. J. zum höheren Beamten mit Hauptmanns-
rang beim Stabsoffizier für Vermessungswesen einer Armee be-
- fördert.
Windel, städt. Landmesser in Barmen. am 15. Juli 1918 zum Leut-
nant d.R. im Feldart.-Rgt. 108 befördert, erhielt am 2. Oktober
das Eiserne Kreuz 11. Rl.
Schnabel, Stadtvermessungsinspektor in Kiel, Hauptmann d. R. und
Führer eines Kriegsgefangenen- Arbeitsbataillons, erhielt das
kiserne Kreuz II. Kl. und das Ilamburger Hanseatenkreuz.
Hochschulnachrichten.
l.andwirtschaftliche Hochschule Berlin. Laut Verfügung der
Oberprüfungskommission für Landmesser vom 9. IV. 18 können die Probe-
70 Prüfungsnachrichten. — Personalnachrichten. _, Zeitschritt für
i : \ BERESTLRSWEREN
karten vom fünften Jahre ab nach bestandener Landmesserprüfung auf
Antrag zurückgegeben werden.
Ein Zwischensemester für ältere und jüngere Semester findet vom
17. März bis 29. April einschl. statt.
Osterferien vom 17.—22. April einschl.
Die Zahl der Studierenden der Geodäsie im Wintersemester 18/19
beträgt 29.
Einleitende Erwägungen und Vorarbeiten wegen Verlegung der Land-
wirtschaftlichen Hochschule, einschl. der geodät. Abteilung, nach Pots-
dam, hauptsächlich wohl im Interesse der in ihrer Ausdehnungsmöglichkeit
und prakt. Versuchsausübung beengten landw. Lehrfächer sind im Gange.
Prüfungsnachrichten.
I. Ergebnis der Landmesserprüfungen im Jahre 1918 in Bonn.
Im Frühjahrstermin 1918 bestanden die Kandidaten: Besse, Buch-
holtz, Gubba, Most, Laube, Peters und Walter und 2 Kandidaten
traten wegen Krankheit nicht in die Prüfung ein.
Im Herbsttermin 1918 bestanden die Kandidaten: Göttert. Kuhrts,
P’ferdekämper und Rörig.
Il. Verzeichnis der l,andmesser, denen im Jahre 1918 eine Bestallung
auf Grund der bei der Prülungskommission in Bonn bestandenen Prüfung
erteilt worden ist:
"1, Besse, Karl, aus Sundwig u; Most, Wilhelm, aus Jestädt
(14. 5. 18). (15. 5. 18).
2. Buchholz, Erich, aus Berlin | *7. Peters, Walter. aus Stendal
(13. 5. 18). | (14. 5. 18).
"3, Gubba, Walter, aus Cöln '*8, Pferdekäm per, Hugo, aus
(20. 7. 18). Isppendorf (21. 10. 18).
4. Kuhrts, Heinrich. aus Mühl- : "9. Walter, Leonhard, aus Nürn-
berg (22. 10. 18). | herg (14. 5. 18).
5, Laube, Ernst, aus Lobberich
(14. 5. 18).
Die mit * bezeichneten Landmesser haben die umfassendere Prüfung
in L.andeskulturtechnik mindestens befriedigend bestanden.
Personalnachrichten.
In der im Hefte 1 dieses Jahres veröffentlichten Ehrentafel ist ein
bedauerlicher Irrtum untergelaufen. Herr Tegierungslandmesser
Zeitschrift tür Personalnachrichten. 7l
a ;
Josef Paulus zu Recklinghausen, der durt als im Jahre 1915 gefallen
aufgeführt ist, lebt noch und erfreut sich einer guten Gesundheit, wozu
wir ihm von Herzen Glück wünschen wollen. Wie der Irrtum entstanden
ist, kann leider nicht mehr aufgeklärt werden.
Preussen. Der bisherige Privatdozent an der mit der Rheinischen
Friedrich- Wilhelms-Universität verbundenen Landwirtschaftlichen Akademie
Bonn-Poppelsdorf, Regierungslandmesser Dr. phil. Paul Samel ist zum
ordentlichen Professor für Geodäsie an der genannten Hochschule ernannt
worden.
Huppertz, Gel. Regierungs- und Baurat, Trofessor für Baukunde
und Meliorationswesen an der landw. Akademie zu Bonn-Poppelsdorf ist
an 5. Februar d. J., 72 Jahre alt gestorben.
Brennecke, Reg.-Landmesser von der Generalkommission Breslau
vom 1.2.19 ab als Assistent für Geodäsie an die Landwirtschaftl. Hoch-
schule Berlin versetzt.
Bayern. Im Namen der Regierung des Volksstaates Bayern wird
dem Regierungs- und Steuerrat des Landesamts für Flurbereinigung in
München der Titel und Rang eines Obersteuerrates verliehen. — Der Flur-
bereinigungsgeometer Kurt Griebe wird auf sein Ansuchen vom 1. Februar
1919 an auf zwei Jahre beurlaubt. — Vom Staatsministerium der Finanzen
wurden vom 1. März 1919 an in etatsmässiger Weise befördert: die Bezirks-
geometer Friedrich Wittmann, Vorstand des Messungsamts Kulmbach,
Ludwig Hickl, Vorstand des Messungsamts Landsberg, Adam Kroder,
Vorstand des Messungsamts Abensberg, zu Obergeometern an ihren bis-
herigen Dienstsitzen; der Bezirksgeometer Adolf Vogg in Schwabach zum
Regierungs- und Steuerassessor bei der Regierung von Mittelfranken
Kammer der Finanzen; auf ihr Ansuchen in etatsmässiger Weise versetzt:
der Obergeometer Ludwig Wolf in Kötzting auf die Stelle des Vorstandes -
des Messungsamts Wolfratshausen, der Bezirksgeometer Alois Egger in
Miesbach auf die Stelle des Vorstandes des Messungsamts Kötzting, der
Bezirksgeometer Gustav Scheubel bei dem Messungsamt München I an
das Messungsamt Forchheim, der Bezirksgeometer Ludwig Böck bei dem
Messungsamt Wolfstein an das Messungsamt München I, sämtliche in
gleicher Diensteseigenschaft: der Kreisgeometer Josef Stauber in Bayreutlı
an das Messungsamt Stadtamhof, der Kreisgeometer Oskar Wanner in
Landshut an das Messungsamt Miesbach, der Kreisgeometer Joseph Schmidt
in München an das Messungsamt Burghausen, sämtliche unter Ernennung
zu Bezirksgeometern; in etatsmässiger Eigenschaft ernannt die geprüften
Geometer: Hans Zeuch, verwendet im Regierungsbezirk Mittelfranken
zum Bezirksgeometer bei dem Messungsamt Ansbach,. Georg Rothedl,
72. Personalnachrichten. — Zur gefl. Beachtung. Zeitschrift für
a
’ 1 .
verwendet im Regierungsbezirk Oberbayern zum Bezirksgeometer bei dem
Messungsamt Pfarrkirchen, Ludwig Zölch, verwendet im Regierungsbezirk
Oberbayern zum Bezirksgeometer bei dem Messungsamt Wolfstein, Peter
Schlegler, verwendet im Regierungsbezirk Oberfranken zum Bezirks-
geometer bei dem Messungsanıt Ottobeuren, Max Fraunholz, verwendet
im Regierungsbezirk Niederbayern zum Bezirksgeometer bei dem Messungs-
amte Kötzting, Franz Kellerer, verwendet im Regierungsbezirk Ober-
bayern zum Bezirksgeometer bei dem Messungsamt Kaiserslautern, Robert
Opel, verwendet im Regierungsbezirk Oberfranken zum Kreisgeometer
bei der Regierung von Oberfranken Kammer der Finanzen, Heinrich Tayler,
verwendet im Regierungsbezirk Oberbayern zum Kreisgeometer bei der
Regierung von Oberbayern Kammer der Finanzen, Hugo Berger, ver-
wendet im Regierungsbezirk Schwaben und Neuburg zum Kreisgeometer
bei der Regierung von Mittelfranken Kammer der Finanzen, JosephScheigen-
pflug, verwendet im Regierungsbezirk Niederbayern zum Kreisgeometer
hei der Regierung von Niederbayern Kammer der Finanzen.
.---- - u—— [nn nn
Zur gefl. Beachtung.
Die Vorstände der Zweigvereine werden höflichst gebeten, so-
weit dieses noch nicht geschehen ist, mir die Mitgliederverzeichnisse
nach dem neuesten Stand möglichst bald, spätestens vor Ende
März einzusenden.
Den Herren Mitgliedern diene zur Nachricht, dass eine Anzahl
Zustimmungserklärungen zum Aufruf des Herrn Steuerrat Lotz ein-
gegangen sind. worüber in Heft 4 nähere Mitteilungen erfolgen
sollen. |
Gassel-Harleshausen. 26. Februar 1919.
Der Schriftführer:
ij. V.: A. Hüser.
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: Ueber das Ausgleichen geodätischer Netze
nach der Methode der kleinsten Quadrate durch Einteilen der Netzbedingungs-
gleichungen in Gruppen, von Boltz. — Vereinsnachrichten. — Heeresnachrichten.
— Hochschulnachrichten. — Prüfungsnachrichten. — Personalnachrichten. —
Zur geil. Beachtung.
Yerlag von Konrad Wittwer in Stuttgart.
Druck von Carl Hammer (Inh. Wilh. Herget), Kgl. Hofbuchdruckerei in Stuttgart.
0... XLVIN. Band. April
z
- Zeitschrift für Vermessungswesen
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
/ Dr. OÖ. Eggert,
| Professor a. d. Techn. Hochschule in Danzig-Langfuhr
Preis des Jahrganges 10 Mark.
Im Postbezug 10 Mk. 10 Pfg. ohne Bestellgeld.
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart, Schloßstraße 14.
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: Ueber die Doppelpunktsbestimmung in der
Aerophotogrammetrie, von Klingatsch.— Wer soll das Grundbuch führen, von
Spamer — Zur Gründung des deutschen Vereins für Vermessungswesen, von
Hüser. — An alle Landmesser, von Dömken. — Hochschulnachrichten. —
Prüfungsnachrichten. — Mitteilung des Fürsorgeausschusses. — Vereinsange-
legenheiten. — Personalnachrichten. —
SICKLER| A |
0 EL So. KARLSRUHE we]
FEINNIVELLIER-INSTRUMENTE
a] UNÜBERTROFFEN Tem]
EINFACHHEIT der EESTRRURG u. GENAUIGKEIT der Messergebnisse
= 1 — Pas Be % > BE In
ai} T
MIT oder OHNE
KIPPSCHRAUBE | dam - PRO
[- REIT- oder Ei w = Ab „N. F. a
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gleichviel ob der Theodolit im freien Gelände oder bei Benutzung 3
des Reflektors in Tunnels oder Gruben gebraucht wird. |
2. Die Ablesung ist viel bequemer als die des gewöhnlichen Nonius, da er]
das Führen der Lupe entlang der Teilung wegfällt und man mit einem ieh,
Blick den Mikroskop-Nonius in seiner ganzen Länge völlig übersieht. R\
3. Die Schnelligkeit der Ablesung ist wesentlich grösser wie bei dem ]
gewöhnlichen Nonius. |
4. Die neue Ablesungsart ist völlig frei von Parallaxe, da das Bild der
Limbusteilung genau in der Ebene des Mikroskop-Nonius liegt,
9. Infolge der Schnelligkeit der Ablesung, sowie der gleichmässigen h
Helligkeit und Schärfe der Bilder ist die Ermüdung des Auges be- 2
trächtlich geringer wie bei der Ablesung mittelst Lupen. Ar
6 Durch die grosse Uebersichtlichkeit der Limbus- und Nonienteilung |
und die volle Bezifferung jedes einzelnen Grades ergibt sich eine the
grosse Sicherheit gegen grobe Ablesefehler.
OTTO FENNEL SÖHNE, CASSEL |
I LL_ Werkstätte für geodätische Instrumente. | |
1919. April. | Band XLVII.
.
ZEITSCHRIFT ron VERMESSUNGSWESEN
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. O. Eggert,
Professor an der Techn. Hochschule
Danzig-Langfuhr, Hermannshöfer Weg 6.
= Heft 4.
=
Der Abdruck von Original-Artikeln ohne vorher eingeholte Erlaubnis
der Schriftleitung ist untersagt.
Ueber die Doppelpunktsbestimmung in der
Aerophotogrammetrie.
Von Professor A. Klingatsch in (az.
Zwei Strahlenbündel P(L’Pı... Pu), PiPPı... P,) sind durch
zwei gleichzeitige gegenseitige photogrammetrische Aufnahmen aus den
beiden in Bewegung befindlichen Punkten 7, I bestimmt worden, so dass
sich also auf jeder Aufnahme die Abbildungen derselben Jer räumlichen
Lage nach gegebenen Punkte Pı ... 7,„, sowie diejenige des anderen
Aufnahmspunktes vorfinden. Es soll die Lage von P und P° abgeleitet
werden.
| Die vorliegende Doppelpunktsbestimmung ist daher eine Ausdehnung
der Hansenschen Aufgabe auf n gegebene Punkte, wobei als Bestimmungs-
stücke die aus den Aufnahmen herzuleitenden Positionswinkel auftreten.
Im Nachstehenden soll die Ausgleichung behandelt werden.
Wir nennen für den Punkt P die Winkel, welche die Strahlen PP;
mit PP’ einschliessen, «, die Entfernungen ?P,; = ss: i =|1...n),
während die Winkel zwischen zwei Strahlen PP; und PP, «,. und die
Entfernungen PP. = da (i=1...n— 1, k=i+1...n) ge
setzt werden sollen. Bezüglich P* haben «‘, s4; die sinngemässe Bedeu-
tung, so dass sich also «‘% auf den Strahl /° 2; bezieht.
Nennt man die zu findende Entfernung PP’ — s, so geben die Drei-
ecke PP; Pı und P‘P; P:
sinafi sin a;
DE See
j ° ein (ws + ai)’ ' sin(@ + @') 9
oder fürs — 1
sin a’; sind; =
Sm 2,77 er en Es 2
! sin(a + a‘) ' ‘ sin(@a + a’;) | (2)
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft 4. 6
74 Klingatsch. Ueber die Doppelpunktsbestimmung ete. _, Zeitschrift für
v ES LEW EREN
Nun ist jedes der beiden Bündel P, P’ durch 2» — 1 Winkel « bezw.
«‘ bestimmt. Wir machen vorerst die Voraussetzungen, dass sich die
Plattenausmessungen lediglich auf die Herleitung der 4n — 2 Winkel wie‘;
G=1...n und irn @,ıyı @ = 1...n— 1) bezogen haben,
welche eben die beiden Bündel geometrisch festlegen. Diese so herge-
leiteten Winkel sollen dann wie unmittelbare Messungen in die Ausglei-
chung eingeführt werden; die betreffenden Gewichte lassen sich leicht aus
den Fehlern der Plattenausmessung und den bekannten zur Bestimmung
der Winkel «x dienenden Formeln gewinnen.
Man kann nun zwei Gruppen von Bedingungsgleichungen aufstellen.
Die erste Gruppe enthält die Bedingung, dass zwei Dreiecke PP; Pı.
und P’/P; Pı die Seite P; P, gemeinsam haben, dass sich also auch für s = 1
— unabhängig von dem Massstabe — die durch P. und P’ gehenden
Strahlen in Punkten schneiden, deren Abstände von P und P* wegen (2)
durch s;, s’; bezw. sr, 5’, gegeben sind.
Diese Gleichungen haben daher die Form
Ss? + 52? — 23185008 wi a — Si? — S'? + 2878’, C08 wi. — 0 (3)
Man erkennt aber leicht, dass (3) lediglich auf diejenigen n — 1
Winkel ai, :1ı resp. @'irı (Üe=1...n — 1) zu beschränken ist, welche
mit den » Winkeln «, a’; die gemessenen Positionswinkel vorstellen und
daher die beiden Bündel bestimmen. Ist beispielsweise für » = 3 die
Gleichung (3) für die Winkel «&,.9: &y:g, «rg: &g,, erfüllt, so dass sich
also für s = 1 die drei Strahlenpaare je in einem Punkte schneiden, se
muss (3) für die Winkel a,.3: &,., ebenso erfüllt sein, da eben für diese
letzteren Winkel keine Messungen vorliegen, welche mit (3) in Wider-
spruch wären.
Dien— 1 Bedingungen der ersten Gruppe lauten daher
f(«) = Ss” + 41 == 28:8;+1008 ti, BD Kae se — Sir? +
+ 28/8; 11008 @/;, it >= 0 (i — 1l...n— 1), (4)
wo die s;s’; aus (2) folgen.
Die Fehlergleichungen haben dann die Form
of of 2 Er
es + „vur EEE ER A se deli irrt
ar of m
Ti v4 Ta ıtrmm=0 d=l...n—1) (0)
in welchen die 4» — 2 Verbesserungen v, v’ auftreten und «; den Wider-
‚spruch bedeutet, den die Einführung der Messungen «&, «’ in (4) hervor-
bringt.
Die zweite Gruppe von Bedingungsgleichungen ergibt sich aus der
Erwägung, dass jede von den (%) möglichen Verbindungen der Punkte
Zeitschrift für Klingatsch. Ueber die Doppelpunktsbestimmung etc. 75
a een ;
Pı... Pu zur Ableitung der Entfernung PF’ = s aus den gegebenen
Entfernungen P;P, = di, herangezogen werden kann.
Es ist nämlich
rn - G=1l..n—1,k=itl...n (6)
BD; Ge ee er u inmas e
s;” + 8° —)ı: 8i 8]; cos Ok
S
Lässt man für denselben Punkt ?; k in % + 1 übergehen, so wird ebenso
Pu,RK+1 2
Ha Der Lan: 9
Wegen (6) und (7) lauten daher die (3) — 1 Bedingungen der zweiten
Gruppe
F(e) = da?(8? + SE 41? — 28:86 + 1608 &, r+ı) —
— dı,2+12 (85? + 5? — 28:18:08) = 0 (8)
Darin sind vorbehaltlich der weiter unten gemachten Bemerkung im
allgemeinen i,k nach (6) zu nehmen; in den Ausdrücken, in welchen
der Stellenzeiger % + 1 auftritt, ist in dem Falle k = n an die Stelle
won 3%, + 1, also daank = i +2... n zu Setzen.
Die Gleichungen (8) enthalten dannalle ("J') Winkel «, welche in dem
Bündel P(P'P, ... P.) vorkommen, von welchen jedoch der Voraus-
setzung gemäss nur 2n — 1 Winkel &, a, +1 gemessen vorliegen; eg
können daher in den aus (8) abzuleitenden Fehlergleichungen auch nur
die auf diese letzteren Winkel bezughabenden Verbesserungen ® vor-
kommen.
Man hat daher zu setzen
s2 =
05; = Pluiizı - - - Ak, Kit ikni4ae >» er: K) (9)
Um die Funktion g zu finden, denken wir uns das Bündel P(P‘P,... P,Y
auf die mit P konzentrische Einheitskugel abgebildet, so dass also 9’ pı... 2
die betreffenden Abbildungen sind. In dem dadurch erhaltenen sphärischen
Netz ist dann pP: = @i. Pr, irı = @;i+ı und allgemein 9:9. = wi. x.
Nennt man nun in den sphärischen Dreiecken »’ 9:9: 11. P’Pirı. Pitz:-.
P'Px -ıP9x die Winkel bei 9° bezüglich ß; :+1 Pr+1,i+2 - - » Br-ı.., hin-
gegen ß;,., den der Seite 9:9 = «a;,. gegenüberliegenden Winkel, so ist
| COS: + — 008 008 ı. + Sin aisin ur cos Bi, x (10)
wo also P
ie Br = Br iırı + fir ira tt Pr-ı.# (11)
ist.
Nun lassen sich aber die 8 auf .der rechten Seite von (11) durch
die als: unabhängig angenommenen «; ... . &,:+ı der sphärischen Figur
ausdrücken. Da A — i die Zahl der Winkel ß;.» ist, so erhält man
C0S Bi, % = cos Bi, i--1° c08 8; + 1, it2 >. cos 4: - y,r(l — N, +, — 2 sel (13)
wo Sg; Sy... Summen von ("3"), (7)... Gliedern bedeuten, welch
76 ‚Klingatsch. Ueber die. Doppelpunktsbestimmung etc. , Zeitsehrift für
= : \ SEUIPSFUDBRWER en
letztere die Produkte der Tangenten der Winkel Br; :+1. - - Pr... in
allen Kombinationen zur 2, 4... . Klasse enthalten.
Hiebei ist also beispielsweise
sin 0; sin (0: — «di. is) — SIN (0; — a)sın (0 — di. ı)
RR a DR ne ee ee ne a 7
ANA SNa- 1
eat are nr (15)
’ s 2 ‚V sin sin; — di, ii ı)sin (Fi — ar) sin (0; — a; 4) \
N49: 3%: nn z ee ne Fr RT
ang nn sin aisin( — di. i= 1) — sin (a — w)sin(n — Wi 1)
“dt &rı + Mri-ı
wo = 00,07 gesetzt wurde.
Durch (10)... (13) ist die Funktion (9) bestimmt.
: 1 ; :
Die 6) —-l= 0 (a? — n — 2) Fehlergleichungen der zweiten Gruppe
Jauten dann wegen (8) und (9)
aF oF oF oF
ne selen s . v;; E trieıt A 2
a; Ü; ‘ ZEN en id. i-1 I dan ı kl 1 +
oF or
v; ee u wi. = 0 14
30: + Tod r2ıt ich ( )
Hiebei ist jedoch zu berücksichtigen, dass wegen der Anzahl der
beide Bündelgerade bestimmenden Messungen die Bedingungen (8) nur hin-
sichtlich der 3%» — 6 Verbindungslinien aufzustellen’ sind, für welche das
Punktsystem P, ... Pu geometrisch bestimmt ist. Die Gesamtzahl aller
Bedingungen ist in diesem Falle an — 1+3n —7 = 4n— 8, welchen
die 40” — 2 zu bestimmenden Verbesserungen vv’ gegenüberstehen, so
dass 6 Verbesserungen voneinander unabhängig sind.
Die Ausgleichung, für welche, wie erwähnt, auch verschiedene Ge-
wichte der « eingeführt werden können. gibt die Verbesserungen v, v‘,
welche dann den Bedingungen (4) und (8) genügen müssen, so dass sich
aus (6) widerspruchsfrei der Abstand PP’ = s ergibt, womit aus (1) die
Abstände s;, s’; folgen.
‘Drei Entfernungen s; resp. s‘; genügen dann, um die l.agen von P
und 7° zu finden. Es handelt sich dann nur mehr um die wiederholt be-
handelte Aufgabe, aus den Koordinaten von drei Punkten und den —
nunmelır ausgeglichenen — drei Positionswinkeln die Koordinaten des
Aufnahmsortes zu finden. j
Für n = 2 ist natürlich die Aufgabe unbestimmt; doch ergibt sich
auch in diesem Falle eine Bedingung der ersten Gruppe, während (6)
unmittelbar s und damit den Massstab liefert.
.Mit Bezug auf den im Eingange angedeuteten Zweck wird man"wohl
manche Vereinfachungen bei der Ausgleichung vornehmen können. So
wird es ausreichen, die Bedingungen der zweiten Gruppe auf die Winkel
@. "ii, '7zu beschränken, wodurch die Berücksichtigung von (9) wegfällt
Zeitschrift für Klingatsch. „Ueber die Doppelpunktsbestimmung etc. Par
en
1919.
und sich auch einfache Ausdrücke für die Normalgleichungen ergeben,
worauf an anderer Stelle näher eingegangen werden wird.
Immerhin ist zu ersehen, dass diese Art der Doppelpunktsbestimmung
— abgesehen von den: technischen Schwierigkeiten in der Durchführung
der gleichzeitigen Exposition auf drahtlosem Wege — zu zahlreichen
Kontrolen Veranlassung gibt, mag man dieselben zu einer Ausgleichung
leranziehen oder nicht.
Der Vollständigkeit wegen soll noch, ohne auf Einzelheiten einzu-
gehen, der allgemeine Fall behandelt werden, wo in jedem der beiden
Bündel die Positionswinkel in allen Kombinationen hergeleitet werden.
Man hat dann in jedem Bündel die „Stationsbedingungen“ aufzustellen.
Da nunmehr in (9). «i,» als Messungsergebnis aufzufassen ist, erhält
man durch Entwicklung von | j
c0s(w. tt.) = gli tv, wir ı trlizı- er tin iz Tr
Ir». ib ee. Rk-ı.K TIERISCH
die ”3') — (2r — 1) Fehlergleichungen
ee TER (15)
zu welchen noch die 2» — 1 Fehlergleichungen v; = 8. dv; ;4ı = ı
im Bündel ? kommen. Derselbe Vorgang gilt für das Bündel £“.
Die (3) Bedingungen der ersten Gruppe erstrecken sich nunmehr
nach (5) auf alle «, «‘: die Fehlergleichungen haben dann die Form
r
f Of ip; of af 2
A er = at; vu da'n VRAg, ai
° ı s . j
—
oci "ar ze
Weder ET IND)
In diesen sowie in den (3) — 1 Bedingungen (14) der zweiten Gruppe
sind die %,+ v',» aus (15) durch 5, n, & ... auszudrücken.
Die strenge Ausgleichung führt dann auf eine solche nach vermitteln-
den Beobachtungen mit Bedingungsgleichungen.
Die Zahl aller Unbekannten, nämlich aller Verbesserungen ist
N=2(l57)=n(n-+1).
Die Zahl aller voneinander unabhängigen Verbesserungen 5, ». & ist
dann in beiden Bündeln
U—-4n—2.
Endlich ist die Zahl aller Bedingungen
R=()+W)-I=nn—-)-1.
Damit nun eine -Ausgleichung möglich ist, muss N>U—R, UÜ>R
sein. Die letztere Bedingung ist erfüllt für 2 < 5. und damit auch die erste.
Man kann auch genähert die beiden Bündel vorerst für sich aus-
gleichen und die Ergebnisse dieser Ausgleichung mit den daraus sich er-
78 Spamer. Wer soll das Grundbuch führen ? Zeitschrift für
ul
gebenden Gewichtszahlen in die N Bedingungen (5°) und (14) wie unab-
hängige Messungen einführen. Sieht man dann N R=n-+2 Ver-
besserungen als unabhängig an, so ist für n>3 die Ausgleichung nach
vermittelnden Beobachtungen vorteilhafter. Man hat beispielsweise für
» — 3 zwölf Winkel mit fünf Bedingungen, für »n = 2 sechs Winkel
mit einer Bedingung und unbestimmter Lösung. lässt man die zwei
Punkte PP’ um die beiden gegebenen /, Ps rotieren, so beschreibt die
Gerade PP‘ die Erzeugenden eines Umdrehungshyperboloides mit P, P,
als Drehungsachse. PP‘ liegen dann auf den zwei durch sie gehenden
Kreissehnitten der Fläche.
Wer soll das Grundbuch führen?
Von A. Spamer, Mainz.
I.
Iinser unvergleichlicher und unvergesslicher Steppes hat bu-
reits 1911 (Zeitschrift für Vermessungswesen, S. 721 u. f.) nach-
gewiesen, „dass die deutsche Girundbuchordnung Lücken und Mängel
aufweist, die auf die Dauer nicht haltbar erscheinen können, dass
enorme Schädigungen und Verluste bei ungenügender oder unrich-
tiger Regelung der Beziehungen zwischen Grundbuch und Vermes-
sungswesen entstehen müssen. Es könnte niemand ohne Besorgnis
ein Grundstück erwerben oder ein solches beleihen, wenn es sich
nicht darauf verlassen darf, dass der (Giegenstand des Erwerbes
oder der Haftung mit der aus dem Grundbuch entnommenen und in
die Erwerbsurkunde oder Beleihungsurkunde übergegangene (Girunid-
stücksbezeichnung wirklich und tatsächlich übereinstimmt. Ohne die
Bürgschaft über die Richtigkeit der dem Kataster entnommenen
Unterlagen seien die Angaben des (srundbuches eine sinnlose .\n-
häufung von unverständlichen Ziffern. Schon vor 20 Jahren (vgl.
Zeitschrift für Vermessungswesen 1910, S. 973) habe er (Steppes;
die Organe der Girundbuchsgesetzgebung auf die Notwendigkeit eines
Zusammenhanges zwischen Grundbuch und Vermessungswesen aul-
merksam gemacht und (in der Steppes eigenen humorvollen \rt
und Weise) auf die Notwendigkeit hingewiesen, ‚dass dem Suchen-
recht des Bürgerlichen Gesetzbuches und insbesondere der Grundd-
buchordnung ein kräftiger Tropfen technischen Öles beige-
mischt wird. Es hat aber nichts geholfen.“
Inwieweit die Rechtssicherheit des Grundbesitzes, die doch in
allererster Linie durch die Reichsgrundbuchgesetzgebung gewährleistet
werden soll, durch vorliegende Missstände gefährdet erscheint, be-
weisen die Angaben der Fehruarnummer der Deutschen XNotariats-
Zeitsehritt für Spamer. Wer soll das Grundbuch führen ? 719
Vermessungswesen n
Zeitung 1913, wonach bei der regelmässig erscheinenden Übersicht
über die Rechtsprechung in Grundbuchsachen unter 41 Entschei-
dungen nur 13 Fälle enthalten sind, die die Verfügungen des Grund-
buchamtes aufrecht erhalten, und 28, die sie aufheben. Also in etwa
“0 Prozent der veröffentlichten Fälle ist gegen das Grundbuchamt
entschieden worden. Ein weiterer Nachweis dafür, dass tatsächlich
Fehler und Irrtümer im Grundbuchwesen festgestellt worden sind
und Unzuträglichkeiten in erheblichem Umfang sich daraus ergeben
haben, geht aus dem preussischen Ministerinierlass vom 10. Jul 1912
Ib 808 hervor, worin ausgeführt ist, dass von den Behörden nicht
mit der für das Grundbuchwesen erforderlichen Sorgfalt verfahren
worden sei. Es scheint aber die Ursache weniger bei den Behörlen,
als mehr im System zu liegen.
Das Grundübel für derartige Misstände liegt darin (vgl. die oben
»ngezogenen \usführungen von Steppes aus den Jahren 1910 u. 1911),
„dass die deutsche Grundbuchordnung leider darauf verzichtet hat, den
allgemeinen Begriff eines Grundstückes festzulegen. Sie begnügt
sich mit der Bestimmung, dass die einzelnen Grundstücke mit Num-
mem und etwa beigefügten Buchstaben bezeichnet werden sollen.» Es
steht ausser Zweifel, dass der technische Vollzug der Grundstücks-
hestandsveränderung und aller hiermit zusanmmenhängenler Hand-
lungen oder Unternehmungen unmöglich sachgemäss, rasch und billig
durchgeführt werden kann, wenn nieht ein einheitliches reichsgesetz-
!iches Vermessungswesen zur Verfügung steht, das, zeitgemäss aus-
sebildet und organisiert, vermöge seiner Beziehungen zu den einschlä-
sigen Verwaltungs- und Rechtseinrichtungen und dem Grundbuch nach
technisch richtigen und brauchbaren Grundsätzen die Unterlagen für
das Grundbuch liefert. Es fehlt eine Grunäkarte, angefertigt nach
den Vermessungswerken und den Katasterkarten. Als besonders wichtig
wird nochmals darauf hingewiesen, dass das Grundbuch mit der
(rundkarte allein die Sicherheit des Grundstückverkehres, des
Eigentums und des Hypothekenwesens gewährleisten können.“
u.
Um hier das hessische Grundbuchswesen zu erwähnen, sei
ausgeführt, dass dieses schon seit 88 Jahren gesetzlich geregelt
ist. Nach dem Gesetz vom 29. Oktober 1830 über Sicherung des Grund-
eigentums und des Hypothekenwesens ist jede (iemeinde und jeder Be-
sitzer einer besonderen Gemarkung verbunden, von den nach Vorschrift
des, Gesetzes vom 13. April 1824 aufgestellten Flurbüchern (topogra-
phisches Güterverzeichnis) und Karten auf eigene Kosten eine Kopie
anfertigen zu lassen, die mit dem Namen Grundbuch zu bezeichnen
80 Spamer. Wer soll das Grundbuch führen ? „Zeltschrire tur
1919.
und für deren Fortführung und Erhaltung Sorge zu tragen ist. Über die
Erwerbung von Grundeigentum um die besonderen rechtlichen Folgen
des Eintrags eines Erwerbtitels in dem Grundbuch treffen die Gesetze
vom 21. Februar 1852 und vom 6. Juni 1879 sowie die Verordnung vom
8. Dezember 1852 die nötigen Anordnungen, wonach die Übertragung
des Eigentums an einer unbeweglichen Sache nur dureh die zuständig.
Gierichtsbehörde erfolgen kann; als Unterlage hierzu dienen ein Grund-
buchsauszue über die ın Betracht kommenden Grundstücke, und in den
Fällen. wo «dies nötig ist, ein Messbrief, eine von dem Bürgermeister.
des Ortes, wo eine der Parteien wohnt, beglaubigte Privaturkunde
Kaufnotul genannt). oder eine vor dem Notar errichtete und beglaubigte
Urkunde. Da sich das hessische Grundbuch, das früher von den Finanz-
ämtern und seit 1902 von den Kreisvermessungsämtern geführt wird,
zu jeder Zeit durchaus bewährt hat und keine Klagen erhoben worden
sind, so drängt sich die Frage hervor, welche Gründe zur Rechtferti-
gung des Gesetzes vom 16. März 1899 vorgelegen haben. Die Motive
hierzu bemerken, „dass nach 8 873 des B.G.B. zur Übertragung des
Fivsentums an einem Grundstück oder belastune usw. lo Kintragung
der Rechtsänderung in das Grundbuch erforderlich sei, auch in zahl-
reichen anderen Fällen das B.(.b. eine Eintragung verlange, die heu-
tige Einrichtung der Öffentlichen Bücher genüge nicht mehr, cs sel
daher für die Herstellung von neuen Grundbüchern Sorge zu tragen”,
\us dem Vorwort zu der Gesetzgebung eines anderen Bundesstaates
ist zu ersehen, dass die Amtsgerichte bei Wahrnehmung des Grund-
rechtes seither auf Auszüge und Fesistellungen anderer Verwaltungs-
organe angewiesen waren, jetzt aber im Besitz einer Grundbuchsaus-
fertigung sind. Das neue Grundbuch besteht für Hessen aus einer
Abschrift des seitherigen Grundbuches. die als Sachregister bezeichnet
wird, und einer Abschrift des bei den Finanzämtern befindlichen Gütor-
geschosses, die den Namen Grundbuchblatt Abteilung I führt. Unter
den Abteilungen IL und III des Grundbuchblattes werden Rechte und
l.asten eingetragen. Das Beleihungszwecken dienende seitherige IIypo-
thekenbuch wird ausser Gebrauch gesetzt. Als formelle Ergänzung der
hessischen Gesetzgebung über die Ausführung der Grundbuchordnung
sei noch das Gesetz vom 22. Juli 1899 erwähnt.
Nachdem nunmehr eine Erfahrung von 20 Jahren vorliegt. cr-
scheint die Frage zeitgemäss, ob durch die Form der neuen Grundbuch-
gesetzgebung der Absicht des Gesetzgebers bezüglich der Erfassung |
der Bedürfnisse des öffentlichen wirtschaftlichen Lebens in der Siche-
rung des Grundeigentums restlos entsprochen worden ist, oder ob die.
Notwendigkeit sich ergeben hat. an die Erörterung von ergänzenden De-
stimmungen heranzutreien. Sshr zu denken gibt als Antwort auf diese
„Zeitschrift für Spämer. Wer soll das Grundbuch führen ? 81
\ URS UNEEWOS en
1 .
Frage die in einer Tageszeitung vor fünf Jahren wiedergegebene Äusse-
rung eines Richters: „Das Lesen und Verstehen der Grundbücher ist
nicht so einfach und erfordert schon einige Erfahrung, die junge
Schreibgehilfen naturgemäss nicht besiizen.“ Von einem Älteren Grund-
Luchrichter wurde mir schon vor etwa 15 Jahren versichert, dass nach
seiner festen Überzeugung schon einige wenige Jahrzehnte genügen
werden, um die Unhaltbarkeit der heutigen Form des Grundbuchwesens,
wie sie namentlich bei starker Entwicklung der Bodenbesitziverhält-
nisse durch intensive Bautätigkeit, neuen Verkehrswegen (Strassen-
und Eisenbahnbauten und Erweiterungen) erkennbar hervortritt, fest-
zustellen.
111.
Es wäre eigentlich ganz natürlich, dass, wie dies für eine einheit-
liche deutsche Grundbuchordnung geschehen ist. gleichzeitig auch
einheitliche Vorschriften geschaffen werden für die Gewinnung
un Prüfung der Unterlagen zur (rundbuch-Fortführune. Das
unter II erwähnte schwierige Lesen und Verstehen der Grundbücher
würde sicher eine ganz bedeutende Erleichterung erfahren können.
Bis jetzt ergeben die verschiedenen Vorschriften in den verschiedenen
deutschen Bundesstaaten ein recht buntes Bild. Während der eine
deutschen Bundesstaaten ein recht buntes Bild. Es war kein glück-
licher Gedanke der Reichsgrundbuchsordnung, der im $ 1 die Einrich-
tung des Grundbuches den Anordnungen der einzelstaatlichen Landes-
Justizverwaltungen überlassen zu müssen glaubte. Während der eine
Bundesstaat genaue Anweisung erteilt über die Richtiestellung von
Einträgen, ob Unterstreichen oder Durchstreichen anzuwenden Ist. ıR
welchen Fällen die Durchstreichung die Form eines Kreuzes X, die
Form kurzer, senkreehter Linien N. oder einer einfachen Längslinie
anzunehmen hat, ob die Striche in roter oder in schwarzer Farbe
auszuführen sind, über die Bedeutung einer einmaligen und einer
zweinaligen Unterstreichung,, glaubt ein anderer Bundesstaat der-
“tige Fragen als nebensächlich betrachten und ganz dem Firmessen
ıles betreffenden Beamten anheimstellen zu müssen.
Ich habe von einem Fall gehört, wo über die Frage, ob eine Unter-
streichung oder eine Durchstreichung anzuwenden sei, besondere Ver-
handlungen entstanden sind und eine behördliche Entscheidung er-
schen musste.
Ich wüsste keinen Umstand. der dem entgegenstehen könnte. dass
di® verschiedene einzelstaatliche . Benennung der Vermessungswerte
(Flurbuch, Lagerbuch, Stockbuch, topographisches Güterverzeichnis,
Mutterrolle,. Gütergeschoss, Katasterkarte, Parzellenkarte. Grundbuchs-
karte, Feldbuch,; Stückvermessungsriss, Messungskupon, Brouillon und
82 Spamer. Wer soll das Grundbuch führen? Zeitschrift für
VERSRSUNBEWEREN
dergleichen), nebst den für die Fortführung des Grundbuchs notwen-
digen Unterlagen (Messbrief, Messungsverzeichnis, Messungsoperat,
Fortschreibungsprotokolle usw.), deren Prüfung in Hessen und Preussen
vor der amtlichen Ingebrauchnahme, in Baden nach (sebrauch, in
Bayern nach Antrag stattfindet, durch eine einheitliche deutsche Be-
nennung und Regelung ersetzt wird. |
Ferner stelle ich die Frage: Wollte $ 1 vom 24. 3. 97 im Gegen-
satz zu dem preussischen, bayerischen und hessischen Amtsgericht, däss
dem badischen Richter keine Grundbuchsausfertigung zur Verfügung
stehen soll?
Auch die durch Fehlergrenzen usw. bedingten Ausfertigungsfor-.
men sind hier erwähnenswert. Es muss eigenartig erscheinen, wenn
bei einer Bahnhofserweiterung, die gleichzeitig auf bayerisches und
hessisches (iebiet übergreift, das bayerische Messungsverzeichnis Grund-
stücksinhalte auf 10 Quadratmeter abrundet, indessen der hessische
Messhrief Flächeninhaltsteille von weniger als 25 qm, mag der (ie-
ländewert noch so gering sein, bis auf die Genauigkeit von Zehntel
berechnet und im Messbrief angibt.
Eine praktische und handliche Form in der äusseren Einrichtung
der (wundbücher habe ich in Bayern festgestellt, «die nutzbringend
allgemein Anwendung finden könnte.
\uf hessischen Messbriefplänen über Gemarkungen, deren par-
zellerische Vermessung vor 1871 stattgefunden hat, müssen nach den
bestehenden Katastervorschriften neben den Metermassen auch heute
noch die seit 47 Jahren weggoefallenen veralteten Klafter- und Zoll-
masse eingetragen werden. Wie lange soll das weitergehen?
Eine praktische und handliche Form in der äusseren Einrichtung der
Grundbücher habe ich in Bayern festgestellt, die nutzbringend allgemeine
Anwendung finden könnte.
Die Gegenstände der Aufmessung, katastertechnischen Bearbeitung
und Eintragung ins Grundbuch unterliegen keiner einheitlichen Be-
handlung. Während beispielsweise $4 der hessischen Verordnung
vom 8. Dezember 1852 den Grundbesitzer verpflichtet, über die Er-
richtung eines neuen (iebäudes oder die Veränderung eines vorhan-
denen Gebäudes einen vorschriftsmässig aufgestellten Messbrief zu
erbringen, besteht in Preussen für die Aufmessung von Privatbauten
heute noch kein Zwang.
Bei mehrfach aufeinanderfolgenden, teils durch Privatgeometer,
teils durch beamtete (seometer ausgeführte Messungen, wie sie bei
rascher Verkehrsentwicklung, intensiver Bautätigkeit (vgl. oben am
Schluss von II) und (irundstücksbeleihungen notwendig werden, habe
ich Fälle beobachtet, denen die Beamten der juristischen Verwaltung
Zeitschrift für Spamer. Wer soll das Grundbuch führen ? 83
Vermessungswesen
hilflos gegenüberstehen. Die Verwicklungen durch die Ein- und Rück-
wirkung auf spätere oder frühere Vermessungen rufen oft schwer-
wiegende Entscheidung darüber hervor, welche Messung die Priorität
zu beanspruchen hat. Nur die einheitliche reichsgesetzliche
tegelung des Vermessungswesens und seiner Beziehungen zum
Grundbuch unter Aufhebung des Instituts der Privatgeometer kann hier
Wandel "schaffen. Für Bayern ist diese letztere Frage geregelt, da
dort keine Privatgeometer vorkommen. . Gegebenen- und nötigenfalls
(vgl. „Landmesser“ 1918, Heft 6, S. 84) würden für die Mitwirkung
von gewerbetreibenden Landmessern geeignete Bestimmungen zu er-
lassen sein.
IV.
Fine Reihe von (resichtspunkten und Fällen aus meiner langjäh-
rigen Praxis auf hessischem Gebiet, die mitunter auch auf Baden,
Bayern und Preussen übergreift, soll zur Prüfung anregen, ob die neue
(irundbuchgesetzgebung vor 20 Jahren das Richtige getroffen hat, ob
die heutigen grundbuchführenden Organe vermöge ihrer beruflichen
vor- und Ausbildung ohne landınesserische Mitwirkung in der Lage
sind, für die zu vollziehenden Grundbucheinträge über Besitz- und
Bestandsveränderungen die nötigen katastertechnischen Iientifizicrun-
gen usw. sachlich und richtig vorzunehmen. Wenn die angeführten
Fälle sich zwar in der Hauptsache nur auf hessische Verhältnisse er-
strecken, so müssen sie doch auch weitere Kreise interessieren, da das
öffentliche volkswirtschaftliche Leben hinsichtlich des Liegenschafts-
wesens und -Verkehres in dem ganzen Deutschen lteiche genau in
derselben Weise sich abwickelt.
1. Das hessische Gesetz vom 21. Februar 1852 besagt u. a. unter
Artikel 36: „Sind die aus einem legalisierten Grundbuch und den dazu
gehörigen Karten hervorgegangenen Angaben über die Lage, Grösse
und Begrenzung der einzelnen Grundstücke das Resultat einer legali-
sierten Parzellenvermessung (im (Gegensatz zu einer Flurvermessung
d. V.), so dient das Grundbuch mit den dazugehörigen Karten als De-
weismittel.‘“ Die Reichsgrundbuchordnung vom 24. März 1897 be-
schränkt sich dagegen darauf, „dass gemäss Anordnung der Landes-
justizverwaltung die Bezeichnung der Grundstücke in den Büchern nach
einem amtlichen Verzeichnis erfolgt, in welchem die (irundstücke
unter Nummern oder Buchstaben aufgeführt sind. Ein Grundstück
solle nur dann einem anderen Grundstück als Bestandteil zugeschrieben
oder mit ihm vereinigt werden, wenn hiervon Verwirrung nicht zu be-_
sorgen ist‘. Der Mangel geht hieraus klar hervor.
2. In Gemarkung M. gehen laut Messbrief vom 22. 2. 09 der Par-
elle Flur 15 Nr. 1%/,, mit 750 qm nach der Hinken Seite des Mess-
54 Spamer. Wer soll das Grundbuch führen? Zeitschrift für
Vermessungswesen
1919.
brieftextes zu von Nr. 1170 = 102 qın, so dass der Inhalt zusammen
852 qmr beträgt. Gemäss Ausschreiben vom 25. 3. 1892 .Nr. K 1477,
wonach vom Gr. Ministerium der Finanzen Abteilung für Steuerwesen
genehmigt worden ist. dass das zusammengesetzte Formular A und B
(Generalmessbrief) auch zur Ausfertigung von einfachen Messbrielen
zur Anwendung kommen kann, wird auf der rechten Seite des Mess-
hriefes diese Gesamtfläche von 852 yın verteilt in Nr. 141/00 Grabgarten
518 qm und Hofreite Nr. 1%, 90 mit 334 qm. Die linke Seite des Mess-
briefs wurde im Grundbuch gewahrt, die rechte versehentlich nicht,
weil dem grundbuchführenden Beamten das oben angezogene Aus-
schreiben nicht bekannt war.
3. Bei einem Aullassungstermin diktierte der Grundbuchsrichter
seinem Assistenten zur \uflassungserklärung als Datum des zuge-
hörigen Messhriefs die Zeit der Messbriefsaufnahme am Schluss des
Messbrieftextes. Auf meinen Einwurf, dass dieses nicht richtig, son-
(lern die Zeit der Messbriefausfertigung massgebend sei, versuchte der
Richter, mich hierüber zurechtzuweisen und liess sich erst von seinem
Irrtum überzeugen, als ich ihm an Hand des Titels zur Inhaltsbercch-
nung die Richtigkeit meiner Angabe nachweisen konnte.
4. Da bei eingetretenen Grundstücksteilungen die Schreibweise
der Dezimalbruchform ungünstige Ergehnisse aufzuweisen halte, so
bestimmt $ 11 der Verordnung vom 27. April 1895, „dass zur \Ver-
meidung von Irrtümern die den Hauptnummern der Grundstücks an-
sehängten Dezimalen stets in Form gewöhnlicher Brüche zu
schreiben sind. Im (tegensatz zu dieser ausdrücklichen Katasicrvor-
schrift habe ich eine Reihe von Fällen vorgefunden, in denen die Par-
zellennummern des neuen Grundbuchs mit 'Dezimalbrüchen cr-
scheinen. Die betreffenden Schreiborgane des Grundbuchamtes haben
keine Kenntnis von der erwähnten Katastervorschrift gehabt. Wohin
soll es führen, wenn eine Staatsverwaltung Vorschriften erlässt. von
den eigenen Behörden aber diese nicht befolgt werden?
5. Bei verwickelten und schwierigen Messbriefen, namentlich ın
solchen Fällen, wo Bestandsveränderungen, deren Erledigung sich in
die Länge zieht. von neuen inzwischen unter Mitwirkung von Privat-
geometern zur Wahrung ‘gekommenen Veränderungen - überholt wer-
den, habe ich in mehreren Fällen völlige Ratlosigkeit der behördlichen
Organe vorgefunden. Bis die Balınmessbriefe der Gemarkung R. zur
Wahrung gelangten, verging, von der Einleitung des Geländeerwerbs
ab gerechnet, eine Zeit von etwa 8 Jahren. In einer andern Sache, die
durch eine vorausgegangene Änderung verwickelt geworden war, be-
lastete der Grundbuchsrichter fälschlicherweise «den Grundbesitzer. Is
dürfte Sache der Gesetzgebung sein. nähere Bestimmungen darüber zu
Zeitschrift für Spamer, Wer soll das Grundbuch führen ? 85
VOLBIBESUNESWERER -
treffen, welche Stelle die Verhütung von Verwirrungen zu überwachen
hat und in welcher Weise im einzelnen zweekmässig zu verfahren ist.
Gb. Einen ganz besonders breiten Raum im Grundbuchwesen nimmt
die Berichtigung von Fehlern ein. Für Preussen wird die Beseitigung
von „materiellen Irrtümern" durch Geseiz vom 8. Februar 1867, Gesetz-
sammlung Seite 185, geregelt. Ferner gibt hierzu insbesondere Schlü-
ers Handbuch, 2. Auflage Seite 452 u. 453, über das Verfahren bei der
"ortschreibung genaue Auskunft. Für Hessen erwies sich das Ats-
. schreiben vom 13. März 1874 der Gr. Obersteuerdirektion nicht als aus-
reichend. Es erging unterm 13. 6. 87 Nr. M. J. 13770 eine nochmalig
Anweisung des Grossh. Ministeriums des Innern und der Justiz an die
Justizbehörden, insbesondere die Gerichte, zur Nachachtung (vgl. Aus-
schr. \r. K. 2838 von 27. 7. 87).
2%. In Gemarkung P. enthält das neue Grundbuch bezüglich Ss
(irundstücks Flur 49 Nr. 91 einen Schreibfehler. Es ist «dort ein Flä-
cheninhalt von 359 qm eingeschrieben, während der wirkliche Inhalt,
auch nach dem seitherigen Grundbuch, 959 qm beträgt. Ich habe vor-
sucht, durch mündlichen Hinweis auf diesen Fehler bei dem grund-
buchführenden Beamten Abbilfe zu erzielen, jedoch vergeblich. De-
sründung: Es fehlt Antrag des Grundbesiizers. Der Letztgenannte
scheint aber kein Interesse an einer Richtigstellung gehabt zu haben,
vielmehr sich auf den Standpunkt zu stellen: wer den Fehler veran-
lasste, hat auch die Verpflichtung, ihn zu beseitigen. Jedenfalls ist. os
sehr. bezeiehnend, dass ich in dem Grundbuch alten Stiles während
wiainer ganzen 38jährigen Praxis keinen einzigen Schreibfehler vor-
scfunden habe.
8. Bei Bestandsveränderungen einer Ordnungsnunmer des Grund-
buchblattes wird an der Stelle der erhöhten Ordnungsnummer keine
Flur- und Parzellennummer in die betreffende Formularspalte einee-
schrieben, was zu Störungen und Weiterungen führt.
9. In Gemarkung P. erscheinen im Grundbuch zwei verschiedene
(Grundstücke mit verschiedenen Eigentümern, die beide die Grund-
stücksbezeichnung Flur 49 Nr. 193 tragen. Wenn es auch in keiner
Weise zweifelhaft ist, dass dies die Ursache von mehrfachen Ver-
wechslungen und Irrtümern werden kann, so ist es ebenso sicher, diss
zur Entscheidung darüber, was hier geschehen muss, ob und welche
Anordnungen zu treffen sind, um den Missstand zu beseitigen, land-
messerische Vorkenntnisse gehören, zurzeit jedoch über die Beseitigung
derartiger Unstimmigkeiten keinerlei grundlegende Bestimmungen vor-
liegen. Welche Pflicht erwächst der Staatsregierung hieraus?
10. Wenn bei derErrichtung oder Erweiterung von Verkehrswegen
(Eisenbahnen. Strassenbauten) und in anderen Fällen Grundstücke oder
36 Spamer. Wer soll das Grundbuch führen ? Zeitschrift für
TOT OB SHRE WERE
Teile von solehen an ein grösseres Grundstück übergehen, so erfolgt
der Eintrag im Grundbuch in der Form, dass das Teilstück der
grösseren Girundstücksnummer zugeschlagen wird. Es ist dies ein
Ausdruck, der sachlich nicht gutgeheissen werden kann, den heutigen
amtlichen und allgemein eingeführten Grundsätzen der Schreib- un!
Ausdrucksweise nicht entspricht und wohl nicht entstanden wär..,
wenn bei der Grundbuchsgesetzgebung vor 20 Jahren landınesserische
Gesichtspunkte Beachtung gefunden hätten.
11. Welche Bedeutung der Mitwirkung des Vermessungswesens bei
Eigentumsübertragungen zukommt, d. h. welche Notwendigkeit vor-
liegt, ddass der Giegenstand des beabsichtigten Eigentumswechsels durch
zuständige Organe des Vermessungswesens vorher gehörig identifiziert
wird, ist durch die Wahrung eines Messbriefes unlängst ermittelt wor-
den. In der Gemarkung A. wollte im Jahre 1880 (soweit ich festzu-
stellen vermochte — die Sache ist heute noch nicht restlos aufge-.
klärt —) die Gemeinde A. an die fiskalische Verwaltung die innerhalb
einer Waldflur befindlichen Wege übereignen. Die übereignete Fläche
— im Girundbuch unter der Bezeichnung Flur29 Nr. 13, 4637 qın gross
eingetragen — liegt indessen nicht innerhalb, sondern ausserhalb des
Waldes. Der fiskalischen Verwaltung ist also seit 1880 eine Geländ»-
fläche grundbuchmässig zugeschrieben, die sie in Wirklichkeit niemals
besessen hat und stets von der Gemeinde A. bewirtschaftet wurde.
Ein komplizierter Messbrief wird nötig werden, um die Beseitigung
des Fehlers in die Wege zu leiten. Als besondere Verwicklung hierbei
ist zu bemerken, dass in das Grundbuch inzwischen eine vollständig
falsche Katasterbezeichnung übergegangen ist.
12. Einen weiteren Beleg für die Unstimmigkeit der Grundbuchs-
gesetzgebung bilden die Amtsblätter der hessischen Ministerien der
Justiz und der Finanzen \r. 21 und 46 vom Jahre 1898, wonach bei
staatlichem (irundeigentum die Verwaltungsbehörden nicht in das
Grundbuch eingetragen werden sollen. In Wirklichkeit und begründet
durch das tatsächliche Bedürfnis sind in den meisten Grundbüchern
die Verwaltungsbehörden angegeben. Für die aktenmässige Behand-
lung, Einfachheit der Schreibweise usw. wäre es wohl zweckmässiger
gewesen, die frühere Bezeichnung Baufiskus, Forstfiskus usw. bei-
zubehalten. als vor etwa 40 Jahren eine neue Überschreibung auf
(las Girossherzogtum Landeseigentum und das Grossherzogliche Haus
Familieneigentum vorzunehmen. Bei der Entschliessung aus 1898
scheint grundlegend gewesen zu sein, dass bei dem Übergang von
Staatseigentum aus einer Verwaltung in die andere keine Änderung
im Grundbuch nötig wird, wenn die Verwaltungsbehörden dort übor-
haupt nicht angegeben sind. Die dadurch entstehende Quelle von
ei ur Spamer. Wer soll das (irundbuch führen ? 87
1919.
Fehlern und Irrtümern und sonstige Missstände scheinen jedoch Nier-
bei übersehen worden zu sein.
V.
Hiermit dürfte aus meiner 38jährigenn Praxis der Nachweis
erbracht sein für die Angemessenheit des von Steppes geprägten
Wortes: „Es mangelt an einem Tropfen technischen Öles.“
Nach anderer Lesart sollen es mehrere Tropfen sein. In einer kürzlich
erschienenen Denkschrift des Landesverbandes Preussischer Länd-
messervereine über das Zivilvermessungswesen mit Vorschlägen zu
sener Umgestaltung, die den beteiligten Staatsministerien unterbreitet
worden ist, wird auf Seite 14 bezüglich der Grundbuchführung ge-
sagt: „Es fehlt dem Juristen ein gewisses Mass landmesserischer
Kenntnisse dem Landmesser ein solches ‚juristischer Kenntnisse.“
Als theoretische Begründung von $ 1 der Reichsgrundbuchord-
nung vom 24. März 1897, „wonach die Einrichtung der Girundbücher
nach den Anordnungen der Landesjustizverwaltung sich bestimmt“,
kann wohl die verschiedenartige einzelstaatliche Benennung und Be-
zeichnung der Liegenschaften mit der Einrichtung der öffentlichen
‚bücher, den Katastervorschriften u. dgl. angenommen werden. Prerk-
isch dagegen sind in Wirklichkeit ganz neue landesgesetzliche Be-
nennungen und grundlegende Einrichtungen entstanden. Um nur em
Beispiel zu erwähnen: In Hessen befindet sich das neue Grundbuch
ım Amtsgerichtsgebäude, in Baden nicht. Hat dies in der Absicht
des Reichsgesetzgebers gelegen? Es erscheint mir nicht zweifelhaft,
dass eine neue reichsgesetzliche Regelung in erster Linie bei $ 1 den
Hebel einzusetzen haben wird und zweckmässigerweise einheitliche
dcutsche Katastervorschriften erlassen werden. Die Aufgabe der son-
derstaatlichen Grundstücksbezeichnungen und Benennungen ist wohl
unbedenklich, um so mehr, als diese vielfach nur auf Ansicht von je-
weıligen führenden Persönlichkeiten zurückzuführen und deshalb mit
einer gewissen Subjektivität behaftet sind. Trotzdem soll es nicht der
Zweck dieses Schriftsatzes sein, schon jetzt positive und abge-
schlossene Vorschläge zu formulieren über die Art und Weise, wie bei
der Führung des Grundbuches das Vermessungswesen in die Erschei-
nung treten soll. Dafür ist die vorliegende Aufgabe viel zu gross und
schwierig. Eine Reihe von berufenen Stellen und Organen werden bei
den Erörterungen mitzuwirken haben, um eine Garantie dafür zu cer-
langen, dass wegen einer sachlichen Neuregelung des Grundbuch-
wesens an der richtigen Stelle das Richtige getroffen wird. Der Zweck
dieses ‚Schriftsatzes soll vielmehr lediglich darin bestehen; das nötige
Material hierzu zu erbringen, anregend und aufklärend zu wirken, um
etwaige Meinungsverschiedenheiten auszugleichen.
883 Spamer. Wer soll das Grundbuch führen ? Zeitschrift für
. j Vermessungswesen
Ein vergleichender Hinweis auf die Schweiz (Zeitschrift für Ver-
inessuneswesen 1913, Seite 861) zeigt, dass dort mit der Kinrichfung
der Grundbuchsgeometer ab 1. Oktober 1915 eine Angelegenheit
zum Abschluss gebracht worden ist, die ausweislich der gefüllien
Spalten «der Tageszeitungen grosse Bevölkerungskreise in Aufregung
versetzt und die Fachangehörigen 7 Jahre lang beschäftigt hat. _\ls
Vorbedingung zum dortigen Grundbuchgeometer wir! die Maturität
oder ein gleichwertiges Zeugnis und 5 Semester technische Tochschule
sefordert. Nach S. 185 und 186 der Zeitschrift desL. P. L. „Der Land-
messer", Heit S von 1917, hat die schweizerische Landesregierung den
Wert einer der Grundbuchsanlegung vorausgehenden sorgfältigen und
einwandfreien Grundstücksaufnahme klar erkannt und bringt zu diesem
Zweck ganz erhebliche Geldmittel auf (Geschäftsbericht des schweize-
rischen Justiz- und Polizeidepartemenis).
Unter allen Umständen, nach welcher Seite hin auch die Frage
über die Führung des deutschen Grundbuches gelöst werden mög,
wird es kaum zu umgehen sein, damit auch gleichzeitig (ie schon seit
langen Jahren schwebende Frage über «die Ausbildung des Vermex-
sungspersonales allgemein anzuschneiden. Es wird sich kaum vermei-
den lassen, durch reichsgeseizliche Regelung festzustellen, ob das
Vermessungswesen für die laufenden Tagesbedürfnisse der Volks-
wirtschaft hinreichend ausbauwürdig und entwicklungsfähig erscheint,
um cinen selbständigen Verwaltungszweig des öffentlichen l.c-
bens zu bilden. Die Staaten Bayern, Sachsen, Mecklenburg, die Schweiz
und fast alle Gemeindeverwaltungen haben diese Frage bereits in be-
jahendem Sinne beantwortet.
VI. (Nachschrift.)
Nach Fertigstellung meines Aufsatzes finde ich in Heft 7 Suite 97
bis 102 des „Landmessers“ vom 15. 7. 18 schon ganz bestimmte Vor-
schläge für die notwendige Reform des Grundbuches, u. a. die Her-
stellung einer Verbindung von Grundbuch und Kataster durch die Ein-
stellung eines katastertechnisch vorgebildeten Assistenten. Hierdurch
tritt die Angelegenheit nunmehr in ein anderes Stadium. Insbesondere
kann ich mir von dem Kataster-Assistenten eine dauernde Besserung
des gegenwärtigen unhaltbaren Zustandes nicht versprechen, da dieser
Beamte dem Grundbuchsrichter zu unterstellen wäre und die Be-
ziehungen des Assistenten zum Kataster alsdann gelöst sind.
Eine fernere Zurückhaltung meiner persönlichen Ansicht über die
zu treffenden Massnahmen, die in einer von schr geschätzter Seite ge-
äusserten Befürchtung von Kompetenzkonflikten zwischen richterlichen
und landmesserischen Organen begründet war, erscheint nun nicht
Zeitschrift für'_ Hlüser. Zur Gründung d. deutsch.Vereins f.Vermessungswes. 89
Vermessungswesen
nehr angemessen. Bereits vor 9 Jahren (Allgeineine Vermessungsnäach-
richten 1909 Nr. 16 Seite 239 habe ıch anlässlich der Besprechung
von hessischen vermessungstechnischen Tagesfragen die Mitwirkung
des Landmessers bei der Führung des Grundbuches berührt und dem
Landmesser eine ähnliche Dienststellung wie dem Amtsrichter gegen-
über Oberamitsrichter zugedacht. Nach dem heutigen Stand der Sache
kann ich eine endgültige Beseitigung der vorliegenden Missstände nur
in der Neuschaffung von planmässigen Stellen (Grundbuch-
landmesser) erblicken, denen die selbständige und verantwortliche
Führung des ersten Abschnittes, des Verzeichnisses der Grundstücke
und Abteilung I preussischen Stiles (Sachregister, Titel und Abteilung I
des Grundbuchblattes auf bayerischem und hessischem (Gebiet) zu
übertragen ist. Der Dienstbezirk des Grundbuchlandmessers würde mit
elwa zwei oder mehreren Amtsgerichtsbezirken zusammenfallen. Die
seitherige Behandlung der Rechte, Lasten, Beschränkungen mit den
sonstigen Rechtsfragen in dem zweiten Abschnitt und den Abteilungen
IT und III durch den Grundbuchrichter erleidet keinerlei Änderung. Die
Aufbewahrung der Grundbücher verbleibt in der seitherigen Weise.
Da, wie anzunehmen ist, durch die Trennung des Girundbuches in ein
landmesserisches und richterliches Arbeitspensum wohl eine ander-
weitige Formgestaltung des ersten Teiles wünschenswert erscheint, so
kann nach nutzbringender Verwertung von weiteren Erfahrungen die
Umgestaltung einem späteren Zeitpunkt anheimgestellt werden, nach
einer Reihe von Jahren, wenn Raummangel im Grundbuch eintritt.
Kostenfragen dürften der neuen Stelle des Grundbuchlandmessers
nieht hinderlich im Wege stehen, da richterliche Kräfte frei werden
und die seitherigen Kosten für Sehreibhilfe fortfallen.
Zur Gründung des deutschen Vereins für Vermessungs-
wesen. |
Der Aufruf unseres Vorsitzenden in Heft 12 des Jahres 1918 der
Zeitschrift für Vermessungswesen und des „Landmessers“ hat in den Kreisen
der Landmesser vielen Anklang gefunden, worüber unsern Mitgliedern nach-
stehend Bericht erstattet sein möge. =
I. Am 12. Januar d. Js. hat in Hännover eine Versammlung von 54
Fachgenossen stattgefunden, um zu den brennendsten Fragen
1. Die Landmesser und der Akademikerbund,
2. Zusammenschluss der Landmesser aller Berufsrichtungen nach
dem Vorschlage des Steuerrats Lotz
Stellung zu nehmen.
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft 4. 7
90 Hüser. Zur Gründung d. deutsch Vereins f.Vermessungswes. _ Zeitschrift für
a
Zu 1. Zunächst wurde bekanntgegeben, dass von den Fachverbänden
der Landesverband preussiseher I,andmesservereine und der Verband preus-
sischer Katasterkontrolleure sich dem am 14. 12. 18 zu Berlin in An-
lehnung an den „Akademischen Hilfsbund“ gegründeten „Reichsausschuss
der akademischen Berufsstände“ angeschlossen und ihre Vertreter gewählt
haben.
Zu 2 wurde mitgeteilt, dass am 27. Dezember 1918 mehrere Kollegen
aus Berlin und den Vororten zu einer Besprechung über die künftige Ge-
staltung des Landesverbandes und über den Zusammenschluss der Facl.-
genossen aller Richtungen zusammengetreten waren. In dieser Besprechung
war die Mehrheit der Meinung, es sei nötig, die grossen Fachvereine auf-
zulösen und eine allgemeine Landmesservereinigung mit Einzelmitgliedern
zu gründen. In dieser müssten sich dann sämtliche Berufsrichtungen ohne
Unterschied vereinigen und ausserdem würden überall Ortsgruppen zu
gründen sein. Auch war die Meinung vorherrschend, dass die Leitung
eines derartigen Verbandes nebenamtlich nicht möglich sei, dass diese viel-
mehr einem besoldeten Verbandssyndikus übertragen werden müsse. Ob
dieser Fachmann, Jurist oder Volkswirtschaftler sein solle, darüber waren
die Ansichten geteilt. Allgemein wurde betont, dass die Sonderbestrebungen
der einzelnen Fachrichtungen nur zum Schaden der Allgemeinheit betrieben
werden könnten. Das Ergebnis der Berliner Besprechungen war, dass
der Brandenburger Landmesserverein einen Antrag beim Landesverband
preussischer Landmesservereine stellen solle, worin die Gründung eines
einzigen grossen Vereines für ganz Deutschland angeregt werde und dann
auch die Frage der Bestallung des Verbandssyndikus und die Erhöhung
der Beiträge zu erörtern sei.
Nachdem eine Anregung, den z. Zt. bestehenden Ilannoverschen l.and-
messerverein im Sinne der neuen Bestrebungen auszubauen, mit der Be-
gründung abgelehnt war, dass dieser Verein bereits im Aussterben be-
griffen sei, wurde mit 52 gegen 2 Stimmen die Gründung eines neuen
Vereins mit dem Namen „Landmesservereinigung Niedersachsen“ beschlossen
und ein Vorstand von 6 Mitgliedern gewählt.
Jede der 6 Fachrichtungen stellt ein Mitglied und zwar
1. die Eisenbahnverwaltung den Oberlandmesser Blumenberg,
2. die Allgemeine Bauverwaltung den Regierungslandmesser Schmidt,
3. die Generalkommission (landw. Verwaltung) den Oekonomierat
Kummer, 5
4. die Katasterverwaltung den Katasterlandmesser Reinecke,
5. die Kommunalverwaltung den Oberlandmesser Jordan,
6. die selbständigen vereid. Landmesser den Landmesser Grimm,
sämtlich zu Hannover. Den Vorsitz übernimmt Oberlandmesser Blumenberg.
„Zeitschrift für Hüser. Zur Gründung d. deutsch.Vereins f.Vermessungswes. 91
ln Treat
Im Laufe der Verhandlung wurde noch ein dem „Landesverband
preuss. Landmesservereine“ und dem „Deutschen Geometerverein“ zu unter-
breitender Beschluss gefasst und zwar mit folgenden Forderungen:
1:
Verschmelzung sämtlicher deutscher Fachvereine zu einem grossen
nur aus Einzelmitgliedern bestehenden Verbande unter der Be-
zeichnung „Deutscher I,andmesserbund“ mit Ortsgruppen an allen
geeigneten Plätzen,
2, Schaffung einer einzigen Zeitschrift, „die allwöchentlich wissen-
3.
schaftliche, vermessungstechnische und volkswirtschaftliche Auf-
sätze bringt,“
Anstellung eines Verbandssyndikus,
4. Festlegung eines Beitrages von jährlich etwa 25 Mark.
Wie mir nachträglich noch mitgeteilt wurde, ist die Niedersächsische
Landmesservereinigung zunächst dem deutschen Geometerverein als Zweig-
verein beigetreten.
II. Am 10. Februar d. J. traten die 13 Vermessungsbeamten der
preussischen Spezialkommission Treysa zusammen und sandten an den
deutschen Geometerverein und den I.andesverband preuss. I,andmesser-
vereine die Erklärung ab, dass sie mit den Ausführungen des Steuerrats
Lotz grundsätzlich einverstanden seien und insbesondere folgende Anträge
stellen wollten:
1.
ID
Zusammenfassung aller Landmesservereine des deutschen Reichs
durch Neugründung eines „Deutschen Vereins für Vermessungs-
wesen“ unter Gliederung desselben nach landschaftlichen Bezirken,
. Anschluss dieses Vereins an den Reichsausschuss der akademi-
schen Berufsstände,
. Bildung einer Standesvertretung für alle deutschen Landmesser
durch Errichtung einer Landmesserkammer, welche bei Neuord-
nung oder Aenderungen des Vermessungswesens von Seiten der
zuständigen Behörden ein Mitbestimmungsrecht haben müsse und
namentlich für die Durchführung nachstehender Forderungen ein-
zutreten habe:
a) Reifezeugnis einer Vollanstalt für das Studium der Land-
messkunde,
b) Verlegung des auf 6 Semester zu verlängernden Studiums an
die technischen Hochschulen,
c) Schaffen einer neuen Landmesserordnung, |
d) Unterstellung desVermessungswesens unter dieReichsverwaltung,
e) Schaffung einer Einheitskarte, |
f) Einrichtung von Kreisvermessungsämtern, | |
g) Entlastung der wissenschaftlich vorgebildeten Landmesser von
allen untergeordneten örtlichen und häuslichen vermessungs-
92 Hüser. Zur Gründung d. deutsch.Vereins f.Vermessungswes. _ Zeitschrift für
> NONTIEE NEW REN
technischen Arbeiten, deren Ausführung den Vermessungs-
assistenten unter Verantwortung des Landmessers zu über-
tragen ist.
II. Am 23. Februar tagte in Cassel eine von 19 der in Cassel und
Umgegend ansässigen Landmesser besuchte Versammlung, die sich ebenfalls
die Besprechung des Lotzschen Aufrufes zum Ziel gesetzt hatte. Die
Versammlung wurde von dem Eisenbahnlandmesser Groos eröffnet, welcher
dem Unterzeichneten das Wort zu einer einleitenden Aeusserung über die
auch hier schon bekannt gewordenen Vorschläge der Berliner und Han-
noverschen Kollegen erteilte.
Oberlandmesser Hüser führte ungefähr folgendes aus:
Der in Hannover geäusserten Ansicht, dass die Fachvereine die Ein-
tracht unter den verschiedenen Fachrichtungen nicht gefördert haben, sondern
dass vielfach Sonderbestrebungen hervorgetreten sind, kann man nur bei-
ptlichten, auf die Anführung von Einzelheiten soll aber hier nicht ein-
gegangen werden, da eine derartige Kritik z. Z. nicht den geringsten Zweck
haben würde. Dagegen sei hervorgehoben, dass die früheren preussischen
Provinzial- und Ortsvereine sehr stark darunter gelitten haben. Einzelne
haben eine Menge Mitglieder verloren und mehrere sind gänzlich einge-
gangen.
Wenn nun auch das Vorgehen der hannoverschen Kollegen. im all-
gemeinen freudig zu begrüssen sei, so sei nach Ansicht des Vortragenden
die Bildung eines neuen Vereins nur dann von Nutzen, wenn er den
deutschen Geometerverein als Zweigverein beitrete, denn dieser sowohl
als die an den preussischen Landesverband angeschlossenen Orts- und
Fachvereine werden voraussichtlich ebenfalls die Vereinigung dieser beiden
grossen Verbände anstreben. “) Der deutsche Geometerverein sei im
Jahre 1871 mit der ausgesprochenen Absicht gegründet worden, das Ver-
messungswesen im ganzen deutschen Reiche mehr zu vereinheitlichen und
vor allen Dingen die Ausbildung der deutschen Landmesser, Feldmesser
und Geometer mehr auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen. \enn
nun auch das Endziel der Vereinheitlichung des deutschen Vermessungs-
wesens in den seit der Gründung verflossenen 48 Jahren noch nicht er-
reicht sei, so habe doch die Wirksamkeit des Vereins und vor allen Dingen
seine Zeitschrift inbezug auf die wissenschaftliche Vor- und Ausbildung,
wenn auch keinen vollständigen, so doch unbedingt einen grösseren Teil-
erfolg erzielt. er
Eine Auflösung des deutschen Geometer vereins würde auch wohl ihre-
grossen Schwierigkeiten haben, da diese nach der z. Z. bestehenden Satzung
*) Die Vereinigung Niedersachsen ist inzwischen unter Auflösung deg bis-
herigen Hannoverschen Landmesservereins dem deutschen Geometerverein als
AIeiBNeten beigetreten.
Zeitschrift für „ Hüser. Zur Gründung d. deutsch. Vereins f. Vermessungswes. 93
Vermessungsw j
1919.
nur auf einstimmigen Beschluss der letzten Hauptversammlung möglich
sei. Wann aber eine Hauptversammlung stattfinden könne, lasse sich in
dieser unruhigen Zeit noch gar nicht übersehen. Es sei indessen zweifel:
los, dass eine Umformung ermöglicht würde, die allen Ansprüchen genügt,
denn der Vorstand sowohl wie auch der grösste Teil der Mitglieder dürfte
von deren dringenden Notwendigkeit überzeugt sein.
Nach diesen einleitenden Worten des Unterzeichneten übernahm
Eisenbahnlandmesser Groos die Leitung der Versammlung. Er ging zu-
nächst näher auf die unter I. aufgeführten Beschlüsse der Landmesser-
vereinigung Niedersachsen ein und stellte dann folgenden Antrag:
a) Auflösung sämtlicher Fachvereine und zunächst Bildung eines
preussischen Landesverbandes, der später im Zusammenschluss
mit den übrigen deutschen Staaten in den deutschen Landmesser-
bund umzuwandeln sei,
b) Herausgabe einer Zeitschrift, über deren Ausgestaltung später
Entscheidung zu treffen ist,
c) Anstellung eines Volkswirtschaftlers als Verbandssyndikus im
Hauptamt, dem 6 Berater, also aus jeder Fachrichtung einer,
zur Seite zu stellen sind.
Nach längerer Aussprache entschied sich schliesslich die Versamm-
lung noch für die Bildung eines Vereins der Landmesser von Cassel und
Umgebung als Bezirksverein für den zu gründenden deutschen Landmesser-
bund. Sodann wurde ein vorläufiger Vorstand und als Vertreter der ein-
zelnen Berufsrichtungen die nachsteheuden Kollegen gewählt:
1. für die Katasterverwaltung Steuerinspektor Kleemann,
2. für‘ die landwirtschaftl. Verwaltung Oberlandmesser Hamann,
3. für die Eisenbahnverwaltung Eisenbahnlandmesser Groos,
4. für die Kommunalverwaltung Stadtlandmesser Dortans,
5. für die selbst. gewerbetreibenden Landmesser vereid. I,andmesser
Wellhnitz.
6. von der Wahl eines Vertreters der allgemeinen Bauverwaltung
wurde Abstand genommen, da in Cassel ein solcher nicht an-
sässig ist.
Auf Vorschlag des Eisenbahnlandmessers Lecher wurde dann noch
beschlossen, dem Verein technischer Berufsstände als Korporation beizu-
treten.
Da in der Ortsgruppe Cassel des deutschen Akademikerbundes die
Landmesser bereits durch den Landesökonomierat Hempel und den Eisenbahn-
Öberlandmesser Reis vertreten sind, wurde von weiteren Schritten in dieser
Angelegenheit vorläufig abgesehen.
Auch der neugegründete C'asseler Verein wird dem Deutschen Geometer-
verein als Zweigverein beitreten,
94 NHüser. Zur Gründung d. deutsch.Vereins f. Vermessungswes. „Zeitschrift. für
! “ ermen E+wenen
IV. Zum Schlusse sei noch eines Aufsatzes aus der Feder des Kol-
legen Dr. H. Wolff, Berlin in Heft 2 Seite 25 der Zeitschrift „Landmesser“
erwähnt, der sehr beachtenswerte Gesichtspunkte für die Bildung des
deutschen Landmesserbundes enthält.
In erster Linie wird vorgeschlagen, auch die Kulturtechnik mit in
das Arbeitsgebiet des I,andmessers hineinzubeziehen und den Verein
„Deutscher Verein für Vermessungswesen und Kulturtechnik* zu nennen.
Auch fordert er die Teilnahme der Landmesser an den zu erwartenden
Grenzvermessungen nach dem Friedensschlusse, an der Bearbeitung
der grossen Siedelungspläne, die Uebernahme der Landesautf-
nahme in das Zivilvermessungswesen und die Mitarbeiterschaft an den
grossen Problemen der Moor- und Oedlandskultur.
Für den ganzen Verein ist nur eine einzige wöchentlich erscheinende
Zeitschrift für Vermessungswesen und Kulturtechnik herauszugeben.
Diese soll wie folgt gegliedert werden: :Wissenschaftliche Mitteilungen,
Technische Rundschau, Nachrichten der Ortsgruppen, Personalnachrichten,
Hochschulnachrichten, Bücherbesprechungen und Bücherschau, Zeitschriften-
schau, Allgemeines.
Für den ganzen Verein ist ein Generalsekretär mit festem Gehalt.
anzustellen, der die Schriftleitung übernimmt und alle sonstigen Vereins-
angelegenheiten mit dem Arbeitsausschuss bearbeitet. Im Gegensatz zu
der in Hannover und Cassel zum Ausdruck gekommenen Ansicht, dass
dieser ein Volkswirtschaftler sein müsse, ist Wolff der Ansicht, dass der
Generalsekretär nur ein Fachmann sein könne.
Von den andern Vorschlägen sei hier nur noch erwähnt, dass Wolff
das von den Zeitschriften bis jetzt gezahlte Honorar als viel zu niedrig
bezeichnet und auch die im Verein gehaltenen Vorträge honoriert wissen will.
Zu alle den obigen Ausführungen möge dem Unterzeichneten folgende
Bemerkung gestattet sein:
Die in Hannover und Cassel geäusserte Ansicht, dass die Fachvereine
die Eintracht unter den Kollegen nicht gefördert haben, ist vollkommen
zutreffend. Namentlich den Provinzial- und Ortsvereinen haben sie entschieden
Abbruch getan. Der jetzt zuneuem Leben erwachte Casseler Landmesserverein
der Landmesserverein Trier, die Katastervereinigung Marienwerder sind
bereits eingegangen, der Rheinisch-Westfälische und der Schlesische Verein
haben sehr viele Mitglieder verloren und der Hannoversche Landmesser-
verein-ist, wie schon weiter oben angeführt, im Aussterben begriffen.
Diese: wenig erfreuliche Tatsache findet ihre Begründung in dem Um-
stande,. dass eine grosse Anzahl Kollegen, wenn sie ihrem alten Orts-
verein treu bleiben wollten, mindestens zwei, und wenn sie Mitglieder des
deutschen Geometervereins waren, drei Vereinen angehör en mussten, Rechnet
man nun die an die einzelnen Vereine zu zahlenden Beiträge zusammen,
: Vermansungswosen für Hüser. Zur Gründung d. deutsch. V ereinst.Vermessungswes,. 95
so wird der zu zahlende Gesamtbetrag dem auf 25 Mark vorläufig in
Aussicht genommenen Beitrag zu dem neu zu bildenden „Deutschen Verein
für Vermessungswesen“ nicht nur: erreicht, sondern zum Teil sogar über-
schritten, ohne dass eine entsprechende Gegenleistung dadurch erzielt wird.
Hoffen wir also, dass die Gründung des neuen Bundes ganz und voll
‚gelingen möge, ob unter dem Namen „Deutscher Verein für Vermessungs-
wesen“ oder „Deutscher I,andmesserbund“, darüber wird voraussichtlich
eine Einigung leicht zu erzielen sein. Die Bezeichnung Verein für Ver-
messungswesen eignet sich jedenfalls besser, weil der amtliche Titel „Geo-
meter“ in ganz Süddeutschland gebräuchlich ist.
Was nun die Ausführungen des Herrn Dr. Wolff betrifft, so ist be-
sonders der Vorschlag, „die Kulturtechnik mit in den Kreis der Be-
trachtungen zu ziehen“, ausserordentlich beachtenswert. Für die Land-
messer der Generalkommissionen in Preussen ist sie unerlässlich, ob dieses
auch für Süddeutschland der Fall, vermag ich nicht zu beurteilen. In
Mecklenburg ist die Kulturtechnik schon heute mit dem Vermessungswesen
eng verbunden, und was die Beteiligung an den grossen Kulturunternehm-
ungen, der Urbarmachung der Moore betrifft, so hat der Landimesserstand
bereits während des Krieges Verwendung und Anerkennung gefunden.
So sehr man nun auch den Ausführungen Wolfts betr. der künftigen
Ausgestaltung der Zeitschrift beipflichten muss, so darf doch die Tatsache
nicht unerwähnt bleiben, dass das Organ des deutschen Geometervereins,
die „Zeitschrift für Vermessungswesen“ in wissenschaftlicher Beziehung
geleistet hat, was bei den ihr zu Gebote stehenden Mitteln überhaupt zu
leisten war. .
Gerade das wurde ihr immer zum Vorwurfe gemacht, dass sie viel
zu viel wissenschaftliche Aufsätze bringe und die Praxis wie die soziale
Stellung der Landmesser zu sehr verhachlässige. Schon seit längerer Zeit
ist darin auch eine Aenderung eingetreten, die aber in der letzten Zeit,
weil während des Krieges die Zeitschriit nur einmal im Monat erscheinen
konnte, nicht so recht zur Geltung gekommen ist.
Zur Zeit wird der. geometrischen Praxis in Preussen durch den „Land-
messer“ in anerkennender Weise Rechnung getragen und so wird eine
v erschmelzung dieser beiden Zeitschriften für Preussen ihre Wirkung nicht
versagen. Ebenso kann die Vereinigung sämtlicher deutschen Landmesser
und Geometer nur dann gelingen, wenn sie durch sachgemässen Ausbau
des deutschen Geometervereins geschieht, in welchem heute schon alle
deutschen Staaten vertreten sind. Es wird dann ein Hauptaugenmerk darauf
zu richten sein, dass den süddeutschen‘ und den übrigen 4 ausserpreussischen
Staaten durch Vermehrung der Vorstandsmitglieder ein entsprechender Ein-
fluss auf die Leitung des Vereins gewährleistet ir.
Cassel, den 8. März 1919. A. Hiser.
96 Dömken. An alle Landmesser! „ Zeitschrift für
Y en gswesen
An alle Landmesser!
Der Aufruf in Nr. 12 des „Landmessers“ (1918, S. 176 flg.) zur
Schaffung eines alle Landmesser umfassenden Bundes hat in Niedersachsen
helle Begeisterung und freudigen Widerhall gefunden. Wir können die
Interessen unseres Standes nur dann wirksam vertreten, wenn wir uns zu
einem Ganzen zusammenschliessen und alle Sonderinteressen, alle Eigen-
brödelei der einzelnen Berufsrichtungen beiseite lassen. In diesem Sinne
wurde unter begeisterter Zustimmung am 12. Januar 1919 in Hannover
die „Landmesservereinigung Niedersachsen“ gegründet, der bis
jetzt über 160 I,andmesser aller Fachrichtungen beigetreten sind. Zweck
der Vereinigung ist: Vertretung unserer landmesserischen Interessen den
akademischen Berufsständen und den fachwissenschaftlichen Verbänden
gegenüber, die Förderung der geodätischen Wissenschaft in Theorie und
Praxis und die Stärkung unserer Zusammengehörigkeit. Der Vorstand
der „L. N.“ wird gebildet durch je einen Vertreter der 6 Fachrichtungen:
Allgemeine Bauverwaltung, ZEisenbahnverwaltung, Generalkommission,
Katasterverwaltung, Kommunallandmesser und selbständige Landmesser.
Herr Oberlandmesser Blumenberg*) wurde zum Vorsitzenden gewählt
und ist gleichzeitig unser Vertreter im hiesigen „Allgemeinen Akademiker-
bund“. Die „Landmesservereinigung Niedersachsen“ will, solange der L.P.L.
und der D.G.V. bestehen, einen Anschlussverein derselben bilden, hofft
jedoch, dass gemäss obigem Aufruf recht bald ein einziger, alle Fach-
richtungen umfassender Bund gegründet werden möge, dem alle Land-
messer als Einzelmitglieder angehören werden. Als Namen dieses neuen
Bundes wurde einstimmig |
„Deutscher Landmesserbund“
vorgeschlagen, im Gegensatz zu dem a. a. O. genannten Namen „Deutscher
Verein für Vermessungswesen“. Durch die Bezeichnung „Deutscher Land-
messerbund“ wird zum Ausdruck gebracht, dass ihm nur Landmesser
angehören. Sobald der „Deutsche Landmesserbund“ gegründet worden
ist, wird die „Landmesservereinigung Niedersachsen“ eine Gauvertretung
dieses Bundes für Niedersachsen bilden. In der Gründungsversammlung
der „L. N.“ wurde einstimmig folgender Beschluss gefasst: |
»Die heute in Hannover versammelten Landmesser aus Nieder-
- sachsen, Angehörige aller Fachrichtungen, erklären es für unumgänglich
notwendig, dass Anschlussvereine und Einzelmitglieder des L.P.L.
und D.G.V. sofort an diese Vereine mit folgenden Forderungen
herantreten: | ;
*) Hannover, Freytagstrasse 141.
Vormessungswonen Hochschulnachrichten. 97
„1. Verschmelzung sämtlicher Fachvereine zu einem einzigen grossen
Verbande mit Einzelmitgliedern unter der Bezeichnung „Deutscher
Landmesserbund“ mit Ortsgruppen an geeigneten Orten,
2. Schaffung einer einzigen Zeitschrift, die allwöchentlich wissen-
schaftliche, vermessungstechnische und volkswirtschaftliche Auf-
sätze bringt.
3. Anstellung eines Verbands-Syndikus.
4. Festlegung eines Jahresbeitrags von 25 M.,
(womit die heute in Hannover versammelten Landmesser sich besonders einverstanden
erklären). ER
Mehr denn je heisst es heute in der Zeit der Umwälzungen: Land-
messer, wachet auf! Wir stehen vor grossen, wichtigsten Aufgaben,
die wir nır gemeinsam lösen können. Darum, Landmesser, zeigt Korps-
geist, lasst das Euch beruflich Trennende beiseite, schliesst Euch zusammen
zu Gauvereinigungen und strebt mit uns danach, die allgemeine Vereinigung
aller Landmesser im „Deutschen Landmesserbund“ ins Leben zu rufen-
Nicht mehr eine einzige Woche ist zu verlieren, höchste Zeit ist es zu
handeln, um unsere Ziele zu verwirklichen. IL.andmesser, wachet auf und
folet unserm Beispiele!
Zur zwanglosen Zusammenkunft und als Treffpuikt für die Hannover besuchenden Kollegen
wird jeden Freitag Nachmittag von 5 Uhr ab im Gasthof „Brauergildehaus”, Am Georgsplatz, für uns
ein Tisch freigehalten.
Kat.-Landm. Dömilen.
Hochschulnachrichten.
Landwirtschaftliche Akademie Bonn. Am 5. Februar 1919
starb in Bonn nach kurzer Krankheit der ehemalige Trofessor an der
landwirtschaftlichen Akademie, Geheimer Regierungsrat Karl Huppertz,
72 Jahre alt. Geheimrat Huppertz war 1884 als Nachfolger von Professor
Dr. Schubert an die landwirtschaftliche Akademie als Dozent für Baukunde
und Meliorationswesen gekommen, nachdem er vorher als Regierungs-
baumeister der staatlichen Wasserbauverwaltung angehört hatte. Er wirkte
in Bonn bis zum Frühjahr 1914. Alle, die in diesen 30 Jahren an der
Akademie Kulturtechnik studierten, haben von seinen umfangreichen Kennt-
nissen und Erfahrungen viel Nutzen gehabt.
Viel Gutes hat er auch in öffentlichen Aemtern geleistet, so als Leiter
von Meliorationsunternehmungen in der Rheinprovinz, als Mitglied des ehe-
maligen Gemeinderats in Poppelsdorf, als Geschäftsführer und später als
Vorsitzender des Rheinischen Fischereivereins und dergl. Nach seiner
Ruhestandsversetzung hat er sich ganz der Arbeit für den Rheinischen
68 Prüfungsnachrichten. — Mitteilung d. Fürsorgeausschusses. „ZEUBERTIEE Dir
1919.
Fischereiverein gewidmet und er konnte vor einigen Jahren noch unserem
ehemaligen Kaiser und König über Fischereiwesen persönlich Vortrag halten.
Landwirtschaftliche Hochschule Berlin. Die geodätischen Vor-
lesungen und Uebungen beginnen im Sommer-Semester am Mittwoch, den
30. April 1919.
Zur Landmesserprüfung haben sich zum Frühjahrstermin 1919 ge-
meldet 16 Kandidaten.
Prüfungsnachrichten.
Bayern. Die letzte Staatsprüfung für den höheren bayerischen Ver-
messungsdienst wurde vom 1.—12. Oktober vorigen Jahres abgehalten: an
ihr beteiligten sich folgende 17 Diplom-Vermessungsingenieure, denen
sämtlich die Eigenschaft als Kriegsteilnehmer zuerkannt war und die zum
Teile unmittelbar von der Front weg in die Prüfung eingetreten sind:
Engelhardt, Friedrich, geb. 1390 | Rösch, Albrecht, geb. 1888 zu
zu München, | München,
‚Haider, Josef, geb. 1889 zu Abens- | Schreiner, Albert, geb. 1887 zu
berg (Niederb.), Weibersbrunn (Unterfr.),
Ibscher, Theodor, geb. 1887 zu | Sefranek, Ferdinand, geb. 1887 zu
| Mindelheim (Schwaben), Burgheim (Schwaben),
Kaglmayr, Franz, geb. 1887 zu | Seitz, Ferdinand, geb. 1889 zu
Griesbach (Niederb.), München,
Kloo, Jakob, geb. 1886 zu Rosen- | Sindel, Eduard, geb. 1887 zu Cadolz-
heim (Oberb.), burg (Mittelfr.),
Krenig, Richard, geb. 1891 zu | Steiner, Rudolf, geb. 18%7 - zu
Poppenhausen (Unterfr.), München,
Reiner, Georg, geb. 1889 zu Baben- | Strebel, Wilhelm, geb. 1890 zu
| hausen (Schwaben), Nürnberg,
Reiss, Josef, geb. 1888 zu Schwab- | Zitzelsberger, Franz, ceb. 1887
münchen (Schwaben), zu Hornbach (Pfalz).
Ritter, Karl, geb. 1886 zu Utz-
memmingen (Württemb.)
Hierunter haben 6 Prüflinge die Hauptnote II und 10 Prüflinge die
Hauptnote III erhalten; ein Prüfling hat nicht bestanden.
München, im Februar 1919. Oberarzbacher.
Mitteilung des Fürsorgeausschusses.
Die neueste Verfügung. vom Finanzministerium ordnet an, dass den
heimgekehrten Landmessern eine vorübergehende Beschäftigung im Kataster
.
Zeitschrift für Vereinsangelegenbheiten. 99
VERSBEOTERWEREN
bei Neu- oder Fortschreibungsmessungen gegen Tagegelder und Feldzulagen
zugewiesen werden kann. Gesuche sind mit Zeugnisabschriften an .die
Regierung, Katasterverwaltung, zu richten. I. A.: Retzgen.
Vereinsangelegenheiten.
Zur. Umbildung des Vereinswesens.
Auf den Aufruf „An alle Mitglieder" im Dezemberheft 1918
dieser Zeitschrift ist die an den Unterzeichneten erbetene grundsätz-
liche Aeußerung seitens einer Anzahl von Zweigvereinen bisher noch
nicht mitgeteilt worden. Ohne diese, welche notwendig zuvor bekannt sein
muß, ist das Eingehen auf Einzelheiten der Umformung unseres Vereins-
wesens jedoch von vornherein ein fruchtloses Beginnen. Die noch rück-
ständigen Erklärungen werden deshalb recht bald erbeten, damit die in
Aussicht genommenen Beratungen der Vertteter aller be-
stehenden Vereinigungen, aus welchen allein das neue Gebilde
hervorgehen. kann und soll, in absehbarer Zeit an einem günstig ge-
legenen Orte Mitteldeutschlands anberaumt wcrdiı können.
Bemerken will ich gegenüber einigen Zuschriften und Anfragen Einzelner
hier Folgendes: In dem neuen Vereinsgebilde sollen keineswegs die Minder-
heiten und anzuerkennende Sonderinteressen oder berechtigte Eigenheiten
zurückgesetzt werden. Jeder bisherige Bundesstaat soll mit seinen Fach-:
gruppen seine volle und gerecht abgemessene Vertretung in der Ver-
waltung, d.h. im Vorstande und den Landes- und den Fach-
Arbeitsausschüssen finden. Dies kann bei einigem guten Willen
unschwer erreicht ‘werden; denn die Arbeitsausschüsse werden sich
im Wesentlichen aus den Vorständen der Zweigvereine entnehmen lassen
und ihre Arbeiten für Sonderfragen ihrer Gruppen stets in Gemeinschaft mit
dem Gesamtvorstande einzusetzen haben.
Was die Benennung des geplanten Großverbandes betrifft, so stelle
ich neben meinen ersten Vorschlag: „Deutscher Verein für Ver-
messungswesen , nunmehr den weiteren: „Deutscher Reichs-
verband für Landmeßwesen", und wiederhole, daß mir die Wahl
eines unpersönlichen Ausdrucks mit Rücksicht auf die verschiedenartigen
Berufs- und Standesbezeichnungen der Fachgenossen und der sonst als Mit-
glieder erwünschten Personen, namentlich der Fachwissenschaftler, uner-
läßlich scheint. Denn in der Tat besteht eben in dieser Beziehung eine
gewisse, nicht wegzuleugnende, Empfindlichkeit gegenüber dem Versuch,
Hergebrachtes und Eingelebtes anzutasten. Also auch hier kann und soll
mit aller Schonung vorgegangen werden. Das ist um so leichter, weil der
geplante Großverein einen gewerkschaftlichen Aufbau ohnedies ebensowenig
zulassen wird, wie ihn die bestehenden Berufsvereinigungen seither haben,
da ihre Angehörigen in sich geschlossene berufliche Arbeitsgemeinschaften
mit völlig gleichen Interessen und unter gleichen Verhältnissen nicht bilden.
Der geplante große Verband wird also aus sich selbst heraus keine politische
Vertretung sein können; er wird vielmehr nach wie vor diese bei den poli-
tischen Parteien und den Abgeordneten zur National- und zu den Landes-
versammlungen zu suchen haben.. (Vergl. meine Ausführungen darüber in
100 Vereinsangelegenheiten. Eee ar.
1919.
Heft 3, Seite 51—54 der Zeitschrift „Der Landmesser‘ vom 15. März d. J.)
So gut und kraftvoll die Benennung „Deutscher Landmesser-
bund', nach dem Vorschlage der „Landmesservereinigung Niedersachsen“
in Hannover, auch klingen und wirken mag, ich halte sie für den über das
ganze Reich geplanten Großverein nicht für annehmbar.
Als Sitz des allgemeinen deutschen Verbandes. muß
m. E. notwendig ein Ort gewählt werden, an welchem die Mehrzahl der Be-
hörden vertreten ist, mit welchen unmittelbare Fühlung zu halten, für uns
wichtig ist. Zum mindesten muß der Ort in einem Verkehrsmittelpunkte sich
befinden, an dem auch die geplante ständige Geschäftsstelle ihren
Zweck zur Benützung ihrer Einrichtungen für alle Mitglieder erfüllen kann.
Ein wechselnder Vereinssitz, der dem Wohnorte des jeweiligen ersten Vor-
sitzenden zu folgen hätte, wie es im D. G. V. der Fall ist, kann künftig nicht
mehr in Betracht kommen.
Darauf hinweisen möchte ich noch, daß eine ganze Anzahl der jetzt be-
stehenden Zweig-undAnschlußvereine der D.G.V.undL.P.B.
sich ohne Aenderung ihrer Verfassung in den Großverein
werden einfügen können, welcher im Wesentlichen als ein zeitgemäßer Aus-
bau des „Deutschen Geometervereins" betrachtet werden kann. Dies gilt
nach meiner Beurteilung der Sachlage am ehesten für die süddeut-
schen Fachvereine, die mitRücksicht auf ihren kleineren Personen-
und Geltungskreis vielleicht der weiteren landschaftlichen Gliederung nicht
so sehr bedürfen, als die größeren preußischen.
Für die landschaftliche Gliederung des Großvegeins wird
als kleinstes Gebilde, besonders in Preußen, immer nur der Raum
einer Provinz in Frage kommen können. Wo ein unbedingtes Bedürf-
nis zu weiterer Unterteilung bestehen sollte, ohne welche die erwünschte
häufigere persönliche Berührung und Aussprache der Fachgenossen nicht
erreicht werden könnte, mögen noch Ortsgruppen gebildet werden.
Diese werden jedoch nicht als selbständige Glieder, sondern
stets nur zusammengefaßt durch den zuständigen Provinzverein in dem
Hauptverein vertreten sein können.
Schließlich bemerke ich ausdrücklich, daß die Tätigkeitder Vor-
stände des D.G.V. und L.P.L. ungestört in dem vorgeschriebenen
Wege fort geht, bis uns die vorgeschlagene allgemeine Aussprache über die
Umforinung des Vereinswesens zu weiteren Beschlüssen geführt haben wird.
‚Als Zeitpunkt für die Errichtung des Großvereins
wird m, E. frühestens, schon mit Rücksicht auf die Kassenangelegenheiten
der beteiligten Vereine, der 1. Januar 1920 in Betracht kommen können.
Hoffen wir, daß bis dahin unserm schwer geprüften deutschen Vaterlande
mit dem Frieden, Ruhe und Ordnung zurückgekehrt sein mögen und die ihm
inne wohnenden Kräfte sich seinem Wiederaufbau zuwenden können, an dem
unser Beruf unbestreitbaren und wichtigen Anteil zu nehmen haben wird.
Allenstein, den 25. März 1919.
| Der Vorsitzende des D.G.V. und L.P.L:
Ei
Der „Hannoversahe Landmesserverein“ hatsicham 1. Februar d.J.
aufgelöst. An seine Stelle tritt die an dem gleichen Tage neu gegründete
2
_ Zeitschrift für Vereinsangelegenheiten. 101
Y ne Hr
‚„‚Landmesservereinigung Niedersachsen“, Diese wird als Zweig-
verein des D. G. V. unter der Mitgliednummer 2148 — wie der alte —
geführt werden. Der Vorstand des D.G.V.
Bericht über die 25. Hauptversammlung des Vereins Mecklenburgischer
geprüfter Vermessungs-undKulturingenieure, abgehaltenam 28. Dezember1918
im „Reichshof“ zu Schwerin.
Tagesordnung:
1. Aufnahme neuer Mitglieder,
2. Rechnungsablage,
3. Vorstandswahl,
4. Dringliche Besprechungen über die Zukunft des Berufs.
Der Besuch der Versammlung litt unter den gegenwärtigen Reise-
schwierigkeiten. Es waren leider nur 13 Mitglieder erschienen und zwar
die Herren: Geh. Regierungsrat Brumberg, Senator Clauberg, Distrikts-
ingenieur Fensch, Regierungsingenieur Havemann, gepr. Vermessungs-
und Kulturingenieur Hermes, Distriktsingenieur Hülsebeck, Distrikts-
ingenieur Kortüm, Regierungsingenieur Krüger, Distriktsingenieur a. D.
Mauck, Regierungsrat Mumm, Distriktingenieur Schmidt, gepr. Ver-
messungs- und Kulturingenieur Stüdemann, Distriktsingenieur Timm.
Nachdem Punkt 1 der Tagesordnung erledigt war, erschienen noch
die Herren Distriktsingenieur Studemund und Regierungsingenieur Peters,
um an den folgenden Verhandlungen teilzunehmen.
Um 3 Uhr eröffnete Herr Regierungsrat Mumm die Versammlung.
Nach Begrüssung der Erschienenen gab er einen kurzen Rückblick auf
das Vereinsleben in der seit der 24. Hauptversammlung am 6. und 7. Juni 1914
verflossenen Zeit. Daraus sei Folgendes hervorgehoben.
Infolge des Krieges ruhte die Vereinstätigkeit fast; Hauptversamm-
lungen fanden nicht statt. Doch versammelte sich im Anfang des Jahres.
1918 eine grössere Anzahl der nicht im Felde stehenden Kollegen zu ge-
meinsamer Aussprache im „Reichshof“ in Schwerin. Bei dieser Gelegen-
heit machte Herr Geh. Regierungsrat Brumberg interessante Mitteilungen
über eine Besichtigung von Einrichtungen und Arbeiten des Kriegsvermes-
sungswesens auf dem westlichen Kriegsschauplatz.
Während des Krieges verlor der Verein 2 Mitglieder durch den Tod
und zwar die Kollegen Wrede und Schmidt (Malchin). Ein Mitglied
trat aus dem Verein aus. Die Versammlung ehrte das Andenken der Ver-
storbenen durch Erheben von den Sitzen.
an: Zeitschrift für <
1 02 Vereinsangelegenheiten Vormensungswasen
Der Lesezirkel ist infolge unregelmässigen Eingangs der Zeitschriften
und Einberufung beider Schriftführer zur Fahne in Unordnung geraten;
es wird von nun an wieder eine möglichst regelmässige Verteilung der
Zeitschriften angestrebt werden.
Der Vorsitzende wies darauf hin, dass sich im November d. J. ein
Bund der akademisch gebildeten Staats- und Gemeindebeamten gebildet
habe, in den der Eintritt sämtlicher Kollegen dringend zu empfeblen sei.
Nach diesen Mitteilungen des Herrn 1. Vorsitzenden trat man in die
Verhandlungen der einzelnen Punkte der Tagesordnung ein.
Punkt 1. Zur Aufnahme in unseren Verein hatten sich die Kollegen
Studemund und Peters gemeldet. In geheimer Abstimmung wurde die
Aufnahme beider Herren beschlossen.
Zu Punkt 2 der Tagesordnung ergriff Herr Kollege Stüdemann
das Wort und gab eine übersichtliche Darstellung der Kassenverhältnisse.
Von 1915 bis 1918 ist kein Beitrag für unseren Verein. erhoben worden.
die Ausgaben des Vereins beschränkten sich auf geringere Beträge. Das
Vereinsvermögen beträgt zur Zeit 320,10 M. (davon 166,10 M: Bestand
der Delegiertenkasse). Die Rechnungsprüfüng hat zu Erinnerungen keine
Veranlassung gegeben; die Versammlung erteilte dem Herrn Kassier Ent-
lastung und sprach ihm den Dank für seine Mühewaltung aus.
Punkt 3. Neuwahl des Vorstandes. Der bisherige 1. und 2. Vor-
sitzende sowie der Kassier erklärten leider von vornherein, eine etwa auf
ihre Person fallende Neuwahl ablehnen zu müssen. Das. Ergebnis der
Wahl war folgendes:
1. Vorsitzender: Distriktsingenieur Kortüm,
2: “ gepr. Vermessungs- und Kulturingenieur Hermes,
1. Schriftführer: Regierungsingenieur Havemann,
2. e Regierungsingenieur Krüger,
Kassier: Distriktsingenieur Studemund,
hechnungsprüfer: gepr. Vermessungs- und Kulturingenieur Stüde-
mann und Regierungsingenieur Müller.
Herr Regierungsrat Mumm dankte der Versammlung für das ihm
während seiner Tätigkeit als 1. Vorsitzender entgegengebrachte Vertrauen
und für die Unterstützung, die er während dieser Zeit von den Mitgliedern
erfahren habe und übergab den Vorsitz in der Versammlung dem Herrn.
Distriktsingenieur Kortüm. Dieser richtete namens des Vereins Worte
herzlichen Dankes an die nun aus dem Vorstand ausgeschiedenen Kollegen,
insonderheit an Herrn Regierungsrat Mumm für die im Vorstandsamt
geleistete fruchtbare Arbeit. Die Versammlung gab diesem Dank weiter
Ausdruck durch Erheben von den Sitzen:
Zeitsehrift tür Personalnachrichten. 103
ren
; Zu Punkt 4 der Tagesordnung fand eine lebhafte Ausprache statt,
als deren Ergebnis Folgendes festzustellen ist:
Der Verein ist sich darüber klar, dass die Neuregelung des Staats-
wesens in Mecklenburg auch eine durchgreifende Neuregelung des ver-
messungstechnischen und des kulturtechnischen Dienstes erfordern wird.
Der Verein erhebt Anspruch, an den massgebenden Stellen vor Einführung
solcher Neuordnung gehört zu werden. Die Versammlung beauftragte eine
Kommission, bestehend aus dem Vorstand und den Herren Geh. Regierungs-
rat Brumberg und Regierungsrat Mumm mit der Ausarbeitung von Richt-
linien für die Neuregelung im Vermessungs- und Meliorationswesen, um
diese Ausarbeitung den massgebenden Stellen zur Berücksichtigung zu
unterbreiten.
Es wird beschlossen, diese Richtlinien, falls es die Verhältnisse ge-
statten, einer Vollversammlung des Vereins vor der Ueberreichung bekannt
zu geben.
Gegen 6 Uhr wurde die Versammlung geschlossen.
Der erste Schriftführer:
Havemann.
Personalnachrichten.
Es wurden gewählt: Eisenbahnlandmesser Chr. Blank (Hannover)
in dem Wahlkreis Hannover-Hildesheim-Lüneburg-Braunschweig zum Ab-
geordneten für die preussische Landesversammlung, Katastergeometer und
Gemeinderat Rudolf Linkenheil in Schramberg zum Abgeordneten für
die württembergische Landesversammlung.
Preussen. Der ord. Professor an der Technischen Hochschule München,
Geheimer Hofrat Dr. Sebastian Finsterwalder ist zum ord. Professor
an der Universität Berlin und zum Direktor des Geodätischen Instituts
in Potsdam ernannt worden,
Katasterverwaltung. Versetzt sind die Kataster-Kontrolleure
Steuerinspektoren Bigalke in Glogau als Reg.-Landmesser nach Magde-
burg, Müller in Wallmerod nach Langenschwalbach. Eınannt sind die
Kataster-Landmesser Greve in Cassel, Kamolz in Gumbinnen, Scholz
in Oppeln, Brock in Marienwerder, Waldschmidt in Merseburg zu
Katasterkontrolleuren in Wallmerod, Tilsit, Glogau, Marienwerder, Lebach
und der Katasterlandmesser Schlue in Breslau zum Kataster-Landmesser
in Stettin.
Gemeindeverwaltung. Der Vermessungsinspektor Witte am
städtischen Vermessungsamt in Erfurt ist zum Vermessungsdirektor er-
nannt worden.
104 Personalnachrichten. Zeitschrift für
NR IT SEN
Landwirtsch. Verwaltung. Sterbefälle: Winkelmann, Reg.-
Landmesser im Kolonialdienst, am 13. 12. 18 in Saragossa (Spanien) ge-
storben; Heinemann, Reg.-Landmesser in Marburg, am 11.1. 19 gestorben.
Versetzungen: Jaeger, Reg.-Landmesser am 20. 12. 18 von Olpe,
Bezirk der Glk. Münster, nach Fulda versetzt und vom 1. 1.19 ab plan-
mässig angestellt; Förster, Reg.-Landmesser am 1. 1. 19 von Eschwege
nach Halle, Bezirk der Glk. Merseburg, versetzt; Brink, Landmesser am
1. 3. 19 von Fulda nach Limburg (Lahn), Kommiss. II, versetzt; Giede,
Reg.-Landmesser am 1. 4. 19 von Treysa nach Cassel, Spzk., versetzt;
Hupbach, Reg.-Landmesser am 1. 7. 19 von Schmalkalden nach Marburg
(Lahn), Spzk. I, versetzt.
Württemberg. Durch Entschliessung der Staatsregierung ist der
Bezirksgeometer tit. Vermessungsinspektor Steck in Ulm a. D. seinem
Ansuchen entsprechend unter Anerkennung seiner langjährigen treuen
Dienste in den bleibenden Ruhestand versetzt worden; ihrem Ansuchen
gemäss versetzt der Bezirksgeometer Blickle beim Katasterbüro auf die
Bezirksgeometerstelle Stuttgart- Amt, der Bezirksgeometer Häussermann
in Münsingen auf die Bezirksgeometerstelle Gmünd, der Bezirksgeometer
Grieshaber in Nagold auf die Bezirksgeometerstelle Reutlingen; über-
tragen wurde die Stelle eines Vermessungsinspektors beim Katasterbüro
mit den Dienstrechten der Expeditoren dem Bezirksgeometer Bond in
Ellwangen, die Bezirksgeometerstelle Hall dem Hilfsgeometer Seizinger
daselbst und die Bezirksgeometerstelle Oberndorf dem Hilfsgeometer
Geissler daselbst. -
Hessen. Am 9. Januar 1919 wurde der Katastergeometer Rechnungs-
rat Johannes Laubner zu Friedberg mit dem gesetzlichen Ruhegehalt
auf sein Nachsuchen unter Anerkennung der dem Staate geleisteten Dienste
in den Ruhestand versetzt; am 17. Januar 1919 wurde der Kreisgeometer
des Kreisvermessungsamts Grebenhain Karl Lichtenfels mit Wirkung
vom 1. April 1919 zum Kreisgeometer des Kreisvermessungsamts Grün-
berg ernannt; am 27. Januar 1919 wurde der Katasteringenieur bei dem
Katasteramt, Rechnungsrat Johann Heil zu Darmstadt mit dem gesetz-
lichen Ruhegehalt auf sein Nachsuchen unter Anerkennung der dem Staate
geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt.
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: Ueber die Doppelpunktsbestimmung in der
Aerophotogrammetrie, von Klingatsch. — Wer soll das Grundbuch führen, von
Spamer. — Zur Gründung des deutschen Vereins für Vermessungswesen, von
Hüser. — An alle Landmesser, von Dömken. — Hochschulnachrichten. —
Prüfungsnachrichten. — Mitteilung des Fürsorgeausschusses. — Vereinsange-
legenheiten. — Persenalnachrichten.
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart. j
Druck von Carl Hammer (Inh. Wilh. Herget), Kgl. Hofbuchäruckerei in Stuttgart.
XLVII. Band. Mai
5. Heft. 1919.
Zeitschrift für Vermessungswesen
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. O. Eggert,
Professor a. d. Techn. Hochschule in Danzig-Langfuhr
Preis des Jahrganges 10 Mark.
Im Postbezug 10 Mk. 10 Pfg. ohne Bestellgeld.
Verlag von Konrad Wittwer ın Stuttgart, Schloßstraße 14.
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: Minimumsprobleme für Summen absoluter
Beträge, vonSommer. — Ein neuer Kompass für Krokiaufnahmen, von Wolff. —
_ Welche Gesichtspunkte eröffnet der Plan einer
Berichtigung, von Boltz.
Einheitskarte grossen Maßstabes für die Umgestaltung des gesamten Vermessungs-
wesens, von V.Rönne, — ‚Bemerkungen zu der: vorstehenden Abhandlung, von
Lotz, — Bücherschau. — Zu den neuen Zielen des Deutschen Geometervereins,
von Oberarzbacher. — Tätigkeits- und Standesbezeichnung, von Rau, —
Vereinsangelegenheiten. — Hochschulnachrichten. — Personalnachrichten.
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gemeinen Senkrechtstellung der Vertikalachse —
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durch nur zwei Lattenablesungen scharf prüfen. Wenn er- |
forderlich erfolgt die Berichtigung durch eine kleine Drehung
der Justierschraube an der Nivellierlibelle, Kippschraube zur
Feineinstellung der Libelle und ’Libellenspiegel ermöglichen |
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für technische Zwecke besonders geeignet ist.
ZEITSCHRIFT ror VERMESSUNGSWESEN
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. O. Eggert,
Professor an der Techn. Hochschule
Danzig-Langfuhr, Hermannshöfer Weg 6.
Heft 5.
1919. Mi. Band XLVIII.
Der Abdruck von Original-Artikeln ohne vorher eingeholte Erlaubnis
der Schriftleitung ist untersagt.
Minimumsprobleme für Summen absoluter Beträge.
Von J. Sommer, Danzig-L.angfuhr.
Aus der Differentialrechnung sind die einfachen Methoden wohl be-
kannt, nach denen man diejenigen Stellen bestimmt, für welche eine stetige
Funktion f(z,, &; - . . 2.) Extremwerte annimmt, falls diese Stellen
innerhalb des Bereiches liegen, in dem die Funktion f stetige Differential-
ıuotienten erster Ordnung nach Xı, &, - . . u oder gar noch die sämt-
lichen Differentialquotienten zweiter Ordnung besitzt. Indessen versagen
diese elementaren Methoden meist schon für den Rand des Bereiches und
allgemein für- solche Bereiche, innerhalb deren die stetige Funktion f
Ausnahmepunkte besitzt, für welche einfache, d.h. eindeutig bestimmte,
stetige Differentialquotienten nach &,, %, . . . x. nicht mehr vorhanden
sind. u
Auf Extremumsaufgaben mit dieser besonderen Beschaffenheit der
‚um Extrem zu machenden Funktion würde man aber bei der Fehler-
ausgleichung geführt, wenn man den absoluten Betrag des Fehlers als
Mass des Verlustes wählen würde, statt des Quadrates, wie es heute
allgemein üblich ist. Sogar innerhalb der Methode der kleinsten Quadrate
haben die Untersuchungen über den Satz von Schreiber“) auf eine
Minimumsaufgabe der besonderen Art geführt. Es lässt sich nämlich
der Beweis dieses Satzes über die günstigste Gewichtsverteilung bei be-
dingten Beobachtungen auf die Lösung der folgenden Aufgabe zurück-
führen:
*) Man vergleiche darüber z.B. W. Jordan, Handbuch «der Vermessungs-
kunde. I. Bd. 6. Aufl. Herausgeg. von O0. Eggert. Stuttgart 1910 auf Seite 152
und insbesondere die Literaturangaben auf Seite 159.
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft >. )
106 Sommer, Minimumsprobleme für Summen absolut. Beträge. = Zeltschriftfür
rn
Die » veränderlichen Grössen #,, “g - - . X. seien miteinander ver-
knüpft durch m < nr lineare und linear unabhängige Gleichungen von 'der
Form:
dıkı 4 a2X2 +... Wan = di
a ee |
deren Koeffizienten «;. und Absolutglieder 7; gegebene reelle. konstante
Zahlen sind. Man soll diejenigen Werte der Veränderlichen .,. angeben.
für welche die Summe ihrer absoluten Beträge
PA FDEe De
ein Minimum erwirbt.
Diese Aufgabe ist nicht durch die Methode der Differentiationen
lösbar. Ich gebe in Folgendem die Mittel zu ihrer Lösung an und zeige
auch, dass eine ganze Klasse von viel allgemeineren Problemen nach der
neuen Methode erledigt werden kann.
Nach Ausarbeitung meiner lösung bin ich darauf aufmerksam we-
worden, dass die spezielle Aufgabe, von der wir ausgehen, bereits von
Herın Bruns”) gelöst worden ist. Es scheint mir aber dennoch nütz-
lich, meine anders geartete Darstellung, welche durch die allgemeinere
Auffassung auch über die Lösung des Herrn Bruns hinausgeht, an dieser
Stelle zu veröffentlichen, indem ich damit zugleich dem Wunsche von
Herın Eggert entspreche, auf dessen Anregung diese Darstellung ent-
standen ist. Man sollte in der Tat wünschen, dass die einfachen Auf-
gaben bekannter werden und auch im Unterricht zur Klärung der für die
Ixtremaufgaben notwendigen Einschränkungen Berücksichtigung finden.
$ 1. Spezialfälle.
Um den Charakter der Aufgabe vollstäpdig klar zu legen, sollen vor-
erst einige Spezialfälle behandelt werden. Wir nehmen einmal n = 2,
m = 1 und schreiben wie üblich x, y anstatt x,. %,. dann haben wir
folgende Aufgabe zu lösen: |
1. Aufgabe. Die Veränderlichen x, y sind durch eine Gleichung
verknüpft:
h JerpBy+r tet,
in welcher 1, B, C reelle, gegebene Konstante sind. Man soll diejenigen
Werte von x, y bestinnmen, für welche die Summe
2=|a«|+|»|
ein Minimum wird.
Vorbemerkung. Die Form unserer Aufgabe, im allgemeinen Fall
und in dem Spezialfall, ist eine rein arithmetische. Man kann aber stets
*) I. Bruns. Ueber eine Minimumsaufgabe. Math. Annalen Bd. 20. Leip-
zie 1882. p. 655 fle.
Zeitschrift für‘ Sommer. Minimumsprobleme für Summen absolut. Beträge. 107
Fermstzungemosen j
auch z, y als Koordinaten deuten. und wenn man den Betrachtungen ein
rechtwinkliges Cartesisches Koordinatensystem zugrunde legt, so stellt ein
Zahlenpaar x, y einen Punkt. oder wie man auch sagt, eine Stelle in der
“-y-Ebene und Z = 0 (falls nicht zurleich A und B verschwinden) eine
(rerade in derselben vor. so dass man nun jeder arithmetischen Aussage
eine gleichwertige weometrische gegenüberstellen kann. Die Summe
Ss 'r|+]|y! ist dann die Länge des rechtwinklig gebrochenen
koordinatenzugs zu dem Punkt (z, y) und unsere Aufgabe selbst lautet
in geometrischer Form: Auf der Geraden Z = 0 denjenigen Punkt zu finden,
zu welchem der kürzeste rechtwinklig gebrochene Koordinatenzug gehört.
Natürlich kann man auch die l.ösung der Aufgabe in arithmetischer
oder geometrischer Formulierung vortragen und wir wollen der Anschau-
lichkeit weren gerade die letztere voranschicken. indem wir alle in der
Aufgabe enthaltenen Forderungen an einer Figur erläutern.
2, | X
I INS 6-
me, N
pP L ı x. | \ \
7 Y EN
G- N
zZ 7 59 N N? \
| Br >
p
\ ED 2
Sr ST v Ä
N N / PB
R N NY
EN 2
\ 2?
\ 4 <
\ 7
N
"ie. 1.
ls sei nun in Fig. 1 bis 5 Z die gexebene Gerade L — 0 und P
ein beliebiger Punkt derselben. dann bestimmen wir die zu P gehörige
Summe 2 = |2|+|jy| und stellen das Zahlenpaar (x, 3) wiederum
durch einen Punkt Q vor. alsdann beschreibt Q einen gebrochenen offenen
108 Sommer. \Minimumsprobleme für Summen absolut. Beträge. _ Zeitsehrift für
- ; \ a
Polygonzug Z, wenn P die Gerade ZL durchläuft. In der Tat ist die
(leichung
424 0 |
elle er
immer darstellbar in der Form:
und man erhält drei verschiedene Summen für die drei Abschnitte des
dureh 2 = 0 und den Abszissenachsenabschnitt der Geraden ZL, also
Ü R e 2 2
v=—,j geteilten Bereiches vonz = —»bise=-+ m», indem x an der
; s Ac+C CC.
Stellez =0,und andererseits y= — erl an der Stelle x = — g sein
Vorzeichen ändert. In jedem der Teilbereiche ist aber die Beziehung
zwischen x und S linear, d.h. durch ein Stück einer Geraden dargestellt.
Hierbei ist stillschweigend vorausgesetzt, dass die Gerade /; beliebig liegt.
Ist Z parallel zu einer der Achsen, so tritt an Stelle des dreiseitigen
l’olvgonzugs ein zweiseitiger, oder eine Halbgerade.
Unsere Aufgabe besteht darin die kleinste Ordinate des Polygonzugs
7 zu bestimmen. In den beiden Figuren 1 und 2 gehört diese kleinste
Zeitschrift für_ Sommer. Minimumsprobleme für Summen absolut. Beträge. 109
ER
Ordinate zu einem Punkt m, in welchem / zwei verschiedene Tangenten
oder, wie man auch sagen kann, zwei (von Null verschiedene) Differential-
quotienten besitzt. In der Figur 5 enthält 7 eine Strecke parallel zur
xz-Achse und die Ördinaten der übrigen Punkte von /Z sind grösser als
die Ordinaten der Punkte jener Strecke. In diesem Fall itA=+P
und die Gerade /, verläuft parallel zu einer der Winkelhalbierenden des
Koordinatensystems. so dass F für alle Punkte von Z. die auf der durch
\
\2 fo
" 2
Fie. 5.
die Koordinatenachsen ausgeschnittenen Strecke liegen, denselben : Wert
annimmt, der nicht grösser ist als der für irgend einen andern l’unkt
von ZL. In diesem Ausnahmefall hat nun zwar I für alle Werte von &
. - Ü . [0 . . .
zwischen 2 = 0 und x = — 4 einen verschwindenden Ditterential-
2 . . G .
quotienten, jedoch hat Sin r—=0 undz — — y ausserdem noch einen
zweiten von Null verschiedenen Difterentialquotienten. und jedenfalls zeigen
unsere drei Beispiele, dass man die Bestimmung der kleinsten Ordinate
(bezw. Ordinaten) von Z nicht mehr auf die gewöhnliche Regel der Ditte-
rentialrechnung gründen kann.
110 Sommer. Minimumsprobleme für Summen absolut. beträge. Zeitschrift für
Vermessungswesen
1919.
lösung. Es sei nun 9 irgend eine reelle positive Zahl und (z, %)
ein P’unkt ?, für welchen |xe|-+|y| = 6 ist. dann sind die Variabeln
x. y zwei Zahlen, welche einerseits den beiden Ungleichungen
(D) 0<|jz|<e, o0<!y| <eo
und mindestens einer der Gleichungen
+xıty = 0
(2) ol,
z — 01 —y- 060
—ı ty =060
zenügen. Dabei sind die Ungleichungen (1) so zu verstehen, dass z. B.
«© nur einer der beiden Ungleichungen 0 < x <o odr —o <r<oO
venügt, je nachdem die Veränderliche 'in der zutreffenden Gleichung (2)
mit positivem oder negativem Vorzeichen versehen ist, und das gleiche
silt für y. Die letzten Gleichungen kann man übrigens in der Schreib-
weise zusammenfassen
(2°) a A
Dies heisst: der geometrische Ort aller Punkte (z, y). für welche
'z|+|y| = 6 ist, ist der Umfang eines Quadrates mit den vier auf
den Koordinatenachsen liegenden Ecken (0, 0), (0, 0), (— 0,0), (0, — ©).
Zu jedem 0 > 0 gehört ein bestimmtes Quadrat, sowie umgekehrt: und
wir wollen die Begrenzung dieses Quadrates, welche also aus den vier
Seiten besteht, mit U, und das von der Begrenzung umschlossene Gebiet
mit Hinzurechnung der Begrenzung selbst als den Bereich 8, bezeichnen.
Ist nun (x, y) irgend ein Punkt innerhalb des Bereichs B,, so ist. wie
man ohne weiteres einsieht, |x | + | y | < 0, liegt aber (z, y) auf T,.
soiist |x | +|y| >= 0 und wenn (x, y) ausserhalb ®, liegt, so wird
endlich || +|y| > eo.
Wenn nun eine Gerade Z durch das Innere des Bereiches 8, hindurch-
geht, so schneidet sie den Umfang U, in zwei Punkten, für welche
_=|z|+|y| = 6 ist, während für die zwischenliegenden Punkte
2 < 06 und für die ausserhalb liegenden 5 > 0 wird. Ks möge jetzt
Oynin der kleinste Wert sein, welchen 5 auf der Geraden Z annimmt,
dann darf offenbar Z mit dem Bereich Dar keinen inneren Punkt ge-
meinsam haben. Das ist nur so möglich, dass
1. entweder Z durch eine der auf den Koordinatenachsen liegenden
Ecken von ®, „ hindurchgeht. oder dass
2. I, eine Seite von U, er enthält.
mi
Der zweite Fall kann nur eintreten, wenn die Gleichung von Z, d.h.
t2+ By+Ü = 0 eine spezielle wird, mdem A = + ist, und als-
. \ v Kl
dann haben wir den schon besprochenen Ausnahmefall der Figur 3.
. Zeitschrift für Nonmer. Minimumsprobleme für Summen absolut. Beträge. 111
\ ee, :
1919.
In jedem andern Fall. wo A + 2 ist. tritt das Minimum von 3
einzig für den Schnittpunkt der Geraden / mit einer der beiden Koordi-
natenachsen ein. Hieraus ergibt sich für die Bestimmung des Minimums
die Anweisung: Man setze in der Gleichung /, = 0 nacheinander . —= 0
und y = 0 und bestimme durch Einsetzen den kleineren unter den zwei
Werten 2 = 0+| y| oder r= |x|+0, dieser ist dann das ge-
suchte Minimum. Sind aber diese beiden letzteren Werte gleich, dann
sibt es eben unendlich viele Punkte einer Strecke, für welche I denselben
kleinsten Wert besitzt.
Wegen der Ausdehnung auf beliebig viele Veränderliche wollen wir
nun die Lösung auch noch in ihrer rein arithmetischen Form darstellen.
die natürlich nichts Neues enthält gegenüber der geometrischen Darstellung.
Lösung in arithmetischer Form. Man bemerkt zunächst,
dass die Summe 2 = | r,-+ y| eine stetige Funktion der beiden Ver-
änderlichen x. y für alle endlichen Werte derselben ist, und wenn x, y mit-
einander durch die Gleichung Z 42+By+(C = 0 verknüpft sind,
so ist 3 eine stetige Funktion von x oder von y, falls diese als unab-
hängig genommen wird. Nun ist 5 > 0, d.h. die Werte von 2 haben
eine untere Grenze, die > 0 ist, also nimmt 2 für ein der Gleichung
L — 0 genügendes Zahlenpaar ., y einen kleinsten Wert > O0 an. Für
“= +. wird auch 5 unendlich gross.
Ist zunächst speziell C = 0. so kann man die Beziehung zwischen
z und y einfacher schreiben: Z mz —y = 0 und es wird
z—='z!)1+jm|},, woraus man leicht sieht, dass erstens 2 jeden
speziellen Wert 0 > 0 für zwei entgegengesetzte Werte z = +a und
# — — a annimmt und dass zweitens. wenn 5 die positiven Werte 0,
und % > 0, für | 2, = |u | bew. :z| = |a,| besitzt, stets
Ia| <|a,| oder — a, < aı ta, ist, wonach die Werte von x,
für welche die zu dem Z = 0 gehörigen Werte Y < 0o ausfallen, einen
stetigen Bereich erfüllen.
Andererseits erfüllen alle Wertesysteme (x, y), für welche überhaupt
|ei+|y| = 6 ist, einen eindimensionalen zusammenhängenden Bereich
U,. denn jedes derartige Wertsysten genügt gleichzeitig den Ungleichungen
(1) 0< || <E®, o<!yl <e
und einer der vier Gleichungen. welche wieder in der Form zusammen-
fassbar sind:
(2°) EEG
Betrachten wir nun zwei Wertepaare (z,, y,) und (&,. 45). für welche 5
denselben Wert 0 annimmt, derart. dassalso |; + | u, |]=|a|+ ||
= 9 ist, und bezeichnet % eine beliebige positive Zahl. dann liegt
»,4+ 4x „+ Ay
2
e=- --- zwischen „», und ., und ebenso liegt y = IE zwischen
112 Sommer. Minimunmsprobleme für Summen absolut. Beträge. _, Zeitschrift für
\ Bewegen
2, +42 Yı tr tn
re u a nr |
Strecke zwischen den Punkten (zı, Y,) und (z,, Y). Nun ist für ein
solches (2, 9):
y, und %,, oder genauer, der Punkt ( =) liegt auf der
+48. YtAy
= lelel a. oa.
UT, a 3. rt Ya
diese Wertesysteme (x, 4) erfüllen somit einen N Bereich und wenn
wir die bisherigen Resultate zusammenfassen, so folgt. dass alle Werte-
paare (x, y), für welche B < 0 ausfällt, einen zusammenhängenden zwei-
dimensionalen Bereich B, ausmachen, dessen Begrenzung U, ist.
Sind-0, und 0, irgend zwei positive Zahlen, 0, > 01. und sind ®,..
B,, die zugehörigen Bereiche, so ist ®B, in ®,, enthalten, insbesondere
liegt auch U, ganz in B,.. |
Kehren wir zu der Betrachtung der Funktion 3 für das allgemeine
L= Axr+By-+C = 0 zurück und nehmen wir an, dass es ein Zahlen-
paar aus Z = 0 gibt, für welches 2 = 0, ist, dann gibt es, da 3 stetig
nach -—— © wächst, auch mindestens ein Zahlenpaar, welches der Be-
grenzung U, und L = 0 gemeinsam ist und wir können jetzt weiter zeigen,
dass 3 für ZL = 0 kein relatives Maximum annimmt. *)
Nehmen wir nämlich an, für eine Lösung (X, 4.) der Gleichung
L= Atut+Bynt0C=0 sei Z—= || + |Ym | = 0, dann gibt
es zu einer beliebig kleinen positiven Zahl € stets ein Zahlenpaar (x,. %,)-
für welches ,=0ist und 2 = |z,|+|y, | =0-+ ausfällt. Dieses
Zahlenpaar (x,, 4,) gehört der Nachbarschaft von (z,., Yu) an, wenigstens
wenn 4 -: B ist, denn alsdann hat Z = 0 mit einer der Gleichungen
txz+y = 0-+E eine Lösung gemeinsam mit der Nebenbedingung
I|z.1So+e, || So+te Indem Fall A= +B aber gibt
es einen zusammenhängenden Bereich von Werten der Relation L = 0,
für welche 5 = 0 wird, während sonst offenbar 2 > 0 ausfällt. Also
kann 3 in (x, Y%.) kein relatives Maximum annehmen. |
Ohne dass es nötig wäre, die sehr einfachen Beweise im Einzelnen
noch auszuführen, können wir hienach folgende Behauptungen aufstellen:
1. Die Summe 3 hat für Z = 0 nur ein absolutes Minimum und kein
weiteres relatives Minimum.
2.L=0 hat, wenn A -: + B, mit dem Bereich U, höchstens zwei
Wertepaare oder Lösungen (bezw. keine oder eine einzige Lösung) gemein.
2 C . i
3.It A=+B, dan hat , = 0 für 0 = 4 : mit U, die
sämtlichen Werte eines endlichen Bereiches (wie man auch arithmetisch
sagt: eine Strecke) gemeinsam.
5 Vergl. hiezu die zweite Beeründung beim allgemeinen Fall in $ 2.
Zeitschritt für NS« . Mini ür Ss SR 5
Vermensungserenen ;mmer. Minimumsprobleme für Summen absolut. Beträge. 113
Genau wie bei der geometrischen Betrachtung schliesst man jetzt
weiter, dass Omin ein kleinster Wert von 3 ist. wenn L = 0 mit dem
Bereich Vom nur eine Stelle gemeinsam hat. oder im Ausnahmefall eine
Strecke. Anders ausgedrückt kann man auch sagen, dass Z= 0 keinen
Punkt enthalten darf aus dem Innern von Daran und dies ist. vom Aus-
nahmefall abgesehen, nur möglich.”) wenn entweder » = 0 oder y = 0
ist, womit wir zu dem früheren Resultat zurückgelangt sind.
Die Ausdehnung der bisherigen Betrachtungen auf die allgemeine
Aufgabe ist nicht schwierig, doch möge zur weiteren Erläuterung der Fall
n —= 3 noch kurz vorher erledigt werden. Wir haben alsdann noch zwei
Möglichkeiten, bei deren Formulierung wir x. ». z an Stelle von aı. «u. ıra
schreiben wollen.
2. Aufgabe. Die drei Veränderlichen x. y. z genügen der Gleichung
L Ar+By+Cz+D=0. worin A, B. Ü, D gegebene reelle
Konstante sind. Man soll diejenigen, der Gleichung Z — O0 genügenden
Werte der Veränderlichen angeben. für welche
ee
einen kleinsten Wert annimnit.
Vorbemerkung. Wir können uns x. y. 2 deuten als Koordinaten
in einem räumlichen rechtwinkligen System. Auf ein solches bezogen stellt
L = 0 eine Ebene vor, und 2 = |z. +|y|-+|z]| ist die absolute
Länge des gebrochenen Koordinatenzugs zu dem Punkt (z, y, 2). Die
Summe 3 für die Punkte der Ebene /, = 0) ist eine Funktion von noch
„wei unabhängigen Veränderlichen. Seien diese x, y und tragen wir über
jedem Punkt (z, y) der x-y-Ebene den Wert von 3 als dritte Koordinate
auf, so ist der geometrische Ort aller Punkte (=, y, 2) ein offenes, ins
Unendliche gehende Polyeder, dessen Kanten über den Schnittlinien der
Ebene ZL = 0 mit den Koordinatenebenen liegen. Die Aufgabe fordert
den tiefsten Punkt dieses Polyeders zu bestimmen. Ä
l,ösung. Die Summe Z ist eine stetige Funktion der freien Ver-
änderlichen und auch stetig in Z. 3 wächst mit x, y. £ über alle Grenzen
und nimmt für einen Punkt der Ebene L = 0 einen kleinsten Wert > 0
an. Ist nun 0 irgend eine positive Zahl, so wird der Bereich 8, aller
Punkte, für welche 2 < 0 ausfällt, gebildet durch die Punkte innerhalb und
auf der Begrenzung eines Oktaeders (vergl. Fig. 4) mit den Ecken (0.0.0),
(0, — 0, 0), (— 0, 0, 0), (0, 0, 0), (0, 0, 0) und (0, 0, — 0). Die acht
*) Angenommen (z,,,) sei eine Lösune von A=0undz..B. +20 -+v=e,
mit der Nebenbedingunge 0 < 2, < 0.0 < y, < o, dann gibt es nämlich'auch
eine von dieser Lösung unendlich wenig verschiedene Lösung der Gleichungen
L=0, +c+y=o0-- e (mit der Bedinmung 0.“ 2’ <o.0 Iy' < oe.
. Mint ps ) ‚ Beträge. Zeitsehrirt für
114 Sonmer. Minimumsprobleme für Summen absolut. Beträg NH
| 1919.
Seitentlächen dieses Oktaeders, welehe wir wieder durch die Relationen ” }
darstellen können
(8) 0<I|a|l <e. oT IyI seo 1 Ii2 6
(4) ut We er ee
sind der zeometrische Ort aller Punkte, für welche X - 9 ausfällt.
A
a
A ER
2% j = W
N “ N
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7 % Au N
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NN N ee 2 z
\ \ Ns 4 r4
DEN v
N
NN E a
N laz
NG
Fir. 4
Bezeichnet man wieder mit Om den kleinsten Wert von 5 für die
Punkte der Ebene ZL. so hat die Ebene Z mit. Don nur Punkte seiner
Begrenzung, aber keinen innern Punkt gemeinsam. Das ist nur so
möglich,
1. dass entweder Z mit ®, R eine Seitentläche wemeinsam hat, näm-
nn }
. ‘ . . D
lich vn A=+B=+(C ist. und dann ist Oym = | FR: oder
9. dass L mit B, eine Kante gemeinsam hat, nämlich wenn ent-
mm)
weder 1 — +B, oder —+L(C oder endich 2= +C ist. Ist z.B.
A — + B und gleichzeitig |A|I>]|C],. so wird Inn = | ; : oder
3. dass / mit Daran eine Ecke gemeinsam hat.
”, Die Tngleichungen sine hiebei wieder so zu verstehen. dass entweder
"2x2 ooder—o ‘x 0 ist. je nachdem x in Gleichung (4) das Vorzeichen
+ oder -- hat. nsw.
Zeitschrift für Sommer. Minimumsprobleme für Summen absolut. Beträge. 115
Vermessimrzswesen s
1919
Daraus folgt aber: das Minimum von 5 für 4 = 0 tritt für den
Schnittpunkt der Ebene Z mit einer der drei Achsen ein. Hieraus er-
hält man wieder eine ganz analoge Anweisung zur Bestimmung des Mi-
nimums wie bei der ersten Aufgabe.
3. Aufgabe. Die Veränderlichen x. y. z genügen den beiden Glei-
chungen:
L, Aıx+PRy+tCz+tDı = 0
I, A, + B,Y + U5£ + D, ==],
mit reellen segebenen Koeffizienten. Man soll diejenigen Werte der Ver-
änderlichen bestimmen, welche diesen beiden Gleichungen genüren und für
welche die Summe
Z=jelt|is. +:
den kleinsten Wert annimmt.
l.ösung. Die beiden Gleichungen Lı = 0, 1, = 0 stellen eine
Gerade Z im Raum vor. Ist wiederum Gin (der kleinste Wert, den 7
auf der Geraden /, annimmt, dann hat die Gerade Z mit dem oktaedrischen
Bereiche De um keinen inneren Punkt, sondern nur Punkte der Begrenzung
vemein. Das ist aber nur so möglich, dass entweder
1. die Gerade Z in einer Seitenfläche von Dora liegt. Dann kann
man einen Faktor A angeben. so dass Li +2, —= 0 diese Neitenebene
darstellt, oder mit anderen Worten, dass | Aı +74, — |Bı+triB,|
— |C, +30, | wird; oder dass
2. die Grerade Z, eine Kante des Oktaeders Dean, schneidet. und im
Ausnahmefall durch eine Ecke des Oktaeders hindurchgeht. Die Kanten
liegen in den Hauptebenen des Koordinatensystems und somit erhält man
für die Bestimmung des Minimums wieder folgende Anweisung:
Man setze in den Gleichungen Lı = 0, Z, = 0 eine der drei Ver-
änderlichen gleich Null und löse die Gleichungen nach den übrig bleibenden
auf. Anders ausgedrückt: man bestinnme die Schnittpunkte der Geraden Z
mit den drei Koordinatenebenen und sehe danach, für welchen ' dieser
Schnittpunkte F den kleinsten Wert annimmt. Dieser ist das gesuchte
Minimum. Nimmt I für zwei dieser Schnittpunkte denselben Wert an.
so liegt Z in einer Seitenebene von Dora und Y' nimmt denselben Wert
Oyin für alle Punkte einer Strecke an.
s 2. Der allgemeine Fall.
Die bisherigen Betrachtungen führen uns auf die Begriffe der n-
dimensionalen Geonietrie und jeder, der mit diesen Begriffen umzugehen
weiss, wird ohne Schwierigkeit nun auch die allgemeine Lösung anschreiben
können. Indessen handelt es sich dabei nur um eine Ausdehnung der geo-
metrischen Ausdrucksweise auf arithmetische Tatsachen und wir brauchen
nur unsere arithmetische Lösung zu verallgemeinern.
116 Sommer. Minimumsprobleme für Summen absolut. Betrüge. __ Zeitschrift für
v SEESDINERWEASE
Wir können uns die m. als linear unabhängig vorausgesetzten. Glei-
chungen
(1) a a a a 2 I en
-
nach einer Gruppe von m der Veränderlichen aufgelöst denken. z. B. nach
In-mtil In-m+% * + + Zu, Indem wir annehmen, dass die betreffende, im
Nenner der Lösung auftretende Determinante - 0 ist, dann sind diese
Werte lineare Funktionen der übrigen Veränderlichen &,. &2- - - - Zu m-
Man kann diesen unabhängigen \Veränderlichen jeden beliebigen Zahlen-
wert beilegen und erhält also ©"-' Jösungen der Gleichungen I. Bloss
um eine bequeme kurze Bezeichnung zu haben. kann man die arithmeti-
schen Begriffe mit folgenden Namen belegen. Die Veränderlichen rı. z..
. x„ sollen Koordinaten heissen, bezogen auf ein rechtwinkliges r-
achsiges Koordinatensystem im n-dimensionalen Raum R,. Eine Zahlen-
gruppe (zı: 29 . . - zu) heisst ein Punkt oder eine Stelle in diesen Ko-
ordinatensystem. Dann stellen die Gleichungen I
für m = n einen Punkt.
„m —= n—. 1 eine „Gerade“, nämlich = ! Punkte
m —=n—2 „ „Ebene“, i 4. ?
für beliebiges m einen stetigen linearen (n — m)-dimensionalen
Raum vör, den wir mit R._m bezeichnen.
Sind zunächst alle Konstanten vı, %....w = 0 uıdistm—en—)],
so stellen die Gleichungen I eine Gerade vor, welche durch den Nullpunkt
za ==... 2% = (0 hindurchgeht, d. h. eine „Nullpunktsgerade*.
Da alsdann n — 1 Koordinaten durch die letzte, z.B. xzı, sich in der
Form darstellen » = Az, (t = 2....n), wo A; Determinanten-
quotienten sind, so hat die Summe 2 = | | + || +:..:+ |
für die Punkte jeder Nullpunkisgeraden sehr einfache Eigenschaften. X
wird Null für den Nullpunkt, verändert sich stetig mit x; und wächst
gleichzeitig mit | xı | ins Unendliche und endlich nimmt 5° denselben
Wert 0 zweimal auf der Geraden an, für (z1, 22. - . . an) und (— x.
— 73, ...— zu), d.h. für zwei inbezug auf den Nullpunkt symmetrische
Punkte.
Bezeichnen ferner P’ = (z’ı.x',....x.) und PF = (21, 2.... 2)
irgend zwei Punkte, für welche 2 denselben Wert S7- — Fr. — 0 annimmt
und bedeutet A irgend eine positive Zahl, so stellt 7 —= (N),
., en, | SE FE En
ea | — PR REN ih Ar.
einen Punkt auf der Strecke £’P“ vor, denn es ist für jedes: IkA N
= rı + 1 - 3 (2; — x), so dass wi zwischen x; und x“; liegt, und
man hat für die zu diesem. Punkt P gehörige Summe folgende Beziehung:
Zeitschrift fir Sommer. Minimumsprobleme für Summen alsolut. Beträge. 117
Vvermesaungswesen
%
Aa An tes a
ne 1+1 ':". 1#+2 Pass 1+4 =
1
Sayaylaiitlealt. Hlenlt+
Re te,
ERBE o+ Acc
Hierin kann das Gleichheitszeichen offenbar nur gelten, wenn für jeden
Wert von ö die Veränderlichen x‘; und x‘; dasselbe Vorzeichen haben.
Aus den festgestellten Tatsachen folgt, dass alle Punkte resp. Wert-
systeme (z1, &u - - - &,), für welche 2 < 0 ausfällt, einem zusammen-
hängenden stetigen Bereich 8, angehören, welcher begrenzt wird durch
den Bereich derjenigen Punkte, für welche 5 — 0 ist. Wenn aber
"= )nu|l+!12|+..:.+10.| = 6 ist. so genügen die Veränder-
lichen gleichzeitig den Ungleichungen
(1) I <'z.,. |<o 0 <|n|=0....0< Im. To
d.h. je einer der Ungleichungen — 0 < x; < 0. oder 0 < u; S 6 und
einer der Gleichungen, welche aus
(2°). 2 Er 7 |
durch eine bestimmte Kombination der Vorzeichen hervorgehen. Man
bekommt 2” verschiedene Vorzeichenkombinationen, d. h. Gleichungen und
die Begrenzung von B, wird daher gebildet durch 2” Räume R„-. ı, welche
zusammen einen stetigen einfach zusammenhängenden Bereich U, bilden.
Indem wir die anschaulichen räumlichen Begriffe erweitern, können
wir DB, als einen n-dimensionalen polyedrischen Bereich bezeichnen mit
der (n — 1)-dimensionalen Oberfläche U,.”)
*) Anmerkung. Die Wertesysteme oder Punkte, welche eine der Glei-
chungen (2) samt den Nebenbedingungen (1) befriedigen und zu U, gehören.
bilden einen abgeschlossenen Bereich, den wir als Seitenraum des n-dimensionalen
Polyeders bezeichnen. Nehmen wir jetzt als Beispiel den Seitenraum, welcher
in dem Raumgebiet liegt, dessen Punkte nur positive Koordinaten besitzen, so
hat dieser Seitenraum die Gleichung &, + +:..:+2+.:.:-+m =
und kombinieren wir diesen Raum resp. seine Gleichung mit irgend einer Glei-
chung, die aus jener dadurch hervorgeht, dass man einer der Veränderlichen
das Minuszeichen gibt, z.B. 2, + +...—- ri +...:+r% = e, 80 ist das
System dieser zwei Gleichungen bezw. zwei Seitenräume äquivalent mit den beiden
Gleichungen: = 0 und ss +, -+...+%-ıt rıt--:- + =d.
Man kann dies in geometrischer Sprache so ausdrücken, dass man sagt, zwei
wie oben (definierte Seitenräume R„_-ı Schneiden sich in einem R.-., der zu-
sleich in einem der Koordinatengrundräume (im Beispiel x; = 0) liegt.
Zwei Seitenräume, deren Gleichungen sich in einem und nur in einem ein-
zigen Vorzeichen unterscheiden, sind benachbart oder aneinanderstossend, denn
sie liegen in zwei nur durch einen Hauptraum x; = 0 getrennten Halbräumen
S . Mini für Summen absolut. Beträge. _ Zeitschrift für
118 Sommer. Minimumsprobleme für Summen absolut. Beträge. _ Zeit Nunkewonen
Die Funktion 3 kann für eine beliebige Gerade an keiner Stelle ein
relatives Maximum annehmen. Angenommen nämlich, 5 wäre für einen
Punkt P gleich 0, grösser als für die Punkte der Umgebung, so könnte man
jedenfalls zwei Punkte P‘ und P’ angeben, derart, dass P zwischen beiden
läge und S» —= Su = 0, < 0 ausfiele. Dann muss aber, wie oben
gezeigt, Sr < 0ı sein, entgegen unserer Voraussetzung. Nehmen wir
ferner an, die Funktion 5 sei streckenweis konstant gleich 0, und nehme
dann von dem Endpunkt der Strecke ab, dann sei /” ein Punkt innerhalb
jener Strecke und P“ ein Punkt mit I = 0, < 0,. dann erhält man
für irgend welchen Punkt P zwischen P’ und P“ die Ungleichung
i
I << — IA (0, -- 6,)
die mit dem Verhalten von F zwischen P’ und dem Eckpunkt im Wider-
spruch stünde.
Nun folgt, dass die Funktion 8, betrachtet für irgend eine Gerade.
nur ein Minimum besitzt und man schliesst hieraus weiter, dass eine
Gerade mit der Begrenzung U, entweder gleich eine ganze Strecke oder
sonst höchstens zwei Punkte gemeinsam hat.
Betrachten wir ferner die Gleichungen (I) für einen beliebigen posi-
tiven Wert von m, m < n und berücksichtigen, dass durch jeden Punkt
des dadurch gegebenen R„—„ noch unendlich viele Gerade hindurchgelegt
des Ru. Danach gibt es zu jedem Seitenraum n anstossende Seitenräume. welche
jenen ersten in » häumen R„- 2 schneiden. die seine Begrenzung bilden. Man
kann diese Rn -z die (n — 2)-dimensionalen Kanten des n-dimensionalen Polv-
eders U, nennen. Jede solche Kante liegt in einem Koortinatengrundraum x;
= 0 und in jedem &; = 0 liegen insgesamt 2" 1 goleher Kanten.
Jede dieser Rn Kanten ist wieder durch » — 1 Räume Ru..s begrenzt
und diese kann man als die (na — 3)-dimensionalen Kanten des Volyeders be-
zeichnen. Ein solcher Rn 3 gehört alsdann jedesmal zwei der Koordinaten-
grundräume = 0 und @2,—=0 an und kann aufgefasst werden als das gemeinsame
Punktsystem zweier solcher Seitenräune, deren Gleiehnngen sich in genau zwei der Vor-
zeichen der Veränderlichen unterscheiden. Kombiniert man nänlich den Seitenraum,
dessen Punkte nur positive Koordinaten besitzen: 2 + +... + +...
+2: 4+...+% = o mit dem Seitenrun: , +» +...— mi +...
— 2: + ...+%2u = 0. so ist das System dieser Punkte Äquivalent mit
ital unda, +... + .1ı+# +... +0: -ı +2: 11ı4.:.:-& = 0
und die erste dieser Gleichungen erfordert für positive Werte: : =0. 2 =(0.
D. h. auch eine (» — 3)-dimensionale Kante ist der Schnitt zweier (m — 2)
«dimensionaler, im Raum x; = 0 liegender Kanten. In einem Koordinatengrund-
ram 2 = 0 liegen (n — 1) 2" 2 solcher (rn — 3) dimensionaler Kanten. und
Jede dieser liegt in zwei Grundräumen & = 0. ar = 0.
Indem man diese Schlüsse fortsetzt. gelanet man u mn —#H. nm —d...
dimensionalen Kanten und findet. dass jede (n — »)-dimensionale Kante in dem
Schmitt von » —- 1 Koordinatenerundräumen 2, — 0. et. rec lt legt.
Zeitschrift für _ Sommer. Minimwmnsprobleme für Summen absolut. Beträge. 119
et
werden können, dann ergibt sich weiter, dass F auch für einen solchen
Raum R,„_-m kein Maximum und nur ein Minimum besitzt.)
Wenn 0, > o, > ist. so liegt offenbar der Bereich ®,, ganz inner-
halb des Bereiches ®,,. Jeder Punkt aus ®,, gehört auch zu B,, aber
es gibt Punkte in ®,,. die nicht zu ®,, gehören.
Irgend eine Gerade zeigt gegenüber dem Bereich B, ein ganz ähn-
liches Verhalten wie in dem Spezialfall n —= 2. sie geht entweder durch
einen der Seitenräume oder, falls sie nicht in der Begrenzung liegt. hat
sie höchstens zwei Punkte mit dieser gemeinsam. .
Bezeichnet danach Om Wiederum den kleinsten Wert, welchen die
Funktion 5 in dem linearen Raum 2„— „ annimmt, dann hat R,.. m mit
dem Bereich Dan nur Punkte der Begrenzung. aber keinen inneren Punkt
vemeinsam. Das ist nur möglich: .
1. wenn entweder R,_.„ selbst in einem der Seitenräume liegt.
Dann lässt sich umgekehrt durch Z„_-„ ein Seitenraum legen, oder
es lassen sich m — 1 konstante Faktoren A so bestimmen, dass die
Werte |aa +Aı a +... Am —ı@mzs| für alle Werte % einander gleich
werden. Etwas allgemeiner kann der #„_.„ noch durch eine Kante von
in hindurchgehen, wenn diese Kombinationen nicht für alle Werte Ak
gleich sind. Oder
2. wenn der Schnittpunkt von A,- „ mit der Begrenzung En auf
einer der (m — 1)-dimensionalen Kanten der polvedrischen Begrenzung
Dann liegt. Es sind alsdann n — m Koordinaten dieses Schnittpunktes
gleich O zu setzen. (Vergl. die Anmerkung 8. 117/118 über die Kanten von B,).
Für den Extremfall m = 1 hat man emen R,-- ı, welcher dann durch
eine Ecke von De hindurchgehen muss. Für m = n — list ein ZA,
1} 4
d. h. eine Gerade gegeben und das Minimum von I tritt ein für den
Schnittpunkt derselben mit einer der (n — 2)-dimensionalen Kanten des
bereiches.
Um also das Minimum der Summe F für einen (n — m)-dimensionalen
linearen kaum zu bekommen. welcher durch m lineare Gleichungen zwischen
den Veränderlichen x: . . . x. definiert ist, setze man 2 — m dieser Ver-
änderlichen gleich Null, löse die m linearen Gleichungen nach den übrie
gebliebenen m Veränderlichen auf und bilde aus diesen den Wert von N.
Da man aus n Grössen auf („) verschiedene Weisen Gruppen von m
herausgreifen kann, erhält man („) Werte von .Y. unter welchen ein kleinster
sich befindet, der dann gleich Om ist. Bei gegebenen Zahlenkoefftizienten
*), Anmerkung Ist nämlich (@,". 2... 0%) = P" ein Punkt des Bam
und (2, ... 2°) = P ein anderer Punkt desselben Raums. so liegt auch die
zsanze Verbindungslinie PP P' in diesem. Hätte nun N für den Raum Anm in
F? ein Maximum. so hätte die Funktion X für die Gerade PP P ebenfalls in 7”
ein Maximum. was aber nieht der Fall ist.
120 Sommer. Minimumsprobleme für Summen absolut. Beträge. _ Zeitschrift für
Vermessungswesen
19.
kann man das Minimum von $ finden, indem man so lang jeden der be-
rechneten Werte von 3 mit seinen Nachbarwerten vergleicht, die sich
durch kleine Variationen der Veränderlichen ergeben. bis man ein Mini-
mum konstatiert.
Sind zwei oder mehr unter den (4) Werten einander gleich, so er-
hält man unendlich viele AORUNBEN, die alle denselben kleinsten Betrag
von 3 haben.
Wenn man den Extreimwert einer Funktion f nach'den Regeln der
Differentialrechnung bestimmt, hat man bekanntlich zwei Aufgaben zu er-
füllen. Aus dem Verschwinden der Differentialquotienten sind zuerst die
Wertesysteme der Veränderlichen zu bestimmen, für welche ein Extrem-
wert möglich ist, dann hat man nach weiterer Anweisung festzustellen, ob
der Extremwert wirklich auftritt.
Auch bei unserer Aufgabe haben wir zwei analog: Vorschriften aus-
zuführen, die für einigermassen beträchtliche Werte von n und m eine
grosse Rechenarbeit erfordern. Nur wenn m = 1 ist, kann man ohne
weiteres den Wert Om angeben, aber es ist mir nicht gelungen, Vor-
schriften aufzufinden, welche im allgemeinen Fall die Rechnung überflüssig
machen könnten.
S 3. Verallgemeinerungen.
Man kann die bisher behandelte Aufgabe nach verschiedenen Rich-
tungen verallgemeinern. Indem wir uns dabei auf den Fall von nur zwei
Veränderlichen x, y beschränken, können wir diese Verallgemeinerungen
mit folgender Aufgabe beginnen.
Aufgabe. Es sei eine Funktion f(x, y) gegeben, welche in einem
bestimmten zusammenhängenden Bereich stetige Differentialquotienten be-
liebiger Ordnung nach « und % besitzt und welche gleich Null gesetzt.
bezogen auf ein rechtwinkliges Koordinatensystem, eine reguläre analytische
Kurve darstellt. Man soll diejenigen der Gleichung f(z, y) = 0 ge-
nügenden Wertesysteme (x, y) oder diejenigen Punkte der Kurve 2 (x. y)
— 0 bestimmen, für welche die Funktion
_=|z|+lyl|
einen grössten oder kleinsten Wert annimmt.
Vorbemer Ki ung. Wir nn en einen speziellen Fall be-
trachten, indem wir f(x, 4) — nr 2 f — 1 setzen, so dass f = 0 eine
Ellipse darstellt, deren grössere Halbachse « sein soll. Dann zeigt Fig.5
über der Ellipse das Bild Z der Funktion 2 = |xz|+|y| = |e!
+2 V as — 12) | soweit dieses Bild zu den reellen Punkten der Ellipse
Zeitschrift ir_ Sommer. Minimumsprobleme für Summen a'solut. Beträge. 121
en
gehört und mit x, 5 als zusammengehörigen Koordinaten. Diese S-Kurve
ist nun doppelt zu denken, derart, dass 4 und B Rückkehrpunkte vor-
stellen. Augenscheinlich hat 3 Minima bei x = — «a, 0, +t« und ein
Maximum zwischen — « und 0, sowie zwischen O0 und + «. In diesen
Maxima hat die S-Kurve eine horizontale Tangente und verhält sich da-
selbst ganz regulär, so dass man die Lagen dieser Maxima nach den ge-
wöhnlichen Vorschriften der Differentialrechnung bestimmen könnte. Die
Minima befinden sich dagegen an Stellen, wo die 3-Kurve einen Knick
ur
m |
ET mm, v2 Pi t
; 4 Be 9 7
Fig. 5.
aufweist oder aufhört bezw. in sich zurückkehrt und die Lage dieser Punkte
muss nach der Methode bestimmt werden, welche wir in den vorausgehenden
Paragraphen beschrieben haben. Aber auch für die Bestimmung derjenigen
Maxima und Minima, in denen die $-Kurve sich regulär verhält, lässt
sich eine dem Problem angepasste Lösung angeben, bei der die allgemeine
Auflösung von f(x, y) = 0 nach y zunächst ebenfalls nicht nötig ist.
Um einen bequemen Ausdruck zu haben, wollen wir in Zukunft die
Extremwerte von 3, in welchen sich die 3-Kurve regulär verhält, als
reguläre bezeichnen, die übrigen aber, wie sie in unseren Beispielen
auftreten, als singuläre. |
Lösung. Da jetzt die Funktion $% mehrere Minima und Maxima
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft 5. 9
122 Sommer. Minimumsprobleme für Summen absolut. Beträge. _ Zeitschrift für
VErmEA SUN ES Wesen
besitzen kann, so gehen diese nur aus dem Verhalten einer Ordinate 8
gegen die Ordinaten einer evtl. sehr kleinen Nachbarschaft hervor. - Halten
wir wieder fest an den Bezeichnungen, die wir in den Beispielen des $ 1
eingeführt haben und verstehen wir insbesondere unter B, einen quadrati-
schen Bereich mit der Begrenzung U,, dann hat die Funktion 3 für die
Kurve f = 0 ein Extremwert o„, wenn die Begrenzung Un mit der
Kurve _einen Punkt (oder eine Tangente) gemeinsam hat, wobei die Kurve
in einer kleinen Umgebung auf einer und derselben Seite der Begrenzung
bleibt. Da eine reguläre Kurve nicht in einem Punkt einfach aufhören
kann, tritt dieses Verhalten nur ein, wenn die Kurve / == O durch eine
I;cke des Quadrates U, hindurchgeht, ohne daselbst in das Quadrat ein-
zutreten, oder indem f = 0 eine Seite des Quadrates von aussen bezw.
von innen berührt, oder endlich wenn f = 0 einen Rückkehrpunkt ein-
facher und auch höherer Art besitzt in irgend einem Punkt von 7’,. Die
Maxima der Funktion 3’ können offenbar nur gewöhnliche sein oder von
von den Rückkehrpunkten der Kurve /f = U herrühren, deren Tangente -
nicht mit einer Seite von /’, zusammenfällt.e. Etwas weiter ausgeführt
lergeben sich daher die folgenden Vorschriften:
1. Um die singulären Minima von 3 zu bestimmen, setze man
n der Gleichung f(x. y) = 0 eine der beiden Veränderlichen gleich 0
und löse die Gleichung nach der übrig bleibenden Veränderlichen auf. Ist
= \dx
beispielsweise /(0, „y) = 0 und —1< ne), <-+1, so hat I für
‚ Yı
z=0(,y = y, ein Minimum von dem Betrag |yı
. Dagegen erhält
man für z = 0 keinen Extremwert, wenn die Ungleichung für die Ab-
leitung y’ nicht erfüllt ist, weil dann die Kurve f = 0 in den Bereich
B ,„ eintritt. \
2. Um die Extremwerte zu bestimmen, welche daher rühren. dass die
Kurve f = 0 eine Seite von U, berührt, suche man diejenigen Punkte
(&, Ym), welche den Gleichungen genügen:
entweder: f(x, y) pi Ö. lv = 2 TmYn Be 0
oder: I(«. y) — 0 fv = —fı. ImYım <o
und prüfe danach das Vorzeichen von y.y“, gebildet für den Punkt
(zu, Ym). Man erhält daselbst
ein Minimum, wenn yy’ > 0
ein Maximum, wenn yy” < 0.
Falls keine der zwei letzten Ungleichungen erfüllt ist, sei es dass y oder
y’' verschwindet, so braucht kein Extremwert vorhanden zu sein und man
hat eine spezielle Betrachtung in bekannter Weise anzustellen.
Andere Extremwerte endlich für die Rückkehrpunkte von f = 0
können nur in Ausnahmefällen eintreten, wenn die drei Gleichungen f = 0.
Zeitschrift für Sommer. Minimumsprobleme für Summen absolut. Beträge. 1923
WERTRSSENDERWEREN
fr = 0, fs = 0 eine gemeinsame Lösung besitzen.- Der Leser wird sich
‚leicht die Ergänzungsvorschriften für das Eintreten eines Maximums oder
Minimums aufstellen. |
Einige Schwierigkeiten macht die Ausdehnung unserer jetzt behandelten:
Aufgaben auf Funktionen von beliebig vielen Veränderlichen, jedoch bietet
die Behandlung ein genaues Analogon ‘zu der Aufstellung der Extren-
werte für eine stetige und differenzierbare Funktion von mehreren Ver-
änderlichen. Wesentlich neue Gesichtspunkte sind nicht erforderlich.
Wir können uns daher nun zu einer anderen Verallgemeinerung der
in den SS 1 und 2 behandelten Aufgabe wenden. Dabei soll angenommen
werden. dass die Funktion NY durch eine allgemeinere ersetzt wird von
der Form & = | fi J+|f%&,|+.-:, in welcher fı, fa - - . gegebene
Funktionen der Veränderlichen z,, x, ... sind. Um bei bestimmten Vor-
stellungen zu bleiben, behandeln wir einige spezielle Aufgaben, welche
bereits erkennen lassen, wie weit man hierbei zu neuen Resultaten gelangt.
Aufgabe. Man soll diejenigen reellen Werte der Veränderlichen
x. y bestimmen, welche die Gleichung
L-. Az +Dy+C- 0
m m
befriedigen und die Funktion SI = |z" + |y" zu einem Extremum
machen. *)
Der Einfachheit wegen soll vorausgesetzt sein, dass m» und n zwei
ungerade teilerfremde Zahlen seien. j
Von der Lösung dieser Aufgabe brauchen wir nur den Gang zu
skizzieren. Die Untersuchung zeigt, dass der Fall m = n eine Aus-
nahmestellung einnimnit und die gesonderte Behandlung verlangt, die wir
ihm angedeihen liessen. Es bleiben aber noch drei Fälle zur Untersuchung:
m m m
1: >= 2.1>- >00 und Den |
n N N
m R m m R .
as u! Dann hat die Kurve x" + yr = o in dem Punktx= = 0
n ; n
y = oO" eine zur x-Ächse parallele Tangente und in dem Punkt x = o".
y = 0 eine zur y-Achse parallele Tangente, so”dass der Bereich B,
durch eine Kurve U, mit durchaus einfacher stetiger Tangente in allen
Punkten begrenzt ist. Die Begrenzung TU, ergibt sich nämlich durch
n m
Spiegelung an den Achsen aus demjenigen Teil der Kurve gi +yı = 0,
welcher im ersten Winkelraum liegt.
Die Funktion 3 für ZA = 0 als abhängig von der Veränderlichen x
ergibt dann graphisch dargestellt eine Kurve ohne Ecken, mit stetig ver-
änderlicher Tangente. Daher ist auch die Bestimmung der Extremwerte
m m n n
*%) Unter a". y® oder Yan. Yym soll nur die reelle Wurzel verstanden
sein.
124 Sommer. Minimumsprobleme für Summen absolut. Beträge. ee nn
1919.
wieder ein Problem der gewöhnlichen Differentialrechnung. An diesem
Charakter ändert sich auch nichts. wenn man die Lösung in der Weise
sucht, dass man den Wert o, sucht, für welchen Un die Gerade L = OÖ
berührt.
2:1 r > 0. Dann stellt Pr) Syn = 60 im ersten Quadranten
eine Kurve vor, welche gegen den Ursprung konvex ist und die xz-Achse
im Punkt (om, 0) sowie die y-Achse im Punkt (0, om) berührt.
Durch Spiegelunv dieses Kurvenzugs an den Koordinatenachsen ergibt sich
die Begrenzung U, des Bereichs ®B, als eine Kurve von Asteroidenforni
mit vier Rückkehrpunkten auf den Achsen. Die Funktion 2 für Z = 0
aufgefasst als Funktion von x ergibt graphisch dargestellt eine Kurve mit
Spitzen. Hieraus folgt für jede von x = 0 bezw. y = 0 verschiedene
Nebenbe lingung / = 0, dass man ein Minimum erhält sowohl wenn man
x = U als auch wenn man y = 0 in die Bedingung einführt. Ausser-
dem nimmt $% Maxima an für die Berührungspunkte von Z = 0 mit
einem U, , das durch diese Bedingung bestimmt ist.
’ m Ed ; ß
3.0 > . . Dann stellt "+ y” = 0 im ersten (uadranten eine
hyvperbelartige Kurve dar. 3, wird ein unendlich grosser Bereich und 3
wird »o für x = 0, sowie für y = 0. Man erhält dann Minima von $%
für die Berührungspunkte von 7 = 0 mit der Begrenzung U ennin und
zwar lassen sich diese Punkte wieder nach der gewöhnlichen Methode der
Differentialrechnung bestimmen.
Die in der letzten Aufgabe vorgenommene Verallgenieinerung führte uns
nicht auf wesentlich Neues. Der Grund davon liegt darin, dass in allen Fällen,
wie bei der Form 9 = |x|-+ |y| der Bereich ®, mit seiner Be-
erenzung U, durch die Koordinatenachsen symmetrisch geteilt wird. Oder
die Funktion |z|+!y| — 3 = 0 ändert sich nicht, wenn man + x
mit — x bezw. + y mit — y vertauscht, d.h. wenn der Punkt (x, y) an
einer Hauptachse gespiegelt wird. Wir können nun aber statt der Funktion
S andere Funktionen ® zugrunde legen, ‚welche bei andern Operationen
ungeändert bleiben und werden dann auch zu neuen Resultaten gelangen.
Nehmen wir beispielsweise die Funktion ®, welche durch eine Glei-
‘ chung definiert ist:
F(x, y, 6) I V2yI+le2l-1y1
Vet lyl-lel-el=
so ist © = 0 für den Umfang eines regelmässigen Achtecks in einem
Kreis um den Koordinatenanfangspunkt vom Radius 0, dessen Ecken
auf den Achsen und Winkelhalbierenden liegen. Der Bereich B, aller
Punkte, für welche Ungleichungen von der Form
Zeitschrift für_ Sommer. Minimumsprobleme für Summen absolut. Beträge. 1925
tr
IV2sI+l21—|Ivl<o resp |IV2rl+lyl—lel<o
erfüllt sind, wird gebildet durch die Punkte innerhalb und auf dem Um-
fang des regulären Achtecks. In der Tat erkennt man leicht, dass F (x, ,, 6)
und der Wert von ® sich nicht ändern, wenn man eine Vertauschung von
+z mit — x, +y mit — y, x mit y oder eine durch Zusammensetzung
dieser gebildete Vertauschung vornimmt.
Ein Extremum der Funktion @, unter der Nebenbedingung /L = 0,
lässt sich wieder nach unseren Methoden bestimmen. Man findet wieder,
dass 8 nur ein Minimum annehmen kann und zwar kombiniert man zur
Bestimmung desselben der Reihe nach z»=0, y=0. x =» und
x = —y mit der Gleichung ZL’=: O0 und sieht nach, für welche Werte
der so bestimmten Lösungen ® seinen kleinsten Wert annimmt.
Endlich ist es auch denkbar, dass © gleichzeitig durch Gleichungen
und Ungleichungen definiert ist, z. B. in der Form
Fan) (| --VÜırl—-— N) = 0 und !x!+|y| 9 209
dann istıder Bereich 3, begrenzt durch ein Quadrat, dessen Seiten von
der Länge 20 parallel mit den Koordinatenachsen verlaufen und dessen
Mittelpunkt im Ursprung des Koordinatensystems liegt. Hierbei erhält
man das Minimum, welches diese Funktion ® für Z = 0 annimmt, in-
dem man mit dieser Nebenbedingung der Reihe nach die Gleichungen
z—y=0 undxz-+y = 0 kombiniert.
Es ist klar, wie die letzten Definitionen der Funktionen 8 sich auf
3, +... n Veränderliche übertragen und wir brauchen diese Erweite-
rungen hier nur anzudeuten. nachdem wir in S 3 die allgemeinen Methoden
der Lösung genau auseinandergesetzt haben. Im Raum treten z. B. an
die Stelle der oktaedrischen Bereiche ®, allgemeinere polyedrische Be-
reiche, für deren Oberfläche & einen konstanten Wert annimmt. Ist dann
das Minimum von ® etwa für eine Gerade zu bestimmen, so schneidet
diese Gerade die Begrenzung des Polyeders Dom in einem einer Kante
angehörigen Punkt und da man die Ebenen angeben kann, in welchen
alle Kanten derselben Orientierung liegen. so lässt sich dieser Schnitt-
punkt wieder bestimmen. Analoges gilt für höhere Räume.
Schliesslich kann man in der Definition von ® statt der in unseren
3eispielen eingehenden linearen Funktionen von 2 ... x„ kompliziertere
Funktionen der- Veränderlichen setzen, wodurch die ebenen Begrenzungen
von B, durch gekrümmte ersetzt werden. Dabei erhält man wieder reguläre
und singuläre Extremwerte, deren Lage durch Differentiationen und durch
die Beschränkung der singulären Extremwerte auf spezielle bekannte Linien.
Flächen und Räume bestimmt sind.
126 Woltt. Ein nener Kompass für Krokiaufnahmen. Zeitschrift für
Veraezungswasen
vs
Ein neuer Kompass für Krokiaufnahmen.
Mitten aus dem Bedürfniss heraus und zwar veranlasst durch ihren
Mitinhaber, Leutnant d. L. Dr. Breithaupt, hat die Firma Breit-
haupt u. Sohn in Cassel einen Kompass für die Aufnahmen von Stel-
lungen d. h. zum Krokieren und auch zum Orientieren konstruiert.
Die einzelnen- Teile des Instruments dürften den Lesern dieser Zeit-
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schrift aus der Figur ohne weiteres ersichtlich sein, es dürfte nur noch
nötig sein, folgendes zum Verständniss hinzuzufügen.
Kompass und Diopter lassen sich auf der unteren Platte um den
Wert der Deklination des betreffenden Ortes verstellen. Der Glasdeckel
des Kompasses ist mit einem roten Pfeil versehen und lässt sich durch
Fermesnungsweren Wolff. Ein neuer Kompass für Krokiaufnahmen. 127
Anfassen an seiner geränderten Fassung drehen, um die Pfeilspitze über
den Nordpol der Magnetnadel einstellen zu können.
In dieser Stellung kann der Glasdeckel mittels eines Klemmschräub-
chens festgehalten werden.
Ein Spiegel dient zum Beobachten der Magnetnadel beim Visieren.
Platte und Boden des Kompasses sind durchbrochen, um leicht auf der
Karte eine Marschrichtung festlegen zu können. Zum Höhenmessen ist
der Boden des Kompasses eingeteilt; Neigungen des Geländes lassen sich
an einem auf der Teilung spielenden Pendel ablesen. Der Kompass kann
also auch als Böschungsmesser verwendet werden.
Gebrauch zum Krokieren: Hier kommt es darauf an, die Rich-
tung von einem Punkt A nach einem Punkt B im Gelände auf dem Kroki
(Meldeblock) festzulegen. Zunächst stellt man an dem Kompass die De-
klination ein. Dann bezeichnet man eine der Quadratlinien des Melde-
blocks mit einem Pfeil, der die Nordrichtung angeben soll. Nun visiert
man in A nach B bei nicht arretierter Nadel und dreht den Glasdeckel
so weit, bis der rote Pfeil die zur Ruhe gekommene Nadel deckt. Auf
dem Meldeblock wird dann auf einem angenommenen Anfangspunkt A der
Kompass soweit gedreht, bis der rote Pfeil der bezeichneten Nordrichtung
parallel ist, was durch den Glasboden erleichtert wird. Dann zieht man
an der in Millimeter geteilten Seite eine Linie, die die Lage von A B
festlegt und trägt auf ihr die abgeschrittene oder abgemessene Länge A B
ab. Im Punkte B wird das Verfahren nach einem Punkte C wieder-
holt usw. Auf diese Weise kann man also einen gebrochenen Linienzug
im Gelände auf das Zeichenpapier übertragen, was für die Aufnahme von
Stellungen wichtig ist. Die Punkte A, B, C würden für weitere Kroki-
aufnahmen als Standpunkte benutzt werden, von denen aus Punkte im Ge-
lände nach der Polarmethode festgelegt werden könnten. Von den Ver-
bindungslinien A—B, B—C kann man seitlich liegende Punkte nach der
Koordinatenmethode bestimmen. Höhenunterschiede von Punkten
können wie folgt ermittelt werden. Man hält den Kompass senkrecht, so-
dass das Diopter wagrecht liegt und visiert den betr. Punkt an. An dem
auf der Teilung des Bodens des Kompasses spielenden Pendel liest man
dann die Neigung gegen den Horizont ab z.B. 6% Steigung. Ist die Ent-
fernung vom Standpunkt bis zum Punkt 100 m. dann ist
26090 n
d gg 10 m.
h bezieht sich auf die Höhe, in der das Instrument gehalten wurde.
Zweckmässig dürfte es sein, dasselbe auf einen Stab zu setzen.
Um eine Richtung 4—B von der Karte in das Gelände zu über-
tragen. also z. B. eine gegebene Marschrichtung einzuhalten, kann man
wie folgt verfahren. Die Punkte A und B werden auf der Karte in Blei
128 Wolff. Ein neuer Kompass für Krokiaufnahmen, Zeitschrift für
NO a uresen
verbunden. Dann orientiert man nach Einstellung der Missweisung für A
die Karte mit Hilfe des Kompasses nach geographisch Nord d.h. man
dreht sie solange, bis die Nadel einspielt. Nachdem man die Deklination
wieder abgestellt hat, wird bei orientiert gehaltener Karte die eingeteilte
Kante des Kompasses an die Bleiliniie A—B gelegt und der obere Glas-
deckel soweit gedreht, bis der rote Pfeil den Nordpol der Magnetnadel
deckt. Damit hat man den Neigungswinkel von A—.B gegen magnetisch
Nord festgelegt. Im Gelände stellt man sich in A auf und dreht sich mit
dem Kompass langsam, bis die Nadel unter dem roten Pfeil zur Ruhe ge-
kommen ist. Dann gibt die Dioptervisur die Richtung nach B an, die
man durch einen Stab oder durch einen anderen auffälligen Gegensfand
bezeichnen kann. Beim Marsche nach B muss die Nadel arretiert werden.
Es ist aber nicht nötig, dass man die Karte vorher orientiert. um
das Azimut von A—B festzulegen. Man braucht nämlich nur die Kante
des Kompasses an die Linie A—B zu legen und dann den Glasdeckel so-
weit zu drehen, bis der Pfeil parallel der Nordrichtung der Karte ist. Im
Gelände dreht man sich in 4 mit dem Kompass solange, bis die Nadel um
den Betrag der Deklination links von dem Pfeil zur Ruhe kommt. Dann
gibt wie vor die Dioptervisur die Richtung A—B an. Die Magnetnadel
selbst kann durch den Spiegel bequem beobachtet werden. Zur Sicherheit
könnte man die Ablesungen an der Teilung für die Stellung des Pfeils
aufschreiben. Auf diese Weise könnte ein Truppenführer nach der Karte
die Richtungen angeben, welche die einzelnen Truppenteile z. B. beim An-
griff in waldigem Gebiet einzuhalten haben, um an bestimmten Punkten
auf den Feind zu stossen. Wenn diese Richtungen von den Unterführern
im Gelände mit dem Kompass angegeben werden, dann dürfte ein Ver-
laufen der Truppe ausgeschlossen sein.
Wie mir mitgeteilt wird, ist der Kompass auch bei Stollenbau und
Entwässerungsanlagen in Schützengräben benutzt worden. Sicher ist er
auch brauchbar, wenn es sich darum handelt, von. vorgeschobenen Posten
aus einzelne auffällige Punkte im Gelände anzuschneiden bezw. die Azimute
zu bestimmen. Werden dieselben Punkte von zwei Standpunkten, deren
Abstand bekannt ist, angeschnitten, dann sind auch die Entfernungen
nach jenen Punkten bestimmt. Auch bei der Ermittelung der Höhe eines
feindlichen Flugzeugs kann man das Instrument verwenden. Man liest
den Höhenwinkel am Gradbogen ab und entnimmt unter Benutzung der
mit dem Entfernungsmesser gemessenen Entfernungen nach dem Flugzeug
aus einer Tafel die bezüglichen Höhen.
Der Preis des Kompasses im Etui beträgt 75 Mark.
Berlin, Techn. Hochschule. Dr. H. Wolff,
Zeitschrift für Boltz. Berichtigung. 129
EN N
Berichtigung.
Um das rechtzeitige Erscheinen des letzten März-Heftes zu ermöglichen,
warichinfolge der unregelmässigen Bahnverbindungen gezwungen, aufdas Lesen
der Revision zu verzichten: hierdurch sind am Schluss des Abschnittes IX
die Gleichungen (49), (50), (51) und (55) in einer Form veröffentlicht, die
mit den vorangegangenen Festsetzungen nicht im Einklang steht. Die er-
wähnten Gleichungen müssen folgendermassen lauten:
= (ff) + rl) + lt... 41.9) (ra)
+ alt HE) LE) Pet) rl)
+) Prılfa) --/ FORTE: rS ds u... fr.,.(fv) (fr) (49)
+- ! ‚fat rPıatte +...--f,,.(fr) (fi)
+, la is Or OH. PER) ran
> =on Haare (HB) +. Re 602 | (50)
)
4 tfe FE) HD tg fr}... 00 \
hf). elf
— N‘ ie (fa) u fl r ee nn ae: De far(fr) (1)
-— = = (tt Hat He fe) - bar)
1 i ‚y
EM H VOR +.
(55)
a BE IFA) + gutfB) -gmlfC)--... + MAN)
In Abschnitt II S. 45 muss es in der ersten Zeile ;‘ statt vs’ und
in der folgenden Zeile 4‘ statt As’ heissen.
Am Schluss des Abschnittes \ müssen die Gleichungen (24) Seite 52
lauten:
4, [A #e —+ A» lg’ + 4 Uz‘ Br Be _ I ie -- 7 — M)
B; cı ” 4 B, 4 _- B; v3 _— 0.00. - 1, Eu _- I, — 0
Cı Ü 5 Se C; De + Ca DE — ... .— Ch En“ 2 1156 =ı)) (24)
N ae —- N 5% - Ns DE BE - N. En + W. — 0
H. Boltz.
130 Rönne. Welche Gesichtspunkte eröffnet der Plan etc. _, Zeitschrift für
y SINE TI ELWERER
Welche Gesichtspunkte eröffnet der Plan einer Einheits-
karte grossen -Massstabes für die Umgestaltung des
gesamten Vermessungswesens ?
Von v. Rönne, Major im Grossen Generalstabe (lI,andesaufuahme).
Jin Dezemberheft der Zeitschrift für Vermessungswosen ist em
\ufruf des Vorstandes des deutschen Geometerverems und des Lan-
desverbandes preussischer Landimesser erschienen, der als ein Alarm-
ruf für das gesamte Vermessungswesen anzusehen ist. Er enthält
auch den Abdruck eines Flugblattes, in dem «darauf hingewiesen
wird. dass der Umsturz unserer gesamten Staafsverfassung auch
freie Bahn für die Erfüllung der Bestrebungen und Wünsche Jes
Landmesserstandes schafft. Die Ziele werden in drei Richtpunkte
„usammengefasst, von denen nur der zweite und dritte die Lan-
desaufnahme unmittelbar berührt. Jm zweiten Punkt fordert der Ver-
fasser des Flugblattes nicht mehr und nicht weniger als die \b-
schaffung des Zentral-Direktoriums der Vermessungen, der Landes-
aufnahme, insbesondere ihrer trig. und top. Abteilung und Über-
weisung ihrer Arbeiten an den Landmesser, in Punkt drei die
Schaffung der Einheitskarte.
Dieser Plan nötigt uns, die darin aufgestellten Forderungen
vom Standpunkt der Landesaufnahme eingehend zu prüfen und zu ıhm
Stellung zu nehmen. |
Die Ansichten des für den Aufruf zeiehnenden Vorstandes «dek-
ken sich — wie ausdrückheh betont wird — zwar nicht ın allen
Stücken mit dem Jnhalt des Flugblattes. Es kehren in letzterem
aber doch im wesentlichen die Gedanken wieder, die schon mehrfach
den Jnhalt von Denkschriften der genannten Vereine gebiklet haben.
Das Flugblatt will mit der Landesaufnahme rücksichtslos bis zum
Aussersten verfahren. Da sollte sich diese eigentlich auf einen scharfen
Kampf rüsten. Wir werden aber im Folgenden sehen, dass die Wünsche,
die hier aus Landmesserkreisen laut werden, sich in sehr vieler
Hinsicht mit den Bestrebungen der Landesaufnahme deeken. Freilich
ist die Voraussetzung hierfür, dass wir die Sache, für die wir eintreten,
in den Vordergrund stellen und ihr alle Standes- und Berufsinter-
essen unter- und nicht überordnen.
Jch gehe zunächst auf die dritte Forderung „Schaffung der
Einheitskarte‘“ ein, weil sich auf der beabsichtigten Lösung dieser
Aufgabe die Umgestaltungsbestrebungen im gesamten Vermessungs-
wesen aufbauen müssen, wie ich noch nachweisen zu können glaube.
Dem Plan der Einheitskarte liegt die Überlegung zu Grunde,
„Zeitschrift für Rönne. Welche Gesichtspunkte eröffnet der Plan ete. 131
verm BEIDE WERBEN ;
dass es unwirtschaftlich ist, die topographische Aufnahme in einen
Massstab herzustellen, der nur eine Art Übersichtskarte liefert, und
dass bei diesem Verfahren (hie Arbeit des Landmessers, insbesondere
die Katastervormessung, für die ‚Allgemeinheit nicht genügend aus-
venützt wird. Es ist bekannt, dass die süddeutschen Bundesstaaten
ihr Vermessungswesen nach ganz andern Gesichtspunkten eingerichtet
haben als Preussen, und dass sie dabei der Schaffung einer topo-
sraphischen Gründaufnahme grossen Massstabes von vornherein Rech-
nung getragen haben. Bayern besitzt einheitliche Blätter in 1:5000, dı>
ursprünglich auch lediglich zum Zwecke der Grundsteuerveranlagung
hergestellt waren, auf denen sich aber nunmehr die topographische
Aufnahme vollkommen aufbaut. Jn ähnlicher Weise ıst Württemberg
vorgegangen und arbeitet in 1:2500, auch Baden hat «die gleichen
Bahnen wie seine Nachbarn beschritten.
Über die Frage der Einheitskarte ist ein umfangreiches Schrifttum
entstanden, ın dessen Mittelpunkt «die EKrörterung über den zweck-
mässigsten Massstab einer solchen Karte steht. Der überwiegende Teil
der Verfasser hat sich auf ein Kompromiss geeinigt und schlägt das
Verjüngungsverhältnis 1:5000 vor, das sich im allgemeinen dem prak-
tischen Bedürfnis am besten anpasst. Jch glaube aber, auf die
Frage des Massstabes wird ein zu grosses Grewicht gelegt und der
beeriff der Einheitskarte zu eng gefasst, wenn die Forderung nach
einem einheitlichen Massstab aufrecht erhalten wird. Worauf kommt
es denn an? Brauchen wir durchaus vom ganzen preussischen Gebiet
ohne Rücksicht auf seine wirtschaftliche Bedeutung Kartenblätten
zleichen Massstabes, gleicher Blattgrösse, gleicher Ausführung? Kommt
es nicht viel mehr darauf an, dass wir von jedem (iebiet das Grund-
material haben, das für wirtschaftliche Pläne und kulturelle Zwecke
gebraucht wird? Brauchen wir von der Romintener Heide Pläne
in demselben Massstab wie beispielsweise von dem kleinparzellierten
Weinbergsgebiet am Rhein oder dem Jndustriegebiel in Westfalen?
Wir sind doch durch «ie hochentwickelte Reduktionstechnik in der
slücklichen Lage, dass wir ohne erheblichen Köstenaufwand alle
gewünschten Verkleinerungen und Vergrösserungen herstellen können,
wofern sie nur der Massstab des Grundmaterials zulässt, und wofern
wir die mathematischen Stützpunkte zum Zusammenpassen haben.
Jeh meine, wir brauchen uns für die Einheitskarte nicht auf einen
einheitlichen Massstab festzulegen, wir müssen vielmehr den Massstab
von dem Charakter des zu vermessenden Gebietes abhängig machen.
Erwünscht ist allerdings die Festsetzung einheitlicher Massstäbe für
grössere zusammenhängende (iebiete (wobei zu entscheiden wäre,
ob hierfür die politischen (Grenzen der Verwaltungsbezirke oder eine
132 Rönne. Welche Gesichtspunkte eröfinet der Plan etc. Zeitschrift für
ET
Einteilung nach wirtschaftlichen Nücksichten imassgebend sein soll),
sowie die Zusammenstellung voller Kartenblätter, also nicht gemar-
kungsweise Darstellung, wie sie der Kataster für seine Steuerzwecke
braucht, weil es für alle wirtschaftlichen Arbeiten naturgemäss eine
grosse Erleichterung ist, wenn die Blätter bis zum Blattrand voll-
gezeichnet sind und mit den benachbarten Blättern zu einem grösseren
Plan zusammengelegt werden können.
Es kommt also im Grunde genommen bei dem Wlan einer Fin-
lıeitskarte darauf hinaus, die bereits vorhandenen oder neu herzustel-
lenden Flurpläne durch topographische Aufnahmen in ihrem Grundriss
zu ergänzen und die Bodengestaltung durch Schichtlinien zur Dar-
stellung zu bringen. Auch hier wird es sich nach den Verhältnissen
richten müssen, ın welchen Schichtenabstand die Geländeform dar-
gestellt werden muss. Jn flachen Gelände wird man bis zur Dezimeter-
schichtlinie hinunter gehen müssen. Die Lösung dieser Frage wird
noch eingehende Untersuchung und praktische Versuche erfordern.
Nach diesen Ausführungen wird man fragen können, warum
überhaupt von einer Einheitskarte gesprochen wird. Jch gebe diese
Bezeichnung auch ohne weiteres preis. Jch halte sie auch nur für
ein Schlagwort, unter dem die Bestrebungen zusammengefasst werden,
die — genau genommen — nichts weiter als die Schaffung einer
lwage- und Höhenaufnahme grossen Massstabes durch einheitliche Zu-
sammenfassung aller Messungsergebnisse im \uge haben.
Der Gedanke der Schaffung einer solchen Karte ist beinahe
so alt wie die Landesaufnahme und ist zu verschiedenen Zeiten immer
wieder aufgetaucht. Er ist auch von der Landesaufnahme mit grossem
Ernst aufgegriffen. Schon 1868 hat der (ieneral Bayer in einer
Schrift „Entwurf zur Anfertigung einer guten Karte von den öst-
lichen Provinzen des preussischen Staates” Vorschläge für die Schaf-
fung einer grossmassstäblichen Einheitskarte gemacht, die alle künf-
tigen Neumessungen entbehrlich machen sollte. Der Vorschlag ıst
von einer aus den beteiligten Ministerien gebildeten Kommission
abgelehnt worden, hat aber immerhin den Anstoss zur Bildung des Zen-
tral-Direktoriums der Vermessungen gegeben, das freilich infolge seiner
unzulänglichen Einrichtung die ihm zugedachte Aufgabe nur sehr
unvollkommen erfüllen konnte. Jch will mieh nicht zu weit auf histo-
tische Erörterungen darüber einlassen, welche Entwicklungsstufen diese
Bestrebungen durchgemacht haben und mich nur auf den Hinweis be-
schränken, dass die Landesaufnahme diese Frage gerade noch in den
letzten Jahren vor dem Kriege einer erneuten Prüfung unterzogen hat.
Sie ging davon aus, dass die Aufnahme im Massstab 1:25000 sich
ihrem Abschluss nähere und demzufolge zu entscheiden wäre. ob
Zeitschrift für tönne. Welche Gesichtspunkte eröfinet der Plan etc. 133
tr dla
auch den künftigen Aufnahmen, die sich inzwischen schon wieder als
notwendig erwiesen hatten, weil das Material teilweise veraltet war,
teilweise auch in manchen Gegenden erhebliche Mängel aufwies,
das Verjüngungsverhältnis 1:25000 zugrunde gelegt werden sollte.
Auf Grund mannigfacher Erwägungen, bei denen natürlich die
Kostenfrage schr wesentlich in Betracht gezogen werden musste,
hatte man sich entschlossen, den Massstab 1:10000 ins Auge zu fassen
und durch Probeaufnahnmen, die ja tatsächlich 1912,13 in der Gegend
von Wiesbaden stattfanden, zuverlässige Grundlagen für die Berech-
nung der Kosten und die anzuwendende Arbeitsmethode zu schaffen.
Die Zivilbehörden, bei denen man ein Jnteresse an einer Karte
grösseren Massstabes erwarten konnte, wurden zur Stellungnahme
zu dieser Frage aufgefordert. Sie nahmen fast durchweg einen ab-
I\ehnenden Standpunkt ein, weil für generelle wirtschaftliche Entwürfe
sich die Messtischblätter als durchaus zweckmässig und ausreichend
erwiesen hätten, für Spezialarbeiten aber auch der Massstab 1:10000
nicht als genügend angesehen werden konnte.
Jm Sommer 1917 wurde die Bearbeitung dieser Frage, die mittler-
weile durch den Krieg abgebrochen war, wieder aufgenommen und
die Umbildung der Topographischen Abteilung für eine Aufnahme im
Massstab 1:5000 vorbereitet. Für die Wahl des Massstabes waren ledig-
lieh militärische Gesichtspunkte massgebend. Der Stellungskrieg hatte
erwiesen, dass das Planmaterial 1:25000 insbesondere für die Nah-
kampfmittel nicht genügte, und das Verlangen der Truppen nach Plänen
srösseren Massstabes war immer lauter in Erscheinung getreten. Ver-
srösserungen auf mechanischem Wege konnten diesem Mangel nicht
abhelfen. Die Vermessungs-Abteilungen mussten sich zum Teil unter
srossem Zeit- und Personalaufwand zu Neuaufnahmen entschliessen.
Später ist man von der Notwendigkeit solcher Pläne wieder mehr
zurückgekonmen, und — ich möchte auf diese Frage nicht allzusehr
eingehen — man kann jetzt wohl sagen, dass nach dem augenblick-
lichen Stand der Waffentechnik der Massstab 1:10000 als ausreichend
für militärische Zwecke angesehen werden kann. Damit kann aber
auch nach rein militärischen Gesichtspunkten die Massstabsfrage noch
nicht endgültig als entschieden betrachtet werden, denn die Waffen-
und Schiesstechnik ist in dauernder Fortentwickelung begriffen und
kann jederzeit mit neuen und verschärften Forderungen an das Plan-
material herantreten, die auch der Massstab 1:10000 nicht erfüllen
kann. Bei einer Angelegenheit von so weittragender Bedeutung muss
man unbedingt vorausschauend zuwege gehen, und da ist es ohne wei-
teres einleuchtend, dass — wenn es nur auf militärische (resichts-
punkte ankommt — der Massstab erst dann als ausreichend angesehen.
134 Rönne. Welche Gesichtspunkte eröffnet der Plan etc. Zeitschrift für
a
werden kann. wenn er die massstabsgetreue Darstellung aller wesent.-
lichen Gegenstände der Natur gestattet. Besitzen wir ein Planmäterial
etwa 1:5000, so kann man getrost in die Zukunft sehen, denn wır sind
dann imstande, Pläne in jedem gewünschten Verjüngungsverhältnis
durch mechanische Vergrösserung oder Verkleinerung zu liefern.
Das waren in grossen Zügen die Gesichtspunkte, die für die
Wahl des Massstabes 1:50009 entscheidend gewesen waren, so dass
diese Frage aus der Erörterung zunächst ausscheiden konnte und es
nur noch darauf ankam, Mittel und Wege zu finden, um die Schaffung
eines Planmaterisls in diesem Massstab durehzuführen.
Heute müssen wir (diese Frage von einem andern Gesichts-
punkte betrachten. War bisher die Überzeugung massgebend, «lass
die Schaffung eines Planmaterials grossen Massstabes eine unerläss-
liche Massnahme zur Erhaltung der Schlagfertigkeit des Heeres ist.
so wirt dieses Beweismittel heute unter dem Zeielfen der A\b-
rüstungsideen nicht viel willige Ohren finden. Stellen wir die Frage
bisher so: Wie kann die aus militärischen Gründen erforderliche Neu-
aufnahme grossen Massstabes auch wirtschaftlichen und kulturellen
Zwecken nutzbar gemacht werden? so müssen wir heut umgekehrt
fragen: Jst die Karte grossen Massstabes wirtschaftlich notwendig
oder nicht? und erst, wenn diese Frage in bejahendem Sinne ent-
schieden ist, werden wir bestenfalls erwägen können, in welcher
Weise wir den militärischen (iesichtspunkten dabei Rechnung tragen
können, ohne die wirtschaftlichen Rücksichten zu beeinträchtigen.
Nun stehen wir bei Prüfung der wirtschaftlichen Bedürfnis-
frage vor der eigentümlichen Tatsache, dass diejenigen Behörden und
Kreise, denen eigentlich am meisten an der Schaffung der Einheits-
karte gelegen sein müsste, bisher diesam Plan nicht "nur gleichgültig.
sondern geradezu ablehnend gegenüberstanden. Wenn sich dieser
Standpunkt vielleicht bei der schon erwähnten Rundfrage, die die
Landesaufnahme vor dem Kriege veranstaltete, damit erklären lässt.
dass man die Wahl des Massstabes mit 1:10000 vorweggenommen
und dadurch einen Mittelweg vorgeschlagen hatte, der nach keiner
ichtung hin befriedigte, so konnte bei den im Jahre 1917 gepflogenen
mündlichen Verhandlungen mit den Vertretern der beteiligten Behör-
den festgestellt werden, dass die Massstabsfrage nicht der Grund für
die Ablehnung war, sondern dass das Bedürfnis nach einer Karte
grossen Massstabes ganz allgemein verneint wurde. Eigentlich war.
es nur eine Stelle, die sich ganz auf die Seite der Landesaufnahme
stellte. und das war. die Geologische Landesanstalt. Gerade die Be-
hörde, von der man eigentlich das meiste Interesse an dem geplanten
‚ Zeitschrift für Rönne. Welche Gesichtspunkte eröfinet der Plan etc. 135
Ver MESFSUNKSWESEN
y%
Werk voraussetzen durfte, die preussische Katasterverwaltung, stand
auf bestimmt ablehnendem Standpunkt.
Nach diesen Darlegungen könnte die Landesaufnahme fürlich
die ganze Frage der Einheitskarte als erledigt ansehen, zumal de
jetzige Zeit wohl die wenigstgeeignete erscheint, um Entwürfe von
so erheblicher finanzieller Tragweite aufzugreifen. Jeh möchte Mier-
auf ausdrücklich hinweisen, dass ich mir nicht ım Zweifel bin,
welche ausserordentlichen Mittel und welchen Zeit- und Personal-
aufwand die Schaffung eines Grumlmaterials grossen Massstabes bei
dem heutigen Stand der Grundstücksmessung in Preussen erfordert.
An grosszügige Pläne dieser Art ist zurzeit überhaupt nicht zu denken.
Es kann sich höchstens zunächst um einzelne, kleine Gebiete handeln,
in denen die wirtschaftliche Entwickelung schon ın naher Zeit A\r-
beiten dieser Art erfordert und derartige eng umerenzte Aufgaben
sind natürlich auch lösbar ohne umwälzende Organisationsänderun-
gen unseres gesaniten Vermessungswesens. No ungünstie die Kosten-
frage augenblicklich liegt, ebenso sicher erscheint es mir aber, «ass
Preussen auf die Schaffung eines Kulturwerkes, wie es die Aufnahme
grossen Massstabes darstellt, nicht endgültig und für alle Zukunft
verzichten kann. Da heisst es, rechtzeitig zu prüfen, welche De-
dingungen die Neuordnung des gesamten Vermessungswesens erfüllen
muss, um eine zwecekmässige Grundlage für die Aufnahme grossen
Missstabes zu erhalten. Wir brauchen jetzt. wo der Neuaufbau
der preussischen Verfassung einen so empfänglichen -Boden für Reform-
vorschläge geschaffen hat, einen klaren Plan für unsere Ziele. Die
Landesaufnahme ist an der Lösung dieser Frage aufs engste beteiligt.
Mau kann vielleicht sagen, sie ist diejenige Stelle, die am unein-
geschränktesten das KEinflussgebiet der Allgemeinheit zur Geltung
bringen kann.
Jch möchte dies begründen. Bei den verschiedenen Verhand-
lungen, insbesondere auch bei der Sitzung der Obersten militär-
schen Vermessungsstelle im Januar vorigen Jahres habe ich den un-
bedingfen Eindruck gewonnen, dass für den ablehnenden Standpunkt
insbesondere der Katasterbehörde in der Hauptsache der Kostenpunkt
und organisatorische Gründe massgebend waren. Der Vertreter einer
ler beteiligten Ministerien äusserte auf den ihm entgegengehalte-
nen Hinweis, dass «doch gerade aus den Kreisen der Landmesser
immer wieder der Ruf nach der Einheitskarte laut würde, klar und ein-
deutig: Er hielte die ganze Frage ledligheh für eine aus Standes-
und Berufsinteressen gestellte Forderung. Jch glaube nicht, dass man
damit den Landmessern gerecht wird. Vielleicht erklärt sich der
abiehnende Standpunkt der Zivilbehörde — ieh kann das nieht be-
136 Rönne. Welche Gesichtspunkte eröfinet der Plan etc. zeitschrift für
VeImessungswesen
1919.
weisen, aber immerhin liegt «die Vermutung nahe — mehr aus tak-
tischen Gründen. Die Militärverwaltung sollte (lazu veranlasst werden,
auf die geforderte vermehrte Mitwirkung der Zivil-Vermessung bei
der Schaffung der neuen Karte zu verzichten. Die Karte selbst
hätten dann die Behörden vermutlich mit Freuden begrüsst.
Mag diese Frage offen bleiben, wir müssen uns jedenfalls zunächst
mit der Tatsache abfinden, dass das Jnteresse der einzelnen Behörden
an der Einheitskarte sich nicht als so gross herausstellte, dass sie
dazu bereit sind, unter Hinlansetzung ihrer Sonderinteressen sich
nit voller Hingabe an die gemeinsame Schaffung dieses Werkes
zu machen. Damit erscheint mir ‘aber noch nicht erwiesen, dass
tatsächlich «das Bedürfnis nach einer solchen Karte nicht vorliegt.
Überzeugender als die Gutachten der Zivilbehörden sind für mich die
praktischen Erfahrungen, die die süddeutschen Bundesstaaten .auf
diesem Gicbiet gemacht haben. Sie bestätigen, dass diese Pläne sich
einer ausserordentlichen, dauernd zunehmenden Jnanspruchnahme für
wissenschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Zwecke erfreuen. Die
Voraussetzung ist allerdings, dass die Behörde — wie es in Bayern
beispielsweise in vorbildlicher Weise geschieht — den Wünschen
des Publikums entgegenkonmmt und nicht auf dem Standpunkt be-
harrt, dass das Publikum sich mit dem abfinden muss, was die Be-
hörde ıhm zu liefern für gut befindet. Jch füge hier einige kurze
Zeilen aus einem Vortrag des jetzigen Leiters der Katastervermessung
in Bayern, Reg.- und Steuer-Rat Jbel, ein, die er auf der 24. Haupt-
versammlung des deutschen Geometervereins in München 1904 gehalten
hat. An die Erörterung der Kosten anknüpfend sagt er: „Diese Ziffern
könnten allein schon die Wahrheit der von der Steuervermessungs-
kommission aufgestellten Behauptung erhärten, dass der Staat in dem
vollendeten Katasterplan einen Schatz von unberechenbarem Wert
besitzt. Noch deutlicher tritt uns aber die wohltätige Wirkung dieser
Einrichtung vor Augen, wenn wir betrachten, wie vielseitig unsere
billigen Planabdrücke in Anspruch genommen werden. Sie sind teils
für den Dienst, teils für den Verkauf bestimmt. Es ist hierdurch
jedermann Gelegenheit geboten, einen Abdruck zu erwerben, aus
welchem im Zusammenhalte mit dem Katasterauszug die Lage und
(irösse des Girundbesitzes ersehen werden kann. Wir finden unter
den Ahnehmern den Grundbesitzer, den Landwirt, die Banken und
volkswirtschaftlichen Jnstitute, die städtischen und Gemeindeverwal-
tungen, den Techniker, den Forstmann, den Untersuchungsrichter,
den Altertumsforscher, vor allem aber die sämtlichen staatlichen Be-
hörden sowohl der Zivil- als der Militärverwaltung, kurz: wir können
behaupten, dass es keinen Zweige im öffentlichen Leben gibt, der
Zeitsehrift für Rönne. Welche Gesichtspunkte eröfinet der Plan etc. 137
en
nicht den ausgiebigsten (rebrauch von unseren Katasterplänen macht.“
Für Württemberg gibt Dr. Müller-Karlsruhe als Jahresdurchschnitt
einer einen 5Ojährigen Zeitraum umfassenden Zusammenstellung fol-
sende Zahlen an: Es wurden verkauft: Stadt- und Ortspläne in 1:1250
an Behörden 185, an Private 286; Pläne in 1:2500 an die Eisenbahn-
verwaltung 2206, an andere Behörden 5611, an Private 5658, zu-
sımmen 13946. Diese Zahlen sind an sich niedrig. Es ıst aber zu
beachten, dass der Verbrauch mit der wirtschaftlichen Entwickelung
dauernd steigt, so dass die genannten Durchschnittszahlen hinter den
heut erreichten erheblich zurückbleiben und ferner, dass man nicht
danach fragen ınuss, was der Verkauf dieser Pläne eingebracht hat,
sondern welche ausserordenthiche Kosten für Vermessungsarbeiten den
Abnehmern erspart sind. Auch die Ausführungen der Vertreter der
süddeutschen Bundesstaaten in der Sitzung der Obersten militäri-
schen Vermessungsstelle 1918 lieferten den unanfechtbaren Beweis
für den vielseitiger Wert einer Höhenflurkarte grossen Massstabes.
Man darf also die Bedürfnisfrage nicht von dem einseitigen
Standpunkt der einzelnen Behörden, sondern man muss sie vom Stand-
punkt der Allgemeinheit beurteilen. Sträuben sich die Behörden unter
z.t starker Betonung ihrer Sonderinteressen, so muss die Anregung
und unter Umständen der Druck eben von einer übergeordneten oder
einer neutralen Stelle ausgehen, die alle Kräfte zusammenzufassen
imstande ist. Das weist uns den Weg zur Vereinheitlichung des
gesamten Vermessungswesens.
Über die Notwendigkeit dieser Voraussetzung war sich die Landes-
aufnahme schon klar, als sie den Plan einer Neuaufnahme grossen Mass-
stabes wieder aufgriff und seine Durchführung noch während des
Krieges so vorbereiten wollte, dass die Arbeit möglichst bald nach
Friedensschluss einsetzen konnte. Angesichts des Widerstandes, oder
— sagen wir besser — des geringen Jnteresses der Zivilbehörden
stand sie damit vor einer schwierigen und klippenreichen Aufgabe.
Bevor sie daran denken konnte, mit Reformvorschlägen für das Zivil-
Verm.-Wesen hervorzutreten, war der Frage näherzutreten, ob sie
nicht unter Verzicht auf eine weitgehendere Mitarbeit der Zivilbehör-
den, als sie ihr bisher schon gewährt wird, imstande wäre, lediglich
aus eigner Kraft die geplante Neuaufnahme grossen Massstabes durch-
zuführen. Es war also zu prüfen, ob sich das vorhandene Grund-
material für unsere Zwecke stärker ausnützen lässt als bisher. Die
Katasterbehörde vertrat diese Ansicht.
Wir müssen zur Beantwortung dieser Frage einen kurzen Blick
auf den Stand unserer Katastervermessung werfen. Man kann nicht
behaupten, dass Preussen auf diesem Gebiet absolut auf der Höhe ist.
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft 5. 10
138 Rönne. Welche Gesichtspunkte eröffnet der Plan ete. Zeitschrift füg |
V BEE LE WD ey
Von dem gesamten Staatsgebiet sind nur etwa 10%,*) auf Grund der
neueren Katasteranweisungen vermessen, d. h. an das Dreiecksnelz
der Landesaufnahme angeschlossen und mit Koordinatennetzen oder
ten nötigen Stülzpunkten zu ihrem Entwurf versehen, so dass die Flur-
pläne ohne weiteres auf den gewünschten Massstab gebracht und
der topographischen Bearbeitung zugrunde gelegt werden können.
Die Pläne dieser Art stellen natürlich auch kein zusammenhängendes
Gebiet dar, sondern beschränken sich auf einzelne Gtemarkungen oder
auch nur Teile von ıhnen, in denen aus steuertechnischen Gründen
eine Neuvermessung geboten war. Die Flurpläne von etwa %%o «des
preussischen Gebietes sind je nach dem Alter ihrer Aufnahme, das
bis an den Anfang des vorigen Jahrhunderts zurückreicht, meist
nur in der Form verwendbar, dass sie sich stückweise in ein trivo-
metrisch oder durch Polygonzüge bestimmtes dichtes Punktnetz ein-
passen lassen. Ein nicht unerheblicher Teil ist als Grundlage für die
topographische Aufnahme überhaupt nicht verwendbar. Für diesen
Übelstand kann man die Behörde nicht verantwortlich machen. Für
den Kataster hat der Plan eine mehr nebensächliche Bedeutung. Er
ist für ihn nur ein Bild. Massgebend für die darauf sich stützende Ar-
beit sind lediglich die Messzahlen. Nur ein Beispiel: Es hat sich beim
Zusammenpassen von Flurkarten wiederholt herausgestellt, dass selbst
die darin eingetragenen trigonometrischen Punkte der Landesaufnahme
zueinander nicht richtig lagen. Zunächst eine überraschende lest-
stellung, die aber sofort erklärlich wird, wenn man berücksichtigt,
lass der trig. Punkt nachträglich in die vorhandene Katasterkarte ein-
gemessen wird und die Genauigkeit seiner Lage von den Ausgangswer-
ten seiner Bestimmung abhängt. Die Katasterbehörde vertrat den Stand-
punkt, dass sich trotz der zugestandenen Mängel alle Flurkarten, auch
wenn sie nicht mit Koordinatennetzen versehen sind, ohne grosse Un-
stimmigkeiten hervorzurufen, zusammenpassen liessen. Gemeinsame
Versuche sollten darüber Klarheit schaffen. Von der Topographischen
Abteilung wurde zunächst die Prüfung eines (rebietes in der (wrösse
eines Messtischblattes in der Nähe von Potsdam ausgewählt, dessen
(‚rundmaterial aus den verschiedensten Zeiten: stammt, das also als ein
Normalblatt angesehen werden kann. An dem Versuch beteiligte sich
ein Vertreter der geodätischen Wissenschaft, ein Verm.-Dirigent der
I,andesaufnahme, der die Vorarbeiten für die topographischen Aulnah-
nen leitet, und ein erfahrener Landmesser. Das den Vertretern des Fi-
nanzministeriums vorgelegte Ergebnis war für den Topographen keine
*) Anmerkung: Die hier angegebenen Zahlen sind nur Annäherungswerte;
sie sind auf Grund der Erfährungen errechnet, die die Landesaufnahme bei der
Verwertung des l’Iurkartenmaterials für die Aufnalıme 1:25000 gemacht hat,
Ba ec EEE Ze 5 Zur DT 0E 2 zer Zu 7 A ...; 5 ur,0.‘
„eZeitschrift für. Rönne. Welche Gesichtspunkte eröffnet der Plan etc. 139
1919.
Überraschung, für die Katasterverwaltung aber nicht gerade erfreulich.
Es ergaben sich bei dem Versuch so grosse Klaffungen und Überschnei-
dungen in den Gemarkungsgrenzen, dass ohne weiteres ersichtlich war.
dass ein auf diesen Wege gewonnenes Grundmaterial unmöglich den
Genauigkeitsanforderungen einer Karte grossen Massstabes genügen
kann. Es genügt ja schon oft für 1:25000 nicht. Diese Erscheinung
ist auch erklärlich, wenn man bedenkt, dass die Durchführung des
Grund- und Gebäudesteuergesetzes von 1861, das überhaupt erst den
Grund zu einer auf ganz Preussen ausgedehnten staatlichen Kin-
richtung des Vermessungswesens legte, in wenigen Jahren zum Ab-
schluss gebracht werden musste und dass daher zu den Arbeiten Por-
sonal von zum Teil recht geringer Geeignetheit herangezogen wurde.
Die Katasterbehörde hielt sich durch dieses Prüfungsergebms
noch nicht für überzeugt und schlug neue Versuche- unter Leitung eines
bewährten Katasterbeamten und unter Vornahme von Ergänzunes-
messungen vor. Die Landesaufnahnme ging auch auf diese Anregung
nut Freuden ein. Der Versuch fand im Herbst 1918 in Ostpreussen
statt. Die Demobilmachung hat ihn unterbrochen, aber die leiten-
den Herren sind sich darüber bereits klar geworden, dass auch auf
diesem Wege nicht zum Ziel zu kommen ist — ganz abgesehen
davon, dass eine derartige Bearbeitung des Grundmaterials ja auch
schon einen erheblichen Aufwand an Personal, Zeit und Kosten ver-
ursacht. Die Genugtuung, mit der die Versuche von den beteiligten
Vertretern der Katasterbehörde begrüsst wurden, lässt übrigens darauf
schliessen, dass die Erneuerungsbedürftigkeit unseres Grundmatertals
auch auf -steuertechnischem Gebiet empfunden wird.
Die Frage kann auf Grund dieser Ergebnisse wohl als dahin ent-
schieden betrachtet werden, dass die Schaffung einer Einheitskarte
grossen Massstabes nur durchzuführen ist, wenn die Katasterverwaltung
von ihrem bisher durchaus berechtigten Standpunkt abgeht, dass sieNeu-
messungen nur dort vornimmt, wo es aus steuertechnischen Gründen
geboten ist. Die Umgestaltung dieser Behörde, deren Organisation
auf gänzlich veränderter Grundlage aufgebaut werden muss. ist die
Voraussetzung zur Schaffung eines Werkes von so gewaltigem Arbeits-
aufwand und finanzieller Tragweite, wie es eine Aufnahme im grossen
Massstabe ist. Dass die TLandesaufnahme aus eigener Kraft hierzu
nicht imstande ist, bedarf keiner eingehenden Beweisführung. Wir
brauchen ja nur zu bedenken, dass schon die Aufnähme in 1:25000
rund 50 Jahre beansprucht hat, und dass uns schon diese Zeitspanne
in die üble Lage versetzt, dass die alten Messtischblätter sich bereits
als unbrauchbar erweisen, ehe die Arbeit noch zum Abschlüss oekonı:
4
140 Rönne. Welche Gesichtspunkte eröfinet der Plan etc. Zeitschrift für
VSEERSAEDDES WESEN
men ist. Haben wir hier schon gleichsam eine Schraube ohne Ende,
wie würde es erst sein, wenn die Aufnahme das 2—B3fache an Zeit
und Kosten verlangt; denn an eine Personalvermehrung, die im-
stande wäre, den erhöhten Zeitaufwand auszugleichen, ist doch ernst-
haft nicht zu denken. Ausserdem kommt für die praktische Verwertbar-
keit der Karte grossen Massstabes nur die zahlenmässige Messung, wie
sie der Landınesser ausführt, nicht das praktische Verfahren der Lan-
desaufnahme in Betracht. Wenn dieses Werk also trotz unserer wirt-
schaftlichen Lage in absehbarer Zeit in Angriff genommen werden soll,
so kann es nur durch Zusammenarbeit der Landesaufnahme mit der Ka-
taster- oder richtiger gesagt mit der Grundstücksmessung erfolgen. Die
Katasterverwaltung darf dann nicht nur Steuerbehörde sein, sondern sie
muss ın Vermessungs- und Steuerbehörde geteilt werden, wobei der
ersteren die Grundstücksmessung ganz allgemein zu übertragen wäre.
Dieser neuen Behörde würden dann auch alle dieMessungsarbeiten zu
übertragen sein, die jetzt von anderen Zivilbehörden selbständig aus-
geführt werden. Ob und wie weit dies durchführbar ist, ist eine Frage,
bei der natürlich die beteiligten Behörden gehört werden müssten.
Sicher ist zunächst eine schroffe Ablehnung. Der Soldat — das ist ein
grosser Vorzug des vielgeschmähten Militarismus — ist daran ge-
wöhnt, dass es auf dem Gebiet des Heerwesens keinen Stillstand gibt,
dass beispielsweise jede technische Erfindung so sÄhnell wie möglich
nutzbar gemacht werden muss, auch wenn sie die bisherigen Ein-
richtungen und Anschauungen vollständig umwirft. Die Zivilbehörden
vertreten — (das soll kein Vorwurf, sondern nur eine Feststellung der
Tatsachen sein — immer mehr den Standpunkt „Quieta non movere‘.
Jch glaube, den Beweis erbracht zu haben, dass die Frage der
Einheitskarte unweigerlich auch «die der Vereinheitlichung des Ver-
messungswesens aufrollt. Ob auch die technischen Vermessungen —
beispielsweise der Eisenbahn- und Wasserbaubehörden — mit hinein-
zuziehen sind, darf dahingestellt bleiben. Anzustreben wäre auch dies.
Jedenfalls würde der Zentralstelle die Aufgabe zuzuweisen sein, alle
Vermessungsergebnisse der staatlichen und (Gemeindebehörden und
möglichst auch die von Privatlandmessern ausgeführten Arbeiten zu
sammeln. Durch (iesetz muss sichergestellt werden, dass sie alle
an das Dreiecksnetz der Landesaufnahme angeschlossen werden. Das
Zentral-Direktorium der Vermessungen würde damit überflüssig werden.
Wenn wir also an dem Plan der Einheitskarte festhalten, dann ist der
Ruf der Landmesser nach Vereinheitlichung des Vermessungswesens von
der Landesaufnahme nur zu begrüssen, denn er bestärkt uns inderüÜber-
zeugung, dass dieser (iedanke praktisch durchführbar ist. Es wäre
doch merkwürdig, wenn die in den grossen Verbänden vereinigten
Zeitschrift für Rönne. Welche Gesichtspunkte eröftnet der Plan etc. 141
a
®
Fachleute, also Herren, die mitten in der Praxis stehen, einen Weg
zeigen würden, der sich von vornherein als ungangbar erweist.
Wir kommen nun aber zu einem Punkt, den scheinbar der Ver-
fasser des eingangs erwähnten Flugblattes ganz überschen hat. Zur
Schaffung der geplanten Karte grossen Massstabes ist zwar — wie wir
gesehen haben — die Landesaufnahme allein nicht imstande, aber
ebensowenig sind es die Landıinesser unter Ausschaltung der Landes-
aufnahme. Abgesehen davon, dass man wohl selbst unter heutigen Ver-
hältnissen nicht gut eine Behörde von etwa 300 Offizieren und Beamten
ohne weiteres beseitigen kann, fehlen dem Landmesser auch die Fähig-
keiten und die Schulung zur Übernahme sowohl der trigonometrischen
Unterlagen wie der topographischen und kartographischen Bearbeitune.
Es sei nur daran erinnert, welche hohen Anforderungen beispielsweise
an die Geländeauffassung des Topographen gestellt werden müssen, um
ein wirklich getreues Abbild der Natur zu liefern. Zu dem Rüstzeug :iles
Topographen gehören auch noch Kenntnisse und Jnteressen mannig-
fachster Art, beispielsweise auf dem (Gebiet der Geologie, Archäologie
usw., Dinge, die bisher vielleicht etwas stiefmütterlieh behandelt
wurden, weil die Verhältnisse dazu zwangen, auf die Kosten und damit
auch auf das Tempo der Aufnahmen zu drücken. Der grosse
Massstab wird auch die Anforderungen in dieser Beziehung stei-
gern und den Topographen zwingen, .an seiner Fortbildung dauernd
zu arbeiten. Wenn aber schon der Beamte der Landesaufnahme,
der über jahrelange Praxis verfügt, für die Mitarbeit an der Karte
grossen Massstabes noch der Vervollkommmung bedarf, wie steht
es um den Landmesser? Die Erfahrungen des Kriegsvermessungs-
wesens haben doch gerade bewiesen, dass der Landmesser die Ar-
beiten, die hier vorliegen, in keiner Weise beherrscht, ja dass er
durch seine so gänzlich anders geartete Arbeitsweise sich den Blick
für die Natur, für das Gelände geradezu verdorben hat. Jch habe
diese Ansicht nicht nur übereinstimmend von Offizieren und Beam-
ten bestätigt gefunden, die lange Zeit im Kriegsvermessungsdienst
gestanden haben. sondern sie wird auch von den Landmessern selbst
"geteilt, wie ein in der Zeitschrift des Verbandes vermessungstech-
nischer Beamten*) erschienener Aufsatz „Neudeutsches Vermessungs-
wesen“ beweist.
Wenn wir aus den bisherigen Ausführungen die Schlussfolgerungen
ziehen, die sich aus dem Entwurf der Einheitskarte oder richtiger der
Aufnahme grossen Massstabes für die anzustrebende Einrichtung dos
gesamten Vermessungswesens in Preussen — ich komme auf die Ver-
einheitlichung innerhalb des ganzen Reiches zum Schluss noch kurz
*), Anmerkung: Heft 6 vom 1. Juni 17.
142 Rönne. Welche.Gesichtspunkte eröftnet der Plan etc. _ Zeitschrift für
2 : ' ! ; Vermessungs wesen
zu sprechen — ergeben, so wird sich etwa folgendes Bill bieten:
Die gesamten Vermessungsarbeiten, die sich mit Gerundstücksmessung
befassen, werden aus den verschielenen Behörden 'herausgelöst und
einem Landesvermessungsamt unterstellt. Zweek dieser Abteilung für
Grunestücksmessung ist, die für den Bedarf der Behörden notwendigen
Messungen auszuführen, sowie «das Grundmaterial für eine \ufnahme
grossen Massstabes zu liefern. Jhr würde auch die Sammlung aller
Vermessungsergebnisse obliegen. Der erstgenannte Zweck lässt es
notwendig erscheinen, die Arbeiten von vornherem zu trennen,
denn er verlangt inniges Zusammenarbeiten mit Publikum und ört-
lichen Behörden. Beim Landesamt wird nur eine Personal-Reserve
erforderlich sein zur einheitlichen Durchführung grösserer zusammen-
hängender Arbeiten und zur Herbeiführung notwendig werdenden
Personalausgleiches. Sollen auch die technischen Vermessungen nach
ähnlichen ‚Gesichtspunkten vereinheitlicht werden, so würde eine ge-
sonderte Abteilung hierfür zu bilden sein. Zu dem Landesvermessungs-
amt treten als in sich selbständige (lieder die aus der Landesaufnahme
zu bildenden Abteilungen für Hauptdreiecksmessung, die Topographische
Abteilung und die Kartographische Abteilung, wobei letztere — nach
kaufmännischen Gesichtspunkten geleitet — nach Möglichkeit die
Aufwendungen des Staates für Vermessungsarbeiten einschränken soll.
Ein Kartenmonopol oder wenigstens ein erheblich verschärfter Urheber-
schutz kann ihr hierzu verhelfen. Ob eine besondere Photogram-
metrische Abteilung notwendig ist, wird «davon abhängen, welchen
Wert «die Stereophotogrammetrie und Luftbildmessung bei der geo-
graphischen Beschaffenheit Preussens für die Friedensarheit gewinnt.
Dass sie als Wissenschaft und mit Rücksicht auf ihre Verwertung
im Dienst der Kriegsvermessung weiter gefördert werden muss, ist
eine andere Frage. Unter Umständen wird es genügen, eine photo-
grammetrische Sektion entweder der topographischen oder einer wissen-
schaftlichen oder Versuchsabteilung anzugliedern, wenn die Mittel
zur Bildung einer solchen aufgebracht werden können. Wünschenswert
erscheint es mir aber jedenfalls, dass das geodätische Institut in enge
Verbindung mit dem Landesvermessungsamt tritt, damit die engen Be-
ziehungen (des Landesamtes mit der geodätischen Wissenschaft sicher-
gestellt und auch äusserlich gekennzeichnet werden.
Die aus der Landesaufnahme zu bildenden Abteilungen würden
also zu den Abteilungen für Grundstücksmessung usw. in ein völlig
gleichgeordnetes Verhältnis treten. Rang- und (Gehaltsverhältnisse be-
dürfen möglichst einheitlicher Regelung. Der in Landinesserkreisen
häufig geltend gemachte Standpunkt, dass ihnen auf Grund ihres
Hochschulstudiums eine übergeordnete Stellung zukommt, lässt sich
ee ur... Rönne. Welche Gesichtspunkte eröffnet der Plan etc. 1.43
1919.
nicht aufrecht erhalten. Ein Teil der Beamten der Landesaufnahme be-
sität Hochschulbildung und der übrige ersetzt dieses in den meisten
Fällen durch eine besondere wissenschaftliche und fachmännische Aus-
bildung in Sonderlehrgängen auf den Militärschulen, durch eine längere
theoretische und praktische Ausbildung in'der Behörde selbst und durch
fortbildendes Selbststudium. Eine derartige Auffassung scheint mir ganz
besonders auch demteist der heutigenZeit zu widersprechen, die sich
doch gerade von solchen engherzigen Gesichtspunkten freimachen will.
Freilich schafft die hier in groben Strichen skizzierte Neuordnung nur
einen Übergangszustand, der sich auf den nun einmal bestehenden Ver-
hältnissen aufbaut. Später wird es sich allerdings als zweckmässig und
studium. Eine derartige Auffassung scheint mir ganz besonders auch
dem teist der heutigen Zeit zu widersprechen, die sich doch gerade
von solchen engherzigen (Gesichtspunkten freimachen will. Freilich
schafft die hier in groben Strichen skizzierte Organisation nur einen
Übergangszustand, der sich auf den nun einmal bestehenden Verhält-
nissen aufbaut. Später wird es sich allerdings als zweckwmässig und
notwendig erweisen, dass alle im Vermessungswesen tätigen Beamten
gleiche Vorbedingungen bei der .\nnahme erfüllen und eine gleiche
geodätische (irundbildung nachweisen müssen. Die Frage der Bildung
einer besonderen Klasse niederer Beamten, mag man sie Verm.-Tech-
niker, Assistenten oder ähnlich nennen, übergehe ich, sie hat in diesem
Zusammenhang kein Jnteresse. Zu erwägen wäre noch, ob auch für die
aus (er Landesaufnahme zu bildenden Abteilungen — insbesondere
die Topographische — eine Dezentralisation vorteilhaft ist. Vor der
Hand scheint mir dies nicht erforderlich. Mit fortschreitender Aufnahme
wird sich aber möglicherweise eine an die Verwaltungsbehörden sich
anpassende Dezentralisation, insbesondere für die Fortführungsarbeiten,
als zweckmässig erweisen.
Auf die Frage, wie bei einer solchen Einrichtung die Heeresinter-
essen gewahrt werden können, gehe ich hier nicht ein. Unumgänglich
notwendig ist die Schaffung von Sicherheiten hierfür. Jch beschränke
mich auf den Hinweis, dass wir an Württemberg einen Anhalt
haben, auf welchem Wege «die militärischen Rücksichten etwa sicher-
gestellt werden müssen, wenn «das ganze Landes-Vern.-Amt als Zivil-
behörde eingerichtet wird.
Das wäre in grossen Zügen, wie ich mir den Plan der Ver-
einheitlichung des Vermessungswesens in Preussen in die Praxis über-
tragen, denke.
Die Vereinheitlichung des Vermessungswesens im ganzen Reich
ist dagegen nicht eine rein technische Zweekmässigkeitsfrage, sondern
in erster Linie eine politische. Dass zum mindesten die Schaffung
144 Rönne. Welche Gesichtspunkte eröftinet der Plan etc. Zeitschrift für
j ae enen
eines Organs notwendig wird, dem die Aufstellung einheitlicher geo-
dätischer Grundlagen und Richtlinien für das gesamte Vermessungs-
und Kartenwesen Deutschlands obliegt, ist zweifellos. Ob die Lösung
durch eine Organisation angestrebt wird, die etwa der bereits in ihren
Ansätzen bestehenden Obersten militärischen Vermessungsstelle ent-
spricht, oder ob ein Reichsvermessungsamt geschaffen werden soll,
das natürlich sehr viel besser in der Lage wäre, die Einheitlichkeit
im Vermessungswesen herbeizuführen, wird davon abhängen, ob bei
der Neugestaltung des Reiches der bundesstaatliche Charakter cer-
halten bleibt, oder ob der Gedanke des Einheitsstaates sich durchsetzt.
Jm ersteren Falle ist anzustreben, dass die Einrichtung der Obersten
Vermessungsstelle in der Richtung noch einer Prüfung unterzogen
wird, dass sie wesentlich einfacher, schneller und billiger zu arbeiten iu
‘ der Lage ist. Dazu würde ich die Beschränkung der Teilnehmer an
den Vollversammlungen auf die Vertreter der über selbständige Vermes-
sungsbehörden verfügenden Bundesstaaten vorschlagen, deren Stimmen-
gewicht etwa entsprezhend dem der (iliedstaaten in dem durch
die Verfassung vorgesehenen Staatenhaus entspricht. Es würden also
aus der Zahl der ordentlichen Mitglieder die Vertreter der einzelnen
Behörden, und die Vertreter der Wissenschaft ausscheiden. Für be-
stimmte Zwecke können aus den letztgenannten Kreisen Sachverstän-
dige als besondere Teilnehmer ohne Stimmberechtigung herangezogen
werden. Auch das ständige Büro ist so einfach wie möglich zu ge-
stalten. Von einschneidender Bedeutung ist die Frage, ob der Vorsitz
in der Obersten Verm.-Stelle einer hierfür eigens vom Reich eingesetz-
ten und besoldeten Persönlichkeit übertragen werden soll, oder ob er ın
Personalunion mit der Stelle des Chefs der Landesaufnahme einestilied-
staates vereinigt werden kann. Auch über diese Frage lässt sich erst ver-
handeln, wenn die Verfassung die innerpolitischen Verhältnisse geklärt hat.
Sollte — woran allerdings bei der augenblicklichen Stimmung
stark zu zweifeln ist — die Schaffung eines Reichsvermessungsamts
durchführbar erscheinen, so würde es darauf ankoınmen, die Selb-
ständigkeit der einzelstaatlichen Vermessung unter Berücksichtigung
ihrer geschichtlichen Entwickelung zu schonen, allein schon deshalb,
weil Preussen als grösster Gliedstaat an sich auf dem Gebiete der
Landesverimessung gegenüber den kleineren Staaten im Rückstand und
Nachteil ist. Jhm zuliebe kann der Fortschritt in den kleineren Giied-
staaten nicht gehemmt werden, andererseits aber kann Preussen aus
finanziellen und technischen Gründen den Vorsprung nur sehr allınäh-
lich einholen. Auch liegen für Preussen doch sehr erheblich andere
Verhältnisse vor wie in Süddeutschland, die durch die (irösse, die
geographische, wirtschaftliche und kulturelle Gestaltung seines Ge-
Zeitschrift für Lotz. Bemerkungen zu der vorstehenden Abhandlung. 145
Vermessungswesen
oe
bietes bedingt werden, so dass schon aus diesem Grund auch in einem
Reichsvermessungsamt die Verhältnisse in den einzelnen Reichsteilen
individuell behandelt werden müssen. Das ist auch der Grund, weshalb
ich mehr zu der erstgeschilderten Lösung neige.
Es bieten sich auf dem (Grebiet der Regelung des Vermessungs-
wesens eine Fülle von l,ösungen, an denen mitzuarbeiten für alle daran
interessierten Teile eine Quelle der Anregung und- Schaffensfreudigkeit
sein wird. Jn einer Zeit des Zusammenbruchs und der Enttäuschung
können wir es mit Dankbarkeit begrüssen, dass uns hier eine (iv-
legenheit winkt, an dem Aufbau neuer Verhältnisse mitarbeiten zu.
dürfen.
Bemerkungen zu der vorstehenden Abhandlung.
Der Herr Verfasser glaubt betonen zu müssen, dass bei der Be-
urteilung der behandelten Fragen die sachlichen Jnteressen in «len
Vordergrund und ihnen alle Standes- und Berufsinteressen unter-, nicht
überzuordnen seien. Darin ist ihm rückhaltlos zuzustimmen. Wo bis-
her die Schaffung einer Einheitskarte in den Zeitschriften der wissen-
schaftlich vorgebildeten Vermessungsbeamten behandelt worden Ist,
haben Standes- und Berufsinteressen keine Rolle gespielt. Jimmer ıst
vorausgesetzt gewesen, dass die „Landesaufnahme‘“ nach wie vor die
Grundlagen dazu durch ihre für wissenschaftliche Zwecke der Erd-
wmessung und die wirtschaftlichen Zwecke des Landes bestimmten
Arbeiten der (Girosstriangulation, der Haupt-Nivellements sowie der
Topographie werde zu schaffen haben. Unbestreitbar ist aber durch
die politische Umwälzung, den Kriegsausgang und die daraus ent-
springende Wahrscheinlichkeit einer völligen Umgestaltung unseres
Heereswesens in Frage gestellt, ob die „Landesaufnahme‘“ nunmehr
weiterhin eine militärische Einrichtung bleiben wird und karn. Weil
die neuen Verhältnisse dazu führen können, dass die militärischen
Dienststellen für Landesaufnahmen verschwinden oder eingeschränkt
werden, ist der Versuch einer Beantwortung der Frage nicht müssig,
welche Massnahmen zu treffen sein werden, um eine so staatsnotwen-
dige Einrichtung fortzuführen, deren Träger bisher die Heeresver-
waltung ist. Je eingehender diese Frage erörtert wird. desto leichter
wird es sein, sie zu entscheiden.
Es steht über allem Zweifel, dass die Arbeiten und Leistungen
der „Landesaufnahmen“ nach Art und Umfang als mustergültig an-
erkannt werden. Zum nicht geringen Teile beruht ihr Erfolg auf der
militärisch straffen Disziplin, die es ermöglichte, durch weitgehende
Arbeitsteilung und Einschulung des Personals auf stets zu wielder-
holende Einzelheiten — Spezialisierung und Mechanisierung -— ein
146 Lotz. ‚Bemerkungen zu der vorstehenden Abhandlung. |, Zeitsehritt für
- vVernessüigswesen
1919
so erosses Gesamtwerk zu schaffen, dessen wissenschaftliche Ver-
tretung und Leitung nur einer kleinen Anzahl von Personen oblag.
Der Fortfall der militärischen Ordnung des Betriebes, der geschäfts-
mässigen Hleranbildung der Arbeitskräfte, das Fehlen der für die
Feldarbeiten künftig vermutlich nieht verfügbaren militärischen, billigen
Hilfskräfte, welche den Trigonometern und Topographen bisher bei-
gegeben werden konnten, -werden bei der Beurteilung der Kosten-
fragen eine grosse Rolle spielen. Werden doch solche Einwirkungen
sich sogleich auch dann schon geltend machen, wenn unter der neuen
freieren Staatsform künftig ein nicht auf dem Zwange allgemeiner
Dienstpflicht aufgebautes und erheblich vermindertes stehendes Heer
gehalten werden könnte. Denn es ist durchaus unwahrscheinlich, dass
für dies kleinere Heer die bisherigen; weit ausgestalteten Einrich-
tungen des (irossen Generalstabs, zu denen auch die „Landesaufnahme
gsechört, bestehen bleiben können. Damit ist aber die. Frage des
Ersatzes der Arbeitskräfte der Landesaufnahme aufgeworfen.
Da die Dinge nun einmal so liegen, dürfen die Landmesser sich
wohl für besonders berechtigt halten, ihnen ihre Aufmerksamkeit
zuzuwenden und ihre Ansichten über die zu treffenden neuen Mass-
nahmen Öffentlich auszusprechen. Denn sicher steht kein anderer
Zivilberufsstand dem militärischen Vermessungswesen näher. Man
dlarf deshalb m. E. zunächst der Verschmelzung der z. Zt. bestehen-
den, mit Vermessungen befassten, militärischen und zivilen Dienst-
stellen zu einer einheitlich gegliederten Behörde — TLandesvermes-
sungsamt od. ähnlich — wohl (das Wort reden. Dass bei deren
bildung «die noch dienstfähigen Offiziere, Beamten und Angestellten
der jetzigen Landesaufnahme einfach beiseite geschoben werden könn-
len, ist gewiss nicht zu besorgen. Sie würden bestimmt in dem
neuen (iebilde ihren Platz erhalten müssen. Dies schon deshalb,
weil sie z. Zt. noch die Träger der Landesaufnahme-Arbeiten und
ihrer Traditionen sind, deren Erfahrung und Schulung der Sache nicht
verloren gehen dürfen. Für spätere Zeit wird jedoch mit einer an-
deren Auffüllung der erforderlichen Arbeitskräfte gerechnet werden
müssen. Ob dazu ausschliesslich der Stand der wissenschaftlich vor-
gebildeten Landmesser berufen sein wird, steht ebenso dahin, wie die
Beantwortung der Frage nach einer zweckentsprechenden Vor- und
Ausbildung der auf diesem und anderen Sondergebieten des Land-
messwesens zu verwendenden Fachleute überhaupt. Sicher muss uns
aber scheinen, dass der Landmesser berufen ist, die erste Stelle
darın einzunehmen. |
Leider ist über die von dem Herrn Major v. Rönne erwähnten
Arbeiten und Beratungen zur Organisation der „Obersten militäri-
Le u Lotz. Bemerkungen zu der vorstehenden Abhandlung. 147
INN,
schen Vermessungsstelle im Reiche” und ihren Einfluss auf das
Zivilvermessungswesen so gut wie gar nichts in unseren. Fachkreisen
bekannt geworden. Die Ergebnisse konnten und können daher auch
jetzt keiner öffentlichen Beurteilung ‚unterzogen werden, obwohl diese
für die Sache gewiks keinen Schaden bringen, sondern nur nützlich
wirken würde. Denn immer wird die Praxis in der Lage sein, der
Neuordnung einer so wichtigen Materie Hilfe zu leisten. Dabei
soll nicht bezweifelt werden, (dass zu den stattgefundenen Beratun-
sen namhafte Sachverständige aus allen Gebieten des Vermessungs-
wesens, namentlich aus den Kreisen seiner wissenschaftlichen Ver-
treter, zu Worte gekommen sein werden.
Den Ausführungen des Herrn v. Rönne über den für eine Eın-
heitskarte zu wählenden Massstab und ihren Jnhalt wird jeder
Sachverständige, solange er die praktischen Bedürfnisse in den Brenn-
punkt rückt, die Zustimmung kaum versagen können. Um eine allee-
meine Wirtschaftskarte von überall gleichem Massstabe zu erlangen,
ist es nicht notwendig, besondere Aufnahmen lediglich für
diesen Zweck zu veranstalten. Als Unterlagen dazu sind vielmehr
stets gute Katasteraufnahmen des Grundbesitzes dienlich, welche über-
all an die trigonometrische Landesvermessung angeschlossen sind,
wenn ihr Massstabsverhältnis auch von der grösseren oder geringeren
Parzellierung des (rrundbesitzes und dem Bedürfnis der deutlichen
und fortführungsfähigen Darstellung für Katasterzwecke bestimmt
wird. Aus derart einwandfreien Katasterkarten lässt sieh, mit
den heutigen vollkommenen Hilfsmitteln, auf mechanischem Wege,
anlehnend an (die trigonometrischen Ortsbestimmungen und die ın
den Katasterblättern eingezeichneten, gleichmässig orientierten Qua-
drahtnetze, zuverlässig die (iundlage für zusammenhängende Lan-
deskarten beliebigen Massstabs und beliebiger Blatteinteilung in jedem
Falle ohne Arbeitsverluste schaffen. Nur die Vervollständigung sol-
cher Grundlagen mit Höhenangaben (Horizontalkurven) und topo-
graphisch wichtigen Erscheinungen im Gelände bleibt der örtlichen
Ermittelung des Topographen in besonderer Arbeit vorbehalten.
Dieser an sich natürlichsten Entstehung einer Landeskarte im
Sinne der vielverlangten Einheitskarte können aber die heutigen
preussischen Grundsteuer-Gemarkungskarten der Katasterverwaltung in
ihrer Gesamtheit nicht genügen. Sie sind bei der Grundsteuerrege-
lung nach dem Gesetze v. 21. Mai 1861 zu über 80 vH. aus sehr ver-
schiedenartigen und -wertigem, zusammenhanglosen Material von Se-
parations-, Giemeinheitsteilungs-, Forst-, Gutswirtschafts- und anderen
Karten, oft recht alten und gelegentlich auch zweifelhaften Ursprungs,
durch Kopierung gewonnen worden. Der Rest ist zwar aus eigenen
148 Lotz. Bemerkungen zu der vorstehenden Abhandlung. _ Zeitschrift für
NOROSTRESMESER,
gemarkungsweise selbständigen Neumessungen hervorgegangen. aber
auch dieser konnte für den damaligen Steuerzweck oft nur notdürftig
genügen. Dazu kommt der Mangel, dass die Ortslagen im grössten
Teile Preussens von der speziellen Aufmessung der Hofräume und der
Gebäude ausgeschlossen blieben. (Ungetrennte Hofräume.) Der gegen-
seitige Anschluss der (iemarkungskarten-Blätter lässt durchweg fast
alles zu wünschen übrig. Besonders schlecht ist es um ihn bestellt,
wenn die Gemarkungsgrenzen von natürlichen Wasserläufen gebildet
werden und die Entstehung der verwendeten Urbilder benachbarter
Katasterkarten zeitlich mehr oder weniger von einander abweicht.
Jm Blattinnern häufen sich oft Fehler über Fehler. Jhre Beseitigung
bietet bei den Fortführungsarbeiten seit 1865 bis zur Gegenwart un-
erfreuliche und oftmals kaum zu überwindende Schwierigkeiten. Fast
nur in den auf Grund der Vorschriften v. 25. 10. 1881 entstandenen
Neumessungen der Katasterkarten findet sich ein wirklich zweifels-
freier Nachweis des Eigentums an Grund und Boden. Die mit der
Unterstellung der Katasternachweise in den Dienst der Grundbuchfüh-
rung seit dem Gesetz v. 5. Mai 1872 notwendige Zuverlässigkeit ihres
materiellen Jnhalts ist daher. bis auf den heutigen Tag nur in geringem
Umfange gegeben. Obwohl die Tatsache feststeht, dass die Kataster-
verwaltung und ihr überaus verdienstvoller Schöpfer und langjähriger
Leiter, der derzeitige Generalinspektor F. (+. Gauss, mit den An-
weisungen VII, IX u. X v. 25. 10. 1881 zur Erneuerung des Grund-
steuerkatasters, rationelle und vorbildliche Vermessungsmethoden auf-
gestellt haben, welche allen Ansprüchen zur genauen und sorgfältigen
Erfassung der wirtschaftlich wichtigen Eigentums- und Kulturverhält-
nisse gerecht werden, muss es auch heute noch als ein schwerwiegen-
der Fehler angesehen werden, dass die Verwaltung es unterlassen hal,
auf Grund der genannten Vorschriften planmässig zur Erneuerung
und Besserung ihres Kartenwerks zu schreiten, und dass sie deshalb
hinter der Entwickelung in den süddeutschen Bundesstaaten so sehr
zurückgeblieben ist. Wenn die Katasterverwaltung auch seit langen
Jahren für diesen Zweck, anfänglich 200000 Mk., später 500000 Mk.
jährlich in ihrem Haushaltungsplan führt, so sind diese Mittel m. E.
doch bei weitem nicht aufgewendet worden. Die (Gründe sind un-
bekannt und können auch hier nicht untersucht werden. Trotz des
Einflusses, welchen die Bestimmung des $ 14 des (iesetzes wegen
Aufhebung direkter Staatssteuern v. 14. Juli 1893 auf die Unterneh-
mung von Neumessungen im Jnteresse der Kommunalverwaltungen,
unit Beihilfe seitens der Staatsverwaltung, bisher hier und da gehabt
hat, sowie trotz des Zuwachses an Neumessungsmaterial aus dem
Arbeitsgebiete der landwirtschaftlichen Verwaltung (Generulkommis-
Zeitschrift für _ J.otz. Bemerkungen zu der vorstehenden Abhandlung. 149
tr ae
sionen) ist bis heute für «die allgemeine Besserung des Kataster-
kartenwerks nicht gerade viel gewonnen worden. Jn engerem organi-
schem Zusammenarbeiten mit der militärischen Landesaufnahme hätte
sich für den Aufbau einer alle Ansprüche befriedigenden Landeskarte
sicher schon sehr viel mehr erreichen lassen, als bis heute erreicht
worden ist.
Wie sehr die von Herrn v. Rönne erwähnte Heranziehung ‚von
ungeeignetem Personal von z. T. recht zweifelhafter Qualität‘ bei
den Arbeiten der Grundsteuerregelung in den Jahren 1862--1865 der
Sache, dem Rufe und der Wertung des Landmesserstandes geschadet
hat, das weiss und empfindet wohl jeder seiner Angehörigen; denn
der Stand leidet heute noch sehr darunter. Freilich sind der Umfang
und die Eilbedürftigkeit jener Arbeiten (rründe für die Notwendigkeit
jer Massnahmen gewesen, die durchaus nicht zu verkennen sind.
Aber die Verwaltung hätte es sich angelegen sein lassen müssen,
die üblen Folgen ihrer Schnellarbeit durch geeignete Massnahmen
auf sachlichem und persönlichem Gebiete baldigst planmässig und
nachhaltig abzuschwächen und zu beseitigen.
Wie dem allem auch sein mag, bestimmt stehen wir heute vor
der Tatsache, dass die preussischen Katasterkarten in ihrer Gesanıt-
heit rückständig sind und keineswegs auf der Höhe der Kartenwerke
unserer süddeutschen Bundesstaaten stehen. Der gute Wille sie ge-
legentlich der Fortführungsarbeiten von Fall zu Fall mit ins Kleinste
und Peinlichste gehenden Vorschriften zu bessern und die Erfolge,
die damit auch unzweifelhaft erzielt wurden, genügten nicht; denn sie-
‚sind keine durchgreifenden Taten. Ohne Übertreibung kann man
behaupten, dass die gelegentlichen Besserungen kleinen örtlichen Um-
fanges nur dazu geführt haben, dass der Grundstücksnachweis sich
auf zahllosen Einzelblättern, den sog. Ergänzungskarten, fortge-
setzt weiter zersplitterte und die geschlossene Darstellung immer
mehr in Einzelbilder auflöste, deren Zusammenfassung oft platter-
dings unmöglich geworden ist. Dies hat auch die bestehende Vor-
schrift nicht verhindern können, wonach neben der Neudarstellung
einer Grundstücksmasse nach den neuen Messungsergebnissen stets
auch noch das alte Urbild unter sachgemässer Verteilung der auftre-
tenden Abweichungen zu ergänzen bleibt.
Bei dieser Sachlage waren die auf Veranlassung der „Landes-
aufnahme‘ angestellten Versuche, die Grundlage zu einer „Einheits-
karte“ im Massstabe 1:5000 aus den preussischen Katasterkarten zu
gewinnen, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Das war mir
klar, als im Herbst v. J., nach Auftrag des Finanzministeriums,
im Katasterbüro der hiesigen Regierung der Versuch angestellt wurde,
150 Lotz. Bemerkungen zu der vorstehenden Abhändlung. _. Zeitsehrift für’, ,
Vermessiingswesen
für den von mir gewählten Raum des Messtischblattes 999 (Grammen)
eine solche Einheitskarte 1:5000 aus den Grundsteuer-Geinarkunes-
karten zusammentragen zu lassen.
Schon in den Abweichungen der Gemarkungsgrenzen aneinander-
stossenden Blätter entstanden schwere Hindernisse. Die Zusammen-
passung auf Grundlage der katastermässig eingemessenen, in den’
Gemarkungskarten nachgewiesenen trigonometrischen Punkte der Lan-
desaufnahme, welche für das zu bearbeitende (Gebiet zuvor nach ihren
Koordinaten auf zusammenhängenden Blättern aufgetragen, das (iv-
rüst für die Darstellung in 1:5000 abgeben mussten, zeigte sich un-
möglich. denn die Einmessung der trig. Punkte und ihre Eintragung
in die Katasterkarten war in sehr vielen Fällen oft ganz erheblich
ungenau. Dies namentlich in Gutsbezirken, ın welchen es an zuver-
lässigen Anschlusspunkten für die Einmessung der Standorte der tri-
gonometrischen Punktmarken fast immer fehlte. Daran konnte auch
die sorgfältigste Nachprüfung ihrer bestehenden Eintragung in den.
Katasterkarten nach den gegebenen Einmessungselementen unter Be-
rücksichtigung des Karten-Einschwundes kaum einmal etwas ändern.
\Wenn schon die mit Hilfe eines Coradi’schen Präzisions-Pantographen
auf den verlangten Massstab gebrachten Umringe der einzelnen (ie-
markungen sich zu einen zusammenschliessenden Bilde ohne Über-
deckungen und Klaffungen nicht vereinigen liessen,‘ so zeigten sich
weiterhin noch ganz erhebliche Abweichungen in den Übergangs-
siellen des Netzes der Wege und Wasserläufe an den Rändern der
einzelnen Gemarkungen von einem zum andern Blatte. Ferner stellte
sich heraus, dass Wege, die seit Jahrzehnten zu Chausseen aus-
gebaut sind, in den Katasterkarten nicht zur Nachtragung gekommen
sind. Anderseits fand sich, dass viele, bei Separationen und Zusam-
imenlegungen rezessmässig geplanten, Wege und Gräben nicht örtlich
ausgebaut wurden und statt ihrer die vor der Umlegung der Grund-
stücke bestandenen Wege usw. noch heute im Gelände vorhanden
sind und dass mancherlei ähnliche Unstimmigkeiten bestehen, zu
!leren Beseitigung umfangreiche örtliche Arbeiten nicht zu umgehen
sind. Als wirkliche und durchgreifende Besserung kommt immer
nur eine vollständige Neumessung in Betracht.
Aus all dem ergibt sich, dass die Grundsteuer-Gemarkungskarten
in ihrem jetzigen Bestande nun und nimmer für den Aufbau
einer sog. Finheitskarte verwendbar sind und dass es um ihre Be-
schaffenheit nicht eben gut bestellt ist. Sie sind bis heute nur ein :
karger Notbehelf gegenüber den Aufgaben, die sie erfüllen sollten und
könnten, wenn sie auf einer einheitlichen (irundlage beruhen würden. '
Über den Masstab einer „Einheitskarte“ mag man’ geteilter
a sehr Ni: Lotz. Bemerkungen zu der vorstehenden Abhandlung 151
1919.
Meinung sein, die Notwendigkeit, ein Landeskartenwerk, wie es die.
Arbeiten der militärischen Landesaulnahme in Preussen mit den
Messtischblättern 1:25000 geschaffen, nicht nur zu erhalten, son-
dern auszubauen, um zu Geländedarstellungen zu gelangen, welche
weiter gehenden Ansprüchen genügen können, Ist unbestreitbar. Der
\Weg zur Einheitskarte wird ohne Kraft- und Geldvergeudung über die
Herstellung guter Katasterkarten gehen müssen, deren Preussen ohne-
hin dringend bedarf. Überall angeschlossen an die trigometrische
landesaufnahme, können diese zu Karten jeden Maßstabs und jeder
Einteilung stets zusammengefasst werden. Die richtige Wiedergabe des
Eigentums an Grund und Boden ist für eine allgemeine Wirtschafts-
karte nicht minder unerlässliche Bedingung, wie die der topographi-
schen Verhältnisse, welche ihren wesentlichen Ausdruck in den Höhen-
schichtlinien finden. Von der Katasterkarte als (irundlage ausgehend,
wird die „Einheitskarte“ — oder Staats-Wirtschaftskarte — vorzu-
bereiten sein in der Wiedergabe der Grundstücke und Kulturbestände,
während der besonderen örtlichen Erhebung die Ergänzung der vorbe-
reiteten Blätter durch die topographischen Daten, besonders durch
die Höhenschichtlinien, vorbehalten bleibt. Zu diesem Zwecke sollte
jedoch die Katasterkarte ständig so fortgeführt werden, «ass sie
jederzeit ein geschlossenes Bild der Girundstückslagerung bietet, d.h.
die eingetretenen, durch Fortführungsmessung ermittelten Änderungen
ler Örtlichkeit müssten regelmässig in ein (Giesamtblatt der Gemar-
kung übernommen werden, wie es in Bayern bei der Zentralstelle
mit dem Zwecke geschieht, von Zeit zu Zeit neuc Katasterkarten-
hlätter mit dem jeweiligen neuesten Grundstücksnachweise zu ver-
öffentlichen.
‘Um die Aufgaben und Ziele zu ermöglichen, welche sieh mit
dein Aufbau einer wie immer gestalteten „Einheitskarte‘ verbinden,
wird, um Doppelarbeiten vorzubeugen, die Organisation unseres ge-
samten staatlichen Vermessungswesens, unter Einbeziehung des bis-
her militärischen Anteils, von Grund auf zu ändern sein. Die poli-
tischen Umwälzungen in unserem staatlichen Dasein nötigen dazu.
Dem’ Schlussatze der Ausführungen des Herrn v. Rönne ist deshalb
vom Standpunkte des preussischen Landmessers völlig beizupflich-
ten. Doch muss dieser den Anspruch für sich erheben, bei der
Beratung der Pläne, welche seinen Lebens- und Tätigkeitskreis so.
unmittelbar berühren, nicht nur gehört zu werden, sondern mit-
arbeiten zu: können.
Auf die von Herrn v. Rönne nur gestreifte Frage der Leistun-
sch der wissenschaftlich vorgebildeten Landmesser im Feldvermes- :
sungswesen des grossen Krieges möchte ich hier. nicht eingehen.
152 Bücherschau. „ezeitschrift für
108.
Der Stoff ist so bedeutsam und umfangreich, dass er in ausführ-
licher Arbeit behandelt zu werden zwingt. Dazu wird sich die Feder
eines Kriegsteilnehmers aus den in Betracht kommenden Heeres-For-
mationen, welcher den nötigen Rückhalt an seinen Erfahrungen und
Beobachtungen hat, gewiss nicht versagen.
Allenstein, Ostpr., im März 1919. Lotz, Steuerrät.
Bücherschau,
Das Zeisswerk und die Carl-Zeiss-Stiftung in Jena. Ihre wissenschaft-
liche, technische und soziale Entwicklung und Bedeutung. Von
Felix Auerbach. 4. umgearb. u. verm. Aufl. Mit 149
Abb. u. 1 Bildnis von Abbe. Jena: Fischer 1914. VI, 2005. 8°.
Das in 4. Auflage vorliegende Werk gibt eine auf eingehendster
persönlicher Kenntnis beruhende Darstellung über den Entwicklungs-
gang und den gegenwärtigen Stand des Weltruf geniessenden indu-
striellen Unternehmens, für dessen Umfang einige Zahlen reden mögen.
Aus den kleinsten Anfängen hervorgegangen, beschäftigte das Zeiss-
werk im Jahre 1914 über 5300 Angestellte, darunter 45 wissenschaft-
liche Mitarbeiter, und 280 Jngenieure und Werkmeister. Auf dem 4 ha
grossen Fabrikgrundstück bedecken die (febäude eine Fläche von 2 ha,
die Arbeitsräume, in allen Stockwerken, eine Fläche von 7 ha.: Auf
den reichhaltigen, interessanten Inhalt des Buches, das. in anzıehen-
der Weise, von vorzüglichen Illustrationen unterstützt, den Werde-
gang und die Leistungen des Zeisswerks schildert, kann hier nur in
grossen Umrissen eingegangen werden.
Besonders interessant ist der Entwicklungsgang des Unterneh-
mens. Im Jahre 1846 gründete der Mechaniker Carl Zeiss in Jena
eine feinmechanische Werkstätte. Der junge, strebsame Mechaniker
legte bald sein Hauptinteresse auf den Bau von Mikroskopen, der da-
mals durch die aufblühende Zellentheorie neu belebt wurde. Die
Mikroskope jener Zeit waren lediglich Erzeugnisse des Probierens,
eine auf wissenschaftlicher Forschung begründete Theorie für ihren
Bau kannte man nicht. Zeiss sah bald ein, dass die Erreichung
höherer Ziele auf diesem empirischen Wege unmöglich war, wenn
man sich nicht geradezu dem Zufall überlassen wollte. Er erkannte,
dass dem Ideal des Mikroskops nur näher zu kommen war, wenn man
daran ging, eine wissenschaftliche Erforschung des Strahlenganges
in Angriff zu nehmen, auf deren Ergebnisse eine auf mathematischen
Formeln beruhende Konstruktion der Instrumente begründet werden konnte.
Es ist Zeiss als hohes Verdienst anzurechnen, dass er es wagte,
vom bisherigen Prinzip des Probierens abzugehen, um unter Heran-
ziehung wissenschaftlicher Hilfe sein Ziel zu verfolgen. Man muss
„uelteehnift Ti > Bücherschau. 153
ms.
sich hierbei vergegenwärligen, dass Zeiss bei dem bisherigen Verfahren
sein sicheres Auskommen gelunden hatte, zumal ihn Schleiden ın jeder
Beziehung förderte, und dass sein Vorhaben gewisse Gefahren in sich
barg. Zunächst war es fraglich, ob es überhaupt gelingen würde, den
noch in Dunkel gehüllten einschlägigen Problemen auf die Spur zu
koinmen. Aber selbst dann musste damit gerechnet werden, dass die
auf (irund der etwa neu gefundenen Resultate gebauten Mikroskope
vielleicht nicht so, oder höchstens ebenso leistungsfähig sein würden,
als die nach dem bisherigen empirischen Verfahren gebauten Instru-
mente. Auf jeden Fall musste also Zeiss mit grossen Opfern an Geld
und Arbeit rechnen, und nur ein ideales Interesse an der Sache konnte
die Bedenken, «die sich in materieller Beziehung seinem Plane ent-
gegenstellen, überwinden.
Durch eine günstige Fügung des Schicksals gelang es ıhm nun,
den zunächst schwierigsten Punkt, «die richtige Wahl des wissen-
schaftlichen Helfers, zu überwinden, als er im Jahre 1866 ın Ernst
Abbe, der sich seit «drei Jahren in Jena habiliiert hatte, einen Ge-
Gelehrten fand, der für die ganze weitere Entwicklung des Unter-
nehmens geradezu ausschlaggebend werden sollte. Beide Männer,
der erfahrene Praktiker und der scharfsinnige junge Gelehrte, er-
gänzten einander in der glücklichsten Weise, und so war denn nach
unvermeidlichen Sorgen und Misserfolgen ihren vereinten Mühen
schliesslich ein Erfolg beschieden, wie er vollendeter nicht denkbar war.
Als Abbe begann, planmwässig an eine Erforschung der optischen
Strahlengangstheorie heranzutreten, fand er bald, dass die damals
bestehenden (Grundanschauungen hierüber fasch waren, und er be-
sass den Mut, auf Grund seiner Erkenntnis mit ihnen zu brechen,
trotzdem man es damals allgemein für ausgeschlossen hielt, feste
theoretische Grundlagen für den Bau von Mikroskopen finden zu
können, sondern den Weg des Ausprobierens für den einzig richtigen
hielt. Unbeirrt also hiervon hielt Abbe an seiner Aufgabe fest, und
seiner Ausdauer und seinem Scharfsinn sollte es beschieden sein, sie
in vollendeter Weise zu lösen. Neine Lehre über den Strahlengang
entstand um 1870. Ohne jedoch den Drang nach ihrer Veröffent-
lichung zu fühlen, war Abbe lediglich bestrebt, die Ergebnisse seiner
Forschungen der praktischen Nutzanwendung auf optischem Gebiet
dienstbar zu machen.
Bei seinen Forschungsarbeiten war Abbe bald zu der Erkenntnis
gelangt, dass die Zusammensetzung des Glases von höchster Bedeu-
tung für die Herstellung vollendeter Mikroskope war. Da aber die
(lashütten damals nur Kron- und Flintelas herstellten, ohne sich
wegen der wenig Ertrag versprechenden Fabrikation auf weitere Ver-
Zeit<chrift für Vermessungswesen 191%. Heft 5. 11
154 Bücherschau. „ Zeitschrift fit
y 7 edel
suche einzulassen, so war wenig Aussicht vorhanden, geeignete Glas-
sorten ausfindig machen zu können. Vergeblich wies \bbe 186 dar-
auf hin, dass eine ausgebildete Theorie und Technik dem praktischen
Optiker zur Verfügung ständen, und dass nur geeignete Gilasarten
fehlten, um den Mikroskopbau wirksam fördern zu können. Aber auch
hierin trat eine günstige Wendung ein, als sich zu Zeiss und Abbe als
dritter Otto Schott hinzufand. Schott hatte sich mit Versuchen zur
Herstellung neuer Glasarten beschäftigt, deren Ergebnisse er an Abbe
zur Prüfung sandte. Nach einigen Misserfolgen kam man allmählich
auf den richtigen Weg. zumal seit Schott 1882 nach Jena über-
gesiedelt war.
Seitdem begann ein erfolgreiches Weiterschreiten, und seit «dem
Jahre 1886, mit dem eine neue Ära des Mikroskopbaues anfing. eine
weitere lieihe von Erfolgen. die das Unternehmen schliesslich zu
seiner jetzigen Höhe führten. Mit der fortschreitenden Vervollkonm-
nung des Mikroskophaues hatte das Zeisswerk inzwischen auch sein
Arbeitsprogramm auf andere Erzeugnisse der optischen Technik aus-
gedehnt, so dass jetzt das Werk eine grosse Zahl von Arbeitsablci-
lungen umfasst, die von Jahr zu Jahr zunimmt.
Von den einzelnen Arbeitsgebieten des Zeisswerks, die Verlasser
eingehend bespricht, können hier nur die wesentlichsten kurz erwähnt
werden. Ausser der mikroskopischen Abteilung besteht eine photo-
graphische Abteilung und eine Abteilung für terrestrische und asiro-
nomische Fernrohre, in der Instrumente bis zu den vollendetsten
grossen Modellen hergestellt werden. Von grosser Bedeutung ist die
Herstellung der bekannten eigenarftigen Zeiss-Feldstecher, sowie der
Fernrohre und Entfernungsmesser für militärische und des Stereo-
Komparators für topographische Zwecke geworden. Seit 1908 bestcht.
auch eine Abteilung für geodätische Instrumente, die sich, wie alle
Erzeugnisse des Zeisswerks, durch eigenartige Konstruktion auszeich-
nen, wie das bekannte Wildsche Nivellierinstrument.
Das Leben und Treiben in den einzelnen Betrieben führt der Ver-
fasser in einem Gang durch die Werkstätten dem Leser vor, bei dem
dieser schr viel Neues über die verschiedenen Herstellungsarten er-
fährt und zugleich einen Überblick über die innere Organisation des
riesigen Betriebs gewinnt.
Im zweiten Teil seines Buches behandelt Verfasser schr eingehend
die sozialen Verhältnisse des Zeisswerkes und die Carl-Zeiss-Stiltung,
jene einzig dastehende soziale Organisation, an die Abbe 1891 sein
Kigentumsrecht an dem Zeisswerk abtrat. und mit der er gewisser-
massen sein Lebenswerk krönte.
Dem Buche kann zu seiner 4. Auflage derselbe Erfolg gewünscht
Zeitschrift für Bücherschau. 155
Vormessungswosen
werden, den es bei seinen früheren \ullagen gefunden hat. Es kaum
wegen seines interessanten Inhalts und seiner ausgezeichneten Dar-
stellungsweise allen Interessenten bestens empfohlen werden. Hauser.
Über die günstigste Wahl der Kartenprojektion bei Kalasterrermessun-
gen, im besonderen über die für das Königreich Sachsen. \on
Dr.-Ing. Hellmut Schmidt, staatl. gepr. Vermessungs-Inge-
nieurin Dresden. Borna-Leipzig: ‚Noske 1. Komm. 1916. 1153. 8".
Die vorliegende Arbeit, die im Jahre 1915 als Dissertation er-
schienen ist, bietet eine eingehende Zusammenfassung der Unter-
suchungen über die Wahl der Kartenprojektion bei Katastervermeos-
sungen, sie behandelt also eine ebenso wichtige wie häufig unistrit-
tene Frage, und ıst um so wertvoller, als sie nicht nur die bisherigen
Ergebnisse in einheitlicher Darstellung behandelt. sondern auch hun-
sichtlich der sächsischen Landesvermessung einiges Neues über die
Materie enthält.
Nach einer Zusammenstellung der allgemeinen Abbildungslormeln
werden zunächst diejenigen Projektionen betrachtet. welche für Ka-
tastervermessungen überhaupt in Frage kommen, und zwar die azımu-
talen, zylindrischen und konischen Projektionen. Von den azimmtalen
Projektionen wird die winkeltreue normale und die schiefachsige Pro-
jektion besprochen, von denen letztere der ungarischen und der neuen
niederländischen Katastervermessung zugrunde gelegt worden ist. Em-
gehend, weil für die hier in Frage kommenden Zwecke am wichtigsten,
werden dann die Zylinderprojektionen behandelt. Zunächst betrachtet
Verfasser die mittelabstandstreue Zvlinderprojektion, bekannt als qua-
dratische Plattkarte, als deren Erfinder Marinus von Tvrus gilt. Sie
kommt wegen ihrer Verzerrungswerie nur für Gebiete in der Nähe des
Äquators in Frage. In ihrer Form als transversale Abbildung mit
längentreuen Hauptkreisen ist sie jedoch von grösster Bedeutung für
die Geodäsie geworden. Vielfach als Cassinische Projektion bezeich-
net, ist sie jedoch zuerst von Soldner im Jahre 1810 hei der bayrischen
Landesvermessung in die Geodäsie eingeführt worden und hat seit-
dem als Soldnersche Projektion in Deutschland und vielen anderen
Staaten die grösste Verbreitung gefunden. Von der Soldnerschen geht
die Besprechung zur schielachsigen Zvlinderprojektion mit längen-
treuen Hauptkreisen über, die bisher für Katastervermessungen noch
nicht verwendet worden ist.
Die weitere Untersuchung wendet sieh dann den winkeltreuen
Zylinderprojektionen zu, von denen entsprechend den oben behandelten
Abbildungen die Merkatorkarte, die Lambertsche oder: ausssche und
die winkeltreue schiefachsige Zylinderprojektion besproehen werden.
156 Bücherschau. Zeitschrift für
MERRLERTENER
Die letztere Abbildungsform ist in Iingarn bei der Katastervermessung
an Stelle der oben erwähnten winkeltreuen schiefachsigen Azimutal-
projektion getreten. Von den Kegelprojektionen wird nur die winkel-
treue normale Abbildung, als allein hier in Betracht kommend, näher
entwickelt, die Paschen der mecklenburgischen Landesvermessung zu-
srunde gelegt hat.
Nachden so in eingehendster Weise die allgemeinen Formeln und
die Verzerrungsgesetze der überhaupt in Betracht kommenden Pro-
jektionen entwickelt sind, schreitet Verfasser zu der Entscheidung der
Frage, ob «die winkeltreue oder die hauptkreislängentreue Abbildung
den Vorzug verdient. Nach eingehender Untersuchung entscheidet er
die Frage zugunsten der winkeltreuen Abbildung aus 4 Gründen:
1. Die Längenverzerrung ist bei der winkeltreuen Abbildung in einen
Punkte nach allen Richtungen (die gleiche und kann nötigenfalls ohne
Schwierigkeit in Rechnung gestellt werden. 2. Bei der winkeltreuen
Abbildung kann das Dreiecksnetz 3. und 4. Ordnung eben berechnet
werden. 3. Der Einfluss der Höhenlage des Vermessungsgebietes
wirkt nur bei der winkeltreuen Abbildung der Längenverzerrung in
jeder Richtung gleichmässig entgegen, während bei jeder anderen
Abbildungsart diese Einwirkung mit der Richtung der Längen sich
ändert. 4. Die Flächenverzerrung ist nicht massgebend, weil sie weit
hinter den zulässigen Fehlern der Flächenbestimmung zurückbleibt
und, falls es überhaupt nötig sein sollte, ebenfalls rechnerisch ohne
Schwierigkeit berücksichtigt werden kann.
Nachdem somit die Frage nach der Wahl der Abbildung für eine
Landesvermessung soweit entschieden ist, dass nur ein winkeltreuer
Entwurf in Frage kommen kann, handelt es sich darum, unter den oben
besprochenen Yrojektionen, soweit sie nicht nur für äquatoriale
(iebiete geeignet sind, die günstigste zu bestimmen. Es kommen deren
vier in Frage, für die sich unfer spezieller Rücksicht auf das König-
reich Sachsen folgende Längenverzerrungen ergeben:
1. Winkeltreue schiefachsige Azimutalprojektion 1: 11900
2, . transversale Zylinderprojektion 1:6440
3. 2 schiefachsige ä 1:15990
4. e wormale Kegelprojektion 1:15950
Hiernach scheint unbedingt die winkeltreue schiefachsige Zv-
linderprojektion und die winkeltreue normale Kegelprojektion «den
Vorzug zu verdienen, und von diesen beiden wiederum erscheint auf
den ersten Bhek die Kegelprojektion als die zweckmässigere. Sie ist
an sich ein normaler Entwurf, der mit Hilfe von Längen- und Breiten-
kreisen dargestellt werden kann, während bei der Zylinderprojektion
die Achse des Zylinders die Erdachse unter einem schiefen Winkel
Zeitschrift für Bücherschau. 151
Ve en
schneidet. Ferner erscheinen bei der Kegelprojektion die Dilder der
Meridiane als gerude Linien, die der Kleinkreise als konzentrische
Kreise, während bei der Zylinderprojektion nur der Nullmeridian als
gerade Linie abgebildet wird, während die anderen Meridiane und die
Breitenkreise als Kurven höherer Ordnung erscheinen.
Dieses Ergebnis. das zugunsten der winkeltreuen normalen Kegel-
projektion spricht, erfährt jedoch eine sehr wesentliche Änderung,
wenn man weiter, von der Kugel zum Sphäroid fortschreitend, dıe
Rechenarbeit in Betracht zieht, welche die Berücksichtigung der sphä-
roklischen Erdgestalt erfordert. Verfasser entwickelt in eingehender
Untersuchung die Formeln für die Übertragung des Sphäroids auf die
Kugel bezw. Ebene für jede der vier näher in Betracht gezogenen
Projektionen, wobei er zu dem Schluss kommt, dass der schiefachsiee
Zylinderentwurf die geringste, die Abbildung auf dem Keeelmantel
aber die grösste techenarbeit erfordert, trotzdem bei «der Zylinder-
projektion zur Übertragung des Sphäroids auf die Ebene der Umwog
über die Kugel gewählt werden muss, was bei der Kogelprojektion
nicht notwendig ist.
Das Hauptergebnis seiner Arbeit fasst daher Verfasser zusammen
in dem Satze: „Für die Katastervermessung des Königreichs Sachsen
ist die winkeltreue schiefachsige - Zylinderprojektion der günstigste
Kartennetzentwurl, da er die kleinsten Verzerrungen bei verinester
Rechenarbeit verursacht, und ausserdem gestattet die gosaäimle Fläche
in einem Koordinatensystem darzustellen.“
Im Anschluss an dieses Ergebnis folgt eine Zusiinmenstellung der
Rechenformeln für die als günstigste befundene Abbildunesform,
worauf zum Schluss die Frage erörtert wird, wie weit die jetzige säch-
sische Katastervermessung sich dieser als Ideal befundenen Form nähert.
Nagel hat der sächsischen Landestriangulierung die Soldnersche
Abbildung zugrunde gelegt, wobei wohl lediglich das allgemeine An-
schen dieser Projektion massgebend war. Er bezog das enmze Ver-
messungsgebiet auf einen einheitlichen Nullpunkt Grossenhain. was
zur Folge hatte, dass bei der bedeutenden Querausdehnung Sachsens
die Erdkrümmune bis zu Punkten 4 Ordnung herab berücksichtigt
werden musste. Zur Vermeidung dieser Unbequemlichkeit wurden
auf Vorschlag von Fuhrmann örtliche Systeme eingeführt, welche
die ebene Berechnung der Netze 4. Ordnung gestattet. Diese ört-
lichen Systeme liessen sich aber nur bis auf 8 km nach allen Sorten
ausdehnen, was zu einer sehr grossen Anzahl von ihnen geführt hätte,
durch welche wiederum zahlreiche Koordinatenumformuneon nöhle go-
worden sein würden.
Seit 1904 hat man sich daher in Sachsen zu einer zweiten AÄnde-
158 Oberarzbacher. Zu den neuen Zielen d. D. Geom.-Vereins. _ Zeitschrift für
Nero new esen
rung entschlossen und das Landesgebiet in drei sogenannte Klein-
koordinatensvsteme geteilt. Lhierbei ist es möglich, die auf Jas ein-
heitliche System Grossenhain bezogene Soldnersche Blatteintellung
beizubehalten und die Punkte +. Ordnung in winkeltreuen Kleinkoor-
dinaten zu erhalten. Hierdurch wird erreicht, dass keine Längenver-
zerrung über 1:50000 auftritt und alle Richtungsänderungen unter
0.5 bleiben.
Die Arbeit ist ein wertvoller Beitrag zur neueren Kartenentwurfs-
lehre und besonders den Fachkreisen zu empfehlen, die in zusammen-
hängender, eingehender Darstellung über die Wahl der Kartenproiek-
tion einer Landesvermessung unterrichtet sein wollen. Hanser.
Zu den neuen Zielen des Deutschen Geometervereins.
Die Vorstände des Deutschen Geometervereins und des Landesverbandes
preussischer Landmesservereine bringen im Dezemberhefte der vorliegenden
Zeitschrift Anregungen über eine Umgestaltung und Neubenennung des
Deutschen Geometervereins. Wenn auch der Zeitpunkt für die Durch-
führung solcher Pläne erst mit der Klärung der politischen Zustände un-
seres deutschen Vaterlandes gegeben sein wird, können die gebrachten An-
regungen doch als Auftakt für einen allseitigen Meinungsaustausch freudigst
begrüsst werden.
Dass eine Neubelebung des Deutschen Geometervereins unabweisbar
notwendig ist, wenn nicht sein Bestehen gefährdet werden soll, darüber
dürften die Ansichten ungeteilt sein. Die Neubenennung halte ich für so
unwesentlich, dass sie erst in letzter Reihe geregelt zu werden braucht.
Zu den Umgestaltungsvorschlägen sei es mir als Bayern erlaubt Stel-
lung zu nehmen, wobei ich keineswegs befugt bin, dies im Namen der
sämtlichen bayerischen Fachangehörigen zu tun. Besteht doch in Bayern
das sonderbare Verhältnis, dass zum Zusammenhalt der Mitglieder des
Deutschen Geometervereins infolge seines sogenannten Zwangsparagraphen
($ 22 der Satzung) ein eigener Zweigverein gebildet werden musste, wäh-
rend der über 600 Mitglieder zählende Verein der höheren bayerischen
Vermessungsbeamten, der mit dem Deutschen Geometerverein in keiner
Fühlung steht, die Aufgabe hat, die fachlichen und wirtschaftlichen Inter-
essen zu vertreten. Mit diesem letzteren Vereine werden, wenn sich die
Vorschläge zur endgültigen Form verdichtet haben werden, die Schluss-
verhandlungen zu führen sein, während bis zu diesem Zeitpunkte der
/weigverein, in dessen Namen ich spreche, gerne die Rolle des Vermittlers
übernehmen wird.
Die politische Umwälzung hat den Fachvereinen in Bayern eine er-
höhte Bedeutung gebracht: doch wird abzuwarten sein, wie weit die jetzigen .
Zeitschrift für ÖOberarzbacher. Zu den neuen Zielen d. D. (reom.-Vereins. 159
a en
Bestimmungen in die neue Regierung übergehen werden. Gegenwärtig
wählen die Vereine die Abordnungen zu den den Ministerien beigegebenen
Beamten-Beiräten; sie bestimmen den Beamtenausschuss im engeren Be-
amtenkörper und nach ihrer Mitgliedzahl wird die Zahl der in die grös-
seren Beamtenverbände — in unserem Falle in den Verein der höheren
bayerischen Staatsbeamten und in den Beamten- und Lehrerbund — ab-
‚aordnenden Vertreter bemessen. Wenn es früher freiwillige und persön-
liche Sache des Einzelnen war, einem Fachverein anzugehören, so ist es
unter den obwaltenden Umständen für jeden Fachangehörigen strengste
Pflicht, sich einem solchen anzuschliessen und sich dadurch das Mitbe-
stimmungsrecht zu wahren. Da auf solche Weise dem Vereine die er-
höhte Bedeutung zuerkannt worden ist, muss ihm andererseits eine volle
Bewegungsfreiheit und das ausschliessliche Selbstbestimmungsrecht ge-
sichert bleiben; er dürfte durch den Anschluss an einen erweiterten Ver-
band. wie den Deutschen Geometervereiu, in keiner Weise beengt werden.
Sollnun ein „einziger, alle deutschen Fachgenossen umfassender Bund“ ge-
schaffen werden, so müsste auf die in Bayern bestehenden Vereinsverhält-
nisse volle Rücksicht genommen werden. Das ist nicht Engherzigkeit
oder Eigenbrödelei, sondern bedeutet für uns in Bayern eine l.ebens- und
Daseinsfrage.
Die volle Mittelschul- und Hochschulbildung als Vorbedingung zum
höheren Vermessungsdienst in allen deutschen Bundesstaaten zu erreichen,
war von jeher das Bestreben des Deutschen Geometervereins. Dass ihm
dies z. B. im grössten Bundesstaate Preussen bisher nicht gelungen ist,
dürfte nicht ihm als Schuld gebucht werden, denn auch dem I,andes-
verbande der preussischen Landmesservereine war ein besserer Erfolg
nicht beschieden. Ob die neuen Regierungen hierfür ein willigeres Ohr
und eine freigebigere Hand zeigen werden, wo die Bestrebungen nach einer
Einheitsschule und nach Vereinfachung und Kürzung des Vorbildungsganges
vorherrschen, möchte ich füglich bezweifeln. An dieser Frage sind wir
Bayern. die wir die volle Mittelschul- und Hochschulbildung seit Jahr-
zehnten besitzen, persönlich ebenso wenig interessiert wie an der „Er-
langung einer in ganz Deutschland geltenden gleichmässigen Ordnung aller
I,.andmesser-Angelegenheiten und eines allgemeinen gleichmässigen Ver-
markungsgesetzes“. Solange in dem einen Bundesstaate das Vermessungs-
wesen im freien Beruf und Gewerbe, in dem anderen als reiner Staats-
dienst ausgeübt wird, solange also die Grundlagen so wesentlich verschieden
sind, |kann auch eine Gleichmässigkeit nach der angestrebten Richtung
nicht erzielt werden. Wir haben in Bayeın seit beinahe zwei Jahrzehnten
ein neues Abmarkungsgesetz, das natürlich nicht frei von Mängeln ist,
sich allgemein aber doch bewährt hat: auch sonst können wir in Bayern
mit unseren Einrichtungen im grossen Ganzen wohl zufrieden sein. Aber
‘aräbacher. / | Zi . D. Gieom.-Vereins. _ Zeitsehnift für
160 Oberarzbacher. Zu den neuen Zielen d. D. (reom.-Vereins. _ ermessungewasen.
wie wir uns nicht anmassen wollen, unsere bayerischen Verhältnisse den
anderen Bundesstaaten als Muster aufzudrängen, ebenso wenig könnten
wir dulden, dass ihre Güte lediglich zur Erreichung einer schematischen
Gleichheit im Reiche herabgemindert würde. Wenn die Fachgenossen der
anderen Bundesstaaten auf unsere bayerischen Verhältnisse fussend auf-
bauen wollen, werden wir ihnen auf Wunsch gerne mit Rat und Hilfe bei-
stehen; im übrigen sei aber vor zentralisierenden Bestrebungen, wo so
ungleiche Grundlagen gegeben sind, eindringlich gewarnt.
Auf einem anderen Gebiete, das im Zuständigkeitsbereiche der Vereine
liegt, kann und soll aber eine Einigkeit und Gleichheit erzielt werden:
auf dem Gebiete der Vereinsveröffentlichungen. Bei den ins Ungemessene
gestiegenen Herstellungskosten wäre es ein unverantwortlicher Luxus und
eine Rohstoffverschwendung, wenn auch fernerhin wie bisher jeder Verein
seine eigene Zeitschrift herausgeben würde. In der Zeitschrift des Badi-
schen Geometervereins wurde vor nicht langer Zeit die Frage untersucht,
ob die Zeitschrift für Vermessungswesen den praktischen Bedürfnissen noch
genügt (Z. f. V. 1917 S. 372). Dort heisst es: „Wir interessieren uns nicht
allein für das, was in Preussen vor sich geht, wir möchten auch wissen,
was in Bayern, Württemberg, Sachsen, Hessen usw. geleistet wird.“ Dieser
Wissensdurst konnte bisher nur gestillt werden, wenn man sich die Zeit-
schriften dieser Bundesstaaten hielt. Wer konnte dies?” Darum fort mit
dem „Landmesser“, mit den württembergischen, badischen, bayerischen
usw. Zeitschriften! Alle in Deutschland einschliesslich Deutsch-Oesterreich
erscheinenden Fachzeitschriften, wie sie auch heissen mögen, sollen zu-
sammengelegt und in der Zeitschrift für Vermessungswesen vereinigt wer-
den, die dann nicht mehr das ausschliessliche Organ des Deutschen Geometer-
vereins, sondern das Sprachrohr für das gesamte deutsche Vermessungs-
wesen wäre. Ein solcher Zusammenschluss bedeutet natürlich für den
Einzelverein ein schmerzliches Entsagen, er verlangt grosse Opfer der
Selbstentäusserung: vielleicht helfen folgende Erwägungen über die Tren-
nung hinweg:
Jede gut geführte Zeitschrift des Einzelvereins enthält, wenn sie nicht
blos als Vereinsveröffentlichung erscheint, eine Reihe von Abhandlungen
die ebenso gut oder, weil einem grösseren Leserkreis zugänglich gemacht,
vorteilhafter in der Deutschen Zeitschrift erscheinen könnte. Schwächere
Leistungen, die jeder Schriftleiter als Lückenbüsser kennt, verdienen nicht
der Nachwelt überliefert zu werden, dem Fache erwächst” dadurch kein
Verlust. Die Bücherschau. die Personal- und sonstigen Nachrichten wer-
den nicht mehr wie bisher vielfach veröffentlicht, können dafür erweitert
werden und erscheinen für Deutschland zusammengefasst an einer Stelle:
die Verweise auf den Inhalt der verschiedenen Fachzeitschriften entfallen
oder können auf ausserdeutsche Zeitschriften beschränkt werden.
Vormedsnngrwanen Rau. Tätigkeits- und Standesbezeichnung. 161
Die Herstellungskosten der Zeitschriften sind seit Kriegsdauer auf
mehr als das Doppelte gestiegen. Der Einzelverein, welcher eine Zeit-
schrift herausgibt. wird seinen Beitrag der Teuerung angepasst haben.
Auch der Deutsche Geometerverein muss zu einer Erhöhung des Beitrags
schreiten, sobald er den Umfang seiner Zeitschrift auf die Friedensstärke
zurückführt. Werden nun alle Zeitschriften der Einzelvereine zusammen-
gelegt, so wird der Umfang der Zeitschrift für Vermessungswesen gegen-
über jenem der Friedensstärke noch gesteigert werden; ein langgehegter
Wunsch nach wöchentlichem Erscheinen könnte dadurch zur Erfüllung ge-
langen. Höhere Herstellungskosten können dabei nicht vermieden
werden; doch wird die Mehrausgabe eine verhültnismässig geringe sein.
Wer bisher nur eine Zeitschrift hielt, wird geringe Mehrkosten gegenüber
den der Teuerung angepassten Kosten zu tragen haben; wer zwei und
mehr Zeitschriften bezog. macht wesentliche Einsparungen. Die Zeitschrift
würde inhaltlich gewinnen und in noch erhöhtem Masse ein unentbehr-
liches Nachschlagewerk für den Fachgenossen werden, der nicht im All-
tage der Pflichterfüllung versumpfen, sondern fachtechnisch auf der Höhe
bleiben will.
Alle Einzelheiten in der Schriftleitung, in der Ausführung der er-
weiterten Zeitschrift, im Verhältnisse zwischen Einzelverein und Deutschem
Geometervereine zu regeln, muss künftigen Verhandlungen überlassen bleiben:
hierbei sicher auftretende Widerstände und Schwierigkeiten werden über-
wunden. wenn allerseits ein guter Wille vorhanden ist.
Vordringlich hingegen ist die Entscheidung über die Frage, ob der
Zusammenschluss der sämtlichen deutschen Fachzeitschriften bei der All-
gemeinheit Anklang und bei den Einzelvereinen Zustimmung findet; möge
die Entscheidung in bejahendem Sinne fallen! Oberarzbacher.
Tätigkeits- und Standesbezeichnung.
In Heit 12/1918 der Zeitschrift für Vermessungswesen macht Herr
Steuerinspektor Gauhl den Vorschlag der Frrichtung einer „Landmess-
kammer“. Objektiv ist diese Anregung sicherlich sehr beachtenswert.
Geradezu unglücklich gewählt erscheint mir aber die Bezeichnung „Mess-
kammer“. Der erste Eindruck, den man hievon erhält, streift entschieden
ans komische: möglich dass sich dieser Eindruck für den Fachkollegen
aus Gewöhnung allmählich verlieren würde, für den Fernerstehenden wird
er den fatalen Beigeschmack behalten.
Die Bezeichnung „Landmesskammer“ ist ja allerdings eine folgerichtige
Ableitung von „Landmessen“. „Grundstücksmessen“ etc.: gerade deshalb
aber möchte ich darauf hinweisen. dass nach meinem Empfinden und dem
wohl vieler Kollegen der Ausdruck „messen® nicht ohne weiteres in un-
oO % Ins iten. Zeitschrift für
162 Vereinsangelegenheiten Vermessungswenen
1919.
sere amtlichen Tätigkeits- und Titelbezeichnungen übernommen werden
sollte. Der allgemeine Sprachgebrauch schätzt das Wort „messen“ in
Hinsicht auf die Kennzeichnung einer geistigen Tätigkeit nicht allzu hoch
ein: er verknüpft hiemit in der Regel die Vorstellung des manuellen,
handwerksmässigen. „Messen“ ist eine sehr weitumfassende Tätigkeits-
bezeichnung. Auch der Holzmesser „misst“. Seine Tätigkeit in Ehren:
für die eines Vermessungsingenieurs wird aber doch eine etwas höhere
Bewertung in Anspruch zu nehmen sein.
Eine gewisse spezialisierende Unterscheidung in der Tätigkeits- und
Titelbezeichnung für das Vermessungsfach ist daher wohl am Platze, schon
um Verwechslungen zu vermeiden, wie sie erfahrungsgemäss im Publikum
immer wieder auftauchen. Muss doch beispielsweise der für ein grösseres
Vermessungsunternehmen aufgestellte Ausschuss, wenn er sich als .„Mess-
ausschuss“ bezeichnet, damit rechnen, mit dem Messausschuss irgend einer
Messe verwechselt zu werden.
Dieses unterscheidende Merkmal geben aber ohne weiteres die aka-
demischen und offiziellen Bezeichnungen „Vermessungswesen, Ver-
messungswissenschaft, Vermessungsingenieur, Landesvermes-
sung“ (nicht „Messwissenschaft“ oder gar „Messkunst“, „Messwesen“ usw.).
Auch der Laie weiss, wenn er diese Namen hört, sofort, um was es sich
handelt. Darum ist es verwunderlich und nicht zu verstehen, wenn an
diesen Bezeichnungen in unserem Fache nicht allgemein festgehalten wird.
- Manchem Kollegen mag es gar nicht zu Bewusstsein kommen, dass hievon
in gewissem Grade auch das Ansehen unseres Standes gegenüber der
Oeftentlichkeit abhängt.
Also „Vermessungsbeamtenkammer“, nicht „Landmess-
kammer“: Kleinliche, mehr nur den einzelnen berührende Titelfragen
sollen ausscheiden; für das Fach als ganzes aber mögen würdige, der
Allgemeinheit den richtigen Findruck übermittelnde Bezeichungen gewählt
werden. m:
Bad Tölz. | Obergeometer Rau.
Vereinsangelegenheiten.
Zweigverein Bayern des Deutschen Geometervereins.
Am 16. März fand im Hofbräuhause die Jahresversanmlung statt.
Die Neuwahl ergab:
Vorsitzender Obergeometer Oberarzbacher.,
Schriftführer Dipl.-Ing. A. Rösch,
Kassier OÖbergeometer Knappich.
Unter anderen wurde der Antrag des Kassiers, dass die rückständigen
Beiträge von jährlich 1 M. auch für die Kriegsjahre zu leisten sind, zum
Zeitschrift für Vereinsangelegenheiten. 163
Vermessungrwesen
1919
Beschluss erhoben; ein Nachlass wird nur bei eingetretener Bedürftigkeit
gewährt. |
Im Spätherbste dieses Jahres soll ein Vortragsabend abgehalten werden.
München. im März 1919. Oberarebacher.
Kassenbericht für 1918.
A. Einnahmen:
16 Beiträge je Mk. 1.— für das Jahr 1915 . . ..... Mk. 10.—
Ge. ee IE ..19—
IR. et, OT a a =. DB
1 r ae a ee VO ec s A
Zinsen aus 500 Mk. Kriegsanleihle . . . 2. 2 200. „..25.—
- „ der Sparkasseneimnlage . . : 2 2 20202. A 3.06
Ueberschuss aus dem Jahre 1917... 22 nn 0. “96.40
Sa. Mk. 268.46
B. Ausgaben:
Einbinden der Zeitschrift 1916 und 17 . . 2 2 202. Mk. 6.57
Drucksachen . . Le. B 1.05
Porti ar ee te ee a R 4.48
100 Mk. Kriegsanleihe 5%/,. April 1918... 2.2.2. 9.18
100 „ 5 50/5. Oktober 1918. ....0... „96.00
Uebertrag in das Jahr 1910... 2 on =. 20208
Sit. Mk. 268.46
(. Vermögensstand:
50/ ige deutsche Kriegsanl. 1915. 2 Stck. je 200. Mk. 400.— \k. Nennwert
5. a 5 1917, 1. 10 „ = 1%0.— „
LL7 Fa N a 1918 2 „ „100 „ = W.— . "
Sa. 100.— Mk. Nennwert.
D. Mitgliederstand:
109 am Ende des Jahres 1917
+ 3 am 1. 1. 1918 eingetreten
— 1 ausgetreten
= 111 Mitglieder für das Jahr 1918.
Die laufenden und rückständigen Beiträge wollen umgehend einbezahlt
werden. Bis zum 1. Juli nicht bezahlte Beiträge werden mit Nachnahme
erhoben.
München. im März 1919. Knappich, Kassier.
) 'ereinsangelegenheiten. Zeitschrift für.
164 Vereinsangelegeuhe te VermeRseEEeGON
Landmesservereinigung Westfalen.
Auf der. Aufruf in Heft 12 des „Landmesser 1918" und in voller
Übereinstimmung mit den darin ausgesprochenen Ausführungen sind
Kollegen aller Fachrichtungen am 29. März ds. Js. in Münster zu-
sammengetreten und haben im Vertrauen auf die tatkräftige Unter-
stützung aller Berufsgenossen in Westfalen einstimmig die
„Landmesservereinigung Westfalen‘
gegründet.
’
Die Vereinigung will mit anderen schon gegründeten, auf gleicher
Grundlage aufgebauten Vereinigungen ılen Ausgangspunkt bilden für
die Errichtung des von Herrn Steuerrat Lotz aufgerufenen allgemeinen
deutschen Landmesserbundes.
In ihr sollen sämtliche Fachrichtungen vertreten sein.
In den Vorstand wurden gewählt: Herr Landesökonomierat Dorn
als Vorsitzender, sowie je ein Vertreter der 6 Fachrichtungen: AI-
gemeine Bauverwaltung, Eisenbahnverwaltung, Generalkonmnission, Ka-
tasterverwaltung, Kommunal- und Provinzial-Verwaltung und Selb-
ständige Landmesser.
Die Vereinigung vertritt
die Bildung eines allgemeinen deutschen Landmes-
serbundes,
die Forderune der vollen Mittel- und vollen Hoch-
schulbildung, möglichst an technischen Hochschuen,
ale Schaffung einer allwöchentlich erscheinenden Be-
rulszeitschrift, die neben wissenschaftlichen Intrressen
unsere Standesbestrebungen und wirtschaftlich Ver-
Lretung zum Ausdruck bringt,
die Anstellung eines Verbandsschriftführers und er-
klärt sich bereit, die hierzu erforderlichen Kosten an-
teilie aufzubringen.
Ihre Mitglieder verpflichten sich zur Zahlung eines vorläu-
figen Jahresbeitrages bis zu 25 Mk.
Es soll Anschluss an den hier in der Bildung beeriffenen
\kademikerbund gesucht werden.
‚ie Versammlung beschloss eine eilrige Werbetätigkeit in der Pro-
vinz durch Aufruf und. Mitteilungen in Berufszeitschriften.
Schriftliche Anmeldungen nimmt Herr Regierungslandmesser Moel-
Zeitschrift für Vereinsangelegenheiten. 165
VER E:
ler, Münster i. W.. Bohlweg 59 entgegen, an den auch alle sonstigen
Anfragen una Vorschläge zu richten sind.
Münster, den 1. April 1919.
Dorn, Moeller,
l.andesökonomierat, Kegierungslandmesser,
Vorsitzender. Schriftführer,
Bohlwee 59.
Vom Verein der Landmesser in Elsass-Lothringen.
Schon im November vorigen Jahres konnte man sich der Ueber-
zeugung nicht mehr verschliessen, dass fast alle Mitglieder altdeutscher
Abstammung des Vereins der Landmesser in Elsass-Lothringen unter dem
Drucke der Verhältnisse das Land und ihre Stellung würden verlassen
müssen. Es war deshalb der Antrag auf Auflösung des Vereins und
Teilung des Vereinsvermögens gestellt worden. In der ausserordentlichen
Hauptversammlung vom 22. Dezember 1918 wurde in der Erwägung, dass
die Auflösung des Vereins nicht im Interesse der im Lande verbleibenden
Kollegen läge, beschlossen: .
„Der Verein bildet sich um, wählt heute einen neuen Vorstand
und ändert seinen Namen und die Statuten entsprechend den neuen
Verhältnissen. Das Vermögen des Vereins der Landmesser in Elsass-
Lothringen wird so verteilt, dass jedem Mitglied ein Anteil im Ver-
hältnis zu der Zahl der geleisteten Jahresbeiträge zufällt. Der An-
spruch auf Erstattung dieses Anteils muss beim Austritt, der bis
4 Wochen nach Empfang des Versammlungsberichts erklärt sein
muss, ausdrücklich ausgesprochen werden, sonst verbleibt der Ver-
mögensanteil der Kasse des sich neu bildenden Vereins.“
Sodann wurde ein neuer, ausschliesslich aus Mitgliedern alt-elsass-
lothringischer Abstammung bestehender Vorstand gewählt und von den
Mitgliedern, die im neuen Verein bleiben wollten, neue Satzungen verein-
bart. Aus diesen sind folgende beide Bestimmungen für uns von Interesse:
1. Der Verein führt in Zukunft den Namen: „Association des geo-
metres diplomes en Alsace et en Lorraine“.
19
. Der neue Verein ist nicht mehr Zweigverein des
Deutschen Geometervereins.
Die in der Versammlung anwesenden Kollegen altdeutscher Abstam-
mung wählten zur Wahrung ihrer weiteren Standes- und Berufsinteressen
einen Ausschuss, bestehend aus den Herren Steuerrat Hammer, Steuer-
inspektor Dobritz und Eisenbabnlandmesser Rothfuss. Die Vermögens-
166 Hochschulnachrichten. — Personalnachrichten. LE
1919.
teilung soll stattfinden, wenn die Kurswerte der Wertpapiere des Vereins
bekannt werden.
Der grösste Teil der Mitglieder altdeutscher Abstammung hat seinen
Austritt aus dem Verein bereits erklärt die meisten unter Ueberweisung
der ihnen zufallenden Anteile am Vereinsvermögen an den vorgenannten
Ausschuss, der, dem ausgesprochenen Wunsche gemäss, seinerzeit den
Gesamtbetrag, nach Abzug etwa zu deckender Unkosten. der Unterstützungs-
kasse des Deutschen Geometervereins zuweisen wird.
Diejenigen Herren Kollegen, die ihren Austritt noch erklären wollen,
— es sind dies besonders noch die nicht in Elsass-Lothringen sich auf-
haltenden — mögen dies doch bald bei dem Kassierer des neuen Vereins,
Herrn Katasterkontrolleur Roth in Schiltigheim, Andlauer Strasse Nr. 2,
nachholen unter Beanspruchung ihres Vermögensanteils und dem Unter-
zeichneten die ‚Erklärung zusenden. dass sie dem Ausschuss ihren Anteil
am Vereinsvermögen zu den oben genannten Zwecken zuweisen,
Reichenbach im Odenwald, 20. April 1919. Hammer,
Kreis Bensheim, Hessen. | Stenerrat.
Hochschulnachrichten.
Der Herı Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat
Herrn Lektor, Regierungslandmesser Schewior, Dozent an der Uni-
versität Münster i. W.. zum Mitgliede des wissenschaftlichen Prü-
fungsamtes für „Angewandte Mathematik“ ernannt.
Personalnachrichten.
Preussen. Katasterverwaltung. Versetzt wurden. die Kataster-
kontrolleure Steuerinspektor Moerels von Neunkirchen nach Kelberg.
Freihen von Kelberg nach Neunkirchen, Hoheisel von Hultschin nach
Glogau, Scholz von Glogau nach Hultschin, Steuerinspektor Hartleb
von Zeitz nach Frankenstein, Jähnichen von Nimptsch nach Zeitz, Brandt
von Frankenstein nach Nimptsch, Troll von Hochenburg nach Löwenberg,
Steuerinspektor Clouth von Löwenberg als Iteg.-I,andmesser nach Stade.
Reg.-Landmesser Bluhm von Stade als Katasterkontrolleur nach Hachen-
burg. — Ernannt sind: Reg.-Landmesser Steuerinspektor Büttner in
Gumbinnen zum Kataster-Inspektor in Merseburg, die Katasterlandmesser
Klass in Berlin zum Kat.-Kontrolleur in Uerdingen, Röser in Gumbinnen
zum Kat.-Kontrolleur in Heilsberg, M.ertz in Liegnitz zum Reg.-Landn.
in Trier, Schulze in Kiel (Kanalamt) zum Reg.-I,andmesser in Stade. —
In den Ruhestand versetzt sind: Kataster-Inspektor Steuerrat Rettberg
in Minden, Reg.-Landmesser Steuer-Insp. Hossdorf in Trier, Kat.-Kontr.
Steuer-Insp. Schuh’ in Sigmaringen, Kat.-Kontrolleur Kirchner in Garden.
Zeitschrift tür Personalnachrichten. 167
ae
Gestorben ist der Kat.-Kontrolleur Steuer-Insp. Kreis in Kuskirchen. —
Versetzt seit 27. 2. 19 Pusch, Reg.-Landmesser vom Kanalbauanit : in
Wesel zum Oberpräsidiun,. Abteilung für Vermarken in Hannover.
Eisenbahnverwaltung. " Versetzt ist Landmesser Schreiber von
Erfurt nach Berlin. — Angestellt ist Kisenbahnlandmesser Voss in Erfurt.
— Gestorben sind: Rechnungsrat Kayser in Erfurt, Landmesser Rode
in Cassel.
Bayern. Vom Staatsministerium der Finanzen wurden vom 1. April
1919 an auf ihr Ansüchen in gleicher Diensteseigenschaft in etatsmässiger
Weise versetzt der Obergeometer Otto Voitel in München auf die Stelle
des Vorstandes des Messungsamts München I: der Obergeometer Anton
Hilble in Nabburg auf die Stelle des Vorstandes des Messungsamts Weil-
heim. — Dem Regierungs- und Steuerassessor des lI,andesamts für Flur-
bereinigung August Ammon und dem mit dem Titel eines Regierungs-
und Steuerassessors ausgestatteten Obergeometer dieses Landesamts Fritz
Stoll wird der Titel und Rang eines Regierungs- und Steuerrats verliehen.
— Vom 1. April 1919 an wird der Eisenbahngeometer (mit dem Titel
Öbergeometer) der KEisenbalhndirektion I.udwigshafen a. Rh. Johann Reuss
auf sein Ansuchen wegen nachgewiesener Dienstunfähigkeit auf die Dauer
eines Jahres in den Ruhestand versetzt. — Vom Staatsministerium der
Finanzen wurde unterm 12. März 1919 verliehen: der Titel und Rang
eines Oberregierungsrats dem Regierungs- und Steuerrate des l,andesver-
messungsamts Adolf Ibel: der Titel und Rang eines Regierungs- und
Steuerrats den Regierungs- und Steuerassessoren Dr. Gustav Clauss in
München. Karl Leiner in Landshut, Hans Wölfel in Augsburg, Georg
Platz in Speyer; der Titel eines Steuerrats mit dem Range der Beamten
der Klasse VI2 der Rangordnung dem Trigonometer Karl Arnold in
München, den Obergeometern Philipp Treier in Bamberg, Bernhard Reuss
in Aschaffenburg, Alois Merkle in Kempten: den Titel und Rang eines
Obergeometers dem Katastergeometer Ludwig Schmidinger in München:
vom 1. April ds. Js. an der mit Titel und Rang eines Obergeometers be-
kleidete Katastergeometer August Mayer in München zum Obergeometer
des I,andesvermessungsamts in etatsmässiger Weise befördert: auf ihr An-
suchen in etatsmässiger Weise versetzt die Bezirksgeometer Karl Rein-
mund in Neustadt a. A. auf die Stelle des Vorstandes des Messungsamts
Hammelburg, Gottfried Walter bei dem Messungsamt Passau I an das
Messungsamt Tölz, Karl. Heizer in Tölz an das Messungsamt Passau I,
Joseph Schoderer in Straubing an das Messungsamt Vilsbiburg, ‚sämt-
liche in gleicher Diensteseigenschaft, der Bezirksgeometer Benno Strauss
in Neustadt a. H., zurzeit verwendet bei der Regierungsfinanzkammer von
Schwaben und Neuburg, auf die Stelle eines Kreisgeometers bei der Re-
sierung von Unterfranken und Aschaffenburg, Kammer der Finanzen in
168 Personalnachrichten., Zeitschrift für
NERDBNENNEEN MEER
etatsmässiger Weise berufen, der Bezirksgeometer Heinrich Träxler in
Vilsbiburg auf die Stelle des Vorstandes des Messungsamts Lauterecken
in gleicher Diensteseigenschaft, der Kreisgeometer Simon Himmler in
Würzburg auf die Stelle eines Bezirksgeometers bei dem Messungsamt
Neustadt a. A.; in etatsmässiger Eigenschaft ernannt der geprüfte Geo-
meter Joseph Fuchs, verwendet im Regierungsbezirk Oberpfalz und Regens-
burg, zum Kreisgeometer bei der Regierung von Oberpfalz und Regens-
burg, Kammer der Finanzen, der geprüfte Geometer Joseph Eder in
München zum Katastergeometer des Landesvermessungsants.
Baden. Es wurden ernannt: Die Bezirksgeometer Nehls in Wies-
loch, Beutler in Waldshut, Bach in Konstanz, Krauth in Ueberlingen
und der Revisionsgeometer Hofmann in Karlsruhe zu Obergeometern :
der Forstobergeometer Schild in Karlsruhe zum Vermessungsinspektor :
der Forstgeometer Wolf in Karlsruhe zum Forstobergeometer; der Geo-
meter Schneider zum Bezirksgeometer; der Geometer Hafner zum
Katastergeometer; die Geometer Englert, Kiehnle und Fuchs zu etats-
mässigen Geometern; der Katastergeometer Hettler in Karlsruhe zum
Revisionsgeometer; der Geometer Längle in Karlsruhe zum Forstgeometer ;
der Obergeometer Wörner in Karlsruhe zum Stadtvermessungsinspektor.
— Angestellt wurden die Bezirksgeometer Meythaler in Mosbach, Kuhm
in Messkirch, Hecker in Sinsheim; die Katastergeometer Backfisch in
Nassig, Bohack in Tauberbischofsheim, Eckert in Ueberlingen. — Zum
Obergeometer an der Technischen Hochschule in Karlsruhe wurde er-
nannt: Geometer und Assistent Merkel in Karlsruhe.
Freistaat Sachsen-Altenburg. Vermessungsinspektor Müller ist
‚um technischen Mitgliede der Generalkommission ernannt worden.
Druckfehlerberichtigung.
Seite 81 unter III. Zeile 8 die Stelle: „Während der eine“ usw. bis
„buntes Bild“ muss ausfallen.
Seite 82 Zeile 13—20 „Eine praktische“ usw. bis „könnte“ fällt aus.
Seite 95 Zeile 3 von unten lies: und den übrigen ausserpreussischen.
Staaten „statt ‚4‘ preuss. Staaten“.
Inhalt.
. Wissenschaftliche Mitteilungen: Minimumsprobleme tür Summen absoluter
Beträge, von Sommer. — Ein neuer Kompass für Krokiaufnahmen, von Wolff. —
Berichtigung, von Boltz. — Welche Gesichtspunkte eröffnet der Plan einer Einheits-
karte grossen Massstabes für die Umgestaltung des gesamten Vermessungswesens,.
von Rönne. — Bemerkungen zu der vorstehenden Abhandlung, von Lotz. —
Bücherschau. — Zu den neuen Zielen des Deutschen Geometervereins, von Über-
arzbacher. -- Tätigkeits- und Standesbezeichnung, von Rau. — Vereinsangelegen-
heiten. — Hochschulnachrichten. — Personalnachrichten. — Druckfehlerberichtigung.
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart.
Druck von Carl Hammer (Inh. Wilh. Herget), Kg]. Hofbuchdruckerei in Stuttgart.
Juni
1919.
ift für Vermessungswesen
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. ©. Eggert,
Professor a. d. Techn. Hochschule in Danzig-Langfuhr
Preis des Jahrganges 10 Mark.
Im Postbezug 102 Mk. 10 Pig. ohne Bestellgeld.
Werlag von Konrad Wittwer in Stuttgart, Schloßstraße 14.
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: Bestimmung des Maximaläbstandes der bayeri-
schen Gausskugel vom Besselschen Erdellipsoid, von Müller. — Die Bezifferung
des Meldegitternetzes in lebereinstimmung mit den tatsächlichen Koordinaten-
werten, von Baumgart. — Geltung der Fachwissenschaft im Kriegs-Vermessungs-
wesen und ihre Wirkung, von Harbert. — Magnetische Deklination, —
Bücherschau. — Vereinsangelegenheiten. — Hochschulnachrichten. — Prüfungs-
nachrichten. — Heeresnachrichten. — Personalnachrichten.
SICKLER
«KARLSRUHE iE.
i FEINNIVELLIER- INSTRUMENTE
Ca] UNÜBERTROFFEN Taj
in
PROSPEKT
„N. F.6“ 1
KOSTENFREI #
Theodolite mit Nonien-Mikroskopen.
D.R.G.M. System A. Fennel. D.R.G.M.
0 R)
ill
rl
162 163
Gesichtsfeld eines Nonius-Mikroskops
Teilung sexagesimal in Yıa°.
Ablesung 162° 11° 30“.
Durchmesser des Horizontalkreises
13 cm
Preis ohne Vertikalkreis 600 Mark.
Preis mit Vertikalkreis 815 Mark.
Diese Theodolite weisen gegen alle anderen folgendeVorzüge auf:
l. Limbus und Nonius erscheinen stets gleichmässig und gut beleuchtet,
gleichviel ob der Theodolit im freien Gelände oder bei Benutzung
des Reflektors in Tunnels oder Gruben gebraucht wird,
2. Die Ablesung ist viel bequemer als die des gewöhnlichen Nonius, da
das Führen der Lupe entlang der Teilung wegfällt und man mit einem
Blick den Mikroskop-Nonius in seiner ganzen Länge völlig übersieht,
3. Die Schnelligkeit der Ablesung ist wesentlich grösser wie bei dem
gewöhnlichen Nonius.
4. Die neue Ablesungsart ist völlig frei von Parallaxe, da das Bild der
Limbusteilung genau in der Ebene des Mikroskop-Nonius liegt.
9. Infolge der Schnelligkeit der Ablesung, sowie der gleichmässigen
Helligkeit und Schärfe der Bilder ist die Ermüdung des Auges be-
trächtlich geringer wie bei der Ablesung mittelst Lupen.
6 Durch die grosse Uebersichtlichkeit der Limbus- und Nonienteilung
und die volle Bezifferung jedes einzelnen Grades ergibt sich eine
grosse Sichernelt gegen grobe Ablesefehler.
OTTO FENNEL SÖHNE, CASSEE
2 Bu Werkstätte - geodätische Instrumente. |:
ZEITSCHRIFT sm VERMESSUNESWESEN
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. O0. Eggert,
Professor an der Techn. Hochschule
Dansig-Langfuhr, Hermannshöter Weg 6.
gan Heft 6.
1919. Juni. Band XLVII.
Der Abdruck vorOriginal-Artikeln ohne vorher eingeholte Erlaubnis
der Schriftleitung ist untersagt.
Bestimmung des Maximalabstandes der bayerischen
Gausskügel vom Besselschen Erdellipsoid.
Vox. Dr.-Ing. Franz Johann Müller in Augsburg.
(Schluss von $. 86.)
Für die Kantenlängen 23 und 14 folgen hieraus die Beziehungen:
(74) Sys = Ste — 252ucosDdı + ut; 82, = S?g — 2512VC08d, + v2.
Die zu den Geraden 23 und 14 gehörenden Richtungskosinusse lauten:
Re En — (8726, — ua), es 8196, — vP,,
“r N ee ke b a u en y
Sag 514
FE — (Sg 63 — uQ,) . BT. S1203 — ße.
(75) 1 nn a ne
. $23 an nz 94
(026: — ua), u _ Sad — "By
wesen Jo a ron
\ $33 S14
Den Winkel, den die Geraden 13 und 14 miteinander bilden, bezeichne
ich mit »,; jenen, welchen die Geraden 23 und 24 einschliessen, mit 95;
nach bekannten Sätzen erhält man hiefür: |
(76) a vcosd I 812008 D, +ueosd
914 $23
Bei Beachtung der Gleichungen (66) vereinfachen sich die Gleichungen (76)
wie folgt:
(77) cosy, = - ı c08% = — 2 ;
84 $g3
Hieraus ziehe ich unter Benützung der Gleichung (74) folgende neue Glei-
chungen:
/
. Sa — 2890008 Dd, + 2? — u?
sın?y, == EM Ag 2 __ ze
(79) 2 Sa
9 89: — 28,,1cosd, + u? — v?
23
Zeitschrift für Vermessungswesen 191%. Heft 6. 12
170 Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. Zeitschrift für
a ea
Aus den Gleichungen (66) ergibt sich die Beziehung:
En cos?dD, — cos’,
u v — $29 7 7 me
Dies in die Gleichung (79) eingesetzt und vereinfacht, liefert die neuen
Gleichungen:
8°, ‚sin? + 2c0osWcosD, cos D; — cos!D, — cos’T,
> 2, Pausen —— .
(80) nn sin? ;
3 82, sin?Ö + 2cosPcosD,cosd, — c0o8?D, — cos?D,
2 Er re 7
33 z
Mit Hilfe der Gleichungen (70) erhalte ich hieraus:
(81) sins, = = sin sin Ds; sinn = y "tu, sin Di.
Die Gleichung (81) durch die Gleichung (77) geteilt u; dır ıl«- hang (71)
beachtet, gibt die neuen Beziehungen: |
(82) Ä Itgyı = — sindtgu,; Id = sindtgu,
Aus den Gleichungen (80) ergibt sich ohne weiteres die. andere
(83) Sessinyg — S48MY,. “=
Die Beziehungen (74), (82) und (83) können ohne Schwierigkeit aus w-..
Seitendreiecken 134 und 234 des Tetraeders 1234 abgelesen werden. Die
Winkel, welche die Kanten 12 und 14, 12 und 23, 13 und 23, 14 und 24
miteinander bilden, bezeichne ich mit %,, X, 7; und z,. Aehnliche Ueber-
legungen wie vorhin liefern die Beziehungen: q
: 8: — ucosT,
cosX, = u
8. — vcosd
893
$,0 C08 D u v
C0sn; = ST EL C0899.008 0;
8g3 Sas
— 8,2608 v u
cosmy = uenııt C08d —= C0SY,C0Sß.
Su 814
Auch diese Beziehungen sind unschwer aus dem Netze des Tetraeders ab-
zulesen.
Aus diesen Beziehungen lässt sich ein verhältnismässig einfacher Aus-
druck für den Raumgehalt des Tetraeders 1234 ableiten. Bezeichnen r,
19, Ys drei in einer Ecke zusammenstossende Kanten, «,, & und a*) die
von diesen Kanten eingeschlossenen Winkel, so ist das sechsfache Volumen
des so definierten Tetraeders durch die Formel gegeben:
67 =rırars yı — cos?a, — C0s’ag — C0s?ag + 2C085x, C0SsRgC0Sag
*) Nicht zu verwechseln mit den Richtungskosinussen «a,, a, und o, der
Gleichungen (38)!
Zeitschrift für Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. 171
Vera nn
Ich wähle bei dem vorliegenden Tetraeder die Ecke 3 mit den Kanten
v :
Ebe, und den Winkeln «, = 90°, & = 90 — 95,
rn = 67.70 Tn=%Wu Yv, =
@ = ng. Hieraus folgt:
cos»,
sjn u, cosu, 608 4, 81n?D, sinD,
BER 2, — Im, = Sig
Vi sin %- cos’ ng = SP, sind
6U=
Aus dieser Formel kann man die Tetraederhöhen ohne besondere Schwierig-
keiten ermitteln. Die Höhe Ah, von der Ecke 1 auf das A 234 z.B. ist
hh = 850081, 5iNnD.-
Da ich im Folgenden den kürzesten Abstand zweier Normalen in zwei
beliebig gelegenen Punkten des Besselschen Erdellipsoids zahlenmässig
berechnen will, so benötige ich noch einiger Formeln, um die im Vor-
stehenden abgeleiteten Beziehungen verwenden zu können.
Die zwei Ausgangspunkte der Geraden (1) und (2) sind in geographi-
schen Koordinaten @ı, Aı und @,, Ag gegeben. Zwischen der geographi-
schen Breite $ und der exzentrischen Anomalie % der Meridianellipse
besteht die bekannte Beziehung:
b
(84) yyv = typ.
Die Koordinaten des Punktes (1) und (2) sind dann gegeben durch die
folgenden Gleichungen:
x = acosYd,c0slı5 La = GC08W5C08Ia;
yı = acospısinl; Ya = MC08sWygSinig;
zı = bsiny, ; 2, = bsiny,.
Die Richtungskosinusse der Geraden (1) und (2) werden aus den Glei-
chungen gefunden:
a, = 00891081; ß,C08Pg COSAg;
(85) R = C05Ppı8inVı; B2 cos Pasing;
& = 8inQpı; Bs8in pp.
Zur Berechnung des Winkels & benütze ich nicht die Gleichung cos® = Faß,
sondern das Dreikant, welches entsteht, wenn ich durch den Koordinaten-
nullpunkt Parallele zu den Geraden (1) und (2) ziehe und die z-Achse
als dritte Kante des Dreikants betrachte. Bringe ich das letztere mit
der Einheitskugel zum Schnitt, so wird das Dreikant in dem sphärischen
Dreieck 122 geschnitten, von dem zwei Seiten 900 — 9ı, 90% — @s und
der von diesen eingeschlossene Winkel Aı — Ag bekannt ist und der ge-
suchte Winkel @ dem Raumwinkel A, — A, gegenüberliegt; die den Seiten
900 — 9, und 900 — 9, gegenüberliegenden sphärischen Winkel bezeichne
ich mit Bund C. Die bekannten Formeln der sphärischen Trigonometrie
liefern die Gleichungen:
172 Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. „zeitschrift für
eTMESBUngSwesen
1919.
pP
t B r C cot A, — A, en
eye 2 sin Yı tr Ps’
2
| B—cC PR ui
t en — cot ie Bomteueen Seen a
(86) I 2 23% 9 +9 $)
| »)
cos BrC sın — + z
tg — Pr a 2 a pı — Ps 2
P) = 3 B-c 97 B—-C
\ 008 —.— s„ ..
Die unbekannten Winkel u, und us, des sphärischen Dreiecks mit den
Seiten D,, D, und # an sich am einfachsten aus den Gleichungen:
V- > Pr „ISHU-D . u ern trat m
1 __
[
| =
SER +, „ERBEN
(87) ! |
sin —
ta 8 — R EIHEBESPERTNER „ SASERIEERIAEN
vi PEIET EL WEITTTNN
2 2
sin — ——— sin ———
San a -d td +H
2
Bekanntlich schneiden sich die Ellipsoidnormalen in der Erdachse;
zwei von ihnen begrenzen dort eine bestimmte Strecke. Gehe ich von
dieser Strecke aus, so vereinfacht sich die Arbeit zur zahlenmässigen Be-
stimmung der kürzesten Entfernung zweier Ellipsoidnormalen um ein ganz
Bedeutendes.
Aus den Gleichungen (84) folgen ohne Schwierigkeit die neuen:
c08p s bsingp a? — b?
cosy —= Vi Remg' sinvy = VI Aemig ee — Fe
Die Koordinaten eines Ellipsoidpunktes sind dann durch die folgenden
Gleichungen bestimmt:
acospicosÄi u acosgpısin Ai _b _sinp
V1- esintp: ir V1- esin?gpi “Ta VI — esin’gpi
Die Parametergleichungen einer Ellipsoidnormalen lauten dann wie folgt:
A cos pucosh| 7 EFRFR - tu]:
ın
ı =
j a
(88) Yı = c0SPi51NnA; FBerr Fein’g +e|:
z = sinp Kerr +u|
a yı1— edsın!yp
Der Abstand ’; zwischen Ellipsoidmittelpunkt und dem Schnittpunkt der
Normalen mit der Erdachse ergibt sich hieraus zu:
Zeitschrift für Müller. Bestimmung des Maximalabstandes ete, 173
VNA
ii = a ung: _ EREN
a VI-esng
Der zur geographischen Breite ®; gehörige Querkrümmungshalbmesser N;
ist bekanntlich bestimmt durch die Formel:
a
eng
Die Strecke s’,,, welche von den zwei Ellipsoidnormalen (1) und (2) auf
der Erdachse abgeschnitten wird, ist also durch die Gleichung gegeben:
(89) se = — e(Nısinpı — NesinYe)
Das auf Seite (35) eingeführte Hilfsdreikant fällt hier mit dem auf Seite
(171) schon benützten Polardreikant zusammen. Die kürzeste Entfernung
berechnet sich also aus der Formel:
(90) Dam = — ae?(Nısinpı — Ng8inYg)cosYpısinC.
Hieraus ist ersichtlich, dass die Entfernung D im Vergleich zur Erdachse a
‚eine kleine Grösse ist.
Diese Formel hat Sonderhoff zuerst auf Seite 43 seiner Beiträge zur
höheren Geodäsie angegeben; sie ist in rechentechnischer Hinsicht von
idealer Einfachheit.
Das auf Seite (186) durchgerechnete Beispiel ist der Sonderhoffschen
Untersuchung ($ 4, Seite 48) entnommen.
3. Zwei ebene Kurven.
Die zwei Kurven sind bestimmt durch die zwei Gleichungspaare:
(® = f(u); x' = F(v);
y=sW; vo).
Die Entfernung D zweier beliebiger Punkte der beiden Kurven ist dan»
durch die Gleichung bestimmt:
D = @— a) + y+yN) |
Die Entfernung hat dann einen extremen Wert, wenn für das Punktpaar
x, y und x’, y’ die bekannten Gleichungen bestehen:
„of „09
@— 2), r9- Wu.
(91)
(92)
BF 06
@—- 2), 790 N.
Aus den Gleichungen (91) folgen durch Differentiation die neuen Glei-
chungen: dg 3F
day __ du ay Ir
at tie
ou or
Dies mit den Gleichungen er in Beziehung gebracht, gibt die folgenden
Beziehungen:
174 Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. „Zeitschrift für
rmessungswesen
1919.
IN Br en l
(93) ae Tg Tay
dx dx'
Hieraus folgt ohne weiteres der Satz:
„Die Verbindungsgerade jener Punkte zweier Kurven, deren
Entfernung voneinander einenMaximal- oderMinimalwert haben,
ist an beiden Kurven ein und dieselbe Normale oder mit anderen
Worten, sie berührt die Evoluten der beiden Kurven.“
Als Beispiel nehme ich eine Ellipse und einen Kreis in allgemeiner Lage;
da die Evolute des Kreises auf den Mittelpunkt zusammenschrumpft, so
ist die Aufgabe auf das Normalenproblem der Ellipse zurückgeführt. Die
Evolute der Ellipse x = acost, y = bsint ist bekanntlich definiert durch
die Gleichungen:
(94) X"
er. b? De db?
cos®t; = — Zt sin®t.
Bezeichne ich die Koordinaten des Kreismittelpunktes in Bezug auf die
Ellipsenachsen als Koordinatensystem mit X, Y, so lautet die Gleichung
einer Tangente, die vom Kreismittelpunkt aus an die Evolute gezogen ist,
wie folgt:
—*
Y Ks sin®t :
u —_—— tgl).
x _ "gr b
a
Oder vereinfacht:
(95) Ybcost 4 (a? — b?)sintcost — Xasint —= 0.
Führe ich die Linienkoordinaten %, ® ein, so habe ich:
a. b
ut Heost vn ent
Oder:
a2v2 + V?u2 — (a? — b2)u?v? — 0.
Dies zeigt die bekannte Tatsache, dass die Evolute der Ellipse eine Kurve
4. Klasse ist. Die Ordnung derselben beträgt 6, denn aus Gleichung (94)
folgt unschwer:
[(a? BEE b2)2 em a?z? ar b2 y2]3 Ge 9a2b2r?y? (a2 Fr b2) —
Entferne ich aus Gleichung (95) mittels der Parametergleichungen der
Ellipse den Parameter t und bezeichne für einen Augenblick die Koordi-
naten des Kreismittelpunktes mit o und p, so lautet diese Gleichung wie folgt:
pb?xz + (a2 — b?)yx — a2oy = (0.
Die gesuchten Normalenfusspunkte liegen also auf einer gleichseitigen
Hyperbel (die Hyperbel des Apollonius), welche durch den Ausgangspunkt
(Kreismittelpunkt) geht.
Aus derselben Gleichung folgen die anderen:
4
Zeitschrift für Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. 175
at re
[ 2 z ng
a a b
costt — 2 m cos83t — I 1— N 2? —_ 28 cos?t 4
a? 2°
= = .
a
+ 2 — Bier cost — a? > b? Zu 0;
Ä ö er = u
004
y ze
b a ;
sintt + 2 DH sinst — I 1 — I ——— 57 sin?t —
ee
9
b n
ya gg I
\ Su 5
A.M. Legendre hat mit Hilfe von Untersuchungen der Realität der
Wurzeln dieser Gleichungen 4. Grades nachgewiesen, dass man durch einen
Punkt vier, drei oder zwei Normalen an eine Ellipse ziehen kann, je nach-
dem der Punkt innerhalb, auf oder ausserhalb der Evolute der Ellipse liegt.
Bezeichne ich die Argumente der zu den obigen Gleichungen gehörigen
Kreisfunktionen mit &, £g, {5 und £,, so müssen nach den Ergebnissen der
Geometrie der Kegelschnitte diese Werte folgenden Bedingungsgleichungen
genügen:
u ++ +4, = (2n-+ 1)180 (C.F.Gauss)
(97) | sin(t; + 1) + sin(tg +) + sing rt) = 0 (Burnside)
tg, f tg 5 h tg. ‚tg 9 ha = —1 (Desboves) *)
Da diese Bedingungsgleichungen für die Rechnung brauchbare Kontrollen
liefern, so will ich diese Behauptungen hier beweisen, da die gewöhnlich
gebrauchten Lehrbücher .der Geometrie diese Beweise nicht bringen.
Bekanntlich gelten für jedes ? die Beziehungen:
ei! tet
I
R et!'—e-!! 3
sint = 55 ar
Setze ich diese zwei Werte für sint und für cost in Gleichung (95) ein,
so erhalte ich die neue: |
ati __ te uybzei ,|_
(98) e 2e 5; + 2e -— Dr; 10:
*) M. Desboves: ER et problömes sur les normales aux coniques.“
Paris 1861. Ferner Enzyklopädie der Mathematischen Wissenschaften Bd. III
.2. Abt. Heft 1 Leipzig 1903 Seite: 62. Die erstere Schrift blieb dem Verfasser
unzugänglich.
176 Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. „azeitachrift für
ee
Nach einem Grundsatz der Algebra gilt also nach dieser Gleichung die
Beziehung:
elı te&+t + = — ] = cos(, tb +1; -+1,) + isin(t, +, +1 1,)
Diese Gleichung trifft nur zu, wenn das Argument ein ungerades Vielfaches
von 180° ist, wodurch die Behauptung von Gauss bewiesen ist. Da die
Gleichung (98) das quadratische Glied der Unbekannten nicht enthält,
folgen die weiteren Bedingungsgleichungen:
0 = cos(t;, +1) + eos(t; +13) + eoslt, +4) +
9 | ” + 008(t; + 13) 4- c0s(ts 414) + c0s(t; + 14)
2 1° — sin(h +) + sinl, +1) Hein, + +
+ inet; +) + sin(g +) + sin(ts +1).
Aus der Burnsideschen Bedingung folgt hieraus die neue:
(100) sin(t, +) + sin, + 4) + sin(t, +) = 0.
Aus dem dritten und vierten Glied der Gleichung (98) folgt auf Umwegen
wieder die Gaussische Bedingung.
Die Burnsidesche Bedingungsgleichung folgt aus nachstehender Ueber-
legung; je drei Normalen mit den Argumenten t,, t, und t, der Ellipse
müssen die Gleichung (95) befriedigen, man hat also drei Gerade, die im
allgemeinen ein Dreieck einschliessen. Nach den Bedingungen der Auf-
gabe aber sollen sich die drei Normalen in einem Punkt schneiden, d.h.
der Inhalt des erwähnten Dreiecks soll gleich Null sein. Diese Ueber-
legung führt zur nachstehenden Bedingungsgleichung:
'sintı ; sint, cost; costı |
‚sintg; sint, cost; cost, | =.
a Ygs |
ısintz; sintz costz; cost; |
Diese Determinante vereinfacht, liefert den Wert:
1 2. L 242
2sinz (4 — to)sinz (ta — t)sinz (&ı — 13) [sindt, +12) +
| + sin(tg + 5) + sin(t, + to)]
Da die ersten drei Faktoren nie Null sein können, so muss der Klammer-
ausdruck zu Null werden, wodurch die Burnsidesche Bedingungsgleichung
erwiesen ist. Da vier Elemente zu je dreien kombiniert vier Kombinationen
zulassen, so gibt es noch drei solcher Burnsideschen Gleichungen. Aus
diesen und der zweiten der Gleichungen (99) folgen drei weitere:
\ sing Lt) + sin +4) sn u +) = 0;
(101) sin(tz; 4 15) + sin(t, +2) + sin(t, te) = 0;
| sin(t; + 13) 4 sin(t, + 13) + sin(tz + 15) 0.
|
Zeitschrift für Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. . 177
en
Die Richtigkeit der Desboves’schen Gleichung kann man wie folgt beweisen.
Auf Grund der Gaussischen Bedingung folgt:
t 14 ts + 1
get !— l.
Hieraus ergibt sich ohne Schwierigkeit:
2 tg ee 2 t, nt 177
1 +ig4 195195 ii = tg YotWg Zi +1g- 19 orte, tg F
+Higaigt tg wg.
Setze ich für einen Augenblick die linke Seite der vorstehenden Gleichung
gleich Q, so folgt ohne weiteres die Beziehung:
14 14 i t t | t
4 [13 +19 s|+%3 = ['% +08 | +14 [4 +10 =.
Hieraus kann ich die weitere ziehen:
‚4 un t t, u bh. db +:
sin go“ sin ar '+sing cos sin agk 5 tsingcos sin - r e—
ee t, t, tz 17
= Q cos 5 cos 9 608 5 008 5-
Dann erhalte ich, wenn ich die Sinussummen auflöse und die entstehenden
Produkte anders zusammenfasse, die neue Gleichung:
+ t
cos & sin + : al
BR TE: tz t, _
9 608 7 sin 9 008 5 sin! + sin a ‚c08 5 sin =
sin 2
nn t, 7 tz I
= Q c08 5 cos 9 608 2008 5 -
Diese zwei Gleichungen zusammengezählt, gibt die neue:
„ti Y ä t en 5 SE ? Fa ; t ‚4 t
sin FR sn 2 9 N MALE Ele ELEND TE En eE sin !
t RR:
— 20c0s 4.008 3.008 S
4
ZN ZEN 5
Beachte ich die Gauss-Bedingung, so folgt hieraus:
sin(t; +15) + sin(a + tb) + sin(t, +6) =
2 Lg t,
9 c05 5°
cos 2 5)
—— 4.Q cos} cos
Nach der dritten der Gleichungen (101) ist die linke Seite der vorstehenden
Gleichung gleich Null, es muss also Q ebenfalls gleich Null sein, wodurch
die Desboves’sche Behauptung bewiesen ist.
178 Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. Vermessungswesen
Ohne weiteres ist einzusehen, dass aus den vorstehend niedergelegten
Beziehungen noch andere, mehr oder minder elegante Formeln zwischen
den Argumenten 2,, t,, f, und ti, angegeben werden konnten.*)
III. Anwendung der vorstehenden Sätze auf die Bestimmung des
Maximalabstandes der bayerischen Gausskugel vom Besselschen
Erdellipsoid.
Nach der Voraussetzung berührt die Gausskugel das Besselsche Erd-
ellipsoid im Meridian der Mittelbreite des abzubildenden Landstrichs. Der
Kugelmittelpunkt liegt also auf einer Normalen des Erdellipsoids. Nach
Satz Il1b liegen die gesuchten Punkte in jener Meridianebene des Ellipsoids,
welche den Mittelpunkt der Gausskugel enthält. Der zu behandelnde Fall
ist also auf das vorhin im Abschnitt II 3 behandelte ebene Problem zürück-
geführt. Durch die Bedingung, dass der Mittelpunkt der Gausskugel auf
.einer Ellipsennormalen liegen muss, liegt für cost bezw. für sint schon
je ein Wert vor, welcher der Gleichung (96a) bezw. (96b) genügen muss.
Die Gleichung 4. Grades ist daher von der bekannten Wurzel zu befreien,
um eine Gleichung 3. Grades zu erhalten. Diese Gleichung enthält das
quadratische Glied der Unbekannten und erscheint unter der Form:
(103) Php +by+b = 0
Führe ich nach bekannten Vorgängen eine neue Unbekannte x ein, so dass
in der Gleichung (103) das quadratische Glied fortfällt, so lautet die ver-
einfachte Gleichung in den Koeffizienten der Gleichung (103) wie folgt:
| 1 2 5,5
10). tel +) te rt.
Gleichung (104) wird am einfachsten trigonometrisch ausgewertet. Im
2ahlenbeispiel erscheinen die zwei kubischen Gleichungen unter der Form:
(105) 23 —- pc+q =
Dann ist beide Mal:
!_ 7!
4 97°
*) So hat W. Gaedecke erst in ganz jüngster Zeit mit den obigen Glei-
chungen eine von Barisien im Jahre 1888 aufgestellte Behauptung bewiesen.
Dieselbe lautet:
A 0
a m ı1, gt en A
(Nouvelles Annales mathem. (3) Band 7 Seite 448). Hier bedeuten N und e
die vier von einem Punkt an einen Kegelschnitt gehenden Normalen bezw. die
Krümmungshalbmesser.
(Sitzungsberichte der Berliner mathemathischen Gesellschaft vom 4. VII.
1916. Grunerts Archiv für Math. u. Phys. 25. Band. 2. Heft. 1916 Seite 119.)
De
Zeitschrift für Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. 179
Vermes te ale e8on
Der Hilfswinkel ist bestimmt durch die Gleichung:
csp —=
Die Wurzeln der Gleichung (105) sind dann gegeben durch:
h h
u = — a % oosgj,: 3 = +3 V %eos(0 pi);
h
= 0 2V Feoswo+pl.
Aus diesen reduzierten Wurzeln der Gleichung (105) leite ich die der
Gleichung (104) ab. Diese Wurzelwerte müssen den bekannten Bedingungs-
gleichungen genügen, wodurch sehr brauchbare Rechenproben gewonnen
werden.
Sind nun die reduzierten Breiten der drei gesuchten Punkte aus den
zwei biquadratischen Gleichungen ermittelt, so muss ich mit Hilfe der
Gleichung: 4T — n tgt
die zu den betreffenden Punkten gehörigen geographischen Breiten be-
rechnen, mittels derer ich die entsprechenden Kreiskoordinaten gewinne.
Das Naheliegendste wäre nun, aus den Koordinaten der sich gegenseitig
entsprechenden Kreis- und Ellipsenpunkte die gesuchten Entfernungen zu
ermitteln, doch würde dieses Verfahren zu unsicheren Ergebnissen führen,
da die Entfernungen sich letzten Endes aus Differenzen vielstelliger Zahlen
zusammensetzen, die selbst bei Benützung der 10-stelligen Logarithmen-
tafel Unsicherheiten bis zu 1/,, km mit in das Resultat einschleppen. Um
diesem Uebelstand zu begegnen, habe ich die Entfernungen d des Mittel-
punktes der Gausskugel von den ausgezeichneten Ellipsenpunkten (Normalen-
längen) berechnet und von diesen Grössen den Halbmesser der Gausskugel
in Abzug gebracht. Das Vorzeichen der gesuchten Entfernung D. gibt
dann an, ob der gesuchte Ellipsenpunkt ausserhalb (-4- Zeichen) oder
innerhalb (— Zeichen) der Kreisfläche liegt. Hierbei ergeben sich Rechen-
kontrollen, da bei Ableitung der Normalenlängen die geographischen Breiten
als Zwischenglieder auftreten.
IV. Zahlenmässige Bestimmung des Maximalabstandes der
bayerischen Gausskugel vom Besselschen Erdellipsoid.
Nach Dr. Clauss (Dissertation Seite 1) beträgt für Bayern die mitt-
lere geographische Breite 7, — 48055’. (Breite von Regensburg.)
Die Koordinaten XY des Mittelpunktes der Gausskugel sind:
X = + 6078,81
Y = — 25172.30 (Clauss Dissertation Seite 2.)
R = 6380273,07
180 Müller.
Bestimmung des Maximalabstandes etc.
Zeitschrift für
Vermessungswesen
1919.
1. Berechnung der exzentrischen Anomalie.
9.754°4599816
7.824°4104°237 — 10
lgsin?T,
lg e?
e* sin? T, — 0.003°7920°177
1 — e?sin? T, — 0.996°2079.823
lg(1 — e?sin?T,)
IgV1— e:sin?T, | 9.9991750°086 — 10
lg cos T', | 9.817‘6684'875 — 10
— IgVı1 — esin?T, | 9.999-1750°086 — 10
Igcost, | 9.818°4934°789 — 10
cost, — 0,6584055°419
t, — 48° 49° 17.8190
ig 9.998°5458°202
0.059'5614'783
Igtgt, | 0,058-1072-985
t, — 48° 49° 17,819134
IgtgT,
Iye:sin? T, 7.578-8703-543 — 10
9.998-3500‘172 — 10
Igcos? T', | 9.635°3369°750
Ig(e')® | 7.827'3187°833 — IC
!g (e)? cos? T,, | 7.462'6557°583 — IC
e'?cos? T, = 0.002°9017’217
1 + e*cos? T, = 1.002’9017‘217
Ig(1-+ e?cos? T, | 0.001-2583-769
!y V1-+ e‘?cos? T, | 0.000-6291‘885
Igsin T', | 9.877'2299°658
IgV 1-+ e*?cos? T, | 0.000-6291°885
Igsint, | 9.876°6007'774
sint, — 0,752'6633°644
t, — 48° 49° 17,“8192
2. Berechnung der Koeffizienten der Gleichung (96).
lgx | 3,783‘8185‘692
clya | 3,195'3565-363 — 10
_ elge: | 2.175°5895'763
I9-". | 9.154'7646-818 — 10
ae
21y — 8 309-5293°636 — 10
e
x
5 = + 9142'8119-936,5
ae?
2
( ® ) — + 0,020.3952-655,21
x \2 y_\? >
(;) + (525) = + 0367°7951°450
> = |
gs („) —( y ) — + 0.632'2048°550
Igy | 4,400'9228‘989,
clgb | 3,1968107'161 — 10
clge': | 2.172-6812-167
lg 5.5 | 9.770°4148°317,— 10
)
/
_7_ 1 9,540-8296° =
2lg Sn 9.540’8296'634 1
%_ — _- 0,589'4009-502
2
(5) — + 0.347.3998795
ae?
3. Aufstellung der Gleichung (96).
c* — 0,2856239'873 c® — 0,632'2048°550 c? + 0,285'6239°873 c — 0,020'3952'655
s* — 1,178°8019'004 s® — 0,632‘2048°550 c? + 1,178'8019'004 s — 0,347'3998:795
I Il
oO
Iga, — Iya, — 9,455'7946'775
Iga, — Iga‘, — 9.800'8578’266
Iga‘, — Iga‘, — 0,071'4448-274
Zeitschrift für Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. 181
VW REN
4. Berechnung der Kosinusgleichung.
a) Probe.
Ig cost, | 9.818°4934'789 Iycos?t, | 9.455°4804‘367
lg cos?t, | 9.836'9869'578 Igcos*t, | 9.278'9739'156
9.455°7946'775 Iga, | 9.800'8578°266 Iga, | 9.455°7946'775
Igcos? | 9.455'4804'367 Igcos? | 9.636°9869°678 Igcos | 9.818‘4934'789
Iga,cos® | 8,911'2751142 |] 2ga,cos® | 9.437-8447°844 | ?gascos | 9.2742881‘564
cost — + 0,187'9203°946 a, = — 0,020'8952'655
+ a,c0s — + 0,188°0564166 a,c? = — 0,274'0594°516
3, = + 0,375°9768112. ie Westen
3, = — 0,375°9767°712
Z, + 2, = + 0.000'0000°400
b) Bestimmung der Ungenauigkeit der Wurzel cost,.
(6) = 403 — 3a,c? — 2a;zc-—+ a,
!g4 | 0,602.0600 !g3 | 0,477'1213 !92 | 0,301°0300
Ige: | 9.455°4804 Iga, | 9.455'7947 Iga, | 9.800'8578
en Bi !ge? I 9.836'9870 !gc | 9.818'4935
| 0,057°5404 | —— LT m
| 9.769'8930 | 9.920'3813
4? — 1,144'3023 Ba = 0,588°7121°6 3, = + 1,429'9263
= 0,285°6240 2a, = 0.,832’4945°4 23, = — 1.421'2067
3, = + 1,429'9263 S, —= — 1.421'2067°0 fc, = + 0,008 7196
0.000°0000 400 ee ee Te
c) Herleitung der kubischen Gleichung.
- 0,285°6239'873 c® - 0,632'2048°550 c?+0,285'6239'873 c — 0,020'3952°655 : c - 0,658°4055°419
+0,658°4055’419 c? =c°+0,372'7815°546 c? - 0,386'7634'129 c+0,030’9768 122
+0,372'7813°546 c®
+0,245°4414°421 c
- 0,254°6471°751 c
+0,030'9768:122 c-
182 Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. Zeitschrift für
Verm a a
d) Wegschaffung des quadratischen Gliedes.
Igb, | 9,587°4453°839 - 1gb,® | 9,142-9088-302
Igb, | 9.571454 151 — 193 | 0,477°1212'547
Igb, b, | 9,158'8997°990 5,
21 | 8,665°7875'758
193 | 0,477°1212°547 7 u ?
8 ‘ 4 h2
ddr | 8,681:7785.443 igb,® | 8,714'3632°453
8 192 | 0,301°0299°957
c1g27 | 8,568-6362°358
u 07? ‚| 7.584°0294°768
ae u le ae mes De Be Flle rn Zee Eu aa
= 3 b,? = — 0,046'3220'292 —= + 0.030'9768-122
+5, = — 0,386'7634'129 12 — + 0,048/0594:222
| Ra — + 0,003'8373°329
p = — 0,433,0854°421 g = + 0,082°8735-673
z — — 0,144'3618°140 m — + 0.041'4367'837
19% 9,1594523°311 195 8,617'8860°884
ig 2 9.579'7261°655 7 (2) 8,739'1784‘967
ıp\8
3V (8) 8,739'1784°967 lg cosp | 9.878'2075°417
Ig Ver | 9.880°7561-613 | $ | 40° 56 06”,066186
ee le Se ee ni a
9], = 13° 38° 42”,022062
60 — Q|, — 46° 21° 17°,977938
60 + p/, = 73° 88 42022062
Ig VE 9.880’7561'613 | 9.880°7561’613 9.880'7561°613
Igeosp|s | 9.987°5661'669 9.838°9675°119 | 9.449°6138'703
Igy' | 9.868°3223'282 | 97197236732 | 9.330.3700’316
y' | — 0,738°4520°972 | + 0,524°4736°493 | + 0,213°9784°472
yı + ya’ + 95° = — 0.000°0000.007
m — — 0,124'2605'182
c, = — 0.862’7126°154 | 9.935°8661°487,| 149° 37° 21”,11990
c3 = + 0.4002131’311 | 9.602'2891388 | 66° 24° 31,04542
cs = + 0.089°7179'290 | 8.952'8792°401 | 275° 08° 50-,56805
cn = + 0.658°4055°419 | 9.818°4934789 | 48° 49° 17°,81900
el hr 0.00
[e] = + 0,285'6239866 | 8,309°5280’015 | 540° 00° 00",55237 nedingung.
Zeitschrift für Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. 183
VORTABB TE NERWOREN
5. Berechnung der Sinusgleichung.
a) Probe.
Igsin | 9.876°6007°774 Igsin® | 9.629'8023-322
9.753'2015'548 lg sin* I 9.506°4031’096
0.071'4448 274 9.800'8578°266
Ig sin? | 9.629'8023'322 lg sin? | 9.753'2015°548
Iga, sin’ | 9.701'2471'596 Iya,sin® | 9.554‘0593'814
Iga, | 0.071°4448274
Igsin | 9.876°6007,774
Iga,sin | 9.948'0456'048
sin* — + 0,320°9246'747 a, = — 0,847'3998'735
+ a,sin = + 0.887'2491'763 + a,sin® = — 0,502°6285°570
+ a,sin? = — 0,358'1454°036
2, = + 1,208°1738510 Z,' = — 1.208'1738 341
2, + Z, = + 0,000'0000169
b) Bestimmung der Ungenauigkeit der Wurzel sint,.
ig4 | 0,602°0600 ig3 | 0,477'1213 !g2 | 0,301 0300
198? | 9.629°8023 Iga, | 0,0714448 Iga, | 9.800'8578
zb Igs? | 9.753’2016 Igs | 9.876°6008
Z, | 0.231°8623 — ——
3, | 0.301'7677 3, | 9.978‘4886
48° — + 1,705°541 35,38? — — 2,008 400 Z, = + 2,884 343
--a, = + 1.178'802 20,8 = — 0.951 675 +23, — — 2,955 075
3, = + 2,884 343 3, = — 295505 f'(s) = — 0.070 732
8, = + 0,000°0002.389
= + 0,759°6683.644
+4 =+ 2 389
80° = + 0.752.6636°033
c) Herleitung der kubischen Gleichung.
-1,178‘8019°004 s° - 0,632°2048'550 s?+1,178°8019004 s - 0.347°3998'795 : s- 0,752'6633°644
+0.752°6633'644 s® = 8° - 0,426‘1885‘360 s?- 0,952'9437°192 s +0.461°5560°746
-0,4261385360 5 u
_.0,320'7388.642 s°
-0.952°9437°192 5?
-.0,717'2458.258 s
+0,461°5560°746 s
184 Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. Zeitschrift für
| ne
d) Wegschaffung des quadratischen Gliedes.
Igb, | 9,629°5508°095 lg b,? | 9.259°1016°190
Igd, | 9.979'0672°520 Ig8 | 0.477-1912'547
. 2
Igb, d, | 9.608‘6180°615 lg j. 8,781°9803-643
ig3 | 0.477°1212°547
3 ‘ O4
4 dr | 9.1812068068 Igb,® | 8.888’6524285
3 !g2 | 0.301‘0299'957
c1y27 | 8.568°6362-358
2 8 ‘ 4
Iy 5, 51° | 7.758'3186°600
un 6,2 = — 0,060.5813°506 db, = + 0.461'5560'746
4, —= — 0.952°9437°192 en — — 0,1853620.139
+5 b,° = — 0,005'7321°650
p = — 1,013°4750-698 q = + 0,320°4618°957
5 — — 0,337'8250'233 5 — -+ 0,160'2309°478
45 9,528°6918°155 92 9.2047464°016
Vz 9.764'3459'078 3V (2) 9.293°0377'234
„V )* N igeosp | 9.911°7086'782 | P = 35° 18° 86°,6870
0.065'3758°977
pl; = 11° 46‘ 19,229
60 — pl, = 48° 13° 47,771
60 +9); = 71° 46 12,229
ig AV 0.065°3758-977 | 0.065°3758977 0.065°3758°977
lg cos pl; 9.990'7712'029 9.823°5673°880 | 9.495'3100'982
igy' | 0.0561471006 | 9.888°9432'867 | + 9,560'6859'959
y' | — 1,138'0126°791 | + 0,7743606'678 | + 0.363-6520”130
Yı + Ya + Y; = + 0.000'0000°017
mn — + 0.142'0461'787
Zeitschrift für Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. 185
VORIMEBEUNZENEMEN
sin lg sin | t
— 0,995'9665°004 | 9.998'2447°311 | 275° 08° 52”,2097
| + 0,916‘4068°465 | 9.962°0883’251 | 66° 24° 22, 7325
+ 0,505°6981‘917 | 9.703'8913154 | 1490 37° 20',2647
+ 0,752°6633°644 | 9.876°6007°774 | 48° 49° 17”,8190
+ 1,178‘8019'022 | 9.540°8251‘490 | 589° 59° 53",0259 | vedingung.,
6. Berechnung der geographischen Breiten.
0.001’4541'798 0 001'4541'798
9.768°0220'945,, 0.359'8068 355
9,769'4762'743,, 0.361’2610°153
0.001°4541'798
1.045°3658°024,,
1.046°819’9822,
Iyigt*)
gT|
T —= 149 32' 19" 5639; — 66° 28° 44”,0622; — 275° 07° 49" ,3787
7. Berechnung der Ellipsenkoordinaten.
Iya | 6,804°6434°637 6,804°6434°637 6,804.6434°637
Igcost | 9.935'8661°487, 9.602°2891'338 8.952'8792°401
igx. | 6,740°5096124, | 6,4u6'9325°975 | 5,757°5227°088
x. = — 5'501'835,64; + 2'552'305,15; + 572°166,87
Igb | 6.8031892839 6 8031892839 6.803°1892'839
Ig sint | 9.703'8882-432 9.962°0959°693 9.9982450°425,
Igy. | 6,507°0775'271 | 6,765°2852°532 | 6.801‘4343°264,,
yı = + 3°214'234,27 ; + 5'824°856,80; — 6'330'446,26
*) Ich habe die Winkel der Kosinusgleichung benützt, da in der Sinus-
gleichung ein leider von mir nicht aufgefundener Rechenfehler versteckt ist.
Auf einen Fehler deutet der Widerspruch in der Gaussischen Winkelbedingungs-
gleichung hin.
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft 6. 13
186 Müller. Bestimmung des Maximalabstandes etc. Zeitschrift für
VOR BULEIWEREN
8. Berechnung der Normalenlängen d.
—-6'305'273,96
+ 566088,06
+ 3°239'406,57
— 5'507°914,45
+ 5°850°029,10
+ 2'546'226.34
Ig(y« — Y) | 6,510'4654°587 6,767°1580'264 6,799'7039”611,.
Iy(x. — X) | 6,740'9871°891, 6.405°8970°064 5,752-8839°948
19 T* | 9.7694782726, | 0.861'2610'200 1.046'8199'663,,
lg sin T“ | 9.704°9711°071 9.962'3282'304 9.998'2537°086,,
Igcos T' | 9.935‘4928'345,, 9.601°0672°108 8,951’4367’528
Igd | 6,805‘4943-516 ) 6.804-8297°960 6.801'4472'6525
21 56 420
IgT | 149082 19,1491 | 66°28-44“,0630 | 275° 07°48.,9569 Bias,
+ 6-330'634,61
— 6380'273,07
49638,46
d
—R
-+- 6°389'904,27 -+ 6'380'183,94
— 6-380'273,07 — 6'380'273,07
+ 9631,20 | — 139.13
V. Bestimmung des kürzesten Abstandes zweier Ellipsoidnormalen.
9, = 52° 30° 16“,7
9, — 54° 42° 50,6
A = 7706‘ 00%,0
C = 59 29' 40,65 (Sonderhoff S. 49.)
Igsin | 9.899-5097-857 | 9.911'8387°956
7.324'4104'237 | 7.824°4104°237
9.799'0195'714 | 9.823°6775°912
Ige?sin? | 7.623°4299-951 | 7.648,0880.149
e? sin? — 0.004,2017.479; 0.004'4472.139
1 — e?sin? —= 0.995'7982-521; 0.995.5527.861
9.998°0642°921
9.999-0321 460
ig a — e?sin?)
IoVi — etgin?
en.
vi — e? sin?
sin — 0.795'1043°077; —= 0,818-1004-839
Vi1--e!sin?
N p1 — Noir 9: — 0,022'9961'762 = (1)
9.998°1713‘596
9.9990856°793
9.900°4241'064
9.912-8066°496
Iga | 6,804'6434°637
ige? | 7.824-4104'237
Igcosgp, | 9.784‘4012'994
Ig(1) | 8.361'6556‘275
IgsinC | 9.985'2963‘872
ig D„ | 2,710'4072'015
D„ — 513,84
Zeitschrift ür_ Baumgart. Die Bezifferung des Meldegitternetzes etc. 187
VEraBE NEW Ren
Die Bezifferung des Meldegiiternetzes in Ueberein-
stimmung mit den tatsächlichen Koordinatenwerten.
Mit einer graphischen Beilage.
Von Baumgart, Topograph der preuss. Landesaufnalıme.
Die preuss. Landesaufnahme verwendet für ihre Triangulationsarbeiten
niederer Ordnung die Schreibersche konforme DOEBS DEN RUNN: Der
Nullpunkt dieser liegt:
520 42° 2° 5325 nördl. Breite
310 0 0,0 östl. Länge v. Ferro.
Die hierauf bezogenen rechtwinkligen Koordinatenwerte (nördliche x
und östliche y positiv) werden in den Druckwerken: „Abrisse, Koordinaten
und Höhen sämtlicher von der Trigonometrischen Abteilung der Landes-
aufnahme bestimmten Punkte“ neben den geographischen Koordinaten ver-
öffentlich. Zur Verwendung bei den übrigen Vermessungsbehörden sind
jedoch diese rechtwinkligen Koordinatenwerte ungeeignet, weil die aus
diesen Koordinatenwerten berechneten Dreiecksseiten in den vom Null-
punkt des Systems östlich oder westlich weiter entfernt gelegenen Gebieten
recht beträchtliche Verzerrungen erleiden. Die preussische Katasterver-
waltung verwendet deshalb zufolge Verfügung des Zentral-Direktoriums
der Vermessungen vom 29. 12. 1879 insgesamt 40 kleine Einzelsysteme
nach Soldner. Die Nullpunkte dieser 40 Systeme sind gleichzeitig Triangu-
lationspunkte 1. und 2. Ordnung der Landesaufnahme Es ist daher
jeder trigonometrische Punkt der Landesaufnahme in die rechtwinkligen
Koordinatenwerte dieser Soldnerschen Systeme umzurechnen. Diese
Rechnung wird nicht durch Umwandlung der Schreiberschen rechtwinkligen
Doppelprojektionskoordinaten vorgenommen, sondern durch Umrechnung der
indenoben genannten Druckwerken gleichfalls veröffentlichten geographischen
Koordinatenwerte der lLandesaufnahme mittels Form. Nr. 6 der Kataster-
anweisung IX. Die Landesaufnahme hat nun im Laufe der Zeit für viele
dieser Koordinaten-Nullpunkte infolge wiederholter Neubestimmungen ver-
schiedene Werte ermittelt. Vielfach sind diese neueren Werte bei den
Umrechnungsarbeiten noch nicht berücksichtigt worden, auch dürfte es
vorgekommen sein, dass hierbei sogar die Werte für den Koordinaten-
Nullpunkt und die Umrechnungspunkte aus nicht einheitlich bestimmten
Triangulationen verwendet worden sind, so dass sich Widersprüche in
den Ergebnissen befinden.
Bereits im Jahre 1912 ging die Landesaufnahme dazu über, für ihre Kolo-
nial-Triangulationen die Gauss-Krügersche Projektion anzuwenden, diein dem
Werk: „L. Krüger, Konforme Abbildung des Erdellipsoids in der Ebene,
Potsdam 1912“ eingehend beschrieben ist. Neuerdings beabsichtigt nun-
188 Baumgart. Die Bezifferung des Meldegitternetzes etc. VermesmnEnWwos n
mehr die Landesaufnahme, an Stelle der Schreiberschen Doppelprojektion
die Gauss-Krügersche Projektion für alle ihre Zwecke einzuführen. Diese
Projektion besteht bekanntlich in einer direkten konformen Uebertragung
vom Sphäroid auf die Ebene unter Verwendung von Meridionalstreifen,
die in ihrer Nord-Südrichtung beliebig weit ausdehnbar sind. In der Ost-
Westrichtung dagegen beträgt die eingeführte Breite eires jeden Meridional-
streifens 3 Längengrade, also je 11/,0 nach Ost und West vom Haupt-
'meridian des Meridionalstreifens aus. Jeder dieser Meridionalstreifen er-
hält seinen eigenen Nullpunkt. Um den bisherigen Hauptmeridian der
Landesaufnahme (31° östl. Ferro) als solchen weiter verwenden zu können,
wird die Verteilung der Nullpunkte auf die Meridiane 250, 280, 310, 340,
370 und 40°. vorgenommen, während die Breite aller Nullpunkte wie bis-
her auf 520 42° 2° 5325 in jedem Meridionalstreifen verbleibt. An Stelle
des bisherigen einen Systems der Doppelprojektion entfallen nunmehr für
die Landesaufnahme insgesamt 6 Meridionalstreifen-Systeme auf ganz
Deutschland. Zu Gunsten der Katasterverwaltung wird nun bei der Landes-
aufnahme der Gedanke erörtert, einen für alle Kataster-Vermessungszwecke
ausreichenden Vergrösserungsfaktor m, in die Gauss-Krügersche-Trojektion
‚einzuführen, um alle diese Koordinatenwerte auch für die Katasterverwal-
tungen sowie überhaupt für alle übrigen Vermessungszwecke ohne weiteres
verwendbar zu machen. Der Ausgangspunkt für die Orientierung des
Dreiecksnetzes und für die Berechnung der geographischen Koordinaten
soll der Beobachtungsturm des Geodätischen Instituts in Potsdam und
‘und dessen neu gemessenes Azimut nach dem Golmberg werden. In den
Druckwerken der Trigonometrischen Abteilung der Landesaufnahme werden
alsdann in Zukunft an Stelle der bisherigen Schreiberschen x- und y-Werte
die neu orientiertenund.auf den zugehörigen Nullpunkt des betreffenden Meridio-
nalstreifens bezogenen Gauss-Krügerschen Werte zur Veröffentlichung ge-
langen. Bei Annahme eines der weiter unten gemachten Vorschläge über die
Verlegung des Anfangspunktes der Koordinatenzählung würde es sich em-
pfehlen, in den Druckwerken alsdann diese so veränderten Werte zu veröffent-
lichen. Die in der Nähe der Grenzmeridiane der Einzel-Systeme
‚gelegenen trigonometrischen Punkte müssen ausserdem auch auf den
Nullpunkt des benachbarten Meridionalstreifens umgerechnet ver-
öffentlicht werden. Sie erhalten also Doppelwertee Auf die be-
‚deutenden Vorteile der konformen Gaussschen Koordinaten gegenüber
den nicht konformen Soldnerschen inbezug auf Messungsschärfe soll
hier nicht weiter eingegangen werden. Es sei dieserhalb nur kurz auf
die im Jahre 1896 in der Fachliteratur erfolgten Veröffentlichungen hin-
gewiesen. Bemerkt sei ferner noch, dass auch Oesterreich-Ungarn bereits
mit der Einführung der Gauss-Krügerschen Meridionalstreifen begonnen hat
und verschiedene andere Staaten sie planen.
. ernperungewosen Baumgart. Die Bezifferung des Meldegitternetzes etc. 189
Werden nun diese Gauss-Krügerschen Koordinatenwerte auch bei den
übrigen Vermessungsbehörden einschl. der Gliedstaaten eingeführt, so- fallen
dadurch alle Umrechnungen aus geographischen Werten in Soldnersche Koor-
dinaten der Teilsysteme fort und die übergrosse Anzahl dieser 40 Teilsysteme
verringert sich auch bei den Katasterverwaltungen auf nur noch 6 für ganz
Deutschland. Die Abgrenzung der Meridionalstreifen seitens der Landesauf-
nahme wird mit Rücksicht auf deren Kartenwerke sich strikte an 30 breite
Streifen halten müssen, während sie bei der Katasterverwaltung den jetzigen
in dieser Verwaltung üblichen lokalen Abgrenzungen der Katasterämter (also
meist den Kreisgrenzen) anzupassen sein würde. Eine dadurch etwa notwendig
werdende Verbreiterung der Meridionalstreifen kann bis zu 2° erfolgen, da
die von Prof: Krüger entwickelten Formeln diese Verbreiterung ohne Be-
denken zulassen. Durch eine solehe Neuordnung würden- sich alle infolge
Verwendung von Werten aus verschiedenen, nicht einheitlich berechneten
Triangulationen eingeschlichenen Unstimmigkeiten wieder beseitigen lassen.
Es wäre endlich durch diese Massnahme eine wesentliche Vereinfachung
und eine bisher fehlende Einheitlichkeit zwischen den Landesaufnahmen
der verschiedenen Staaten und allen übrigen Vermessungsbehörden in ihren.
beiderseitigen grundlegenden Triangulationsarbeiten erreicht.
Solche Einheitlichkeit müsste aber auch im Kartenwesen selbst überall
angestrebt werden. Infolge des zunehmenden Gebrauchs von Karten in allen
Wirtschaftszweigen des öffentlichen Lebens hat sich im vermehrten Masze die
Notwendigkeit gezeigt, die bisher nur auf militärischen Karten gebräuch-
lichen Meldegitternetze mit 1 km Maschenweite auch auf alle technischen
und wirtschaftlichen Karten grösseren Massstabes zu übernehmen. Mit
Hilfe dieser Netze und ihrer Bezifferung will man die Lage jedes Karten-
punktes schnell angeben oder auffinden können. Die über die.vollen km-
Netzlinien hinaus überschiessenden Entfernungen werden mittels Zirkel
oder „Planzeiger“ gemessen und diese Werte den vollen km-Werten der
Netzlinien als Dezimale angehängt. Um nun die Bezifferung eines solchen
Meldegitternetzes gemeinverständlicher zu gestalten, müssen Vereinfachungen
in der Anordnung der Bezifferung der Koordinatennetze eintreten. Es muss
angestrebt werden, diese Bezifferung mit den tatsächlichen Koordinaten-
werten in Uebereinstimmung zu bringen: Die Zählweise darf nicht
je nach der Lage in den Quadranten steigen und fallen, sondern muss in
ein und derselben Richtung. fortlaufend durch das. ganze Kartenwerk er-
folgen. An Stelle. der. meist nur für den Fachmann verständlichen mit
einem Vorzeichen versehenen Bezeichnungen x und y würden sich die ein-
facheren Ausdrücke „hoch“ und „rechts“ für den allgemeinen Kartengebrauch
empfehlen. Ag | Ä
Eine solchen Zwecken dienende Vereinfachung würde. sich erzielen
lassen, wenn man den Anfangspunkt der. Koordinatenzählung dergestalt
190 Baumgart. Die Bezifierung des Meldegitternetzes etc. veimonmungen Sur
verschiebt, dass die nach Osten positiv zählende y-Achse in den Aequator
fällt und die nach Norden positiv zählende x-Achse um ein beliebig rundes
Mass westlich des zugehörigen Hauptmeridians zu liegen kommt. Jedem
Nullpunkt eines Meridionalstreifens wird z. B. statt Null der Wert zu-
geteilt: |
X, = + 5840711,803 m. Dieser Wert entspricht dem linearen
Abstande des Nullpunktparallels vom Aequator, ist also
gleich der Meridianbogenlänge vom Aequator bis zur Breite
520 42° 2,5325.
Y, = + 500.000 m.
Hierauf werden alle zuvor auf den wirklichen Nullpunkt errechneten Werte
bezogen. Hätte man z. B. einen trigonometrischen Punkt 1 mit den Werten:
x% = — 141312,57 m
Yyı = + 61439,12 m
auf diesen Anfangspunkt der Koordinatenzählung zu beziehen, so würden
sich ergeben für:
Xı = (+ 5840711,80 — 141312,57) = + 5699399,23 m
Yı = (+ 500000 + 61 439,12) —= + 561439,12 m.
Man ersieht sofort, dass dadurch alle Koordinatenwerte für Deutschland
stets positive werden müssen, weil sie im 1. Quadranten liegen. Es
können somit auch alle Vorzeichen in den Karten und Koordinatenver-
zeichnissen gänzlich fortgelassen werden. Die trigonometrischen Rech-
nungen vereinfachen sich. Ebenso erhellt sofort, dass bei allen Arbeiten
in kleineren Bezirken zumeist die Berücksichtigung der Hunderter, Tau-
sender usw. der km gänzlich unterbleiben kann, da der Gebrauch der Zehner
und Einer der km praktisch fast stets genügen wird. Verwechslungen
würden erst mit 100 km entfernt gelegenen Zonen möglich sein. Die
grossen mehrstelligen Ziffern werden also in keiner Weise störend in die
Erscheinung treten. Eine derartige Verschiebung des Anfangspunktes
der Koordinatenzählung hat zunächst den grossen Vorteil, dass dadurch
innerhalb eines ganzen Meridionalstreifens diese Meldegitternetzbezifferung
sich überall mit den tatsächlichen Koordinatenwerten in Uebereinstimmung
befindet.
Bei der Herstellung grosser Kartenwerke würde jedoch diese Ver-
schiebung noch keineswegs ausreichend sein. Man würde für die Karten-
blattecken von den in den einzelnen Meridionalstreifen übereinstimmend
gelegenen Blättern die gleichen Koordinätenwerte und damit also eine in
den verschiedenen Streifen sich wiederkolende gleiche Bezifferung des
Meldegitternetzes erhalten. Man wäre gezwungen, bei Angabe der Koordi-
natenwerte auch stets noch die besondere Bezeichnung des zugehörigen
; ofmensungen für Baumgart. Die Bezifferung des Meldegitternetzes etc. 191
Meridionalstreifens hinzuzufügen. Diesem Uebelstande lässt sich nun
in der Weise abhelfen, dass den Y,-Werten der Nullpunkte der ver-
schiedenen Meridionalstreifen an Stelle der Konstante 500000 m eine für
jeden Streifen anders lautende hinzugesetzt wird. Der Y,-Wert kann
z. B. lauten für den Meridionalstreifen
mit dem Hauptmeridian 250° = 1500000 m
280 = 2500000 m
Fe : 310 = 3500000 m
u. 5 a 340 = 4500000 m
nr & 370 = 5500000 m
“5 i 400 = 6500000 m.
Alle trigonometrischen Punkte mit dem y-Werte zwischen 3000000 bis
3999999 m gehören hiernach zu dem Meridionalstreifen mit dem Haupt-
meridian 310. Die vorgesetzte Ziffer (hier 3) würde also den zugehörigen
Streifen ohne weiteres erkennen lassen. Im Falle der Ausdehnung eines
Kartenwerkes über ganz Europa würde es sich natürlich empfehlen, die
Zählung schon bei dem ersten Meridionalstreifen mit dem Hauptmeridian
1° beginnen zu lassen.
Weitergehend kann man den Anfangspunkt der recktwinkligen Koor-
dinatenzählung mit demjenigen der geographischen Koordinaten vereinigen,
wenn man die Verschiebung des ersteren in der y-Richtung bis in den
Schnittpunkt des Ferro-Meridians mit dem Aegtator vornimmt, während
der Wert für X, = 5840 711,803 m beibehalten wird. Der Wert Y, für
den Nullpunkt jedes Meridionalstreifens setzt sich dann zusammen nach
folgendem Beispiel: Es wird zunächst die y-Grösse in der Gauss-
Krügerschen Projektion für 1° Länge bei der Breite 0°. berechnet (siehe
das Stück a in beigefügter Tafel), hierzu wird die y-Grösse für 11/,°
Länge bei der Breite 0° (siehe das Stück b in beigefügter Tafel)
soviel mal hinzugezählt, als der betr. Hauptmeridian um ein Viel-
faches von 11/,0 Länge vom Hauptmeridian 1% abliegt. Für den X\ull-
punkt des Streifens mit dem Hauptmeridian 4° ergibt sich daher Y, durch
Addition der Grössen « + 2d, für Hauptmeridian 79 durch «+ 4b usw.,
für Hauptmeridian 31° also durch a + 205. Die Hauptmeridiane der
auf Deutschland entfallenden Meridionalstreifen erhalten auf diese Weise
folgende Y,-Werte:
250 — 2782977,394 m
280 — 3116935,535 m
310 — 3450893,675 m
340 —: 3784851,816 m
370 — 4118809,957 m
409 — 4452 768,098 m.
192 Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. Zeitschrift für
erm eseu
1919.
Der Nullpunkt des Streifens mit dem Hauptmeridian 319 erhält also
durch eine solche Umwandlung den Wert:
Y, = 3450 893,68 m.
Betragen nun die zuvor auf diesen noch unveränderten Nullpunkt
(also noch mit dem Werte Null in x und y) bezogenen Gauss-Krügerschen
Koordinatenwerte irgend eines in diesem Streifen liegenden trigonometri-
schen Punktes 1
v
zı = — 141312,57 m
Yyı = + 61439,12 m
so ergibt sich nach der Umwandlung für
Xı = (5840 711,80 — 141 312,57) = 5699399,23 m
Yı = (3450 893,68 + 61439,12_ = 3512332,80 m.
Durch eine solche gewissermassen formale Nyllpunktsverschiebung wird
der Anfangspunkt der rechtwinkligen Koordinatenzählung mit demjenigen der
geographischen Werte identisch. Es wird unmöglich, dass sich für die nörd-
liche Halbkugel die Koordinatenwerte wiederholen können, es entsteht
der Vorteil, dass der y-Wert sofort den betreffenden Meridionalstreifen
ohne weiteres erkennen lässt. Zwei benachbarte Streifen scheiden sich
stets in ihren 4-Werten durch eine Zahlenlücke, die erst am Aequator
restlos geschlossen wird.
Die in Vorstehendem gemachten Vorschläge unterliegen zur Zeit noch
den Beratungen der in Betracht kommenden Dienststellen. Angenommen
ist bereits der Uebergang zu der Gauss-Krügerschen Projektion sowohl
bei der preussischen wie österreich-ungarischen Landesaufnahme. Eine
eingehende Prüfung und Erörterung der gegebenen Anregungen und Vor-
schläge in breiteren Fachkreisen würde zur allseitigen Klärung der An-
gelegenheit, besonders aber auch als ein Mittel zur weiteren technischen
Vereinheitlichung des gesamten deutschen Vermessungswesens sehr zu be-
grüssen sein.
Geltung der Fachwissenschaft im Kriegs-Vermessungs-
wesen und ihre Wirkung.
Ein Beitrag von Egbert Harbert, Reg.-Landm., Assistent d. landw. Hochschule Berlin.
Das gesamte Kriegsvermessungswesen (K.V.W.), wie es sich un-
ter den vielseitigen Erfordernissen des modernen Stellungskrieges aus
den für den Kriegsfall vorgesehenen 9 Festungs-Vermessungs-Abtei-
ungen in zweckmässiger Umformung und Anlehnung an die neu-
auftretenden Aufgaben entwickelt hatte, wurde anfangs Juli 1915
Zeitschrift für Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. 193
let 7 ee
dem Major im Gr. Generalstab. Boelke, als dem nunmehrigen Chef
des Kriegsvermessungswesens (K.V.C.) einheitlich unterstellt und zwar
sowohl für die östlichen als westlichen Frontgebiete. Im Interesse
einer einheitlichen Zusammenfassung und Leitung nach gleichen Grund-
sätzen — bis zu einer gewissen Grenze — war dieser Schritt der
Neu-Organisation des K.V.W. durchaus zu begrüssen.
- Aufgabe der vorliegenden Studie soll es sein, an der Hand von
noch vorhandenem Aktenmaterial*) — vieles wurde leider auf Be-
fehl**) des K.V.C. schon während .des Krieges vernichtet, vieles
letzthin vor dem Rückzuge — einzelne Verhältnisse im K.V.W., soweit
sie insbesondere die Lage und Würdigung der Vermessungstechnik
und die daraus entspringenden nachteiligen Wirkungen betreffen,
zu beleuchten. Statistisches Material über die Beteiligung der ver-
schiedenen Berufsklassen am K.V.W., etwa nach dem Gesichtspunkte:
akt. Offiziere, Res.-Offiziere (Fachleute — Nichtfachleute), ob. Mil.-
Beamte, Beamte d. Landesaufnahme (akad. Landmesser, Vern.- und
sonstige Techniker), Fachleute als Mannschaften (diese besonders im
Hinblick auf die langwierige Beförderungsmöglichkeit) liess sich leider
nicht mehr aufbringen, da die Unterlagen (Kartenkiste) nach Angabe
des K.V.C. in Belgien verbrannt sind.
Als erste Einführung des K.V.W. erging an die einzelnen Abtei-
lungen (17. Juli 15) ein „Vorläufiger Entwurf der Grundsätze für
die Tätigkeit der Kriegsvermessungs-Formationen“. Derselbe gab neben
einigen organisatorischen Anordnungen Hinweise technischer Art auf
11/, Druckseiten, die den bisher bestehenden Abteilungen nichts Neues
zu bieten hatten, im Gegenteil mit einigen. allzugemein gehaltenen
Redewendungen Bedenken und Verwirrung zu erzeugen geeignet waren.
Auf Antrag des Feldflugchefs waren die bisher den Flieger-Abtei-
lungen zugeteilten Photogrammeter dort ausgeschieden und den Ver-
messungs-Abteilungen (V.A.) zugeteilt worden. Dadurch war den
V.A. zu ihren seitherigen Befugnissen und Obliegenheiten der trig.
und topogr. Vermessung ein für die Herstellung, Verbesserung und
Laufenderhaltung der Karte an der Front wichtiger, entwickelungs-
fähiger und im Kriege unentbehrlicher Zweig des Vermessungsdienstes
angegliedert worden. Dieser Anschluss war umso befruchtender für
die V.A., als dadurch eine ganze Reihe auch im übrigen praktischen
*) Bedenken aus Vorschriften, die nur für den Dienstgebrauch bestimmt
waren, vereinzelte Zitate zu entnehmen, entfallen wohl im Hinblick darauf, dass
sie von den Ereignissen überholt und ausserdem Verm.-Akten und Material in
Mengen in Belgien (z. T. ganze Kähne auf der Maas) zurückgeblieben sind.
**) K.V.C. Nr. 4305 vom 15. Aug. 16: „Die Umdrucke.... treten ausser Kraft
und sind zu vernichten.* — K.V.C. 10988 v. 28. 12. 17: „Dauerumdrucke
... scheiden aus. Verbrennen!“
194 Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. Vermensungs ur.
Vermessungsdienst erfahrener Fachleute, die gelegentlich auch in den
anderen Dienstzweigen (Trig- Top) der Abteilung hilfreich einsprin-
gen konnten, ihnen zugeführt wurden.
„Die trig. Netzbestimmung bei der 2., 1. und 7. Armee wird ein-
heitlich durch Hptm. d. L. Dr. Degner mit der Fest.-V.A. 9 durch-
geführt, sobald er seine Arbeiten bei der 6. Armee beendet hat‘
(K.V.C. Nr. 19.vom 17. 7. 15). Die hier angeordnete Arbeit für eine
Frontlänge von etwa 150 km hätte bei richtiger, zielbewusster Durch-
führung in einem einheitlichen Netze und bei weiterer gelegentlicher
Ausdehnung nach Nord und Süd dem K.V.W. in späteren Jahren
Hemmungen und Störungen (z. B. sog. Gitternetze) mit einem Schlage
ausgeräumt, doch war es nicht möglich, bei dem laienhaften Druck
von oben auf beschleunigte Fertigstellung dieser Arbeit endgültig
Abgeschlossenes zu liefern. Die Grundlinie bei Guise, gemessen mit
Jäderin-Gerät Ende August 1915, sollte die Unterlage für die geplante
Triangulation abgeben. Mitten in die Vorbereitungsarbeiten platzten
neue Befehle, die innere Bewegungsfreiheit des Führers lähmend:
„Der Sitz der Abteilung muss von ‚Heilig Quentin‘ — einem Orte,
der zu der zu bearbeitenden Front günstig lag — mehr an die Front
verlegt werden, die gemessene Grundlinie ist einschl. Vergrösserungs-
netz sofort binnen 10 Tagen durch Triangulation im Dreieck Guise—
Laon—Quentin (450 qkm), ev. ‚ohne Erkundung‘, auf die Front
zu übertragen.‘ Wie entgegenstehende Bedenken abgefertigt wurden,
zeigt K.V.C. Nr. 108 vom 28. Juli 15. „Die Antwort: ‚Das geht nicht‘
ist bei Vermessungen im Frieden von Übel, im Kriege unmöglich.
Es geht schon, jedenfalls muss der Versuch gemacht werden.“ Ultra
posse nemo obligatur. Die Abhängigkeit von den Witterungsverhält-
nissen, von Geländeschwierigkeiten, von Personalverhältnissen war
schliesslich doch von ausschlaggebenderer Bedeutung, als der Druck
des K.V.C. Ohne das Programm zu Ende geführt zu haben, wurde
am 12. Oktober die Abteilung auf Befehl des K.V.C. zur 6. Armee
verlegt. Jn K.V.C. Nr. 108 heisst es weiter: „Die Aufnahme der vor-
dersten Jnfanterie-Stellung mit der Kippregel im Anschluss an die
Triangulation durch Topographen, die in den Gräben entlang gingen,
hat sich bei einer Abteilung sehr bewährt.“ Vermutlich handelt es
sich um die V.A. des Major Treitschke, der seinerzeit viel Auf-
hebens von diesen an frivolen Leichtsinn — allerdings auf Kosten
anderer — grenzenden Arbeiten machte. Was man von Messtischauf-
nahmen der vordersten Kampflinie im Westen zu halten hat, das
werden alle die wissen, die, wenn auch keine zusammenhängenden
Messungen, so doch. .vorgeschobene Artillerie-Beobachtungen oder ver-
einzelte markante Punkte für die Flieger-Photogrammetrie festzu-
Zeitschrift für Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. 195
NEIISBeND EN wWeBen
legen hatten, insbesondere aber die Fachleute, die bei Kampftruppen
längere Zeit vorne waren. Worauf alle diese Arbeiten hinzielten, ist
unschwer zu erkennen. K.V.C. in Nr. 524 vom 7. Oktober 15
schreibt schon etwas deutlicher: ‚„Jch spreche den Abteilungen der
2. Armee meine Anerkennung aus, dass sie bemüht sind, den Ruf
des K.V.W. in der Armee zu heben.... Wir sind ausschliesslich
für die Truppe da, und zwar für die im vordersten Schützengraben
am meisten... . Eine Abteilung hat bei jeder Division einen Trigo-
nometer (Gefreiten oder Musketier), der mit einem Messgerät älterer
Art („!), wie sie in Berlin haufenweise herumstehen, schnell die
militärisch wichtigsten Punkte einmisst. Er kennt seinen Abschnitt
genau, die Selbständigkeit macht ihm Freude und er lernt etwas
dabei.“ Damit auch die Abteilungsführer bei den halsbrecherischen
Künsten für den Ruf des K.V.W. nicht zu kurz kamen, heisst es
ebendort: „Für das volle Verständnis dessen, was der Flieger leistet
und was er von oben sieht, ist es notwendig, dass man selbst fliegt.
Wenigstens die Führer der V.A. sollten einige Male über dem Feinde
geflogen sein. Hinter ihrem aufsteigenden Flugzeug bleiben viele
Vorurteile und falsche Anschauungen zurück, die nur in Erdnähe (,,!‘)
gedeihen und den weiten Blick, den sie für eine Stunde gewinnen,
nehmen sie in ihre Arbeitsräume mit zurück.“ In ähnlichem
Geiste heisst es in der ‚„Dienstanweisung für das K.V.W. vom
16. Sept. 15 S. 16: „Ein Topograph, der im feindlichen Feuer
den Lauf der Schützengräben aufnimmt, schafft nicht nur bedeutsame
Unterlagen für militärische Unternehmungen mancher Art, sondern
er hebt auch unmittelbar das Ansehen des K.V.W. in den Augen der
Truppe.‘ Derselbe Satz findet sich auch noch in der Kriegs-Vermes-
sungs-Vorschrift (K.V.V.) vom 15. August 16, fehlt dann aber end-
lich in der vom 1. 2. 17. Auf S. 12 der K.V.V. vom 15. 2. 16 liest
man noch: „Die Aufnahme von Schützengräben geschieht am besten
mit Bussolenzügen. Diese Tätigkeit unter der am unmittelbarsten
kämpfenden Truppe ist wie keine 'andere geeignet, das Ansehen
des K.V.W. in der Armee zu heben.“ Die Notwendigkeit der genauen
Festlegung der vorderen Linie im Stellungskrieg steht ausser jedem
Zweifel, über die zweckmässigsten Wege zur Erreichung dieses Zie-
les, ob durch Bussolen- oder Tachymeter-Züge, in Festpunkte ein-
gehängt, ob durch Fliegerphotogrammetrie oder Raumbildmessung,
ob durch nächtliches Anschneiden des vertikalen Leuchtschusses, wird
sich der Fachmann bald klar sein; was hier nur entschieden abgelehnt
und beanstandet werden soll, ist die Art, wie diese Arbeiten in den
Dienst einer fadenscheinigen Reklame gestellt wurden. Der von Feld-
marschall Graf Schlieffen geprüfte Grundsatz: „Mehr sein als schei-
196 Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. u en A
1919.
nen“, den gerade zu dieser Zeit der-K.V.C. anderen zur Nachahmung
empfahl, dürfte dabei wenig Beachtung gefunden haben.
In Nr. 1119 vom 23. 10. 15 schreibt K.V.C: „Ich ersuche daher die
Führer der V.A., dass sie selbst und die älteren, erfahrenen Beamter
sich in die vordersten Schützengräben — Batterien... — begeben
und sich durch unmittelbare Verbindung mit den Offizieren davon
überzeugen, woran es fehlt.... Sie haben nach vorn eine genügende
Anzahl von Abdrucken aller Kartenarten ‚mitzunehmen. Es können
gar nicht zu viel davon ausgegeben werden.“ Diese geschäftsmässige
Aufdringlichkeit erzielte die gebührende Abweisung in der Verfügung
eines Armee-Oberkommandos: ‚....In Kartenausgabe und Herstellung
tritt sowohl in bezug auf Höhe der Auflage wie Art der Verteilung
keine Änderung ein.... Die Beamten haben sich vielmehr gelegent-
lich ihrer Arbeiten in vorderster Linie zu überzeugen, dass diese ge-
heimen Karten mit allen Einzeichnungen nicht in die Schützengräben
mitgenommen werden.... Die Verfügung empfiehlt, gelegentlich der
Arbeiten in vorderer Linie bei der Truppe das Interesse für die Tätig-
keit des K.V.W. zu wecken und Karten aller Art bei dieser Ge-
legenheit anzubieten. Dazu ist zu bemerken, dass nicht das Anpreisenr
der eigenen Erzeugnisse, sondern nur eine gute Arbeit, die sich selbst
empfiehlt, die Truppe mehr und mehr veranlasst, mit ihren Anforde-
rungen an die V.A. heranzutreten.“
Von vornherein machte sich im K.V.W. das Bestreben geltend,
die ausführende, schaffende Technik unter die Obhut und Leitung
beaufsichtigender, vielfach beruflich gar nicht oder mangelhaft vor-
gebildeter Offiziere als Führer zu stellen. Wäre die Wahl nur auf
Offiziere des Beurlaubtenstandes mit guten einschlägigen Berufskennt-
nissen gefallen, so wäre dieses Bestreben, militärisch und gleich-
zeitig fachtechnisch geschulte Führer zu gewinnen, nur begrüsst wor-
den. Aber anfangs galten Fachkenntnisse wenig, und so dauerte es
geraume Zeit, bis hier Wandel eintrat und Offiziere, die durch ihren
bürgerlichen Beruf dem Vermessungswesen nahestanden, planmässig
Aufnahme fanden. Die im K.V.W. geltende Marschroute deutet die
Dienstanweisung des K.V.C. vom 16. Sept. 15 S. 5 und ebenso die
K.V.V. vom 15. 2. 16 S. 3 an: „Der Führer einer Vermessungs-
abteilung ist meist älterer Offizier. Er ist der Berater des Oberbefehls-
habers in allen Angelegenheiten des Vermessungswesens innerhalb der
Armee und hat ihn dauernd über den Stand der Vermessungsarbeiten
auf dem laufenden zu erhalten. Jst der Abteilungsführer ein Be-
amter, dann ist es zweckmässig, dass das A.O.K. einen Offizier des
Stabes damit beauftragt, die Verbindung mit der V.A. dauernd aufrecht
zu erhalten und ihre Mitwirkung bei grösseren Untessuchungen zu veranlassen.“
Vermessungswesen Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. 197
Welche Vorbedingungen und Anforderungen an die technische Be-
fähigung dieser Offiziere gestellt wurden, zeigt ebendiese Dienstanwei-
sung S. 6: „Militärischer Blick ist für den Führer wichtiger als
noch so eingehende Fachkenntnis.“
Damit sollte wohl die Daseinsberechtigung der Nichtfachleute
im K.V.W. gerechtfertigt werden.
Merkwürdigerweise scheint man der Bedeutung einer Festungs-
vermessung höheren Wert als der Frontvermessung beigemessen zu
haben, denn einige Zeilen tiefer heisst es nunmehr: ‚Vom Führer
des Vermessungs-Personals einer Festung werden in erster Linie
Fachkenntnisse, aber doch auch militärischer Überblick gefordert.“
Dass die Erkenntnis von der Notwendigkeit fachlicher Kenntnisse
für den Führer einer V.A. sich doch langsam, ohne aber daraus rück-
sichtslos die Folgerung zu ziehen, Bahn brach, spricht K.V.W. vom
15. 2. 16 aus: ‚„Militärischer Blick ist für den Führer ebenso not-
wendig wie eingehende Fachkenntnisse.“ Und später in K.V.V vom
15. Sept. 17 S. 10 heisst es schon in weiterer Steigerung: „Der
Führer einer V.A. muss so viel Fachkenntnisse haben, dass er die
grossen Zusammenhänge des Vermessungsdienstes in seinem Gebiete
übersieht und die einzelnen Dienstzweige zielbewusst zusammenfasst“,
In K.V.V. vom 15. 8. 16 S. 9 und ebenso in der vom 15. 9. 17
S. 15 findet sich: „Der Leiter der Kartenstelle — übrigens eine un-
slücklich gewählte Bezeichnung, an deren Stelle zweckmässig Ver-
messungsstelle getreten wäre — bedarf vielseitiger technischer Kennt-
nisse, militärischen Takts und der Diensterfahrung, um seine doppelte
Stellung auszufüllen. Meist wird er Offizier sein.“
In ähnlichem Sinne äussert sich K.V.C. in Nr. 277 vom 28.
Sept. 16: „In letzter Zeit ist eine grosse Anzahl von Offizieren in
dic Vermessungs-Abteilungen versetzt worden. Es ist anzu-
nehmen, dass einige von ihnen sich für den Vermessungsdienst nicht
eignen werden..... Die anderen werden als Führer von V\Ver-
messungs-Abteilungen, praktische Trigonometer, Topogra-
phen, Kartographen, Photogrammeter und für Minenwer-
fer-Messtrupps ausgebildet...., doch geht mein Bestreben dahin,
dem Kriegsvermessungswesen immer mehr auch äusserlich den mili-
tärischen Anstrich zu geben, den es unbedingt haben muss. Damit
soll nichts gegen die ausserordentlich verdienstvollen Leistungen der
Mehrzahl unserer Beamten gesagt sein, denen das Kriegsvermessungs-
wesen in erster Linie sein Bestehen verdankt.“
Das sind billige Redensarten, die aber nichts an der unwürdigen
Lage, in welche die Technik so künstlich geschoben wurde, änder-
ten. Dass die oben angedeutete Ausbildung in Kursen oder informat.
198 Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. Venmesrungswösen
Beschäftigung aus den verschiedensten Gründen, unter denen der
Selbsterhaltungstrieb der Technik menschlich begreiflicherweise eine
besondere Rolle spielte, keine allzu tiefgründige war, liegt auf der
Hand.
In Nr. 5973 vom 2. 12. 16 richtet K.V.C. an die stellv. General-
kommandos die Bitte, „jüngere, infolge Krankheit oder Verwundung
für den Frontdienst nicht mehr in Betracht kommende Offiziere zur
Verwendung als Photogrammeter (Auswerter von Fliegerbildern) zur
Verfügung zu stellen. Es sind hierfür besonders geeignet Offiziere
mit einigen (!) mathematischen Vorkenntnissen.... Augen-
blicklich werden zum Fliegerbild-Auswerten zahlreiche kv. B.-Stellv.
und Mannschaften verwendet, die infolge ihrer mangelhaften militäri-
schen Vorkenntnisse bisweilen nicht das leisten, was verlangt werden
muss. Sie sollen durch obige Offiziere ersetzt werden.“
Diese Eingabe diente offenbar dem Zwecke, möglichst viele Offi-
ziere für leitende Stellen im Vermessungsdienst zu bekommen. Die
wahre Absicht enthüllt uns denn auch die einen Tag später geschrie-
‚bene Nr. 5982 vom 3. 12. 16: „Er — der Photogrammeter — ist
kein Tüftler,*) sondern ein Mann von scharfem, militärisch ge-
schultem Blick. Ich lasse im Januar eine Anzahl jüngerer Offiziere an
der Front in einem Kurse ‘an der Hand treffender Einzelbeispiele
und Lichtbilderbücher zu Photogrammetern ausbilden. Strahlen-
büschel und Pyramiden werden sie nicht erzeugen lernen.
Sie sollen später bei den V.A. Gruppenleiter werden.“
Es müssen ganz besondere Methoden des Auswertens von Flie-
gerbildern gewesen sein, die den Teilnehmern am Lehrgang geboten
wurden, wenn die üblichen Strahlenbüschel und Pyramiden von vorn-
herein verpönt waren. Näheres darüber ist nicht bekannt geworden.
Jn „Sonderbestimmung fürs K.V.W.“ vom 1. Okt. 17 S. 4 Ziff. 6
liest man: „Vertretung eines Abteilungsführers nur durch Offiziere,
nie durch Beamte.“ |
Wo Laien vielfach die massgebende Führung in den V.A. hatten,
konnten naturgemäss Fehlschläge nicht ausbleiben. So schreibt K.V.C.
in Nr. 5762 vom 24. Okt. 16: „Du musst es dreimal sagen.‘ Dieser
Grundsatz ist zwar durchaus unmilitärisch, fürs K.V.W. scheint er
aber immer noch zu gelten..... Ohne Triangulation ist ein sach-
gemässes Arbeiten ausgeschlossen..... Eine V.A. meldet nämlich,
dass sie sich bisher mit Dreiecksmessung nicht beschäftigt
habe, weil Wünsche der Truppen in dieser Richtung erst gerade jetzt
*, Im K.V.V. vom 15. 2. 16 S. 13 heisst es von ihm: „Die Gesetze der
Perspektive muss er — d. i. der Photogrammeter — kennen, aber weiter-
gehende mathematische Kenntnisse sind entbehrlich.
fü 5 . .; >
Vermessungre ar Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. 199
aufgetaucht seien.“ Und ferner K.V.C. in Nr. 8150 vom 22. 5. 17:
„Ich verlange, dass nunmehr restlos der Aberglaube verschwindet,
wir kämen ohne zahlenmässige Punktbestimmung nur mit bunt be-
druckten Karten aus.“
Heller wie hier können die Missstände wohl kaum beleuchtet
werden, wenn im 3. Kriegsjahr noch keine Dreiecksmessung an der
betreffenden Front eingeleitet war. Es wäre interessant zu erfahren,
wie an dieser Front die Messtrupps und sonstige auf den Vermes-
sungsdienst angewiesenen Truppen gewirkt haben.
In den Vorschriften und Verfügungen des K.V.W. begegnet man
des öfteren der Bezeichnung „Formlinie“, dem Sinne nach etwa
gleichbedeutend mit Schichtlinien-Ersatz. In der geod. Fachliteratur
ist der Name nirgends*) zu finden. Die ‚„Formlinien“ sollten in
Karten, wo keine genaueren Höhenmessungen vorlagen, die Schicht-
linien ersetzen (besser vortäuschen). Vielfach entstanden diese „Form-
linen“ nach alten Bergstrichkarten in einer mehr gefühlsmässigen als
exakten Weise. Über den Wert bzw. Unwert solcher irreführenden
Formlinien dürfte wohl kein Zweifel bestehen, weshalb sie besser nicht
erfunden wären. Das Nähere über ‚„Formlinien“ mag der Leser aus
einigen Auszügen ersehen: In K.V.V. vom 1. 2. 17 heisst es S. 16:
„Die Höhenunterschiede des Geländes werden in Formlinien, nicht
in genauen Schichtlinien ausgedrückt, für die vorläufig der Anhalt
und fast stets die Zeit fehlt.“ Ferner in K.V.V. vom 15. 9. 17 5. 852:
„Die Höhenunterschiede des Geländes werden, wenn Eile geboten,
in Form-, sonst möglichst in Höhenschichtlinien ausgedrückt, denn
genaue Höhenangaben sind überaus wertvoll.“ Und ebendort S. 76/77:
„Andere Stellen bearbeitet der Top. flüchtiger; besonders gilt dies von
wenig ausgesprochenen Geländeformen. Flache Hänge und Kuppen
in genauen Schichtlinien auszudrücken ist bei den begrenzten Arbeits-
kräften oft nicht angängig. Der Top. begnügt sich dann mit Form-
linien, die sich an Hand der schon vorliegenden Karten und der Ein-
wägungen meist schnell und doch recht genau darstellen lassen. Be-
deutende Höhen, Steilhänge, Schluchten usw. werden dagegen bis
ins einzelne aufgenommen.
Einen wenig fachgemässen Eindruck macht auch folgender Aus-
zug aus der K.V.V. vom 15. 9. 17 S. 23/24 und ebenso noch enthalten
in K.V.V. vom 6. 4. 18 S. 63: „Eine etwa mitbenutzte fremde Landes-
vermessung wird folgendermassen geprüft: Man rechnet aus den geo-
*, Z.B. Vogler, prakt. Geometrie. 2. Teil. Braunschw. 1894. $ 243 S. 117.
— Jordan, Handb. d. Vermessungskunde. II. Bd. 1914. $ 115 5.504 u. $ 188
S. 818. — Licka, Zur Geschichte der Horizontallinien etc. Zeitschr. f. Verm.
9. (1880) S. 37. — Lueger, Lexikon der ges. Technik.
900 Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. Zeitschrift für
€ NRMERSUNBEWEBER
graphischen Werten zweier fremder Punkte auf den Nullpunkt bezo-
gene ebene, aus ihnen die Entfernung der beiden Punkte und prüft‘
diese durch eine gemessene Grundlinie. Fremde Vermessungen müs-
sen überhaupt stets durch die eigene Dreiecksmessung geprüft wer-
den. Sind die geographischen Koordinaten auf mindestens 0,”1 ge-
geben, darf ein Unterschied über 1:1000 nicht vorkommen. Bei
grösseren Unterschieden ist der Punkt neu zu berechnen.“
Derselbe Satz ist schon durch Deckblatt in den K.V.V. vom
15. Aug. 16 eingeschoben. Es handelt sich hier doch um 2 Punkte.
Wie „der Punkt‘ neu berechnet werden soll,’ ist völlig unklar. Einige
Zeilen tiefer wird als Fehlergrenze bei der Prüfung der Dreiecksmes-
sung durch Grundlinien, die etwa alle 30 km eingefügt werden sollen,
ein Unterschied von Yz m auf 1 km, während oben nur 1 m auf
1 km verlangt wird.
Verhängnisvoll für die Zukunft wurde die planlose Annahme‘
beliebiger Koordinatennetze — im Anfang noch richtig Koordinaten-
netz genannt, wofür später der missverständliche Begriff Gitternetz
auftaucht, — und Nullpunkte. K.V.C. Nr. 108d vom 28. Juli 1915
schreibt: „Jede Armee hat ihr eigenes Koordinatennetz. Wie
es liegt, ist gleichgültig, Änderungen müssen vermieden wer-
den.“ Ähnlich heisst es auf S. 11 der Dienstanweisung vom 16. 9. 15:
„Ermittelung der Koordinaten aller gemessenen Punkte, hezogen auf
ein der ganzen Armee gemeinsames Netz.“ Diese mangelnde \or-
aussicht hat sich schwer und empfindlich bis noch kurze Zeit vor
Beendigung des Krieges im Westen gerächt.
In K.V.V. vom 15. 2. 16 taucht zum ersten Male in der K.V.V.
der Name „Gitternetz für die Armee“ auf, ohne dass eine Bestim-
mung für diesen neuen Begriff gegeben wurde. In der Dienstanweı-
sung vom September 1915 ist der Name noch nicht zu finden, dort
heisst es noch einfach Netz der Armee. Der Name Gitternetz ist
vermutlich durch Laienkunst an Stelle der klaren, allgemein üblichen
Begriffe ‚„Karten- oder “Koordinatennetz‘“ entstanden und ist in der
geodätischen Fachwissenschaft*) nicht bekannt. Von den ersten Schwie-
rigkeiten der zahlreichen Systeme spricht K.V.C. in Nr. 1119 vom
23. 10. 15: „An den Armeegrenzen muss das Planmaterial dop-
pelt vertreten sein, einmal das mit dem eigenen Gitternetz, dann
das mit dem Netz des Nachbarn.“ Schon damals tauchten diese.
„Gitternetzschwierigkeiten an den Armeegrenzen auf“, ein schwa-
u *) Das Wort Gitternetz findet sich als Bezeichnung für einen besonderen
Typus von Basisvergrösserungsnetzen einmal in der Enzykl. d. math. Wiss, bei
Pizetti, Höh. Geod. B. VI. 1. S. 183.
Zeitschrift für Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. 901
a
cher Vorgeschmack dessen, was noch kommen sollte. Um so ver-
wunderlicher ist es, dass keine Abhilfe angebahnt wurde.
Auch noch in der K.V.V. vom 15. 8. 16 heisst es S. 12: „Decht-
winklige Koordinaten bezogen auf einen der Armee gemeinsamen
Nullpunkt“, und S. 22: „Es ist nicht unbedingt erforderlich, aber
erwünscht, dass es — d. i. das Gitternetz — 'mit dem trig. Koor-
dinatennetz zusammenfällt, auf das sich die Festpunktwerte des Koor-
dinatenverzeichnisses beziehen.‘ Hier tritt schon eine Steigerung der
Schwierigkeiten ein, indem das Nebeneinanderbestehen von zwei Netzen
— Gitternetz, wohl als Meldenetz für den Nachrichtendienst, Koor-
dinatennetz, wohl als Rechennetz — innerhalb eines Bezirks zugestan-
den wird. Es bedeutete eine grosse Kurzsichtigkeit, sich geodätisch
an den Bereich der Armeen zu binden. Eine ganze Reihe von Ar-
mee-Nullpunkten (Systeme) entstanden auf diese Weise, die den
messenden Truppen (Lichtmesstr., Schallmesstr., Minenwerfer, der Ver-
mess.-Abt., insbesondere Trig, Top, Kart, Druckerei) in den Grenz-
bezirken durch den ganzen Krieg hindurch viel Verdruss und Zeit-
verlust bereitet haben. Es bestanden zuletzt, im Laufe der Zeit
wohl an Zahl in aufdämmernder Erkenntnis etwas verringert, noch
eine Anzahl solcher Systeme. Erwägungen, für die ganze westliche
Kampffront ein einheitliches konformes Koordinatensystem einzufüh-
ren, die wohl um die Mitte des Jahres 1915 schwebten, haben sich
aus unbekannten Gründen leider zerschlagen. Vielleicht aus dem
Grunde, weil ein Armeenetz gleichzeitig ‘als taktisches Meldenetz
nach dem Planquadratverfahren diente und seine Beseitigung oder
Verschiebung gewiss unerfreuliche Nebenerscheinungen im Gefolge
gehabt hätte. Diese Schwierigkeiten mussten aber im Juni/Juli 1918,
als vor lauter Verwirrung in den Gitternetzen einer Armee ein
Artillerie-Messtrupp sich hilfesuchend über seine Artillerie-Messschule
an die Oberste Heeresleitung gewandt hatte, auch überwunden wer-
den, zu einer Zeit, die reichlich spät und für derartig grundlegende
Umwälzungen wohl wenig geeignet war. Sämtliche Karten, Batterie-
pläne, Messpläne der Messtrupps usw. mussten zu einem festgelegten
Zeitpunkt in das neue System überführt werden. Was hier — wenn
auch im kleinen Rahmen einer Armee —. möglich gemacht wurde unter
dem Druck der immer schwieriger gewordenen Verhältnisse, warum
liess es sich nicht schon früher in grosszügigerer Weise durchsetzen!
Ein Einheitssystem für die ganze Westfront oder höchstens 2—3
Systeme, aber unabhängig von dem oft schwankenden Begriff der
Armee, mit dem Nullpunkt auf rundem Längen- und Breitengrad,
ebenso in ihrem Geltungsbereich abgegrenzt durch runde Koordi-
natenlinien, hätten das für Laien chaotische Gewirr der schliesslich
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft 6. 14
202 Harbert. Geltung der Fachwissenschaft ete. Zeitschrift für
ren
umlaufenden, teilweise identischen Begriffe: Gitternetz — Koordi-
natennetz — Quadratnetz — Meldenetz — Kartennetz — Rechenn<tz
— Laoner Netz usw. mit einem Schlage beseitigt. So blieben aber
dlamals diese störenden Netzschwierigkeiten, die besonders bei Aus-
dehnung der Armeeflügel über ihren bisherigen Abschnitt, so wäh-
rend der Sommeschlacht, im Bewegungskrieg der Märzoffensive 1918
und dann später wieder bei den im August einsetzenden Rückzugs-
kämpfen, in die Erscheinung traten, bis zuletzt bestehen. . In Russ-
land hatte man im Anschluss an alte vorhandene russische Dreiecks-
ketten des Astronomen Struve ein einheitliches System unter Zu-
gerundelegung der Gauss-Schreiberschen konformen Doppelprojektion,
wenn auch leider zu spät, geschaffen.
Im folgenden mögen Auszüge aus den Verfügungen und Vor-
schriften des K.V.C. für sich sprechen: | |
Deckblatt 12 der K.V.V. vom 1. 2. 17 S. 22 lautet: ‚Fast
immer aber ist es möglich, ein gemeinsames Netz für mehrere Ar-
ıneen zu haben.*) Wo also ein Netz neu angelegt wird, ist zu er-
wägen, ob man nıcht das etwa sehon vorhandene einer Nachbararmee
übernehmen kann. Die Stoverm.**) wenden dem Gesichtspunkt der
Einheitlichkeit — also endlich! — auf diesem Gebiet dauernd Auf-
merksamkeit zu, mit Kart. ist grundsätzlich bei Neuanlage von Netzen
Fühlung zu nehmen. Sind die Netze zweier benachbarter Armeen
verschieden, müssen die Grenzblätter des Planmaterials in gehöriger
Breite mit Randmarken versehen sein, die das Netz des Nachbarn
andeuten und so jederzeit für die wenigen in Betracht kommenden
Messpläne usw., die weit in die Nachbararmee hineinreichen, sein
Auszeichnen mit Tusche ermöglichen. Ausserdem erscheinen auf
den Grenzblättern beide Netze nebeneinander (nie übereinander)
beiderseits einer vereinbarten Grenzlinie. Die Grenzlinie läuft von
Nord nach Süd oder von Ost nach West.“ |
In „Takt. Kartenzeichnen des K.V.W.“ Nr. 8400 vom 10. 6. 17
heisst es: „Diese Karten werden imit einem rechtwinkligen, mit
Ziffern versehenen Gitternetz überzogen, dessen Maschen 1 km Seiten-
länge haben. Aus der Entstehung der Karten erst im Kriege
— sic! — ergab sich, dass im Westen jede Armee ein eigenes
Gitternetz hat. Seine Lage hängt vom Nullpunkt des Netzes ab und
wird durch den Meridian bestimmt, welcher durch den Nullpunkt
geht. Alle nord-südl. laufenden Gitternetzstreifen haben gleiche Rich-
tung wie der Nullmeridian, je weiter man sich von ihm nach Ost
oder West entfernt, um so imehr weichen sie also von der scharfen
*) Sie dazu auf S. 200 die Nr. 108d vom 28. Juli 15.
**) Stabsoffiziere des Vermessungswesens,
Vormessungs ur Harbert. Geltung der lachwissenschaft etc. 9203
geographischen Nord-Süd-Richtung ab. Daher kommt es, dass 2 Git-
ternetze, deren Nullpunkte verschiedene geogr. Längen haben, gegen-
einander verschwenkt erscheinen.“ Diesem Grunde entspringen die
noch später zu erörternden Schwierigkeiten mit den magnet. Rich-
tungswinkeln, die schwanken je nach Wahl des Koordinaten-Null-
punktes, ferner die Schwierigkeiten der Nachrichtenübermittelung mit-
tels Planquadrat oder Planzeiger.
K.V.V. vom 15. 9. 17 lässt sich S. 25 folgendermassen aus:
„Ein einheitlich grosse Flächen überspannendes Netz ist im: Frieden
nicht -- leider auch später nicht! — vorbereitet worden. So ent-
standen während des Stellungskrieges unabhängig nebeneinander ein-
zelne Armeenetze, die nun .nicht mehr aufgegeben werden können.
Ihre Nullachsen sind Meridiane, meist innerhalb der Armeegebiete.“
Ebendort Seite 43/44: „Das Gitternetz fällt mit dem trig. Koordi-
natennetz zusammen, auf das sich die Werte des Festpunktverzeich-
nisses beziehen. Vielfach hat jede Armee ein eigenes Gitternetz.“
Ersteres war in K.V.V. vom 15. 8. 16 S: 22 „nicht unbedingt er-
forderlich, aber erwünscht‘*), letzteres wurde doch im Juli 1915 ge-
wissermassen als Grundsatz aufgestellt: „Jede Armee hat ihr eigenes
Koordinatennetz.‘“
K.V.V. vom 15. 9. 17 S. 44 fährt fort in der Erläuterung der
Schwierigkeiten: ‚Die einzelnen Gitternetze sind geradlinig gegen-
einander abgegrenzt, so dass auf übergreifenden Grenzblättern 2 Netze
nebeneinander erscheinen. In dem einen Netze: schneidet der Grenz-
strich von den äussersten Planquadraten Trapeze oder ausnahms-
weise schmale Dreiecke ab, und zwar liegen diese nichtquadratischey
Figuren westlich oder nördlich des Grenzstrichs. So wird erreicht,
dass in den Trapezen die Nordwestecke, gegen die das Nebenquadrat-
Gitter geschoben wird, stets rechtwinklig ist. Das Gitternetz ‚ist die
Grundlage für die Übermittelung taktischer Nachrichten, die mit der
Karte in Zusammenhang stehen.“ Ä Ä
Die Erkenntnis von dem grundlegenden Fehler in der Anord-
nung der Koordinatensysteme spricht sich in K.V.C. Nr. 11911 vom
1. 3. 18 aus: ‚An der Westfront gibts „2 kranke Stellen“ in un-
sern Kartengrundlagen, den Massstab 1:20000 bei der 4. Armee
und das verwickelte Gitter bei der 2. und 18. Armee.“
Weiter schreibt K.V.C. in Nr. 13412 vom 10. 7. 18:. „Vorkomm-
nisse beweisen, dass immer noch nicht die Anforderungen an ein
Gitternetz geklärt sind. Es muss vermieden werden, dass Netze in der
"*) K.V.V. vom 6. 4. 18 S. 62 bringt in dieser Hinsicht noch eine weitere
Steigerung: „Das Koordinatennetz soll mit dem Gitternetz der Armeekarte über-
einstimmen.“ een. Bu =
204 Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. vermenstngs für
Ost-West-Richtung — diese Richtung war gerade noch im Deckblatt
12 kürzlich empfohlen, s. S. 202 — aneinandergrenzen, weil dann
höchst verpfitzte und für die Messtrupps gänzlieh unlösbare Ver-
hältnisse entstehen. Auf einem Blatt stossen dann nämlich bisweilen
drei Netze zusammen, ein unhaltbarer Zustand. Die Gestalt der
Erde gestattet es, die Netze nach Nord und Süd bis zu den Polen
auszudehnen. So werden also künftig neue Gitternetze nur mit den
Nord-Süd-Streifen aneinanderstossen.... Die Verhältnisse des belg.
Gitters beweisen, dass man sich nach Ost und West um je 120 km
vom Nullmeridian entfernen kann, ohne dass merkbare Verzerrun-
gen auftreten.... Zweiter Grundsatz also: Wenige und breite. Gitter. ““
| Dieser Grundsatz, der technisch als oberster, erster und grund-
legendster im K.V.W. von vornherein hätte gelten sollen, kommt wie
so manches noch gerade vor Tores-Schluss und dürfte wohl kaum
noch fruchtbringend gewirkt haben.
Wenig geklärte Ansichten bestanden im K.V.W. über die Be-
deutung und Wichtigkeit magnetischer Arbeiten, insbesondere aber
über die mit diesem Gebiete zusammenhängende Terminologie. Die
erste Erwähnung des Magnetismus im K.V.W. — wenigstens in dem
zugänglich gewordenen Aktenmaterial — findet sich im Sammel-Umdruck
4456 Ziff. 8 vom 25. 8. 16, wo es heisst: „Die.V.A. (Landesaufnahme)
hat eine Reihe von V.A’n. zu magnetischen Beobachtungen angeregt.
Ich wünsche, dass überall dieser Anregung entsprochen wird, SOo-_
weit der andere Dienst es erlaubt. Wie zahlreiche Anfragen
aus dem Felde beim Magnetischen Observatorium Potsdanı beweisen,
besteht ein unmittelbares Kriegsbedürfnis nach Kenntnis der Dekli-
nation. Sie ermitteln zu helfen ist unsere Pflicht. Übersichtsblätter
über die Deklination für 1916 nach dem bisherigen Stande der
Forschung werden durch V.A. (L.) jeder V.A. übersandt werden mit
der Anregung, durch das A.O.K. eine Verteilung an alle Formatio-
nen der betreffenden Armee zu erwirken.“
Welche Verwirrung durch diese Verteilung an alle Formationen,
die natürlich diese Deklinationen als bezogen auf die Karten-Nord-Süd-
Linie - (X-Achse) des jeweiligen Nullpunktsystems berechtigterweise
auffassten, während sie sich in der Tat auf den geogr. Meridian be-
zogen, kann man sich ausmalen. Der Fachmann fand sich damals
noch zurecht, denn der Begriff „Deklination“ als die Abweichung
der geogr. von der magn. Nord-Richtung war ihm geläufig und er
wusste, dass und wie er durch zweckmässige Vereinigung der Meri-
diankonvergens mit der Deklination zu dem neuen Begriff des magnef.
Richtungswinkels (Abweichung der magnetischen Nordrichtung von
der geodätischen Nordrichtung = Kartennord) kam. Die Abweichung
Zeitschrift für Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. 205°
Ve
der mit einer Bussole von Fall zu Fall ermittelten magnetischen
Richtung von dem entsprechenden trigon. errechneten Wert, also
eine algebraische Addition von Deklination, Meridiankonvergens und
individueller Eigenart des jeweilig benutzten Instruments hiess Miss-
weisung der Sicht, d. i. also der Richtungswinkel der Visier-
ebene im Koordinatensystem bei auf Null zeigender Magnetnadel.
Diese Begriffsbestimmung war für den Geodäten klar und un-
zweideutig und findet sich in dieser Form auch bei „Eggert, Einführ.
in die Geodäsie“ S. 104—108. Dem teilweise*) berechtigten Be-
streben des K.V.C., Fremdwörter zu beseitigen, ist leider eine ge-
wisse Steigerung der Schwierigkeiten zuzuschreiben, indem es in der
K.V.V. vom 15. 9. 17 Ziff. 65 heisst: „Die Kenntnis der magneti-
schen Missweisung, d. h. der Abweichung der Nordnadel von der
geographischen Nordrichtung, hat bei der allgemeinen Verwendung
von Bussolen grosse Bedeutung. Die Missweisung ist von Ort zu Ort
verschieden. Sie muss daher durch örtliche Beobachtungen mit einem
besonderen Winkelgerät festgestellt werden. Die Einzelbeobachtungen
werden bei der Landesaufnahme zusammengestellt. Bei ihr erfragen
die V.A. die für ihr Gebiet geltenden Werte. Auf jedem Kartenblatte
wird in einfachster Form die Grösse der Missweisung angegeben.
Hierbei ist zu beachten, dass die nach oben weisenden Gitternetz-
seiten nicht unbedingt mit der geographischen Nordrichtung zusanı-
menfallen.“
Hier wird leider der klar umschriebene Begriff „Deklination“
verdeutscht durch Missweisung, so dass auch jetzt der Fachmann
die klare Übersicht verlieren konnte. Wurden ihm jetzt „Misswei-
sungskarten“ zum Gebrauch geliefert, konnte und musste er im
Zweifel sein, ob sie „reine Deklinationswerte“ oder bereits die Ver-
einigung von Deklination und Meridiankonvergens darstellten.
In gleichem Sinne spricht sich Sam.-Umdr. 9884 vom 10. 10. 17
Ziff. 4 aus: ‚Die von den V.A. in Einzelfällen ermittelte Misswciı-
sung ist nicht ohne weiteres auf alle Fälle anwendbar. Die Miss-
weisung schwankt täglich und ist ausserdem fortschreitenden Ver-
änderungen ausgesetzt. Es ist also unzulässig, wenn V.A. einfach
auf Grund ihrer Beobachtungsergebnisse Karten mit Linien glei-
cher Missweisung entwerfen. Es ist nur ihre Aufgabe, die Einzel-
beobachtungen der Landesaufnahme mitzuteilen und von ihr die für
Es klingt eigentümlich, wenn ausgerechnet der K.V.-Chef mit seiner un-
deutschen Amtsbezeichnung feste Begriffe, u. a. wie Barometer durch Wetterglas
(entspr. Wetterglashöhen, W.messungen), Stereoskop durch Raumglas, opt. Instru-
mente durch gläserne Hilfsmittel, Tachymeter durch Schnellmesser usw., oft auf
Koster der klaren Verständigung, verdeutschen wollte.
-
206 Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. Zeitschrift für _
NOINESFUNEIWPREN:
das Gebiet geltenden Werte zu erfragen. Ich warne vor eigenmäch-
tigen wissenschaftlichen Folgerungen auf dem Gebiet der Missweisung.
Werden neue Erfahrungen gesammelt, sind sie zunächst zur Prüfung
der Landesaufnahme zuzuleiten.“ |
Allmähliche Klärung der Verhältnisse brachte im 4. Kriegsjahr
die K.V.V, vom 6. 4. 18, wo es unter Ziff. 53 heisst: „Die Kenntnis
des magnetischen Richtungswinkels, d. h. der Abweichung der
Nordnadel von der ungefähr nach Norden zeigenden Gitternetzseite
jedes Blattes, hat bei der allgemeinen Verwendung von Bussolen
grosse Bedeutung. Der Winkel setzt sich zusammen aus der Miss-
weisung (Abweichung der Nordnadel vom Meridian) und der Meri-
diankonvergenz.“
Auch hier ist. Missweisung nicht in dem begriffl. feststehenden
Sinne gebraucht, doch im Hinblick auf den erklärenden Zusatz ein-
deutig bestimmt. Der Begriff ‚„magnet. Richtungswinkel“ taucht hier
in richtiger Bedeutung zum ersten Male auf. Im weiteren Verlauf
heisst es: „Der magnetische Richtungswinkel wird in einfachster
Form auf jedem Kartenblatte mit Gitternetz im Anschluss an eine
mittlere Gitternetzseite angegeben. Enthält ein Kartenblatt verschie-
dene Gitter, muss es auch ebensoviele Magnetangaben auf-
weisen, für jedes Gitter eine. Ohne diese Angaben lassen sich
Bussolenablesungen nicht in Beziehungen zur Karte bringen. Die
Artl.-Trig. müssen in der Lage sein, jede Auskunft über die Ver-
wendung der Magnetnadel zu Mess- und Richtzwecken an die fechten-
den Truppen zu geben.“
Im Dauer-Umdruck 50 vom 8. 5. 18 klagt K.V.C.: „Die magneti-
schen Angaben in den Karten der V.A. sind uneinheitlich und teil-
weise falsch. Die Karten des K.V.W. enthalten nur ebene und
nicht die geographischen Netzlinien. Es kommt also darauf an, die
Abweichung der Magnetnadel von der ungefähr nach Norden zeigenden
Gitternetzseite in die Karten einzudrucken. Dieser Abweichungswinkel
heisst magnetischer Richtungswinkel‘*) und nicht Missweisung.
.... Der Ausdruck „Richtungswinkel‘ ist bei der Kartenangabe zu
vermeiden, um jeden gelehrten Anstrich auszuschalten und (die
Angabe allgemein verständlich zu machen.“ '
Wie gross die Verwirrung der Begriffe mancherorts, vor allem
bei dem im K.V.W. künstlich gezüchteten Dilettantismus war, beleuch-
tet die radikale Anordnung im Dauerumdruck vom 22. 6. 18 8. 2:
„Schliesslich muss volle Klarheit über die bei der ganzen Frage auf-
tauchenden Winkel herrschen. Die Truppe kennt ausschliesslich die
*) Bis April 1918 herrschte darüber selbst in den Verfügungen des K.V.C.
völlige Unklarbeit.
Vermensungne für Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. 207
senkrechte Richtung des Kartengitters, Kartennord, und die ‚Rich-
‘tung der Nadel, magnetisch Nord. Beide schliessen den ‚magneti-
schen Richtungswinkel“ ein. Ich untersage daher, dass Angehörige
des K.V.W., etwa aus Sucht, zu prunken, vor der Truppe die
Ausdrücke „Meridiankonvergenz‘“ und „Missweisung‘ gebrau-
chen. Die genannten Begriffe sind aber für den, der grundlegende
Magnetbestimmungen ausführt, also für den Trig. des K.V.W., leider
unentbehrlich.“ —
Diese Verfügung musste um so überraschender wirken, als noch
im Dauerumdruck 44 des K.V.C. vom 29. 4. 18 auf den Vortrag
des Führers einer V.A. bei der Artl.-Messschule in Wahn unter
Ziff. 3 Bezug genommen wird: „Der Unterschied zwischen Koor-
dinaten-, geographisch und magnetisch Nord wurde klargestellt, da
nach dieser Richtung hin .immer die’ meisten Fragen von seiten
der Artl. gestellt werden.‘ Ebendort fordert K.V.C. zum Schluss
von jedem Offizier, der ein Kommando zu Artl.-Mess- oder M.-W.-
Schule erhält, einen Vortrag über einsehlägige Vermessungsangelegen-
heiten und gibt selbst einige Gesichtspunkte für diese Vorträge an:
„Erklärung des Begriffs und der Bedeutung des Gitter- und Koor-
dinatennetzes, der Fest- und’ Bezugspunkte, der Begriffe geogra-
phisch Norden, magnetisch Norden und Koordinaten-Norden,
Gegenüberstellung der Werte trig., top. und artl.-magnetischer Ein-
messung‘“.
So wurde einerseits der Laie auf diese, ihn verwirrenden be-
griffe, hingewiesen und andererseits dem Fachmann im Vermessungs-
wesen, der Auskunft geben sollte, untersagt, sich ihrer im Verkehr
mit der Truppe zu bedienen. Dauerumdruck 54 vom 22. 6. 18 ordnete
zur erneuten Bestimmung der Deklination im Westen an, dass alle
V.A. an einem bestimmten Tage mit allen verfügbaren Hildebrandt-
Theodoliten auf einem und demselben Standpunkte unter Anwen-
dung der üblichen Feinheiten magn. Messungen die Missweisung
der Sicht zu bestimmen hätten. ‚Die Ergebnisse werden zusanı-
mengestellt und gemittelt, das Endmittel gilt als fehlerfreier magnet.
Richtungswinkel für den Standpunkt. Die Abweichungen der ein-
zelnen Theodolite vom Mittel sind ihre „Instrumentenfehler“. (!)
Sie werden mit Tag der Feststellung in die Gerätestammbücher ein-
getragen. Nun wird auf einem beliebigen Punkte jedes zweiten oder
dritten Einzelblattes mit irgendeinem Hildebrandt-Theodoliten die Mes-
sung wiederholt und vom Instrumentenfehler befreit. Die Ergebnisse
werden durch Anbringung der für die Beobachtungspunkte gelten-
den Meridiankonvergenzen in örtliche Missweisungen verwandelt.
908 Harbeıt. Geltung der Fachwissenschaft etc. Ze SENBICHNE
5 1919.
Wie unzuwlänglich das geschilderte Verfahren, insbesondere be-
zügl. der sog. „Instrumentenfehler“, die gar keine Fehler, sondern
nur individuelle Eigentümlichkeiten des Instrumentes sind, ist, leuchtet
wohl ein. Ebenso ist klar, dass eine empfindliche Störung des Mes-
sungsdienstes an der Front eintritt, wenn plötzlich an einem Tage
alle auf weiter Strecke verteilten Geräte, um auf einen Standpunkt
versammelt zu werden, ihren anderen Dienst aussetzen. Ein Teil
dieser Messungen scheint in einer, nach K.V.C. Nr. 15111 Ziff. 12
vom 13. 10. 18 durch den Kommandeur (1) der Verm.-Truppen her-
ausgegebenen, Karte 1:300000 von Belgien mit Linien gleicher magn.
Missweisung verarbeitet zu sein. Die dort dargestellten Isogonen
lassen an Mannigfaltigkeit der Formen nichts zu wünschen übrig.
Ebendort heisst es: „Ich weise darauf hin, dass die Missweisungs-
karte selbst nicht unmittelbar von der Truppe benutzt werden
darf, weil aus den bekannten Gründen die Missweisung nicht die
Richtung der Nadel zum Netz gibt.“ Das bedeutet einen erfreu-
lichen Fortschritt gegenüber der noch im Sam.-Umdr. 4456 Ziff. 8
vom 25. 8. 16 gegebenen Anregung, „durch das A.O.K. eine Vertei-
lung — solcher Karten — an alle Formationen der Armee zu be-
wirken“. |
Die Anforderungen seitens der Artl. an den Verm.-Dienst hatten
sich im Laufe der Zeit erheblich gesteigert. Die Rücksicht auf die
neueren Schiessverfahren beim Angriff erforderte nicht nur die koord.-
mässige Vermessung des Grundgeschützes, sondern auch die örtl. Be-
zeichnung eines Festlegepunktes zur Orientierung der Grundrichtung
und nebenher auch noch als Vorbereitung das Erschiessen der be-
sonderen Einflüsse auf besonders vermessenen Schiessplätzen. Es
ist ein betrübliches Zeichen, dass alle diese naheliegenden Feinheiten
der vermess.-techn. Vorbereitung für die Artl. so spät, zum ersten
Male in K.V.C. Nr. 11500 vom 11. 2. 18 und später in K.V.V. vom
6. 4. 18, angeordnet werden. Eine frühzeitige, innigere Verbindung
des artl. Vermessungswesens mit der Artl., eigene artl. Vermess.-
Abteilungen, dem General der Artl. unterstellt, wie sie nach verschie-
denen Anzeichen leider erst im letzten Kriegsjahre von der Aıtl.
angestrebt wurden, hätte in vielfacher Hinsicht segensreich wirken
können. Für die Vermessungsleute wäre dadurch vor allem der im
Kriege als inferior empfundene Zustand eines „beliehenen Beamten-
tums“ beseitigt und sie auf den reellen soldatischen Boden der fech-
tenden Truppe gestellt worden. Dass noch zuletzt It. Chef des
Generalstabs des Feldheeres Nr. 87965 vom 8. 6. 18 die Angehörigen
der Kriegsvermessungsformationen als zur fechtenden Truppe gehörig
gezählt wurden, dass unterm 28. 8. 18 Nr. 14095 vom K.V.C. „eigener
Vermessung für Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. 909
Offensive noch eingeschätzt wurde, zeigt K.V.C. Nr. 11303 vom
Offz.-Ersatz der 'Vermess.-Truppen“ beantragt wurde, hat an der
unwürdigen Lage ‘und den kümmerlichen Beförderungsverhältnissen
im K.V.W. nichts mehr zu ändern vermocht.
Wie die Wichtigkeit des artl. Vermessens trotz der in vielfacher
Hinsicht neuartigen Verhältnisse im K.V.W. kurze Zeit vor der März-
24. 1. 18: „Das Vermessen tritt gegenüber dem Kartendienste in den
Hintergrund.... Vor allem Trig. und Top. werden... durch die
Kommandeure den Ers.-Truppenteilen zuzuführen und durch Zeich-
ner, Drucker, Lithographen usw. zu ersetzen sein.“ Und K.V.C. Nr.
11900 vom 20. 3. 18: „Für grosse Neuaufgaben in Russland bedarf
die Landesaufnahme tüchtiger Trig., Top. und Phot. Im Westen ist im
K.V.W. für einen Teil dieser Fachleute nicht die rechte Ver-
wendung mehr.- Ausserdem sind sämtliche Beamtenstellen, über die
ich verfügen kann, besetzt, so dass die Aufrückemöglichkeit schwin-
det. Ich ersuche daher, mir Beamtenstellvertreter, welche sich für den
erwähnten Zweck eignen, zur Versetzung in die Landesaufnahme nam-
haft zu machen.“
Über das Wesen der artl. Vermessungsaufgaben sei einiges aus
K.\V.C. Nr. 12444 vom 6. 5. 18 auszugsweise entnommen: „Zu
den artl. Vorbereitungen eines Angriffs gehören sorgfältige Vermes-
sungen. Ohne Einschiessen muss es gelingen, das Artl.-Feuer rich-
tig zu legen. Für weittragendes Flachfeuer, insbesondere E-Geschütze,
sind die Verm.-Arbeiten besonders umfangreich. Das Werfen der
Minen beruht gleichfalls auf eingehenden Vermessungen. Alle diese
Forderungen machen es notwendig, dass bei den Vermessungsabteilun-
gen ein ausreichender Stamm körperlich leistungsfähiger und un-
erschrockener Einmesser vorhanden ist, die in engster Fühlung mit
der Artillerie und den Minenwerfern ider Truppe schnell liefern,
was sie zum Schiessen, Beobachten und Messen braucht. Ich be-
zeichne diese Leute als Artl.-Trig. Für den Artl.{Frig. kommt eine
Vermessung zum Zwecke der Kartenverbesserung nicht in Frage,
er ist vielmehr für den Schiessdienst da. Seine Ausbildung muss
also einseitig, aber um so gründlicher sein. Vor allen Dingen
hat er alle Gelehrsamkeit abzustreifen.“ (!) Ferner K.V.C.
Nr. 13243 vom 25. 6. 18: „Der Artl.-Trig. liefert den Batterien
die wesentlichsten Schiessgrundlagen. . . . Die gesamte Ausbildung,
d. i. die des Artl.-Trig., muss ausschliesslich dem Zweck zustreben,
selbständige, allen wechselnden Lagen gerechte und um keine Aus-
hilfe verlegene Leute zu erziehen, die Herz und Mund auf dem
rechten Fleck und zwar kein gelehrtes, aber ein um so brauch-
bareres praktisches Wissen im Kopfe haben.“
910 Harbert. Geltung der Fachwissenschaft- etc. = Fmessungswesen
Entgegen der Auffassung vom Januar und März 1918 tritt beim
K.V.C. in Nr. 12855 vom 6. 6. 18 Ziff. 2 ein Umschwung ein:
„Die Zukunft des K.V.W. liegt bei den Artl.-Trig. Wesentlich
ist, dass sie lernen, die örtlichen Messungen der Licht-, Schall- und
M.W.-Messtrupps in Verbindung zu bringen mit den üblichen trig.
und top. Kleinbestimmungen und damit auch mit dem trig. Hauptnetz.“
Und weiter in K.V.C. Nr. 13603 vom 27. 7. 18 heisst es: ‚‚Das
K.V.W. ist in ein falsches Fahrwasser geraten, denn es wird
mehr und mehr seinem Namen untreu. Das Schwergewicht hat
sich vom Vermessen zum Drucken verschoben. Lange Reihen von
Schnellpressen arbeiten Tag und Nacht und genügen doch noch nicht.“
Am 24. 1. 18 hiess es aber doch noch: „Das Vermessen tritt gegen-
gegenüber dem Kartendienst in den Hintergrund.“
Sollten damals die Trigonometer und Topographen zu den Er-
satztruppenteilen, so heisst es jetzt in Nr. 13603 weiter: „urundsntz
ist, dass ein kv. Drucker, Lithograph usw. heutzutage sich besser
mit der Handgranate in der Faust als am bunten Farbtopf verwer-
tet. Jch erwarte, dass eine grössere Anzahl von kv. Handwerkern
der Kampftruppe zugeführt werden kann. Dies ist nötig, weil wir
uns ständig an kv. Artl.-Trig. !verstärken müssen. Wie ich seit
Monaten*) immer wieder betone, liegt bei dem jetzigen Kampfver-
fahren der Schwerpunkt des K.V.W. beim Artl.-Trig. Die I.andes-
aufnahme überweist den V.-A. des Westens je etwa 10 unausgebil-
dete (!) Landmesser usw. Die Leute sind bei den V.A. aufs sorg-
fältigste zu schulen... Dies ist jetzt die entscheidende Frage für
das K.V.W.“
Für die Bedürfnisse der Artillerie im Bewegungskrieg wurde
in Ermangelung zuverlässiger Karten, die sich auf koordinatenmässige
Vermessung gegründet hätten, das Schiessen nach einem sog. „Punkt-
plan“ angeordnet. Der Plan, der im Koordinatennetz auf weisser
Fläche, also ohne Kartenbedeckung, alle für das Schiessen bedeu-
tungsvollen Punkte (Ziele, Feuerstellung usw.) enthalten sollte, musste
in gemeinsamer Arbeit der beteiligten Faktoren, Artl.-Kom., Flieger,
Messtrupps, Vermessungsabteilungen, hergestellt werden. Dass Schnel-
ligkeit für die Artl.-Vermessung im Bewegungskrieg dringend am
Platze ist, leuchtet ohne weiteres ein, doch dürfte das Arbeitstempo,
das als Beispiel einer Zeiteinteilung im ‚„Punktplan“ vom 1. 8. 18
S. 15 (bis an Batterie verteilt vom K.V.C.) angeführt ist, eine ganz
erhebliche Überschätzung der trig. Leistungsfähigkeit bedeuten:
*) Dabei wird am 6. Mai 18 erst die Bezeichnung „Artl. Trig.“ eingeführt,
am 6. Juni 18 heisst es dann allerdings: „Die Zukunft des K.V.W. liegt bei
den Astl.-Trig.“
Zeitschrift für Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. 2ıl
dee
„8 Uhr vorm. Artl.-Trig. im Artl.-Aufmarschraum Netz oder Strek-
kenmesszug*) als Grundlage der Kleinmessung. Von 11 Uhr vorm. ab
Artl.-Trig.: 3 Gruppen messen die Grundgeschütze und Festlegerich-
tungen ein, die 4. bestimmt 'die Messstellen, soweit erforderlich.
4 Uhr nachm. Artl.-Trig.: Sie beginnen mit Herrichtung der Bat-
teriepläne.. 1 Uhr vorm. Die Batteriepläne müssen fertig sein.
4 Uhr vorm.: Feuerbeginn.“
Unterm 28. 8. 18 Nr. 14095 werden noch ins einzelne sehende
technische Erläuterungen zum ‚„Punktplan‘ gegeben und zum Schluss
erwähnt: ‚Der Artl.-Trig. arbeitet meist allein, auf sich selbst ge-
stellt. In gefahrvollen Augenblicken fehlt ihm das Beispiel der Füh-
rer und der beruhigende Einfluss der Gegenwart von Kameraden.
Unerschrockenheit, Ausdauer, militärisches Empfinden sind unentbehr-
liche Eigenschaften eines Artl.-Trig. Nur mit solchen Personal wer-
den sich die oben geschilderten Aufgaben lösen lassen. Mit dem
jetzigen Personal wird das nur beim Zusammentreffen gün-
stiger Umstände möglich sein. Es fehlt an leistungsfähigen Artl.-
Trig., besonders aber an geeigneten militärisch ausgebildeten Vermı.:
Offz. Die B.-Stellv. sind zum grossen Teil zu wenig Soldaten, den
Offizieren fehlt die nötige Erfahrung**) im Vermessungswesen. Ver-
mess.-Offz. und Artl.-Trig. müssen, wie bisher (?) Fachleute (I.and-
messer, Bau-Ingenieure .usw.), aber kv. 'sein und eine gründliche
Ausbildung als Artilleristen geniessen. Der Artl.-Trig. muss min-
destens (iefreiter sein. Der Verm.-Offz. soll Artl.-Offz und aus den
Artl.-Trig. hervorgegangen sein. Eigener Offz.-Ersatz der Verm.-
Truppen ist beantragt.“
Die aufgezählten Übel können nur als solche von nebengeord-
neter Art anerkannt werden. Die Wurzel aller Übel im ganzen
K.V.W. lag in der ungerechtfertigten Bevormundung der Tech-
nik durch das militärische System im grossen wie im kleinen.
Aus allen Truppenverbänden waren bis zuletzt Vermessungsleute aller
Art, Landmesser, Techniker, sorgfältigst, soweit sie es nicht vorzogen,
dem Schicksal bei den V.A. zu entfliehen, herausgefischt. Also konnte
es kaum an Fachleuten fehlen; der wunde Punkt liegt in der Art,
wie diese Fachleute zur Geltung und zu Worte kamen. Wer mili-
tärisch nur um einen Knopf seinen Mitarbeiter überragte, kam, bild-
lich gesprochen, ans Instrument, ob er nun Strassenbahnschaffner,
Buchhändlerlehrling oder Friseurgehilfe war, während der andere
*, Zu bemerken ist dazu, dass es sich meistens um Gebiete handelte, wo
meilenweit kein trig. Punkt bekannt war.
**) Vergl. dazu S. 197 „Mihitärischer Blick ist wichtiger als N
Fachkenntnis* oder S. 220 „erst in zweiter Linie fachtechnische Kenntnisse.“
212 Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. Zeitschrift für
ee et
— vielleicht der tüchtigere Fachmann — mit der Latte sich herum-
schleppen musste. Dieser Umstand in Verbindung mit den mangel-
haften Beförderungsmöglichkeiten*) hat die Fachleute recht verdros-
sen.**) Es ist eine grosse Kurzsichtigkeit gewesen, die Fachleute „ft
monate-, ja jahrelang als Gemeine mit verantwortungsvollen Ar-
heiten im Gelände zu betrauen, ohne ihnen die bei ihren Leuten
und bei der Truppe unbedingt notwendige militärische Autorität zu
geben. Dass diese Missstände schon früher zum Teil vorgetragen
sind, zeigt K.V.C. in Nr. 3650 vom 4. 7. 16: „Der Stoverm. 6 bringt
folgendes zur Sprache: ... Der Hilfstrig.?) der Hilfstopogr. kann auf
die Dauer nicht mit vollem 'Erfolge arbeiten, wenn er nur dem
Mannschaftsstande angehört; es ergeben sich zu leicht Schwierig-
keiten, weniger den beigegebenen Messgehilfen gegenüber, als ın
den Batterie- und Infanteriestellungen. Diese Schwierigkeiten werden
durch die Beleihung mit der Stelle eines Beamtenstellvertreters nicht
ohne weiteres behoben, sondern gerade bei der Feldarbeit eher noch
gesteigert. Ich bin der Überzeugung, dass ein Unteroffizier, Vizeleld-
webel sich nicht in der Zwitterstellung fühlt, wie der Beamtenstell-
vertreter.... Sachlich könnte ich mit keinem Beamtenstellvertreter
irgendwie unzufrieden sein, ich kann aber nicht die Notwendigkeit
ersehen, warum.sie bei einer Beförderung nicht in der soldatischen
Bahn bleiben sollen. ...“ Soweit der Stoverm. 6. K.V.C. dazu: „Ich
schliesse mich dieser Anschauung im allgemeinen an.... Immerhin
lässt sich die Frage nicht schematisch behandeln. Der militärische
Rang (Unteroffizier oder Vizefeldwebel) hängt in erster ‚Linie von
militärischen Leistungen ab. Ein Rekrut, der in eine V.A. kommt,
kann dort bei hervorragenden technischen Leistungen wohl Beamten-
stellvertreter, aber nicht Vizefeldwebel werden. ' Tritt er nämlich
später als Beamtenstellvertreter zum Ersatztruppenteil zurück, so
wird er wieder Gremeiner. War er aber zum Vizefeldwebel befördert,
so bleibt er es und bringt den Truppenteil durch seine ungenügende
militärische Ausbildung in Verlegenheit.“
Dazu sei folgendes bemerkt: Wer brachte denn den Rekruten
in der V.\. um seine militärische Ausbildung? Niemand anders doch
*, Es wäre interessant, wenn darüber ein Fachkollege durch Umfrage
statist. Material zusammenstellen könnte; amtliches Material ist nach Hrn. Ma).
Bölke’s Angabe nicht mehr vorhanden.
**) Hinzu kamen noch einige Aeusserlichkeiten: K.V.C. spricht in Nr. 7138
vom März 17 von Vermessungsgehilfen (Landmessern). So wurden auch akad.
Landmessern trotz ihrer ausdrücklichen Bitte, mit dem militär. Grad bezeichnet
zu werden, Ausweise in der Form „Der Vermessungsgehilfe N...“ ausgefertigt.
®) Hier noch im ursprüngl. Sinne gemeint, später (seit Mai 17) wurde eine
bestimmte, beiiehene Beamtenklasse so genannt.
Zeitschrift für Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. 213
Ver epEDABAWER EN
als die V.A., die das grösste Interesse daran hatte, seine Fachkenntnisse
möglichst bald und ausgiebig auszubeuten. Aber dafür sollte man
den Rekruten nicht büssen lassen, indem man gar nichts aus ihm
macht oder ihn höchstens aus der soldatischen in die beliehene Be-
amtenlaufbahn drängt. Sind die Leistungen des am Feinde in offe-
nem Gelände imessenden Artl.-Trig, Top. und Raumbildners etwa
keine militärischen Leistungen, mit demselben, vielleicht grösserem
Rechte als diejenigen der aus sicherem Unterstand an Scherenfernrohr
oder Stoppuhr messenden Artillerie-Messtrupps? Es wäre wohl ein
Akt der Billigkeit gewesen, die aus eigenen Mitteln erworbene Fach-
bildung durch angemessenes Aufrücken, selbst bei etwas zurückgeblie-
bener militärischer Leistung, anzuerkennen. Für die Schwierigkeiten
des Front-Vermessungsdienstes möge K.V.C. mit Nr. 5759 vom 9. 11. 16
mit eigenen Worten als Beleg dienen: ‚Die Mannschaften des K.V.W.,
die draussen im Gelände — häufig in der Nähe der vordersten Ge-
fechtslinie — Feldarbeiten verrichten, müssen körperlich ausserordent-
lich leistungsfähig sein, denn sonst ‘können sie nicht die weiten
Wege, bepackt mit Geräten, zurücklegen und daneben noch ihre
Arbeit sachgemäss verrichten. Der Dienst ‘der fechtenden Truppe
im Schützengraben ist häufig viel angenehmer als der der Vermes-
sungsgehilfen. Das geht daraus hervor, dass sich freiwillig bei man-
chen Armeen keine Leute aus der Front zum Vermessungsdienst
melden, weil sie im Schützengraben Ruhe, im Vermessungsdienst da-
gegen Anstrengungen zu ertragen haben.“
So wurden schon Ende 1916 die Mühseligkeiten und Beschwer-
den des Vermessungsdienstes an der Front richtig beurteilt, ohne dass
allerdings die äussere Stellung der Vermessungsleute dementsprechend
gewertet wurde. . i
Das K.V.W. war nach seinen eigenen Worten „in hohem Masse
dem Wandel unterworfen‘ (Nr. 6700 vom 7. 2. 17). Innere unaus-
geglichene Widersprüche traten oft zutage: Bald war es sog. Ge-
lehrtenhochmut, dem die Fehde galt, bald wurden in zahllosen Kursen
Fachleute und Laien vermischt mit Fachbildung versorgt, bald wurde
zu viel, bald zu wenig trianguliert, bald wurde zu wenig, bald zu viel
gedruckt, Ende 1915 war die Raumbildmessung ein abgetanes Kapitel,
bald tauchte sie wieder in gesteigertem Umfange auf. In K.V.V. vom
15. 9. 17 heisst es S. 21: „Die Hauptdreiecksmessung ist recht
grosszügig zu halten. Es ist falsch, nur im Hinblick auf den näch-
sten Zweck ein schmales Netz an der Gefechtslinie entlangzufüh-
ren. Vielmehr erhält es dadurch eine grössere Tiefe, dass hochragende
Punkte weit rückwärts mit hineinbezogen werden. So wird es
-
214 Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. amt an
1919.
möglich, später auch rückwärtige Zonen mit demselben Gitternetz
zu versehen wie die vorderste.“
Dazu vergleiche man den zwei Monate später erschienenen Son-
derumdruck Nr. 10403 vom 9. 11. 17: „Unsere ursprünglich rein
kriegsmässige Arbeit geht langsam in eine Landesvermessung
über.... In tiefen, oft aufs äusserste verdichteten Dreiecksnetzen
strebt der Trig. immer mehr der Heimat zu und von der Front fort,
gleichgültig, ob in jenen Gegenden jemals ein Stellungskrieg auch nur
denkbar ist. Wie ein Meister der Kleinkunst reiht der Top. in gleich-
mässiger Arbeit Blatt an Blatt, ohne Rücksicht darauf, welche Wich-
tigkeit der einzelne Geländestrich für den Kampf hat. Der Phot. be-
‚antragt die entsprechenden Reihenbilder, denn er will hinter diesem
rührigen Fleisse nicht zurückbleiben. Nach dem Worte ‚Dass wir uns
in ihr zerstreuen, darum ist die Welt so gross‘ wird das Armee- und
‚Etappengebiet überzogen mit emsigen Arbeitstrupps, die riesige Be-
„obachtungsgerüste zimmern, Sumpf und Busch weit hinten durch-
streifen und jede Kleinigkeit buchen.“
In der Dienstenweisung für das K.V.W. vom 16. 9. 15 heisst es
S. 8: „Damit er — d. i. der Leiter einer Kartenstelle — seiner 'Ab-
teilung nicht zu sehr entfremdet wird und seine besonderen Erfahrun-
gen später der ganzen Vermessungs-Abteilung zugute kommen, emp- |
fiehlt es sich, ihn nach einiger Zeit durch einen andern Beamten zu
ersetzen.“ Dagegen schon K.V.V. vom 15. 2. 16 genau entgegen-
gesetzt: „Ein Wechsel in der Besetzung der Kartenstellen ist zu
vermeiden.“ h
Das Interesse für die Stereophotogrammetrie (Raumbildmessung),
die gerade im Kriege ein wirksames Hilfsmittel für die Ausmessung des
Geländes am Feinde im Gebirgs- wie auch im Flachlande darbot, war
schwankend. So schreibt K.V.C. in Nr. 1505 vom 6. 12. 15: „Die
Ansichten über den Wert der Stereophotogrammetrie für das Kriegs-
vermessungswesen haben sich dahin geklärt, dass nur besonders gün-
stige Verhältnisse ihre Anwendung gestatten. Das wertvolle Gerät
(Phototheodolite, Stereokomparatoren und Zubehör) wird am besten in
Berlin für Zwecke eines späteren Friedens aufbewahrt.“
Im Sam.-Umdr. Nr. 5982. vom 3. 12. 16 zeigt sich später ein
wesentlicher, erfreulicher Umschwung der Anschauung, indem dort
unter Ziff. 13 in eingehenden Erörterungen. neues Raumbildgerät
erwähnt und gleichzeitig eifrig für die Teilnahme an einem 4. Raum-
bildkursus in Jena geworben wird.
Schliesslich wurden durch K.V.C. Nr. 11911 vom 1. 3. 18 die
Raumbildgruppen der vor einem Bewegungskrieg stehenden Vermes-
sungsabteilungen aufgelöst.
Zeitschrift für Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. 215
VErDISEE TER eNen .
Trotzdem die Abneigung gegen alles Gelehrtentum, gegen alle
Wissenschaft bei jeder Gelegenheit zutage trat (s. S. 206 u. 209), kamen
dem K.V.W. doch hin und wieder, besonders in letzter Zeit, nachdem
es in dreijähriger Berührung mit Fachleuten aller Art bescheidene
Fortschritte gemacht, wissenschaftliche Gelüste, denen dann aber gleich
- in einem entsprechenden Schlusssatz ein nicht misszuverstehender
Dämpfer folgte: K.V.C. schreibt in Nr. 13243 vom 25. 6. 18: „Rich-
tige Messungen werden nicht dadurch erzielt, dass man mit Millimetern
und Sekunden ıechnet, sondern dadurch, dass man stets mindestens
eine Prüfung der Messung anstellt.... Mess- und Rechenschärfe, die
er anwendet, brauchen nicht wesentlich höher zu sein, als die Ge-
nauigkeit der artl. Richtmittel.... Wir haben so wenig Artl.-Trig.
und diese sollen soviel ernste Arbeit verrichten, dass man es sich
nicht leisten kann, aus Liebhaberei Mikron zu messen.... Jmmer-
hin imuss der Artl.-Trig. einen Begriff über Fehlerfortpflanzung
haben. Ist der Fehler einer Messung = f, so ist der von 9 aneinander-
gereihten Messungen = 3 f, weil die Fortpflanzung der Wurzel aus
der Messungsanzahl entspricht. Die artl. Richtgeräte usw. müssen ihm
geläufig sein, und allgemein muss er soviel von seinem Messgerät
wissen, dass er die durch ihre natürliche Mangelhaftigkeit oder
durch Beschädigung eintretenden Fehler meidet oder wenigstens ab-
schwächt. Ich erwähne die Fehler der Kreisteilung, Achsen,
Fäden, Wasserwagen. (!) Der Artl.-Trig. darf nicht ‚Gelehrter‘
sein. Was nach ‚Wissenschaft‘ schmeckt, halte man ihm fern.“
Doch das geschah hier leider nicht!
Den geistigen Bildungsstand seiner Vermessungsabteilungen zu
prüfen, wandte K.V.C. ein neues, eigenartiges Verfahren an, Auf-
gaben den einzelnen Vermessungsabteilungen zu geben. Klausur und
strenge Aufsicht liess sich bei der Bearbeitung leider nicht durch-
führen, weswegen auch alle Vorteile ausgenützt wurden und überall
an der Front lebhafter Telephon-, teilweise sogar Autoverkehr einsetzte.
Keine Abteilung wollte sich, obwohl Truppendienst von der Bearbei-
tung dispensierte, die Gelegenheit, vor dem ‚obersten Chef‘ zu glänzen,
entgehen lassen. Manche berechtigten Hoffnungen sind aber wohl
leider ins Gegenteil umgeschlagen. K.V.C. Nr. 12 600 vom 9. 5. 18
schreibt: „Als Anregung zum Lesen und Durchdenken der Vorschrif-
ten stelle ich folgende Aufgaben. : Jede empfangende Dienststelle
schickt ihre Lösung (stichwortartig, kurz, aber unbedingt verständ-
lich, Quartblatt) spätestens 24 Stunden nach Eingang dieses Schrei-
bens unmittelbar an K.V.C. ab.“ Auf die Aufgaben an sich näher
einzugehen, würde zu weit führen. Begreiflich naheliegend war es,
dass gleich die erste sich mit dem Schmerzenskinde der Ver-
916 Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. Zeitschrift für
[) NOLDOREONEE Venen
messungsabteilungen (magn. Richtungswinkel und Gitternetzen)
befasste. Die beiden andern behandelten einfache Verhältnisse der
Artillerie-Vermessung und der für Minenwerfer. Einzelheiten inter-
essieren nicht, wohl aber die am 5. 6. 18 folgende Besprechung
der Bearbeitungen: „Die Aufgaben müssen praktisch aufgefasst wer-
den und unter der Voraussetzung, dass ihnen mögliche, wirkliche Ver-
hältnisse zugrunde gelegt sind. Unter diesem Gesichtspunkt durften
nicht einzelne Vermessungsabteilungen bei Aufgabe 1 den magn.
Richtungswinkel für ein Kartenblatt 500 südl. Breite und 7%—80 östl.
Länge bestimmen. Der Schnittpunkt dieser beiden ‚Geraden“ liegt
nämlich im Wasser (Atl. Ozean)... ‚Es bedeutet eine gelehrte
Künstelei, wenn die südl. Breite zugrunde gelegt wurde. Gelehr-
tenhochmut wird grundsätzlich im K.V.W. ausgeschaltet. ..
Den Gipfel der Gelehrsamkeit stellt die Forderung einer V.A. dar,
den Verlauf der Isogonen in der Aufgabe 1 zu erfahren.... So zeigte
sich, alles in allem, auch bei dieser Gelegenheit wieder Einseitigkeit,
Künstelei und übel angebrachte Gelehrsamkeit, Eigenschaften,
die nirgends so wenig hinpassen, wie in unseren auf blosse Zweck-
mässigkeit eingestellten Dienst.“
Bei der augenscheinlichen Ablehnung aller Gelehrsamkeit muss
die energische Förderung der Luftbildmessung seitens des K.V.C. trotz
ihres wissenschaftlichen Charakters fremdartig berühren. Die Son-
derbestimmungen fürs K.V.W. vom 15. 7. 18 bringen auf S. #7
u. f. auszugsweise: „Auf Grund günstig verlaufener Versuche soll
die Luftbildmessung nach und nach an der gesamten Westfront einge-
führt werden. An dem Verfahren sind Verm.-Truppen und Lult-
streitkräfte beteiligt. Die Ausübung der Luftbildmessung erfordert
folgende 3 Tätigkeiten: a) Vorbereitung durch Erdmessung, d. ı.
Schaffung der Ausgangsfestpunkte, b) Herstellung der Messaufnahme
aus der Luft, c) Errechnung der Neupunkte aus den Messbildern.“
Über das Wesen der Luftbildmessung erfahren wir folgendes: „Die
Luftbildmessung ist ein genaues phot. Verfahren, das zunächst als
wichtigstem Kriegszweck der Festlegung einzelner artl. wichtiger
Punkte, sowie der Kartenergänzung jenseits der feindlichen Einie
dient. Mit ihrer Hilfe lassen sich weiterhin top. Aufnahmen von
schlecht oder gar nicht zugänglichem Gebiet unter Ersparung von
Zeit und Kosten herstellen. (!) Die Luftbildmessung tritt an Stelle
der üblichen Verm.-Verfahren überall dort, wo es schwierig oder un-
möglich ist, das feindliche Gelände von der Erde aus zu erfassen;
das Luftbildmessverfahren setzt also dort ein, wo die gebräuchli-
chen Erdmessverfahren versagen. Das Verfahren benützt geneigte
Messbilder, die aus der Luft, vom Flugzeug aus, mit besonderen
Zeitschrift für Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. 917
VELERTDIER WERBEN =
-
Messkammern aufgenommen werden. Zunächst wird die äussere Orien-
tierung*) jedes Messbildes im Augenblick der Aufnahme bestimmt,
d. h. es werden auf Grund der Abbildung von mindestens drei be-
kannten Festpunkten an der Erde die Koordinaten des Standortes
der Aufnahme errechnet, sowie die Verkantung, Neigung und Aufnahme-
richtung ermittelt. Sind die Abbildungen der Festpunkte auf den
Bildern scharf zu erkennen, so lässt sich nach dem augenblicklichen
Stande des Verfahrens der Standort mit einem mittleren Fehler von
+ 1m nach Lage und Höhe, die Neigung mit + 15, die Verkantung
mit + 30° und die Aufnahmerichtung mit + 15 mittlerem Fehler
festlegen. (!) Das Messbild wird nunmehr unter ‚derselben Neigung
und Verkantung wie bei der Aufnahme in ein besonderes Gerät,
den Bildmesstheodoliten, gebracht. Mit ihm werden dem Bilde wage-
rechte‘ und Höhenwinkel nach den zu bestimmenden Neupunkten
entnommen. Dem gleichen Ausmessverfahren wird ein zweites, von
einem anderen Luftstandort aus aufgenommenes Messbild unterwor-
fen, welches dasselbe Gebiet überdeckt wie das erste. Iann gestat-
ten die gemessenen Winkel gleicher Neupunkte beider Bilder die
Festlegung der Neupunkte durch Vorwärtsabschnitt. Der mittlere Feh-
ler eines so bestimmten Neupunktes lässt sich für gut abgebildete
Punkte unterhalb von 4 3 m in Lage und Höhe halten. Dieser mittlere
Fehler hängt natürlich ausser von der Sichtbarkeit des Punktes noch
wesentlich ab vom Verhältnis der Entfernung des Punktes zu der
(wrundlinie (Verbindung der beiden Aufnahmestandorte), und von dem
Schnittwinkel, unter dem sich die Strahlen im Neupunkte treffen.
Beim Fortschreiten in das feindliche Gebiet hinein schafit sie sich
die erforderlichen Festpunkte für ihre Aufnahmen selbst durch eine
Art phot. Luftdreiecksmessung. Etwa schon vorhandene trig. Punkte
hinter den feindlichen Linien, die sich auf den Messbildern mit
abbilden, werden mitbenutzt und erleichtern das Vortragen der Mes-
sung. So -gelang es, bei Arbeiten an der Westfront Punkte bis auf
14 km Entfernung hinter den feindlichen Linien festzulegen, ohne
dass die Fehler das zulässige Mass überschritten.“
Schon zwei Tage später, am 17. 7. 18, schreibt K.\V.C. unter
N:. 13670: „Wie auseinandergesetzt wurde, ist die Luftbildmessung
in die vorderste Reihe (!) unserer Vermessungs- und Aufnahme-
verfahren getreten. Die Beziehungen zwischen dem Luftbilde und
den an der Erde haftenden trig., top. und Raumbildarbeiten werden
dadurch erneut verinnerlicht und vervielfacht.... Das Luftmessbild
*, In K.V.C. Nr. 15111 vom 13. 10. 18 wird der Ausdruck „Orientierung“
verboten und ersetzt durch „Bestimmung“.
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft 6. 15
918 Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. Zeitschrift für
Veen
liefert im Anschluss an Erdfestpunkte scharfe (!) Punktbestimmung*)
nach Grund- und Aufriss und später sicherlich mit Hilfe von Schich-
tenzeichnern auch zusammenhängende Karten.... So bringt der gross-
artige Aufstieg des Luftbildes neues Leben in alte und hie und da im
K.V.W. etwas eingerostete Dienstzweige. Nur wer sich umstellt
auf die Erfordernisse der neuen Zeit, füllt seinen Platz im K.V.W. aus.“
Auf S. 55 der Sonderbest. liest man noch: „Persönlichkeiten des
K.V.W., die der Entwicklung der Luftbildmessung offenen oder
versteckten Widerstand entgegensetzen und die Zusammenarbeit
mit den Luftstreitkräften stören, werde ich zur Rechenschaft ziehen.“
Jm Sammel-Umdruck Nr. 14444 vom 8. 9. 18 heisst es: „Luft-
bildmesstrupp I hat weitere grosse Erfolge zu verzeichnen. Die Ge-
nauigkeit und Schnelligkeit des Verfahrens wächst. Es ist festge-
stellt, dass es eng mit der Raumbildmessung zusammen-
hängt.“
Daraufhin wurden im September und Oktober in Strassburg zahl-
-reiche 5tägige Kurse in Luftbildmessung abgehalten. Dem Verfahren
soll die Zukunft nicht abgesprochen werden, aber einstweilen konn-
ten die Teilnehmer am Lehrgang 'nicht den Eindruck gewinnen,
dass es die hochgespannten Hoffnungen obiger Ausführungen zur-
zeit praktisch erfüllen werde. Jedenfalls muss es als ein gewagtes
Unternehmen bezeichnet werden, derartige zunächst noch schwerfäl-
lige Methoden**), die sich noch im Stadium der Entwickelung und
des Versuches befinden, als spruchreif und leistungsfähig den mass-
gebenden Kommandostellen in verheissungsvollen Worten zu emp-
fehlen. Es muss dies um so verwunderlicher erscheinen, als nach
K.V.C. Nr. 11911 vom 1. 3. 18 die — jedenfalls praktisch erprobten —
Raumbildgruppen der vor einem Bewegungskampfe stehenden Ver-
messungs-Abteilungen im März 1918 aufzulösen waren, wohl in der
berechtigten Erwägung, dass sie zu schwerfällig in der Bewegung
seien. Was aber für die Raumbildmessung galt, traf in erhöhtem
Umfange für die Luftbildmessung zu.
. Es sind sogar Behauptungen laut geworden, dass sich die Genauigkeit
mit der trigon. auf eine Stufe stellen lasse. Gelegentlich des Luftbildkursus
in Strassburg wurden diese Behauptungen’ allerdings im Schlusswort von Hptm.
von Langendorff wesentlich eingeschränkt.
**) Vergl. dazu: „Alte und neue Hilfsmittel der Landesvermessung.* Vor-
trag, gehalten bei der Festsitz. d. bay. Akad. d. Wiss. am 15. Nov. 16 vom ord.
Mitgl. Seb. Finsterwalder. Wenn K.V.C. mit Nr. 6590 vom 30. 1. 17 aus
diesem Vortrage die Bestätigung herauslesen will, dass das K.V.W. — im Vor-
trage ist es gar nicht erwähnt — „in wissensch. Hinsicht auf dem rechten Wege“
ist, so dürfte dazu schon einige Einbildung gehören, ebenso wie zu der oftmals
hervorgetretenen Auffassung, „dass das neuartige Karten-Bild-Verm.-Wesen bei
unsern Gegnern in allen Einzelheiten nicht bekannt sei.“
Zeitschrift für Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. 919
A
Das K.V.W., das sich am Ende seiner kriegerischen I,aufbahn
an das hohe Problem der Luftbildmessung heranwagte, zeigte noch
1915, dass es mit dem bescheidenen Zwecke und Ziele des terrest-
rischen Rundbildes und seiner Leistungsfähigkeit durchaus nicht ganz
im klaren war. In der Dienstanw. vom 16. 9. 15 ist S. 24.25 zu les>n:
„Die Aufnahme von Rundbildern von den wichtigsten Stellen der Ar-
meefront aus sollen jederzeit Auskunft über das vom Beobachter ein-
zusehende Gelände geben und es den‘ Beobachtern erleichtern, sich im
Gelände zurechtzufinden. Rundbilder mit Teilung von Beobachtungs-
stellen aus haben im Stellungskrieg hohen Wert und zwar haupt-
sächlich dann, wenn möglichst viel Punkte im Vorgelände ihrer
Lage nach in der Karte festgelegt und in den Rundbildern entsprechend
bezeichnet sind. Wird Ausmessung weiterer Punkte von der
Artillerie gewünscht, was vorkommt, wenn z. B. etwas Verdäch-
tiges in der Nähe solcher Punkte beobachtet wird, so genügt ein
Fernspruch an die V.A. an der Hand des Rundbildes, und in einer
halben Stunde kann, ohne dass der Photogrammeter hinausgeht,
angegeben werden, wo der Punkt in der Karte liegt.“ Ein Rund-
bild kann stets nur einen geometrischen Ort für die Punktbestimmung
bieten, infolgedessen konnten die Fachleute durch derartige laienhafte
Bemerkungen nur in Ungelegenheit gebracht werden. Darauf ist auch
wohl bald aufmerksam gemacht worden, denn dieser Satz ist in der
nächsten K.V.V. vom 15. 2. 16 und späteren nicht mehr zu finden.
Ein weiteres Beispiel der Überschätzung eigener Leistungsfähigkeit
ist früher S.210 angeführt, wo die gesamte trig. Vorarbeit für die Be-
schaffung der artill. Unterlagen, Netzlegung, Batterie-Beobachtungs-
messung, Punktplan- und Batterieplanherstellung in einen Zeitabschnitt
von etwa 17 Stunden eingezwängt wird. Wer die ausserordentlichen
tatsächlichen Schwierigkeiten, insbesondere der letzten Zeit mit allen
ihren Mängeln, aus eigener Erfahrung kennt, wird nur ein bedenkliches
Kopfschütteln für eine derartige Auffassung haben können. Geradezu
an Phantasterei grenzt die in K.V.C. Nr. 15111 vom 13. 10. 18 nieder-
gelegte Beurteilung der Leistungsfähigkeit und der zeitigen Verhält-
nisse: „Anpassung an die Lage: Fortsetzung des Krieges oder Waf-
fenstillstand und Friedensschluss“. ‚Die gesamte Vermessung im
Osten ist abgebrochen und das Personal nach Belgien überwiesen....
Bei diesen ganzen Vorbereitungen für den Rückzugskampf spielt das
rasche Handeln die erste Rolle. Kleinigkeiten werden glatt gestrichen.
... Belgien wird noch vermessen, bevor wir es verlassen.“
Da möchte dem Fachmann der Verstand stillstehen. Ein Land von
29456 qkm vermessen, zu einer Zeit, wo es an allem gebricht, zu
welchem Zwecke! Ist denn die massgebende verantwortliche Stelle,
220 Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. Zeitschrift für
Verm ee
die diesen Satz verbrach, nicht imstande gewesen, den Umfang die-
ser Arbeit und die derzeitige politische Lage richtig beurteilen zu
können. Man steht gewissermassen vor einem Rätsel!
Wie die eigenen Leistungen oft auch zu günstig, zu wenig
kritisch eingeschätzt wurden, darüber K.V.C. in Nr. 7149 vom 8. 3. 17:
„Erfahrungen einer V.A. aus der Sommeschlacht. Durch die vorberei-
tenden Massnahmen wurde erreicht, dass alle bei Beginn der Somme-
schlacht eintreffenden Stäbe und Truppen mit einem sehr reich-
lichen Kartenmaterial ausgestattet werden konnten.“... Von der
Truppe hat man damals abweichende Äusserungen gehört. „In vor-
ausschauender Weise war dieses rückwärtige Gelände bereits lange
vorher mit einem ausreichenden trig. Netz überspannt worden... .'
Wozu wurde dann das trig. Sonderkommando aus Warschau beordert,
dessen Führer sich vor lauter ‚Gitternetzqualen‘“ hilfeflehend nach
Nord und Süd wandte! ...,Im Kampfgebiet der 2. Armee fehlten
von Anfang an alle guten französischen Unterlagen, wie z. B. bei
Verdun. Ferner ging es beim Angriff auf Verdun vorwärts auf den
Feind.... Bei einem deutschen Angriff Richtung Amiens—-Compiegne
hätten die Truppen der 2. Armee auch ein sehr gutes Karten-
material gehabt, denn gerade dieses feindliche Gelände war bis weit
in den Feind hinein auf Grund von Beutekarten, Fliegerbildern usw.
eingehend und sorgfältig bearbeitet worden.“
Es ist höchst bedauerlich, dass dieses ‚sehr gute Kartenmate-
rial“ den Vermess.-Trupps vor Amiens nach der März-Offensive 1918
nicht zugänglich gemacht wurde. Wo blieb es? Schöne Redensarten
waren es wohl, die man zur Zeit der Niederschrift für unkontrollier-
bar hielt. Beachtenswert ist auch die in allgemeinen Phrasen ge-
haltene öffentliche Belobung der V.A. 28, besonders für den, der die
näheren internen Beziehungen kennt. K.V.C. Nr. 10988 vom 28. 12. 17
Ziff. 8 schreibt: „Die Betätigung der V.A. 28 in Italien hat gelehrt,
dass wir nur dann den wechselvollen Ereignissen folgen können,
wenn wir uns frei machen von dem Wust und Kleinkram der
Überlieferung. Am Isonzo hätte nicht das geleistet werden können,
was tatsächlich geleistet ist, wenn der Abteilungsführer verstaubte
Grundsätze angewendet hätte. Selbsttätigkeit und geistige Regsam-
keit, militärische Erfahrung und Bekanntsein mit der Lage und den
Verhältnissen innerhalb der Gruppe, und erst in zweiter Linie fach-
technische Kenntnisse, das sind die Eigenschaften, die der Grup-
penkartenstellenleiter haben muss. Lässt er sich von nebengeordneten
Dienststellen an die Wand drücken, hört im selben Augenblick der
Verm.-Dienst auf.‘
nn on Harbert. Geltung der Fachwissenschaft etc. 991
1919.
Der Erfolg im K.V.W. hat es wohl bewiesen, wohin der Grund-
satz: ‚‚Fachtechnische Kenntnisse sind erst in zweiter Linie erfor-
derlich‘‘, geführt hat.
In ähnlichem Geiste der Phrase Ast K.V.C. Nr. 12485 vom
6. 5. 18 gehalten: ‚Ich sehe die vornehmste Aufgabe darin, gewon-
nene Erfahrungen in allgemein verständlicher Form rasch zu verbreiten.
... Diese Mittel können aber nur wirksam werden, wenn Schrift
und Wort auch wirklich bis zu den letzten Fachleuten des
Mannschaftsstandes durchdringen. Das ist nun durchaus nicht
in allen Vermessungs-Abteilungen der Fall. Im ehrwürdigen Büro-
kratius erwächst meinen Bestrebungen ein zäher Gegner. Kämpfe
ich mit dem Lichte der Aufklärung, so arbeitet er mit Akten-
staub. Zu seiner Vernichtung fordere ich heute auf.... Das K.V.\W.
hat sich entfaltet, weil wir vorurteilsfrei dem Neuen nachgingen und
dem ewig Gestrigen den Laufpass gaben. So soll es bleiben.“
Bedauerlich bleibt es nur, dass nirgends zu erkennen ist, was
unter dem ,„Wust und Kleinkram der Überlieferung‘, oder unter
„dem ewig Gestrigen‘“ zu verstehen ist.
Bei weiterem Vertiefen in den Stoff liessen sich wahrscheinlich
noch ergänzende Zutaten finden. Es ist wohl kaum anzunehmen, dass
bei dem in technischen Kreisen verbreiteten Unmut über die unwür-
dige Rolle, zu der das Vermessungswesen mit seinen Jüngern verurteilt
war, die Akten über das K.V.W. so bald abgeschlossen werden, viel-
mehr erscheint es durchaus erwünscht, wenn das bestandene Miss-
verhältnis zwischen militärischer Leitung und ausübender Vermes-
sungstechnik von den verschiedensten Standpunkten aus noch eine
Beleuchtung erfahren würde. Die hier besprochenen Erscheinungen
und Missstände können ihren erklärenden Grund nur darin finden,
dass die Vermessungstechnik im Rahmen des Kriegs-Vermessungs-
wesens nicht in dem Masse zur Geltung kam, als es zur freien, un-
abhängigen Entfaltung ihrer Fähigkeit ohne Kräftevergeudung möglich
und notwendig gewesen wäre. Es wäre ungerecht, für diese Bevor-
mundung der Fachwissenschaft die einzelne, führende militärische
Persönlichkeit, die sicherlich mit gutem Willen — aber mangelnder
technischer Übersicht der Riesenaufgabe — die verfügbaren Kräfte
für die eine grosse Idee zu sammeln und einzusetzen bestrebt: war,
‚voll verantwortlich zu machen. Die Schuld trägt in erster Linie
das unfreie, überlebte militärische System. Anpassungsfähigkeit, (Gie-
schmeidigkeit, kurz gesagt, das ‚sog. militärische Benehmen‘ waren
von ausschlaggebenderer Bedeutung als alles technische Können und
Wissen.
222 . Magunetische Deklination. — Bücherschau. Zeitschrift für
VOrMesEEnERwWesEn
Die Vermessungswissenschaft wie die Technik im allgemeinen
muss in Zukunft für sich in Anspruch nehmen, wenn anders sie ihrer
Aufgabe unter ähnlichen Verhältnissen voll und ganz gerecht wer-
den soll, nach dem alten Grundsatz ‚Suum cuique“ als gleichberechtig-
ter Faktor, die zweckmässige Verwendung der ihr eigenen Arbeits-
energien zielbewusst und planvoll, eingeordnet in ein grosses Ganze,
mit in die Hand zu nehmen, sie muss es ablehnen, nur von Männern
geführt zu werden, deren Befähigung und Leistungen auf anderen
Gebiete liegen, als auf dem der Technik. Nur bei einmütigem N\e-
beneinander der militärischen und fachtechnischen Faktoren wird es
sich erreichen lassen, dass die Vermessungstechnik von vornherein
mit ihrer ganzen, durch die Kultur erreichten Leistungsfähigkeit
auf den Plan tritt, statt dass sie erst einen neuen Entwickelungs-
prozess, der mit dem ihres militärischen Führers ungefähr parallel
laufen müsste, durchzumachen hat. Berlin, den 10. Febr. 1919.
Magnetische Deklination.
Nach den Beobachtungen der Potsdamer Magnetwarte war der Mittel-
wert der magnetischen Deklination dort während der drei letzten Jahre:
1916: 80 7°,6; 1917: 70584; 1918: 7049°,3 westlich.
Die jährliche Abnahme betrug danach rund 9° und für das laufende Jahr
ist im Mittel
1919: 7040° westlich
zu erwarten.
Für andere Orte Deutschlands entnimmt man die Werte der magneti-
schen Missweisung am besten den „Magnetischen Uebersichtskarten von
Deutschland“ von K. Haussmann (Petermanns Mitteilungen 1913), die
bei ihrem grossen Massstab (1: 1500000) und ihren reichen Ortsangaben
sehr bequem dazu sind. Ihre Angaben gelten für den Anfang des Jahres
1912 und sind zur Umrechnung auf die Mitte des laufenden Jahres durch-
gängig um 1010‘ zu vermindern.
(Mitgeteilt vom Magnetischen Observatorium Potsdam
des Preussischen Meteorologischen Instituts.)
Bücherschau,
Kalender für Landmessungswesen und Kulturtechnik. Begründet von
W. Jordan, fortgesetzt von W. v. Schlebach, jetzt herausgegebe»
von Curtius Müller, Geheimer Regierungsrat, Professor in Bonn.
42. Jahrg. für 1919. Stuttgart. Verlag von Konrad Wittwer.
Zeitschrift für Bücherschau. 223
ai rl lan
Der im Anfange des Jahres erschienene Kalender, den wir bereits
auf S. 8 kurz erwähnt haben, zeigt gegenüber den früheren Auflagen eine
gründliche Neubearbeitung und Erweiterung, so dass es erwünscht erscheint,
auf seinen Inhalt etwas ausführlicher einzugehen. Aeusserlich ist statt
der früheren Bezeichnung „Kalender für Vermessungswesen und Kultur-
technik“ der neue Titel „Kalender für Landmessungswesen und Kultur-
technik“ angenommen worden, durch den der Verf. die Unterscheidung
von andern Messungen deutlich zum Ausdruck bringen will. Wenn man
nun auch kaum annehmen kann, dass über die mindestens.seit 100 Jahren
allgemein gebräuchlichen Bezeichnungen Vermessung, Vermessungswesen,
Vermessungskunde Zweifel bestehen, so kann man sich mit dem neuen
Titel insofern einverstanden erklären, als der Kalender sich im wesent-
lichen auf das Gebiet der Landmessung beschränkt, und die Landesver-
messung und Erdmessung nur in ihren Grundbegrifien behandelt.
Die Einteilung des Kalenders ist gegen früher ebenfalls abgeändert
worden, indem Bd. I den eigentlichen Taschenkalender mit den für die
Praxis erforderlichen Tafeln und Formeln, amtlichen Fehlergrenzen usw.
enthält, also alles das bringt, was bisher im Teil I und II untergebracht
war. Bd. II, der diesmal noch dem 1. Bande beigefügt ist, soll in Zu-
kunft das Personenverzeichnis, Angaben zum Gebührenwesen, das Bezugs-
quellenverzeichnis und den Aufsatz „Neues auf dem Gebiet des Land-
messungswesens nebst seinen Grenzgebieten“ bringen. Bd. III, der nun
als besonderes kleines Werk abgetrennt vorliegt, ist unter dem Sonder-
titel „Taschenbuch der Landmessung und Kulturtöchnik“ erschienen und
enthält eine Reihe von zusammenfassenden Aufsätzen aus allen Gebieten
der Vermessungskunde, der Kulturtechnik und der Bautechnik.
Inhaltlich ist der erste Band, abgesehen von vielfachen Ergänzungen
und Erweiterungen, im allgemeinen nicht verändert worden. Für geo-
graphische Ortsbestimmungen sind die scheinbaren Oerter des Polarsternes
und einiger Fixsterne erster Grösse mitgeteilt, die zusammen mit den An-
gaben für die Sonne in solchen Fällen, in denen ein astronomisches Jahr-
buch nicht zur Hand ist, gute Dienste leisten werden.
Den Schluss des ersten Bandes bildet die Zusammenstellung der amt-
lichen Fehlergrenzen in Deutschland, Oesterreich und in der Schweiz.
Beim Betrachten der Fehlergrenzen in den verschiedenen deutschen Staaten
muss man unwillkürlich zu der Frage kommen: Dürfte es nicht möglich
sein, allgemein giltige Fehlergrenzen für alle deutschen Staaten aufzu-
stellen und hiermit der Buntscheckigkeit der verschiedenen Anweisungen,
deren Zahlenergebnisse im Grunde genommen nur wenig voneinander ab-
weichen, ein Ende zu machen?
Der zweite Band gibt wieder einen Ueberblick über .die Fortschritte
auf allen Gebieten des Vermessungswesens, ferner eine 5. Ehrentafel der
994 | Bücherschau. . ermensungs Dr.
im Kampfe fürs Vaterland gefallenen Fachgenossen. Es folgen dann eine
Uebersicht der Fachvereine, statistische Mitteilungen über die deutschen
Landmesser und die Tagegelder- und Gebührenordnung. Wie schon er-
wähnt, soll Bd. II in Zukunft auch das Verzeichnis der deutschen Land-
messer bringen, dessen Neuaufstellung mit grossen Schwierigkeiten ver-
bunden sein, wird.
Das Taschenbuch der Landmessung und Kulturtechnik, das zugleich
den dritten Band des Kalenders bildet, umfasst im wesentlichen die schon
früher im 3. und 4. Teil enthalten gewesenen Aufsätze über Landmessung
und Kulturtechnik bezw. Bautechnik, jedoch mit vielfachen Umarbeitungen
und Erweiterungen. So sind in dem Kapitel über Instrumentenkunde alle
neueren Instrumente erwähnt, z. B.. ist auch ein Abschnitt über das Stereo-
skop als Messiustrument aufgenommen worden. Für die Unterscheidung
der verschiedenen Präzisionsplanimeter von Coradi würden wir die Be-
zeichnungen Kugelrollplanimeter, Scheibenrollplanimeter und Kugelpolar-
planimeter, Scheibenpolarplanimeter vorschlagen, die das Wesen der Bau-
art kennzeichnen.
: Neu ist ein Kapitel über die Grundbegriffe der Erdmessung von Ge-
heimrat Galle, Abteilungsvorsteher im Geodätischen Institut in Potsdam.
Es wird hier zunächst in kurzer Darstellung die Gleichung des Erd-
sphäroids entwickelt und die Bestimmung der Erdgestalt aus Schwere-
messungen behandelt. Ein zweiter Hauptabschnitt beschäftigt sich mit
der Aufstellung der Lotabweichungsgleichungen und der Laplaceschen
Gleichung, sowie deren Verwendung bei der Bestimmung von Flächen-
stücken des Geoids und der Bearbeitung astronomisch-geodätischer Netze.
Das bisher von Geheimrat Hegemann bearbeitete Kapitel über Zeit-
und Azimutbestimmung ist von Professor Samel erweitert und auch auf
Breitenbestimmungen ausgedehnt worden.
Ebenso ist auch das Kapitel über trigonometrische Punktbestimmung,
das früher aus zwei von Geheimrat Vogler und Geheimrat Hegemann
bearbeiteten Abschnitten bestand, jetzt von Professor Samel neu bearbeitet
worden,
Die Punktbestimmung durch Theodolitzüge, Bussolenzüge und Strecken-
netze bildet ein neues vom Herausgeber bearbeitetes Kapitel, in dem vor
allem die praktische Seite dieser Messungen sehr in den Vordergrund tritt.
Von den weiteren Abschnitten, die zum Teil nur wenig abgeändert
sind, mag noch das vom Herausgeber bearbeitete Kapitel über Herstellung
von Uebersichtsplänen mit Schichtenlinien erwähnt werden, das eine ge-
drängte Darstellung der topographischen Aufnahmeverfahren, der hieraus
hervorgegangenen Kartenwerke in den verschiedenen deutschen Staaten,
sowie der Vervielfältigungsmethoden enthält.
; ermonsungew nu Bücherschau. 925
Der Kalender, der nun bereits 42 Jahre lang in ununterbrochener
Folge erschienen ist, bedarf keiner besonderen Empfehlung mehr. Es
mag aber betont werden, dass das Taschenbuch in der neuen Gestalt eine
sehr vollständige Uebersicht über die verschiedenen Kapitel der Vermes-
sungskuude und der Kulturtechnik bietet und in seiner handlichen Form
als Nachschlagebuch wertvolle Dienste leisten wird. Eggert.
Didaktische und rechentechnische Bemerkungen zur .lusgleichung des
T riangulierungsvierecks, nebst einigen Anwendungen auf grössere
Dreiecksnetze. Von Professor Dr. E. Hammer, Stuttgart. Ver-
lag von R. Reiss, Liebenwerda, 1916. 50 S.
Das Heftchen ist, wie Verfasser im Vorwort angibt, ein Bruch-
stück aus einem Übungsbuch zum Studium der Ausgleichungsrechnung,
dessen Herausgabe durch den Krieg ins Stocken geraten ist, aber durch
das Erscheinen der vorliegenden kleinen Schrift nicht aufgegeben
sein soll.
Die Schrift beschäftigt sich fast ausschliesslich mit der Ausglei-
chung eines Vierecks, in dem in jeder Ecke die beiden an der Diagonale
liegenden Winkel gemessen sind, für das also Stationsbedingungs-
gleichungen nicht in Frage kommen. Verfasser erörtert zunächst die
verschiedenen Formen der Winkelgleichungen und der Seitengleichung,
für welch letztere übrigens die Bezeichnung „Sinusbedingungsglei-
chung‘ vorgeschlagen wird, und gelangt schliesslich zu einer Zusam-
menstellung, in der auf die Reziprozität der beiden Arten von be-
dingungsgleichungen hingewiesen wird.
Ein weiterer Abschnitt behandelt die Berechnung der Koeffizienten
und des Absolutgliedes einer linear zu machenden Seitengleichung.
Für die Methode der Koeffizientenbestimmung aus den Diiferenzen
der /og sin in den Logarithmentafeln wünscht Verfasser eine Ver-
schärfung der Berechnung durch Berücksichtigung der Nachbardiffe-
renzen, die es ermöglicht, ohne Mehrarbeit auch noch die Zehntel mit
einiger Sicherheit anzugeben.
Bei sphärischen Dreiecksnetzen Srptiehil; Verfasser die Aufstel-
lung der Seitengleichung einmal für das sphärische Dreieck, ausserdem
aber auch für das nach Legendres Satz umgestaltete Dreieck. Für die
Berechnung der Koeffizienten wird hierdurch natürlich nichts ge-
wonnen, jedoch erhält man eine wertvolle Probe für das Absolutglied.
Die folgenden Abschnitte beschäftigen sich sehr ausführlich mit.
der günstigsten Form der Seitengleichung im Viereck auf Grund der
von Zachariae-Jordan und der von Koll aufgestellen Theorien. Der
Vergleich wird an die beiden Beispiele angeschlossen, die entsprechend
diesen Theorien von Jordan im Handb. d. Verm., Bd. I, 6. Aufl., Seite
226 Bücherschau. | Vermessungswesen
264—270 behandelt sind. Die Überlegenheit der ersten Berechnungs-
form über die zweite wird auch hier bestätigt. Es wird jedoch darauf
hingewiesen, dass die zweite Form nicht ganz so ungünstig ausfällt,
wenn das Absolutglied der Seitengleichung mit einer genaueren Tafel,
bei siebenstelliger Rechnung z. B. mit der Schrönschen Tafel, be-
rechnet wird.
Verfasser prüft auch noch die Frage, wie sich die Ausgleichung
des Vierecks mit zwei Seitengleichungen, sowie mit drei Seitenglei-
chungen stellt, wobei im ersteren Falle noch zwei, im letzteren noch
eine Winkelsummengleichung hinzukommt. Beide Ausgleichungsformen
erweisen sich bei dem Jordanschen Zahlenbeispiel nicht als zweck-
mässig; bei der ersteren tritt noch der interessante Fall ein, dass die
Berechnung ‚instabil‘ wird, d. h. bei der Auflösung der Normal-
gleichungen versagt, was seinen Grund darin hat, dass die beiden
Seitengleichungen sich durch einfache Umformung auf nahezu iden-
tische Formen bringen lassen.
Hieran schliessen sich noch einige Bemerkungen über die Auf-
stellung der Bedingungsgleichungen für ein Viereck, in dem weniger
als acht Winkel gemessen sind, sowie für ein Netz von mehr als vier
Punkten, wobei auch auf die Regeln zur Feststellung der Anzahl der
Gleichungen eingegangen wird. Endlich wird auch noch die Ausglei-
chung des Jordanschen Vierecksbeispiels nach vermittelnden Beobach-
tungen durchgeführt, die zwar praktisch ohne Bedeutung ist, aber doch
Veranlassung zu dem Hinweise gibt, dass beim gleichzeitigen Einschnei-
den mehrerer Punkte gelegentlich auch die Methode der bedingten
Beobachtungen statt der sonst allein üblichen! Methode der vermitteln-
den Beobachtungen treten könnte.
Man sieht schon aus der vorstehenden kurzen Inhaltsangabe, dass
die Schrift eine Fülle von Einzelheiten in bezug auf die Praxis der Aus-
gleichungsrechnung enthält, die in den Lehrbüchern nur wenig berührt
werden, und die nichtsdestoweniger der Beachtung durchaus wert sind.
Eggert.
K. Oltay, Relative Bestimmung der Schwerkraft in Budapest. 130 S.
Mit 9 Fig. im Text. Budapest 1917, Franklin-Verein. 8°.
Als Referenzstation für die im Königreich Ungarn vorzunehmenden
Schweremessungen ist Budapest gewählt worden. Es besteht daher ein
hohes wissenschaftliches Interesse an der möglichst genauen Bestim-
mung des absoluten Wertes der Schwerkraft für jenen Ort. Was auf
dem Gebiete bisher von ungarischer Seite geleistet worden ist, fasst in
einem besonderen Abschnitt die Schrift Oltays zusammen. Sie be-
schränkt sich nicht auf die vom Verfasser selbst ausgeführten Messun-
Zeitschrift für Bücherschau. 227
Veı ar he
gen, sondern berichtet auch über früher von 'andern Beobachtern
unternommene Reihen; man wird das der bequemen Übersichtlichkeit
halber gerne begrüssen, wiewohl jene älteren Messungen schon eine
ausführliche Veröffentlichung erfahren hatten.
Es sei daher nur kurz erinnert an die absolute Schwerkraft-
messung, die L. Gruber im Jahre 1885 mit einem Repsoldschen Re-
versionspendel von 3/,® Schwingungszeit unternahm. Sein Resultat lautet
9 = 980.827 cm/sec?, m. F. + 0.004 cm/sec?
gültig für den Ort 9 = 47030.2, A = 190 1'.9 Ost Greenw., = 152m.
Im Jahre 1893 erfolgte ein relativer Anschluss der Schwerestation
Budapest an Wien durch O. Kjifka vom k. u. k. Militärgeographischen
Institut. Als Instrument diente ein Sterneckscher Pendelapparat und
als Ergebnis kam heraus
9 = 980.844 cm/sec?
für den Ort 9 = 47929.7, A = 1903.8, kh = 122m.
In das Jahr 1908 fällt die erste Beobachtungsreihe des Verfassers.
Jetzt findet der Anschluss an die ihrer absoluten Schwerkraft nach.
besonders genau bekannte Station Potsdam statt, und zwar mittelst
eines Stückrathschen Pendelapparates bekannter Bauart. In Potsdanı
und in Budapest standen gleich ausgezeichnete Uhren für die Koin-
zidenzen zur Verfügung, und die Koinzidenzapparate besassen die
bequeme Sternecksche Konstruktion. In Budapest erfolgten die Zeit-
bestimmungen an einem Universalinstrument, das als Transit im Verti-
kal des Polarsterns benutzt wurde. Die Untersuchungen der Pendelkon-
stanten erfahren eine ausführliche Wiedergabe, aus der man sieht,
dass sowohl die Luftdichtekonstanten als auch die statischen Tem-
peraturkonstanten der in den Jahren 1908 und 1915 verwandten Pendel
sich in den gewohnten Grenzen halten und mit der erforderlichen
Schärfe bestimmt sind. Diese Ermittelungen gingen teils in Potsdam,
teils in Budapest vor sich.
Die schlimmste Quelle systematischer Entstellung von Schwere-
messungen ist das Mitschwingen der Aufhängung der Pendel. Der Ver-
fasser widmet dem Studium dieser Erscheinung grosse Mühe und Sorg-
falt und wendet zu dem Zwecke die dynamische Methode an, bei der
das Mitschwingen unter denselben Bedingungen beobachtet wird, wie
es bei den Messungen wirkt: zwei Pendel schwingen am selben Appa-
rat; das eine wird vollkommen zur Ruhe gebracht, das andere mit be-
stimmter Amplitude in Schwingung gesetzt. Man misst dann die Ampli-
tuden des treibenden und getriebenen Pendels gleichzeitig und kann dar-
aus den Einfluss des Mitschwingens berechnen. Das Mitschwingen
wurde mit allen Pendelpaaren sowohl in Potsdam wie in Budapest ab-
geleitet und eine befriedigende Genauigkeit für dieses wichtige Reduk-
228 Bücherschau. Zeitschrift für
VORIEEUIEBWORON
tionselement erzielt. Jedenfalls ist es so gut bekannt, dass man von
dieser Seite her kein merkliches Hinaufgehen des mittleren Fehlers des
Schwerkraftergebnisses zu erwarten braucht.
Die zu bestimmende Station Budapest ist zwischen die Beobach-
tungen auf der Anschlußstation Potsdam eingegabelt, also die Stations-
folge Potsdam —Budapest— Potsdam innegehalten worden. . Beobachtet
wurde mit 8 Pendeln und es ergab sich der m. F. einer einzelnen Beob-
achtung der Schwingungsdauer eines Pendels zu + 17x 10-7 sec,
während der mit Beachtung aller Fehlerquellen hervorgehende m. F.
für ein Pendel sich erhebt auf + 3.7 x 10-? sec, und dem Mittelpendel
noch ein-m. F. =+ 2.3 x 10-7 sec anhaftet. Der mittlere vollständige
Fehler der Schwingungsdauerdifferenz für Potsdam und Budapest be-
läuft sich auf+ 3.0 x 10-7sec, der in den Beschleunigungsunterschied
Ag (Budapest— Potsdam) einen m. F. =+ 1.2 x 11 -5sec— 2 hineinträgt,
entsprechend einer Genauigkeit von 1/gg5000 der ganzen Schwere.
Als Endresultat für Budapest ergibt sich schliesslich
9 = 980.852 cm/sec?, m. F. + 0.003 cm/sec?
für 9 = 47028.9, A = 19032, h = 106m.
Vergleicht man die Genauigkeit mit der von anderer Seite er-
reichten, so zeigt sich, dass die ungarischen Bestimmungen an Schärfe -
nicht zurückstehen. Der Bericht selbst aber lässt es an Klarheit der
Anordnung des Stoffes und der Darstellung fehlen, so dass es u. a.
nicht leicht ist, die Schwerkraftreihen der Jahre 1908 und 1915 aus-
einanderzuhalten. Und auch ein Inhaltsverzeichnis der umfangreichen
Schrift wäre erwünscht gewesen. —
Im Jahre 1893 sind seitens des k. u. k. militärgeogr. Inst. in Wien
unter Leitung v. Sternecks*) Schweremessungen in Ungarn ausge-
führt worden, die sich in dichter Verteilung der Stationen längs des
47. Breitegrades durch die ganze Monarchie von Oedenburg, Stein-
amanger über Debreczin bis Maros Vasarhely in Siebenbürgen einer-
seits und anderseits vom Verzweigungspunkt Debreczin wieder nach
NO bis Lemberg und nach Nw bis Dobschau erstrecken. Die be-
merkenswerten Ergebnisse jener Messungen lassen ihre Fortsetzung
in dem ganzen durch seine eigenartigen Schwereverhältnisse inter-
essanten Lande dringend geboten erscheinen.
Man darf nach diesem Anfange die Hoffnung hegen, dass nun die
Erfüllung jenes Wunsches dank der „Geodätischen Arbeiten der Baron
R. v. Eötvösschen geographischen Forschungen“, als deren I. Abhand-
lung die vorliegende Arbeit Oltays erscheint, nicht mehr lange auf sich
warten lassen wird.
Zur Zeit im Heeresdienst, 1918, Juli. C. Wirtz.
*) Mitteil. des k. u. k. Milit.-geogr. Inst. 13, 1893, 253—8309. Wien 1894.
Zeitschrift für : ß j
Yermessungs wesen Vereinsangelegenheiten 299
Vereinsangelegenheiten.
Die Zustimmungserklärungen zu dem in den Dezemberheften der Fach-
zeitschriften 1918 gemachten Vorschlage für eine zeitgemässe Umbildung
der Berufsorganisation zu einem einheitlichen Gesamtverein von Einzel-
mitgliedern sind jetzt so zahlreich geworden, dass eine erfolgversprechende
Weiterarbeit möglich erscheint.
Die in Aussicht genommene Aussprache der Vertreter der bestehenden
Zweig- und Anschlussvereine wird daher auf i
Sonntag, den 22. und Montag, den 23. Juni d. Js.
in Halle a. S.,, Gasthof „Rotes Ross“
angesetzt. Beginn täglich vorm, 91/, Uhr.
Tagesordnung:
1. Bestellung des Verhandlungsleiters und des Büros.
2, Vorlage eines Satzungsentwurfs für den zu bildenden Gross-
verein und Beschluss der Satzung. (Entwurf wird vorher mitgeteilt.)
3. Wahl eines Arbeitsausschusses für die nötigen Verhandlungen
mit den bestehenden Vereinigungen zwecks Ueberleitung in den
Grossverein, Ausschreibung der Stelle eines Verbandsdirektors,
Regelung seiner Altersversorgung, Vorbereitung der Herausgabe
der Verbandszeitschrift durch Abschluss eines Druck- und Verlags-
vertrages, Anmietung der Räume für die Geschäftsstelle, Ankäufe
für ihre Einrichtung u. dergl. mehr sowie Vorbereitung der Gründungs-
versammlung. |
4. Beschlussfassung über Ort und Tag der Gründungsversammlung.
Die zu entsendenden Vertreter der bestehenden Zweig- und Anschluss-
vereine des D.G.V. und L.P.L. müssen mit bindenden schriftlichen Voll-
machten ausgestattet sein, damit Vorbehalte nicht gemacht zu werden
brauchen. Die Anzahl der Vertreter ist tunlichst zu beschränken. Mehrere
Vertreter eines Vereins stimmen geschlossen „Für“ und „Wider“. Die
vertretenen Vereine regeln die Zusammenfassung der Stimmabgabe ihrer
Abgeordneten nach eigenem Ermessen. Für die Gesamtabstimmung ist
die schriftlich verbindlich anzugebende Mitgliederzahl der vertretenen
Vereine massgebend. Die Beschlüsse werden mit unbedingter Mehrheit
der vertretenen Mitglieder-Stimmen gefasst. Bei Stimmengleichheit ent-
scheidet die Stimme des Verhandlungsleiters. Die Wahlen geschehen
durch Stimmzettel; erforderlich ist die unbedingte Mehrheit der vertretenen
Mitglieder-Stimmen; andernfalls findet Stichwahl statt; bei Stimmen-
gleichheit entscheidet das Los. Für die Geschäftsordnung gelten bei
diesen Verhandlungen die allgemein üblichen Richtlinien.
Für den Fall, dass die politischen Verhältnisse es nötig machen sollten,
bleibt die Abänderung des Tagungstermins und Ortes vorbehalten.
230 Vereinsangelegenheiten. 5 Aiesingr wesen
In dieser Angelegenheit macht sich in letzter Zeit unter Verkennung
der Sachlage und ohne Rücksicht auf die Zustände im Lande, bei einigen
neugebildeten Gruppen der Fachgenossen in den preussischen West-
provinzen eine starke Unruhe geltend. Es wird verlangt, dass die von
uns angeregte Umbildung der Organisation sofort oder in aller-
kürzester Zeit zustande kommen soll, obwohl von Anfang an und wieder-
holt darauf hingewiesen worden ist, dass zunächst die grundsätzliche
Stellungnahme der Mehrzahl der Zweig- und Anschlussvereine vorliegen
müsse, ohne welche jedes Beginnen nutzlob bleiben würde. Es wird
weiter ausser Acht gelassen, dass die bestehenden Fachvereine durch ihre
Satzungen an bestimmte rechtliche Vorbehalte über ihre Auflösung und
die Verwendung ihrer Vermögenswerte gebunden sind. Die bestehenden
Vereine dürfen nicht geschädigt werden. Der geplante Gross-Verein soll
und darf keine Neugründung neben den bestehenden Vereinen
werden, sondern diese sollen als Bausteine, von welchen wir keinen ver-
lieren möchten, zum Neuaufbau verwendet werden. Aus dem Alten Neues
gestalten, ist unser Ziel. Die Verhältnisse liegen für unsere Fachgenossen-
schaft, die immerhin schon eine Standesvertretung hat, nicht so, dass in
dieser Frage eine Ueberstürzung notwendig wäre, so sehr die einheitliche
und geschlossene Verfassung auch erwünscht sein muss. Denn die be-
stehenden Vertretungen arbeiten weiter. So haben die Vorstände der
7. Z. dazu berufenen Vereinigungen in der Zeit vom 2. bis 6. d. Mts. in
Berlin Verhandlungen zu den so unerwartet und dringlich aufgetretenen
Vorlagen über die Abänderung der preuss. Landmesser-Prüfungsordnung,
über die Stellung der Vermessungsbeamten in dem neuen Gesetz über die
Landeskulturbehörden und andere Fragen mit den zuständigen Stellen
gepflogen. Ueber die Ergebnisse ist ein abschliessender Bericht noch
nicht möglich geworden.
Die Vorstandsmitglieder müssen, zumal in dieser Zeit, welche den
unmittelbaren Verkehr, auch den schriftlichen, mit den Fachgenossen be-
sonders für einzelne Landesteile so sehr erschwert und fast aufhebt, das
Vertrauen in Anspruch nehmen, welches sie in ihre Aemter eingesetzt hat.
Sie können nicht genötigt werden, über jeden ihrer Schritte vorerst zu
verhandeln und sofort allgemein Bericht zu erstatten. Schon in Friedens-
zeiten ist das mit den den Vorständen zur Verfügung stehenden Mitteln
und Einrichtungen nicht möglich; noch weniger in diesen Zeiten des Um-
sturzes und der allgemeinen wirtschaftlichen Not auf allen Gebieten öffent-
lichen und privaten Lebens. Die gegenwärtigen Vorstandsmitglieder der
meisten unserer Vereine haben auch Pflichten in ihren Hauptämtern, die
sie mit Arbeiten und Dienstreisen stark in Anspruch nehmen. Darauf
und auf den Umstand, dass die Vorstandsmitglieder, örtlich getrennt,
z.T.inpolitisch gefährdetenGebieten wohnend, schriftlichmiteinander verkehren
Zeitschrift ür Hochschul-, Prüfungs-, Heeres-, Personalnachrichten. 231
VOrDBBEU EEE"
müssen, sollte billige Rücksicht genommen werden. Die Vorstände können
und dürfen sich auch nicht über die durch Satzungen und Vereinshaushalte
gezogenen Grenzen für Ausgaben hinwegsetzen, solange nicht die von uns
angeregte Neugestaltung des Vereinswesens diese leider bestehenden Bin-
dungen und Schranken beseitigt haben wird.
Für die Vorstände des Deutschen Geometervereins und
des Landesverbandes preuss. Landmesservereine.
Im Auftrage: Lote, Steuerrat,
Vorsitzender.
Hochschulnachrichten.
Im Sommersemester 1919 sind bei der geodätischen Abteilung der
Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin 34 ältere und 38 jüngere Semester
eingetragen,
Prüfungsnachrichten.
Feidmesserprüfung in Württemberg.
Durch Erstehen der vom 17.—27. März d. Js. abgehaltenen ausser-
ordentlichen Feldmesserprüfung haben die nachstehend verzeichneten
11 Bewerber:
Allmann, Karl, von Tettnang, Lindenberger, Karl, von Ludwigs-
Armbruster, Friedrich, von Söhn- burg,
stetten, Pfeifer, August, von Welzheim,
Bantle, Albert, von Rottweil, Schwarz, Eugen, von Heselwangen,
Eberhardt, Erwin, v. Giengena.Br., | Spiesshofer, Paul, von Ulma.D.,
Gerlach, Wilhelm, von Döffingen, | Thumm, Rudolf, von Urach,
Kussmaul, Eugen, von Balingen,
das Recht erlangt, nach Massgabe der Verordnung vom 21. Okt. 1895
als öffentliche Feldmesser beeidigt und bestellt zu werden.
Stuttgart, 15. April 1919. Feldmesserprüfungskommission:
(gez.) Hammer.
Heeresnachrichten.
Herr F. Windel, städt. Landmesser zu Barmen teilt mit, dass er
nicht, wie in Heft 3 unter „Heerresnachrichten“ angegeben, am 2. Oktober 1918
das Eiserne Kreuz II. Kl., sondern am 16. Oktober das Eiserne Kreuz
I. Ki. erhalten habe.
Personalnachrichten.
Preussen. Katasterverwaltung. Versetzt sind: die Kataster-
inspektoren, Steurräte Heilandt von Merseburg nach Breslau, Collatz
von Posen nach Minden, die Katasterkontrolleure Sust von Soldau nach
232 Personalnachrichten. Vermossungew ür
1919
Cottbus (Neumessung), Sail nach Soldau, Hundeck von Sullenschin
nach Tiegenhof, Steuerinspektor Albrecht von Tiegenhof als Reg.-
Landmesser nach Gumbinnen, Löns von Luckau nach Vreden, Steuer-
inspektor Breitkreuz von Vreden als Reg.-Landmesser nach Potsdam,
Steuerinspektor Schermer von Potsdam nach Luckau, Steuerinspektor
Klüppel von Uerdingen nach Trier III, Steuerinspektor Quandt von
Berlin-Schöneberg nach Sigmaringen, Steuerinspektor Krause von Springe
nach Berlin-Schöneberg, Siefert von Aurich nach Springe, Balssen von
Stade nach Aurich, Steuerinspektor Fenske von Nakel nach Kolberg, die
Katasterlandmesser Schroeder von Breslau nach Frankfurt a. O., Pape
von Bromberg nach Köslin, Strahlendorf von Bromberg nach Schles-
wig, Schultze von Köln nach Aachen, Männche von Minden nach
Schleswig, Fömmel von Minden nach Schleswig, Eyerle von Minden
nach Wiesbaden, Walter von Marienwerder nach Danzig, Karbies von
Marienwerder nach Danzig, Eichhoff von Marienwerder nach Danzig,
Lettner von Liegnitz nach Frankfurt a. O., Zoch von Hannover nach
Lüneburg, Danielsen von Allenstein nach Schleswig, Ahrens von Lüne-
burg nach Kassel, Schmicker von Osnabrück nach Schleswig, Timcke
von Münster nach Aurich, Gotithardt von Münster nach Schleswig,
Lehmenkühler von Münster nach Osnabrück, Scherer von Münster
‚nach Arnsberg, Giess von Kassel nach Lüneburg, Zühl von Stettin nach
Köslin, Oldehuus von Köslin nach Kassel, Böhm von Erfurt nach Sig-
maringen, Brockmann von Koblenz nach Aachen, Grunwald von Königs-
berg nach Gunibinnen, Schandienst von Danzig nach Potsdam. — In
den Ruhestand versetzt: Katasterinspektor Steuerrat Matthiae in Hildes-
heim, die Kataster-Kontrolleure Steuerinspektoren Cloeren in Beurig,
Zindler in Kolberg. — Verstorben sind: Kataster-Kontrolleur Steuer-
inspektor Moerels iin Kelberg, Reg.-Landmesser Steuerinspektor Erlecke
in Koblenz.
Allgemeine Bauverwaltung. Versetzt sind: die Reg.-Oberland-
messer Montua von Essen nach Danzig, Müller von Hannover nach
Essen, die Reg.-Landmesser Pusch von Wesel nach Hannover, Witt von
Wesel nach Hamm i. W., Pega von Kaukehmen nach Hannover, Kande-
hardt von Insterburg nach Hannover.
Eisenbahnverwaltung: Versetzt ist: Eisenbahnlandmesser Strenge
von Münster zur Eisenbahn-Bauabteilung Sulingen. — Ausgeschieden ist
Eisenbahnlandmesser Faerber in Koblenz, — Verstorben ist: Eisenbahn-
landmesser Rode in Cassel.
Württemberg. Durch Entschliessung der Staatsregierung vom 29. v.Mts.
ist der Bezirksgeometer tit. Vermessungsinspektor Braunger in Ehingen
seinem Ansuchen entsprechend in den bleibenden Ruhestand versetzt worden.
inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: Bestimmung des Maximalabstandes der bayeri-
schen Gausskugel vom Besselschen Erdellipsoid, von Müller. — Die Bezifferung
des Meldegitternetzes in Uebereinstimmung mit den tatsächlichen Koordinaten-
werten, von Baumgart. — Geltung der Fachwissenschaft im Kriegs-Vermessungs-
wesen und ihre Wirkung, von Harbert. — Magnetische Deklination. —
Bücherschau. — Vereinsangelegenheiten. — Hochschulnachrichten. — Prüfungs-
nachrichten. — Heeresnachrichten. — Personalnachrichten.
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart.
Druck von Carl Hammer (Inh. Wilh. Herget), Kgl. Hofbuchdruckerei in Stuttgart.
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1,
XLVIU. Band. a Eu une N Juli
. 7: Heft. . aA ‘ 1919.
or WW
Zeitschrift für Vermessungswesen
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben yon
Dr. O. Eggert,
Professor a. d. Techn. Hochschule in Danzig-Langfuhr
Preis des Jahrganges 10 Mark.
Im Postbezug 10 Mk. 10 Pfg. ohne Bestellgeld.
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart, Schloßstraße 14.
q Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: Ausgleic ang eimer Dreieckskette nach ver-
mwittelnden Beobachtungen, von Galle. — Ueser eine Auswertung von Schichten-
linien mit Hilfe eines transparenten Blattes, von Schwerdt. — Formel zur Be-
rechnung der Refraktion, von Theimer, — Das Luftbild im Dienste des Zivil-
vermessungswesens, von Birr. — Reorganisation der Vermessungsbehörden im
Volksstaat Reuss. — Vereinsnachrichten. — Personalnachrichten. — Berichtigung.
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reichen Nachahmungen.
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der Bauart und Bequemlichkeit der Prüfung und Be-
riehtigung vereinigt. Das Instrument ist unempfindlich
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im Gebrauch und hervorragend feldtüchtig. Es besitzt — ab-
gesehen von der Richtschraube für die Dosenlibelle zur all-
gemeinen Senkrechtstellung der Vertikalachse —
nur eine einzige Justierschraube
und lässt sich von einem Standpunkte
aus innerhalb einer Minute
durch nur zwei Lattenablesungen scharf prüfen. Wenn er-
forderlich erfolgt die Berichtigung durch eine kleine Drehung
der Justierschraube an der Nivellierlibelle. Kippschraube zur
Feineinstellung der Libelle und Libellenspiegel ermöglichen
ein sehr schnelles und bequemes Arbeiten. Dies Instrument
stellt eine völlig neue Art dar, die zu allen Nivellements
für technische Zwecke besonders geeignet ist.
ZEITSCHRIFT ror VERMESSUNGSWESEN
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. O. Eggert,
Professor an der Techn. Hochschule
Danzig-Langfuhr, Hermannshöfer Weg 6.
Heft 7. —
1919. Juli. Ä Band XLVIII.
Der Abdruck von Original-Artikeln ohne vorher eingeholte Erlaubnis
der Schriftleitung ist untersagt.
Ausgleichung einer Dreieckskette nach vermittelnden
Beobachtungen.
In einem von Dr. B. Goldschmidt nach mündlichen Vorträgen von
C. F. Gauss ausgearbeiteten Heft mit dem Titel „Anleitung zur höheren
Geodäsie“ sind am Schlusse „Exempel“ angefügt.) Unter ihnen befindet
sich eine „Ausgleichung des von Leutnant Gauss?) im Sommer 1829 in
Westphalen beendigten Dreieckssystems“, die abweichend von dem üblichen
Verfahren sich auf vermittelnde Beobachtungen stützt und nicht zum wenig-
sten zur Würdigung der Vielseitigkeit der Gaussschen Gedankengänge
hervorgehoben zu werden verdient.
Zunächst soll eine Wiedergabe) der Goldschmidtschen Aufzeichnungen
unter Beifügung der von ihm gezeichneten Dreiecksskizze hier Platz finden,
darauf das Verfahren näher erläutert und zum Schlusse zur Bestätigung
die Ausgleichung nach bedingten Beobachtungen für dieselbe Kette durch-
geführt werden.
Seite 228 ff. des Vorlesungsheftes:
Erste Annäherung Definitiv N
der Orientierung Tableau Fehler‘)
1. Steinberg. (orientiert)
Gegebenes Tableau
3. 360 16° 54,815 547815) —+a
2. 106 46 3 ‚177 erste Seite ı 3,4177
1) Dieses Heft ist mir freundlichst von Herrn Geheimrat Prof. Dr. L. Krüger
zur Verfügung gestellt worden, der mich auf diese Ausgleichung besonders auf-
merksam gemacht hat.
%) Der älteste Sohn Josef Gauss, später Oberbaurat.
®) Einige kleine Schreibfehler und Abweichungen wurden hierin verbessert.
+) In dem Heft ist bei jedem Fehlerausdruck = 0 hinzugesetzt, was hier
fortgelassen ist. Y°
5) Die Grade und Minuten sind fortgelassen.
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft 7. 16
234
Gegebenes Tableau
4.
1
2
=vPg
are
& 332
Erste Annäherung
der Orientierung
2. Bremen. (orientiert)
20° 32°’ 29,015
‚286 46 3 ‚177 erste Seite
3. 339 2 47 ‚930
3. Asendorf. (wie die folgenden nicht orientiert)
25049° 0,000
98 13 32 ‚584
159 2 24 ‚550
216 16 36 ‚731
Benthein
20”,732 + a
53 316-+«
45 282 +4 «u
57 463-4
4. Twistringen.
479 24' 60°,000
. 200 32 32 ‚646
. 278 13 59 ‚575
. 8330 2 38 ‚488
5. Knickberg.
37017° 0,000
87 27 50 ‚460
. 150 3 1,195
. 205 49 53 ‚394
- 55%, 055 + ß
27 ‚701 +B
54 ‚630 + ß
33 ‚543 + ß
29,843 + y
20 ‚303 + y
31 ‚038 -+ 7
23 237 +7
6. Mordkuhlenberg.
160 10° 0,000
838 47 27 ‚812
227 24 24 ‚945
267 26 52 ‚342
14 3 ,609
28" 785 + Ö
56 597 +5
53 ‚730 + 6
21.627 +8
32 3941 + 6
Galle. Ausgleichung einer Dreieckskette etc.
Deißinitiv
Tableau
29,015 + d
3 ‚177
47 ‚930 + b
20,732 + g
53 316 +c
47 ‚930 + b
54 815 + a
Bremen
2
55,055 + K
29 ‚015 +d
53 316 +c
33 543 + f
29°, 843 + 1
20 ‚303 + Ah
33 543 +f
20 ‚732 +9
28,785 + p
56 597 +g
55 ‚055 + k
20 ‚303 + A
32 ‚394 + m
Zeitschrift für
EEE
Fehler
+d
+b
+9—a
+ce—a
+ 2,648 —b— a
—ı2 ‚sa —«
Sender
+k—Bß |
+ 1,314 + d—8
— 1,314 +c—B
IB |
+i=Y
PA)
+ 2,505 +f—y
—2,505 +9—y
+r—6
+g—6
+ 17,325 + k—6
— 1,324 +h— 06
+m—6
Zeitschrift für
Vermessungswesen
1919.
Gegebenes Tableau
8. 730 4° 0,000
6. 152 14 53 ‚224
5. 217 16 53 ‚146
8. Dörenberg.
10. 104049’ 0,000
9. 155 527 ‚277
6. 196 10 41 ‚370
1. 253 3 48 ‚249
9. Queckenberg.
10. 590 7° 0,000
11. 107 3 33 ‚298
6. 268 47 46 ‚461
83355 5 3 ‚855
10. Bentheim.
11. 1900 44° 0,000
9. 239 737 ‚278
8. 284 49 17 ‚263
11. Kirchhesepe.
10. 10044’ 0,000
9. 287 4 7 ,653
Jede der unbekannten Grössen a, db, c pp. kommt nur in zwei Fehler-
gleichungen vor; wir können sie also eliminieren und erhalten 18 neue
nur ÖOrientierungsfehler enthaltende Fehlergleichungen
— 2,648 —«
+ 2,648 —
13m
+ 1,314—B
—= 0
= 0
0
=D
— 2506542 —y = 0
— 3,819 + 4a — ß
+38300—« +48 —y
— 2,562 — a
— 0,816
+ 1,135
— 0,327
+ 3,329
— 2,084
0
—ß
—ß
Erste Annäherung
der Orientierung
7. Nonnenstein.
37,934 + €
31 ,158 +8
31,080 + €
48" 550 4 &
}5 827 +7
29 920 +%
36 79 +
11,054 + n
44 352 +7
57 515-+n
14 ,909-+n
32532 +9
9 81049
49 795 49
34”,616 +
42 269 +
Galle. Ausgleichung einer Dreieckskette etc.
Definitiv
Tableau
31,934 + n
32 ‚394 + m
29 ‚843 + 1
48,550 +
15 ‚8327 + r
28 785 +»
37,934 +n
11,054 + t
44 ‚352 + x
56 597 +gq
15 3237 +r
32”. 532 + u
11 054 +1
48 550 + s
32”,532 + u
44 352 + x
235
Fehler
+n—e
+ 1,236 m — €
— 1,2337 +1—e
ua
+r—t
zZ 1,135 +2-L
+1,35 +n-3
+t—n
+?°—n
— 0918 +9 —n
+0,18+r—n
+u—9
+ 1794 +1—9
— 1,2455 -+s— 9
— 2,084 + u—
+2,03 + 2—ı
— 1325 +7 —5=0 —0,918+8—n7 =0
+ 1325 +8 -—5=0 +0918+5—n7=0
— 1237+y,—Ee=0 — 12455 —9= 0
+ 1237’ +5—.e=0 +1245+n —-9=0
+1135+e—5=0 —20834+9—ı = 0
— 1135 +6 —5=0 +208+n—-I=0
Fundamental-Gleichungen.
—yY — 0
—6 —= 0
+ 4y—65 —e =0
—y +56 —E —{ —ın =: 0
—- 1 —ö6 +3€Ee—| —= 0
—6 —E +45—n7 —9 = 0
od —{ +41 —-9 —ı =Q
—{ — 7 +39 —-4 =0
—n —I +31 = 0
836 Galle. Ausgleichung einer Dreieckskette etc. vermoosungs ir.
Hieraus ergibt sich durch Elimination
«= +08960 = —059 y= +09 = —0,l44 E= — 0,303
= — 0,247 = — 1.005 = +0,134 A = — 0,433,
und wenn man bei diesen Orientierungsfehlern noch eine kleine Aenderung
dergestalt vorninmt,!) dass die Summe der Fehler auf jeder Station, die
beiden ersten ausgenommen, wegfällt, so ergibt sich folgendes Tableau:
Observat. Error. Observat. Error.
1. Steinberg 4. 2270 24° 53,586 + 0,434
3. 3601654315 + 1,204 5. 267 27 21 ‚483 — 0 ‚280
2. 106 46 3 ‚177 0 1. 332 14 32 ‚250 — 0 ,698
2. Bremen 7. Nonnenstein
4. 20032’°29°, 015 — 0,956 8. 730 337,631 — 0,539
1. 286 46 3 ‚177 0 6. 152 14 30 ‚855 + 0 ‚698
3. 3389 2 47,930 — 0 ‚S44 5. 217 16 30 ‚777 —0 ‚158
3. Asendorf 8. Dörenberg
5. 25049’ 21,692 + 1,082 10. 104 48° 48°,303 + 0,811
4. 98 13 54 ‚276 — O0 ‚123 9. 155 5 15 ‚580 — 0 ‚839
2.139 2 46 ‚242 +0 ‚844 6. 196 10 29 ‚673 — 0 ‚516
1. 216 16 58 ‚423 — 1 ‚804 1.253 336 ‚552 + 0 ‚539
4. Twistringen 9. Queckenberg
6. 47024 54 456 — 0,435 10. 590 7° 10,047 — 0,053
2. 200 32 27 ,102 +0 ,956 11. 107 343 ‚345 — 0) ‚758
3. 278 13 54 ‚031 + 0 ‚123 6. 268 47 56 ‚508 — 0 ‚028
5. 330 2 32 ‚944 — 0 ‚643 8. 335 513 ‚902 + 0 ‚839
5. Knickberg 10. Teutheim
7. 37016’ 30,462 + 0,158 11. 1900 43° 32,662 + 0,758
6. 87 27 20 ‚922 + 0 ‚280 9.239 7 9.940 + 0 ‚053
4. 150 2 31 ‚657 +0 ‚643 8. 284 48 49 ‚925 — 0 ‚81l
3. 205 49 23 ‚856 — 1 ‚082 | 11. Kirchhesepe
6. Mordkuhlenbeig 10. 10043’ 34,178 — 0,758
8. 16° 10° 28,641 4 0,516 9.287 341 ‚s3l + 0 ‚758
9. 88 47 56 ‚453 + 0 ‚028
Es handelt sich, wie man aus der vorstehenden Rechnung und der
Skizze ersieht, um eine Kette einfach zusammenhängender Dreiecke, die
keine zu Seitenbedingungsgleichungen führenden Messungen enthält. Durch
die Dreiecksseite Bremen—Steinberg ist die Kette mit der C. F. Gauss-
1) Diese Bemerkung ist nicht verständlich; die Summe der links stehenden
Ausdrücke in der mit „Fehler“ dbersehrichenen Spalte ist abgesehen von den
beiden ersten Stationen für jede folgende Null.
Zeitschrift für Galle. Ausgleichung einer Dreieckskette etc. 237
ee
schen Gradmessung verbunden.!) Die Ausgleichung bezweckt, sie an diese
anzuhängen, um für sämtliche Seiten die orientierten Richtungen festzulegen.
Die Kette umfasst 9 Dreiecke zwischen 11 Punkten mit 19 Seiten.
Alle Richtungen sind gegenseitig beobachtet und die Gewichte der Mes-
sungen sind, wie in der Regel bei den Gaussschen Dreiecksmessungen,
gleich angenommen. Das Dreieckssystem ist bereits auf die Ebene redu-
ziert, so dass die Winkelsummen der Dreiecke 1800 betragen und die
Richtungen in den beiden Endpunkten einer Seite sich um 180° unter-
scheiden sollen.
Die Fehlergleichung zur Bestimmung der Richtung z;., vom Punkte i
nach dem Punkte %k wird, wenn /;., ihr Beobachtungswert, v,,. seine Ver-
besserung und z; eine an alle Richtungen. derselben Station anzubringende
Orientierungsgrösse bezeichnet:
%&r = lo Hi + tor
demnach für die entgegengesetzte Richtung im Punkte A nach dem Punkte &:
Zi = 180 + 0 = sit + ini.
Setzt man %;,ı hieraus in der eısten Gleichung ein (oder subtrahiert
man beide Fehlergleichungen), so entsteht
Zi — %k + (li, — la. i + 1800) zu a Urke
Da die Gewichte der Richtungsmessungen gleich angenommen sind,
so ist u, + Un: = 0, also v’ = 2unı = — 2vir.
Dass die zuletzt aufgestellte Fehlergleichung denselben Beitrag zu
deu Normalgleichungen liefert wie die beiden ersten. ersieht man sofort,
wenn man in kürzerer Bezeichnungsweise schreibt:
— 1 +: +1l=1t ‘
+2. — + l=:
Die reduzierte Normalgleichung für &; (bezw. für >: — 2x) wird nämlich:
1 1 1
(1 - zZ) gatt- gl N=0 oder
1 1 1
y KiTTog +, ll + ‘) =.
Die Fehlergleichung »— + (I +1) = 2v = v liefert aber den-
selben Beitrag, nur mit doppeltem Gewicht. Dies kommt aber nicht in
Betracht, weil alle Messungen gleichgewichtig und je zwei Fehlergleichungen
zusammengefasst sind. |
Die Beobachtungen werden nun nicht unmittelbar verwendet, sondern
in der Art des Anschlusses an fest gegebene Strahlen auf jeder Station
genähert orientiert. Die ersten beiden Stationen sind hiervon ausgenommen,
1!) Vergl. C. F. Gauss Werke Band IX Seite 331 ff. und die Karte zu Seite 434.
938 Galle. Ausgleichung einer Dreieckskette etc. Vermessungs für
weil sie die Endpunkte der als gegeben betrachteten Seite der Gradmessung
sind, so dass die Richtungsbeobachtungen auf ihnen durch die Richtungs-
winkel dieser Seite bestimmt sind. Schreitet man dann von Station zu
Station fort, so ist jeder hinzukommende Punkt durch je zwei Richtungen
von den früher betrachteten Punkten aus festgelegt. Die diesen entgegen-
gesetzten (also um 1800 verschiedenen) Richtungen in dem neuen Punkte
werden als gegeben angesehen und alle anderen Richtungen derselben
Station an sie angeschlossen. Es wird also z. B. auf Station (3): 1800
+3: — ba = %ı, 180%+ 3 —Lb.ı = As“ gebildet und das Mittel
Ay + Ay“
STE
hinzugefügt: us + = 1,5 bat = ln Bat = 1%
lz.ı + A; = Pz.,. Auf Station (4) werden sodann 180° + l,,, und 180°
+ l’; , als gegebene Richtungen angesehen.
Dieser Anschluss an gegebene Richtungen ist gleichbedeutend mit
Einführung von Näherungswerten für die Unbekannte 2 auf jeder Station.
Ebenso werden Näherungswerte für x eingeführt, die aber mit Rücksicht
‘auf die Bedingung &,: = 180% -+ x, für entgegengesetzte Richtungen
so gewählt werden müssen, dass sie sich um 180° unterscheiden.
Gauss setzt die Orientierungsgrössen 23 = «&, 2, = ß u.sf. und be-
zeichnet die Unbekannten z;,» mit a, db, c... fortlaufend für jede Seite
(statt &,; ist überall x;.. eingeführt). Die dritte Kolumne enthält also
!+ 2 (bezw. 2, + 8), die vierte x (bezw. x, +4 &, wenn £ und £ vorüber-
gehend die Korrektionen der Näherungswerte 2, und x, bezeichnen). Die
Differenz x — 2 — I = v ist in der letzten Spalte enthalten. Dann folgen
die 18 neuen durch Elimination der x (also der a, d, c...) oder was
dasselbe ist, durch Subtraktion erhaltenen Fehlergleichungen und die aus
ihnen gebildeten Normalgleichungen, die Fundamentalgleichungen genannt
werden. Ihre Auflösung gibt die 9 Orientierungsgrössen «, ß, y...A.
Wenn man dagegen die Fehlergleichungen für je zwei entgegengesetzte
Richtungen addiert, so ist v,x« + vu: = 0 und da sie dieselbe Unbe-
kannte %;,» (und nur dieses x) enthalten, sind damit auch die Werte &
=4,b,c... bekannt. Z.B. ist für die Richtungen (3, 5) und (5, 3)
0 = 29 —@— y— 2,505 oder 29 = + 1,579 -+ 2,505, also g= -+ 2,042.
Bildet man ferner stationsweise für die ursprünglichen Fehlergleichungen
die Normalgleichungen der Orientierungsgrössen &, ß, y ... , so erhält
man: Null gleich der Summe der Verbesserungen (Gauss nennt sie Fehler)
auf jeder Station, z. B. für Station (3):
zu sämtlichen Richtungsbeobachtungen der Station (3)
44. — 9 —c—b—a
für (4): 48 —k—c—d—f
N)
0 usft.
Ausser für die beiden ersten Stationen fallen daher die Summen der. durch
Einsetzung von @, ß, 7 ... a, d, c... in der Spalte „Error“ erhaltenen
Vormöseungs u Galle. Ausgleichung einer Dreieckskette etc. 939
Verbesserungen für jede Station fort, wie die letzte Zusammenstellung
der Stationsergebnisse von Gauss zeigt.
Zu denselben Normalgleichungen, die Gauss aufgestellt hat, kann man
auch durch eine Ausgleichung nach bedingten Beobachtungen gelangen.
Bezeichnet man mit :0;,. den Widerspruch, den die Beobachtungen in
zwei entgegengesetzten Richtungswinkeln geben, so hat man allgemein
la — Ini — 1809 = ur.
Werden nun jeder Richtung zwei Verbesserungen zuerteilt, deren eine allen
Richtungen derselben Station zukommt und die mit z bezeichnet werde
und eine in den beiden entgegengesetzten Richtungen der Grösse nach
gleiche, dem Vorzeichen nach entgegengesetzte x, so soll
le + 2,2 + 3 — lei — ui — 2 — 1800 = 0 und 2, + ui = 0
sein, also ar tat wir 0.
In der Gaussschen Bezeichnungsweise sind die &.x durch a, b,c...,
die 2; bezw. 2, durch a, ß, y .... zu ersetzen und man erkennt ohne
weiteres, dass in der Fehlerspalte des Gaussschen Tableaus die Werte für
entgegengesetzte Richtungen addiert werden müssen, um diese Bedingungs-
gleichungen zu erhalten. Wir schreiben sie in Form einer Koeffizienten-
tabelle. (Siehe nächste Seite.)
Es ist am einfachsten, die Ausgleichung auf eine solche nach ver-
mittelnden Beobachtungen zurückzuführen. Wir eliminieren dazu die Un-
bekannten a,db,c .... aus diesen Gleichungen mit Hilfe der Beziehungen:
4de=+ta+b+c +9
44 = +e+d+f +k
4 = +f+g+h +
56 = +A+k 4m +p+g
3JEe= +l+m+n
1= +n4p +r4+s
47= +9+r 4 +2
39= +s+t-+u
2ı1= | +u+z
welche aus dem Nullwerden der Fehlersummen auf jeder Station folgen.
Die Addition der Bedingungsgleichungen 1) + 2) + 3) + 6) gibt:
—4«.— 8 —Y+2a-+25b+2c+29—3,819 = +4@« — B—y— 3,819 = 0
Ebenso 3)+4)+5)+8) = —a—4B—y—8+2c+2d4+2f+2%-+ 3,830
= —a+4B—y—5+3,830 — 0 |
5)+6)+7)+9) = —a—B—4y—5—E+2f129-42h+21— 2,561
Zeitsehrift für
Vermessungswesen
1919.
Galle. Ausgleichung einer Dreieckskette etc.
240
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—l . 2002000 i
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‚ —1 —1
eo —1 —1
. ..—_—1-—l1l
. .—l .—1
._1—1
er .„—1-—l1
| ‚—1
— 2,648
+ 2,648
— 1,814
+ 1,314
+ 2,505
— 2,505
— 1,324
+ 1,325
— 1.237
+ 1,236
+ 1,185
— 1,185
— 0,918
+ 0,918
— 1,245
+ 1,244
— 2,084
+ 2,083
= 8 SS. So DO. 5 SS: 8 02 oo 5 ©
Zeitschrift für Galle. Ausgleichung einer Dreieckskette etc. 241
in
)+8) 10) 12) 13) — —B—y—565—€E—n7— I +2h-+-2k-+2m
+27 +29—0,816 = —ß—y+55—8—n
—c—0,816 = 0
9)+10)+11) = —y—85—3E— S+21+2m+2n+1,135
11)+12)+14)+15) = —8—2—45—n—9+2n+2p+2r-+28— 0,327
= —5—E+4{— 7 —9—0,327 = 0
13) +14) +16) +18) = —8—£—47—9—i+2qg+2r+2t1+27+-3,327
= —6—-447—9—1-3,327 = 0
15)-16)-17) = —2—n— 392 +2r+21+24— 2,085
| = —{—7+39—1—2,085 = 0
17)+18) = —n— 9 —24+2u +27 —0,001
= —n7—9-+2%—0,001 = 0
in Uebereinstimmung mit den Fundamentalgleichungen von Gauss.
Man gelangt aber auch zu denselben Ergebnissen, wenn man in üb-
licher Weise nach bedingten Beobachtungen die Dreieckskette ausgleicht.
‘ Zu diesem Zwecke berechnet man die Dreiecksschlussfehler (Winkel-
summe minus 180°):
Dreieck Schlussfehler Dreieck Schlussfehler
e! —+- 5,296 Ri — 3,506
B — 0,020 & — 0,701
6 + 3,696 9 —+ 3,407
DD + 0,144 % + 2,923
€ + 1,149
Im Dreieck h, ti, k ergibt sich der Widerspruch w
(Ins — In) + (lie — lin) + (len — lei) — 1809 = w
während
it — Ir — vn + la + vr — Iia—vin + len + un — Ik — vi — 1800 = 0
sein soll. Man erhält daher Bedingungsgleichungen von der Form
vn + vr + Van — vn — iVm — vn tw = 0
oder, da vi + VRa= vet vi = Une + ven = 0 gesetzt wird,
20: + 20x + 2ur tw = 0.
942 ‚Galle. - Ausgleichung einer Dreieckskette etc. v Anbsnungnwoien
Im ersten ‚Dreieck wird der Gaussschen Annahme entsprechend
uvam —unı=0 gesetzt. Die Gewichte setzen wir für alle Ver-
1 f :
besserungen elsich 2, so dass q — 9 das reziproke Gewicht ist.
Die Koeffiziententabelle der Bedingungsgleichungen und die Normal-
gleichungen folgen auf nachstehender Seite.
Um die Normalgleichungen aufzulösen, kann man ein Verfahren ein-
. „schlagen, das sich im wesentlichen an das von L. Krüger in „Beiträge zur
Berechnung von Lotabweichungssystemen (Potsdam 1898 Seite 36 ff.)“* be-
nützte anschliesst, aber sich deswegen ändert, weil hier der Koeffizient
.. von. W in der ersten Gleichung 4 statt 6 ist.
Bezeichnet man mit A die Determinante des Systems der ‘Normal-
gleichungen, die Widersprüche mit »ı ... 09, so ist 4..A=w, 4ı.ı + 124, ı
+ + %g. As. wenn Ar.ı .«- As.ı die Unterdeterminanten bezeichnen,
die zu »ı ... 2, gehören, falls die Widersprüche an Stelle der Glieder
der ersten Horizontalreihe treten. Ganz entsprechende Gleichungen be-
stehen für die andern: Korrelaten, wenn die Grössen » in der 2., 3. u.s.f.
Horizontalreihe eingesetzt werden, indem dann rechts wiederum die Unter-
determinanten von wı ... .. #9 gebildet werden, während links überall A bleibt.
Zunächst setzen wr = 2. 4‘, indem alle Koeffizienten durch 2
dividiert werden, so dass |
4 = +21
—1+3—1
—1+3—1 |
|
—1-+ 3 wird.
Wir bilden nun die a. a. O. angegebene Zahlenreihe der auch bereits von
Gauss..(vergl. Werke Bd. IX S. 260, 516) verwendeten N, die der Rekursions-
formel — N;_ı + 3N; — N;4ı = 0 genügen und die Anfangswerte No
= 0, N =1 haben. Bildet man sodann die Differenzen N; — N; _ı = N“,
so erfüllen die Zahlen N’ dieselbe Bedingung — N; _ı +3 N, — N, =0,
es ist aber N, = N’; = 1 zu setzen.
Multiplizieren wir nun in 4‘ der Reihe nach elle Horizontalreihen
mit N, No, ... N’, und addieren zu jeder so erhaltenen alle voran-
‚stehenden - hinzu,: so erhalten wir
N,.Ny....NM.4t= MM .
0 MM,
a 0 +, —XN,
| 0 +,
et 89H 3 — |
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Galle. Ausgleichung einer Dreieckskette etc.
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244 Galle. Ausgleichung einer Dreieckskette etc. Zeitschrift für
Verm FULSEETDESWENON
wobei auch die leeren Stellen durch Nullen zu ergänzen sind. Der Wert
dieser Determinante ist aber (wenn wir N, = 1 als Faktor hinzusetzen)
N, .Ng...N,. N, mithin 4 —= N ı0 = 4181 (allgemein für eine n glied-
rige Determinante derselben Form 4A, = N'..ı).
Um die Unterdeterminanten zu bilden, müssen wir noch die »reihige
Determinante von der Form
ee
u,_ | -143-1
—1+3-1
in derselben Weise behandeln, indem wir ihre Reihen bezw. mit N,, N,
. N„ multiplizieren und wiederum alle voranstehenden Horizontalreihen
zu den ihnen folgenden addieren. Auf diese Weise erhalten wir V„—= N.+1.
Die Unterdeterminanten, die bei der Berechnung der Korrelaten auf-
treten, reduzieren sich ebenfalls, wie die Hauptdeterminante, auf das Haupt-
glied einer Determinante. In der Unterdeterminante Ar.;, die man sich .
durch Tilgung der %.Spalte und :. Zeile der Hauptdeterminante 4 ent-
standen denken kann, unterscheiden wir, von links oben beginnend und
’ rechts herumgehend, vier Quadranten, die durch das
I ır Kreuz der getilgten Spalte und Zeile gebildet werden. Der
I. Quadrant enthält A — 1 Spalten und © — 1 Zeilen. Wenn
II IV h <i ist, multiplizieren wir die a — 1 Spalten nacheinander
mit N’, ... N’,_ı und addieren alle vorangehenden zu der ihnen folgenden
Spalte. Dann werden die Glieder der Hauptdiagonale N’ı... N‘, wäh-
rend rechts (oben) von derselben nur Nullen stehen. (Für << %h ver-
tauschen sich aus Gründen der Symmetrie Spalten und Zeilen und die
Nullen stehen unten (links) von der Hauptdiagonale.) Im Il. Quadranten
(im andern Falle, dass h > : ist, imIV.) treten <— Ah (bezw. — i)Glieder— 1
in der Hauptdiagonale derUnterdeterminante auf, während rechts oben (andern-
falls links unten) nur Nullen stehen. Im III. Quadranten bleiben » — % Spalten
(rn — i Zeilen). Wenns — h>n—i(n—i>n — h) ist, multiplizieren
wir die n— kA + 1 letzten Spalten (n — #1 letzten Zeilen), welche
von 0 verschiedene Glieder enthalten, mit Ni... Nn-n+ı (bezw. Nn-i+1)
und addieren jede vorangehende zu allen en Spalten (Zeilen). Dann
enthält die Hauptdiagonale die Werte Nı... Nn_n (Nn-:) und es stehen
rechts oben (unten links) von ihr nur Nullen. Infolgedessen hat die ganze
Determinante A».; auf der Seite rechts oben (bezw. unten links) der Haupt-
diagonale nur Nullen und reduziert sich auf das Hauptglied. Um ihren
Wert zu bekommen, müssen wir mit dem Produkt der Multiplikatoren
ihrer Spalten (Zeilen) dividieren, wodurch erhalten wird: (s. S. 246
245
Galle. Ausgleichung einer Dreieckskette etc.
Zeitschrift für
Vermessungswesen
-u9qa333 ("WECI 'S ‘SEE "PA “IydeN 'ı8y ‘usdunydrajdfewion N0A sula3sÄg uajjeIzads sautd Zunsoymmy atq)
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NEN + EN NEN + NN + NN + NN + NEN + WEN
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NN ENT HN NN NN NEN + NN
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% . ET Z
246 Galle. Ausgleichung einer Dreieckskette etc. Zeitschrift für
YERNBR INBEWEREN
Aus = N; (— 1) N (bezw. Ai = N’ — IR Nacrcı)
Diese Unterdeterminanten treten nun mit wechselndem Vorzeichen in die
Ausdrücke für die Korrelaten ein; dieses bestimmt sich durch den Faktor
(— 1)*t.. Es folgt mithin, wenn %k (k=1...n) die Korrelate be-
zeichnet,
2 N’azıkn
i=h , Ze izn
= ae 1)r+! w; N'; (Nr Na_arı ie N
= ! Damen -
i=h u i=n
= Nn-n+13wi N’; + Na3wNn-ırı
i=1 i=h-+1
i=h-1 , i=n
= Nn-n41 31 N + NW Nn-i+1 .
1= =
Im vorliegenden Falle erhalten wir für die Korrelaten, die wir mit
U,B,&... bezeichnet hatten, die auf vorstehender Seite stehenden Gleichungen.
Zur Berechnung kann man links von der Diagonalreihe den gemein-
samen Faktor N, rechts N’ herausnehmen. Man erhält:
A = — 1,803 D = — 0,436 ® = + 0,027
B=- 0958 € = -057 9= —0812
G = — 1,081 5% = + 0,541 = — 0,758
und die Verbesserungen
vo=uyı=0 Ur =—Us = —0",698
0.3 = — 03.1 = + 1,803 VG = — is —=—0 ‚514
93 = — 09 = —0 ‚845 va =—%s —=-0 ‚027
29,4 = — 14,9 = —0 ‚958 7, =—ur = —0 ‚54l
23.4 Zu —0 ‚123 Go = —- Ws = —0 ‚839
bs — 37 +1 ‚081 %n = dos = +0 ‚12
4 = — 4 —0 ‚645 09.10 = — dn.g = —0 ‚054
4 = — uam —0 ‚436 %Yı = — dur. = —0 ‚758
V. = — Vs = +0 ‚279 v%0,1 = — tu. = +0 ‚758.
Yı=—us= +0 ,157
Diese Werte stimmen innerhalb der Rechnungsgenauigkeit mit den
von Gauss erhaltenen überein. Es wird sich wohl selten Gelegenheit
Lieten. das Gausssche Verfahren anzuwenden, es ist aber so eigenartig,
dass es gerechtfertigt erscheint, darauf aufmerksam gemacht zu haben.
A. Galle.
nn He
Zeitschrift für‘ Schwerdt. Ueber eine Auswertung von Schichtenlinien etc. 9247
TORE EREN
Ueber eine Auswertung von Schichtenlinien
mit Hilfe eines transparenten Blattes.
Von Hans Schwerdt.
Soll nach einer Karte mit Höhenschichtenlinien ein Gelände be-
urteilt werden, so istes in vielen Fällen wertvoll zu wissen, ob zwischen
zwei Punkten, einem höher gelegenen, A, und einem tieferen, A,
Augenverbindung möglich ist oder nicht. Selbstverständlich ist die
Frage sofort zu verneinen, wenn die Verbindungsgerade der betrach-
teten Kartenpunkte von Schichtenlinien mit höherer oder gleich hoher
Bezifferung geschnitten wird, als die Höhenzahl von A, dem höheren
der beiden Punkte, beträgt. Jn der Mehrzahl der übrigen Fälle ist
eine Entscheidung aber nicht ohne weiteres möglich. Man ist ge-
nötigt, in bekannter Weise mit Hilfe der Schichtenlinien ein Profil
des Schnittes AA, aufzunehmen. Dann ist man, — von Bewachsung
des Bodens usw. abgesehen, — in der Lage, die Frage zu beantworten.
Dieses Verfahren ist aber zeitraubend und umständlich.
Die folgende Mitteilung gibt einen rascheren Weg an, der im ein-
zelnen Fall ohne Zeichnung zu einer (seländebeurteilung im besproche-
nen Sinne führt, nämlich mit Hilfe eines transparenten Blattes.
Fig. 1.
In Fig. 1 sei ein Profil mit dem Geländeverlauf 4,4, .. An.. A
aufgenommen. Die Schichtebenen mit den Höhenzahlen H,H,..Hn
werden von dem Geländeschnitt in den Punkten bezw. 4,4; -. An,
von der Sichtgeraden A, A in den Punkten bezw. B,... B„ geschnitten.
Für den Fall, dass die Augenverbindung möglich ist, ist offenbar not-
948 Schwerdt. Ueber eine Auswertung von Schichtenlinien etc. a armen ns SE
wendig und hinreichend, dass (in der hier getroffenen Anordnung)
A, links von B, usw., A» links von B„ liegen. In der Karte er-
scheinen nicht die Punkte A„, sondern deren Projektionen Aw. Wegen
der Gleichheit 4’ Au = HnAs» ist die eben aufgestellte Bedingung:
„Jedes An’ muss links von B„liegen“, (wobei der Indexnangibt, dass
beide Punkte zur selben Höhe H„ gehören).
4' A,’ < Hy, Ba.
Diese Bedingung ist leicht zu prüfen, wenn die in der Zeichnung stark
ausgezogene Figur schichtenweise von O zu 1 zu 2...zu n sich selbst
parallel längs der Geraden AA’ über die Gerade 4’ A,‘ auf der Karte
hinweg geführt wird.
Daraus ergibt sich sofort die Konstruktion einer durchsichtigen
Tafel, die man über die Karte hinweggleiten lässt. Nach Art der
starkgezeichneten Fig. 1 bereitet man eine grosse Reihe von Sicht-
geraden A A, vor (Fig. 2). Der Massstab der Höhenachse A 4’ ist
o,A
$
10
18
20
23
30
35
«-A,>
Fig. 2.
beliebig, (da über ihn keinerlei Voraussetzungen getroffen sind). Auch
die Winkel, unter denen die Sichtgeraden gezeichnet werden, können
beliebig gewählt werden. Hat man diese Konstruktion einmal auf Paus-
papier hergestellt, so kann man mit ihr jeden einzelnenFall ohne Zeich-
nung behandeln. Ist dieKarte mit Schichtenlinien der Differenz 5 Meter
gezeichnet, so wird die Höhenachse mit den Zahlen 5, 10, 15 usw. be-
ziffert. Mit Rücksicht auf den praktischen Gebrauch werden ferner
die Sichtgeraden vorteilhaft nach Art der Funktionskalen mit den Wer-
ten der Neigungswinkel versehen. Auf diese Weise ist für die Mass-
stäbe 1:10000 und 1:25000 das Blatt Fig. 3 entstanden, das sich
von Fig. 2 lediglich durch die (für den Zweck der hier behandelten
Aufgabe aber unwesentliche) Bezifferung unterscheidet.
Die Anwendung des Blattes (Fig. 3) ist nun folgende: Es soll ge-
prüft werden, ob zwischen den Punkten P und @ des Kartenausschnit-
Zeitschrift für. Schwerdt. Ueber eine Auswertung von Schichtenlinien etc. 249
Vermessungswesen
1919.
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Fig. 3.
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45
50
Ay
Sr 1
oO =
tes (Fig. 4) Sichtverbindung möglich ist. Man liest aus der Karte
den Höhenunterschied 350 — 300 = 50 m ab. Der höhere Punkt
ist P. Es wird der Punkt „50“ der Höhenachse auf P’ gelegt und die
Höhenlinie 50 mit @ zur Deckung gebracht. Q liegt auf der Sichtlinie
3° (1:10000). Jetzt verschiebt man das Blatt so, dass P dauernd Auf
der Höhenachse bleibt und die Linie P Q nacheinander von den Aöh
linien 45, 40, 35 usw. überdeckt wird. Z. B.: ER
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft 7.
by.
@7*
ka
17
2503 Schwerdt. Ueber eine Auswertung von Schichtenlinien etc. Vermessnge für
NN
RT Mh er Me cr 200 300 400: 500m
1:10000
Fig. 4.
P von 45 gedeckt: die Schichtenlinie 350 — 45 — 305 liegtflinks von 39
P,„4%0 „ : i 350—40 =310 5„ „3
usw. 5
Bei der weiteren Durchführung ist leicht ersichtlich, dass die Sicht-
verbindung P @ möglich ist. Prüft man dagegen P R, so findet man:
Höhenunterschied 350 — 305 = 45 m. Das Blatt wird mit der Zahl
45 auf ?P aufgelegt. R liegt auf der Sichtgeraden 4%, P von 40 gedeckt:
die Schichtenlinie 350 — 40 = 310 fällt rechts von 4°, die Sichtver-
3ER N
m ”- 7000
Fig. 5. N
bindung ist nicht möglich. Zur Kontrolle ist das Profil Fig. 5 bei-
gegeben, '(Höhenmassstab 1: 1000). .
Es ergibt sich nun sofort die Frage, wieviel Meter die Sichtgerade
an den einzelnen Punkten über dem Boden verläuft oder vom Gelände
überhöht wird. Wie weit dürfen in den eben behandelten Beispielen
die Schichtenlinien sich den Geraden 3° bezw. 40 nähern, ohne die.
Sichtverbindung zu gefährden?
an! . «ft \
er) a ae N s and ee,
Zeitschrift für -Schwerdt. Ueber eine Auswertung von Schichtenlinien etc. 9251
En
In Fig. 6 ist ein Ausschnitt der Figur 1 für die Höhe A„ dar-
gestellt. Es ist sofort ersichtlich, dass man vom Punkte 4. aus pa-
rallel zur Höhenachse bis zum Schnitt C„ mit derSichtgeraden zu gehen
hat, und dass man dann die Grösse A„C“ links am Höhenmassstab
ablesen kann. Sinngemäss verfährt man in dem Fall, dass das (felände
FAR Bn
Fig. 6.
die Sichtgerade überhöht. Z. B. der Punkt $ (Höhenlinie 350 — 320
= 30) liegt 6 m unter’der Sichtgeraden 3°, wie man sofort auf dem
Biatt Fig. 3 ablesen kann. (Zur Kontrolle Fig. 5.)
Ein anderes transparentes Blatt besitzt gegenüber dem erstbe-
schriebenen den Vorteil, dass es nicht über die Karte hinweggescho-
ben werden muss, sondern, einmal aufgelegt, in dieser Lage bleibt,
hat aber den Nachteil, dass es unter Umständen grösser angefertigt
werden muss, wodurch die Handlichkeit verringert wird. Die Tafel
werde im folgenden kurz beschrieben:
Denkt man sich in Fig. 1 die Projektionen B’By. . . gezeich-
net, so teilen sie die Strecke A‘ A,’ inn gleiche Teile, wenn der Höhen-
unterschied zwischen A und A, 5.n Meter beträgt. Zur Prüfung der
eingangs gestellten Aufgabe ist also allgemein A‘A, in n gleiche
Teile zu teilen. Liegen dann alle A»’ dichter am höheren .Punkt als
die gleich bezifferten B»’ (d. h. in der hier getroffenen Anordnung
links der zugehörigen B,‘), so ist Augenverbindung möglich, andern-
falls nicht. Dies führt zur Konstruktion der Tafel Figur 7. Sie ist
lediglich als Zusammenstellung verschiedener, in gleiche "Abschnitte
geteilter Strecken anzusehen, die, wie sich auch zeigen wird, 'auf
irgend eine andere Art vorgenommen werden kann. Die Parallel-
linien können vorläufig in beliebigem Abstande gezogen werden, die
Teilung ist von 20 zu 20 betont; die überstehenden Abschnitte bei 0
sollen zur leichteren Orientierung eine Zuordnung von Zwanziger-
linien der Karte und der Tafel ermöglichen. Der Gebrauch der Tafel
ist sofort verständlich. | .
Die Ablesung der Überhöhung h Meter bedarf jedoch einer beson-
deren Bezifferung. Aus der Karte entnjmmt man den Entfernungs-
952 Schwerdt. Ueber eine Auswertung von Schichtenlinien etc, Zeitschrift für
y ET ERRER
2
Fig. 7.
Dr En
ZER
410
15
wert An’ Bw (Fig. 6) zu a Meter. Jn der ‚Tafel beträgt dann die
Strecke An Bun (= Au’ Bu) = 100 7 cm, wenn der Massstab 1 :M ist.
Beträgt die Entfernung By’ B‘„+1 = b cm, so besteht die Proportion
hMeter _ 100.a
5 Meter —— M :b, d.h.:
h= a. :b — a.Z/.Meter.
Da man a gewöhnlich in 100 m abliest, die Angabe h aber in m
haben will, so sind in Fig. 6 links und rechts die hundert-
fachen Werte Z’ und Z für die Massstäbe 1:M' = 1:10000 und
100 .. 500
u ce
M'.b.
1:M — 1:25000 angeschrieben, also links die Ziffern
Zeitschrift für_Schwerdt. Ueber eine Auswertung von Schichtenlinien etc. 253
Vermessungswesen
rechts nn Beispielsweise liegt der Punkt $ (Fig. 4) bei Be-
trachtung der Linie PR etwa 30 m rechts von seinem zugehörigen
Teilpunkt. An der (ieraden steht (1:10000) die Ziffer 7, also über-
höht der Punkt S die Sichtlinie PR um 0,3.7 = 2 m, wie das
Profil (Fig. 5) bestätigt. |
Die hier behandelten Tafeln stellen spezielle Fälle von allgemei-
neren beweglichen Rechenblättern dar. Der Einfachheit der Erklä-
rung halber ist zur Herleitung der rein geometrische Weg gewählt
worden. Der hier zugrunde liegende’ allgemeinere Fall soll Gegen-
stand einer späteren Arbeit sein.
Es werde noch einiges über die Abbildungsmöglichkeit der Ta-
[eln hinzugefügt. Wie an anderer Stelle gezeigt worden ist,*) lassen
sich aus einer einzigen Tafel durch Abbildung verschiedene andere
herleiten, die derselben Aufgabe dienen. In der Fig. 3 muss bei
allen Abbildungen die Abszissenachse erhalten bleiben. Werden die
Abszissen nit x, die Ordinaten mit H bezeichnet, so hat die in Fig. 3
dargestellte Geradenschar die Gleichung
Hz=x.N.
Schreibt man dafür
r=-.H,
j $% e 1
und stellt diese Schar im Koordinatensysten («. ar
4
sich die Tafel Figur 7**). Es ist möglich, die geteilten Strecken der
) dar, so ergibt
Fig 7 als Radien einer Spirale anzuordnen.
Zusammenfassung.
Es werden auf geometrischem Wege zwei durchsichtige Tafeln
hergeleitet, die eine Auswertung der Höhenschichtenlinien bei der Frage
nach Sichtverbindungen gestatten und damit eine Profilzeichnung er-
übrigen. Nach Durchführung einiger Beispiele wird auf die Möglich-
keit hingewiesen, aus diesen Tafeln andere, demselben Zweck die-
nende herzuleiten, und im besonderen gezeigt, dass beide Blätter
(3 und 7) verschiedene Darstellungen derselben, nämlich der Sicht-
geradenschar, sind. Hans Schwerdt. Dez. 18.
*) Schwerdt, Ueber graph. Darst. m. Kurvenscharen, Physik. Zeitschrift
1917, S. 45. 0
*) 2.2. 0., 8. 48. | Ä |
Anmerkung: cf. hierzu die in dieser Zeitschrift veröffentlichten Aufsätze:
Reitz 1877,31; Wehn 1880, 227; Schmeling 1881, 106; Wagner 1886, 145;
Radder 1888, 334: Hammer 1888, 214; Vosyka 1888, 375; Jordan 1888, 479;
$ywie R. Rothe, Darstellende (seometrie des Geländes, Math. Biblioth. Nr. 14.
Leipzig 1914.
954 'Theimer. Formel zur Berechnung der Refraktion. Vermessung für “
Formel zur Berechnung der Refraktion.
| Von Theimer.
Aus der Physik ist folgende durch Versuche festgestellte Tatsache
bekannt:
Tritt ein Lichtstrahl aus einem optisch dünneren in ein optisch
dichteres Medium über, dann erleidet er an der Trennungsfläche beider
Medien eine Brechung zum Lote.
hs = ”
U te u ,.c,n
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° 6.0058
-.* .°
ig. 1
Fig. 1.
In Fig. 1 sei:
UT" die kugelförmige Trennungsfläche zweier Medien I und 1],
C der Mittelpunkt dieser Trennungsfläche,
E der Einfallspunkt des Lichtstrahles S,
CL das Einfallslot,
$%ı der Einfallswinkel,
£s der Brechungswinkel.
Ist das Medium II optisch dichter als das Medium I, dann ist nach
dem oben zitierten Satze
21 > 25;
= N,, nennt man bekanntlich den „relativen
das Verhältnis --
me
Brechungsindex zwischen den Medien I und II“.
‚Bestehen diese Medien insbesondere aus ein und demselben Gase, und
unterscheiden sie sich lediglich durch die Verschiedenheit ihrer Dichten.
dann gilt, wie durch Versuche festgestellt ist, die Relation:
N (+ 2,\2
=) 14. 0
’
wobei dı die Dichte des Mediums I
oo, bedeutet.
ö, die Dichte des Mediums Il
: aessuige für Theimer, Formel zur Berechnung der Refraktion. 955
Ist der Dichtigkeitsunterschied (8, — 61) der betrachteten Gasschichten
eine kleine Grösse, dann kann man angenähert setzen:
sinz,
sin 2,
= Site. 2145.) (2)
Angenommen, die Dichten der betrachteten Medien unterscheiden sich
unendlich wenig, dann wird &, — di = dö und = zı — dz; somit er-
hält man nach (2):
sin,
sin(2, — dz)
sinz, ,
sinz, — cos2,.dz '
c
PERS l+ydb en
oder
Q.
i c
2. Sina. dö — 9 60821 .dzdö = cuszı .dz
En en
Nullante II. Ordnung
Mithin kommt endgiltig
dz — 5 1921.48. (3)
Denkt man sich nun die Erde entsprechend der Fig. 2 mit kugel-
föürmigen, in sich homogenen, nach oben zu in ihrer Dichte abnehmenden,
konzentrischen Luftschichten umgeben, dann erleidet ein Lichtstrahl S,
von einem in nahezu unendlicher Entfernung befindlichen Gestirn @ kom-
mend, nach dem Eintritt in die Atmosphäre, beim Uebergange von den
höheren zu den tieferen Luftschichten, sukzessive Brechungen zum Lote.
na +G
Fig. 2.
Die Folge dieser Brechungen ist, dass der im luftleeren Raume sich
geradlinig fortpflanzende Lichtstrahl innerhalb der Atmosphäre eine gegen
die Erdoberfläche konkave Kurve beschreibt, welche bekanntlich den Namen
„Refraktionskurve“ führt.
Denkt man sich im Punkte A der Erdoberfläche das Auge eines Be-
obachters, so verlängert dieses den eintretenden Lichtstrahl in der Rich-
256 Theimer. Formel zur Berechnung der Refraktion. _ Zeitschrift für
neh ve erme ST haben
tung der Tangente der Refraktionskurve nach rückwärts, wodurch das Ge-
stirn @ nicht an seinem wahren Orte, sondern irrtümlicherweise in der
Richtung nach G° zu gesehen wird.
{.. Der Winkel G’AG = r heisst der Refraktionswinkel und sein Ein-
fluss auf die Messung der Zenitdistanz des Gestirns G ist aus Figur ohne
weiteres ersichtlich:
Bedeutet:
\ 2° die scheinbare (gemessene oder beobachtete) Zenitdistanz ! des Gestirns
(z die wahre (wegen Refraktion verbesserte) Zenitdistanz \ G,
dann wird |
= .'+r (4)
Die Kerdare in der Richtung des Lichtstrahles beim Uebergange
von einer unendlich dünnen Luftschichte zur anderen ist t dur ch Gleichung 8 )
definiert.
,. Der Refraktionswinkel r aber ist nichts anderes als die Summe aller
aleser Aenderungen längs der Refraktionskurve innerhalb der Erdatmosphäre.
“Mithin kann r als bestimmtes Integral dargestellt werden durch eine
Gleichung von der Form
ö
Be 3 /ts .dö (5)
: 0
"Da zı längs der ganzen Refraktionskurve von Punkt zu Punkt variiert
und man nicht imstande ist, die jeweiligen tatsächlichen Verhältnisse in
den höheren Luftschichten zu erforschen, .so möge näherungsweise die An-
nahme gemacht werden, dass.
zı = z' — konstante. (6)
Damit erhält man aus (5):
Ö
r = Stgr.fas — 192.0 (7)
0
wobei ö die Luftdichte im Beobachtungsorte A bedeutet.
Bezeichnet man die Dichte der Luft bei 00 Celsius und 760 mm Baro-
meterstand mit ö, und die herrschende Luftdichte in A bei t0 Celsius und
BD: mm -Barometerstand mit. ö, dann besteht nach dem Gesetze von Ga)-
Lussoc-Mariolle die Beziehung:
B ö |
ol trei)
F 1 i .
wobei « = PIE} den Ausdehnungskoeffizienten der Luft bedeutet.
%
Zeitschrift für Theimer. Formel zur Berechnung der Refraktion. 257
Va En
Damit wird
d6 = Ö. 6er \ R (>)
(8) in (7) eingesetzt liefert
C.6, 273 j B
=, Nr ”
B
Ion, ,: (0 = 206.265”)
.6,
.— — 0000 292 69
somit
2753 C OR ®
0.766‘ 9 se 9]
damit folgt aus (9):
"37371 er
Die vorstehende Refraktionsformel hat den Vorteil, von Refraktions-
tabellen unabhängig zu sein und bis zu den grössten Zenitdistanzen (über 800)
auch unter den extremsten und ungünstigsten Temperatur- und Luftdruck-
verhältnissen gut brauchbare Resultate zu liefern.
So erhält man zum Beispiele:
nach Formel (10) nach Refraktionstabellen
(= == 800
für , = — 100 a: 5.10%
| B = 680 mm
\- = 800
für st —= + 300 EN r— 4 24
er — 680 mm
\- — 800
für = — 100 vr = 5’ 49" r = 5 48"
B: — 70mm
\- — 800
fürn t— + 300 u: u. r— 5
[2 — 770 mm
(= == 500
für = + 150 EN le 4” re 10 44
[2 — 720 mm
Zeitschrift für
tr.
958 Birr. Das Luftbild im Dienste des Zivilvermessungswesens. „
Das Luftbild im Dienste des Zivilvermessungswesens.
Von Regierungslandmesser Birr.
Der Weltkrieg hat durch seine Nöte uns in verschiedener Hin-
sicht erfinderisch gemacht und dadurch Werte geschaffen, die auch
nach dem Kriege unsere Arbeit wesentlich fördern werden.
Nicht wenig ist dies auch in bezug auf das Vermessungs- und
Kartenwesen der Fall. Es hat sich hier bereits im Kriege durch
Zusammenwirken der Flieger und der Vermessungsabteilungen ein
Verfahren zur Ausnutzung des Fliegerbildes für die Kartenverbesse-
rung herausgebildet, woran auch das Zivilvermessungswesen .in Zu-
kunft nicht achtlos vorübergehen kann. Das Luftbild hat sich so
weit entwickelt, dass es bei verschiedenen Aufgaben des Land-
messers eine brauchbare Unterlage bilden kann. Es drängt sich
dem Landinesser, der im Kriege mit Fliegerbildern beschäftigt war,
die Erwägung auf: „Wie weit kann das Luftbild der Zivilvermessung
nutzbar gemacht werden?“
Das Luftbild hat gegenüber der Karte mehrere Vorteile:
1. Es ist unabhängig von der Unvollkommenheit menschlicher Sin-
neswahrnehmungen und gibt deshalb das Gelände, soweit es
nicht dem Auge verborgen ist, naturgetreu und bis ins Einzelne
wieder. Es bildet also eine unbestechliche Urkunde für den
augenblicklichen Zustand einer Gegend in bezug auf Bebauung,
Lage von Grenzen, Wege, Wasserläufe; Brücken, Wehre, Bäume.
2. Es ist anschaulicher, übersichtlicher, plastischer und die aufge-
nommene Gegend daher für jeden Laien leichter erkennbar.
Gründe:
a) Das Vorhandensein jedes dem Auge sichtbaren Gegenstan-
des in seiner natürlichen, dem Auge gewöhnten Form.
b) Das Fehlen von Hilfslinien, Signaturen und Beschriftung.
c) Das Vorhandensein der die Plastik fördernden Schatten.
3. Die Ausnutzbarkeit zu plastischer Beobachtung mittels Raumglas
und damit auch die Möglichkeit, die Höhenunterschiede des
Geländes körperlich zu betrachten. |
Demgegenüber muss als Nachteil aufgeführt und nachdrücklich
betont werden: „Das Luftbild ist nicht geeignet, eine Karte zu er-
setzen, welche die Grundlage zum Nachweis des Eigentums bilden
soll, wegen
a) einer gewissen Verzerrung, insbesondere bei unebenem Gelände,
b) Ungenauigkeit der Angaben von Höhe, Neigung und Verkantung,
c! Unschärfe der Linien durch Verschattung und Verdeckung.
Das Luftbild kann also nicht die Katasterkarte .ersetzen, auch
: Zeitschrift für Birr. Das Luftbild im Dienste des Zivilvermessungswesens. 259
en
kann die Katasterkarte nicht auf Grund von Luftbildern hergestellt
oder ergänzt werden. '
Das augenblicklich gebräuchlichste Fliegerbild ist das mit einer
Kammer von 50 cm Brennweite senkrecht in etwa 5000 m Höhe
aufgenommene. Es ist, bei günstiger Beleuchtung aufgenommen, deut-
lich genug und gestattet z. B. auf den Bahnhöfen die Wagen und die
Greleise zu zählen. Da die verwendete Plattengrösse 13:18 cm beträgt,
so wird durch ein Bild aufgenommen:
bei 4000m Flughöhe ein Geländeabschnitt von 150 ha im Massstab 1: 8000
n 5000 „ n ” n n„ 234 „ n » 1: 10000
„ 2500 „ : - : 5 DI : 1:5000.
Es kann also durch ein Luftbild ein guter Übersichtsplan geliefert
werden für eine kleine Ortschaft, ein zusammenliegendes mittleres
Gut, einen grösseren Bahnhof, eine Fabrikanlage oder eine ähnliche
andere wirtschaftliche Einheit. Reicht ein Bild nicht aus, so lassen sich
mehrere zu einem Reihenbild oder einer Luftbildkarte hinreichend
genau zusammenkleben. Zur Entnahme von Massen für Übersichts-
karten kann iman das Bild vergrössern und in einen peliebigen Mass-
stab bringen.
Wenn ich nachstehend einiges über die Verwendungsmöglichkeit
des Luftbildes in den einzelnen Fächern des Zivilvermessungswesens
sage, so kann dies nichts Erschöpfendes sein, sondern soll nur zu wei-
teren Erwägungen und Versuchen auf diesem Gebiet anregen.
Bei der Landesvermessung dürfte in Zukunft das Luftbild wesent-
lich zur Herstellung der Messtischblätter mitbenutzt werden und be-
sonders die topographische Aufnahme erleichtern. Bei der Zivilver-
messung kommt es nicht als Ersatz für die Karte oder deren Unterlagen
in Betracht. Es kann da lediglich neben der Karte benutzt werden
zur Veranschaulichung, Übersicht und Beurkundung. Es kann insbeson-
dere eine geeignete Unterlage für Entwürfe bilden und bei häuslicher
Prüfung von Entwürfen und ausgeführten Anlagen wertvolle Dienste leisten.
Katasterverwaltung. Das Luftbild kann bei der Katasterneu-
messung einen Vorriss liefern, der den Bearbeiter selbst, sowie auch die
leitende und prüfende Behörde auf jeden Gegenstand des Geländes
aufmerksam macht, welcher für die Ausmessung in Betracht kommt.
Kein Gegenstand kann dabei übersehen und über jeden an der Hand
des Bildes vor der Aufnahme gesprochen werden. Jnsbesondere kann
dies bei der Kolonialvermessung oder bei Neuaufnahmen in neuerwor-
benen Gebieten von Bedeutung sein.
Bei Neumessung von Ortschaften und Städten, für die teilweise
in den Karten des Katasters nur schlechte Unterlagen, z. B. ‚„unge-
trennte Hofräume“, vorhanden sind, liefert das gute Luftbild eine Über-
960 Birr. Das Luftbild im Dienste des Zivilvermessungswesens. _ Zeitsehrift für
i Vermessungswesen
1919.
sicht, auf der jedes Haus und fast jedes Grundstück mit seinen Grenzen
(Mauern, Hecken usw.) erkennbar ist. Insbesondere lässt sich das
‘ ..
cine Vorstellung der Stadtlage und jedes einzelnen Grundstücks leicht
vermittelt wird. Wie weit diese Möglichkeit bei Aufstellung von
Stadtbebauungsplänen, beim Kauf und Verkauf von Grundstücken, bei
Beleihung derselben, bei Verhandlungen vor Gericht (Grenzprozessen,
Belastungen) und vor anderen Behörden eine Rolle spielen könnte,
muss dem Studium der einschlägigen Fachleute überlassen bleiben.
Es sei ihnen dazu empfohlen, gute stereoskopisch zusammengesetzte
Luftbilder daraufhin längere Zeit durch ein Spiegelraumglas zu be-
trachten. Mir kam bei solcher Gelegenheit ein Gedanke, der etwas
utopisch scheint, den ich aber dennoch nicht verschweigen möchte.
\Wenn nämlich auf den Katasterämtern ausser den Karten auch Luft-
bilder des Katasterbezirks geordnet und nummeriert aufbewahrt würden
und womöglich in stereoskopisch zusammengesetzter Form dort durch
Raumglas einzusehen wären, würde das nicht dem Käufer, dem Grund-
buchrichter, dem Hypothekengläubiger und mancher Behörde Erleich-
terung bei Beurteilung eines Grundstücks (Gehöftes oder Gutes)
schaffen? Sogar Erteilung von Auszügen aus diesem Kataster wäre
nicht ausgeschlossen, wenn die Platten auf dem Katasteramt aufbe-
wahrt würden.
Auch bei den Vermessungsarbeiten der landwirtschaft-
lichen Verwaltung kann das Luftbild gute Verwendung finden. Die
Katasterkarte enthält häufig nicht alle örtlichen Gegenstände, die
z. B. für einen Zusammenlegungs- oder Einteilungsentwurf wichtig sind.
. Es fehlen Wege und Gräben, die keine rechtliche Bedeutung haben,
Be- und Entwässerungsanlagen, Rieselsysteme, Baumgruppen, Schleu-
sen, Wehre, Brücken. Veraltet sind Angaben über Wald und andere
Kulturgrenzen, insbesondere über Gartenanlagen, Zäune, Hecken usw.
in der Nähe der Ortschaften und über den Lauf von Bächen und
Flüssen. Beim Entwurf sind diese Gegenstände wertvoll und müssen
(deshalb oft durch Einmessung festgelegt werden. Diese Gegenstände,
sowie z. B. auch die Richtung, in der die Äcker gepflügt sind, liefert
das Luftbild lückenlos und meist genau genug, um sie in eine Entwurfs-
karte z. B. des Massstabes 1:5000 zu übernehmen. Es könnten also
Vorarbeiten gespart werden. Ausserdem aber wirkt das Bild anschau-
licher und ermöglicht es, auch die künstlerischen Forderungen beim
Entwurf mehr zu berücksichtigen. Besonders wertvoll aber ist das
Bild für denjenigen, der einen Einteilungsplan prüfen soll, ohne das
Gelände selbst genau aus eigener Anschauung zu kennen.
‚ Auch die Festlegung von Neupunkten für den Entwurf lässt sich
Zeitsehrift für‘ Birr. 'Das Luftbild im Dienste des Zivilvermessungswesens. 26]
VORRBEEUDEE MEN!
durch Luftbild ausführen, z. B. können Endpunkte von Tracen neuer
Wege örtlich durch weisse oder schwarze Kreuze bezeichnet und
mit photographiert werden. Ist der Entwurf ausgeführt, sind die neuen
Wege und Gräben ausgebaut, die Äcker in Benutzung genommen, so
würde ein neues Luftbild vom Gelände der prüfenden Behörde ein
wertvolles Prüfungsmittel sein. Könnten dabei auch die Endpunkte
der meist graden Grenzen genügend deutlich markiert werden (Gräben),
so dass sie auf dem Bikle erscheinen, so wäre dies ein vörzügliches
Mittel, die neue Karte durch Augenvergleich zu prüfen und auch den
neuen Zustand zweifellos zu beurkunden, soweit dies die Genauig-
keit des Luftbildes zulässt.
Dass besonders bei der Stadtvermessung uud im Städtebau eine
so zuversichtliche Unterlage wie das Luftbild wertvoll sein muss, dürfte
einleuchten. Besonders nützlich wird sich hier das Raumbild erweisen.
Für die Entwurfsarbeiten beim Eisenbahnbau und beim Strom-
bau wird das Reihenbild Anwendung finden können, da es bis ins
kleinste Einblick in die örtlichen Verhältnisse gestattet und auf
beliebig lange Strecken ausgedehnt werden kann.
Selbst bei der Forstvermessung und Forsteinrichtung kann
‘das Luftbild nützlich sein, zumal hier häufig die Karten nicht alles
Wissenswerte enthalten, besonders in Gegenden, von denen keine
neuere Karte vorhanden ist.
So dürfte nach dem Kriege im Zivilvermessungswesen neben
der genauen Katasterkarte auch das Luftbild eine, Rolle spielen.
Dies wäre für das Flugwesen eine Gelegenheit mehr, sich auch im
Frieden nutzbringend zu betätigen. Gelegentliche Versuche zur Ver-
wendung von Fliegerbildern im Zivilvermessungswesen sind auch
im Kriege nicht ausgeschlossen und dürften auf Antrag die Unter-
stützung der Inspektion der Fliegertruppen finden, welche dazu in der
lleimat als geeignete Einrichtungen die Fliegerschulen hat.
Nachwort. Vorstehende Gedanken habe ich während meiner
Tätigkeit bei Flieger- und Vermessungsabteilungen im Kriege nieder-
geschrieben. Inzwischen hat sich das Fliegerbild weiter vervollkomm-
net. Insbesondere können grössere Bilder geliefert werden, so dass
grössere Flächen auf einem Bilde erscheinen. Ferner hat sich am
11. Januar 1919 das neugebildete Reichsluftamt mit einem Schreiben
an alle Interessenten einer Verwertung von Luftbildern gewandt und
gebeten, entsprechende Anträge zu stellen. Auf Grund der Anträge sollen
dann Luftverkehrsunternehmungen mit der Durchführung beauftragt werden.
Die beabsichtigte grosszügige Siedlungstätigkeit dürfte Gelegen-
heit. bieten zu erproben, ob die Verwendung der Luftbilder als Er-
gänzung im Vermessungswesen rentabel ist. |
962, Reorganisation d. Vermessungsbehörd. ete. — Vereinsnachr. _ Zeitschrift für
EOTDDSENERTFOREN
Reorganisation der Vermessungsbehörden
im Volksstaat Reuss.
(Vergl. Jahrgang 1914 Seite 324.) |
Durch die Vereinigung der Freistaaten Reuss ä. L. und Reuss j. L.
hat sich eine vollständige Reorganisation der Vermessungsbehörden er-
forderlich gemacht. Von den beiden Katasterämtern in Greiz und Gera
ist in neues Katasteramt in Schleiz abgezweigt und als Zentralbehörde
das Landesvermessungsamt in Greiz gegründet worden.
Der Vorstand des bisherigen Katasteramtes Greiz, der während des
Krieges auch die Vorstandsgeschäfte des bisherigen Katasteramtes Gera
verwaltete, Herr Vermessungsrat Dr.-Ing. H. Mentzel ist zum Vorstand
des Landesvermessungsamtes ernannt worden. Als Vorstände der Kataster-
ämter Gera, Greiz und Schleiz sind die Bezirksgeometer Hermanı,
Gläser und Vögeding ernannt worden.
Dem Landesvermessungsamt sind Katastersekretär v. Saal, Geometer
Abel, Bähr und Donner, dem Katasteramt Gera der Geometer Düntsch
und Katasterführer Assistent Riess, dem Katasteramt Greiz Geometer
Otto und Bretschneider, die Katasterführer Sekretär Heinrich und
Assistent Weidmann, dem Katasteramt Schleiz Geometer Spreuer und
Katasterführer Wolfram und ferner jedem Amte zeichnerische Hilfs- und
Schreibkräfte zugewiesen worden.
Nachdem Herrn Dr. Mentzel vom 1. 4. ab die Stelle eines Vermessungs-
ingenieurs an den Technischen Staatslehranstalten in Chemnitz übertragen
worden ist, ist von diesem Zeitpunkte ab der Vermessungsrat Dipl.-Ing.
Emil Friedel, der bisher als Vermessungsassessor im sächsischen Landes-
vermessungsamte tätig war, zum Vorstand des Landesvermessungsamtes
ernannt worden.
Vereinsnachrichten.
Landmesservereinigung Niedersachsen E. V. Hannover.
Am 14. Juni hielt unsere Landmesservereinigung im Pilsener Urquell
ihre 6. Monatsversammlung ab. Aus allen Gegenden Hannovers waren
hierzu Kollegen herbeigeeilt. Ein Hauptpunkt der Tagesordnung war die
Besprechung über die Gründungsversammlung eines Deutschen Vereins für
Vermessungswesen in Halle am 22. und 23. Juni d. J. Als Vertreter zu
dieser Versammlung wurde unser Vorsitzende, Herr Oberlandmesser Blumen-
berg, gewählt. Die nächste Monatsversammlung findet am 5. Juli nach-
mittags 4 Uhr statt. Müller.
Landmesservereinigung Pommern.
Am 28. 6. 19 fanden sich in Stettin 24 Kollegen der verschiedenen
Fachrichtungen zusammen, um über die Gründung einer Landmesser-
vereinigung Pommern schlüssig zu werden. Die sehr angeregte Aussprache
ergab völlige Uebereinstimmung darüber, dass die bisherige Zersplitterung
unserer fachlichen Vertretung in eine grosse Anzahl von Fachvereinen und
Zeitschrift für Vereinsnachrichten. 263
VOrOSen En Wenen
Ortsgruppen eine einheitliche und tatkräftige Vertretung unserer Standes-
interessen unmöglich gemacht habe, und daher die betrübende Tatsache
festzustellen sei, dass der Landmesserstand in dieser Zeit der Neuordnung
einer verhandlungsfähigen und stosskräftigen Gesamtvertretung entbehre.
Den einzigen Weg zur Beseitigung dieses unwürdigen und unhaltbaren Zu-
standes erblickte die Versammlung in der Gründung eines einheitlichen
Landmesserbundes auf gewerkschaftlicher Grundlage für ganz Deutschland,
der sich aus gleichberechtigten Einzelmitgliedern zusammensetzen soll.
Einstimmig beschlossen wurde alsdann die Gründung einer Landmesser-
vereinigung Pommern, die als Bezirksorgan des kommenden allgemeinen
deutschen Landmesserbundes gedacht ist und die es sich vornehmlich zur
Aufgabe gemacht hat, mit aller Entschiedenheit auf die bestehenden Ver-
eine und Fachverbände dahin einzuwirken, dass endlich einmal die Einigungs-
bestrrebungen aus dem Stadium der Erwägungen und Beratungen heraus-
treten und in die Tat umgesetzt werden. Die Vereinigung will hiermit auf
den in der Zeitschrift für Vermessungswesen vom Dezember 1918 nieder-
gelegten Richtlinien des Aufrufes des Steuerrats Lotz weiterarbeiten und
legt nachdrücklich Verwahrung ein gegen die in letzter Zeit hervorgetretene
Neigung, diese Grundlagen zu verwässern.
Aus der Mitte der Gründungsversammlung heraus wurde ein aus Ver-
tretern sämtlicher Fachrichtungen bestehender Vorstand gewählt. Zuschriften
sind an den Vorsitzenden, städt. Landmesser Tödter, Stettin, Gabelsberger-
strasse 41 I zu richten.
Sächsischer Landmesserverein.
‚ Der „Verein praktischer Geometer im Königreiche Sachsen“ hat in
seiner 72. Hauptversammlung am 6. April 1919 den Namen „Sächsischer
Landmesserverein“ angenommen. Den Vorstand bilden Landmesser Kurt
Bernhardt, Vorsitzender, Löbau i. S., Vermessungsprüfer Hermann Rösler,
Schriftführer, Dresden-A., Liliengasse 10, Landmesser Alfred Weise, Kas-
ser, Dresden-A., Marschallstr. 39. Postscheckkonto Leipzig 31697.
Thüringer Landmesserverein.
Nach fünfjähriger, durch den Krieg bedingten Pause fand am Sonntag,
15. Juni ds. Js. im „Weimarischen Hof“ in Jena eine Vorstandssitzung
statt, zu welcher die Vorstandsmitglieder vollzählig erschienen waren.
Es handelte sich hauptsächlich darum, Stellung zu nehmen zu einem vor-
liegenden Satzungsentwurf für den in Aussicht genommenen „Deutschen
andmesserbund“. Dem Satzungsentwurf wurde in seinen Hauptzügen
zugestimmt; einige Paragraphen bedürfen noch einer Klärung. Für die
zur Gründung des Deutschen Landmesserbundes auf den 22. und 23. Juni cr.
nach Halle einberufene Vertreterversammlung der Zweigvereine des
Deutschen Geometervereins hat Kollege Stadtvermessungsdirektor Witte
In Erfurt Vollmacht erhalten. Der Verein besteht z. Z. aus 45 Mitgliedern;
weitere Anmeldungen liegen vor. Kollege Witte erstattete sodann Bericht
über die Gründe der Neuentstehung der „Bezirksvereinigung Deutscher
Landmesser in Thüringen“ mit ca. 95 Mitgliedern (nur preussische Land-
Messer aller Fachrichtungen). Nach lebhafter Aussprache für und wider
die Notwendigkeit einer solchen Neugründung kurz vor der angestrebten
Zusammenfassung aller deutschen I,andmesser zu einer grossen deutschen
Einheit, wurde beschlossen, die Vereinigung beider Thüringer Gruppen in
die Wege zu leiten. Eine in Kürze einzuberufende Hauptversammlung
soll darüber entscheiden. Vermögensrechtliche Bedenken bestehen nicht.
Silling.
264 Personalnachrichten. — Berichtigung. Zeitschrift für
dal
_ Personalnachrichten.
Preussen. Katasterverwaltung: Versetzt wurden Kat.-Insp.
Steuerrat Dübbers von Köslin nach Hildesheim, Kat.-Insp. Steuerrat
Ahrens von Posen nach Köslin, Katasterlandmesser Reinhardt von
Münster nach Sigmaringen. — Verstorben ist Kataster-Kontrolleur Selke
beim Gouvernement Deutsch-Ostafrika.
Landmesser Josef Kühn aus Berlin wurde als Assistent für Geodäsie
an die techn. Hochschule in Danzig berufen.
Bayern. Durch Entschliessung des Staatsministeriums für Unter-
richt und Kultus vom 4. Juni 1919 wurde der Regierungs- und Steuerrat
des Landesvermessungsamtes Dr. Ing. Gustav Clauss in München zum
Mitgliede der Kommission für die Internationale Erdmessung ernannt.
Hessen. Ernannt wurden: am 21. März 1919 der Kreisgeometer
Heinrich Dietrich z. Z. in Giessen, am 29. März 1919 der Vermessungs-
assistent bei dem Katasteramt Heinrich Schmidt zu Darmstadt und am
31. März 1919 der Geometer 1. Klasse Ferdinand Gross aus Wimpfen a. B.
zu Katastergeometern vom 1. Aprill919 an; am 31. 3. 1919 der Kreisgeometer
Heinrich Böck zu Nidda zum Kreisgeometer des Kreisvermessungsamts
Nidda, der Vermessungsassistent Heinrich August Christian Desch zu
Darmstadt zum Kreisgeometer des Kreisvermessungsamts Reinheim, der
Katastergeometer Heinrich Enders zu Darmstadt zum Kreisgeometer des
Kreisvermessungsamts Beerfelden, der Katastergeometer Wilhelm Hof-
mann zu Bad-Nauheim zum Kreisgeometer des Kreisvermessungsamts
Butzbach, der Kreisgeometer Christian Müller zu Gross-Gerau zum Kreis-
geometer des Kreisvermessungsamts Hungen, der Kreisgeometer Joseph
Schönberger z. Z. Schotten, zum Kreisgeometer des Kreisvermessungs-
amts Schotten, der Kreisgeometer Heinrich Volz z. Z. Michelstadt, zum
Kreisgeometer des Kreisvermessungsamts Erbach zu Michelstadt, der
Kreisgeometer des Kreisvermessungsamts Offenbach Adam Walter zum
Kreisgeometer des Kreisvermessungsamts Bensheim, der Kreisgeometer des
Kreisvermessungsamts Reinheim Balthasar Wiegand zum Kreisgeometer
des Kreisvermessungsamts Dieburg mit Wirkung vom 1. April 1919 an;
der Kreisgeometer des Kreisvermessungsamts Alzey Ferdinand Bischoff
zum Kreisgeometer des Kreisvermessungsamts Alsfeld, der Kreisgeometer
Friedrich Bischoff zu Offenbach zum Kreisgeometer des Kreisvermessungs-
amts Fürth, der Kreisgeometer Otto Fink zu Darmstadt zum Kreis-
geometer des Kreisvermessungsamts Alzey, der Kreisgeometer des Kreis-
vermessungsamts Fürth Peter Philipp Treusch zum Kreisgeometer des
Kreisvermessungsamts Offenbach (Land) mit Wirkung vom 1. Juli 1919 an;
am 31. 3. 1919 die Kreisgeometer Karl Müller und Ludwig Volz z. 2.
in Darmstadt vom 1. April ds. Js. an zu Vermessungsassistenten beim
Katasteramt, am 16. Mai 1919 die Geometer 1. Klasse Wilhelm Atzbach
und Friedrich Robert Planz, beide zu Giessen, zu Feldbereinigungs-
geometern vom 1. April 1919 an.
Berichtigung.
Zeile 1 Seite 209 (Heft 6, 1919) ist hinter der 6. Zeile einzuschalten.
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: Ausgleichung einer Dreieckskette nach ver-
mittelnden Beobachtungen, von Galle. — Ueber eine Auswertung von Schichten-
linien mit Hilfe eines transparenten Blattes, von Schwerdt. — Formel zur Be-
rechnung der Refraktion, von Theimer. — Das Luftbild im Dienste des Zivil-
vermessungswesens, von Birr. — Reorganisation der Vermessungsbehörden im
Volksstaat Renss. — Vereinsnachrichten. — Personalnachrichten. — Berichtigung.
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart.
Druck von Carl Hammer (Inh. Wilh. Herget), Kgl. Hofbuchdruckerei in Stuttgart.
Zeitschrift tür Bericht über d. Versammlung d. D. Geometervereins etc. 966
ehe
Bericht über die Versammlung des Deutschen
Geomeiervereins und des
Landesverbandes preussischer Landmesservereine
am 22./23. Juni 1919 zu Halle a. S.
Zur Beratung der zeitgemäßen Umbildung der Berufsorganisation zu
einem einheitlichen Gesamtverein von Einzelmitgliedern hatte der Vor-
sitzende des Deutschen Geometervereins und des Landesverbandes preußi-
scher Landmesservereine, Herr Steuerrat Lotz, die Vorstände aller deut-
schen Berufsvereine auf den 22./23. Juni nach Halle a. S. eingeladen. Trotz
“der Ungunst der politischen Verhältnisse und trotz der Schwierigkeiten des
Eisenbahnverkehrs hatte sich eine beträchtliche Zahl von Vertretern der
Vereine aus zahlreichen Bundesstaaten zusammengefunden. Von den süd-
deutschen Bundesstaaten hatten Württemberg und Baden telegraphisch mit-
geteilt, daß die Verhältnisse ihnen die Beschickung der Versammlung un-
möglich machten, daß sie aber dem geplanten Vorgehen grundsätzlich zu-
stimmen würden.
Es waren erschienen für .
1. Zweigverein Bayern des Deutschen Geometervereins . mit 111 Mitgl.
Herr Oberarzbacher
2. Sächsicher Landmesserverein . . . . 2. 2 2 2.2... 10 „
3. Verein vereideter Geometer in Sachsen . . . . .: .u.4 „
4. Sächsischer Bezirkslandmesserverein . . . . 2. 2 2.2.36 „
Herr Bernhardt (zu 2-4)
5. Thüringer Landmesserverein . . : 2 2 2 220m Bon
Herr Witte
6. Verein Mecklenburgischer Vermessungs-Ingenieure . „ 34 „
Herr Kortüm und Havemann
7. Verband preußischer Katasterkontrolleure . . . . . „93 _„
Herr Dübbers, Lotz, Lex, Schmittdiel
8. Verein der Vermessungsbeamten der preuß. Landwirt-
schaftlichen Verwaltung . . „ 607 „
Herr Röhrig, Drolshagen, Banse, "Bleis, Mittelstaedt
9, Rheinisch-Westfälischer Landmesserverein . . . . . 250 „
Herr Schellens
10. Verein der Eisenbahnlandmesser . . 20m 320 „
Herr Mehlhose, Splettstößer, Cross Ehlert
11. Verein Preußischer Landmesser im Kommunaldienstt . „ 146 „
Herr Strinz
12. Brandenburgischer Landmesserverein . . . . » 2.1227 „
Herr Dr. Klempau, Teschner
13. Verein der Landmesser der allgem. Bauverwaltung . .. „ 3 „
Herr Scheuch
14. Altpreußischer Landmesserverein . . . . 2 2 2 2m 2 „
Herr Grube, Lotz, Hoffmann
15. Hannoverscher Landes-Dekonomie-Beamtenverein . . „ 54 „
Herr Mittelstaedt .
Zeitschrift für Vermersungnwesen 19109. Heft 7. 18
966 Bericht über d. Versammlung d. D. (teometervereins etc. _ Zeitschrift für
VORMERSUNERWESEN
16. Landmesser-Vereinigung Niedersachsen . . . . . . mit 133 Mitgl.
Herr Blumenberg
17. Niedersächsischer Landmesserverein . . . . 2:50 „
Herr Dengel
18. Anhaltischer Landmesserverein . . . . 2 2 2 2.2. .38 „
Herr Dr. Borgstätte
19. Arbeitsgemeinschaft des Rhein.-Westf. Industriebez. . „ 205 „,
Herr Groos (Essen), Finke
20. Bezirksverein deutscher Landmesser in Thüringen . . „ 93 „
Herr Witte, Umbach, Bleis
21. Gauverband Rheinland . . . . 2 2 2 2 2 2 202042 „
Herr Bengs, Rom, Hartig
22. Verein der Landmesser von Cassel und Umgegend . . „ 16 „
| Herr Groos (Cassel)
23. Mittelsächsischer Landmesserverein . . . . 2: 2. 12 „
Herr Strinz, Forndran |
24. Landmesser-Vereinigung Düsseldorf . . . . 2. 2.2.0.2 „
Herr Schellens | |
25. Interessengemeinschaft Preußischer Katasterlandmesser „ 265. „
Herr Weilandt. Bun ER
Insgesamt waren demnach 25 Vereine mit einer Gesamt-Mitgliederzahl
von 4583 vertreten.
Die Tagesordnung für die Versammlung war den Vorständen der Vereine
vorher zugegangen. Sie ist im „Landmesser” Heft 7, Seite 129 und in der
Zeitschrift für Vermessungswesen Heft 6, S. 229, abgedruckt. Der dort von
Herrn Steuerrat Lotz angekündigte Satzungsentwurf war ebenfalls vorher
übermittelt worden und lag der Versammlung vor.
Herr Steuerrat Lotz eröffnete die Versammlung am 22. Juni, vormittags
9 Uhr 45 Min. mit einigen Worten der Begrüßung und des Dankes. Er gab
der Hoffnung Ausdruck, daß es der Arbeit der Versammlung gelingen möge,
den Zusammenschluß aller deutschen Fachgenossen zu einem auf Einzelmit-
gliedschaft gegründeten Verein und die Schaffung einer kräftigen Berufs-
vertretung soweit vorzubereiten, daß der neue Verein recht bald ins Leben
gerufen werden könne. Seine Notwendigkeit sei allseitig anerkannt und so
gelte es jetzt nur noch, die geeignete Verfassung für die Neugründung zu
finden, die möglichst erfolgreiche Arbeit verspräche und die Interessen aller
Berufsgenossen befriedige.
Nach Feststellung der oben bereits mitgeteilten Anwesenheitsliste
schreitet man zu Punkt 1 der Tagesordnung: Bestellung des Verhandlungs-
leiters und des Büros. Auf Vorschlag der Versammlung werden Herr
'Steuerrat Lotz als Verhandlungsleiter, und als Beisitzer die anwesenden
Vorstandsmitglieder des D.G.V. und L.P.L. Herr Oberlandmesser Hüser,
Herr Prof. Dr. Eggert, Herr Oberlandmesser Drolshagen, Herr
Oberlandmesser Splettstößer ‚und Herr Dr. Klempau bestimmt.
Letzterer übernimmt die Führung der Niederschrift.
Zu Punkt 2 der Tagesordnung legt Herr Lotz den von ihm ausge-
arbeiteten Satzungsentwurf vor. Er hebt hervor, daß er sich bemüht habe,
darin die von verschiedenen Vereinen ihm zugegangenen Vorschläge zu ver-
einigen. Einige Abänderungen, die eine am Vortage stattgehabte Vorstands-
Zöltschritt rt Bericht über d. Versammlung d. D. Geometervereins etc. 267
Vermessungswesen
sıizung aes D.G.V. und L.P.L. ergeben Habe: werde er jeweiis bei der Be-
ratung der einzelnen Paragraphen vortragen.
Herr Steuerrat Lotz eröffnet die Beratung über $ 1 des vorgelegten
Satzungsentwurfs. Dabei ergibt sich die Notwendigkeit der vorherigen Rege-
lung einiger allgemeiner Fragen, die nun vom Vorsitzenden zunächst zur
Erörterung gestellt werden. Aus der Versammlung wird Feststellung darüber
gewünscht, welche der anwesenden Vereine stimmberechtigt seien, ob ins-
besondere die auf Grund des Aufrufes des Vorsitzenden vom Dezember
1918 entstandenen Neugründungen von Bezirksvereinen mitstimmen könnten.
Der Vorsitzende widerspricht zunächst. Nach lebhafter Erörterung kommt
man dahin überein, daß alle anwesenden Vereine, ohne Unterschied, ob sie
dem D.G.V. oder L.P.L. angeschlossen sind oder nicht, nach Maßgabe ihrer
Mitgliederzahl abstimmen sollen. Eine sehr lebhafte Auseinandersetzung
ergibt auch die Beratung der Frage, ob die heutige Versammlung als Grün-
dungsversammlung des neuen deutschen Großvereins stattfinden könne, oder‘
ob sie dessen Gründung nur vorbereiten könne. Der Vorsitzende steht auf
letzterem Standpunkt und verweist auf die Form der Einladung, die aus-
drücklich von einer vorbereitenden Versammlung spräche. Wenn er von
diesem Programm abweiche, so müsse er sich dem Vorwurf aussetzen, daß:
er die vielen Vereine, die wegen der politischen Verhältnisse nicht hätten
erscheinen können, ihrer Rechte beraubt habe. Außerdem gelte es zu-
nächst noch so viel Vorfragen zu erledigen, z. B. die bisherigen großen
Fachvereine, insbesondere in Preußen zur Auflösung zu bewegen, daß‘an eine
sofortige Neugründung nicht zu denken sei. Man laufe sonst Gefahr, daß
unter Umständen nur ein neuer Verein neben den schon bestehenden zu
Stande komme. Die Ansicht der Versammlung über diese Frage ist geteilt.
Einzelne Redner treten bestimmt für sofortige Gründung des Vereins ein,
andere pflichten der Ansicht des Vorsitzenden bei. Eine Feststellung er-
gibt, daß nur 15 der Anwesenden, die eine Mitgliederzahl von 1941 ver-
treten, von ihren Vereinen Vollmacht zur sofortigen Neugründung haben.
Die Mehrheit der Vertreter ist demnach nicht berechtigt, die Gründung des
Vereins vorzunehmen. Herr Lotz schlägt vor, zunächst die Satzungen
durchzuberaten und die Frage der Gründung des neuen Vereins später nach
Feststellung der Satzungen wieder aufzunehmen. Inzwischen hat Herr
Dengel den Antrag gestellt, die Satzungsberatung zunächst zurückzu-
stellen und dafür in eine Erörterung allgemeiner Richtlinien für Bildung
und Verfassung des neuen Vereins einzutreten. Der Antrag findet nicht den
Beifall der Mehrheit, sodaß man jetzt in die Beratung des Satzungsentwurfs
eintreten kann.
Bei der Besprechung. des $ 1 hebt Herr Lotz hervor, daß es sich nicht
um eine Neugründung handle, sondern um eine Umgestaltung der be--
stehenden Berufsorganisationen insbesondere des Deutschen Geometer-
vereins, bei dem der jetzt allgemein erstrebte Grundsatz der Einzelmitglied-
schaft schon von jeher vorhanden gewesen sei. Die Versammlung wünscht
durch einen Zusatz im $ 1 anerkannt zu sehen, daß der neue Verein aus
dem D.G.V. hervorgegangen sei. Als Name des Vereins werden folgende
Bezeichnungen in Vorschlag gebracht: Deutscher Verein für Vermessungs-
wesen, Verband für Vermessungswesen, Deutscher Landmesserbund, Verein
für Landmeß- und Liegenschaftswesen, Bund Deutscher Geodäten, Deutscher
268 Bericht über d. Versammlung d. D, Geometervereins etc. „Qaltachrist fir
1919.
Verein für Landmeßwesen. Bei der Abstimmung ergibt sich eine Mehrheit
von 4195 Stimmen für die Bezeichnung „Deutscher Verein für Vermessungs-
wesen", In der Besprechung des ersten Paragraphen kommen verschiedene
Redner auf allgemeine Fragen zurück, die mit der Neugründung zusammen-
hängen. So werden die Fragen der gewerkschaftlichen Organisation, das
Verhältnis zum Deutschen Beamtenbund und anderen Beamtenorgani-
sationen, das Zusammengehen mit den Vermessungstechnikern gestreift, die
die Erörterungen sehr in die Breite gehen lassen. Herr Dengel sieht
sich daher veranlaßt, seinen Antrag wieder aufzunehmen, zunächst die all-
gemeinen Richtlinien für die Gründung des neuen Vereins etwa in Anleh-
nung an die am 24./25. Mai in Hannover von zahlreichen preußischen Ver-
einen gefaßten Beschlüsse zu beraten und festzulegen und dann erst in die
Beschlußfassung der Einzelheiten der Satzung einzutreten. Dieser. Antrag
findet nunmehr die Unterstützung der Versammlung. Herr Dengel er-
läutert darauf in längeren Ausführungen, die auf der Versammlung in Han-
nover über die Gestaltung des Vereins gefaßten Beschlüsse, die zwar im
allgemeinen mit dem Entwurf Lotz übereinstimmen, der Betätigung der
einzelnen Fachrichtungen aber größeren Spielraum lassen als dort vorge-
sehen. Die Vorschläge von Hannover bleiben nicht ohne Widerspruch. Der
Vertreter der sächsischen Vereine betont, daß den Eigenarten. der. Fach-
verhältnisse in den Bundesstaaten bei der Verfassung des Vereins unbe-
dingt Rechnung getragen werden müsse. Es sei unmöglich, die verwickelten
Fach- und Standesfragen aller Bundesstaaten von einer einzigen Stelle aus
wirksam zu vertreten. Herr Dr. Klempau als Vertreter des Branden-
burgischen Landmesservereins unterstützt diese Ausführungen. Er schlägt
unter Hinweis auf den Aufsatz von Moritz, „Landmesser" Heft 7, vor, auf
Einzelmitgliedschaft gegründete Landesvereine bestehen zu lassen und diese
zu einem Reichsverband zusammenzuschließen, d. h. die jetzige Verfassung
des preußischen Landesverbandes auf das Reich zu übertragen. Auch die
Vertreter von Mecklenburg betonen, daß den berechtigten Sonderinter-
essen der Bundesstaaten Rechnung getragen werden müsse. Bayern erklärt
sich für Einzelmitgliedschaft ohne bundesstaatlichen Zusammenschluß. Herr
Dengel warnt vor Betonung der bundesstaatlichen Interessen. Der Vor-
sitzende schließt sich dieser Ansicht an und schlägt vor, besondere Landes-
vereine nicht vorzusehen, dafür aber die Möglichkeit des Zusammenschlusses
aller Fachrichtungen eines Bundesstaats ins Auge zu fassen. Diese Frage
löst noch eine längere Erörterung aus und wird schließlich durch die mit
4369 gegen 182 Stimmen erfolgte Annahme eines Antrages Lotz/Strinz
beendet:
„Der Reichsverein gliedert sich in Gauvereine und Ortsgruppen, deren
Mitglieder gleichzeitig Einzelmitglieder des Reichsvereins sind. Landes-
vereine können nach Bedarf gebildet werden.”
Es folgt dann die Beratung der Anstellung eines hauptamtlich tätigen
Vereins-Geschäftsführers, dessen Notwendigkeit allseitig anerkannt wird.
Einmütigkeit herrscht auch darüber, daß die Stelle nur durch einen Fach-
genossen voll ausgefüllt werden könne und daß bei der herrschenden Zer-
splitterung im deutschen Vermessungswesen die ebenfalls auch in Vor-
schlag gebrachte Besetzung der Stelle durch einen Juristen oder Volkswirt-
schaftler nicht in Frage kommen könne. Als Amtsbezeichnung ist vorge-
AaltaehritE in Bericht über d. Versammlung d. D. Geometervereins etc. 269
Te
schlagen: Verbandsdirektor, Syndikus, Geschäftsführer und Geschäftsleiter.
Die Versammlung einigt sich auf die letztgenannte Bezeichnung.
Nachdem so über die allgemeinen Richtlinien für die Gründung des
Vereins Klarheit gewonnen ist, tritt man in die Beratung des Satzungs-
. entwurfs ein, deren Ergebnis hier nur in den wichtigsten Punkten mitge-
teilt werden soll.
Die Versammlung einigt sich dahin, daß als ordentliche Mitglieder nur
solche Angehörige des Vermessungswesens aufgenommen werden können,
welche im Rahmen der Vorschriften ihres Bundesstaates wissenschaftlich
vorgebildet und öffentlich bestellt sind. Behörden, Institute und Einzel-
personen, welche zum Vermessungswesen Beziehung haben, können als
außerordentliche Mitglieder aufgenommen werden. Die Aufnahme von Aus-
landsdeutschen und Ausländern wird für zulässig erklärt, insbesondere um
den Deutsch-Oesterreichern den Anschluß zu ermöglichen und diejenigen,
die bisher schon Mitglieder des Deutschen Geometervereins waren, der ge-
meinsamen Arbeit an der Pflege und Hebung des deutschen Vermessungs-
wesens zu erhalten. Auch die Aufnahme von Studierenden oder in der
Berufsvorbereitung befindlichen Einzelpersonen gegen einen ermäßigten Bei-
trag von 10 Mk. jährlich wird für zweckmäßig gehalten. Sie sollen die Zeit-
schrift: geliefert: erhalten und an den Versammlungen teilnehmen, sonst aber
keine Berechtigungen erlangen. Die Höhe des Mitgliedsbeitrages für ordent-
liche Mitglieder wird zunächst auf 25 Mk. festgesetzt. Das Eintrittsgeld
wird auf 10 Mk. bemessen, soll jedoch bei der Ueberleitung der bestehenden
Vereine in den neuen Verein bis zum 1. Januar 1920 nicht erhoben werden.
Neben der im Entwurf Lotz allein vorgesehenen Vertreterversammlung
halten die Erschienenen die Einrichtung einer alle 2 Jahre zu berufenden
Mitgliederversammlung, in der jedes Mitglied stimmberechtigt sein soll, für
erforderlich. Die Vertreterversammlung, zu der die Gauvereine nach Maß-
gabe ihrer Mitgliederzahl Abgeordnete entsenden, soll die Beschlüsse der
Mitgliederversammlung vorbereiten. Die Geschäfte des Vereins werden
demnach geführt durch 1. die Mitgliederversammlung, 2. die Vertreterver-
sammlung, 3. den geschäftsführenden Ausschuß, 4. den Geschäftsleiter,
5. die Schriftleiter, 6. die Fachausschüsse. Außerdem können nach Bedarf
noch Landesvereinsversammlungen und Versammlungen der Fachgruppen
abgehalten werden.
Um dem Verlangen der Versammlung nach Erhaltung einer. gewissen
bundesstaatlichen Gliederung Rechnung zu tragen, wird zu $ 17 des Ent-
wurfs beschlossen: „Die Abgeordneten der Gauvereine eines Gliedstaates
können die Berufung von Landesversammlungen’ ihrer Mitglieder durch den
geschäftsführenden Ausschuß des Deutschen Vereins für Vermessungswesen
(D.V.V.) beantragen. Die Berufung muß erfolgen, wenn der Antrag von der
Mehrheit der Abgeordneten gestellt wird. Die Landesversammlungen ver-
l:andeln nach den Regeln des D.V.V. Ihre Beschlüsse sind dem geschäfts-
führenden Ausschuß des D.V.V. zur weiteren Verfolgung zu überweisen. Die
Gauvereine eines Gliedstaates können sich zu Landesvereinen zusammen-
schließen. Diese geben sich ihre Satzungen selbst, welche der des D.V.V.
nicht widersprechen dürfen. Die Beschlüsse des Landesvereins werden an
den geschäftsführenden Ausschuß des D.V.V. zur weiteren Verfolgung über-
wiesen.
270 Bericht über d. Versammlung d. D. Geumetervereins etc, | Zeitschrift für
Auf Antrag Schmittdiel wird zu $ 19 des Satzungsentwurfs be-
schlossen, daß etwa von den jetzt bestehenden Fachvereinen eingebrachtes
Vermögen der Verwendung des künftigen Fachausschusses vorbehalten
bleiben könne, etwa durch Einrichtung besonderer Konten bei der Geschäfts-
stelle (siehe die Fassung von $ 56 der festgesetzten Satzung). Damit findet
die durch eine Mittagspause von 1!/, bis 31/, Uhr unterbrochene Be-
ratung des ersten Tages um 8 Uhr abends ihr Ende.
Die Verhandlungen werden am 23. Juni vormittags 9% Uhr wieder auf-
genommen.
Zu $ 23 und 26 des Entwurfs kommt die Versammlung nach eingehender
Beratung zu dem Ergebnis, daß der Geschäftsleiter und die beiden Schrift-
leiter, abgesehen :von Beratungen ihrer eigenen persönlichen Angelegen-
heiten, Sitz und Stimme im geschäftsführenden Ausschuß erhalten sollen.
Dagegen wird es für bedenklich gehalten, allen Mitgliedern des geschäfts-
führenden Ausschusses, dem Geschäftsleiter und den Schriftleitern je eine
Stimme in der Vertreterversammlung zuzubilligen. Es wird beschlossen,
daß in der Vertreterversammlung nur alle zusammen eine Stimme haben
sollen. Dem Beschluß wird durch Einfügung einer entsprechenden Bestim-
mung bei $ 28 des Entwurfs Rechnung getragen.
Eine lebhafte Erörterung entspinnt sich bei der Beratung des $ 29
des Entwurfs. Es wird gewünscht, daß die Interessen der einzelnen Fach-
richtungen unter allen Umständen gewahrt werden müssen, daß also die
Fachausschüsse mit einer gewissen Selbständigkeit ausgestattet werden
müssen, daß aber anderseits ein Gegeneinanderarbeiten der Fachrichtungen
unbedingt verhindert werden müsse. Diesen Erfordernissen glaubte die
Versammlung durch die in $$ 31—32 der endgültigen Satzung nach Antrag
Strinz niedergelegten Vorschriften für die Betätigung der Fachausschüsse
Rechnung getragen zu haben. ’
Die Gliedvereine sollen der politischen Einteilung des betreffenden
Landes angepaßt werden; sie sollen die Bezeichnung Gauvereine tragen. Für
Preußen soll im allgemeinen für jede Provinz ein Gauverein gebildet werden.
In Bezirken mit regem wirtschaftlichem Leben soll aber eine engere Ab-
grenzung zugelassen werden. Die Abgrenzung bestimmt der geschäfts-
führende Ausschuß. Jedes Mitglied kann nur einem und zwar dem örtlich
zuständigen Gauverein angehören.
Zu $ 35 des Entwurfs wird auf Antrag der Vertreter Mecklenburgs be-
schlossen, daß den Landesvereinen gestattet sein soll, Anträge an die Staats-
behörden und Volksvertretungen des betreffenden Gliedstaates zu stellen.
Von jedem Antrag ist dem: geschäftsführenden Ausschuß. indessen sofort
Kenntnis zu geben.
Zu $ 36 des Entwurfs entwickeln sich wieder eingehende Besprechungen
über die Einziehung der Beiträge und die Bereitstellung von Geldmitteln
für die Gliedvereine, für die Fachausschüsse, für die Beschickung der Ver-
treterversammlungen. Den einstimmigen Beifall der Versammlung findet
schließlich ein vereinigter Antrag Strinz/Schmittdiel, dessen Inhalt
in $ 38 der endgültigen Satzung niedergelegt ist.
Die übrigen Bestimmungen des Satzungsentwurfs über die Gauvereine
und Ortsgruppen ($ 37—43) werden genehmigt, desgleichen der Abschnitt
VI über die Geschäftsstelle.
Zeitschrift für_ Bericht über d. Versammlung d. D. Geometervereins etc. 271
Vermessungswesen
Die Versammlung beschließt die Herausgabe einer Zeitschrift für den
gesamten D.V.V. Alle jetzt bestehenden Einzelzeitschriften sollen eingehen.
Ausstattung und Erscheinungsweise der neuen Zeitschrift bleiben dem Er-
messen des einzusetzenden Arbeitsausschusses vorbehalten. Als Titel der
Zeitschrift wird vorgeschlagen: Zeitschrift für Vermessungswesen, Zeit-
schrift für Vermessungs- und Liegenschaftswesen und Kultyrtechnik, Zeit-
schrift für Grundstückswesen und Kulturtechnik. Die Versammlung be-
schließt den bisherigen Titel der Zeitschrift des Deutschen Geometervereins,
d. h. „Zeitschrift für Vermessungswesen" beizubehalten.
Die übrigen Paragraphen des Satzungsentwurfs über die Zeitschrift und
das Kassen- und Rechnungswesen finden im allgemeinen die Billigung der
Versammlung.: Ein Antrag, daß die Mitgliederbeiträge halbjährlich einge-
zogen werden können, wird angenommen. Die Einziehung der Mitglieder-
beiträge kann nach Ermessen des geschäftsführenden Ausschusses den Gau-
vereinen übertragen werden. Im Schlußparagraphen wird die Vorschrift
gestrichen, daß das Vereinsvermögen bei Auflösung des Vereins zu Wohl-
fahrtszwecken verwendet werden soll. Ueber die Verwendung des Ver-
einsvermögens soll vielmehr die auflösende Versammlung beschließen.
Zu Punkt 3 der Tagesordnung teilt Herr Steuerrat Lot z mit, daß es ihm
“von seinem Wohnort Allenstein aus angesichts ‘der politischen Lage ganz
unmöglich sei, die notwendigen Vorbereitungen für die Gründung des Deut-
schen Vereins für Vermessungswesen zu leiten. Er schlägt deshalb vor,
einen besonderen Arbeitsausschuß mit diesen Aufgaben zu betrauen,
Die Herren Bengs und Dengel treten nochmals lebhaft dafür ein,
die Gründung des neuen Vereins sofort vorzunehmen und nicht länger auf-
zuschieben. Herr Lotz wendet sich dagegen und findet damit und mit
seinem Antrage auf Wahl eines Arbeitsausschusses die Zustimmung der
Mehrheit der Versammlung. Aufgabe des Ausschusses soll sein, die Ver-
handlungen mit den bestehenden Vereinigungen zwecks Ueberleitung in den
Großverein zu führen, eine geeignete Persönlichkeit für die Besetzung der
Stelle des Geschäftsleiters zu suchen, die Herausgabe der Zeitschrift durch
Abschluß eines Druck- und Verlagsvertrages zu besorgen, Räume für die Ge-
schäftsstelle zu mieten und deren Einrichtung zu besorgen, sowie die Grün-
dungsversammlung vorzubereiten.
In den Arbeitsausschuß werden gewählt:
als Obmann:
Herr Vermessungsinspektor Dengel, Hamburg-Farmsen, Hauptstraße;
als Mitglieder:
Herr Oberlandmesser Blumenberg, Hannover, Freytagstraße 14,
Herr Vermessungsdirektor Strinz, Magdeburg, Königstraße 19,
Herr Steuerinspektor Lex, Wächtersbach (Bezirk Cassel),
Herr Oberlandmesser Dr. Borgstätte, Dessau, Goethestraße 16.
Die Mittel für den Arbeitsausschuß sollen der D.G.V. und L.P.L. gemein-
sam aufbringen. Gegebenenfalls können sie auch dem D.V.V. auferlegt
werden.
’
. R Zeitschrift für
272 Satzung des Deutschen Vereins für Vermessungswesen. ormessun awesen
Den Beitritt zum Deutschen Verein für Vermessungswesen erklären vor
Schluß der Versammlung schriftlich und auf Grund der erteilten Vollmachten
verbindlich die Vertreter folgender Vereine:
a) Alte Vereine: Mitgliederzahl
1. Hannoverscher Landes-Dekonomie-Beamtenverein . . . . 34 |
2. Verein der Landmesser der allgem. Bauverwaltung . . . 3
3. Altpreußischer Landmesserverein . . . . oo... 72
4, Brandenburgischer Landmesserverein . . . 2... ...127
5. Niedersächsischer Landmesserverein . . . > 0
6. Landmesser-Vereinigung Niedersachsen Iannöver)e; (1
b) Neue Vereine:
7. Verein der Landmesser von Cassel und Umgesend . . . 196
8. Landmesser-Vereinigung des Rhein.-Westtf. en 205
9. Gauverband Rheinland . . . . . nn. 442
10
. Bezirksvereinigung Deutscher osdneer: in Thüringen 9
Zusammen 1448 Mitgl.
Auf eine Anfrage aus der Versammlung wird beschlossen, daß der
Deutsche Verein für Vermessungswesen als gegründet gelten soll, sobald
3000 Mitglieder für ihn namentlich unter Ausschluß von Doppelzählungen
bei dem Arbeitsausschuß angemeldet sind.
.Die Beschlußfassung zu Punkt 4 der Tagesordnung (Bestimmung von
Ort und Zeit der Gründungsversammlung) wird dem Arbeitsausschuß über-
lassen.
Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Herr Lotz gibt seiner Freude
darüber Ausdruck, daß die Verhandlungen den Zusammenschluß aller deut-
schen Fachgenossen in einem auf Einzelmitgliedschaft gegründeten Verein
ergeben haben. Er hoffe, daß der neue Verein berufen sein möge, das
deutsche Vermessungswesen und das Wohl seiner Vertreter tatkräftig zu
fördern.
Nachdem noch die Herren Dengel und Bengs dem Vorsitzenden
und den Vorstandsmitgliedern für ihre Arbeit den Dank der Versammlung
ausgesprochen, schließt der Vorsitzende die Tagung um 6 Uhr nachmittags:
®
Der Wortlaut der Satzung des Deutschen Vereins für Vermessungs-
wesen wurde jeweils nach Schluß der beiden Verhandlungstage von einem
besonderen Ausschuß, bestehend aus den Herren Lotz, Dübbers,
Drolshagen, Splettstößer, Strinz und Dr. Klempau nach den
Beschlüssen der Versammlung wie folgt festgestellt. Dr. Klempau.
Zeitschrift für Satzung des Deutschen Vereins für Vermessungswesen. 273
en
Satzung des Deutschen Vereins für Vermessungs-
wesen. |
I, Errichtung.
8 1. Der „Deutsche Verein für Vermessungswesen" (D.V.V.), welcher
aus dem Deutschen Geometer-Verein hervorgegangen ist, bildet den Zu-
sammenschluß der im Vermessungswesen Deutschlands tätigen Personen aller
Fachrichtungen mit wissenschaftlicher Berufsvorbildung im Rahmen der für
die verschiedenen Reichsteile geltenden Vorschriften. Er hat seinen Sitz
in Berlin und wird gerichtlich eingetragener Verein.
Die Aufnahme von Auslands-Deutschen und von Ausländern ist zulässig.
II. Zweck.
$2. Der Zweck des D.V.V. ist:
a) die sachliche Förderung des Vermessungswesens in allen seinen
Zweigen und Einzelheiten,
b) die Vertretung der sozialen und wirtschaftlichen Interessen aller
Berufsangehörigen.
8 3. Der Erreichung des Zweckes dienen:
a) die über ganz Deutschland zu schaffenden Landes- und Gauvereine,
sowie ihre Ortsgruppen (Gliedvereine).
b) Die Abhaltung von Versammlungen des D.V.V. und seiner Glieder.
c) Die „Zeitschrift für Vermessungswesen”;
d) die Ansammlung von Geldmitteln zur Förderung der zu lösenden
Aufgaben;
e) die Einrichtung einer Geschäftsstelle;
f) die Schaffung einer Bücherei und einer Sammlung von Instrumenten,
Karten und sonstigen Gegenständen, welche für das Vermessungs-
wesen Bedeutung haben;
g) die Unterstützung von in Not geratenen Mitgliedern und ihrer Ange-
hörigen.
IIl. Mitgliedschaft.
Ss 4.
a) Ordentliches Mitglied des D.V.V. kann jeder im Rahmen der für seinen
Berufskreis geltenden staatlichen Vorschriften wissenschaftlich vorge-
gebildete, öffentlich als Landmesser, Vermessungsingenieur, Geo-
meter oder unter sonstiger Bezeichnung bestellte unbescholtene Fach-
genosse werden; ferner jeder, der sich auf dem Gebiete des Ver-
messungswesens wissenschaftlich betätigt.
b) Außerordentliche Mitglieder können Behörden, Institute und Einzel-
personen werden, welche zum Vermessungswesen Beziehung haben.
c) Zu Ehrenmitgliedern können solche Personen ernannt werden, die
sich um das Vermessungswesen im allgemeinen oder um den D.
im besonderen hervorragend verdient gemacht haben.
Zeitschrift für
erMessungswesen
1918.-
274 Satzung des Deutschen Vereins für Vermessungswesen. e
$5. Die ordentliche Mitgliedschaft ist durch Anmeldung bei den unter-
sten örtlichen Gliedern des D.V.V. zu beantragen. Die Aufnahme von
ordentlichen und außerordentlichen Mitgliedern erfolgt durch den geschäfts-
führenden Ausschuß binnen 4 Wochen nach Eingang des Antrags.
Ehrenmitglieder ernennt die Mitgliederversammlung nach Vorschlag
der Vertreterversammlung.
Jedes Mitglied des D.V.V. wird ohne weiteren Antrag Mitglied der für
seinen jeweiligen Wohnsitz zuständigen Gliedvereine.
$ 6. Nur die ordentlichen Mitglieder wählen und sind wählbar zu allen
Aemtern des D.V.V. und seiner Glieder. Die Mitgliedschaft verpflichtet zur
Entrichtung des Eintrittsgeldes und der Jahresbeiträge. Sie berechtigt zum
Bezug der „Zeitschrift für Vermessungswesen” und zur Benutzung aller
. sonstiger Einrichtungen des D.V.V., sowie zur Teilnahme an allen Veran-
staltungen. Die außerordentlichen Mitglieder ($ 4b) sind von der Be-
nutzung der im $ 3g genannten Einrichtung ausgeschlossen.
$ 7. Die Mitgliedschaft beginnt mit dem auf der auszuhändigenden Mit-
gliedskarte anzugebenden Zeitpunkte. Die Mitgliedschaft erlischt a) auf
Grund schriftlicher Austrittserklärung, welche spätestens vier Wochen vor
Ablauf des Vereinsjahres (Kalenderjahr) bei dem Vorstande vorliegen muß;
b) durch Ausschluß wegen Nichterfüllung der übernommenen Verpflichtung
zur Beitragsleistung oder wegen Verlustes der zur Mitgliedschaft erforder-
lichen Eigenschaften ($ 4a) nach Beschluß des geschäftsführenden Aus-
schusses. Gegen den Ausschluß ist Berufung an die Vertreterversammlung
zulässig. Diese entscheidet endgültig; c) durch den Tod.
Mit dem Aufhören der Mitgliedschaft erlöschen die mit ihr verbundenen
Rechte und Pflichten gegenüber dem D.V.V, und seinen Gliedern, sowie
jeder Anspruch an das Vermögen derselben.
An die Hinterbliebenen eines Mitgliedes haben der D.V.V. und seine
Glieder keinerlei Ansprüche.
Die Mitgliedschaft wird durch den Uebertritt eines beamteten Mitgliedes
n den Ruhestand und durch Aufgabe selbständiger Tätigkeit nicht aufge-
oben.
$ 8. Ordentliche und außerordentliche Mitglieder zahlen ein Eintritts-
geld von 10 Mk. und einen Jahresbeitrag von 25 Mk. Vor 1. Januar 1920
wird Eintrittsgeld nicht erhoben.
Ehrenmitglieder haben die Rechte der ordentlichen Mitglieder ohne
deren Pflichten; besonders sind sie- von Beitragsleistungen befreit. Studie-
rende oder sonst in der Berufsvorbereitung befindliche Personen können
in den D.V.V. gegen Entrichtung eines Jahresbeitrags von 10 Mk. aufge-
nommen werden. Sie erlangen keine Rechte und Pflichten; doch wird
ihnen die Zeitschrift geliefert und sie können an den Versammlungen teil-
nehmen. °
IV. Geschäftsführung und Verwaltung.
$ 9, Die Geschäfte des D.V.V, werden geführt durch
. die Mitgliederversammlung,
. die Vertreterversammlung,
. den geschäftsführenden Ausschuß,
. den Geschäftsleiter,
. die Schritftleiter,
. die Fachausschüsse.,
Außerdem können nach Bedarf Landesvereinsversammlungen und Ver-
sammlungen der Fachgruppen abgehalten werden.
NND ND m
$ 10. Die Mitgliederversammlung besteht aus sämtlichen*Mitgliedern des
D.V.V., Jedes anwesende ordentliche und Ehren-Mitglied haben eine
Stimme, |
Real ih für Satzung des Deutschen Vereius für Vermessungswesen. 9275
$ 11. Die Vertreterversammlung besteht aus den Abgeordneten der
ordentlichen Mitglieder der Gauvereine. Die Abgeordneten werden von den
Gauvereinen ($ 3a) nach Maßgabe ihrer Mitgliederzahlen gewählt. Vereine
bis zu 100 Mitglieder erhalten 1 Abg., 101 bis 300 Mitglieder erhalten 2 Abg,.,
darüber 3 Abg.
Die Abgeordneten werden auf zwei Jahre gewählt. Bei Wohnsitz-
wechsel und Uebertritt eines Abgeordneten in einen anderen Gauverein
tritt Ersatzwahl ein.
Jeder Abgeordnete muß ordentliches Mitglied sein. Rechte und Pflichten
bis zu drei Abgeordneten können durch schriftliche Vollmacht auf einen
Abgeordneten übertragen werden.
S$ 12. Die regelmäßige Tagung der Mitglieder- und der Vertreterver-
sammlung findet in jedem zweiten Jahre statt. Zeit und Ort der Tagung be-
stimmt der geschäftsführende Ausschuß.
Die Einladung mit Angabe der Tagesordnung muß wenigstens sechs
Wochen vor der Tagung den Gauvereinen bekannt gegeben werden.
$ 13. Außerordentliche Vertreter-Versammlungen mit den Rechten der
ordentlichen. können durch Beschluß des geschäftsführenden Ausschusses in
dringenden Fällen berufen werden. Sie müssen berufen werden, wenn sie
von wenigstens fünf Gauvereinen mit zusammen 300 stimmberechtigten Mit-
gliedern des D.V.V, verlangt werden. Die Einladung dazu mit Angabe der
„Tagesordnung muß mindestens drei Wochen vor dem Versammlungstage er-
folgen.
$ 14. Die Tagesordnungen der Versammlungen werden vom geschäfts-
führenden Ausschuß festgesetzt.
Anträge für die Tagesordnung müssen von den Gauvereinen im Wortlaut
beschlossen sein. Anträge der Ortsgruppen sind von den Gauvereinen zu
beschließen. Alle Anträge sind dem geschäftsführenden Ausschuß von den
Gauvereinen unter Benennung der Berichterstatter (Urheber) bis spätestens
10 Wochen vor der Versammlung einzureichen. Die Berichterstatter müssen
Abgeordnete des Gauvereins sein, der den Antrag einbringt. Daneben kann
der Urheber eines Antrags vom geschäftsführenden Ausschuß zur Begrün-
dung. in der Vertreterversammlung zugelassen werden.
Nach Eintritt in die Tagesordnung können neue Anträge, sofern sie sich
nicht aus den Verhandlungen ergeben. nicht mehr gestellt werden. Ueber
die Beratung versnäteter Anträse und ÄAbändernng der Tagesordnung be-
schließt eine Mehrheit von 3%, aller vertretenen Mitglieder.
815. Die Beschlüsse der Versammlungen werden mit unbedingter Mehr-
heit der abgegebenen Stimmen gefaßt.
Alle Wahlen sind geheim; sie geschehen durch Stimmzettel für jedes
Amt in besonderem Wahlgang. Erforderlich ist die unbedingte Mehrheit
der abgegebenen Stimmen; andernfalls findet Stichwahl statt.
$ 16. Die Beschlüsse der Vertreterversammlung sind in ein Verhand-
lungsbuch einzutragen und von den anwesenden Mitgliedern des geschäfts-
führenden Ausschusses zu unterzeichnen.
$ 17. Der Beschlußfassung der Mitglieder- und Vertreterversammlungen
unterliegen besonders:
1. Ergänzung, Abänderung und Auslegung der von der Gründungsver-
sammlung angenommenen Satzung;
. Aufstellung und Abänderung der Geschäftsordnungen;
. Abänderung von früheren Beschlüssen;
. Abänderung der Tagesordnung der Vertreterversammlung;
. die Wahlen für alle Aemter der Geschäftsführung;
. Beschwerden über die Geschäftsführung;
NAD N
2976 Satzung des Deutschen Vereins für Vermessungswesen. _ Zeitschrift für
| en The
7. alle Fragen der Mitgliedschaft außerhalb der Zuständigkeit des ge-
geschäftsführenden Ausschusses;
8. Genehmigung von Verträgen, welche wiederkehrende Verpflichtungen
für den „D.V.V.” enthalten;
9. Genehmigung der Voranschläge für den Jahres-Haushaltsplan;
10. Vermögensverwendung außerhalb des Voranschlags;
11. die Abnahme der Jahresrechnung;
12. die Entlastung des geschäftsführenden Ausschusses für seine Tätigkeit;
13. allgemeine Fragen über Herausgabe, Leitung und Einrichtung der
„Zeitschrift für Vermessungswesen‘;
14. Auflösung des D.V.V. und Regelung seiner Verbindlichkeiten.
‚8 18. Die Vertreterversammlung bereitet die Verhandlungen der Mit-
gliederversammlung vor. Ihre Beschlüsse bedürfen der Genehmigung durch
die Mitgliederversammlung. Widerspricht ein Beschluß der Mitgliederver-
sammlung einem solchen der Vertreterversammlung, so wird der Beschluß
durch den Einspruch von !/, der beteiligten Vertreter ungültig.
$ 19. Die Abgeordneten der Gauvereine eines Gliedstaates können die
Berufung von Landesversammlungen ihrer Mitglieder durch den G.A. des
D.V.V. beantragen. Die Berufung muß erfolgen, wenn der Antrag von der
Mehrheit der Abgeordneten gestellt wird.
Die Landesversammlungen verhandeln nach den Regeln des D.V.V:" Ihre
Beschlüsse sind dem G.A. des D.V.V. zur weiteren Verfolgung zu überweisen.
$ 20. Die Gauvereine eines Gliedstaates können sich zu einem Landes-
verein zusammenschließen. Dieser gibt sich seine Satzung selbst, welche der
des D.V.V. nicht widersprechen darf.
Die Beschlüsse des Landesvereins werden dem G.A. des D.V.V, zur
weiteren Verfolgung überwiesen.
$ 21. Der geschäitsführende Ausschuß besteht aus sieben Mitgliedern:
Dem Vorsitzenden (Vorstand des D.V.V.), seinem Stellvertreter und fünf Bei-
sitzern. Alle werden auf zwei Jahre gewählt. Sie führen die Geschäfte bis
zur Neuwahl. Scheidet ein Mitglied vor Ablauf der Wahlzeit aus, so kann
der gesch. Ausschuß sich durch Zuwahl selbst ergänzen. Die Tätigkeit
der Mitglieder ist eine ehrenamtliche. Für Reisen und Auslagen im Inter-
esse des D.V.V. werden sie entschädigt.
$ 22. Der geschäftsführende Ausschuß vertritt den D.V.V, Zur Ver-
tretung vor Gericht genügen der Vorsitzende (Vorstand) oder sein Stellver-
treter und ein zweites Mitglied.
Einem Beisitzer obliegt als Kassenwart die ständige Kassenaufsicht.
Der Vorsitzende (Vorstand) leitet die Mitglieder- und Vertreterversamn-
lungen und sorgt für die Ausführung ihrer Beschlüsse. Ueber die Kassen-
mittel hat der geschäftsführende Ausschuß freie Verfügung im Rahmen Jes
beschlossenen Haushaltsplanes.
$ 23. Die Erledigung der dem geschäftsführenden Ausschusse obliegen-
den wichtigen Geschälte erfolgt auf Grund von Mehrheitsbeschlüssen, die in
gemeinsamen Sitzungen oder im Wege schriftlicher Verständigung gefaßt
sind.
$ 24. Der Geschäftsleiter ist Angestellter des D.V.V. Er soll ein be-
sonders erfahrener Fachgenosse sein. Die Anstellung erfolgt auf Dienst-
vertrag nach $ 611 usw. des B.G.B. Die Dienstbezüge werden von der Ver-
treterversammlung festgestellt. Die Kündigung des Vertragsverhältnisses ist
für beide Seiten mit halbjähriger Frist zum Schlusse des Geschäftsjahres fest-
zulegen.
Zeitschrift für „ Satzung” des Deutschen Vereins für Vermessungswesen. 9277
a ed
$S 25. Dem Geschäftsleiter intersichen die Geschäftsstelle und die ihr
angegliederten Einrichtungen ($ 3). Er führt auch die sämtlichen Kassen-
geschäfte unter Aufsicht des geschäftsführenden Ausschusses.
“Im geschäftsführenden Ausschuß hat der Geschäftsleiter Sitz und
Stimme. Ihm obliegt die gesamte Berichterstattung über die Tätigkeit des
D.V.V., die Vorbereitung der Eingaben an Behörden und Volksvertretungen
und der anfallende Schriftwechsel im Rahmen der vom G.A. erteilten Voll-
machten.
8 26. Zur Erledigung seiner Arbeiten werden dem Geschäftsleiter die
notwendigen Hiliskräfte und Einrichtungen auf Kosten des D.V.V, nach Be-
schluß der Vertreterversammlung und des geschäftsführenden Ausschusses
beschafft.
S$ 27. Eine andere berufliche oder außerberufliche Tätigkeit als die in
den $$ 22 bis 24 aufgeführte, darf der Geschäftsleiter nicht ausüben. Schrift-
stellerische Tätigkeit ist ihm gestattet.
$ 28. Die Schriitleiter werden von der Mitgliederversammlung gewählt
und erhalten eine Entschädigung. Ihre Anzahl wird durch den Bedarf be-
stimmt. Zunächst sind zwei Schriftleiterposten einzurichten. Für die Schrift-
leiter ist anerkannte fachwissenschaftliche Befähigung notwendig. Die Ab-
grenzung ihrer Tätigkeit bestimmt der geschäftsführende Ausschuß im Ein-
vernehmen mit den Beteiligten. Grundsätzlich obliegt einem Schriftleiter
die Bearbeitung .des mathematisch-geodätischen Inhalts der „Zeitschrift für
Vermessungswesen”, während dem anderen die Bearbeitung des übrigen,
namentlich des auf soziale, wirtschaftliche und Standesfragen bezüglichen
Inhalts, zufällt, sofern diese nicht vom Geschäftsführer übernommen wird.
Vereins-, Personal- und ähnliche Nachrichten werden von der Geschäfts-
stelle bearbeitet. Diese besorgt auch den Verkehr mit der Druckerei und
alle damit verbundenen Arbeiten. Die Schriftleiter haben die Pflicht gegen-
seitiger Vertretung.
$ 29, Die Beschäftigung mit der Schriftleitung ist eine nebenamtliche.
Sie schließt die sonstige berufliche Tätigkeit nicht aus.
8 30, In der Vertreterversammlung hat der G.A. zusammen mit dem
Geschäftsleiter und den Schriftleitern eine Stimme.
Im G.A. haben Geschäftsleiter und Schriftleiter je eine Stimme. In
eigenen persönlichen Angelegenheiten haben die Schriftleiter keine Stimme.
$ 31. Bei den Gauvereinen können nach Bedarf Versammlungen der
Fachgruppen innerhalb des Gaues berufen werden. Diese Fachgruppen
wählen einen Obmann, der die Beschlüsse dem Vorstand des Gauvereins zur
Weiterverfolgung übermittelt. Er kann außerdem ‘die Beschlüsse unmittel-
bar dem Fachausschuß bei der Landesfachgruppe übermitteln.
$ 32. Versammlungen der Landesiachgruppen können durch die dem
Vorstand des G.A. oder der Vertreterversammlung angehörigen Fachge-
nossen berufen werden.
Jede Landesfachgruppe wählt einen Ausschuß, der die Beschlüsse der
Landesfachgruppe dem G.A. des D.V.V. — gegebenenfalls durch den Landes-
verein — übermittelt, von dem sie dann weiter verfolgt werden.
In dringenden und wichtigen Fragen ist es den Fachauschüsssn unbe-
nommen, außerdem im Einverständnis mit dem Vorsitzenden des G.A. un-
mittelbar mit Behörden und Volksvertretern in Verbindung zu treten.
V. Gauvereine und Ortsgruppen.
$& 33. Die Gauvereine sind der politischen Landeseinteilung möglichst
anzupassen. Die Abgrenzung bedarf der Zustimmung des G.A. Für wirt-
schaftlich besonders wichtige Landesteile (z. B. Rhein.-Westfälischer In-
978 Natzung des Deutschen Vereins für Vermessungswesen. „Zeitschrift für
eTBORSERETWT OBER
19%.
"sw’r.ebezr ,; konnen eigene Gauvereine ohne Ruücksicui au wc puuusue
Landeseinteilung gebildet werden, wenn ihre Mitgliederzahl mindestens 100
beträgt. Die Gauvereine sollen die Träger des Vereinslebens sein. Dazu
sollen sie die Fachgenossen aller Berufsrichtungen ihres Geltungskreises min-
destens einmal im Jahre in Versammlungen zusammenführen, die fachlichen
Interessen auf allen Gebieten erörtern, den Verkehr und Meinungsaustausch
unter den Berufsgenossen pflegen und die Arbeiten des D.V.V. unterstützen.
& 34. Die Gauvereine wählen je einen geschäftsführenden Ausschuß.
Seine Mitgliederzahl wird nach dem Bedürfnis bestimmt. Jede im Gau-
verein vertretene Fachrichtung soll in seinem geschäftsführenden Ausschuß
tunlichst Sitz und Stimme haben.
8 35, Die G.A. der Gauvereine vermitteln den Verkehr zwischen den
Ortsgruppen und den Fachgenossen ihres Bezirks und der Verwaltung des
.V.V, nach den von diesem aufzustellenden Richtlinien.
8 36. Die Gauvereine haben das Recht Anträge, welche von ihren
Mitgliederversammlungen nach geltender Satzung ordnungsmäßig beschlossen
wurden, bei dem D.V.V. zu stellen und deren Erledigung zu verlangen.
8 37. Die selbständige Verfolgung von Anträgen bei den Staatsbehörden
und Volksvertretern ist den Gau- und Landesvereinen nur mit schriftlich
erteilter Genehmigung des geschäftsführenden Ausschusses oder des Vor-
standes des D.V.V. erlaubt. Dagegen soll es den Landesvereinen gestattet
sein, Anträge an die Staatsbehörden und Volksvertretungen zu stellen. Dem
G.A. des D.V.V, ist die Eingabe unverzüglich zur Kenntnis zu bringen. -
8 38, Alle Unkosten, die dem D.V.V., seinen Gliedern und Fachaus-
achüssen erwachsen, sollen aus den Mitteln des D.V.V. bestritten werden.
lie Erhebung besonderer Umlagen ist auf Ausnahmefälle zu beschränken
und nur mit Genehmigung des D.V.V. zulässig.
Die Regelung der Verteilung der Mittel an die Glieder und Fachaus-
schüsse im Rahmen der vorstehenden Bestimmung wird dem G.A. des
).V,V. überlassen, ö
$& 39, Den Gauvereinen wird aus den Mitgliederbeiträgen des D.V.V.
(8 8) für jedes ihrer ordentlichen Mitglieder und für jedes Jahr der Betrag
von 5 Mk. zur Bestreitung ihrer Unkosten überwiesen. Maßgebend ist die
Summe der im Jahre bezahlten Mitgliederbeiträge. Aufwendungen, welche
darüber hinausgehen, sind durch eigene Umlage der Gauvereine zu decken.
Die völlige oder teilweise Erstattung kann in besonderen Fällen durch den
G.A. der D.V.V. beschlossen werden.
8 40. Den Fachausschüssen oder den Landesvereinen, die keine Fach-
ausschüsse haben, ist alljährlich ein vom G.A. des D.V.V. festzusetzender Be-
trag zu überweisen.
& 41. Die Kosten der Entsendung der satzungsgemäß zustehenden Abge-
ordneten zu den Vertreterversammlungen werden vom D.V.V. getragen.
8 42. Ortsgruppen können sich im Einvernehmen mit dem zuständigen
Gauverein dort bilden, wo das Bedürfnis für den unmittelbaren persönlichen
Verkehr der Mitglieder durch den Gauverein nicht erfüllt werden kann.
8 43. Die Ortsgruppen sind in keinem Falle selbständige Glieder des
D.V.V., sondern nur Teile der Gauvereine ohne eigene Verfassung. Sie be-
streiten etwaige Unkosten durch Umlage auf ihre Mitglieder.
8 44. Der Vertreterversammlung bleibt die Aufstellung einer einheit-
lichen Satzung und Geschäftsordnung für die Gauvereine vorbehalten.
VL Die Geschäftsstelle.
8 45. Die Geschäftstelle des D.V.V. ist am Orte seines Sitzes einzu-
richten. Sie ist dem Geschäftsleiter unterstellt und wird mit den erforder-
lichen Hilfskräften und der nötigen Ausstattung versehen.
ch , “ .. T _ ‚ ,
5 eneernnanresn Satzung des Deutschen Vereins für Vermessungswesen. 979
$ 46. Der Arbeitskreis der Geschäftsstelle erstreckt sich auf die sämt-
lichen den Zwecken des D.V.V. dienenden Einrichtungen und den daraus er-
wachsenden Verkehr im Innern und nach Außen.
$ 47. Die Hilfskräfte der Geschäftsstelle werden mit Zustimmung des
geschäftsführenden Ausschusses von dem Geschäftsleiter durch Dienstver-
trag gegen feste Besoldung auf Kündigung angenommen.
$ 48. Die Aufstellung einer besonderen Geschäftsanweisung für die Ge-
schäftsstelle bleibt der Vertreterversammlung vorbehalten.
VII. Die Zeitschrift.
$ 49. Die Zeitschrift führt den Titel:
„Zeitschrift für Vermessungswesen“.
$ 50. Ueber den Druck, Verlag und Versand der Zeitschrift ist mit
einer leistungsfähigen Firma ein Vertrag abzuschließen.
.. 851. Alle Mitglieder des D.V.V. erhalten die Zeitschrift. ohne beson-
dere Bezahlung nach Entrichtung der Jahresbeiträge frei zugestellt.
$52. Die Zeitschrift kann auch an Nichtmitglieder geliefert und durch
den Buchhandel vertrieben werden. : Der Bezugspreis wird dafür nach Maß-
gabe der. Herstellungskosten unter Berücksichtigung der Vereins-Interessen
festgesetzt. Die kostenlose Abgabe kann in bestimmten Fällen vom Ge-
schäftsleiter zugelassen werden.
$ 53. Das mit der Zeitschrift zu verbindende Anzeigenwesen unterliegt
der Regelung durch Vertrag mit der Druckerei oder einem Uhnter-
nehmer.
VIH. Kassen- und Rechnungswesen.
$ 54, Die Kassen- und Rechnungsgeschäfte besorgt der Geschäftsleiter
unter Aufsicht des geschäftsführenden Ausschusses, der dazu eines seiner
Mitglieder als Kassenwart ($ 22) ständig beauftragt. |
$ 55. Das Rechnungsjahr fällt mit dem Kalenderjahr zusammen.
$ 56. Zur Abwickelung des gesamten Geldverkehrs des D.V.V. ist ein
Postscheckkonto, für besondere Vermögensteile (Werbefonds, Unter-
stützungskasse usw.) sind eigene Bankkonten anzulegen oder mündelsichere
Wertpapiere zu beschaffen. Diese sind bei einer Bank zu hinterlegen. Den
Landes- und Gauvereinen ist es gestattet, sich der Kasseneinrichtungen des
D.V.V. für ihre eigenen Zwecke durch Anlage von Konten usw. zu bedienen.
$ 57. Die Einziehung der Eintrittsgelder und der Mitgliederbeiträge
kann den Gauvereinen übertragen werden und halbjährlich erfolgen.
$ 58. Alle Einnahme- und Ausgabeanweisungen sind von dem Ge-
schäftsleiter zu prüfen und von dem mit der ständigen Kassenaufsicht beauf-
tragten Mitgliede des geschäftsführenden Ausschusses (Kassenwart) zu voll-
ziehen.
$ 59. Mit der Kassenverwaltung ist die Führe { der Ahitgliederlisten
(in Kartenform) verbunden. Y
$ 60. Die Einnahme- und Ausgaberechnungen des abgelaufenen Jahres
sind bis zum 1. März abzuschließen. Ihnen ist ein Vermögensnachweis bei-
zufügen.
Einnahme- und Ausgaberechnungen und Vermögensnachweis sind nach
den Belegen von dem Kassenwart zu prüfen und als richtig zu bescheinigen,
sowie demnächst vom Vorstande des D.V.V. förmlich festzustellen. Dieser
280 Satzung des Deutschen Vereins für Vermessungswesen. verimesrungEw Dr
hat sie der Vertreterversammlung zur Abnahme durch die Rechnungsprüfer
und zur Entlastung des geschäftsführenden Ausschusses vorzulegen.
Die Rechnungsprüfer werden von der Verireterversammlung bestellt.
$ 61. Die Aufstellung einer besonderen Anweisung für die Kassen- und
Rechnungsgeschäfte bleibt dem geschäftsführenden Ausschuß vorbehalten.
‘.
IX. Rechtsstreitigkeiten.
8 62. Der Rechtsweg issnur bei vermögensrechtlichen Suaiigleien
zulässig, darf jedoch nur mit Zustimmung. der Vertreterversammlung be-
schritten werden. Die Zustimmung kann im Schriftwege herbeigeführt
werden.
X. Autlösung.
8 63. Der D.V.V. kann durch Beschluß der Vertreterversammlung mit
einer Mehrheit von drei uaentenen der vertretenen ordentlichen Mitglieder
aufgelöst werden.
$ 64. Nach Regelung alles Verbindlichkeiten soll das im Rest ver-
bliebene Vermögen nach Beschluß der auflösenden Vertreterversammlung
verwendet werden.
u lei
+
x .
‘
XLVII. Band. PRO IN August
wen. 65" 1019,
Zeitschrift für Verinessungswesen
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. O. Eggert,
Professor a. d. Techn. Hochschule in Danzig-Langfuhr
Preis des Jahrganges 10 Mark.
Im Postbezug 10 Mk. 10 Pfg. ohne Bestellgeld.
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart, Schloßst raße 14.
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: Neue Formeln zur Vebertragung geograpbi-
scher Koordinaten durch Hauptdreiecksseiten, von Krüger, — Die Notwendigkeit
einer Neuorganisation des staatlichen Vermessungswesens, von v‚ Bertrab. —
Bücherschau. — Vereinsnachrichten. — Personalnachrichten.
SICKLER
I = KARLSRUHE = QazRmanE
FEINNIVELLIER-INSTRUMENTE
DT] UNÜBERTROFFEN e_——E
in
EINFACHHEIT der Handhabung u. GENAUIGKEIT der Messergebnisse
Im
N
UNE!
INTTIN
MIT oder OHNE PROSPEKT
KIPPSCHRAUBE
” - oder u ‚N.F. PR =
REVERSIONS- a
m LIBELLE = nt
Theodolite mit Nonien-Mikroskope
D. R. G..M. System A. Fennel. D. R. G. Vi
JUL, HALL Di Ion 11
Gesichtsfeld eines Nonius-Mikroskops
Teilung sexagesimal in Yı2".
Ablesung 162% 11' 30%,
Durchmesser des Horizontalkreises
13 em
Preis ohne Vertikalkreis 600 Mark.
Preis mit Vertikalkreis 815 Mark.
Diese Theodolite weisen gegen alle anderen folgendeVorz üge ‚auf:
1. Limbus und Nonius erscheinen stets gleichmässig und gut beleuchtet,
gleichviel ob der Theodolit im freien Gelände oder bei Benutzung
des Reflektors in Tunnels oder Gruben gebraucht wird.
. Die Ablesung ist viel bequemer als die des gewöhnlichen Nonius, da
das Führen der Lupe entlang der Teilung wegfällt und man mit einem
Blick den Mikroskop-Nonius in seiner ganzen Länge völlig übersieht.
Die Schnelligkeit der Ablesung ist wesentlich grösser wie bei dei
gewöhnlichen Nonius.
. Die neue Ablesungsart ist völlig frei von Parallaxe, da das Bild der
Limbusteilung genau in der Ebene des Mikroskop-Nonius liegt,
. Infolge der Schnelligkeit der Ablesung, sowie der gleichmässigen
Helligkeit und Schärfe der Bilder ist die Ermüdung des Auges be
trächtlich geringer wie bei der Ablesung mittelst Lupen.
Durch die grosse Uebersichtlichkeit der Limbus- und Nonienteilung
und die volle Bezifferung jedes einzelnen Grades ergibt sich eine
grosse Sicherheit gegen grobe Ablesefehler. |
OTTO FENNEL SÖHNE, Case
I Werkstätte für geodätische Instrumente: oe
ZEITSCHRIFT ror VERMESSUNGSWESEN
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. O. Eggert,
Professor an der Techn. Hochschule
Danzig-Langfuhr, Hermannshöfer Weg 6.
> Heft 8.
1919, August. Band XLVII.
Der Abdruck ı von n Original- -Artikeln ohne vorher eingeholte Erlaubnis
der Schriftleitung ist untersagt.
jan
Neue Formeln zur Uebertragung geographischer
Koordinaten durch Hauptdreiecksseiten.
Von L. Krüger in Potsdam.
8 1. Zur Uebertragung der geographischen Breite B, der geographi-
schen Länge Z und des Azimutes & von einem Punkte ?, des Erdellipsoids
nach einem Punkte P, mittels der linearen Länge der geodätischen Dreiecks-
seite PıPz = s werden bei I,.andesvermessungen jetzt wohl hauptsächlich
die Formeln von O. Schreiber, C.G. Andrae, R. Helmert und OÖ. Börsch
benutzt.”) Die ersteren sind seit 1878 bei der preussischen Landesauf-
nahme im Gebrauch. Alle diese Formeln unterscheiden sich nicht wesent-
jich voneinander, sie sind nur in der Form der kleinen Korrektionsglieder
verschieden. Sie entsprechen den Formeln, die Gauss als vierte bezw.
fünfte Auflösung der entsprechenden Aufgabe auf der Kugel angegeben
hat (Werke Bd. IV, S. 288/289). Die Formeln, die Gauss selbst für das
Ellipsoid entwickelt und bei seiner Gradmessung benutzt hat (Werke Bd. IV,
S. 328/329), haben die mittlere Breite und das mittlere Azimut als Argu-
mente. Da sie infolgedessen indirektes Rechnen erfordern, sind sie bei
Landesvermessungen nicht zur Verwendung gekommen. Sie wären aber,
wie Prof. J. Frischauf hervorhebt **), wegen ihrer Schärfe besonders zur
zweiten Rechnung geeignet.
*) O. Schreiber, Formeln und Tafeln zur Berechnung der geographischen
Koordinaten aus den Richtungen und Längen der Dreiecksseiten. Rechnungs-
vorschriften für die trig. Abt. der Landesaufnahme. Berlin 1878. — C.G. Andrae,
Den danske Gradmaaling. Tredie Bind etc. Kjebenhavn 1878. Fjerde Afdeling,
förste Afsnit: Formler for Beregningen af Brede, Laengde og Azimut paa Sphae-
roiden, S. 281—316. Diese Entwicklungen finden sich auch in den Problömes
de haute geodesie etc., 2° cahier. Copenhague 1882. — I. R. Helmert, Theorien
der höheren Geodäsie, I. Band S. 456 u. f. — O. Börsch, Anleitung zur Be-
rechnung geodätischer Koordinaten. Uassel 1885. S. 72 u. f.
**) J. Frischauf, Grundlagen der Landesaufnalıme und Kartographie des
Eirdsphbäroids. Stuttgart 1913, S. 34.
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft 8. 19
\
282 Krüger. Neue Formeln zur Uebertragung etc. Vermersungeworen
Iım folgenden sollen nun neue Formeln entwickelt werden, die wie mir
scheint noch etwas einfacher und auch schärfer als die zuerst ange-
‚gebenen sind.
Wenn von dem Punkte ?, aus die Polarkoordinaten der Hauptdreiecks-
punkte des Vermessungsgebietes gegeben sind, so gelten die nachstehenden
Formeln *), in denen gesetzt wird
e? 5 & ß i y ayıi + e'? ,
ame os =, IHa=Q, Mey,
ta B „_—_ 1, e = Quadrat der Exzentrizität, (1)
due % ° arel”' a = Aequatorradius.
s .„-
u= Er csu. dvd= rn, Ma.»
eg +h®trı® +uolt +...
1
== No.20° == hı..uv% — hg..u2 v? a
| + Mur +...
UL Fl
osB =v+fh.w+thırto +f.ıWv +... (2)
— hh® hu —...
nt tn +.
— 90.30? —gı.3u0° —
+.
Rom - zäh hbo= Ten Q +t2]1 + 582),
hım=+ sh hh.2 = + (dı + 31?|1 — 3er?)
ko zer (94 + 198°] — 5Eer?t?|3 + 7 E12]),
a. = 5hhlQıld — 1782] + 30212 3er? + 1584]),
= hr
fm ha= ats, Aa shall? — er + 30),
fo.;, = sh fı.s = hıfa.ı. (3)
zb 91 = (Als — 48°) + 6b),
1 = A + 219), 93 = han
91 = nu Haar Ant eeN + 24) „
N: 54 (9 + 4011? [5 — 382] + 2441‘).
*) nn z.B. Zeitschrift für Vermessungswesen, Jahrgang 1918, S. 168—171.
Zeitschrift für‘ Krüger. Neue Formeln zur Üebertragung etc. 283
Van
AB= B, — B,, AL= LI, — L,, 0.1 — 0.27” 180° sind in Se-
kunden vorausgesetzt. Die Azimute werden von Norden über Ost gezählt.
Diese Formeln werden umständlich, wenn die geographischen Koordi-
naten von Dreieckspunkt zu Dreieckspunkt zu übertragen sind. Für diesen
Fall kann man aber aus ihnen andere herleiten, indem man sie in Be-
ziehung zu Formeln auf der Kugel bringt.
Es seien auf einer Kugel zu den ellipsoidischen Werten B,, S, «ı.»
entsprechende b,, S, @.. angenommen, die mit den ersteren in geeigneter,
aber sonst willkürlich gewählter Beziehung stehen. Mit ihnen berechnet
man Ds, Al und a,,, auf der Kugel. Alsdann wird es sich darum handeln,
zu diesen Werten die Verbesserungen herzuleiten, die zu den ellipsoidischen
Werten By, AL und «,., führen. Diese Verbesserungen sollen aus den
(Gl. (2) mit (3) entwickelt. werden. |
Wie aus (2) ersichtlich ist, gelangt man leicht zu Beziehungen zwischen
den Ellipsoid- und Kugelwerten, wenn als Kugelradius der Querkrümmungs-
radius N, im Punkte P, genommen wird. u
$ 2. Die einfachste Annahme, die sich über die Ausgangswerte D,,
S, @ı..2 auf der Kugel machen lässt, ist die, dass sie gleich den Ausgangs-
werten auf dem Ellipsoid sind, also:
b, = B,. S= 8, Ad, = w.2 (4)
Wird ausserdem N, als Kugelradius vorausgesetzt, so ergeben sich die
Korrektionen B,— by, AL — Al, &.ı — @.ı Sofort aus den Gl. (2), in-
dem man in den Koeffizienten (3) nur die mit &? = e“cos?B, multipli-
zierten Glieder beibehält. Es wird in Sekunden:
(. —-B — 96 —-b))= B-b—- 22 —b)
3 1 1
= 9a tz A + + Serdu+ gt — Nun
+ 5,4120 + 2[18 + 942]? — [902 — 11098
-H (e‘ Gl, + e” GI;,) 0" (5)
(Al, — Al)cosB, = v” er) a u?v > ti uv(u? — 02) + (e*@l, + e” Gl;,)o”
1 1 1
w.ı bı >= Er ud rghl — 42) — hr”
1 2] 443 2 | 3
+ 5 (3 + 44] Wo — [1 + 4tı?]uv°)
+ (et @l, + 2 @1,) oe". |
s 8 8
= N, 801.2 v= Sina. tgBı = tı.
Für AD=b-—b, Al=1h-—lL, und AlcosB, = Al, hat man
unter den obigen Voraussetzungen nach (2):
984 Krüger. Neue Formeln zur Uebertragung etc. Zeitschrift für
; a lt
Ab In. 1 EN
Fr = u = Wwezl + 312) uv? E_ ...
ie: n 1
=v+riwm +, HN zZ...
(6)
0"
woraus umgekehrt folgt:
a — Gt agatı äh + agal! — 3t?)AbAly +...
An
FZ
Vermittelst der Gl. (6*) lassen sich in den Gl. (5) u und » durch
Ab und Al, = AlcosB, ausdrücken. Vorher soll aber noch die erste
der Gl. (5) umgefornt werden.
Wenn » einen vorläufig unbestimmten Wert bezeichnet, so wird mit
Hilfe der ersten Gl. (6):
(6)
1 1 1
BER en en Bel 2 —.$2 3 |
v — gathAabAl, 5 Ab Al, th Al, Peru
cos?(b, +» Ab) = cos?b, 1 — 2 ru Hr? Met rtv
+3 (Au +[39? (1 —1) +r(l +34 uw) +...
3
Setzt man v = Q, und multipliziert beiderseits mit e? Ab. so wird durdı
Einführung von Ab. e”cos?(b, +. Q4b) in die erste G1. (5) das Glied
3
= Q,ıE?tıu? zum Verschwinden gebracht. Man erhält.:
3
B, — b, = Ab. e"cos (b, +7 0945)
+ oe" e? Qı n (9 — t?[ı —31Ee2) u? — 5 uv“ (N
= . tı (u? + |25 — 9t?]wo? — 4u)| + (e* Gl, + e? Gl,) oe".
Wirdv = . gesetzt, so ergibt sich in derselben Weise wie vorker:
B,—b, = Ab.e”cos: (b, +74)
+0" 82 1-3 etw? +. 1-16? 8e%—12]1 488,408)
1 1 ı
5 (9a 92) un? — guhh(6ut + [25 — 92]? — 40)
| + (eG, + e”?G@l;) oe”.
Ba — bs und Ab sind in Sekunden vorausgesetzt.
$ 3. Wenn in (7) und (7*) sowie in die zweite und dritte Gl. (9)
die Werte von u und v aus (6*) eingeführt werden, so gelangt man zu
folgenden Ausdrücken für die Korrektionen in Sekunden, die den Werten
auf der Kugel hinzuzufügen sind, um aus ihnen die Werte auf dem
Ellipsoid zu erhalten: ’
Zeitschrift ür_ Krüger. Neue Formeln zur Uebertragung etc. 285
a Thal
3
B—-b= ——. + z Q,4Ab)
Her) Tag er (9 — t|1 — 3182]) Ad? - u AbAly’
1 N
— u BAU — 8A al +2 al)
— (e! Gl,—te? G/I,) 0”
—= 4Ab.e”cos?(b, +4 4b) Her) €, Ab?
3 r
20"
1
Tem (l — 16&° — 8E* — t?|1 — 48€? — 40 &1]) Ad?
— GA A h(BAdI— BAD AA +20) |
+ (e* Gl, —+ e”?Gl,)o“
1
AL-A = EEE (8)
1 i 1
01,17 &2 A Io go” Ab — ii tı (1 — 2 €”) A b? + 120° t, A lg
ı B 2 3 PR
rag +- 2112] 4b — 37 AbAl)),
+ (e’ Gl, + e” GI,) 0”.
Der Längenunterschied auf einer Kugel vom Radius N, weicht hiernach
von dem Längenunterschied auf dem Ellipsoid nur um kleine Glieder von
der Ordnung pe” Gl; ab, wenn auf der Kugel unter derselben Breite mit
derselben linearen Länge der geodätischen Linie und mit demselben Azimut
wie auf dem Erdellipsoid ausgegangen wird.
1
In der Gleichung für «3, ı — @, ı lässt sich das Glied — Erz Et, Ab? Al,
zum Fortfallen bringen, indem manz.B. Aly= Alcos B, durch Alcos(b, In 3 4 b)
ersetzt.
Für Hauptdreiecksseiten kann man in den obigen Gleichungen auch
schon die Glieder von der Ordnung ee Gl; + e”Gl,) vernachlässigen.
In B, — bu, Gl. (8), ist das Glied er a (3Ab—84Ab2Aly? +2 Alt)
0” “3 z
im Maximum annähernd gleich a ( .) . Das gibt für s = 200 km
noch nicht 0,000 05, a für s = 120 km noch. nicht 0,000 01.
Das Glied &,'4b 2 ter +0 + ee (2)
1 1 1 1 6 oe"
n der ersten Gl. fir " — db, wird im Maximum Algenähert gleic
0,500" er (7 ); dementsprechend kann es für s = 140 km höchstens
gleich 0, 000 05, und für s = 120 km höchstens gleich 0,000 03 werden.
Im ungünstigsten Falle werden die Glieder o” (e* Gl; — e”? @!,)
Ken : ; ; :
986 Krüger. Neue Formeln zur Uebertragung etc. yze Snnungiwen
in der ersten Gl. für Ba — b, Gl. (8), für s = 120 km noch nicht
0,000 05 erreichen.
Ab 1 /Al,\?
DasGlied &,44b E [16 — 881? +1?(484+4022)] (7 ) = N
in der zweiten Gl. für Ba — b, wird im Maximum angenähert gleich
o’ e’ (+) ‚ also doppelt so gross wie vorher die e“@l; bei der ersten Gl.
für Ba — b,. Für Dreiecksseiten von 100 km Länge bleiben aber auch
die Glieder von der Form g”(e*Gl; + e”Gl,) in der zweiten Gl. für
B; — db, unterhalb 0,000 05.
Al,
In 2.1 — @.. liegt der Einfluss des Gliedes &ı? Tg. | +20 .)
L\2
— 31% (=) ] für positive Werte von Ab und Al und für s = 200 km
bei B, = 30° zwischen — 0,000 019 und -+- 0,000 038
„B=40 „ — 0 ‚000041 „ +0 ‚000 041
„ Bı = 60° R — 0 ‚000065 „ 0 ‚000 047,
| 2 Ab\?.
Das Glied 3 Et, Al, (7) in &.2a — 4,.» kann im Maximum ange-
‘4 g
nähert gleich er (7) ‚ also für s = 150 km erst 0,000 01 werden.
1
Mithin sind auch in as.ı — Ay. die o”(e*@l; + e”?Gl,) für Haupt
dreiecksseiten ohne Bedeutung.
| 8 4. Zwischen den Werten b,, d,, Al, S, aı.» As., auf einer Kugel |
vom Radius N, und den Werten B,, Ba, AL, 8, &ı.., &,.ı auf dem Erd-
ellipsoid bestehen demnach für geodätische Linien, deren lineare Länge
unterhalb 120 km bleibt, die folgenden Gleichungen.
Wird
db, = Bı S=s, A127 0.
angenommen, so ist, mit
0“
N: 0c08sc.2 = U, osnaa = dv:
Ä | |
db, — bi = Ab und Alcosb, = Al, in Sekunden:
AL ar = ser „ e08 by. RER = oma —_ cosb, Ab? Al, + u“ Gl:
UL a vor + eo ls 9)
.09177%1ı-
[ e
— Pr Bee — sin? b, (AB? — ae
ii
‘ ; 3 ‘ ‘
at B—b = Ab.e®cot (bi +, a ee
.ırab
(ID . 7 2 cos? bi. uv + 0“ Gl;
az 0
Vermbssungswosen fir _ Krüger. Neue Formeln zur Uebertragung etc. 287
B; — b, = Ab. e”cos? (+, Q1 Ab) + 5 -„ c0820,. 4b?
Sek.
= er cos?bi.AbAly + 0" Gl;
= Ab.e‘: cos? (b, +3 Ab) Forza „0082 b,.u° (9)
e: 2 ee .
gg cos b,.uv? — 1er er b,sin2b,.W + 0" Gl;
Ab.e’: cos: (b, +, 4b) +
e” cos2b,. Ab?
16 eo? I.
e'? 9
ur c08?b,. Ab Al —
: 3 3
wobei b) + , 9 Ab = 5 + 4b + Ad. c*coseb ist.
Ab + u" Gl,
AL ist nur wenig von ar verschieden. Der Maximalwert von
AL— Ah,gleich ©; 2 - "er 7) cos d,. wird für s= 120 kmerst 0,001 2cosb,.
AL-—4Al ist einer als 0%, 000 05 bei d), = 300 für s<43 km und bei
db, = 60° für s< 52km, und kleiner als 00005 bei db, = 30° für
s<{94 km und bei b, = 60° für s<{ 110 km.
Wenn man &1— 4, nur auf 00005 genau zu erhalten
braucht, was in der Regel genügt, so kann das zweite Glied in
den beiden Gleichungen für «.ı — “,, auch noch vernach-
lässigt werden.
Für s = 120 km ist nämlich in
„2
195m sin 2b, c082a,,2. v0? 54 „a Sin2b,.Aly(44b" — Alu‘)
57 E
Faktor
von sin2b, =
Faktor
!
bei 4. = | A
- | von sin2b, =
|
| 0 0
15 + 0,000 17 15 + 0,000 36
30 —+- 0,000 19 30 + 0,000 53
45 0 45 —+- 0,000 40
60 — 0,000 32 60 + 0,0110 08
75 — 0,000 64 75 — 0,000 25
90° — 0,000 76 90 — 0,000 38
Die Glieder ae cos2b,.wW — nn cos? b,.uv? in den Gleichungen
für Ba — b, liefern nur kleine Beträge. Für s = 70 km ergeben sie im
Maximum 0,0001; für s = 53 km kann ihr Eintluss höchstens 0“%,000 05
werden. Für diese Glieder könnte man leicht ein Täfelchen anlegen. in-
dem man sie in s ausdrückt.
Krüger. Neue Formeln zur Uebertragung etc. Zeitschrift für
988 g Neue meln zur Uebertragung vs Finensungswesen
$ 5. Es handelt sich nun noch um die Berechnungen von by Al.
Q@9.ı auf der Kugel vom Radius N, wenn 5b,, S und a... gegeben sind.
Dazu könnte man die Gl. (2) mit (3) benutzen, indem man darin &,? = 0 setzt,
also für d, — 5, und Al z.B. die Gl. (6). Wenn man hierbei nicht sehr
weit geht, erhält man jedoch schärfere Werte und mit weniger Rechnung,
wenn man die schon erwähnten sphärischen Formeln benutzt, die von
Gauss in den „Untersuchungen über Gegenstände der höheren Geodäsie“,
Art. 16, angegeben sind. Von den dort aufgeführten 4 Rechnungswegen
ist hier der letzte am geeignetsten; für ihn lauten die Formeln:
u u
Esmo Mirwoma yiy-
1 sınn = Sın Osındı.a
tal = wo „sec b‘ ige = Be (10)
sin(b’ — b) = Iye ty g Alcosb snE = 19% -osina, „sin:
a1 = 4.231800 --c—E
Aus diesen Gleichungen lassen sich leicht Reihen herstellen. Es ist:
2 M:30* 7M: 900°
logtge= lg ut Ta ng ss181 — 20] + jr. 27 So) jet.
M = Modul der a, Logarithmen. z ist rechter Hand in Sekunden
vorausgesetzt.
So lange logz < 3,607 ist, kann der Fehler, der dadurch entsteht,
dass man 7, = m 2? nimmt, nicht mehr als 5 Einheit der 8. Dezimal-
stelle in (11) betragen.
Ferner kann man setzen:
n Tz (12)
logsing = log - is
eo
Der Febler dieser Gleichung ist [6, oe 30] 2’-+..., erist für loya<3,70
1
kleiner als — Einheit der 8. Dezimalstelle.
Mit (11) und (12) ergeben sich nun sofort die Gleichungen für log5:
loge und logE in (13).
In den Gleichungen, die mittels (11) und (12) für log Al und log (b‘ — bı)
erhalten werden, kann man 74, eliminieren. Aus den Gl. für {y& und sin
in (10) folgt nämlich, wenn 5, n ebenso wie Z und c in Sekunden voraus
gesetzt werden:
7? «(N ® &° ‘dd =
0C0SChı.a = (1 0) + v0" Gl, osnasa = 7 (1 + a) + 0" Gl;
1
= — gi 21? +06,
igaı. = li - 6e FR Ee —- 61).
Zeitschrift fir Krüger. Neue Formeln zur Uebertragung etc. 289
a
Damit wird
_ [NL no N: y4 .
di a 30"? z +1):
da ferner
2 m n° 214
so ergibt sich
p ‘ : n“ 2 HI “u
AY— ce — m > 30% tg: b —- v ! Gl,
= + — 2+ re 82) (&?sec?b‘ — o?tg?b’) 4 0? GE.
Nach (11) kann man daher setzen:
zu =ec + u — T;:
der dabei begangene Fehler, im Sinne einer Verbesserung der rechten
Seite dieser Gleichung, ist:
E 2
m az (m secb‘— 0) +-Gk=— j5 g M (02 — 82) (&2 sec? b‘ — 0?tg9?b’) + Gls,
1
im Maximum also gleich — 50 M (+) cos?b‘, d.i. für s = 200 km noch
1
nicht — (5.cos?b‘) Einheiten der 9. Dezimalstelle.
Aus den Gl. (10) wird nun erhalten, wenn wieder wie vorher
‘“
Be SE S, u= 00084, .. v— Osina,.
1
gesetzt wird:
loy& = logu “fr T, — T: . ) ı +5=b‘
1
ge = lgwigb‘) — gu. — Te
1
log Al = log (vsecb‘) _-5%:— U (13)
: cv 1 3 1
loy(b'’ — b,) = 009 Gm Tau Jut Te
= go
log E= log —_ 2 0" + 4 I, — 2 T:
Die Grössen linker Hand ergeben sich in Sekunden.
| 91ı=.+1800+c—E
Die Formeln von Gauss, Werke Bd. IV, S. 289, findet man hieraus,
indem man etwas weniger genau 7: durch 7. und 7. durch 7, mit y = vigb’
ersetzt, wobei jetzt für 7 nur das zuerst angegebene Glied in (11) ge-
nommen wird, und indem man in den letzten beiden Gleichungen für logc
und loy& ihre Werte einführt, so dass wird
2
loy (b’ — bs) = log 20” a A. Ts 4 Tu— y T;-
loy E = 09 5 gu + A TI, o Tu:
290 Krüger. Neue Formeln zur Uebertragung etc. Zeitschrift für
a alien
bei grösseren Hauptdreiecksseiten kann der Unterschied zwischen 1.
und T, 1—2 Einheiten der 8. Dezimalstelle erreichen; dieser Einfluss
würde aber nur bei der Gleichung für logAl in Betracht kommen. Der
Unterschied zwischen T; und z. ist meistens belanglos.
Die Gl. (13) und (9) geben die Auflösung der Aufgabe: die geogra-
phischen Koordinaten mittels Hauptdreiecksseiten zu übertragen.
S 6. Wenn man in (9) für die Konstanten ihre Zahlenwerte einführt,
so kann man z. B. zum Uebergang von der Kugel zum Ellipsoid, also im
Anschluss an (13) die folgenden Formeln benutzen:
AL—Al= |6.721 — 20]cosb,..uv
“a. —Ay.ı = [2.2119 — 10] cos? b, . uv
+ [6,119 — 20]sin 2b, cos2aı 2. 7
B,— b, = [7.827319 — 10]4d.oo82(, +,4) | (1)
— [0,215 — 10]cos?b,sin2b, .u2
+ [5,994 — 20]cos2b, . 3
— [6,420 — 20] cos? b, . u v*.
Statt v« kann man hierin auch & nehmen.
Mittels der Gl. (13) mit (11) und (14) soll nun ein Beispiel mit ex
tremen Werten, von O. Schreiber (Formeln und’ Tafeln zur Berechnung
geogr. Koordinaten, S. 10). berechnet werden.
Gegeben ist:
bb = B =57%, a.= u. — 1350, loyS — loys = 5,079 18125.
(Auflösung siehe nächste Seite.)
S 7. Werden zu den Gl. (10) die Gl. (8) hinzugenommen, so kam
die Uebertragung der geographischen Koordinaten auf ziemlich weite Ent-
fernungen erfolgen. Jedenfalls können diese grösser sein, als es bei An
wendung der Gl. (2), selbst wenn sie noch je um ein Glied weiter ent-
wickelt sind, der Fall sein darf.
Es sei gereben:
B, = 529 50° 16,7, 1.2 = 59% 33° 0,6892, loys = 5,724 2591 355.
(Diese Daten beziehen sich auf das in der seodätischen Literatur bekannte
Beispiel Berlin—Königsberg. Vergl. Helmert, Theorien der höheren Geo-
däsie, I. Band, S. 244—2147 u. S. 300—302.)
Zunächst werden auf der Kugel vom Radius N, mit den Werten
b, = B. tz» = a, und 8 = s die Werte b., Al und a,,., berechnet.
Nach (10) wird erhalten:
291
Zeitschrift für
Vermessungswesen
Krüger. Neue Formeln zur Uebertragung etc.
1919.
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089 °''(P) ON 9) zuy '(d)
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79 830
CH nCyı8 — = WW E09 ‚95 094 =
188049 »88 01 >= IV
9000° 0 + = 19 — IV
ıV
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+ 81 98 guL’g
rl = 01 12 90#°8
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TIIre 184€
9 8621 808‘8 '*"
G3I8T6L0°8 °
292 Krüger. Neue Formeln zur Uebertragung etc. _ Zeitschrift für
VOmOSTUnERNeSen
log N, = 6,805 5577 157 40 45° 5,13 684
£ = 20 24° 43,39 191 Al = 70.5 59,96 877
b, = 52 30 16 ‚70.000 C= 5% 48° 18”40951
b’ = 54 55 0 ,09191 —E=— 5 10 4741
’—b= 12 27 75097 1800+a,2 = 239 33 0 ‚68920
b, = 540 42° 32,34 094 Ag. = 245° 16° 8,62 420
Der Uebergang zu den ellipsoidischen Werten B,, AL und «sa.ı nach (8)
ergibt weiter, da
&2 = ecosb,...7,3961214— 10, 1+8? = 9... . 0,001 0799
und
3 3
6, + 74Ab+7z Erdb=b,—=5409'43“,25und Alcosb; = Aly...4,191962
L}
ist: j
Ab.e'2cos?b, = + 182788
1
= 66. Ab. Ale iu 188
1
+ aa (at [1 Sau: 31E,2]) 4° = — 10
Er Qı: |
— 3 4b! ) = — 1
+ 4805 + 84 Aly = + 9 |
_ 2 A I = an 9 |
B—b = + 18%,2589
b, = 540 42° 32,3409
j B; = 540.42 50',5998 anstatt... 50“,6000.
Ferner ist:
1
AL—-ıAl= Erz = + 0,0314
Al = 705 59.9688
AL = 706° 0,0002 anstatt... 0,0000
und |
Kr + -. 7 4b | —= + 0,7451
1 Me = — 350
Er Alo. + EZ z Al? \ N + 2339
I are = + 8
| 1201 — 312 Ada \|= — 36
101 = + 0,7412
A9.ı = 2450 16° 8,6242
2.1 = 2450 16 9,3654 anstatt... 9,3659
FermeasungEWesen Krüger. Neue Formeln zur Uebertragung etc. 293
8 8. Die im $ 2 gemachten Annahmen über die Ausgangswerte D,,
S, 4ı.2 auf der Kugel kann man, wie bereits gesagt, auch durch andere
ersetzen.
Es werde z. B. festgesetzt, dass die Kugelbreiten 5, und by, gleich
den zu B, und B, gehörigen reduzierten Breiten sein sollen, also
a. -tgB;, cosb; = Vier
Vi+er V®:
Dadurch wird erreicht, dass, wenn der grösste Kreis unter dem Azimut
%.g = @,.2 ausgeht, dann sein Azimut a,., in der Breite d, gleich dem
ellipsoidischen Azimut «,., wird. Die lineare Länge des Grosskreisbogens
zwischen den Breiten db, und db, sei S und die dazu gehörige Längen-
differenz gleich Al. Ist nun die Beziehung zwischen s und S bekannt,
so lassen sich aus d,, S und a,» = aı.a die Werte bu, Al, &ı = a.ı
nach (13) berechnen. Von d, wird mittels (15) zu B, übergegangen,
während die Beziehung zwischen Al und AL, ebenso wie die vorher zu
brauchende zwischen S und s, noch aufzustellen ist.
Die Gleichung zwischen $S und s kann man leicht erhalten, indem
man die Gleichungen für die Azimutdifferenz auf der Kugel und auf dem
Ellipsoid miteinander vergleicht.
Nach (2) mit (3) ist für das Ellipsoid, wenn
ub = cos Bi. (15)
“4
4 ra
u=m= N, 5 C0S «1 .2 = seinen. und ty Bı u;
gesetzt wird:
1
2.1 —— (1800 + a = vv. ) + 307 (9 + 21) u (16)
+ 60° tı (( 15 — 4ER] + 6) — (91 + 241) v) rer. {
Für die Kugel mit demselben Radius N, ist hiernach, wenn
“
n Seos cu.» vv = N Ssina.. und iyb = ty‘
ist:
1
02.1 — (1800 + a.) = v’ ir UETZA + 21) u’
] 4 ‘ ‚2 u2\ 47 I
+agalı ((5 + 619w2 — (1 + 21%) 02) + a
} : 1
In dieser Gleichung wird nach (15) tı‘ = Vira! ferner
a ee et u’ v
Ss = & F, l Ze u e — F', Bureau ——— ‚FF
syı + e? also Vire u Vire v (17)
gesetzt. Berücksichtigt man a dass 1+e? = 9, + &?tı? ist, so geht
sie über in:
9. — (1800 + a.) = v ur tg 7 (+ 2 -+ 82 |)ur® (18)
+ gg; hl OHtLSH BED (gr +erl®)Rr +...‘
294 Krüger. Neue Formeln zur Uebertragung ete. Zeitschrift für
ern
Aus der Gleichsetzung von (16) und (18) folgt nun:
1 Re
F=-1— 90 &. A u 76 0? & (—- Qı — t.2 R + 3€7))
1
24 292 «2
oder Er 60"? ale Zu e (19)
Me'
loyF = or sin2 B,.u en 60 ce cos? B,.u? + sin? B, .v?) + @l,,
womit sich der Wert von S$ in (17) ergibt. M = Modul der Briggsschen
J,ogarithmen.
Die Gleichung zwischen AJ, und A? wird wie folgt erhalten. Nach
(2) mit (3) ist für das Ellipsoid
1 1
Alı.cosB, = v 1+ 0" hu-+ ya (91 +31)uw — 120°) +.. ze
mithin wird für die n.
Al. cos B, = N + — Fra u" + —- 30 2 a (U + 302) — Nere)+. e
aller wenn die en von an v', w und F eingeführt werden:
di, a
vo, cosB, = v) 1+ 0. a =, er )tıu
1.
+ (2 et en +.
Iiernach wird:
a we (20)
AL —- vo. — vsec Bi y ag &ı tu
1
ia 6 ( 1 + 321 - ee — tv).
ade + 50 kat dt | l ) 1 ) \
a | | |
AL. vo! ‚ı + hu |
1
+ 90m & (ea — an) +...\
Ä e '
oder
Al
loyAL = log —— vo, 17% M gasin2B,. u
M „
+ —5 60 e? (cos? B, . u? — sin? B, .v?) + @l,.
AL und Al sind in Sekunden zu verstehen. Die Gl. (19) und (20) ent-
sprechen den Formeln von W. Jordan.*) Diese Uebertragung der geo-
graphischen Koordinaten ist unbequemer als die vorher angegebene, weil
bei ihr der Uebergang zu den reduzierten Breiten notwendig ist.
Man kann auch noch andere Annahmen für die Kugelwerte machen;
nur ist dabei nötig, dass diese von den ellipsoidischen Werten nicht um
mehr alr eine Grösse von der Ordnung des Quadrats der Exzentrizität ab-
weichen.
*) Jordan- Egsert, Haudbuch der Vermessungskunde, II. Band 1916,
S. 472/473.
Zeitschrift für v. Bertrab. Die Notwendigkeit einer Neuorganisation etc. 995
VRR LBEW ES j N
Die Notwendigkeit einer Neuorganisation des staatlichen
Vermessungswesens.
Von General der Infanterie z. D. v. Bertrab, Dr. ing. h. c. der Techn. Hoch-
schulen Berlin und München.
Bereits geraume Zeit vor dem Kriege setzte in den verschiedenen
Berufen des Vermessungswesens eine Bewegung ein, welche die Schaffung
einer einheitlichen Organisation zum Ziel hatte. Es knüpfte sich daran
die Hoffnung, dass dadurch auch der gesamte Stand eine gerechtere
Würdigung und damit eine den Verhältnissen entsprechende Hebung er-
fahren würde. Die Ereignisse des Krieges haben die Vermessungsange-
stellten erst recht zum Bewusstsein ihres Könnens gebracht und dadurch
dazu beigetragen, die Bewegung wesentlich zu stärken und zu stützen.
Die Berechtigung wird man ihr billigerweise nicht absprechen können und
es ist ganz natürlich, dass die interessierten Kreise gerade jetzt, wo man
bestrebt ist, alles von Grund auf zu revidieren und neu zu organisieren,
darauf drängen, dass auch die Bedürfnisse des Vermessungswesens dabei
in gebührender Weise berücksichtigt werden. Man ist sich darüber klar,
dass der augenblickliche Zeitpunkt wie keiner zuvor ein zielbewusstes
Vorgehen fordert, soll eine durchgreifende Besserung in absehbarer Zeit
überhaupt ermöglicht werden. Das wäre aber in anbetracht der wich-
tigen Rolle, welche das Vermessungswesen im innerpolitischen und wirt-
schaftlichen Leben spielt, im Interesse des Staates sowohl wie in dem
der Bevölkerung ausserordentlich zu bedauern. Es erscheint daher an-
gebracht, auf diese Bewegung aufmerksam zu machen und weitere Kreise
dafür zu interessieren.
Es sei zunächst kurz hingewiesen auf die vielseitigen und ein-
schneidenden Aufgaben des Vermessungswesens für das öffentliche und
Privatleben. Unsere gesamte Steuerveranlagung, soweit sie unmittelbar
oder mittelbar mit dem Grund und Boden zusammenhängt, stützt sich auf
die Ergebnisse der Vermessungen. Auf ihnen beruht Abgrenzung, Be-
wertung und Sicherung des Besitzes des Staates sowohl wie der Bürger.
Für die rationelle Bewirtschaftung und Verwaltung des Grund und Bodens
sind sie unentbehrlich. Alle dem öffentlichen und privaten Interesse
dienenden Anlagen wie Eisenbahnen, Strassen und Wege aller Art,
Kanalisierungen, Weasserstandsregulierungen, Ent- und Bewässerungs-
anlagen, Wasserversorgung, Kolonisierungen, Bodenbewegungen und alle
diesen ähnliche und verwandte Anlagen bedürfen sorgfältiger Vermessungs-
arbeiten als erste Vorbedingung für ihre Ausführung. Ebenso unent-
behrlich sind Vermessungsarbeiten für den gesamten Bergbau und die
Ilebung der Bodenschätze. Ferner baut sich das ganze für jeden Kultur-
staat unentbehrliche Kartenmaterial auf umfangreicher Vermessungstätigkeit
296 v. Bertrab. Die Notwendigkeit einer Neuorganisation etc. vermensng fr
mannigfaltigster Art auf. Welche Bedeutung die Karten von den grössten
bis zu den kleinsten Massstäben für das öffentliche leben, für alle Zweige
der Verwaltung, für die Armee, für das Schulwesen einschl. der Hoch-
schulen, für ausgedehnte Gebiete der Technik und die vielseitigsten pri-
vaten Zwecke haben, dafür bedarf es nur eines Hinweises. Auch viele
. Wissenschaften, insbesondere die Geodäsie, Geographie, Geophysik, Geo-
logie, Astronomie und alle mit diesen im Zusammenhang stehenden wissen-
schaftlichen Gebiete können in gewissem Umfange Vermessungen nicht
entbehren. So bildet das Vermessungswesen einen wichtigen Lebensfaktor
im Kultur- und Wirtschaftsleben eines Staates. Ordnung und Sicherheit,
Handel und Wandel, Wissenschaft und Forschung sind mehr oder weniger
abhängig von einer ordnungsmässigen Vermessung.
Es ist obne weiteres ersichtlich, dass zur Bewältigung der ausge-
dehnten und vielseitigen Vermessungsaufgaben ein umfangreiches Personal
erforderlich ist und zwar ein stetig wachsendes. Die Eigenart der Arbeiten.
die laufenden Veränderungen der Erdoberfläche, insbesondere infolge der
Aenderungen in der Bebauung und ihrer Verwertung, ferner die sich fort
gesetzt steigernden Forderungen inbezug auf Genauigkeit infolge der Fart-
schritte in der Technik verlangen eine ständige Kurrenthaltung und w
teren Ausbau der bereits geschaffenen neben den vielen neuen Aufgaben,
welche fortgesetzt an das Vermessungswesen herantreten. Und alle diese
Arbeiten verlangen eine ununterbrochene gleichzeitige Tätigkeit über das
gesamte Staatsgebiet. Aus der Vielseitigkeit und weittragenden Bedeutung
der Vermessungsarbeiten geht hervor, dass ihre Ausführung neben prak-
tischer Begabung zum Teil ein recht umfangreiches Wissen wissenschalt-
licher und technischer Art verlangt. Viele Aufgaben erfordern auch
juristische, landwirtschaftliche und verwaltungstechnische Kenntnisse. Ab
solute Zuverlässigkeit der Arbeit, Festigkeit des Charakters und Gewandtheit
und Sicherheit im Umgange mit allen Klassen der Bevölkerung sind we
tere Qualitäten, die bei jedem tüchtigen Vermessungssbeamten vorausgesetzt
werden. Man wird zugeben müssen, dass Anstellungsbedingungen und
äussere Stellung der Vermessungsbeamten mit diesen Anforderungen nicht
im Einklang stehen. Hier Wandel zu schaffen, liegt im allgemeinen In-
teresse, nicht nur in demjenigen der Vermessungsbeamten selbst.
Trotz seiner vielseitigen und wichtigen Bedeutung für Staat und Volk
hat das Vermessungswesen in Deutschland eine eigene Organisation bisher
nicht gehabt. Die historische Entwickelung des Deutschen Reichs hat €
mit sich gebracht, dass sich das Vermessungswesen in den einzelnen
Staaten nach verschiedenen Systemen entwickelt hat. Aber auch innerhalb
der einzelnen Staaten ist seine Organisation durchaus keine einheitliche.
So verteilt sich in Preussen die Vermessungstätigkeit auf 8 verschiedene
Ministerien bezw. diesen gleichgestellte Behörden. Wo eine Vermessung‘
Zeitschrift für” v. Bertrab. Die Notwendigkeit einer Neuorganisation etc. 2997
nt ae »
tätigkeit für bestimmte Zwecke unerlässlich wurde — sei es für Armee,
Steuer, Verwaltung, Landwirtschaft oder andere Zwecke — wurden bei
dem zuständigen Ministerium die für die Ausführung der erforderlichen
Arbeiten notwendigen Stellen geschaffen. Ein Zusammenhang zwischen
den Arbeiten dieser Stellen bestand aber zunächst nicht. Uebelstände
wie einseitige Entwickelung innerhalb der einzelnen Ressorts, Doppel-
arbeiten für verschiedene Zwecke und dadurch entstehende unnötige Mehr-
ausgaben u. a. waren die Folge. Dazu kam, dass keine Stelle ein Inter-
esse an der für die Allgemeinheit so wichtigen Entwickelung des Ver-
messungswesens an sich hatte. Jede einzelne Stelle bemühte sich zwar,
ihr eigenes Vermessungswesen auszubauen, aber es erfolgte dieses nach
Lage der Verhältnisse im begrenzten Rahmen der eigenen Anforderungen.
Das wirkte naturgemäss auch nachteilig auf das ausführende Personal,
das sich dadurch in seiner freien Entwickelung gehemmt und an einem
seinen Fähigkeiten und Leistungen entsprechenden Aufstieg gehindert sah.
Die vorerwähnten Uebelstände wurden wohl erkannt und man suchte
wenigstens den empfindlichsten von ihnen vorzubeugen durch das in den
70er Jahren des vorigen Jahrhunderts eingesetzte Zentral-Direktorium
der Vermessungen im Preussischen Staate. Die Statuten dieses Direk-
toriums sind durchaus zweckmässig und bieten die nötige Handhabe, das
_ Vermessungswesen wenigstens innerhalb des Preussischen Staates auf ge-
sunder Grundlage zu entwickeln, einheitlich zu gestalten und allen be-
teiligten Stellen ebenso wie auch dem Staate im allgemeinen auf rationellste
Art dienstbar zu machen. Um aber die neue Stelle in Wirksamkeit treten
zu lassen, gehörte ein erfahrener Fachmann an die Spitze, der ausserhalb
der beteiligten Ressorts stehend seine ganze Kraft der einen grossen Auf-
gabe widmen konnte. Bestimmungsmässig stand aber bisher an der Spitze
des Zentral-Direktoriums der Chef des Generalstabes der Armee, von
dem billigerweise ein entscheidender Einfluss auf die Entwickelung des
Vermessungswesens nicht erwartet werden konnte und auch tatsächlich
nicht äusgeübt wurde.
Die Gegner einer Umgestaltung des Vermessungswesens können nun
die Tatsache anführen, dass bisher von keiner leitenden Stelle, in deren
Bereich Vermessungsarbeiten ausgeführt werden, eine Aenderung der be-
stehenden Verhältnisse angeregt worden ist; sie können infolgedessen das
Bedürfnis nach einer solchen in Abrede stellen. Es kann zugegeben
werden, dass sich die einzelnen Stellen bisher tatsächlich mit den be-
stehenden Verhältnissen abgefunden haben; die mit einer Neuorganisation
‘namentlich unter den früheren Verhältnissen verbundenen Schwierigkeiten
regten gewiss auch nicht zu Aenderungen an, die man glaubte vermeiden
zu können. Das ist also verständlich. Leider hielt sich aber auch die-
jenige Stelle, welche dazu berufen war, die allgemeinen Interessen des
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft & 20
398 v.Beırtrab. Die Notwendigkeit einer Neuorganisation ete. _ Zeitschrift für
VAT SEDEEN a
Vermessungswesens zu vertreten, nämlich das Zentral-Direktorium, zurück.
Wenn aber auch die eine oder andere Stelle kein eigenes Interesse an
einer Reorganisation des Vermessungswesen im Sinne einer einheitlichen
Zusammenfassung aller Vermessungstätigkeit hat, wobei hier und da ein ge-
wisses Solidaritätsgefühl mitsprechen mag, sie müsste sich einer solchen fügen,
wenn das allgemeine Staatsinteresse eine solche fordert. Das ist aber der
Fall und zwar aus ökonomischen, sachlichen und persönlichen Gründen.
1. Aus ökonomischen Gründen. Es ist bereits angedeutet worden,
dass unter den bestehenden Verhältnissen Doppelarbeiten unvermeidlich
sind. Von irgend einer Stelle werden Vermessungen zu irgend einem —
militärischen, steuertechnischen, wirtschaftlichen oder anderen — Zweck
ausgeführt. Die betreffende Stelle hat nur ein Interesse daran, dass ihr
eigener Zweck erfüllt wird, obgleich eine vielleicht nur geringe 'Mehrarlei
dieselbe Arbeit auch für Zwecke anderer Stellen nutzbar machen- würde.
Das unterbleibt, denn es würde nicht nur die Arbeitskräfte, sondern auch
— und das ist meist das Entscheidende — die Etatsmittel der ausführenden
Stelle belasten. Das Versäumte muss aber früher oder später nachgeholt
werden, unter erneuter Aufwendung nun vielleicht höherer Mittel an Geld
und Arbeit. Es mögen in einzelnen Fällen, ‚wo die Verhältnisse, namet-
lich der Zeit, günstig lagen, verschiedene Stellen sich in der Arbeit gegen
seitig unterstützt und entlastet haben; ohne besondere Veranlassung oder
gar vorausblickend ist es aber kaum geschehen und noch weniger wurde
die zahlreichen Interessen Privater von den amtlichen Stellen gelegentlich
ihrer Arbeiten berücksichtigt. Es ist nicht immer, namentlich für Laien.
leicht, die Zusammenhänge scheinbar verschiedenartiger Vermessungsarbeiten
zu übersehen und sich ein Urteil zu bilden, wo durch Vereinigung vel-
schiedener Arbeiten Ersparnisse gemacht werden können. Ein Beispiel
möge das erläutern. Bei unseren Messtischaufnahmen im Massste
1:25000 wird alles, was sich auf der Erdoberfläche befindet, soweit &
der Massstab zulässt, im Grundriss zur Darstellung gebracht; gleichzeitig
werden die Formen und Höhenunterschiede des Geländes durch Schicht-
linien ausgedrückt. Zur Erleichterung der Arbeit und Ersparnis von
Kosten wird alles bereits vorhandene Material ausgenutzt. Es werden!
daher auch die vorhandenen Katasteraufnahmen auf den Massstab 1: 25000
reduziert und auf die Aufnahmeplatte aufgetragen. Die Erfahrung hat
nun gelehrt, dass diese Katasteraufnahmen in den meisten Fällen nur mit
der grössten Vorsicht oder gar nicht gebraucht werden können. Dabei
wäre es ein Leichtes, die Katasteraufnahmen von vornherein so auszU-
führen, dass sie bei den Messtischaufnahmen mit Vorteil verwendet werden
könnten. Allerdings eine verhältnismässig geringe Belastung der einen,
dafür aber eine ganz erhebliche Entlastung der anderen Stelle; ausserdem
eine Verringerung der Gesamtkosten, aber mit einer Verschiebung der
Zeitschrift für_ v. Bertrab. Die Notwendigkeit einer Neuorganisation etc. 299
et}
Ausgaben, die im Etat nicht vorgesehen und daher unzulässig wäre. Eine
noch weit bedeutendere Ersparnis an Zeit, Geld und Arbeit könnte er-
zielt werden, wenn die Grundrissaufnahme mit den Katasteraufnahmen
vereinigt würde, so dass der Topograph in die fertigen Grundrisspläne
lediglich die Schichtlinien hineinzulegen hätte. Dadurch würde gleich-
zeitig ein für die verschiedensten Zwecke ausserordentlich wertvolles Grund-
material in grossem Massstabe geschaffen werden, aus dem auch ein nam-
hafter pekuniärer Gewinn gezogen werden könnte. In einzelnen süd-
deutschen Bundesstaaten sind bereits mit ähnlichen Methoden die besten
Erfahrungen gemiacht worden. Bei uns in Preussen ist eine solche wirt-
schaftlich rationelle Arbeit unter den bestehenden Verhältnissen unmöglich.
Es würde zu weit führen, hier noch weitere Beispiele für die Un-
wirtschaftlichkeit. der Organisation unseres Vermessungswesens anzuführen.
Soll.es-auf eine rationelle Grundlage gestellt werden, so gibt es nur einen
sicher zum Ziele führenden Weg, nämlich die Zusammenfassung aller Ver-
messungsstellen in eine einheitlich organisierte Behörde. Nur dann können
die vielen bisher nebeneinander arbeitenden Stellen zu gemeinsamer Arbeit
vereint und dadurch dem Staat, den Kommunen und den Privaten viel
Kosten und Arbeit erspart werden. Durch kaufmännische Einrichtung
des Betriebes und praktische Verwertung des gewonnenen Materials würde
die ganze Behörde sehr bald die Kosten für ihre Erhaltung selbst auf-
bringen können, wenn ihr für die der Allgemeinheit und insbesondere dem
Grundbesitz zugute kommende Kurrenthaltung des Grundmaterials ein Zu-
schuss aus der Grundsteuer zufliessen würde. Eine Vermessungssteuer
von jährlich durchschnittlich einer Mark für den Morgen würde über
200 Millionen einbringen. Allein dieser letzte Umstand dürfte unter den
gegenwärtigen Verhältnissen genügen, um ein derartiges Projekt in ernst-
liche Erwägung zu ziehen.
2. Aus sachlichen Gründen. Es mag sein, dass das Vermessungs-
wesen vor dem Kriege das geleistet hat, was die einzelnen Stellen von
ihm zu verlangen für notwendig hielten. Ob es aber auch das leistete,
was es innerhalb einer zweckmässigen Organisation zum allgemeinen Nutzen
hätte leisten können, darf bezweifelt werden. Es war dies auch schlechter-
dings nicht zu erwarten. Die Vorstände der einzelnen Vermessungsstellen
in den verschiedenen Ministerien haben gewiss alles für die Förderung
der ihnen anvertrauten Arbeiten getan, was ihnen möglich war. Diese
Förderung bewegte sich äber ganz naturgemäss in einer einseitigen, den
beschränkten eigenen Bedürfnissen dienenden Richtung. Darüber hinaus-
zugehen fehlte es diesen Stellen schon an den nötigen Mitteln. Und für
die vorgesetzten obersten Dienststellen waren Vermessungsangelegenheiten
überhaupt nur Mittel zum Zweck; sie hatten an einer Förderung über
die eigenen Bedürfnisse hinaus kein unmittelbares Interesse. Ein solches
300 v.Bertrab. Die Notwendigkeit einer Neuorganisation etc. _ Zeitschrift für
ITS
wäre auch nur dann von Wert und praktischem Nutzen, wenn es vn
sachverständiger Seite, die alle einschlägigen Verhältnisse zu übersehen |
in der l.age ist, ausgeht. Anderenfalls bleibt es platonisch und kan
sogar leicht schädlich wirken.
Der Krieg hat uns auch nach dieser Richtung eine ernste Lehre ge
geben. Die Vorbereitungen für das Kriegsvermessungswesen lagen in
Frieden der Landesaufnahme ob nach den Entscheidungen des’ Chefs de
Generalstabes. Nicht immer ergingen diese dabei im Sinne der Anträge
der I.andesaufnahme, und so waren die Vorbereitungen für den Kri
unzureichend. Was diesen unerfreulichen Zustand aber erst gefährlich
machte, war, dass mit Ausspruch der Mobilmachung die Landesaufnahn
sich planmässig auflöste und ihre im Vermessungswesen erfahrenen 0
ziere in Stellen des Truppengeneralstabes versetzt wurden. Völlig a
sich angewiesen, ohne jede sachverständige Leitung, versagte das. Krig
vermessungswesen zunächst vollständig. Aus der Not heraus entstanden
nun die verschiedenartigsten Vermessungsformationen. Die oberste Heeres
leitung unterstützte diese zwar nach bestem Willen, sie sah sich aber .
der Unübersichtlichkeit des Ganzen einer Aufgabe gegenüber, der se
nicht gewachsen sein konnte. In richtiger Erkenntnis ’der Sachlage wehle
sie daher diesem Uebelstande abzuhelfen durch Schaffung der Stelle an
Kriegsvermessungschefs. Leider blieb aber der erwartete Erfolg Aus: weil
die Anlehnung an eine in allen Vermessungsarbeiten geschulte Behörde.
wie es die Landesaufnahme gewesen wäre, fehlte. Dies nachzuholen url Ä
versäumt, auch als im Jahre 1917 die heimatliche Landesaufnahme mit
zureichenden Mitteln neu ins Leben gerufen wurde. Denn es wurde Ir
“ erwarteterweise dieser jeder Einfluss auf das Kriegsvermessungswesel al-
gesprochen und an dieser Tatsache änderten auch die dringendsten Vor
stellungen bis zum Kriegsende nichts mehr. Immerhin waren aber den
Kriegsvermessungswesen durch die Friedensvorbereitungen der Landes
aufnahme die einzuschlagenden Wege vorgezeichnet. Sie folgten den alt
gemeinen Lehren und Erfahrungen der Vermessungskunde, zugeschntle'
auf die Bedürfnisse des Heeres. Die Kriegsvorbereitungen unserer Ge
bewegten sich in der gleichen Richtung. Diese blieben auch’ während de
Krieges diesen Grundsätzen treu, zu ihrem eigenen Besten und, we ”
an der Front häufig genug am 'eigenen Leibe erfahren mussteß, BUE
serem Nachteil. Der deutsche Kriegsvermessungschef dagegen liess u
unter dem Einfluss nichtsachverständiger Ratgeber verleiten, nn
neue Wege zu beschreiten. Er sagte sich von den Erfahrunge! .
Friedensvermessungen los und entfernte sich immer mehr von ‚den ae
lichen und bewährten Grundlagen jeder Vermessungstätigkeit. Statt _
wurde in Verfolgung unfruchtbarer neuer Ideen erfolglos oxperiman”
und Zeit und Kräfte wurden aussichtslosen fremden Sonderplänen b
zeitschritt für v. Bertrab. Die Notwendigkeit einer Neuorganisation etc. 30]
teten
widmet. Erst im letzten Kriegsjahr, als die Verhältnisse sich immer
ernster gestalteten, zwang die bittere Not, auf die alten Grundsätze der
Landesaufnahme, auf die die ganzen Friedensvorbereitungen aufgebaut
waren, zurückzukommen. Zu spät! das“ bisher Versäumte konnte nun
nicht mehr in genügender Weise nachgeholt werden.
“ Es muss. hier eingeschaltet werden, dass, während die Leitung des
Kriegsvermessungswesens versagte, die Tätigkeit der Vermessungsbeamten
und Techniker aller Grade und Berufe innerhalb der einzelnen Vermes-
sungsabteilungen uneingeschränkte Anerkennung verdient. Von ihnen
wurde alles geleistet, was man unter den Verhältnissen irgend erwarten
konnte.. An zahlreichen Stellen war man auch mit Erfolg bemüht, aus
eigener Initiative in richtige Bahnen einzulenken; wir verdanken diesen
Bestrebungen manche” wertvolle Arbeit und Anregung. Die Wirksamkeit
blieb aber auf den je nach der Stellung des Betreffenden mehr oder
weniger begrenzten Raum beschränkt.
Die geschilderten Missstände im Kriegsvermessungswesen wären ver-
mieden worden, . wenn wir schon im Frieden eine bessere einheitliche
Organisation des Vermessuigswesens gehabt hätten, mit einem erfahreuen
Fachmann mit eigener Verantwortung an der Spitze, der auch im Kriege
die Verantwortung für die sachgemässe Ausführung aller erforderlichen
Arbeiten ‚hätte übernehmen und tragen können. Auf einem Gebiete von
der Kompliziertheit des aus den verschiedensten Tätigkeiten zusammen-
gesetzten Vermessungswesens musste ein Offizier ohne umfassende ver-
messungstechnische Kenntnisse und reiche praktische Erfahrungen .notge-
drungen versagen, wenn er nicht von sicherer Hand geleitet wurde. Der
Chef des Generalstabes konnte das nicht; er konnte ihn nur nach aussen
stützen. Je mehr. sich daher der Kriegsvermessungschef dem Eintluss
bewährter Fachmänner entzog, desto mehr bildete sich ein System der
Selbsttäuschung aus, indem sich der vermeintlich Leitende immer mehr
den Vorschlägen des eigentlich zu l.eitenden unterwarf. Und so blieb
der Misserfolg nicht aus. Das erforderliche wissenschaftliche und mit
bedeutenden Mitteln beschaffte praktische Rüstzeug war vorhanden; ein
hervorragend verwendungsfähiges, theoretisch und praktisch vorgebildetes
Personal aus den verschiedenen Vermessungsberufen, darunter Hochschul-
lehrer und Dozeuten der einschlägigen Wissenschaften stand zur Ver-
fügung es fehlte nur die sicher führende Hand. Wäre eine einheitliche
Friedensorganisation vorhanden gewesen, die auch im Kriege den techı-
nischen Betrieb hätte übernehmen können, so wären auch die verfügbaren
vortrefflichen Kräfte an den richtigen Stellen verwendet worden. Dadurch
wären nicht nur der Truppe die besten Dienste geleistet worden, sondern
es wären auch manchem tüchtigen Beamten bittere Enttäuschungen und
kränkende Zurücksetzungen erspart geblieben.
302 v.Bertrab. Die Notwendigkeit einer Neuorganisation etc. vermesmungswesen
Dieser Fall ist, weil typisch, etwas ausführlich behandelt; er ist aber
durchaus nicht vereinzelt. Auch auf anderen Gebieten hat der Mangel
einer einheitlichen Organisation des Vermessungswesens Nachteile zur
Folge gehabt. So hätten unsere Kolonien zweifellos schneller entwickelt
und zu einer reicheren Einnahmequelle des Reichs gestaltet werden können,
wenn man sofort nach ihrer Erwerbung ihre Vermessung in Angriff ge-”
nommen hätte. Es wird auch dem Laien leicht verständlich sein, dass
durch nichts schneller ein Ueberblick über die Entwickelungsmöglichkeiten
einer Kolonie, ihre Bodenschätze, Kultur, Bevölkerung usw., die rationelle
Anlage der zu ihrer Nutzbarmachung erforderlichen Verkehrseinrichtungen,
die notwendigen Sicherheitsmassnahmen usf. gewonnen werden kann, als
durch die mit jeder Vermessung verbundene topographische Erkundung.
Das erfordert freilich einen Vorschuss an Geldmitteln, der sich aber sehr
schnell und mit reichlichen Zinsen zurückerstattet. Den Leitern ‘der. V.er-
messungen in unseren Kolonien ist dies zweifellos bekannt gewesen; wenn
trotzdem aber nur zögernd an die Vermessungen herangetreten wurde und
solche von den Erträgen der Kolonien abhängig gemacht wurden, se
ist das eben wiederum ein Beweis dafür, dass solche Entscheidungen von
einer Vermessungsbehörde abhängig gemacht werden müssen und nicht
von einer Stelle getroffen werden dürfen, von der eine richtige Ein-
schätzung des Wertes der Vermessungen nicht erwartet und auch billiger-
weise nicht verlangt werden kann.
Noch ein weiteres Beispiel. Bei unseren Operationen in der Türkei
machte sich der Mangel an zuverlässigem Kartenmaterial in empfind--
lichster Weise fühlbar. Nun wäre es seinerzeit ein Leichtes gewesen,
mit den für den Bau der Bagdadbahn notwendigen Vermessungen topo-
graphische Erkundungen und Aufnahmen in grösserem Umfange zu ver-
binden. Das geschah aber nicht. Eine selbständige Vermessungszenti ale
hätte sich die günstige Gelegenheit, in einem fremden Lande, an dessen
Erschliessung wir obendrein ein grosses Interesse hatten, topographisch
Fuss zu fassen, nicht entgehen lassen dürfen. Die verhältnismässig ge-
ringen Aufwendungen hätten sich durch grosse Vorteile für unseren
Handel und unsere Industrie reichlich bezahlt gemacht. Für den Krieg
wären wir dann nicht nur von vornherein im Besitz eines zuverlässigen
Kartenmaterials gewesen, wir hätten auch ganz andere Kenntnisse über
Land und Leute und einen Stamm sicherer Führer und zuverlässiger
Berater gehabt. Es lässt sich nicht absehen, von welcher Tragweite
solche Vorteile für uns hätten sein können.
Aus alledem geht hervor, dass das Vermessungswesen sich nur inner-
halb einer eigenen selbständigen Organisation frei entwickeln kann, dann
aber auch befähigt ist, dem Staate wertvolle Dienste zu leisten, an die
unter den alten Verhältnissen nicht zu denken war. Nur in einer solchen
. ermensung BEE v. Bertrab. Die Notwendigkeit einer Neuorganisation etc. 303
kann der Wissenschaft eine führende Rolle gesichert und nur in ihr kann
allen Bedürfnissen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens sowie
auch denen jedes einzelnen in weitestem Masse Rechnung getragen werden.
3. Aus persönlichen Gründen. Es ist nicht nur verständlich, sondern
auch berechtigt, dass die Beamtenschaft der \Vermessungsberufe, je mehr
sie sich des Wertes und der wachsenden Bedeutung ihrer Tätigkeit be-
wusst wird, desto mehr auch den Wunsch empfindet, den übrigen grossen
Beamtenkörpern des Staates an Ansehen, Beförderung und auch Besoldung
gleichgestellt zu werden. In der gegenwärtigen Organisation sind die
darauf hinzielenden Bestrebungen aussichtslos. Entsprechend der Zer-
splitterung des Vermessungswesens auf die einzelnen Ministerien etc. sind
auch die Anstellungsbedingungen und die äussere Stellung der Beamten
verschieden. Die- Voraussetzungen für eine einheitliche gerechte Be-
handlung, wie sie bei den anderen grossen Beamtenkörpern des Staates
durch ihre Organisation gegeben sind, sind hier nicht vorhanden. Auch
in dieser Beziehung fehlt eine oberste allen Vermessungsstellen gleich-
mässig vorgesetzte Fachbehörde, welche die Interessen der gesamten Bc-
amtenschaft zu vertreten imstande wäre. Innerhalb eines einzelnen Mini-
steriums würde schon eine Hebung der Vermessungsbeamten auf grosse
Schwierigkeiten stossen wegen der Rückwirkung auf die übrige Beamten-
schaft desselben Ministeriums. Eine regierungsseitige allgemeine Verord-
nung zur Förderung der Interessen der Vermessungsbeamten würde bei
den einzelnen Ministerien auf dieselben Schwierigkeiten stossen, und zwar
in erhöhtem Masse wegen der Verschiedenartigkeit der Vermessungs-
arbeiten innerhalb der einzelnen Ressorts. Mit einer einmaligen Aende-
rung der Verhältnisse der Vermessungsbeamten wäre auch wenig geholfen.
Es kommt doch darauf an, dass die Stellung und die Anforderungen an
die Beamten dauernd den sich wechselnden Verhältnissen angepasst
bleiben. Das ist aber wieder nur möglich in einer eigenen selbständigen
Organisation. Die verschiedenen Ministerien standen bisher einer solchen
Organisation aus schon verschiedentlich angedeuteten Gründen nicht wohl-
wollend gegenüber. Dem ist es zuzuschreiben, dass auch alle die zahl-
reichen diesbezüglichen Eingaben der Serehllgunge) der Landmesser etc.
völlig wirkungslos geblieben sind.
Die Hebung des Standes der Vermessungsbeamten liegt aber nicht
nur im Interesse der Vermessungsbeamten selbst, sondern ebenso in dem
des Vermessungswesens im allgemeinen und in dem des Staates. Um sie
herbeizuführen, wäre allerdings nötig, die Anstellungsbedingungen zu er-
höhen und einheitlich festzusetzen. Auf mancherlei Missstände, welche
sich einerseits aus der Vor- und Ausbildung des jungen I,andmessers,
andererseits aus den ihm bereits im Beginn seiner Laufbahn obliegenden
verantwortungsvollen Pflichten ergeben, ist aus Landmesserkreisen selbst
304 v.Bertrab. Die Notwendigkeit einer Neuorganisation etc. _ Zeitschrift für
VERISSERDBEWERN
immer wieder hingewiesen worden. Diese halten selbst eine Verschärfung
der Anforderungen im Interesse ihres Standes ebenso wie in dem des
Vermessungswesens im allgemeinen für dringend erforderlich. Wenn damit
die Aussicht auf eine bessere Laufbahn, wie sie durch Einsetzung einer
zentralen obersten Fachbehörde gesichert sein würde, verbunden wird, ist
ein Aufschwung des gesamten Vermessungswesens vorauszusehen. Der
Vermessungsberuf mit seiner vielseitigen und anregenden Tätigkeit und
den greifbaren Erfolgen seiner Arbeit würde in hohem Masse die Kreise
der Intelligenz zum Eintritt anlocken, die sich bisher wegen der undeut-
lichen Lebensstellung der Angehörigen dieses Berufes abschrecken liessen.
Dadurch ist aber eine Befruchtung und Förderung des Vermessungs-
wesens zu erwarten. Die Liebe zum Beruf und der Stolz auf seine
Leistungen würden wachsen, ein neuer Geist den ganzen Beruf beleben.
Wie soll nun die einheitliche Organisation geschaffen werden? Nur
ganze Arbeit kann zum Ziele führen. Man nehme also, wie schon an
anderer Stelle angedeutet, alle Stellen, welche Vermessungsarbeiten aus-
führen, aus den betreffenden Ministerien etc. heraus und unterstelle sie
einer neuzubildenden, den obersten Staatsbehörden gleichzustellenden
Zentralvermessungsstelle, der das gesamte Vermessungswesen unter eigene!
Verantwortung unterstellt und der auch ein Einfluss auf die Arbeiten der
Privatlandmesser etc. eingeräumt wird. Nur innerhalb einer derartigen
Organisation kann zugleich sachlich und ökonomisch gearbeitet werden,
kann eine homogene, zufriedene Beamtenschaft herangebildet und das Ver-
messungswesen in weitestem Sinne allen Bedürfnissen des wissenschaft-
lichen, wirtschaftlichen und öffentlichen Lebens nutzbar gemacht werden.
Die neue Organisation des Vermessungswesens würde naturgemäss
auch die Einbeziehung der militärischen Vermessungsstelle, also der
Landesaufnahme zur Voraussetzung haben. Die Arbeiten der Landes-
aufnahme bilden die praktische Grundlage aller Vermessungsarbeiten im
Staate. Auf diese Arbeiten, welche für die weitere Entwickelung des
Vermessungswesens in erster Linie von einschneidender Bedeutung sind,
kann eine einheitliche Organisation nicht verzichten. Es fragt sich, ob
dies ohne Schädigung der militärischen Interessen geschehen kann. Die
Frage muss unbedingt bejaht werden. Sogar wichtige Gründe, nicht zum
wenigsten die Erfahrungen des Krieges sprechen dafür. Die historische
Entwickelung unseres Kartenwesens, welches ursprünglich lediglich auf
die militärischen Bedürfnisse eingestellt war, brachte es mit sich, dass
von militärischer Stelle aus die erste zusammenhängende, die ganze
Monarchie überspannende Triangulation eingeleitet und auch durchgeführt
wurde. Sie bildete die Grundlage nicht nur aller militärischen Karten-
werke, sondern auch, aus ökonomischen Gründen, aller für die verschie-
denen Zweige der Zivilverwaltung erforderlichen Vermessungsarbeiten. Die
Zeitschrift für v.Bertrab. Die Notwendigkeit einer Neuorganisation etc. 305
VE WEREn
Landesaufnahme übernahm mit dieser Arbeit die Führung auf dem Ge-
biete der praktisch geodätischen Arbeiten. Sie löste ihre Aufgabe in:
mustergültiger Weise und wurde vorbildlich weit über die Grenzen .:des
eigenen Landes hinaus. Ihre Leistungen werden für alle Zeiten ein
Ruhmesblatt in der Geschichte des preussischen Generalstabes bleiben.
Ein siegreicher Ausgang des Krieges hätte deswegen auch wahrscheinlich
der Landesaufnahme die Möglichkeit geboten, bei der unter allen Um-
ständen notwendigen Neuorientierung des Vermessungswesens eine aus-
schlaggebende Rolle zu spielen. Die Verhältnisse haben sich aber anders
gestaltet. Der künftige Militäretat wird auch für den Generalstab auf
das knappste bemessen sein, so dass die Landesaufnahme mit den ihr
zur Verfügung gestellten Mitteln kaum in der Lage sein wird, den not-
wendigsten militärischen Anforderungen gerecht zu werden. Für die bis-
her mitvertretenen bürgerlichen Interessen bleibt nichts übrig. Ein solcher.
Zustand ist aber bei der heutigen Bedeutung der Vermessungen für die
ganze Volkswirtschaft unhaltbar. Um deren unter den heutigen Verhält- .
nissen bedeutend erhöhten Anforderungen auch nur einigermassen gerecht
zu werden, müsste der Etat der Landesaufnahme anstatt verringert recht
beträchtlich erweitert werden. Das wird keineswegs zugestanden werden.
Es müsste daher sowieso ein beträchtlicher Teil der bisher von der
Landesaufnahme geleisteten Arbeiten von der Zivilverwaltung übernommen
werden. Das wäre aber unökonomisch und müsste daher heute mehr wie
je verworfen werden. Es bleibt nur übrig, dass die Landesaufnahme
ebenso wie alle anderen Vermessungsstellen mit in der neu zu schaffenden
Organisation aufgeht. Das würde zugleich eine wesentliche Entlastung
des Militäretats bedeuten, was allen beteiligten Stellen nur willkommen
sein kann. Sachliche Bedenken stehen keinesfalls im Wege. Das Be-
dürfnis nach guten Karten in den verschiedensten Massstäben ist heute
ein allgemeines, also nicht mehr ein Monopol der Armee. Ebenso brauchen
jetzt die einzelnen Zweige der Verwaltung Vermessungen schärfster Art.
Die Forderung eines Planmaterials in grossem Massstabe als Grundlage
für die verschiedensten wirtschaftlichen, kulturellen .und :wissenschaftlichen
Aufgaben wird immer dringender. Daraus ergibt sich, dass eine den
modernen Anforderungen entsprechende bürgerliche Vermessungsbehörde
alle, auch die schärfsten militärischen Anforderungen ohne weiteres mit-
erledigen kann. Umgekehrt würden die einseitigen rein militärischen An-
forderungen für viele wirtschaftliche Zwecke unzulänglich sein. Mussten
doch bereits bisher manche Anforderungen an die Arbeiten der Landes-
aufnahme mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Interessen höher geschraubt
werden, als es in rein militärischem Interesse nötig gewesen wäre. Die
Militärverwaltung würde somit aus der Umgestaltung der Landesaufnahme
nur Nutzen ziehen können; aber auch die Zivilverwaltung käme zu ihrem.
306 v.Bertrab. Die Notwendigkeit einer Neuorganisation etc. _ Zeitschrift für
VORMESBUNERWOREN
Recht, indem sie freie Bahn für eine gesunde Neuordnung des gesamten
Vermessungswesens erhielte. Ä
Es sind bisher in erster Linie die preussischen Verhältnisse zum
Gegenstande der Besprechung gemacht worden. In den anderen Bundes-
staaten liegen die Verhältnisse zum Teil ähnlich, zum Teil allerdings besser.
Für das Reich kommt aber hinzu, dass auch die Vermessungsgrundlagen
in den einzelnen Staaten verschieden sind, Das Bedürfniss nach einer
Vereinheitlichung hat sich aber bereits bei verschiedenen Gelegenheiten
geltend gemacht. Die ersten Arbeiten der im Kriege geschaffenen Obersten
Militärischen Vermessungsstelle im Deutschen Reich haben auch bereits
unter dem Entgegenkommen aller beteiligten Stellen eine Vereinheitlichung
auf dem Gebiete des Vermessungswesens angebahnt. Es zeigte sich dabei,
dass das Verständnis für eine solche auf allen Seiten--sarhanden war.
Es liegt nun die Frage nahe, ob man nicht gleich eine einheitliche Or-
ganisation für das Reich schaffen solle. Der Gedanke ist namentlich in
der jüngsten Zeit von verschiedenen Seiten angeregt worden und findet
sicher bei allen Anhängern des deutschen Einheitsgedankens, den zu
fördern heute besonders nottut, das weiteste Entgegenkommen. Erscheint
doch das einheitliche Zusammenfassen aller Kräfte als eine Grundke-
dingung für die Anbahnung eines neuen Aufstiegs. Praktisch würden sich
keine Schwierigkeiten ergeben, wenn man an dem Grundsatz festhält, das
Gute, das sich bewährt hat, zu erhalten und zunächst nur das Verbes-
serungsbedürftige einheitlich zu verbessern. Das würde auch nützlich
und mit einer einheitlichen Organisation durchaus vereinbar sein. Denn
in einer so ausgedehnten und weitverzweigten Behörde, wie das deutsche
Vermessungswesen darstellen würde, treten so verschiedenartige Ver-.
hältnisse auf, dass Schablonenarbeit nicht nur nicht am Platze wäre.
sondern direkt deın Geiste einer freien zeitgemässen Entwickelung wider-
sprechen würde. Einheitlich organisierte Vermessungsämter in den ein
zelnen Bundesstaaten — ev. auch diejenigen mehrerer Bundesstaaten zu
einem vereinigt — ohne Zwischeninstanz einem Reichsvermessungsamt unter-
stellt, würden eine natürliche Grundlage für das deutsche Vermessungs-
wesen bilden. Sollten besondere Umstände eine solche Organisation für
das Reich noch nicht möglich machen, so beginne man wenigstens damit
in Preussen. Der Erfolg wird nicht ausbleiben.
In den vorstehenden Ausführungen ist nachzuweisen gesucht, dass die
Bestrebungen der Angehörigen der Vermessungsberufe berechtigt und der
’Entwickelung des Vermessüngswesens förderlich sind; dass sie ferner Staat
und Volk grossen Nutzen versprechen und den beteiligten Beamten etc.
die Erfüllung berechtigter Wünsche bedeuten. Nochmals besonders hin-
gewiesen sei auf die für die Steuerzahler so wichtige ökonomische Seite.
Die angeschnittene Frage ist für das gesamte Volksleben von so ein-
Zeitschrift für v, Bertrab. Die Notwendigkeit einer Neuorganisation etc. 307
a Se
schneidender Bedeutung, dass sie die Aufmerksamkeit weitester Kreise
verdient, auch solcher, welche bisher Vermessungsangelegenheiten weniger
Beachtung entgegengebracht haben. An ihrer Lösung ist das ganze Volk
beteiligt. Es wäre daher verfehlt, dieselbe der einen oder anderen be-
teiligten Stelle zu überlassen oder anzuvertrauen. Die dann zu erwartende
Lösung würde eine einseitige und die Allgemeinheit nicht befriedigende sein.
Es muss von allen Seiten darauf gedrängt werden, dass die Staats- bezw.
Reichsregierung in dieser wichtigen Lebensfrage selbst entscheidend ein-
greift unter Würdigung aller einschlägigen Verhältnisse und unter An-
hörung nicht nur der Vertrauensmänner der Ministerien .etc., in deren
Bereich Vermessungen ausgeführt werden, sondern auch unter Hinzuziehung
von Männern der Wissenschaft und Praxis und von Vertrauensleuten der
Vermessungsberuf& bezw. deren Vereinigungen.
- - Umfangreiche wichtige Arbeiten auf dem Gebiete des Vermessungs-
wesens stehen bevor. Die Vermessung der neuen Grenzen, innere Kolo-
nisation, Bodenreform, ausgedehnte industrielle Anlagen stellen an das
Vermessungswesen ausserordentliche Anforderungen, die im Staatsinteresse
schnell erledigt werden müssen. Je früher die erforderlichen Arbeiten
einsetzen können, desto besser. Dass diese Arbeiten bereits im Sinne
der neuen einheitlichen Grundsätze ausgeführt werden, ist dringend zu
wünschen, aus ökonomischen Gründen geradezu zwingend. Die schnelle
Inangrifinahme und alsbaldige Durchführung der neuen Organisation ver-
trägt daher keinen Aufschub. Viel kostbare Zeit ist bereits leider ver-
loren gegangen, weitere darf nicht geopfert werden. Wenn man daher
die Notwendigkeit der Neuorganisation anerkennt, so gehe man auch so-
fort an die Ausführung. Jeder Aufschub bedeutet nicht zu rechtfertigenden
Nachteil. Viele dringende Vermessungsarbeiten müssen schon jetzt liegen
bleiben, weil sie mit den bisherigen Mitteln nicht mehr ausgeführt werden
können. Unterbrechung bedeutet aber im Vermessungswesen Verfall und
schnell wachsende Opfer an Zeit und Geld. Auf dem Gebiete der Ver-
messungen möglichst schnell wieder Ordnung zu schaffen und einen ge-
regelten Betrieb wieder einzurichten, tut unserem ganzen wirtschaftlichen
Leben dringend not. Dahin zu wirken ist auch eine. vaterländische Pflicht
und zwar nicht nur der unmittelbar beteiligten Kreise, sondern des ganzen
Volkes.
Auch in Deutsch-Oesterreich ist man zu der Ueberzeugung gekommen,
dass die einheitliche Organisation des gesamten staatlichen Vermessungs-
wesens im eigensten Interesse des Staates liegt. Dort hat man schnell
zugegriffen und bereits die grundlegenden Bestimmungen erlassen. Es
wäre zu wünschen, dass das Deutsche Reich möglichst bald diesem guten
Beispiel folgt.
308 Bücherschau. Zeitschrift für
j de Y-Tyckehranie
Bücherschau.
Hanisch, Tafeln für optische Distanzmessung. J. B. Metzler, Stuttgärt
1916. 45 S. M. 2.50.
Für die Berechnung wagrechter Entfernungen aus feintachymetrischen
Messungen‘ gab es 'bisher keine Zahlentafel mit ausreichender Rechen-
schärfe. Diese Lücke, die sich namentlich bei der Verwendung des ent-
fernungsmessenden Theodolits für Katasteraufnahmen in bergigem und
gebirgigem Gelände geltend macht, will die vorliegende, für alte Teilung
eingerichtete Tafel ausfüllen.
Bezeichnet man die beiden Konstanten eines Tachymetertheodolits in
üblicher Weise mit c und %k, den zwischen den Entfernungsfäden abge-
lesenen Lattenabschnitt mit !, den zugehörigen Höhen- oder Tiefenwinkel
mit &, so ist die wagrechte Entfernung d bekanntlich:
d — "klcos? w + ccose.
Oder wenn | k = 100.4 4% gesetzt wird:
d = 100leos?« + Aklcos®« + ccos«
Die Tafel reicht in « bis 300, in 2 bis 209,9 cm, in Ak bis 2,0 (k.= — 98,0
bis 102 ‚0). Der erste, 28 Seiten umfassende Teil der Tafel dient der
Berechnung von A. Dabei wird das Argument 2 in zwei Teile, die
Zehner (£) einerseits, die Einer und Zehntel (e) andererseits zerlegt, so
dass = z+e und A = zcost« + ecos®« ist. Auf je zwei gegenüber-
liegenden Seiten sind die u. 2cos?« für 2 von 10 zu 10 Metern,
also die Werte 10c0s?«, 20c0s?« ... bis 200c0s?« auf Zentimeter genau
angegeben. Die Teilwerte e cos? « en einem Nebentäfelchen mit dem
Argument e (von 0, l zu 0,1 m fortschreitend) entnommen. Je zu einer
halben Seite der Tafel ‚gehört, ein solches Täfelchen. Seiner Berechnung
ist ein mittleres a, 2. DB. für die Argumente & = 4 bis 6° der Mittel-
wert 50 zugrunde gelegt. = |
Das zweite Glied B, das die Abweichung der Multiplikationskonstanten |
k von 100 zum Ausdruck bringt, wird aus einer 10 Seiten umfassenden
„Korrekturtabelle“ ermittelt, die mit dem Argument A (von O bis 210)
die Werte B für k = 98,0, 98,1, 98,2 usw. bis 102,0 angibt. . Zur Be-
rechnung dieser Korrekturtabelle für den Fall eines positiven Ak (k > 100)
dient die. leicht abzuleitende Gleichung: B=.A.(559 — 1). Für. den
Fall A << 100, gibt die Tabelle zur Vermeidung der unbequemen Sübtraktion
k
nicht die Werte B, sondern die Werte 100 r B= 100 +4. (100 — 1),
so dass auch in diesem Fall der Wert (A+ B) durch Summierung
dreier Zahlen entsteht und die Summe nur noch um 100 zu vermindern ist.
w
vermensangs für Bücherschau. 309
Hinzu kommt endlich noch das Glied 'C, das z. B. für c—='0,50 und
« von O bis 30° zwischen 0,50 bis 0,43 schwankt. Um sich die Sum-
mierung dieser vierten Zahl zu sparen, empfiehlt sich die Berechnung
einer Korrekturtabelle, die gleichzeitig A%k und c berücksichtigt, also
(B+C) liefert. Diese Tabelle wäre für den Fall > 100 mit Hilfe
der Gleichung (B+C) = A. (1 — 1) + ccos« zu ermitteln, wobei es
genügt, für ccos« einen Mittelwert, z.B. für « = 15° (für c = 0,50,
« = 150 wird Ü = 0,48) anzunehmen. Vordrucke zur Herstellung einer
solchen Tabelle liegen bei. | Er
Die Anordnung der Tafel ist eine sehr übersichtliche und die Er-
mittlung der wagrechten Entfernungen erfordert wesentlich weniger Zeit-
aufwand, wie die logarithmische Auswertung. Das neue. Rechenhilfsmittel
sei daher für die Berechnung feintachymetrisch bestimmter Entfernungen
bestens empfohlen. ZZ
Stuttgart, Dezember 1918. 4A. Egerer.
Hoderlein, A., Anleitung zum Krokieren, Kartenlesen und [ür Ge-
ländeerkundung. 7. Auflage. C. Koch, Nürnberg, 1916.
Die neue (innerhalb 20 Jahren siebente) Ausgabe dieses Il.ehr-
buchs, von welcher der dem aktiven Offizierstand angehörende Ver-
fasser im Vorwort sagt, dass sie sich in ihrer durchgearbeiteten
Fassung durch Klarheit und Einfachheit von neuem empfehlen solle,
gliedert den Stoff in zwei Abschnitte, das militärische Zeichnen,
Krokieren und Kartenlesen einerseits, die Geländeerkundung anderer-
seits. Der erste Abschnitt behandelt vorbereitende Übungen im Zim-
mer (Massstab, Situationszeichnen, Bergzeichnen, Krokieren mit Be-
nützung der Karte) und praktische Übungen im Freien (Orientieren,
Schätzung von Entfernungen, Horizontal- und Höhenwinkeln, Gelände-
‚aufnahmen, Ansichtsskizzen). Im zweiten Teil wird die Erkundung der
einzelnen Geländeteile für militärische Zwecke besprochen.
Die Darstellung des Buchs, das im Verordnungsblatt des Bay-
rischen Kriegsministeriums als Lehrmittel für militärisches Zeichnen
und Kartenlesen empfohlen wird, befriedigt namentlich im Sarägeapb
schen Teil wenig. Dass sich zum Teil in den einfachsten Dingen Un
richtigkeiten und Unklarheiten im Ausdruck bis in, eine siebte Auf-
lage erhalten konnten, zeigt, wie bescheiden bisher ie Anforderungen
_ waren, die man namentlich militärischerseits an Lehrbücher der Kar-
tenkunde gestellt hat. Zur Begründung des Gesagten nur wenige
Sätze aus dem Buch: „Diejenigen feinen Linien, welche von Nord
nach Süd laufen, nennt man Jängengrade“. „Die Karte des Deutschen
_ Reichs 1:100000 umfasst einen Raum von 15 Minuten geographi-
310. Bücherschau. Zeitschrift für
scher Breite und 30 Minuten geographischer Länge.“ ... „Unter |
Sattel versteht man jene Geländeform, welche zwei nebeneinander
liegende Erhebungen, ehe sie mit ihren Abhängen in den Fuss über-
gehen, miteinander bilden.“ ‚Bei senkrechter Böschung berühren
sich die Niveaulinien, . .. bei hohlen Böschungen nehmen die Niveau-
linien nach der Höhe hin allmählich ab... .“ „Der geographische
Nordpol liegt unter einer geringen Abweichung (Deklination) zurzeit
etwa 10—11 Grad: westlich vom eigentlichen Nordpol. Auf dem
Kompass ist diese Abweichung durch Pfeilstrich angegeben.“ Im
Abschnitt „Massstab“ wird gesagt, dass z. B. beim Massstab 1: 25000.
um das Abgreifen kleinerer Entfernungen zu ermöglichen, liuks vom
Nullpunkt 250 m aufgetragen und diese Strecke in 10 Teile geteilt
werde, so dass die einzelnen 'Teilstriche 25, 50, 75.... lauten.
In ähnlicher Weise sind auf Tafel 2 Massstabköpfe mit 4’ Teilen ge
zeichnet, nämlich für 1:12500 mit den Teilstrichen 125, 250, 3.
500, für 1:75000 mit den Teilstrichen 375, 750, 1125, 1500 m! Die
Teilstriche rechts der Null lauten beim letzteren Massstab: 1509. 3
4500, 6, 7500 m. Wie sollen aus solchen Massstäben, die zum
Glück niemals angewendet werden, beliebige im Zirkel befindliche
Masse rasch abgelesen werden? Niemand wird das vom Verfasst!
angegebene Verfahren zur Längenmessung stark gekrümmter Linie
anwenden. Das allein zweckmässige Verfahren der Summierung kleine!
Teile mit dem Zirkel wird überhaupt nicht genannt. Alle Abbildungen
zeigen noch die unrichtige, längst verlassene Darstellung der Sätte
(„Sättel haben die Form eines Vielecks mit eingebogenen Seiten‘):
auch die ‚„Nullebenen“ sind glücklicherweise längst aus den top"
graphischen Karten verschwunden. Unter den für militärische Zwecke
in Deutschland in Betracht kommenden Karten 1:25000 werden nu!
die preussischen Messtischblätter und die topographische Karte vo
Bayern genannt. Sind die Karten gleichen Massstabs von Sachse,
Württemberg, Baden und Hessen für die Zwecke der Heerführung nieht
auch brauchbar? Auf den Tafeln der Kartenzeichen dürften diejenigen
der preussischen Messtischblätter nicht fehlen, um so weniger, als
diese Zeichen jetzt auch den Kartenwerken der übrigen deutschen
Bundesstaaten zugrunde gelegt werden. Die auf Tafel 21 angegebe
nen Zeichen für die topographische Karte von Bayern 1: 25000
(übereinstimmend mit den Zeichen des alten bayrischen Atlasses 1 :50000)
werden bekanntlich seit bald 20 Jahren nicht mehr angewandt. Bei
den Hinweisen auf die Tafeln im Text stört die häufig unrichtige
Bezifferung der Tafeln. |
Wer die Schwierigkeiten keınt, mit denen der Anfänger im Gebrauch
der Karte auch bei der besten Anleitung zu kümpfen hat, wird den
Zeitschrift für Bücherschau. — Vereinsnachrichten. 3ll
VOrBeDDEN WESEN
Optimismus des Verfassers, das Studium des Buchs werde dem Leser in
wenigen Stunden Verständnis für die Karte, Genauigkeit und Geschick
für das Zeichnen vermitteln, nicht zu teilen vermögen.
Stuttgart, Dez. 1918. A. kgerer.
-— _ m -.2-0--0. 0-0. en
Stiehler, (r., Geländezeichnen für die deutsche Jungmannschajt und
das Are Dürr, Leipzig, 1916. 1. Teil 1.25 Mk., 2. Teil 2 Mk.
Viel Anregung für Schüler und Lehrer bietet diese eigenartige
Schrift eines erfahrenen Schulmanns. Während der erste Teil die
Ausbildung für die zeichnerische Wiedergabe der wesentlichen Züge
eines Geländeabschnitts mit einfachen Strichen bezweckt, will der
zweite Teil in das Verständnis des Karten- und Geländebilds (im Grund-
riss und in der Seitenansicht) einführen. Neu ist dabei der Versuch,
für die, .Ansichtsskizze feste einfache Zeichen für die verschiedenen
(teländegegenstände zu gewinnen. Eingehend wird das Zurechtfinden
ım (ielände, die Herstellung einfacher Krokis und Ansichtsskizzen
gezeigt. Die Abbildungen sind zumeist Schülerarbeiten, zum Teil
Erstlingsversuche, was einen besonderen Reiz beim Studium der.
Schrift bildet. Sie gehört zum Besten, was auf diesem (rebiet geschrie-
ben wurde, und sei deshalb für den Unterricht in der Schule, in Jugend-
vereinen und im lleer wärmstens empfohlen.
Der Verfasser hat auch einen Lichtbildervortrag ‚24 Aufgaben für
das allgemeinbildende Geländezeichnen‘ im Verlag der Dürr’schen
Buchhandlung in Leipzig STAU EUeIEL (Leihgebühr mit Vortragtext
8,10 Mk.).
Stuttgart, Dezember 1918. , 4. Egerer.
Vereinsnachrichten.
Nachrichten aus Elsass-Lothringen.
Nach einer mir vor einiger Zeit gewordenen Mitteilung haben die
aus dem Elsass vertriebenen deutschen Vermessungsbeamten in der letzten
Sitzung des Vereins der Landmesser in Els.-Lothr. beschlossen, ihre neuen
Anschriften dem Unterzeichneten mitzuteilen, um bei etwaigen Anfragen
Auskunft erteilen zu können, auch wurde die Veröffentlichung in unserer
Zeitschrift gewünscht.
Bisher sind nachstehende Adressen hier eingegangen:
6079. Dobritz, bisher Katasterkontrolleur in Strassburg, jetzt Charlottenburg,
Witzlebenstr. 41 III.
Foehr, Steuerinspektor, früher in?, jetztHerborn (Dillkr.), Kaiserstr. 25.
Fritz, Katasterlandmesser. früher in Diedenhofen, jetzt Cassel,
Wilhelmshöher Allee 129.
5682. Goetz. Steuerinspektor, früher in Saargemünd. jetzt Barmen, Südstr. 1.
312 Vereinsnachrichten. — Personalnachrichten. Zeitschrift für
a ae
Hagenloecher, Steuerinspektor, früher in Colmar, jetzt Hirsau
OA, Calw (Witbe.)
5858. Häussermann, Katasterfeldmesser, früher in Strassburg, jetzt Stuttgart-
u Cannstatt, Uhlandstr. 4.
1968. Hammer, Steuerrat, früherin Strassburg, jetzt Darmstadt, Wittmannstr.5.
5639. Herrmann, Reg.-Feldmesser, früher in Strassburg, jetzt Bartenstei:
(Ostpr.) Landratsamt.
5508. Horstmann, Katasterfeldmesser, früher in Strassburg, jetzt lRodalbeı-
| Apostelmühle (Rheinpfalz)
5509. Kexel, Katasterfeldmesser, früher in Gebweiler, jetzt Camberg in
Taunms
6080. Möller, Heinrich, Landmesser, früher in Colmar, jetzt in Rehbad,
| Pension Osterwald, Post Michelstadt (Odenval.
5643. Möller, Steuerinspektor, früher in Colmar, jetzt Goldap (Ostpr.) |
| e Landratsamt.
4706. Riemer, Katasterfeldmesser, früher in Diedenhofen, jetzt in Berlin W.3
. Wilhelmstr. 72.
5787. Schneck, Steuerinspektor, früher in Saargemünd, jetzt in Esslihgen a.N..
Neckartr.3l.
3207. Schuster, Katasterkontrolleur, früher in Schiltigheim, jetzt in Düsen
| 'busch, Bez. Cöh.
Teichmann, Katasterfeldmesser, früher in ?, jetzt Kolberg (Pommen)
Promenade \
Harleshausen, 14. Juli 1919. Hüser.
Personalnachrichten.
Preussen. Landwirtschaftliche Verwaltung. Verstorben sind:
Kullmann, Oberlandmesser in Treysa, am 19. 4. 19, Goebler, Ob
landmesser in Cassel, am 7. 5. 19, Bohn, Reg.-Landmesser in Franke
berg, am 20. 6. 15 schwer verwundet und vermisst, ist für tot erklät.—
Versetzt wurden: Pusch, Reg.-Landmesser, am 1.5.19 vom Oberpräsdi.
Abteilung für Vorarbeiten in Hannover, nach Peine und mit der Leitung &
Vermessungsbüros beim dortigen Kanalbauamt beauftragt, am 1. 7. 19 Reit.
Reg.-Landmesser, von Treysa nach Wiesbaden, am 1.10.19 die Reg.-Lant
messer Virch, Ochs, Riehl, Ringewald, Hinterthür, sämtlich in Arolse!.
nach Cassel, Spezk.. am 1.7.19 Staack, Landmesser, von Dillenburg na
Eisenach, Bez. Merseburg. — Neu eingetreten: Thal, Landmesser in Casst
Spezk., am 1.4.19. — A. Hüser, Oberlandmesser in Cassel-Harleshause!
zum 1. 7. 19.pensioniert. '
Sachsen-Weimar. Gestorben Vermessungsrat Noch in Weimar.
| Inhalt. |
| Wissenschaftliche Mitteilungen: Neue Formeln zur Uebertragung geographisch"!
Koordinaten durch Hauptdreiecksseiten, von Krüger. — Die Notwendigkeit ein
Nenorganisation des staatlichen Vermessungswesens, von v.Bertrab. — Bücher
schau. — Vereinsnachrichten. — Personalnachrichten.
-ı
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart.
Druck von Carl Hammer (Inh. Wilh. Herget), Kgl. Hofbuchäruckerei in Stuttgart.
BE
4 5
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Ir n.
gan En-.. Bien
XLVII. Ban@ __,:,0) $eptember
9. Heft. M a 1919.
EEE,
Zeitschrift für Vermessungswesen
Organ des agree gen
Dr. O. Eggert,
Professor a. d. Techn. Hochschule in Danzig-Langfuhr
Preis des Jahrganges 10 Mark.
Im Postbezug 10 Mk. 10 Pfg. ohne Bestellgeld.
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart, Schloßstraße 14.
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen : A. Tichy’s Trigonometrische Längenbestimmung
geodätischer Grundlinien, von Frischauf, — Ein neues Doppelprisma, von
Grünert, — Zum Beitrag von Reg.-Landmesser Egbert Harbert „Geltung der
Fachwissenschaft im Kriegsvermessungswesen und ihre Wirkung‘ von Treitschke,
— Die Not der verdrängten elsass-lothringischen Landmesser, von Hammer. —
Vereinsangelegenheiten. — Aus unseren Kolenien. — Baron Eötvös T. — Landes-
ökonomierat Ruckdeschel +. — Personalnachrichten. — Kurze Mitteilung.
SICKLER|
„KARISRUHE LE
n .
\ EEE u .\
je .
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schraube, als Sickler’sche Nivellierinstrumente in allen Fachkreisen bestens
eingeführt und begutachtet.
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NB. Ber beste Beweis für die Zweekmässigkeit dieser Konstruktion sind die zahl-
reichen Nachahmungen.
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Bei unserem neuen Nivellierinstrument
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ist in bisher unerreichter Weise Einfachheit
der Bauart und Bequemlichkeit der Prüfung und Be-
riehtigung vereinigt. Das Instrument ist unempfindlich
im Gebrauch und hervorragend feldtüchtig. Es besitzt — ab-
gesehen von der Richtschraube für die Dosenlibelle zur all-
gemeinen Senkrechtstellung der Vertikalachse —
nur eine einzige Justierschraube
und lässt sich von einem Standpunkte
aus innerhalb einer Minute
durch nur zwei Lattenablesungen scharf prüfen. : Wenn er-
forderlich erfolgt die Berichtigung durch eine kleine Drehung °
der Justierschraube an der Nivellierlibelle. Kippschraube zur
Feineinstellung der Libelle und Libellenspiegel ermöglichen
ein sehr schnelles und bequemes Arbeiten. Dies Instrument °
stellt eine völlig neue Art dar, die zu allen Nivellements
für technische Zwecke besonders geeignet ist.
ZEITSCHRIFT ron VERMESSUNGSWESEN
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. O0. Eggert,
Professor an der Techn. Hochschule
Danzig-Langfuhr, Hermannshöfer Weg 6.
u EL u nn wu) Heft 0, =
1919. September. Band XLVII.
ar Abdruck von Original-Artikeln ohne vorher eingeholte Erlaubnis
{sr Scoriftleitung Ist untersagt.
= ——
| Tiehy’s Trigonometrische Längenbestimmung
geodätischer Grundlinien.
N Von Johannes Frischauf in Graz.
ı ;»merkung. Anlässlich der Absteckung der vier grossen Alpen-
one zweiten Eisenbahnverbindung Wien— Triest stellte sich A.Tichy,
tumals 1: spektor der k. k. Staatseisenbahnen, die Aufgabe: in Gebieten,
wc die -cbräuchlichen Messungsmethoden (alte Basismessung, Invardraht)
Nıyen +‚rainschwierigkeiten versagen, mit grösserer Genauigkeit, als das
1: .ıhymetrische Verfahren gestattet, Grundlinien zu messen. Unter
m abizen Titel hat Tichy sein Verfahren bekannt gemacht. !)
is k. und k. Militärgeographische Institut hat im Mai 1909 in Stein-
I "wei neunkirchen einen Versuch zür Prüfung dieses Verfahrens ausge-
fi: vi. Hauptmann Karl Gaksch berichtet darüber ausführlich die Re-
sultate in den „Mitteilungen“ dieses Institutes, XXIX. Band, 1909.?)
In geodätischen Kreisen scheint Tichy's Messungsmethode ziemlich
unbekannt geblieben zu sein. Es sollen daher in Kürze sein Verfahren, 3)
sowie die Hauptresultate des erwähnten Prüfungsversuches mitgeteilt werden.
j ) Wien 1909. Eigentum und Verlag des Oesterreichischen Ingenieur- und
Architektenvereins. 67 S. 8° mit 8 Abbildungen, die 5 ersten für die Theorie,
die 3 letzten sind Bilder der Messgarnitur. Dazu Anhang A enthaltend die Tafeln
für die Kostenberechnung bei Verwendung von 2 und 1 Theodolit für das 2—5
Faktorensystem. Anhang B gibt sechs graphische Tafeln: Reduktion auf den Meeres-
horizont, Tafel für die dreistelligen gemeinen Logarithmen, Tafel für Compl. loy
cos? zur Reduktion auf den Horizont und Hilfstafeln für die Absteckung nach
dem 4, 3, 2 Faktorensystem. Tichy und diese Abhandlung werden der Kürze
halber mit T. bezeichnet.
®) Diese Abhandlung (S. 41—69 dazu Tafel 6 mit 3 Figuren) wird mit G.
bezeichnet.
®) Die T. Abhandlung wurde dabei durch eine auf die Genauigkeit bezügliche
Untersuchung ergänzt.
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Hoft ®. 2
314 Frischauf. A. Tiechy’s Trigouom. Längenbestimmung etc. _ Zeutschritt füı
Vermessungswesen
“1919.
I. Theorie.
l. Die zu messende Grundlinie wird in die Teilstrecken AC Fig. I
zerlegt, die Strecke AC mittelst Triangulierung gemessen. Als einfachste
Vermessungsart dient nachstehendes Verfahren.!) Die erste Seite ist ein
in AC liegender Massstab „Etalon“ von rund 1,2 m Länge. Der Etalon
ist aus Invar, seine Enden können scharf anvisiert werden, in Fig. ] mit
e—o bezeichnet. In seiner Mitte B kann er hochgenau um 909 ge-
schwenkt werden. In den Punkten D und E der Senkrechten DE auf
AC im Punkte BD sind Theodolitenstände. in A und C scharf anvisierbare
Signale.
In der Punktaufstellung D werden die Winkel «, y, 6: im Punkte %
die Winkel ß, &, n gemessen.
lie. 1. x
Daraus folgt. wenn mit a die halbe Etalonläuge bezeichnet wird.
BD —= acot 5 ; BH:-= act,
/
AB= BDtan(), +7) Re B Etan (5 + 8):
1 |
also AB=e5 [eco ; tan, r y) + acot „tan 5 22 e)].
In gleicher Art erhält man
i
bC= 9 [acıt tan (5 + ) + acot 5 tan (5 + ı)| j
damit die Summe
AU= AB+DBG(.
') In dieser Art hat T. ausser kleineren Vermessungen sechs grössere Grund-
linien, zusammen rund 8814 m lang, vermessen. Die Idee: eine direkte Kopie
des offiziellen Landes-Etalon als Ursprungsbasis zu gebrauchen. hatte T. selb-
ständig 1882 gefasst. Später erfuhr er gelegentlich eines Gespräches mit dem
Präzisions-Mechaniker Gustav Starke in Wien: die nämliche Idee — den Etalon
des Landes als Ursprungsbasis zu gebrauchen — habe dieser bereits einmal ge-
sprächsweise aus Steinheils Munde vernommen. In dessen Nachlass wurden
darüber Bruchstücke aufgefunden. Dies zur Erläuterung der Fussnote TS. 5
und der Erwähnung Steinheils S. 53 und 64.
vermessungswe für Frischauf. A. Tichy’s Trigonom. Längenbestimmung etc. 315,
Diese Bestimmung ist unabhängig davon, in welchem Punkte der Linie
4 C der Punkt B vorausgesetzt wird, welche Länge BD und BE haben,
wenn nur DE im Punkte B auf AC senkrecht steht.
Vereinfachungen. Liegt der Punkt B in der Mitte von AC, so
sind die Dreiecke ADC und AEC ebenfalls gleichschenkelig. Bezeichnet
man die Winkel an ihren Spitzen mit y’ und 6‘, so ist
sb, e=n
ö
AU acot > tan 2. +acot , . tan 5 i
Diese Formel gilt auch noch. wenn der Punkt B nur nahezu in der
Mitte von AC liegt. Setzt man
+, = z +u, also „+ — Pe,
E+E = +, also tn = ae
so heben sich in den Summen AC = AB+ BC die ersten Potenzen
von % und ® auf, und man erhält mit Fehler zweiter Ordnung die obige
Formel.
Ist überdies & = ß, also BD —= BE, y = 6‘, so sind die beiden
Vierecke der Fig. 1 Rauten, und die Strecke AC ist „rautenförmig“ ab-
gesteckt. Dann ist |
‘
2 R I
AC —= 2acot 9 tan 5
Ist die Strecke AC nur nahezu rautenförmig abgesteckt, und setzt
man mit Weglassung der Accente nach y’. und Ö°
En ARE Bern ea N A
9 =m g = gan 5 =
wo % und v kleine Grössen der ersten Ordnung sind, so heben sich bei
der Berechnung der:Summe von AB und BC die kleinen Grössen erster
Ordnung auf, und man erhält mit Fehler zweiter Ordnung
AC = 2acot tanz = 2ac fr tan nYtt.
Ist bei der Absteckung der Teilstrecke AC überdies y = 1800 — «.
so ist AC nach T. „normal“ abgesteckt, die beiden Rauten sind dann
einander ähnlich. T. erklärt die normale (also praktisch die nahezu
normale) Absteckung als die günstigste, weil dadurch ungünstige Winkel
möglichst vermieden werden.
2. Zur Beurteilung des Einflusses fehlerhafter Absteckung auf die
Bestimmung der Länge AC möge mitgeteilt werden:
Im gleichschenkligen Dreiecke ABC sei M die Mitte der Grundlinie
316 Frischauf. A. Tichy’s Trigonom. Längenbestimmung etc. Vermensunge für _
AB. Wird Fig. 2 bei fester Höhe AB in M um den kleinen Winkel ze
nach A’.B' geschwenkt, so ist
AM=-AM=- MB=MPR=s, CM =h, AC=BC=a
gesetzt,
40 = bt — ?2+h? — 2shcos(0 +e) = a? + 2shsine
BO = a? —= a8 — 2shsins.
Ü
C c'
B
A B
A A M DB
‚Fig. 2. Fig. 3.
Dieselben Gleichungen erhält man, wenn bei fester Grundlinie die
Höhe CM Fig. 3 um den kleinen Winkel 2 nach MC’ geschwenkt wird.
Daraus folgt sine = n gesetzt,
1 1
2hsn\? 2hsn\?
el) ea)
h
also, 3 = x gesetzt, mit Fehler x
W=allt2-getge)=alıgate(i tger)]
1 1 1 1
“= all, g0)= al1-5=-eft +3 =)]
2S=a+b+2s = 2a +2s — ar?
S=a+s—zaat, S — 28 = as — Zar
s-a=s+tas(l+220) S-b = s-arll+z 2)
‘ f} BAR hn 7
(S-a)(S— db) = 8 — atat = a|1-(%)]
Ss(S — 23) = a — ? — ar? = re] ı - ()].
a
Ist C” der geänderte Winkel, so ist
(hn\a
E A/SS-o)8- 5)... a (-; )
TV os) TV, (er)
C n? h r} $ 2
— tan. (1 - 5 (=) (2)
.n?
it, EPRLAY
= tan 9 — 5 (cos 5) 8m
B erben für Frischauf. A. Tichy’s Trigonom. Längenbestimmung ete. 317
also mit Fehler n%
n? .
C—C= — 7 3in2C.
Wird n = sing = 28 gesetzt und z in Minuten = #’ ausgedrückt,
so ist in Sekunden .
—-C= — ,@)"sin2C = — 0,0044 (#)*sin2 C.
Im Art. 1 wurde vorausgesetzt, die Mitte B des Etalon liegt in der
Strecke AC und seine Richtung fällt in AC.
Liegt die Etalonmitte B in AC und bildet seine Richtung mit AC
den Winkel z, so ist Fig. 4, wenn DP und EQ senkrecht auf AC ge-
zogen werden,
BDP=BEQ =, DP= BDocossz, EQ = BEcoss;
DP = a. 008 2.001 , EQ= a.c082c0t 2;
APr= ac0sscot — tan (3 +7+ s);
& &
PC= acosscob Z tan (2 + 8— 2);
AC= acosscot 5. | tan (3 ++ s) + tan (3 + —:)].
In gleicher Weise erhält man
AC= acosscot 5 |tan (5 + © — >) + tan (5 +n+e)]-
Ist z klein, so kann coss = 1 gesetzt werden; y weicht von ö, & von
n nur um eine kleine Grösse ab, wenn B nahe in der Mitte von AC liegt;
die beiden Werte von AC sind dann nur mit Fehlern zweiter Ordnung
nach z behaftet, unabhängig von «& und ß.
Fig. 4.
Liegt die Etalonmitte B nicht in AC, aber ist ihre Richtung parallel
mit AC, so ist Fig. 5, wenn DB bezw. EB bis zum Durchschnittspunkt
B‘ mit AC verlängert wird, BB’ = k gesetzt,
318 Frischauf. A. Tichy’s Trigonom. Längenbestimmung etc. __ Zeitschrift für
z le
BA= (acot 5 rn k) tan, Em ,) = (acot £ —k) tan (5 + e)
2B'A = acot = can, ir ;) + acottan (5 Zu e)
+k |tar (5 + ‚) — tan (5 + e)|.
Ist « nahezu = ß, d.h. BD nahezu = BE, so ist auch nahezu
y = €. Liegt daher B in der Mitte von DE, so kann für die Bestim-
mung von B’A (und ebenso von B’C), d. i. AB (und BC) der Einfluss
von k als kleine Grösse zweiter Ordnung betrachtet werden.
Daraus folgt: Bei geplanter Rauten-Absteckung des Dreieckssystems
ist der Einfluss einer etwas fehlerhaften Lage des Etalons verschwindend
klein. |
Durch die von T. angewandte Doppelberechnung von AB und BÜ
bei nahezu rautenförmiger Gestalt des Viereckes ADCE wird die Kom-
pensation der Absteckungsfehler der Teilstrecke AC erzielt.
Die Anwendbarkeit der Rauten-Methode setzt nur voraus. dass die
Standpunkte der Instrumente und Signale zugäng!ich sind und in einer
Ebene liegen, und die Theodolit-Visuren nach den Zielpunkten des KEtalon
und der Signale möglich sind.
3. Diese hier mitgeteilte Bestimmung der Teilstrecke A C bezeichnel
T. als „Vergrösserung des Etalon mit zwei Faktoren“. Die nächste Er-
weiterung ist die „Vergrösserung des Etalon mit drei Faktoren“. Dies
bewirkt T. Fig. 6 durch eine Zwischenstrecke DE, die in B auf A(Ü
senkrecht steht und in B halbiert wird. deren Endpunkte D und E mit
Signalen besetzt sind.
Zunächst wird die Strecke DE nach dem Zweifaktorensystem ver-
messen. In der Senkrechten auf DE im Punkte B (also in der Te>Y-
strecke AC) werden wei Theodolitenstandpunkte I und I] gewählt, ausser”
Zeitschrift tür "rischauf de tsne i ;
Vermessungswesen Frischauf. A. Tichy’s Trigonom. Längenbestimmung etc. 319
dem in den Punkten A und Ü die der Grundlinie D #& gegenüberliegenden
Winkel A und C der gleichschenkligen Dreiecke ADE, CDE gemessen.
Bezeichnet man die Winkel I und II an den Spitzen der gleich-
schenkligen Dreiecke DIE und DIE mit y und ö. die Winkel bei A
und C mit E und r, so genügt bei nahezu rautenförmiger Absteckung der
Teilstrecke AC für die Berechnung
ß +6
AC = 2acot EN tun! .
gern
4 cöt .
4 +
Durch Einschaltung von 3, 4,.. .. Hilfsgrundlinien erhält T. bezw.
das Vierfaktoren-, Fünftaktoren-Systein. Die Aufstellung der Formeln für
diese Systeme erscheint hier überflüssig. Das Dreifaktorensystem usw.
gestatten grössere Teilstrecken AC und grössere Winkel «, 3. erfordern
aber günstigeres Terrain als das Zweifaktorensystem; der Vorteil der
srösseren Teilstrecken AC dürfte aber durch die vermehrte Winkelmessung
und mühsamere Berechnung aufgehoben werden. Durch die Steigerung
der Faktorenzahl werden die Schwierigkeiten der nahezu rautenförmigen
Absteckung erhöht. Es scheint daher geraten, über drei Faktoren nicht
hinauszugehen.
Bei normaler Absteckun« ist
ee 1 ey nun
Beim Zweifaktorensystem ist
a” a s
AB=BC=uct, BD = uwt , = BE.
Beim Dreifaktorensystem ist
a a?
ADB = BU = ucöt. z: BD=act , = BE,
BI = act, = BU.
Iu der Praxis erhält man für einen näherungsweise bekannten Wert
von AC aus den obigen Formeln zunächst «. damit BD für das Zwei-
faktorensystem, und BD und BI tür das Dreifaktorensystem; deren
näherungsweise bekannten Werte sollen aber derart abgesteckt werden.
dass möglichst enau |
BD= BE, BI= BII
ist. Für diese Absteckune kann auch ein Messband verwendet werden,
was allerdings T. (S. 5) nicht gestatten will. Ausser der Etalonlänge
dürfen bei ihm nur Winkelmessungen verwendet werden, alle Vorarbeiten
— also auch die Absteckung — sollen mittels Tachymeter ausgeführt
werden.
T. gibt auf S. 17 Tafeln für dax Argument AB, die BD. 2 ‚ die
Fehler von AB und für 1 bis 10 bis 10000 km geben.
FOLDER s { re p) Triv N s er . i Zeitschrift für
320 Frischauf. A. Tichy’s Trigonom. Längenbestimmung etc Vormensungs wu
Die Zwischenstrecken BI usw. fehlen. Für das Dreifaktorensysten
betragen diese Zahlen ZI in m
9,48, 8,96, 8,32, 7,72, 7,21, 6,60, 6,13, 5,70.
4. Ist das Dreiecksnetz, das zur Bestimmung der Teilstrecke AC
dient, in Rautenform abgesteckt, so erscheint im n-Faktorensystem AC
in der Form
Erd Au zn
AC= 2T = 2atan tanz ... tan,
wo theoretisch zı, z,, - - . zu die stumpfen Winkel der Rauten bedeuten,
also zı = 180° — « ist; in praktischer Ausführung aber die Mittelwerte
der beiden stumpfen Winkel der nahezu rautenförmigen Vierecke sind,
ö a : 5
also x, = 180° — nu a 2 ,... Ist. Die Winkelmessungen
werden bis auf + 1“ Fehler genau vorausgesetzt.
Die Fehlerbestimmung von 7 infolge fehlerhafter Winkel geschieht
(nach T. S. 9, 12, 14) in folgender Art. Es ist
diıoyT = dlogtan 5 + dlogtan +. sc dlogtan” ,
wobei unabhängig voneinander die grössten Werte von daı, da, ... din
gleich + 1” gesetzt werden.
Die grösste Quadratsumme ist die Summe der grössten Quadrate von
dlogzı, dlogz, .. .. dlogx„. die kleinste Null. Der mittlere Fehler von
logT ist gleich der Quadratwurzel des Mittelwertes der grössten und
kleinsten Summe.
Bei normaler Absteckung ist sı = x, =... = zu. also
n a
dlogT = Ve dlog tan C%
Daraus erhält man für den Fehler von 7
| : ; | Tı/n | z
aT = TalognaT = „„dlegbrigT — ,, V 2 alogbriggian -
M = 0,4343.
T. schreibt für die Berechnung der Teilstrecken AC siebenstellige
l,ogarithmen vor, sechsstellige sind mehr als genügend. Aus den Tafeln
(T. S. 47) erhält man für den grössten und kleinsten Wert von AB (in m)
nebenstehende Zahlen von dlog tan 5 in Einheiten der siebenten Dezimal-
stelle für dx = +1” (also = — 0,5)
bei Faktoren zwei drei vier fünf
160 | 173 300 | 85 400 | 56 450 | 42
35] 82 60 | 52 100141 130 | 34
[/ > _® 2. $) . . .
Vormossungen u Frischauf. A. Tichy’s Trigonom. Längenbestimmung etc. 321
Il. Der Prüfungsversuch.
1. Ein solcher fordert die Messung einer der Länge genau bekannten
Grundlinie nach T.-Methode.
T. empfiehlt für einen Prüfungsversuch (S. 61) die Absteckung eines
einem Quadrate angenäherten Viereckes mit 400 + 5 m Seitenlängen,
dessen vier Seiten in je zwei und beide Diagonalen in je drei Teilstrecken
nach Dreifaktorensystem bestimmt werden, und die acht Winkel an den
Spitzen und zwar durchaus mit Richtung, in je neun kompletten Sätzen
gemessen werden. Dies gibt genügend überschüssige Stücke, welche für
die Leistungsprobe verwendet werden können.
Eine solche Prüfung gibt aber keinen Aufschluss über die Etalon-
länge. Ein solcher erfordert, dass mindestens eine der Seiten oder Di-
agonalen im internationalen Masse gegeben ist. Ist K = 2a die Etalon-
länge, so erscheint jede T.-Messung in der Form
T=KW,
wo W von den Winkeln xı, 25, . . . abhängt.
Ist W fehlerfrei und K der richtige Wert der Etalonlänge, so wird
die Grösse 7 richtig erhalten, Wird statt X ein anderer Wert K, ge-
wählt, so erhält man einen anderen Wert 7,, wo
T, = KW, n — = lg K— logK, = logT — IgT,
die Verbesserung des log K, liefert.
Jede genau bekannte und auch nach T. Methode gemessene Seite
liefert eine solche Bestimmung. Sind mehrere solche, zuerst trigonometrisch,
dann das zweitemal nach T. gemessene Seiten vorhanden, so kann daraus
ein genauerer Wert der Verbesserung der Konstante erhalten werden.
2. Der Prüfungsversuch des k. und k. Militärgeographischen Institutes
1909 war grosszügig geplant. In der grossen Wiener-Neustädter Ebene
„Steinfeld“ ist eine 1908 sehr genau gemessene Grundlinie OW von rund
240 m Länge mit mittlerem Fehler + 0,147 mm. Diese wurde als erste
Seite für ein Viereck ABOW Fig. 7 verwendet. Die übrigen drei Seiten
und die beiden Diagonalen wurden (G. S. 53) durch Winkelmessung mit
einem nahezu gleichen mittleren Fehler von rund + 2 mm bestimmt. Diese
sechs Linien sollten nach T. Methode und überdies mit Invardrähten ge-
323 Frischauf. A. Tiehy's Trigonom. Längenbestimmung etc. _ Zeitschrift für
el
messen werden. leider war aber zur Beobachtungszeit die Witterung
sehr ungünstig, weshalb der geplante Versuch nicht zur vollen Ausführun:
gelangte. G. berichtet (S. 43): „Die Vorarbeiten wurden am 3. und 4.
die Beobachtungen am 5., 7. und 8. Mai 1909 durchgeführt.
Die erste Maiwoche brachte ungünstige Witterungsverhältnisse. Fast
sämtliche Beobachtungen wurden hei Regen und Wind absolviert... Die
‚weite Diagonale AO konnte nicht mehr nach der Tichyschen Methode
vemessen werden.“
Bezüglich des Eintlusses ‘des schlechten Wetters auf die Arbeit un
Genauigkeit (S. 69):
Die Versuchsmessungen waren auf einen Zeitraum von mehreren Tageı
zersplittert. Immerhin. darf nicht ausser acht gelassen werden, dass il
dem nach Regengüssen erweichten Boden die Ptlöücke möglicherweise Ihre
Lagen veränderten... Zwischen der Vierecksmessung und dem Begim
der Rautenmessung sind 36 regnerische Stunden vertlossen und die Tich-
schen Beobachtungen auf drei Tage verteilt.“
Ausser Tichy fungierten fünf Offiziere als Beobachter (S. 43).
3. Im Berichte von G.'werden die vier Seiten und die Diagonale de
Viereckes in der Ordnung
WA, WO, BO, AB, BW
vorausgesetzt, diese Ordnung wird auch in den nachfulgenden Bemerkungel _
zugrunde gelegt. _
Die vier Umfangsseiten wurden normal abgesteckt und nach dem Drei
faktorensystem berechnet, für die Diagonale BW wurde'der Schnittpunkt
der beiden Diagonalen als Etalonsstandpunkt gewählt. und nach dem Vier
. faktorensystem berechnet. Alle Daten sind vollständig gegeben. die Rech-
nung wurde siebenstellig ausgeführt, fast sämtliche Zahlen sind mitgeteilt.
Für die Beurteilung der Güte der Absteckung möge beinerkt werde:
l. für a > Bist y > 6,
ß
0) ed
1. X — log cot — tan Z — log cot 9 tan 5 eine kleine Zahl.
Die erste Bedingung ist bei den Rauten AB und BW nicht einmal
erfüllt. Für die zweite Bedingung liefern die fünf Rauten in Einheitel
der siebenten Dezimalstelle
X = +37383, + 7715, + 32252, — 3709, + 53928
Damit erhält man für die doppelt gerechneten Längen 5D = Bi
(Fig. 6) bei den vier Seitenrauten und der Diagonalraute (G. Tatel 6
Fig. 3) für B’M = B’W bei der Länge in m rund nur |
20,0, 20,3, 19,8. 19,9, y,5
Unterschiede in mm
173, 36, 147. —- 169, 117,
also genau nur aut 1 e ; ; 1
117' 561° 135 ' 118 81
Zeitsehrift für j ichv’s Tri r ti
Vermessungswesen Frischauf. A. Tichy’s Trigonom. Längenbestimmung etc. 393
Wie weit diese Unterschiede durch eine I.agenänderung der Pflöcke
infolge der ungünstigen Witterung oder durch die Schwierigkeiten der
vorausgesetzten Absteckuns verursacht wurden, lässt sich nicht beantworten.
Aus der verhältnismässig guten Uebereinstimmung der näherungsweise
berechneten Seiten mit den genau berechneten Werten folgt, dass sich
die Absteckungsfehler grösstenteils kompensieren. Für die vier Seiten
des Viereckes betragen diese Unterschiede im Sinne genau—näherungsweise
in mm +44, +015, +15, +138:
die letzte Zahl gehört zur Seite AB, diese ist auch, wie aus G. S. 45
ersichtlich ist, am schlechtesten von den vier Seiten abgesteckt.
Für die obigen fünf Längen wurden (G. S. 67) in mm abgerundet im
Sinne Trigonometrisch—T. nachstehende Unterschiede erhalten:
+90, +109, +89, +82, + 132.
Diese dem Zeichen nach übereinstimmenden Unterschiede deuten auf
einen zu kleinen Wert der Konstante X —= 2a. Der Etalon war von
der Firma Rudolf & August Rost in Wien angefertigt, seine Länge
auf 1,19999 m bei + 200C angegeben.
Aus den obigen Längen folgt für log K — log K,, wo K, die Rostsche
Etalonlänge bedeutet, in Einheiten der siebenten Dezimalstelle:
+ 1700, +1986, + 1697, + 1524, + 1714;
daraus folgt im Mittel + 1724 + 141.
. Drei dieser Unterschiede stimmen gut untereinander, und gut ınit dem
Mittel; letzteres nur deshalb, weil das Mittel von 1986 und 1524 = 1755 ist.
Damit wird als neue Etalonlänge 1,20047 m bei + 200C erhalten.
Mit der neuen Etalonlänge werden die Unterschiede in mm der obigen
fünf Längen, im Sinne Trigonometrisch—T. (G. NS. 67)
— 1,35, + 13,59, — 1,37, — 10,09, — 0,79.
4. Da es mir undenkbar erschien, dass die Präzisionsfirma Rost einen
bis auf !/, mm gehenden Fehler in der Bestimmung der Etalonlänge be-
gangen haben könne, so ersuchte ich Herrn Oberinspektor T. um Auf-
schluss.!) Darüber erhielt ich nachstehende Auskunft: Die Länge 1,199 99
bei + 200C hat Rost nach einem messingenen „Normalmeter“ bestimmt,
dessen Provenienz von Breithaupt in Kassel ist, und worauf eingraviert
steht, dass es bei + 20°C der wahren Urmasslänge entspricht. Bei.dieser
/imn:ertemperatur geschah auch die Ermittlung der Länge des Etalons.
Infolge der Unstimmigkeit mit der Etalonbasis bei Neunkirchen hat Rost
untersucht und gefunden, dass der Breithauptsche Normalmeterstab nicht
') Erst durch eine solche Aufklärung erhält der G.’sche Bericht einer vollen
Abschluss,
324 Grünert. Ein neues Doppelprisma. : ermestungeo
auf + 20°, sondern auf 000 geeicht ist. Die Länge des Etalons bei
+ 15°C wurde dann von Rost
2a = 1,2004352 m
bestimmt.
Die Normaleichungskommission hat gefunden bei + 15°C
24 = 1,2004215 + 0,0000034 m,
für die Temperaturausdehnung des Invarstabes wurde für 1°C 0,00000144
angenommen.
Mit dieser Etalonlänge erhält man für die obigen fünf Seiten in mm,
im Sinne Trigonometrisch—T.
+5,68, + 21,4, +5,53, — 3,00, + 9,37.
Es ist bemerkenswert, dass dieser Unterschied bei der Seite WO,
deren Länge durch direkte Messung auf das genaueste bestimmt ist, die
auch am besten normal abgesteckt erscheint, am grössten ist. Die Ge
nauigkeit (rund sn der Länge) der T.-Bestimmung ist noch immer
viel grösser als bei der tachymetrischen. Die in der „Vorbemerkuf'
gestellte Aufgabe erscheint damit gelöst.
Ein neues Doppelprisma.
Auf den Vorschlag des Unterzeichneten im 5. Heft des Jahrgangs
1918 dieser Zeitschrift hat Herr Oberlandmesser Schellens im
Heft 9 eine eingehende Besprechung folgen lassen. Er kommt darin
zu dem Urteil, dass die vorgeschlagene Prismenform gegenüber den
Vorzügen der von ihm im Jahre 1906 angegebenen Prismenzusammel:
stellung für die Praxis kaum in Frage käme, weil
1: die Strahlenknotenpunkte exzentrisch lägen,
2. das nach rechts gerichtete Prisma ein äusserst kleines Gesichis
feld ergäbe. |
Zu dem zweiten Einwand, der als der grössere von beiden be:
trachtet wird, sei, kurz folgendes bemerkt:
Wie schon ein Blick auf die Abbildung zeigt, ist bei dem neuen
Prisma das Gesichtsfeld des für die rechte Sicht benutzten Wollaston'
schen Prismas allerdings nur etwa einhalbmal so breit wie das des
fünfseitigen Prismas für die linke Sicht. Es ergibt sich das ohne län-
gere theoretische Untersuchungen aus der schmalen Eintrittsöffnung
für die von rechts kommenden Strahlen, sowie den wenig geneigten
Reflektionsflächen und erscheint von vornherein selbstverständlich. Für
ılie praktische Benutzung wird die Breite des Gesichtsfeldes jedoch
vollständig genügen, zumal der Landmesser sich beim Einfluchten bei
ı'er Mehrzahl der Punkte schon durch die Lage des Messbandes oder
vet dr Grünert. Ein neues Doppelprisma. | 395
der‘ Latten annähernd in der Richtung der Geraden befindet. Das
Wollastonsche Prisma, das bei, dem neuen Doppelprisma in der optisch
günstigsten Stellung benutzt wird, hat sich schon in der Praxis an
Stelle des dreiseitigen Prismas bewährt, denn es wird seit einer Reihe
von Jahren von den Vereinigten mechanischen Werkstätten in Göt-
tingen hergestellt und mit Erfolg vertrieben. Es ist deshalb nicht ein-
zusehen, weshalb eine Zusammenstellung mit dem fünfseitigen Prisma
wegen „äusserst kleinem Gesichtsfelde für die Praxis kaum in Frage
kommen könne“. (Das Wollastonsche Prisma hat übrigens den Vorteil,
dass es ein sehr klares Bild ergibt, das nicht mit der Zeit trüber wird,
weil an den Seitenflächen totale Reflektion stattfindet, die keinen
Spiegelbelag voraussetzt.) Oberlandmesser Schellens hebt demgegenüber
als Vorteil der dreiseitigen Prismen, die bei seinem Instrument benutzt
sind, hervor, dass diese bei grosser Annäherung des Auges sogar ein
etwas grösseres Gesichtsfeld ergäben als die fünfseitigen. Eine solche
starke Annäherung ist jedoch beim dreiseitigen Prisma wegen der
Schiefstellung der Kathetenfläche zum Auge recht misslich.
In der theoretischen Herleitung zum Vergleich beider Instrumente
benutzt er einen „Abstand des Auges“ von 1 cm. Da jedoch nicht
der Hornhautscheitel, sondern nährungsweise der Mittelpunkt der Linse
bezw. der Drehpunkt des Auges als Scheitelpunkt der Grenzstrahlen
des Gesichtsfeldes anzunehmen ist, berühren bei dieser Stellung des
Auges die Augenwimpern die Glasfläche. Bei seinem Instrument ist
eine derart genäherte Stellung des Auges, wie Abb. 2 zeigt, überhaupt
nicht angängig, da das Auge dann in die Fassung zwischen die Pris-
men hineinragt und die Nasenwurzel die von fernher eintretenden
Lichtstrahlen fast vollständig abfängt. (Abb. 1 gibt die entsprechende
Stellung des Auges bei dem Doppelprisma des Unterzeichneten wieder.)
Ben nn en an
Abb. 1. Abb. 2.
Gerade beim dreiseitigen Prisma nimmt die Breite des Gesichtsfeldes
beim Entfernen des Auges vom Glaskörper jedoch rasch ab. Die von
Oberlandmesser Schellens in seiner theoretischen Herleitung benutzte
inart. : s -isma. Zeitschrift für
326 Grünert. Ein neues Doppelprisna Vermessungswesen
Stellung des Auges ist daher für eine vergleichende Diskussion beider
Instrumente nicht geeignet und muss zu Fehlschlüssen führen.
Zuzugeben ist, dass bei gleicher Entfernung der Verbindungslinie
der Augen von der Voırderkante beider Instrumente das fünfseitige
Prisma nur ein um etwa ein Viertei breiteres Gesichtsfeld ergibt als das
dreiseitige Prisma. Auch Jordan gibt in seinem Handbuch an, dass das
Gesichtsfeld etwas grösser ist. Die anders lautenden Reklamen der Fir-
men, die zum Teil angeben, dass das Gesichtsfeld um 1600/, grösser sei,
sind daher unrichtig und irreführend. Immerhin ist üas jünfseitige Prisına
dem dreiseitigen wegen seiner optischen Vorzüge weit überlegen und
wird das dreiseitige trotz des etwas höheren Preises mit der Zeit immer
mehr verdrängen. Ihm gehört die Zukunft. |
Der Hauptnachteil des dreiseitigen Prisınas ist die Schrägstellung
der Ein- und Austrittsflächen zu den Lichtstrahlen. Denn je mehr die
Strahlen zu den Glasflächen geneigt sind, desto grösser ist der Licht-
verlust durch Reflektion an den Glasflächen. Es stören jedoch nicht
nur die an der Austrittsfläche \direkt reflektierten „beweglichen“
Strahlen, sondern ein erheblicher Teil der auffallenden Strahlen tritt
infolge Reflektion an der Eintrittsfläche, die spiegelnd wirkt, überhaupt
nicht in den Glaskörper ein. Dieser Lichtverlust läst sich auch durch
die von Oberlandmesser Schellens angeordneten Abblendungen nicht
vermeiden. Die Verdunklung des Bildes beim dreiseitigen Prisma er-
kennt man am besten, wenn man das doppelt reflektierte Bild mit
dem an der Hypothenusenfläche einfach reflektierten Bild vergleicht,
das sich ergibt, wenn man senkrecht auf eine Kathetenfläche blickt.
Man ist oft überrascht von der Helligkeit dieses Bildes gegenüber dem
doppelt reflektierten. Bei dem fünfseitigen Prisma und dem Doppel-
prisma des Unterzeichneten dagegen tritt die Mitte des Strahlenbündels
nahezu senkrecht zu den Endflächen ein und aus. Das Bild ıst daher
weit heller als beim dreiseitigen Prisma, ein Umstand, der bedeutend
wichtiger ist als die Grösse des Gesichtsfeldes. |
Als weiterer Vorteil des dreiseitigen Prismas wird hervorgehoben,
dass es bei gleicher Höhe des Prismas ein höheres Gesichtsfeld ergibt
als das fünfseitige Prisma. Wie seinerzeit angeführt, hält der Unter-
zeichnete die vorgeschlagene Höhe des neuen Doppelprismas für aus-
reichend, weil die Prismen doch stets nur für Sichten in der Horizon-
talen benutzt werden können. Überdies lässt sich das Gesichtsfeld
durch eine geringe Auf- oder bwärtsbewegung des Prismas vor dem
Auge nach oben oder unten verschieben, wodurch eine weitere Über-
sicht erhalten wird.
Schon von Prandtl ist vorgeschlagen, um die Höhe des Gesichts-
feldes des fünfseitigen Prismas nicht hinter jener des alten, dreiseitigen
| Zeitschrift für Grünert. Ein neues Doppelprisua. 327
en a esen
Prismas zurückstehen zu lassen, den Glaskörper entsprechend höher
- wählen. Falls erwünscht, kann auch Jdas neue Doppelprisma noch
„höher gestaltet werden als vorgeschlagen ist. Es wird dadurch durch-
;, aus nicht unhandlich.
Welches der beiden Doppelprismen eine handlichere Forn auf-
—
r 0
„ weist, geht schon aus der Forim der Querschnitte (.\bb. 1 und 2) zur
» Genüge hervor. Die in der Horizontalen verschobenen abgestumpften
dreiseitigen Prismen des Instrumenls nach Schellens lassen nur eine
komplizierte Fassung zu. — R
Auch der wit 1 bezeichnete Einwand gegen das neue Doppel-
prisma, dass die Strahlenknotenpunkte exzentrisch lägen, kann nicht
die Ausicht begründen, dass das neue Prisma für die Praxis kaum in
Frage käme. Der Abstand der von rechts und links kommenden paral-
lelen Strahlen beträgt nur etwa 1,5 cm oder etwa 5/; der Exzentrizität
des Bauernfeldschen Prismas. Der Mittelpunkt des Handgriffs würde
weniger als 1 cm von der Mitte der Strahlen abweichen. Die über-
grosse Mehrzahl der Geodäten wird wohl mit mir der Ansicht sein,
‘
dass der daraus entstehende „Fehler“ vollständig vernachlässigt werden
kann und gegenüber den Fehlern beim Visieren und Abloten des
Winkelpunktes auf den Erdboden sowie dem Fehler der Strecken-
messung keine erhebliche Rolle spielt. |
Überhaupt ist der von Schellens auch für das einfache Prisma vor-
geschlagenen „Zentrierung des Strahlenknotenpunktes‘ selbst für Stadt-
vermessungen kein Giewicht beizulegen. Das Verfahren wird wohl sehr
wenig angewandt werden. Durch zweiseitige Beobachtung, wie sie
bein einfachen Winkelprisma schon wegen des Instrumentenfehlers
üblich ist, wird der Fehler überdies grösstenteils getilgt. Wird nicht
zweiseitig beobachtet, so wird auch beim Doppelprisma die geringe
Ungenauigkeit der Winkel des Glaskörpers zumeist schon einen grösse-
ren Fehler bedingen als der nicht im Strahlenschnitt befindliche Hand-
griff. Bei. Beobachtung in beiden Lagen wird auch der Fehler der
durch die Anbringung des Handgriffs ausserhalb des Strahlenknoten-
punktes hervorgerufen ist, grösstenteils eliminiert. Es ist deshalb höch-
stens ın einzelnen wenigen Ausnahmefällen bei Stadivermessungen ange-
brücht, die exzentrische Stellung des Handgriffs ‚zum Strahlenknoten-
punkt zu berücksichtigen. Es genügt dann vollständig, ein Prisma
mit gewöhnlicher Fassung zu benutzen und .den Strahlenknotenpunkt
vor der Mitte der Kalhetenfläche, an der die Strıhlen austreten, durch
Schätzung zu bestimmen. Der Abstand von etwa 1 cm bis zum Hand-
griff kann dann beim Abloten berücksichtigt werden.
Im allgemeinen ist jedoch zu bemerken, dass es schon aus wirt-
schaftlichen Gründen in den kommenden Zeiten nolwendig sein wird,
398 Treitschke. Zum Beitrag von Reg.-Landm. Harbert etc. _ Zeitschrift für
Yermensungswesen
von dem Bestreben abzusehen, eine Genauigkeit zu erzielen, die die
praktischen Bedürfnisse übersteigt, wie es bei Stadtvermessungen
mitunter beliebt ist, und statt dessen das Hauptaugenmerk darauf zu
richten, mit möglichst geringem Aufwande von Zeit und Arbeitskräften
hohe Arbeitsleistungen bei völlig ausreichender Genauigkeit zu er-
reichen. Demzufolge wird es notwendig sein, alle Arbeiten nach Mög-
lichkeit zu vereinfachen und praktisch zu gestalten, und Methoden auf-
zugeben, die nur die Genauigkeit der Zwischenresultate steigern oder
es ermöglichen, einen möglichst kleinen mittleren Fehler herauszu-
rechnen.
Vereinfachungen lassen sich unter anderem oft dadurch erreichen.
dass die Ablesungen in. möglichst abgerundeten Zahlen ausgeführt und
alle Stellenzahlen, die die Genauigkeit des Endresultats nicht erheblich
steigern, in den Rechnungen fortgelassen werden (es genügt, die Ab-
lesungen um das 3—5fache genauer auszuführen als die Masse ermit-
telt sind). So können z. B. in den Flächenberechnungen die Zehntel
und besonders die Hundertel oft fortgelassen werden, da sie nur
rechnerische Bedeutung haben. Auch durch geschickte‘ Anwendung
graphischer Methoden: lässt sich vielfach Arbeit ersparen, ohne dass
die Genauigkeit des Endresultates leidet.
Die Kenntnis der Fehlertheorie sollte dem Landmesser künftig noch
mehr als bisher dazu dienen, die Genauigkeit seiner Arbeiten richtig
zu beurteilen und ihn veranlassen, die Gestaltung der Messungen
weitgehender den Bodenwerten und den wirtschaftlichen Bedürfnissen
anzupassen.
Weimar, November 1918. Dr. Grünert.
Zum Beitrag von Reg.-Landmesser Egbert Harbert
„Geltung der Fachwissenschaft im Kriegsvermessungs-
wesen und ihre Wirkung‘.
Im 6. Heft Juni 1919 der „Zeitschrift für Vermessungswesen“ Seite 194
beschäftigt sich der mir persönlich unbekannte Herr Verfasser obigen Bei-
trages mit meiner Person. Ich war damals Führer der Vermessungs-
abteilung 12 der 2. Armee und trage für die Arbeiten allein die volle
Verantwortung. |
Zur Berichtigung erkläre ich:
Die erwähnte K.V.C. Nr. 108 kann in dieser Fassung Veranlassung zu
irrtümlicher Auffassung geben. Ich stelle fest, dass bei meiner Vermes-
sungsabteilung Nr. 12 nicht die vorderste Infanteriestellung d. h. der
vorderste Kampfgraben, sondern die vorderste Kampfzone mit Messtisch
Zeitschrift tür Treitschke. Zum Beitrag von Reg.-Landm. Harbert ete. 399
ee ee
1919.
und Kippregel topographisch aufgenommen worden ist, natürlich nur, so-
weit Feind und Gelände es gestatteten.
Die Aufnahme des vordersten Kampfgrabens erfolgte bei meiner Ver
messungsabteilung Nr. 12 durch Bussolen- bezw. Tachymeterzüge, in Fest-
punkte eingehängt. Die Aufnehmer waren lIandmesser und Männer, die
in ihrem Zivilberufe mit diesen Arbeiten vertraut waren. Diese Auf-
nahmen sind also für diese ein .‚Ruhmesblatt. Die Aufnehmer benutzten
die ihnen vom Frieden her gewohnten Instrumente und Behelfsmittel. Die
Messergebnisse wurden von diesen Fachleuten nach den in ihrem Zivil-
berufe üblichen Verfahren zu einer Grabenkarte 1: 2000 verwertet, die
lamit den schärfsten fachwissenschaftlichen Anforderungen genügte. |
Fliegerbilder zur photogrammetrischen Auswertung für obige Zwecl.e
waren damals, Sommer 1915, nicht vorhanden und infolge anderer Aufgaben
der Flieger nicht zu erhalten. Später, als Fliegerbilder und zahlreiche andere
Hilfsmittel zur Herstellung des Planmaterials für das Kampfgelände zur
Verfügung standen, wurde selbstverständlich auf obiges zeitraubende und
umständliche, bei einem tätigen Feind natürlich auch mit persönlicher,
wie überall im Kriege aber nicht zu vermeidenden Lebensgefahr ver-
lundenen, Verfahren verzichtet.
Ich habe mich selbst an den Arbeiten in der Kampfzone und im
vordersten Kampfgraben beteiligt.
Auf Seite 195 legt Herr HU. dar, „worauf alle diese Arbeiten hin-
zielten“. Dazu bemerke ich: Ich habe nur in ernster Pflichterfüllung ge-
handelt und gearbeitet, um der känpfenden Truppe zu helfen.
Mit Herrn H. verurteile und verachte ich daher alle anderen niederen
Beweggründe. Meine Auffassung von meinem Berufe und meiner verant-
wortungsreichen Stellung, mein sittliches soldatisches Denken und Empfinden
verbieten es mir als Mann von Ehre, anders zu denken und zu handeln.
Es ist richtig, dass ich dauernd bemüht war, den Ruf des erst im
Felde unter dem Drange der Not geschaffenen, improvisierten Kriegs-
vermessungswesens auch in den Augen der I'ruppe zu heben. Erfahrungs-
semäss verhielt sich die Truppe gegenüber Neubildungen, die zunächst
nicht unmittelbaren Kampfzwecken dienten, ablehnend, bis sie den Wert
für sich erkannte. |
Ich bin ferner stets dafür eingetreten, nicht nur als Abteilungsführer
inn Westen und Osten, sondern später auch als Koınmandeur der Ver-
messungstruppen Südost an Ort und Stelle in den Karpathen, in Rumänien,
in Mazedonien, Italien und in Palästina, dass die von Berufsbeamten der
I,andesaufnahmen, I,andmessern und vermessungstechnisch gebildeten Ele-
menten aller Berufe und aller Grade in stiller unverdrossener Arbeit, in
treuester und aufopfernder Ptlichterfüllung geschaffenen Kartenwerke auch
von der Truppe gebührend gewürdigt wurden.
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft 9. 22
we
330 Treitschke. Zum Beitrag von Reg.-Landm. Harbert etc. _ Zeitschrift für
z re
Das war mir eine selbstverständliche und freudig geübte Dankespflicht.
Dass ich von den erwähnten Arbeiten im Kampfgelände „seinerzeit
viel Aufhebens“ gemacht habe, ist mir nicht bewusst. Unsere tatsäch-
lichen Leistungen waren die beste Reklame. Wenn aber Herr H. damit
meint, dass ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf diese vortrefi-
lichen Arbeiten im Kampfgelände hingewiesen und die Leistungen anerkannt
habe, so hat er Recht. So danke ich auch Herrn H. Denn die Aus-
einandersetzung gibt mir willkommene Gelegenheit, nochmals den braren
Männern von Herzen zu danken, die mir in jenen schweren Zeiten al:
selbstlose, pflichtgetreue Mitarbeiter zur Seite standen und mithalfen zum
Nutzen der am Feinde schwer ringenden Truppe.
Zu Seite 220 bemerke ich:
Diese K.V.C. Nr. 7149 ist ein Auszug aus dem von mir abgefassten
dienstlichen Berichte Nr. 1659 v. 26. 2. 17 über die Mitwirkung der Ver-
messungsabteilung 12 der 2. Armee während der Sommeschlacht 1916.
der an A.O.K. 2 und K.V.C. eingereicht wurde. Ich stelle fest, dass es
sich bei diesem Berichte um eine dienstliche Meldung eines für die Ter-
messungsarbeiten der 2. Armee seinem A.O.K. und K.V.C. gegenüber ver-
antwortlichen Offiziers handelt. Ich kann es mit meiner Soldaten- wi!
Mannesehre nicht vereinbaren, dienstlich falsche Meldungen zu erstatte.
Ich stelle fest, dass, solange ich Führer der V.A. 12 — bis Mail7 —
war, das genannte Planmaterial tatsächlich vorhanden und dem A.0O.K.
vorgelegt war.
Damit das keine „schöne Redensart“ ist, gebe ich die äussere Be-
grenzung des vor der Sommeschlacht 1916 für einen evtl. Angriff Rich-
tung Amiens—Compiegne von V.A. 12 fertiggestellten Planmaterials hier-
mit bekannt: |
Oestlich Noyon vorbei über CGarlepont— Tracy le Mont -Rethondt:
an der Aisne — besondere Waldkarte von Compiegne auf Grund eines
erbeuteten plan directeur — St. Jean aux Bois bis dicht nördlich Orron!
an der Oise, dieser folgend über Bethisy—St. Vaast südlich Verberie-
Pont St. Maxense, hier nordwärts über Longueau—3 km westlich Estrees—
St. Denis vorbei bis Beaupuits, von hier westwärts über Pronleroy 'bis
La Folie westlich Lienvillers, dann direkt nordwärts über Sains—Morain-
villers—le Cordonnois bis 1,5 km nördlich Villers—Tournelle, hier ost-
wärts bis Courtemanche (3 km nordwestlich Montdidier), dann nordwärls
über Pierrepont—Vaux östlich Corbie—Acheux (11 km nordwestlich Albert)
bis Saulty (15 km nordöstlich Doullens), hier ostwärts über Boisleux bis
Hendecourt, von da südwärts über Perronne bis Noyon.
Das vor der Sommeschlacht vorhandene und von V.A. 12 unter meiner
Leitung hergestellte Planmaterial umfasste 2749 qkm.
Die vorderste Kampflinie der 2. Armee bei Beginn der Sommeschlacht
|:
Zeitschrift für . DieN ande 2
Vormonsungswosen Hammer. Die Not der verdrängten els.-lothr. Landmesser. 331
lief damals von Rausart (17 km nordwestlich Bapaume) über Mouchy—
Gommecourt—Hamel an der Ancre—Fricourt—Maricourt—Frise an der
Somme—-Chaulnes—St. Aurin westlich Roye— Beuvraignes— Lassigny—
Ribecourt zur Oise.
Vorwärts dieser vordersten Kampflinie war also bei einem evtl. An-
griff Richtung Amiens—(ompitgne von der V.A. 12 auf Grund von Flieger-
bildern, Beutekarten usw. neu hergestelltes Planmaterial teilweise 30 bis
32 km in den Feind hinein vorhanden.
Es waren also nicht, wie Herr H. Seite 220 sagt: „Schöne Redens-
arten, die man zur Zeit der Niederschrift für unkontrollierbar hielt“,
sondern feststehende Tatsachen. |
Dresden. am 12. Juli 1919. Treitschke, Major im Generalstabe
und Vorstand der Abteilung für Landesaufnahnie
des sächs. Generalstabes.
Die Not der verdrängten elsass-lothringischen
Landmesser.
Von Steuerrat Hammer, früher in Strassburg i. E., jetzt in Darmstadt, Wittmannsstr. 5.
Vereinheitlichung des Vermessungswesens und der Aus-
bildung der Landmesser im ganzen Reich war von jeher eines der
wichtigsten Arbeitsziele des Deutschen Geometervereins. Naturgemäss
empfindet man die Bedeutung der Vereinheitlichung für das ganze Reich
in den grösseren Staaten Preussen und Bayern nicht so deutlich, wie sie
Landmesser der kleinen Staaten, und besonders die von so herbem Miss-
geschick heimgesuchten, aus ihrer Heimat verdrängten elsass-lothringischen
Landmesser empfinden, die in Elsass-Lothringen nach den Vorschriften,
die dort gültig waren, ihre Ausbildung genossen und ihre Prüfungen ab-
gelegt haben, und nun hier, im verkleinerten Reich, das ihnen die ver-
\orene Heimat ersetzen soll, um Gleichberechtigung mit den eingesessenen
Landmessern sich bemühen müssen und vor der Gefahr stehen, ihre
Mühen scheitern zu sehen. In Preussen werden sie vorerst nicht oder
nur mit Schreiberdiensten beschäftigt.
In Verteidigung des elsass-lothringischen Vereinsvorstandes, der wegen
seiner Bestrebungen auf Entfernung des Feldmesserkursus aus der Tech-
nischen Schule in Strassburg und Verlegung des Studiums an eine Hoch-
schule mit dem Direktor der genannten Schule eine Auseinandersetzung
hatte, schrieb ich im Jahr 1912: „.. . Der Deutsche Geometerverein
„verfolgt ganz ähnliche Ziele, wie sie die deutschen Baumeister seinerzeit
„verfolgt haben. In bezug auf Vorbildung, Berufsausbildung, Prüfungs-
„anforderungen, Berechtigungen und Bewertung der Baumeister bestanden
eitschrift für
332 Hammer. Die Not der verdrängten els.-lothr. Landmesser. _ 2
er
„ehemals ebensolche und noch grössere Unterschiede zwischen den ein-
| „zelnen deutschen Staaten, wie heute noch hinsichtlich der Landmesser.
„Fand ein deutscher Baumeister ausserhalb seines Heimatstaates Beschäf-
„tigung, die er vielleicht gesucht und angenommen hat, um an grösseren
„Bauausführungen praktische Erfahrungen zu sammeln, so musste er sich
„oft eine ganz untergeordnete Stellung, eine Unterbewertung, gefallen
„lassen. Dazu kam die durch die bestehenden ungeordneten Zustände
„erleichterte Mitbewerbung von nur mangelhaft oder einseitig ausgebildete:
. „Baumeistern und Ingenieuren. Solche Zustände drückten natürlich auf
„den Stand. Die Baumeister entfalteten daher in ihren Vereinen eine
„sehr rührige Tätigkeit zur Beseitigung der bestehenden Ungleichheiten
„in den Anforderungen der einzelnen Staaten. Dabei konnten sie natür-
.lich nur erstreben, dass alle Staaten dieselben Anforderungen
„an die Ausbildung der Baumeister stellten wie derjenige Staat,
„tler damals die höchsten Anforderungen stellte, denn es war
„zanz selbstverständlich, dass man keinem Staate einen Rück-
„schritt zumuten konnte. Die von der Sympathie vieler Landmesser
„begleiteten Bestrebungen der deutschen Baumeister waren von vollem
„Erfolge gekrönt. Heute erfreut sich der akademisch gebildete Pa
„meister mit abgelegter Staatsprüfung in allen deutschen Staaten der
„gleichen Würdigung und der ganze Stand überall eines hohen An-
„sehens. Der Deutsche Geometerverein will, um es kurz auszudrücken
„an die Stelle des preussischen, bayerischen, sächsischen usw. Land-
„messers den deutschen Landmesser setzen. Sein Bestreben zielt darauf
„ab, dass in allen deutschen Staaten die gleichen Anforderungen an die
„Vvor- und Berufsbildung der Landmesser gestellt werden. Dieses Ziel
„kann nur erreicht werden, indem die übrigen deutschen Staaten
„diejenigen Anforderungen an die Ausbildung des Landmesser:
„stellen, welche der in dieser Beziehung am weitesten vorge
„schrittene deutsche Staat tatsächlich stellt. In der Mehrheit
„der deutschen Staaten wird von den Landmessern Hochschulbildung ver-
„langt. Besonders ist es in Bayern der Fall, wo neuerdings der Land-
„messerberuf in bezug auf Vorbildung, Studium und Bewertung vollständig
„in die Reihe der akademischen Berufe eingerückt ist.... Nach Kräften
„darauf hinzuwirken, dass das in Bayern erreichte Ziel auch
„in den andern deutschen Staaten erreicht werde, ist Aufgabe
„und Pflicht des Deutschen Geometervereins und aller seiner
„Zweigvereine. ...“ (Zeitschr. d. V. d. Landm. in Elsass-Lothringen,
1912, S. 46 „Standesangelegenheiten“.) ü
Welche Vorteile die Vereinheitlichung der Anforderungen an die Aus-
bildung der Landmesser für das deutsche Vermessungswesen und für un-
seren Beruf mit sich brächte, braucht hier vor den Lesern dieser Zeit-
Zeitschrift für > DiaN £ e
Tormessungswesen Hammer. Die Not der verdrängten els.-lothr. Landmesser. 333
schrift nicht näher dargelegt zu werden. Tatsächlich ist unser Verein
bisher stets für die Vereinheitlichung, die er schrittweise zu erreichen
suchte, eingetreten, wenn auch bis jetzt nicht mit ganzem Erfolg. Mehr
hätte bisher in der Zeitschrift geschehen können für die Vereinheitlichung
der technischen Ausdrücke. Im amtlichen Vermessungs-, Kataster-, Zu-
sammenlegungs-, Flurbereinigungswesen werden in den verschiedenen Teilen
Deutschlands vielfach für denselben Gegenstand verschiedene Bezeichnungen
angewandt. Der Mangel an einer einheitlichen Ausdrucksweise tritt uns
beim Lesen gewisser Abhandlungen entgegen und ist nur allzu sehr ge-
eignet, Missverständnisse hervorzurufen. Die aus verschiedenen Teilen
Deutschlands stammenden Veröffentlichungen werden nur dann allseitig
richtig verstanden werden, wenn derselbe -Begriff stets auch denselben,
sprachlich und technisch gut gewählten Wortausdruck findet. Geschieht
‚dies fortgesetzt und dauernd in unserer Zeitschrift, so werden endlich
auch die amtlichen Anweisungen nachfolgen müssen und ein gutes Stück
Vereinheitlichung, hier gleichbedeutend mit Deutlichkeit und Klarheit,
wird erreicht sein.
Schon allein das tragische Geschick der elsass-lothringischen Land-
messer altdeutscher Abkunft, die gezwungen sind, ihre Heimat zu ver-
lassen, und die sich in dem noch deutsch bleibenden Teil des Reiches
eine neue Existenzmöglichkeit suchen müssen, beweist die Notwendigkeit,
als eine der Hauptaufgaben des Vereins die Hinwirkung auf die Ver-
einheitlichung der Ausbildung der Landmesser im Reich zu betrachten
und nicht aus den Augen zu lassen.
Nach einigen mir zugegangenen Zuschriften stossen die vertriebenen
l.andmesser, die in den Heimatstaaten der Väter festen Fuss zu fassen
suchen, auf Schwierigkeiten in Bayern und Preussen. In Bayern sei die
Verwendung versagt worden, obgleich Arbeit genug vorhanden sei. Die
preussische Oberprüfungs-Kommission für Landmesser lehnte
die Erteilung der Bestallung zum preussischen Landmesser
auf Grund der elsass-lothringischen Bestallung ab. Offenbar
wegen der Verschiedenheit der Ausbildungsvorschriften. Die Kommission
hat schon vor längerer Zeit, vor dem Kriege, ein Gesuch um Zulassung
zur Prüfung auf Grund der in Elsass-Lothringen ganz oder zum Teil ge-
nossenen Ausbildung ablehnend beschieden, da der Besuch der Tech-
nischen Schule in Strassburg das Studium an einer landwirtschaftlichen
Hochschule nicht ersetzen könne. Für die Zeit vor dem Kriege soll diese
Entscheidung nicht angefochten werden. Sie heute, unter gänzlich ver-
änderten Umständen, gegenüber Landmessern, die in Elsass-Lothringen
ihre Ausbildung genossen, ihre Prüfung abgelegt und ihre Bestallung er-
langt haben, aufrecht zu erhalten, wäre eine grosse Härte.
Der aus Elsass-Lothringen vertriebene, aus Preussen stammende
tschritt für
io N ä £ . _ Zei
334 Hammer. Die Not der verdrängten els.-lothr. Landmesser Vermessungswesen
Rechtsanwalt, Richter, Verwaltungsbeamte, Oberlehrer, Bauinspektor, Re-
gierungssekretär findet verhältnismässig leicht in Preussen wieder einen
Wirkungskreis, ja er kann in frei werdende Stellen seines Ressorts ein-
rücken. Er findet kein Hindernis in der Ungleichheit der Ausbildungs-
vorschriften. Anders soll es beim Landmesser sein, er soll nicht mit in
Wettbewerb treten können wegen der Verschiedenheit der Ausbildungs-
vorschriften, insbesondere weil in Preussen für die theoretische Aus-
bildung eine Hochschule vorgeschrieben ist, während sie in Elsass-Lothringen
an einer technischen Mittelschule stattfand. Er soll sich im günstigsten
Falle mit einer Beschäftigung untergeordneter Art bescheiden. Um dieser
Unterbewertung des elsass-lothringischen Landmessers entgegenzutreten.
sollen hier einige Worte über seine Ausbildung gesagt werden. In Elsass-
Lothringen trat der angehende Landmesser mit der gleichen Schulvorbildung
in seinen Beruf ein wie in Preussen. Seine theoretische Ausbildung erlangte
er in einem besonders eingerichteten Kursus, in dem Mathematiker, Geo-
däten, Bauinspektoren und andere Lehrkräfte unterrichteten. Als seiner-
zeit in Strassburg die technische Schule gegründet wurde, verlegte man
diesen Kursus gegen den entschiedensten Widerstand des ganzen
elsass-lothringischen Geometervereins an diese Schule. Die m
Verein fast restlos vereinigten Fachleute des Landes wollten die Aus
bildung an eine Hochschule gelegt haben. Aller Widerstand, die gut be-
gründeten Eingaben halfen nichts, war es doch auch den einflussreichen
Französlingen im Landesausschuss durchaus gegen den Strich, dass ihre
jungen Landsleute auf deutschen Hochschulen deutschen Geist atmen sollten.
Der Kursus fand nun in einem Saal der neu erbauten technischen
Schule statt. Die Schüler des Kursus betraten nur ungern die Räume
einer Schule, die von allen übrigen Schülern nur Volksschulbildung ver-
langte, weil sie glaubten, man wolle ihnen und dem gewählten Berufe mit
dem Zwang, gerade einen Raum dieser Lehranstalt zu benützen, den
Stempel der Minderwertigkeit aufdrücken. Einige entzogen sich diesem
Zwang und suchten eine landwirtschaftliche Hochschule auf, trotz den
Nachteilen, die ihnen daraus in der Heimat erwuchsen. — Der Kursus
stand übrigens in keinem organischen Zusammenhang mit dem
sonstigen Unterrichtsbetrieb der Schule. Der Unterricht voll-
zog sich niemals in Gemeinschaft mit dem Unterricht anderer
Schüler der Anstalt. Die Lehrer waren gezwungen, auf der besseren
Vorbildung der Schüler des Feldmesserkursus weiterzubauen und hohe
Anforderungen an die Schüler zu stellen, denn sie mussten in der
gleichen Zeit dasselbe Ziel erreichen, welches die Ausbildung
der preussischien Landmesser, bei gleicher Vorbildung dieser,
in den zweijährigen Kursen der landwirtschaftlichen Hoch-
schulen in Berlin und Bonn (Poppelsdorf) zu erreichen sucht.
„ Zeitschrift ir‘ Hammer. Die Not der verdrängten els.-lotlır. Landmesser. 335
V ee
Der Unterricht erstreckte sich über reine Mathematik bis zu den Ele-
'menten der Integralrechnung einschliesslich, über Ausgleichungsrechnung,
Vermessungskunde einschliesslich Höhenmessungen, trigonometrische Punkt-
bestimmung und Tachymetrie, Instrumentenkunde, Katasterkunde, Kultur-
technik, Zusammenlegungs- und Flurbereinigungswesen, Rechts- und Ver-
waltungskunde, Plan- und Geländezeichnen. Ueber diese Gegenstände
erstreckte sich auch die Prüfung. Verlangt wurde das Verständnis der
in der Stückvermessungsanweisung gegebenen, der preussischen An-
weisung IX fast genau entsprechenden Vorschriften über die Berechnung
und Ausgleichung der trigonometrischen Punkte. |
Diese theoretische Ausbildung wird der in Preussen geforderten
ziemlich gleichwertig sein. Was nun die praktische Ausbildung der
Landmesser anlangt, so dürfte es den Lesern dieser Zeitschrift wohl be-
kannt sein, dass dafür inElsass-Lothringen bisher weit günstigere
Gelegenheiten geboten waren als im ganzen übrigen Reich.
Schon die mangelhafte, nur buchmässige französische Fortführung
der Kataster ohne Berichtigung des ursprünglichen Planbildes, die in der
Zeit der grossen Eisenbahnbauten und anderer grosser Veränderungen im
Grundeigentum einen wahren Wirrwar in die Katasterurkunden und viele
Fehler in die darauf Begründeten Uebertragungsurkunden gebracht hatte,
gab bei den durch die Katastererneuerung und die Grundbuchanlegung
erforderlich gewordenen Identifizierungen der Grundstücksbezeichnungen
überaus reiche Gelegenheit, den Zusammenhang zwischen alten und neuen
Katasterbezeichnungen, zwischen Kataster, Erwerbsurkunden und Grund-
buch kennen zu lernen.
Das elsass-lothringische Katastergesetz vom 31. März 1834 brachte
die Katastererneuerung und besonders die Stückvermessung für zahl-
reiche Gemeinden des Landes. Von dieser Zeit an sind in keinem an-
deren deutschen Lande Stückvermessungen in solchem Umfang ausgeführt
worden wie in Elsass-Lothringen. Die Stückvermessung bietet aber, wie
wohl allgemein anerkannt wird, die beste Gelegenheit zur praktischen
Schulung des angehenden Landmessers. Die technischen Anweisungen be-
ruhen auf den preussischen Anweisungen VIII und IX und weichen von
diesen hauptsächlich nur ab durch die Festsetzung kleinerer Fehlergrenzen
und durch genauere Bestimmungen über die Feststellung und Ver-
markung der Grenzen. Die gesetzlich vorgeschriebene Vermarkung
aller Eigentumsgrenzen war eine besonders gute Gelegenheit zur Ir-
werbung von für den Landmesserberuf sehr nützlichen Kenntnissen und
Erfahrungen.
Ein Gesetz vom 30. Juli 1890 brachte nach Verlauf einiger Jahre
die Flurbereinigung in zahlreichen Gemarkungen Elsass-Lothringens
in Gang. Die Sorgfalt und Genauigkeit, mit welcher die Arbeit der Fest-
Sn
336 Vereinsangelegenheiten. vezeitschrift für
1919.
stellung des Besitzstandes und der Zuteilung der Abfindungen hierbei
ausgeführt worden sind, sind gewiss noch nicht übertroffen worden. Auch
diese Arbeiten hat man zur Schulung des jungen Personals ausgenützt.
Auf dem Gebiete der Katasterfortführung und besonders der
Fortführungsvermessungen wurden in Elsass-Lothringen an die Land-
messer und Katasterkontrolleure, bei dem hohen Werte und der Güte der
neu hergestellten Vermessungswerke, sehr hohe Anforderungen gestellt.
Die einschlägigen Vorschriften beruhen auf den in Preussen gültigen.
Die Veranlagung und Fortführung der Grund- und Gebäude-
steuer, die in Elsass-Lothringen noch Staatssteuer ist, und die Be-
arbeitung der Einwendungen gegen die Veranlagung gehörte zu den Ol;
liegenheiten der Katasterverwaltung. Die Landmesser, welche sich für
den Katasterfortführungsdienst vorbereitet haben, haben sich auch in
diesen Arbeiten an den Katasterämtern und an der Zentralstelle die
nötigen Kenntnisse erwerben müssen.
Der hohe Stand, den das Vermessungswesen im deutschen Elsass-
l,othringen erreicht hatte, ist genügend bekannt und wird besonders von
allen Besuchern der letzten Hauptversammlung des Deutschen Greometer-
vereins, die im Jahr 1912 in Strassburg stattfand, bestätigt werden. Dass
aus solchen Verhältnissen staatlich geprüfte und bestallte
Landmesser hervorgegangen seien, die nicht auf der gleichen
Stufe der Befähigung und des Könnens ihrer preussischen Kol
legen stehen, wird niemand nachweisen können.
Möchte eine nochmalige Prüfung der Angelegenheit die massgebenden
preussischen Behörden zur Ueberzeugung bringen, dass die Erteilung der
Bestallung als preussische Landmesser an die aus Elsass-Lothringen ver-
triebenen Landmesser, die sich in Prenssen, als ihrem Stammlande, nieder-
lassen müssen, und eine entsprechende Verwendung dieser Vertriebenen
ein Gebot der Menschlichkeit und der Billigkeit ist und ohne jede be-
fährdung ‚staatlicher Ansprüche erfolgen kann.
Der in der Bildung begriffene „Deutsche Verein für Vermessungs-
wesen“ sollte es stets als seine vaterländische, vornehmste Aufgabe be-
trachten, auf die Vereinheitlichung des amtlichen Vermessungswesens und
der Ausbildung der lIandmesser im ganzen Reich nach Kräften hinzu-
wirken, bis das Ziel erreicht ist.
Im Juli 1919.
Vereinsangelegenheiten.
Auf der von dem Deutschen Geometerverein und dem Landesverband
Preussischer Landmesservereine zum 22. und 23. Juni d. J. nach Halle
einberufenen Versammlung ist beschlossen worden:
|
Zeitschrift für "ereinsanvele R
Vermensungswenen Vereinsangelegenheiten. 337
919.
1. Umwandlung und Erweiterung des D.G.V. zum „Deutschen Verein
für Vermessungswesen“ (D.V.V.).
2. Gliederung des D.V.V. in Gauvereine und Ortsgruppen, deren Mit-
glieder Einzelmitglieder des D.V.V. sind. Ferner können Landes-
vereine aus den Gauvereinen gebildet werden.
3. Beitrag des D.V.V. beträgt 25 Mk., womit die Verwaltungskosten
des D.V.V, und seiner Unterglieder sowie der Bezug der wesentlich
zu erweiternden, wöchentlich erscheinenden Zeitschrift für Vermes-
sungswesen zu decken sind.
4. Der D.V.V. soll als bestehend angesehen werden. wenn 3000 Einzel-
mitglieder beigetreten sind.
. Ein Ausschuss von 5 Herren (Vermessungsinspektor Dengel-
Hamburg, Obmann, Vermessungsdirektor Strintz-Magdeburg, Ober-
landmesser Blumenberg-Hannover, Oberlandmesser Dr. Borg-
stätte-Dessau und Steuerinspektor I,ex-Wächtersbach) soll die
notwendigen Verhandlungen mit den bestehenden Vereinen für ihre
Ueberleitung in den D.V.V. übernehmen.
Die Versammlung war der Meinung, dass zur Erreichung unserer
Ziele und zur erfolgreichen Vertretung der höheren Vermessungstechniker
eine grosse und festgefügte Organisation über ganz Deutschland mit tat-
kräftiger Spitze in der Reichshauptstadt ein dringendes Bedürfnis ist und
dass jeder Fachgenosse Mitglied der Organisation sein müsse.
Die von der Versammlung beschlossene Satzung des D.V.V. ist bereits
in der Zeitschrift für Vermessungswesen und im IL,andmesser veröffentlicht
worden.
Nach dieser Satzung wird der D.V.V. für alle bestehenden Vereine
der Fachgenossen Raum bieten. In seinem Rahmen ist insbesondere das
Fortbestehen und die volle Bewegungsfreiheit der Landes- und Fachvereine
gesichert.
Wir wollen uns in dieser für Deutschland so traurigen Zeit enger
zusammenschliessen. Die Zersplitterung, die überall einzureissen droht.
soll bei uns aufhören. Nur durch Zahl und festen Zusammenschluss ist
heute etwas zu erreichen.
Ist dem ganzen Stand die ihm gebührende Anerkennung geworden,
die volle wissenschaftliche Vorbildung in allen Bundesstaaten für ihn ge-
schaften und seine ihm zukommende Stellung in Amt, Gehalt und gesell-
schaftlicher Beziehung errungen, so wird sich jeder Berufsgenosse, er möge
einer Fachrichtung angehören, ‚welcher er wolle, gut dabei stehen.
Auch die Fachgenossen in Bayern, Sachsen und Mecklenburg mit
ihrer vollen Hochschulbildung und ihrer höher bewerteten Stellung werden
Vorteile davon haben.
Manchem mag der Beitrag von 25 Mk. zu hoch erscheinen. Ein
nr
‘ Vereinsangelegenheiten. Zeitschrift für
338 geieg SRMNER UL EIn N
Grossverband jedoch ohne genügende Ausstattung mit Geldmitteln ist nicht
leistungsfähig. Die Beiträge für die bisherigen Berufs- und Fachvereine
irgend welcher Form werden’ in Zukunft fortfallen. Den Fachvereineı
und den Landesvereinen, die keine besonderen Fachvereine besitzen, sollen
alljährlich besondere Beträge aus den Mitteln des D.V.V. zur Verfügung
estellt werden. |
Die Angehörigen anderer Berufe, besonders die Arbeiter, haben für
ihre Bestrebungen erheblich höhere Beiträge aufgebracht. Was andır
konnten, müssen auch wir fertig bringen. Kleine Gesichtspunkte un
Sonderbelange dürfen nicht massgebend sein. Es geht um die Erreichung
unserer Ziele in ganz Deutschland. Dazu soll uns der Deutsche Verei
- für Vermessungswesen verhelfen.
Wir bitten daher den Beitritt Ihres Vereins zum D.V.V. unter Bei
fügung einer Liste seiner Mitglieder mit Angaben über Namen, Vorname.
Fachrichtung, amtliche Stellung und Anschrift baldmöglichst bei dem Unter
zeichneten zu erklären.
Machen Sie Ihre Beitrittserklärung nicht davon abhängig, dass irgend
welche Punkte der in Halle beschlossenen Satzung geändert werden. Die
Satzung ist selbstverständlich nicht unabänderlich. Gelegenheit zu
änderungsvorschlägen wird die erste Hauptversammlung des D.V.V. bit.
Zur Erreichung des unbedingt „erforderlichen Zusammenschlusses wird
dringend gebeten, vorläufig solche Wünsche zum Wohle der "gemeinsam!
Sache zurückzustellen.
Vorstehendes Rundschreiben ist allen Vereinen der Berufsgenosst!
zugegangen. Wir wenden uns mit diesem Aufruf aber auch an diejenig®
Fachgenossen, die bisher keinem Verein angehört haben, mit der Bitte:
Schliesst die Reihen und tretet dem D.Y.\. als Einzelmitglieder bei.
Beitrittserklärungen nimmt der Unterzeichnete entgegen, der auf \ unsch
die Satzung des D.V.V. gern zustellen wird.
Der in Halle gewählte Ausschus
ij. A.: Dengel, Vermessungsinspekt"
Hamburg, Bleichenbrücke 1'-
Vorläufige Nachricht. |
e am 2%
Zur Durchführung der von den Vertretern der Zweigverein
Neu-
und 23. Juni d. J. in Halle a/Saale DIIBENRESIEN ‚Beschlüsse über eine
ordnung des Vereinswesens (vergl. Bericht $. 265 d. Z.) wird eine
Ausserordentl. Hauptversammlung des Deutschen Geometervereih®
‚erden:
erforderlich, deren Zeitpunkt und Ort noch bekannt gemacht werde
sobald die Voraussetzungen erfüllt sein werden.
Zeitschrift für „ Bericht über die 2. Sitzung des Arbeitsausschusses etc. 339
a
Unter Hinweis auf $$ 27 bis 32, 38 und 40 der Satzung wird für die
Verhandlungen festgesetzt die folgende
Tagesordnung:
1. Vorstandsbericht.
2. Kassenbericht und Rechnungsprüfung.
3. Aenderung des Namens und der Satzung des Vereins auf Grund
der Verhandlungen in Halle a/S. am 22. und 23. Juni d. J.
4. Schlusswort des Vorsitzenden.
Der Hauptversammlung wird die Vorberatung (Abgeordnetensitzung)
nach $ 29 der Satzung vorangehen. Die Abgeordneten sind nach $ 25
der Satzung von den Zweigvereinen aus Mitgliedern des D.G.V. zu
wählen und unter Angabe der Mitgliederzahl des u eins
schriftlich zu bevollmächtigen.
Alle Teilnehmer an der Hauptversammlung müssen sich durch
Vorzeigung ihrer Mitgliedkarte auf Verlangen ausweisen können.
Ueber andere als die vorstehend angegebenen Gegenstände wird
diese Versammlung nicht beraten.
Im Falle die Namens- und Satzungsänderung zu Punkt 3 beschlossen
werden wird, wird in unmittelbarem Anschluss an diese Versammlung die
Gründungsversammlung, 1. Mitglieder- und Vertreterversammlung
des Deutschen Vereins für Vermessungswesen
stattfinden, deren Ordnung und Leitung in die Befugnisse des in Halle a/S.
bestellten Arbeitsausschusses gelegt worden sind. Anträge für diese
Versammlung sind daher an den Obmann des Arbeitsausschusses,
Herrn Vermessungsinspektor Dengel in Hamburg, Bleichen-
brücke 17 zu richten.
Festliche Veranstaltungen werden mit den Versammlungen im Hinblick
auf die Zeitverhältnisse nicht verbunden werden.
Der Vorstand des Deutschen Geometervereins:
Im Auftrage: Lotz.
Bericht über die 2. Sitzung des Arbeitsausschusses
zur Begründung des Deutschen Vereins für Vermessungswesen
vom 10. 8. 1919 zu Hannover.
Der Ausschuss hat am 10. August 1919 im Eisenbahndirektionsgebäude
zu Hannover eine Versammlung abgehalten. Anwesend waren:
Der Obmann des Ausschusses: Verm.-Insp. Dengel-Hamburg, ferner
die Herren: Verm.-Dir. Strintz-Magdeburg, Steuerinspektor Lex-
Wächtersbach, Oberldm. Dr. Borgstätte-Dessau und
Öberldm. Blumenberg-Hannover.
340 Bericht über die 2. Sitzung des Arbeitsausschusses etc. _ Zeitschrift für
VOTE AnBEWONeL
Zunächst wurde der Bericht der ersten Ausschusssitzung vom 13. Juli in
Berlin besprochen und über die Art der Veröffentlichung Beschluss gefasst.
Die in Berlin gefassten Beschlüsse wurden von den damals aus Verkehrs-
gründen nicht anwesenden Mitgliedern gutgeheissen.
1. Ueberleitung der bestehenden Vereine in den Grossverein.
Der Aufruf zum Anschluss der Vereine und Fachgenossen, die bisher
keinem Verein angehört haben, in den Grossverein ist erfolgt oder wird
in dem nächsten Hefte der Fachzeitschriften veröffentlicht werden. Be-
sondere Richtlinien für die Ueberführung der Fach- und Bezirksvereine
in den Grossverein wurden besprochen. Satzufgsgemäss soll zwar der
Vertreterversammlung des D.V.V. die Aufstellung einer einheitlichen Satzung
und Geschäftsordnung für die Gauvereine vorbehalten bleiben. Der Aus
schuss hält es aber doch für erforderlich, dass der Vertreterversammlung
von ihm ein bestimmter Entwurf unterbreitet wird.
Damit die Schwierigkeiten der Abwickelung bei den einzelnen Vereinen
einen Hindernisgrund für den baldigen Eintritt in den D.V.V. nicht bilden.
wurden folgende Richtlinien hierfür aufgestellt:
1. Es muss unbedingt danach gestrebt werden, dass der D.\N.
spätestens am 1. 10. 19. gegründet ist. Die Ueberführung der
jetzigen Vereine in den Grossverein ist so schnell wie möglich zu
erstreben.
2. Die Abwickelung der Kassen- und Vereinsgeschäfte darf für die
Ueberführung kein Hindernis sein und geschieht durch die bis-
herigen Vorstände.
. Den bestehenden Vereinen kann das Vereinsvermögen verbleiben.
doch ist es wünschenswert, wenn es dem D.V.V. zugeführt wird.
©
2. Ausschreibung der Stelle des Vereinsleiters.
Der Entwurf für die Ausschreibung dieser Stelle wurde beraten und
genehmigt.
3. Vereinszeitschrift.
Es wurden Vorschläge über den Abschluss eines Zeitschriften-Verlags-
vertrages gemacht. Es sollen noch mehrere Angebote angefordert werden.
Der Ausschuss war einstimmig der Meinung, dass Druck und Verlag bei
gleichen Bedingungen möglichst am Sitz des Vereins und des Geschäfts-
leiters sich befinden sollen.
4. Anmietung von Räumen für die Geschäftsstelle.
Die Anmietung der Räume wurde in Uebereinstimmung mit dem Be-
schlusse der vorigen Sitzung hinausgeschoben, da das von dem Branden-
"burgischen Landmesserverein erbetene Gutachten noch nicht eingegangen
Zeitschrift für Vereinsnachrichten. 341
v OTRRSTUDERW REN,
ist und es sich empfiehlt, sie im Einverständnis mit dem zukünftigen Ge-
schäftsleiter vorzunehmen.
5. Vorbereitung der Gründungsversammlung.
Sobald die Zahl von 3000 Einzelmitgliedern erreicht ist, wird das
\Veitere sofort veranlasst. |
Im Anschluss an diese Tagesordnung wurden verschiedene Antrüge
von Gauvereinen besprochen. Hierbei wurde festgestellt, dass diese An-
träge teilweise über den Ralımen des dem Ausschuss in der Hallenser
Versammlung begrenzten Auftrages hinausgehen. Sie werden dementsprechend
den Vorständen des L.P.L. und D.G.V. zur weiteren Veranlassung befür-
wortend überwiesen. Soweit sie die neue I.andmesserordnung betreffen.
‘ dürften sie durch das Rundschreiben des L.P.L. vom 1. August 1919,
nach welchem Vertreter des Landmesserstandes zu den Versammlungen
hinzugezogen werden sollen, ihre Erledigung finden.
Der Obmann des Arbeitsausschusses Der Schriftführer
gez. Dengel gez. Blumenberg
Verm.-Insp. in Hamburg, Oberlandmesser in Hannover,
Bleichenbrücke 17. Freytagstr. 141.
Vereinsnachrichten.
Aus Elsass-Lothringen.
5779. Brand, Vermessungsdirektor, früher in Metz, jetzt Düsseldorf, Kor-
neliusstr. 411.
4109. Döhler, Steuerinsp., früher in Hagenau, jetzt Lyck (Ostpr.) Steinstr. 18.
4797. Droste, Katasterkontrolleur, früher in St. Ludwig, jetzt Neidenburg
(Ostpr.), Landratsamt.
5637. Grondorf, Katasterfeldmesser, früher in Strassburg, / Berlin, Boden-
5763. Grondorf, Steuerinspektor, früher in Schlettstadt, ) bergstr. 31 III.
5507. Hermann, Feldmesser, früher in Niederjeutz bei Diedenhofen, jetzt
Schorndorf (Württ.), Göppingerstr. 9.
5081. Praetorius, Landmesser, früher in Strassburg, jetzt Cassel, Wilhelms-
höher Allee 341/,.
5630. Roeder, Steuerinspektor, früher in Strassburg, jetzt Osterode (Ostpr.)
| Burgstr. 4.
4583. \Wagenitz, Katasterkontrolleur, früher in Metz-Plantieres, jetzt Berle-
burg, Hochstr. 28.
3688. Werkmeister, Dr., Dipl.-Ingenieur, früher in Strassburg, jetzt Ess-
lingen a. N., Kanalstr. 28.
Die aus Elsass-Lothringen vertriebenen Kollegen werden dringend
gebeten, ihren neuen Wohnort und genaue Anschrift dem Steuerinspektor,
349 Aus unseren Kolonien. Zeitschritt für
NORD ESAUNBEMELeN
Herrn Sturm, Berlin W 8, Wilhelmstr. 72, Reichsministerium des Innern,
zwecks Zusammenschluss und Interessenvertretung mitzuteilen. — Aucdı
nimmt der Unterzeichnete wie bisher diese Anschriften zur Veröffentlichung
in der Zeitschrift gern entgegen und wird sie auf Wunsch dem Herrn
Steuerinspektor Sturin mitteilen.
Harleshausen. 20. August 1919. A. Hüser.
Aus unseren Kolonien.
Durch Herru Reg.-Landmesser Otto Dietrich, der sich beim Aus-
bruch des Weltkrieges bei der Vermessungstruppe der Nordbezirke von
Ostafrika mit dem Wohnsitz in Neumoschi befand, erhalte ich die jeden-
falls weite Kreise interessierende Nachricht, dass von den zwölf beim
Ausbruche des Krieges in Ostafrika befindlichen Regierungslandmessern,
welche sämtlich die Kriegszüge unter General v. Lettow mitgemacht haben,
sechs gefallen sind. Fünf befinden sich noch in Gefangenschaft, und nur
Herr Dietrich ist mit Herrn General v. Lettow in seine Heimat zurück-
gekehrt, wozu wir ihn von Herzen beglückwünschen und gleichzeitig den
noch zurückbehaltenen übrigen Kollegen eine baldige Heimkehr wünschen
wollen. |
Die Namen der Gefallenen sind: Brock, Becker, Knorr, Schöne-
weg, Selke und Seydt. Herr Becker, der Mitglied des D.G.V. war.
hatte seinen Wohnsitz in Tanga, von den übrigen Herren vermag ich den
Wohnsitz nicht anzugeben.
Ausser den oben Genannten ist noch Herr Topograpıhı Weigelt
gefallen.
Ferner ist erst kürzlich die Nachricht eingegangen, dass Herr Reg.-
Landmesser a. D. Heinrich Assmuth am 25. August 1916 in Lindi, Deutsch-
Ostafrika, dem Klima erlegen ist. Herr Assmuth ist lange Jahre in un-
seren Kolonien, besonders bei der geologischen Erforschung und Koloni-
sation, tätig gewesen. Während der Kriegszeit wurde er im Küstenschutz.
verwendet. |
Aus unseren Kolonien sind ausser Herrn Dietrich bis jetzt nur zwei
Mitglieder des Deutschen Geometervereins als zurückgekehrt bekannt ge-
worden, nämlich 4011, Herr Max Schmidt, Reg.-Landmesser in Zehdenick,
früher in Windhuk wmd 4288, Herr Lichtenstein, Reg.-landmesser in
Paderborn, bis Kriegsausbruch in Neuguinea. |
Auch Herr Reg.-Landmesser Moldenhauer, früher in Samoa, z. bh
in Elend (Harz) ist nach langer Internierung in Neuseeland endlich nach
Deutschland zurückgekehrt, wozu wir ihm ebenfalls von Herzen Glück
wünschen,
Zeitschrift für Nachrufe f. Eötvös u. Ruckdeschel. -- Personalnachrichten. 343
VOTIORS DEE NIEREN
Baron Roland Eötvös T.
Dei: österreichischen Zeitschrift für Vermessungswesen entnehmen wir
die Nachricht, dass der verdienstvolle Physiker Baron Roland Eötvös
am 8. April 1919 in Budapest im Alter von 71 Jahren verstorben ist. Auf
dem Gebiet der Eirdmessung hat Baron Eötvös sich in hervorragender
Weise durch Ausgestaltung der Drehwage verdient gemacht, indem es
ihn gelang, vermittelst dieses Instruments die Aenderungen der L.ot-
abweichungen und der Schwerkraft an der Erdoberfläche zu bestimmen
und auch über den Bau der Erdrinde Aufschluss zu gewinnen. Von den
Erfolgen seiner Untersuchungen zeugen die wertvollen Berichte, die Baron
Eötvös den Konferenzen der Internationalen Erdmessung vorgelegt hat
und die in den Sitzungsberichten der Internationalen Erdmessung abge-
druckt sind. (Vergl. d. Z. Jahrg. 1913 S. 474—483 u. S. 505—517.)
Eogert.
Landesökonomierat Ruckdeschel 7.
Anm 21. ds. Mts. verschied zu Ilirschberg an der Saale unser lang-
Jähriges Mitglied Herr Landesökonomierat Ruckdeschel im Alter von
89 Jabren. — Ruckdeschel war Mitbegründer des Deutschen Geometer-
vereins und hat in der Gründungsversammlung zu (Coburg vom 14. bis
16. Dezember 1871 wesentlich zum guten Abschluss der Verhandlungen
beigetragen. — Als Landmesser und Vermessungsrevisor bei den General-
kommissionen Merseburg und (assel beschäftigt. galt er als einer der
fähigsten Beamten und übernahm im Jahre 1885 als Vermessungsinspektor
die Leitung der geometrischen Arbeiten bei der Generalkommission zu
Düsseldorf. Seit seiner etwa um 1900 erfolgten Versetzung in den Ruhe-
stand lebte er in Hirschberg an der Saale und ist noch bis vor einigen
Jahren rüstig im Füache tätig gewesen. Nach kurzer Krankheit ist er
heimgegangen.
Möge ihm die Erde leicht sein!
Harleshausen, 21. August 1919. A. Hüser.
Personalnachrichten.
Der Landmesser und Dozent an der Technischen Ilochschule Berlin
Ur. H. Wolff ist zum Sachverständigen für optische Instrumente und
Richtmittel im Reichsverwertungsamt ernannt.
Preussen. Katasterverwaltung. Versetzt sind die Kataster-
controlleure, Steuerinspektor Patzold von Garsfeld nach Euskirchen,
„ange von Pillkallen nach Greifenberg. Reg.-Landmesser Steuerinspektor
344 Personalnachrichten. — Kurze Mitteilung. „ Zeitschrift für |
Y rs
Demnitz in Osnabrück ist mit der Verwaltung des Katasteramtes II
daselbst beauftragt.
Landwirtschaftliche Verwaltung. Dem Oberlandmesser Gros;
mann in Königsberg i. Pr. ist das Hamburgische Hanseatenkreuz ver-
liehen worden. Versetzt sind: Reg.-Landmesser Brandt, zuletzt bei der
Umlegungskommission zum Wiederaufbau Östpreussens von Waldbril
(Rheinpr.) naclı Königsberg i. Pr., Generalkommission, Reg.-Landmesser
Reuss nach Auflösung der Spezialkommission Ortelsburg von Ortelsiwr
nach Allenstein, Spezialkommission, Reg.-Landmesser Schröder, bisht
Mitglied der Umlegungskommission zum Wiederaufbau Ostpreussens un
Leiter der Vermessungsabteilung derselben von Königsberg nach Dort.
mund, Spezialkommission. Gestorben ist am 25. 4. 19 an den Folgen
eines im Kriege zugezogenen Leidens der Reg.-Landmesser Kibelka iı
Jülich (Rheinpr.), Spezialkommission.
Bei der städtischen Liegenschaftsverwaltung Köln a. Rh. wurden Ie
tördert: Die Herren Oberlandmesser Buss, Schütt und Heckner zu
Liegenschaftsinspektoren, die Herren Stadtlandmesser Ketter, Koch un
Rom zu ÖOberlandmessern der Liegenschaftsverwaltunge.
Kurze Mitteilung.
‚Technischer Literatur- Kalender 1920. Anfang 1920 soll im Verlag
R. Oldenbourg, München und Berlin, die 2. Ausgabe des Technische
I.iteratur-Kalenders erscheinen. Sie soll im Anhang eine Uebersicht el
halten, die die Namen der auf einem umgrenzten technischen Gebiete, in!
zwar nicht nur in Buchform, sondern auch durch Mitarbeit an Zeitschriften
tätigen technischen Schriftsteller des deutschen Sprachgebiets gemäss Ärel
eigenen Angaben zusammenstellen soll. Die bereits in der ersten Ausgad
verzeichneten Autoren erhalten die Fragebogen zur Ergänzung unaufgefordert
zugesandt. Fehlende technische Schriftsteller wollen sich im Interesse
der Vollständigkeit des Werkes mit der Schriftleitung, Oberbibliothekt!
Dr. Otto, Berlin W 57 Bülowstr. 74, in Verbindung setzen.
Ta En a HF 2 nn
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: A. Tichy’s Trigonometrische Längenbestimmuns
geodätischer Grundlinien, von Frischauf. — Ein neues Doppelprism3, m
Grünert. — Zum Beitrag von Reg.-Landmesser Egbert Harbert „Geltung der
Fachwissenschaft im Kriegsvermessungswesen und ihre Wirkung“, vonTreitschk®
— Die Not der verdrängten elsass-lothringischen Landmesser, von Hammel.”
Vereinsangelegenheiten. — Aus unseren Kolonien. — Baron Eötvös f- — Landes
ökonomierat Ruckdeschel +. — Personalnachrichten. — Kurze Mitteilung.
en ep An an a
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart. t
Druck von Carl Hammer (Inh. Wilh. Herget), Kgl. Hofbuchdruckerei En Stuttgart.
Lv. Band. Oktober
Er 10. Heft. 1919.
| ‚Zeitschrift für Vermessungswesen
„ Oryan des Deutschen Geometervereins
yaR 2 Herausgegeben von
wer Dr. ©. Eggert
unıv. O8, :
fessor a. d. Techn. Hochschule in Danzig-Langfuhr
u Preis des Jahrganges 10 Mark.
f Im Postbezug 10 Mk. 10 Pfg. ohne Bestellgeld.
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart, Schloßstraße 14.
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: Gleichzeitige Einschaltung mehrerer Dreiecks-
punkte mit gegebenen Abständen, von Eggert. — Winkelkantgläser (Prismen)
mit Schliff für steile Sichten und mit Blenden zur Abwehr störender Neben-
strahlen, von Schellens. — Bücherschau. -- Kurze Darstellung der Entstehungs-
geschichte und bisherigen Tätigkeit der ‚Obersten militärischen Vermessungs-
stelle im Deutschen Reiche und in seinen Schutzgebieten“, von Schulze. —
Zur Umgestaltung des Vereinswesens, von Strintz. — Bericht über die 3, Sitzung
des Arbeitsausschusses 2, Begr. d. D,V.V, am: 17,9. 19. zu Berlin. — Aus den
Zweigvereinen. — Personalnachrichten.
FEINNIVELLIER-INSTRUMENTE
Ca] UNÜBERTROFFEN Ta]
EINFACHHEIT der Handhabung u. GENAUIGKEIT der Messergebnisse
J
en
MIT oder OHNE
E KIPPSCHRAUBE PROSPEKT
5 „oder m „N. F. 6“
REVERSIONS-
E M LIBELLE m KOSTENFREI
u
Theodolite mit: Nonien-Mik
D.R.G.M. „.System.A. Fennel. D.R.G.M.
ri
162 1693
Gesichtsfeld eines Nonius-Mikroskops
Teilung sexagesimal in Yı2°.
Ablesung 162° 11° 30”,
Durchmesser des Horizontalkreises
13 cm
Preis ohne Vertikalkreis 600 Mark.
Preis mit Vertikalkreis 815 Mark.
Diese Theodolite weisen gegen alle anderen folgendeVorzüge auf:
l. Limbus und Nonius erscheinen stets gleichmässig und gut beleuchten,
gleichviel ob der Theodolit im freien Gelände oder bei Benutzung
des Reflektors in Tunnels oder Gruben gebraucht wird,
. Die Ablesung ist viel bequemer als die des gewöhnlichen Nonius, da
das Führen der Lupe entlang der Teilung wegfällt und man mit einem
Blick den Mikroskop-Nonius in seiner ganzen Länge völlig übersieht.
. Die Schnelligkeit der Ablesung ist wesentlich grösser wie bei dem
gewöhnlichen Nonius.
. Die neue Ablesungsart ist völlig irei von Parallaxe, da das Bild der
Limbusteilung genau in der Ebene des Mikroskop-Nonius liegt.
. Infolge der Schnelligkeit der Ablesung, sowie der gleichmässigen
Helligkeit und Schärfe der Bilder ist die Ermüdung des Auges be-
trächtlich geringer wie bei der Ablesung mittelst Lupen.
. Durch die grosse Uebersichtlichkeit der Limbus- und Nonienteilung j
und die- volle Bezifferung jedes einzelnen Grades ergibt sich eine?
grosse Sicherheit gegen grobe Ablesefehler. |
OTTO FENNEL SÖHNE, CASSEI
| Werkstätte für geodätische Instrumente.
ZEITSCHRIFT ınVERMESSUNGSWESEN
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. O0. Eggert,
Professor an der Techn. Hochschule
Danzig-Langfuhr, Hermannshöfer Weg 6.
———— Heft 10, —————
1919. Oktober. Band XLVI.
nn nn - Ben a Se u
Der Abdruck von Original-Artikeln ohne vorher eingehoiie Erlaubuis
der Schriftleitung ist untersagt.
hzeitige Einschaltung mehrerer Dreieckspunkte
mit gegebenen Abständen.
Von 0. Eggert.
Die gleichzeitige Bestimmung zweier Dreieckspunkte mit unveränder-
lich gegebenem Abstande ist bereits mehrfach behandelt worden. Im Jabr-
gang 1910 S. 377—388 der Zeitschrift wird diese Aufgabe von Vermes-
sungsinspektor Ferber dadurch gelöst, dass für die gegebene Entfernung
eine PBedingungsgleichung zwischen
den Verbesserungen der beiden Ab-
szissen und den beiden ÖOrdinaten der
Neupunkte aufgestellt wird. Diese
Gleichung dient dann dazu, eine der
vier Unbekannten auszuscheiden, die
möglichst vorteilhaft auszuwählen ist.
Ein nach dieser Methode berechnetes
Zahlenbeispiel gibt Obergeometer
Clauss in Jahrgang 1911 der Zeit-
schrift des Vereins der höheren baye-
rischen Vermessungsbeamten S. 2—11.
Im folgenden soll eine einfachere
I,ösurg der Aufgabe behandelt werden, die auch zugleich auf mehr als
zwei Punkte, also auf ein ganzes System von Punkten anwendbar ist,
deren gegenseitige Lage unveränderlich gegeben ist.
‘= Es seien in Fig. 1 (P,) und (P,) die durch die Näherungskoordinaten
Fig. 1
Zeitschrift fir Vermessungswesen 1919. Ieft 10. 23
346 Eggert. Gleichzeit. Einschaltg.mehrererDreieckspunkteetc. Zeitschrift für
NOTOIINEAWERBT
xegebenen Punkte, die so berechnet sein sollen, dass ihr Abstand gleich
(der gegebenen Entfernung s ist. Die beiden Punkte mögen durch beliebie
viele innere und äussere Richtungen eingeschnitten sein und mögen durch
die Ausgleichung die endgültigen Lagen P, und 7, erhalten, wobei die
\erbesserungen der Näherungskoordinaten 62, 6y, und ö2,&y, sein mögen.
Die Verschiebung der Strecke s von (P,)(P,) nach P, Pe können wir
uns in eine Parallelverschiebung nach ?,P%’ um die Beträge dr,ö6y, und
in eine Drehung um den Winkel ® zerlert denken. Is ist dann
oo.
Irre le)
(vw
On = 6 4-30 008(Pi)
oder, da |
ssin(P.) = (1) — (Ni)
scos (Pig) = (13) — (2)
so Ist auch
Örg = dr, — ((») = ) :
()
öy = Öy, + ((2,) — (x) 5
Mit diesen beiden Gleichungen (1) ist man in der lage, die beiden
Unbekannten dx, und öy, aus den Fehlergleichungen auszuscheiden. wo-
bei dann der Winkel ® als neue Unbekannte auftritt.
Die Einführung des Winkels ® gibt aber zugleich eine wesentliche
Vereinfachung für die beiden Felhlergleichungen, die den gegenseitigen
Siechten von P, nach 7, und umgekehrt entsprechen. Bezeichnen wir die
gemessene Richtung von P, nach P, und ihre Verbesserung mit r,, und
%g. die vorläufige Orientierung in ?, und ihre Verbesserung mit (z,) und
621, und gelten die entsprechenden Bezeichnungen für die Richtung von
P, nach Pı, so sind die endgültig orientierten und verbesserten Richtungen
re tra) + 62, 2a
DET u 67) Bas ul EB ui TE
Andrerseits sind diese Richtungen aber auch
(H) to und (m) to.
Wir haben also die Gleichungen
N E (,) + Ö2, —- "ga = (gı2) -+ m
+ + tn = te
Da p)—r—()= —I (2)
d.h. gleich dem Absolutgliede der Fehlergleichung ist, so haben wir die
beiden Fehlergleichungen
Vermessungswesen Eggert. Gleichzeit.Einschaltg.mehrererDreieckspunkteetc. 347
1 = —- Ie date) ! (3)
vo, = —Ig — 2 +0
Man hat demnach folgenden Rechnungsgang: Es werden zunächst
sämtliche Fehlergleichungen mit Ausnalıme der beiden für die gegenseitigen
Richtungen erforderlichen Fehlergleichungen aufgestellt, für welche letz-
j
1
ill I)
IN
)
I
Il!
I Ill |
I
1
Ai)
fi
Hl I
In)
I
IN
I
Nun
HAM IN
Jia 1 Il
|
AAN
ul In ul Ir
I
30 40 50
348 Fegert. Gleichzeit. Kinschaltg.mehrerer Dreicckspunkteetc. _ Zeitschrift für
a
1919.
teren nur die Absolutglieder zu ermitteln sind. Hierauf werden mit Hilfe
von (1) die Unbekannten 67, und öy, ausgeschieden und schliesslich die
beiden Gleichungen (5) aufgestellt.
Die vorstehende Lösung der Aufgabe ist auch für den Fall brauch-
bar, dass mehr als zwei T'unkte vorwärts oder rückwärts eingeschnitten
sind, deren gegenseitige Lage von vornherein fest gegeben ist.
Zur Anwendung unsrer Theorie benutzen wir ein Beispiel aus (der
Hannoverschen Stadtvermessung, das von Jordan im Jahrgang 1895 Je
Zeitschrift S. 273—276 veröffentlicht wurde. Es handelte sich hier un
die Bestimmung eines Neupunktes auf dem Königsworther Platz. Da vu
diesem Platz zwar insgesamt sieben trigonometrische Punkte sichtlär
waren, aber von keiner Stelle aus mehr als vier, so wurden vier Stanll-
punkte A, B, E, D nach Fig. 2 auszewählt und mit einem Hilfspunkt C
zu einem Polygon verbunden.
Wir teilen zunächst die Koordinaten ler gegebenen Dreieckspunkte
und die gemessenen Richtungen mit.
Gegebene Punkte
Martin, Turm u = — 25273.930 m x == -—— 28710,901 ıı
Wasserturm — 25538,48S — 29 071,471
Solms, Turm — 24695,660 — 27 176,654
Palmenhaus- — 25 977,983 — 25 706,108
Hochschule, S-Turm — 24709,769 2. 26 868,278
”= S0O- „ — 24 667,066 — 26 851.965
Christus, Turm .— 24158,271 — 26 989,625
(renähert orientierte Richtungen r:
Standpunkt A Standpunkt 3
Martin __ 211032°50,5° Martin 214022 18,7"
Wasserturm 214 55 02,9 Wasserturm 214 47 06,0
B 227 12 07,9 Solms 300 56 40,3
C 319 32 58,2 E 325 49 32,9
Hochschule S 323 30 43,0 A 47 11 440
R SO 327 42 09,2
Standpunkt E& Standpunkt D Standpunkt C
Palmenhaus 3150 41°25,5° Ilochschule S 3240 25° 52,6 4A 1390 33° 00,6“
D‘ 340 20 05,3 Christus 39 53 29,3 EZ 201 17 05.2
Ü 21 16 49,6 C 135 16 52,9 D315 16 41,2
Christus 35 07498 EZ 160 20 11,1
DB 140 49 25,8
Mit Hilfe der Riehtnngsmessungen auf: A wurden Näherungskoordi-
naten dieses Punktes durch Rückwärtseinschneiden berechnet und daran
zeitschrift für Iuggert. Lleichzeit. Einschaltg.mehrerer Dreieckspunkteete. 349
NEReR ns mean
1919.
das ganze Fünfeck ABEDC mit den in Fig. 2 eingeschriebenen Ent-
iernunsen in gewöhnlicher Weise angehängt:
Näherungskoordinaten:
A(y) = — 21345,004 m (x) = — 27 361,323 m
B — 24 361,720 — 27 376,805
E — 24 395,581 — 27 326,940
D - — 24408.920 — 27 289,629
C . — 94 388,916 — 27 309,827
Nach diesen von Jordan a. a. O. mitgeteilten Zahlenwerten haben
wir zunächst die genäherten Richtungswinkel für alle Sichten berechnet
und folgende Zusammenstellung erhalten:
Genäherte Richtungswinkel (9):
g Standpunkt A Standpunkt 2
Martin 2140 32’ 23,8 Martin 214021’ 46,9
Wasserturm 214 54 37,6 Wasserturm 214 46 33,1
B 227 11 41.2 Solms 300 56 21,9
C 319 32 41,6 E 325 49 17,1
Ilochschule S 323 30 18,6 A 47 11 41,2
i SO 327 41 49,8
Standpunkt E Standpunkt D Standpunkt C
Palmenhaus 315041’ 14,5 Hochschule S 3240 28° 21,5 A 1390 32° 41,6“
D 340 19 39,4 ° Christus 39 52 41,9 E 201 16 46,0
C 21 16 46,0 C 135 16 35,2 D 315 16 35,2
Christus 35 07 384 E 160 19 39,4
B 145 49 17,1
Der Punkt C tritt in die Punktausgleichung nicht ein, da auf ihm
keine Richtungen nach Dreieckspunkten gemessen sind.
Zur Aufstellung der Fehlergleichungen sind noch genäherte Orientierungs-
grössen (2) angenommen, die für jeden Standpunkt gleich dem arithmetischen
Mittel der Differenzen (g) — r gesetzt wurden. Hiernach ist
(u) = — 24,4
(2) = — 20,8
(2) = — 12,2
(zu) = — 32,0
(z.) = — 14,5
Indem nun nach (2) die Absolutglieder — I berechnet wurden, ergeben
sich für die einseitigen Sichten nach den Dreieckspunkten und für die
gegenseitigen Sichten zwischen den Polygonpunkten, für die letzteren nach
(3) die folgenden Fehlergleichungen:
350 Eggert. Gleichzeit. Einschaltg. mehrerer Dreieckspunkteetc. yezeitschrift für
en
Standpunkt A.
Fehlergleichungen: Ä
= —233 —62..— Tlöru + 1,46 ya
= —0,9 — dr. — 5,762. + 8,16 Ya
= —23 — ör . to
= +78 — 52, . +0
vo, = 0,0 — 62a — 0,0524 — 27,08 yu
U = — 2,0 — ö2u — 18,362. — 28,96 Yu
Ve — 0 °— 6624 — 51,162. — 37,4öy4 + 20
0 = 0 +d2a + 855% + 6,284 — 0,333 w
Reduzierte Fehlergleichungen:
vu = —23+ 1,4624 + 16,664 — 0,333 0
y = —09-+ 28 +145 — 0,333
y=—233+ 85 + 6,2 + 0,666
=-4t78+ 85 + 62 + 0,666
= 0,0 — 11,5 — 208 — 0,333
v= —20— 98 — 22,7 — 0,333
Normalgleichungsanteile:
= 0
— 382,680. + 630,36ya + 17,020 + 60,61
+ 1504,96ya + 12,450 + 28,45 = 0
+ 1330 + 5,39 = 0
Es ist hierzu noch zu bemerken, dass die Koeffizienten « und b der
Fehlergleichungen für 6x und öy in Dezimetern berechnet sind.
Standpunkt B.
Fehlergleichungen:
vu = — 15 — da — 7,260 + 10,56,
y = — 126 — do» — 5,76% + 826
y =+ 19— 6. — 45,462 — 27,260
,,=-+ 45 — da ; + ®
v, = + 17,5 — 6% . +®
Eliminationsgleichungen nach (1):
625 = 6x. + 167,16 R
öys = öyu — 154,82 ©-
Umgeformte Fehlergleichungen: ;
vv = — 115 — 6% — 7260. 4 10,56y4 — 0,010
= — 123,6 — 6 — 5,76%. + 825y4 — 0,01
a = + 19 — 86% — 45,452. — 27,28Ya — 0,020
v=-+ 45 — on ; s + 1,00w
vs, = + 175 — 62 A i + 1,000
0 = 10) + 02b + 11,7 Lu + 1,7 öYya = 0,39 ©
Zeitschrift für „ Esgert. Gleichzeit. Einschaltg. mehrerer Dreieckspunkteete. 351
a
Reduzierte Fehlergleichungen:
= -11,5+ 456% +4 12.28y4 — 0,400
vo, = — 1236-4 6,0 + 9,9 — 0,40
ey = + 19 — 33,7 — 25,5 — (0,41
vw=+45+1,7 +17 +06
„= +1,5+1,7 +17 +06
Normalgleichungsanteile:
o
+ 1465.76x4 + 1013,48yu + 23,850 + 66,02 = 0
+ 902,95y. + 3,570 — 276,09 = 0
+ 1240 + 22,40 — 0
Standpunkt E.
Fehlergleichungen:
Fe + 09 — dx. — 6G,4öre — 06,d6 Ye
0, = — 13,7 — 2 : + 0
O3 — + 8,6 ae ÖZe . Ri -H- (vv
=-+ 08-— 0xr+ 23860. — 40,98ye
U; = + 3,5 — 0% R R + 1%)
Eliminationsgleichungen:
$Xe = du + 505.8 :
öye — dya + 343,8 z
Umgeformte Fehlergleichungen:
DR == 4 0, 9 — ÖZe — 6,4 Fu — 6,5 ÖYa GRrcE 0,030
eo, = — 13,7 — 6x —- 1,00. o
et 36 — 06% ; + 1,000
os =-+ 08 — 2. -+ 28,852. — 40,9 8ya
= + 35 — 82 ‚ ; + 1,000
= 0 —562: + 22,450 — 47,46ya + 2,970
Ve — 0 +62. — 45624 + 956yu — 0.590
Reduzierte lehlergleichungen:
eo = + 0,9 — 10,960. + 3.065Ya — 0.620
= —-137—- 45 +9 +04
et 86-45 +95 +0941
v=-408+43 —3l4 — 0,59
, = + 35— 45 + 95 + 0,41
Normalgleichungsanteile:
+ 770,0 8%« — 924,084. — 13,110 + 16,83 = 0
+ 1265,7 dya + 28,35 — 37,62 = 0
+ 1,240 — 169 = 0
359 Kggert. Gleichzeit. Kinschaltg. mehrerer Dreieckspunkteete, „ Zeitschritt fer
8% vVermessunzsicsen
1918.
Standpunkt D.
I’chlergleichungen:
= + 0,9 62a 23.1000 — 52,40Yu
= — 13,4 -- dru + 33.8620 — 40.58 64u
4 = + 14,3 — 02 4
=+ 093 Öra ' —
Eliminationsgleichungen:
ce 127
oXuı = ÖLlu + 639,2-
Q
vr. » ( 0
ya = 6a + 116,9 :
Umgeformte Fehlergleichungen:
= + 0,9 824 — 23.1604 — 32,46. — V,15o
1, = — 15,4 — ö2u + 33.8604 — 40.5 644 — 0.040
a = + 143 — ö2u i —+ 100
=-+ 03 — 62a ; + 1000
u — 0 -—4627 + 10,750 — 72,964. + 1,750
U 0 + 62a — 27684 + 18.254. — 0,44
Reduzierte Felllergleichungen:
= + 0,9 25,850. — 14,254 — 0,620
= —1b.t+ 31,1 — 22,3 — 0,48
= +143— 2,7 — 18,2 —- 0,56
= + 03— 2/7 + 18,2 —+- 0,56
Normalgleichungsanteile:
— 16474 6%u — 425,46Ya — 1,70® — 541,58 = 0
+ 1361,46y« + 40,030 + 596,3
+ _ 1250 + 15,00 = 0
Die Zusammenfassung der Normalgleichungsanteile aller vier Stand-
punkte gibt die folgenden Normalgleichungen und reduzierten Normal-
sleichungen: |
+ 4265,7620. + 294,3 8yu + 26,10 — 247,92 = 0
+ 5034.95y. + 84,40 + 311,10
+ 510 + 41,10
+ 5011,66yu + 82,60 + 328,20 = 0
+ 4,90 + 42,62 = 0
|
|
+ 470+ 4110 = 0
oo = — 8,14” 2» = 47
6%. = + 0,1062 dm
ÖYa = - 0,0786 dm.
Zeitschrift für Eggert. Gleichzeit. Einschaltg. mehrerer Dreieckspunkteete. 353
VOLBen ne nenet
Mit Hilfe der Eliminationsgleichungen der einzelnen Standpunkte können
nun auch die Verbesserungen der Näherungskoordinaten der übrigen Punkte
ermittelt werden. Wir fügen zu diesem Zweck noch die Eliminations-
gleichungen für den Punkt C hinzu
6X: = 6X + 489.1°
E
Öle = ÖYa + 515.0 5
die bisher nicht benützt worden sind. Hiermit erhalten wir dann die Werte
der Verbesserungen: -
A 64 = -1- 0,079 dm 6x = -1- 0,106 dm
B —- 0,085 —- 0,099
E + 0,064 -}- 0,085
D + 0,048 + 0,079
C + 0,057 1. 0,088
Für die Orientierungsunbekannten ergeben sich aus den Summen der
einzelnen Fehleıgleichungsgruppen folgende Werte
62 = — 4,34" ed
62. = — 4,80 | u = —- 25.10
use #543 > = — 17,63
ö24 = — 5,03 BE ih
62: = — 8,74 = — 23,24
Für den Standpunkt C ist die Verbesserung der vorläufigen Orientierung
unmittelbar gleich dem Drehungswinkel &, da die Richtungsmessungen auf C
in übrigen durch die Ausgleichung nicht beeinflusst werden.
Verbesserungen v und miltlerer Richtungsfeller.
VÜ VV
A u erb 277 44 B vw = — 65” 422
= +35 132 „se Tl 59,5
= —6,7 44,9 % = — 01 0,0
vs = +34 11,6 1, =- 06 0,4
t, = +01 0.0 t; = + 13.6 185,0
ta = — 19 3,6 256,9
16,7
vv Tv
Ewuw= + 5,4” 292 Du=-+ 25° 62
%a = — 17,0 289,0 = — 96 93,2
G=+ 53 281 t3; = + 10,6 112,4
4=+ 6,1 37,2 = — 34 116
t; = + 02 00 222,4
383,5
354 Eggert. Gleichzeit. Einschaltg.mehrerer Dreieckspunkte etc. „Zeitschrift für
ne
16,7
286,9 B.
383,5 m Vo 0
2)
222,4 Mm PR + 8,64 er + 3,98°°
|vv] = 969,5 V4,7
Der Nenner 20 — 7 in m setzt sich zusammen aus den O0 Verbesserungen v
und den 7 Unbekannten, nämlich den beiden Koordinatenverbesserungen
öX%a und dy., den vier Orientierungsverbesserungen d£., d£1, ö£., 62.
dem Drehungswinkel ®
Die Gewichte der Koordinaten von A könnten unmittelbar aus den obigen
Normalgleichungen gefunden werden. Indessen wollen wir sogleich einen Schritt
weiter gehen und Gewichtsausdrücke aufstellen, die für alle Punkte gelten.
Für eine beliebige Funktion F' der drei Unbekannten dx, dy. und wo
F= en + fadya + fo (
= Ye np , In.28 ;
= FI] + Tee. 6
Die En eines beliebigen der 5 Punkte kömen
infolge der Eliminationsgleichungen in der folgenden Form ausgedrückt
werden
dt = dXu + Po öy = dya-t Qw. (6)
Betrachten wir zunächst die Abszisse x, so ist hierfür
a Bd, =»
und hiermit wird
b
nl = #2 |
nl=r— 6, 2
[ae] [de .1] vo |
| a.2]=»- [a a] + [05.1] [aa]
Durch Einsetzen der Werte von (7) in (5) erbält man |
[ac] [de.1] [ed]
i....4 [a 6]? (r — [a a] +. 1] En) 5
P, ” (ea] T [aa]?[85..1] me fee.2]
Entsprechend hat man für die Ordinate y nach (4) und (6)
| fi =, fa = l, fs —4g
I/s-1] u l, I/s-1] =4,;
er bc.1
[73-2] — 1- Aa
und infolgedessen be.ına
.
1 ( [66 ) @)
Zeitschrift für Eggert. Gleichzeit. Einschaltg.mehrerer Dreieckspunkteetc. 355
VER Een
Die Werte der verschiedenen Koeffizienten in (8) und (9) können un-
mittelbar aus den Normalgleichungen und reduzierten Normalgleichungen
entnommen werden, womit wir dann erhalten
1 (p — 0,004 9822)?
La 107 Ber Be A te
1 (y — 0,016 4726)? en
P, = 0,000 1994 + z HT iz
Wir stellen auch nochmals die Koeffizienten 9 und q nach den Eli-
minationsgleichungen zusammen:
Pa = 0,0 d« = 0,0
p» = -+-0,0008104 q = — 0,000 7506
Pe = + 0,002 4522 g. = -+- 0,001 6668
Pa = + 0,0030987 ga = + 0,003 4758
P« = + 0,002 1288 Ge = + 0,002 4968
und hiermit geben die Gleichungen (10)
A > = 0,000 2407 E — 0,000 2572
B 0,000 2391 0,000 2625 i
E 0,000 2367 0,000 2461
D 0,000 2361 0,000 2354
C 0,000 2371 0,000 2410
Mit dem schon früher berechneten mittleren Richtungsfehler finden
wir dann auch die mittleren Fehler m» und m, und haben als Ergebnis
A y= — 24344,996 + 0,014 m x = — 27361,312 + 0,013 m
D — 24361,711 + 0,014 — 27 376,795 + 0,013
E — 24395,575 + 0,014 — 27 326,932 + 0,013
D — 24408,915 + 0,013 — 27 289,621 + 0,013
C — 24388,910 + 0,013 — 27309,818 + 0,013
Die Ausgleichung der Punktgruppe ist von Jordan in der im Anfange
genannten Abhandlung unter Verzicht auf eine strenge Ausgleichung in
einfacher Form erfolgt. Es werden dieselben Näherungswerte der Koordi-
naten zugrunde gelegt, dann jedoch nur die Fehlergleichungen für die
Strahlen nach den gegebenen trigonometrischen Punkten benützt, während
die Sichten zwischen den einzelnen Polygonpunkten ausser Acht bleiben.
Unter der Annahme, dass bei sorgfältiger Berechnung der Näherungs-
koordinaten eine nachträgliche Drehung der Punktgruppe nicht mehr er-
forderlich sein wird, und dass infolgedessen nur noch eine Parallelver-
schiebung in Frage kommt, werden die Verbesserungen sämtlicher Ab-
szissen und sämtlicher Ordinaten einander gleichgesetzt, so dass also
in den Eliminationsgleichungen unsrer strengen Ausgleichung © = 0 ge-
ri Schellesns. Winkelkantel:ser (Prismen: ısit Schlit cite. _ Zeitsehritt für
2)" ec i Vermessungsweser
1v18,
etzt wird. Das Ergebnis dieser Näherunzsausgleichung. verglichen mit
dem Ergebnis der strengen Ausgleichung. rechtfertigt in voriiegendem Falle
durchaus das vereinfachte Verfahren. indem in den Ordinaten und in den
Absziseen die grösste Abweichung zwischen beiden Ausgleichungen nur
I mm bezw. 15 ınm beträrt. Wenn es sich demnach um eine Gruppe
von nahe beieinander liegenden Punkten handelt. welcher Fall z. B. bci
Winkelinessunzen auf inehreren exzentrischen Standpunkten einer Staticn
eintreten wird, so wird das einfache Verlahren von Jordan ein sehr ge-
eigneter Ersatz für die strenge Ausgleichung sein.
Winkelkantgläser (Prismen) mit Schliff für steile Sichten
und mit Blenden zur Abwehr störender Nebenstrahlen.'
Vom städtischen Oberlandmesser Franz Schellens, Düsseldorf.
I. Winkelkantgläser mit Schliff für steile Sichten.
A, Das (dreiseitige) Winkelkantglas für steile Sichten.
I. Fig. 1 stellt den Gang des in der Vermessungs- und Ingenieurkunst
zum Abstecken rechter Winkel benützten festen Strahls dar. Der Stralil
durchläuft das Kantglas auf der Länge UGFE. Es ist:
x _ CF FP
HgT. IR cos ß ’ GF= cos ß und, da
BP
BP=GP, Ht =
cos ß
und durch Addition, wobei die Katheten-
länge RC = 1 gesetzt wird,
Länge HGFE— |
cos ß J)
Der grösste Wert für 8 und damit für
Co entsteht nach dem Brechungsgesel?
sine = n,sinß bi «a = %0%, ß = N
gleich, dem Grenzwert für 8, der bei irown-
glas gleich 40049’ ist. Der kleinste Wert
1
"in 470 2: . — )
für 8 und für er entsteht bei « = U".
B = 09, ee 1. Der Strahl hat das
Kantglas auf eine Länge zu durchlaufen.
deren Minimum gleich der Kathetenlänge
des Kantglases und deren Maximum gleich
cosg! 1,32 der Kathetenlänge ist.
') Der Aufsatz umfasst zwei etwas umgearbeitete Abschnitte aus einen
Sammelwerk des Verfassers. das demnächst erscheinen wird.
Zeitschrift für Schellens. Winkelkantgläser (Pıis it Schliff =
Vermessungswesen nkelkantgläser (Pıismen) mit Schliff etc. 357
1919.
Das in einem beliebigen Punkte D beobachtende Auge scheint daher
durch einen Sehkasten zu blicken, dessen Länge gleich der Strahlenlänge
in Innern des Kantelases und dessen Höhe gleich der Ilöhe des Kant-
slases ist. Seine Breite wird jeweilig durch die Augenlage bestimmt,
worauf hier aber nicht näher eingegangen werden kann. Da der Ilorizontal-
schnitt des Kantglases bei der Beobachtung genau wagrecht gehalten werden
muss, so hat man sich den Sehkasten wagrecht liexend zu denken.
Fig. 2 stelle den senkrechten Schnitt durch den Sehkasten in doppelter
Grösse dar, etwa bei der üblichen Mittelstellung des Anges. so dass dev
Iinfallwinkel « = 45° ist. Die Gesichtfeldhöhe Winkel LOJ bestimmt
sich dadurch, dass die Grenzstrahlen /7/L und YH’J nach 9 gebrochen
werden. Das Auge überblickt bei 0 die Gegenstände in einem Raum.
der nach oben und nach unten durch die Grenzstrahlen 7’I/ und TA
begrenzt wird. Die tiefste Sicht O0°E’ gestattet theoretisch noch Gegen-
stiinde wahrzunehmen, die in der Linie ZJ/T, die höchste Sicht O“E solche,
die in der Linie }” MH liegen.
Z . ’
N, Ptg.3 r Oo
N, ya
N
r
2 N
SE 7% Rat. Oröße N
. ‘o"
Schleift man die Oben- und die Untenseite des Kantglases glatt und
belegt sie mit Spiegelbelag, so wirken die Linien HE und H’E’ der
Tig. 2 wie Spiegel. Tritt zu der bekannten zweimaligen Spiegelung im
Kantglas eine dritte nach Fig. 3 hinzu, so erblickt man in 0” ein um-
sckehrtes Bild der Gegenstände bei 1“ und in 0° ein solches der Gegen-
stände bei /. Tritt eine vierte Spiegelung nach Fig. 4 hinzu, so erblickt
358 Schellens. Winkelkantgläser (Prismen) mit Schliff etc. _ Zeitschrift für
VOrDIESSUNGEITOSER
man in 0“ ein aufrechtes Bild der Gegenstände bei {” und in 0‘ ein
Bild der Gegenstände bei {”“. Man erhält also ausser dem bekannten
Mittengesichtfeld noch vier neue Gesichtfelder, deren „aueh nachstehend
untersucht werden soll.
In Fig. 5 stellt ZEE’H‘ den senkrechten Schnitt durch den Selh-
kasten dar, der das bekannte Mittengesichtfeld erzeugt. Der Spiegelbelag
der Oben- und Untenseite spiegelt das Bild der Strahleneinlassfläche 7/77
so wieder, dass nach oben die neuen Strahleneinlassflächen 7’% und Ai
und nach unten die neuen Strahleneinlassflächen 77% und h” h‘ entstehen.
Um festzustellen, wo die einzelnen Punkte dieser Flächen einschliesslich
der Mittensicht 7 4’ dem vor der Schaufläche EE’ beobachtenden Auge
durch die Strahlenbrechung zu liegen scheinen, soll zunächst ange
nommen werden, das Auge blicke durch den Mittelpunkt m der Schau
fläche EE‘’. Die Blickrichtung Om wird nach dem Brechungsgesetz
m nach q gebrochen, und von H’E’ nach g gespiegelt. Statt der Spiegelung
in q kann man den Strahl mg als gerade nach » durchlaufend ansehen.
Der Schnitt 2° der Verlängerung von Om mit der durch ? zum Horizontal-
schnitt gezogenen Parallelen gibt die Lage an, worin Punkt p und somit
Punkt 9 dem in O beobachtenden Auge zu liegen scheint. Um den geo-
metrischen Ort für alle Punkte »' zu bestimmen, soll m als Koordinaten-
nullpunkt und die Horizontale mn als Abszissenachse angesehen werden.
Es sei pn = x, und die wagrechte Strahlenlänge mn = 1. Der
von p nach m hin fallende Strahl mit dem Brechungswinkel ymn tritt
bei m nach dem Brechungsgesetz mit dem Winkel p’mn = « nach 0
Zeitschrift ür_Schellens. Winkelkantgläser (Prismen) mit Schliff etc. 359
en
hin aus, so dass Punkt 9 dem Auge O in Punkt 9° mit den Koordinaten
x, y erscheint. Es ist:
sna—= n.singd (2)
2 = 1gß (3)
— at,
19a (4)
d n sin a n.sinß
a: m SER
ee yi — sin?a Vl—n —ın Pr IE
tg ß T
sın —e > ne SIEBEN
PT view Vıra
so ist: du = er nn, ee
Bas, een
Vi+r l+:2? 1-2»?
— an? ar? — nn? at
Nun i ee
Nun ist a — n?r
nr
und daher lu = --= 2:2. ee 5
. VvI—-("— Dr? (5)
en 2
und aus Gl. (4)u.(5) y = vi um = (6)
V®r—i V. ı : _
odeı War: oz | (7)
Gleichung (7) ist die nach y entwickelte Gleichung einer Ellipse von der
Form EESTERSAEIENN
yz= > Va? Zug?
2 1
Es ist = ,_]
also die grosse Halbachse der Fllipse
1 x
Vn®—1
1
und die kleine Halbachse D = , . (9)
Ada =
(8)
was man auch erhält, wenn man in Gl. (7) x oder y = U werden lässt.
Die Punkte der ganzen Einlassfläche 7 liegen für das vor der Schau-
fläche 71’ beobachtende Auge auf einer Ellipse, wie sie Fig. 5 darstellt.
Man kann daher die Ellipse auch als Brechungskurve bezeichnen und
ihren Begriff wie folgt erklären:
„Die Isllipse ist der geometrische Ort der Punkte, deren mit einem
gegebenen Punkte O (Mittelpunkt der Ellipse) gezogene Verbindungslinien
nach einem beliebigen Brechungsgesetz sin« —= nsinß von einer durch‘
O gehenden Graden a so nach derselben Richtung zurückgeworfen werden,
360 Schellens. Winkelkantgläser (Prismen) mit Schliff etc. _ Zeitschrift für
ln
‚dass die Schnittpunkte der zurückgeworfenen Linien mit den durch die
zugehörigen Punkte des zeometrischen Orts zur Graden n gefällten Senk-
rechten eine zu rt parallele Grade bilden.“ j
Die Höhe ZH’ stellt die übliche Kantglashöhe dar. Aus der Lage
ler Kurvenabschnitte zu den fünf Gesichtfeldern ersieht man, dass die
Kurvenabschnitte /s und /’s‘ ausserhalb der Gesichtfelder liegen; sie liegen
in einem 6. und 7. Gesichtfeld, die ihrer Lichtschwäche wegen schlecht
verwendbar sind. Die Kurve ist aber dadurch nach oben oder nach unten
verschiebbar, dass man den Blickpunkt »2 bei der Sicht nach oben näher
nach F# und bei der Sicht nach unten näher nach E verlegt, wodurch
dann auch die Äussersten Kurventeile noch innerhalb des 4. und 5. Gesicht-
teldes liegen.
2. Es ist noch festzustellen, welches die günstigste Kantglashöhe im
Verhältnis zur Nathetenlänge des Kantglases ist. Die günstigste Seh-
richtung ist die mit einem horizontalen Einfallwinkel « = 450%. Warım
ıliese Richtung am günstigsten ist, muss hier unerörtert bleiben. Die
horizontale Strahlenlänge im Inneren des Kantglases ist dann nach 6l. (l)
— 2; = 1.128 (10)
die grosse Ilalbachse der Ellipse ist
Dee el (11)
Vn?--1
Nimmt man an, dass sich der Sichtpunkt m für steilste Sichten nach E
oder nach Z’ hin verschiebt, so muss sein
1
EE = „ms = 0,325 der Kathetenlänge, (12)
(lamit auch die äussersten Kurvenenden noch innerhalb des 4. und 5. Gesicht-
teldes liegen. Diese Bedingungen erfüllen die bekannten Formen. Ein
mir vorliegendes Kantglas der Firma Reiss, Liebenwerda, hat eine Katheten-
länge von 2,5 cm, muss also mindestens 2,5.0,325 = 0,81 cm hoch sein.
Es ist 0,85 cm hoch. Das kantglas der Firma Busch in Rathenow von
anerkennenswert vorzüglicher Ausführung hat 3,0 cm Kathetenlänge, muss
daher 3,0.0,325 cm = 0,97 cm hoch sein. Es ist 1,28 cm hoch. Das
4. und 5. Gesichtfeld werden daher in der Höhe etwas beschränkt, dafür
das 1. bis 3. Gesichtfeld umso höher sein.
Dasselbe Ergebnis erhält man durch folgende Erwägung:
Die höchste Steilsicht ist die Senkrechte. Der Strahl th’ (Fig. 5)
mit dem Höheneinfallwinkel « = 90° und mit dem Brechungswinkel 8 = $°
wird nach seiner Brechung: die Schaufläche EE’ noch in E erreichen,
wenn Z/h’ = tgß® ist. 8% ist gleich 40049‘ und igß% = 0,864; da mn
nach Gl. (8) gleich 1,128 der Kathetenlänge ist, so muss sein
Zeitschrift für Schellens.. Winkelkantgläser (Prismen) mit Schliff ete. 361
Vermessungswesen
Hh' —= 1,128.0,864 = 0.974
1 ;
und HH = „Hh —= 0,325 der Kathetenlänge.
Durch die unter II. vorgeschlagenen Verbesserungen ist es jedoch er.
forderlich, das Kantglas etwa um !/, höher zu machen, so dass man eine
Höhe von 0,4 der Kathetenlänge fordern muss.
Mit einem solchen Kantglas lassen sich die steilsten Sichten über-
winden. Das in Fig. 5 mit MS bezeichnete Gesichtfeld ist die bekannte
Mittensicht. Das darüber befindliche Gesichtfeld T4S mit umgekehrten
Bildern ist die Tiefhochsicht, weil man in ihm mit einem tiefstehenden
Stabe in die Höhe sichten kann. Das unter der Mittensicht befindliche
Gesichtfeld 27 S mit umgekehrten Bildern ist die Hochtietsicht, weil man
in ihm mit einem hochstehenden Stabe in die Tiefe sichten kann. Beides
war bisher unmöglich. Die beiden Sichten werden daher «rossen Wert
haben. Das 4. und 5. Gesichtfeld 7SS und TSS mit aufrechten bildern
sind die llochsteilsicht und die Tiefsteilsicht, die fast senkrechte Sichten
zulassen. |
Erörterungen über die Anwendung des Messzeuges gehen über den
Rahmen dieser Ausführungen hinaus; sie bleiben dem später erscheinenden
Sammelwerk vorbehalten. Zu erwähnen ist nur, dass das Messzeug bei
der Benutzung der vier neuen Sichten stets besonders genau senkrecht zu
halten ist, was der Beobachter in den Gesichtfeldern prüfen kann: Wenn
die in 2 aufeinander folgenden Gesichtfeldern erscheinenden Stabbildteile
eine gerade Linie bilden. so ist das Kantglas weder vorwärts noch rück-
wärts geneigt. Steht das Stabbild ausserdem senkrecht, so ist das Kant-
glas auch nicht seitwärts geneigt. Die Haltung lässt sich also ständig
prüfen. Am besten steckt man das Messzeug selbstverständlich auf einen
Lotstab, den man zwischen zwei Fingern pendeln lässt.
Die neuen wagrechten Spiegelflächen müssen ebenso genau geschliffen
sein, wie das bisher für die senkrechten Flächen gefordert wurde, d.h.
die sechs wagrechten Kanten müssen etwa auf 2 Sekunden genau recht-
winkelig sein. Weil der Spiegelbelag gegen Stoss sehr empfindlich ist,
ist es unerlässlich, das Kantglas zwischen dünne Streifen von Filz oder
Fliespapier zu legen, damt die Metallfassung den Spiegelbelag nicht un-
mittelbar berührt. Hierdurch können auch gleichzeig die senkrechten,
spitzen Kanten, die leicht verletzlich sind, geschützt werden.
Die Strahlenlänge im Kantglas ist bei der üblichen Sehrichtung
« = 45° nach Gl. (8) gleich 1,128 der Kathetenlänge. Bei den Kant-
gläsern von Reiss mit 2,5 cm Kathetenlänge ist sie also gleich 1,128X 2,5
—= 2,82 cm und bei denen von Busch in Rathenow mit 3,0 cm Katheten-
länge gleich 3,384 cm. Wie wir im nächsten Abschnitt sehen werden,
ist die Strahlenlänge bei dem vier(fünf)seitigen Kantglas viel länger.
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft 10. 24
2 le: äser (Pri it Schli . . Zeitschrift für
362 Schelleus. Winkelkantgläser (Prismen) mit Schliff etc Vormensungswesen
1919.
B. Das vierseitige Winkelspiegelkantglas für steile Sichten.
Den Strahlenganz im vierseitigen Kantglas zeigt Fig. 6. Der Strahl
durchläuft das Kantglas abede auf der Länge fyhi. Statt als in g und
h gespiegelt kann ınan den *trahl auch als grade nach A’ und ?’ durch-
laufend ansehen, was leicht einzusehen ist. Sind die Schauseiten des
Kantglases ae und ed gleich 1. so ist ee” = tk = 34l4d. da da
— V2 ist. Es ist also:
ih 3,414
/ fi ——— = i
cos ß cos ß
/ üra=0. 3=Vwirdfl’—= 344.
bei der üblichen Grösse des
N
o.
Winkelspiegelkantglases, wie die
Firma Zeiss in Jena sie herstellt.
Ftg.6. ist die Schaufläche 1.6 cm breit.
' NE «
a Ynrat Größe die Strahlenlänge also mindestens
sleich 3.414X1.6 = 5.46 cm, wäh-
u mn nn nn en - SS
I
|
L- / e'’ rend das dreiseitige Kantglas eine
gm. mittlere Strahlenlänge von 2,82 cm
\ | (Reiss) und von 3.384 (Busch) hat.
|
qd Das vierseitige Kantglas muss da-
her höher gebaut sein als das drei-
seitige Kantglas, wenn man mit ihm
8: dieselben Steilsichten überwinden
Tuif 2 e mo will. Schleift man seine Oben- un!
| seine Untenseiten und belegt sie
/ mit Spiegelbelag, so treten die-
N selben Beziehungen ein. wie sie in
Abschnitt A durch die Gleichungen
(2) bis (8) entwickelt sind. Um auch bei ilım nur 5 Sichten zu erhalten,
muss die Il5he des vierseitizen Kantelases bei der üblichen Schauseiten-
breite von 1.6 cm nach Gl. (9) un! (10) sein:
1 3,46 er
a ——-- = 1512 em:
3 Vn®—1
das von Zeiss hergestellte Winkelspiezelkantglas (so genannt, weil sein
Strablengang gleich dem des Winkelspiegels ist) hat eine nutzbare Schau-
flächenhöhe von 1,5 em.
9 A
Jakob Baltisser in Basel hat ebenfalls einen Vorschlag zur Ueber-
windung steiler Sichten veröffentlicht. DRI. 313282. Er bringt über
und unter dem vierseitigen Kantglas hohe schmale Sehspalten an. Das
Beobachten ist so gedacht, dass man znnächst mit einem in der Ebene
oder mit einem durch die beschränkte Gesichtfeldhöhe noch sichtbaren
Zeitschrift für‘ Schellens. Winkelkantgläser (Prismen) mit Schliff etc. 363
Venen en
tief- oder hochstehenden Stabe der Messungslinie die rechtwinklige Sicht
herstellt. Das Auge und die Kantglasachse dürfen dann nicht mehr seit-
lich verschoben werden. Man erhält hierdurch eine durch das Auge und
durch die Kantglasachse, die mit der Achse des Selıspaltes zusammen-
fallen muss, festgelegte Richtung. Nach Festlegung der Richtung hat man
mit dem seitlich nicht zu verrückenden Auge durch die Sehspalten zu
sichten. Das Messzeug ist also einem Winkelkreuz vergleichbar. Das
Auge ist natürlich möglichst weit vom Kantglas abzuhalten, damit die
Richtung für die Steilsicht wenigstens einigermassen genügend festliegt;
dadurch wird aber das Gesichtfeld des Kantglases sehr klein. Das Mess-
zeug versagt, wenn der zur Herstellung der Sicht zu benutzende Stab
über oder unter dem Gesichtfeld des Kantglases steht. Man wird sich
dann aber oft durch Zwischenrichten eines Stabes helfen können. Der
Gedanke ist jedenfalls gut. Welche Genauigkeit man mit dem Messzeug,
das im Gebirge gute Dienste leisten wird, erzielen kann, muss die Praxis
ergeben. Immerhin ist zu bedenken, dass die Steilsicht kein unmittelbares
Ergebnis des Kantglases ist, wie das durch meinen Vorschlag erzielt wird.
II. Blenden zur Abwehr der störenden Nebenstrahlen.
A. Das dreiseitige Winkelkantglas.
Die Helligkeit der festen Strahlen wird unter Umständen stark von
beweglichen Nebenstrahlen beeinflusst, die durch unmittelbare Spiegelung
auf der Schaufläche entstehen.
1. Fall s (Fig. 7a). Die Hypotenuse des Kantglases steht senkrecht
zur Verbindungslinie beider Augen,
d.h. das Auge beobachtet an der
Kante des rechten Winkels. Winkel
COE ist die Gesichtfeldbreite g
für die Auglage O0. Der Grenz-
strahl OC wird durch die Kante C
des rechten Winkels und Grenz-
strahl OE dadurch bestimmt, dass ei
O E nach dem Brechungsgesetz zur
Kante B des spitzen Winkels hin
die Tangente an die Krümmungs-
mittelpunktkurve (Evolute) einer
Ellipse, deren Mittelpunkt C, deren
grosse Halbachse gleich dem Bre-
chungsmass n und deren kleine Halbachse gleich V n2 — 1 ist, wenn die
Kathetenlänge gleich 1 gesetzt wird.)
j !) Näheres hierüber in des Verfassers demnächst erscheinendem Sammelwerk.
Vergl. auch Allgem. Vermessungsnachrichten 1903 S. 201—213,
364 Schellens. Winkelkantgläser (Prismen) mit Schliff etc. „Zeitschrift für
ERIORBUNEAVENER
Das Auge überblickt den durch die Einfallstrahllen RQ und SB be-
grenzten, links des Kantglases liegenden Winkelraum. Da die geschliffene
Kathetenfläche A C wie ein Spiegel wirkt, so empfängt das Auge im Winkel-
raum g auch ein bewegliches Bild der Gegenstände im Winkelraum g’‘.
Dieses Bild ist aber viel matter als das Bild der festen Strahlen, das
mit dem beweglichen Bilde von derselben Seite d. h. also von gleich
beleuchteten Gegenständen herkommt. Deshalb stört es bei dem bisher
benutzten einzigen Mittengesichtfeld kaum. Für die nach Abschnitt I er-
läuterten vier neuen Gesichtfelder ist das bewegliche Bild jedoch bei zu-
nehmender Steilsicht mehr und mehr störend.
Bringt man an der Kantglasfassung eine Blende OH an, die die be-
weglichen Strahlen von der Schaufläche abhält, so emplängt das Auge in
O nur das ungetrübte Bild der festen Strahlen, olıne dass die Gesichtfeld-
breite dadurch beschränkt wird.
2. Fall p (Fig. 7b). Die Hypotenuse des Kantglases wird parallel
zur Verbindungslinie beider Augen gehalten; das Auge beobachtet an der
Kante des spitzen Winkels.
Winkel EOA = 9 ist die Gesichtfeldbreite im Augpunkt O. Die
Bestimmung der Grenzstrahlen ist gleich der für Fall s, worauf aber hier
ebenfalls nicht näher eingegangen werden kann. Das Auge überblickt in
-
IN PF Zu
O den durch die Einfallstrahlen RC und SQ begrenzten, links des Kant-
glases liegenden Winkelraum. Da die Kathetenfläche CA gleich Fall s
wie ein Spiegel wirkt, so empfängt das Auge in demselben Winkelraum 9
auch ein bewegliches Bild der Gegenstände im Winkelraum 9‘, der von
den Strahlen @A und FE begrenzt wird. Bei Fall p kommen die
störenden, beweglichen Nebenstrahlen also nicht wie bei Fall s von der-
selben Seite wie die festen Strahlen, sondern von der PNSEEIBEBSEZINN
Seite.
Sind nun im Fall p die Gegenstände, die die beweglichen Strahlen
entsenden, gleich stark oder schwächer beleuchtet als die Gegenstände
auf der anderen Seite, deren Licht das Auge als fester Strahl trifft, so
trüben die beweglichen Strahlen auch dann nicht die Helligkeit der festen
Zeitschrift für _ Schellens. Winkelkantgläser (Prismen) mit Schliff etc. 365
Vermessungswesen
1919.
Strahlen im bekannten Mittengesichtfeld. Sind die Gegenstände dagegen
auf der Seite der beweglichen Strahlen besser beleuchtet, so trübt ihr
Licht das Bild der festen Strahlen je nach dem Grad des Beleuchtungs-
unterschiedes oft sehr. Steht der Fluchtstab z. B. in einer dunklen Ecke,
während das Auge gleichzeitig Licht von einer von der Sonne beschienenen
Wand empfängt, so ist der Fluchtstab kaum wahrnehmbar. Man hat daher
dann statt Fall» Falls anzuwenden, wodurch man den beweglichen Strahl
ebenfalls von der dunklen Seite empfängt.
Für die in Abschnitt I erläuterten vier neuen Gesichtfelder ist die
Abblendung der beweglichen Strahlen durch die Blende AL für ein
schnelles Arbeiten jedoch unerlässlich. Man empfängt dadurch auch bei
Haltung p das ungetrübte Bild der festen Strahlen ohne Einschränkung
der Gesichtfeldbreite.
3. Selbstverständlich wird man die Blenden auch vor der anderen
Kathetenfläche anordnen, um auch bei der Beobachtung an dieser Fläche
das ungeschwächte feste Strahlenbild zu erhalten. Dadurch wird die_
Gesichtfeldbreite jedoch etwas eingeschränkt, wie das daraus erkennbar
ist, dass die Blenden KB und CJ sowohl in Fig. 7a als auch in Fig. 7b
in das Feld der festen Strahlen hineinragen. Der Vorteil überwiegt aber
den Nachteil. ‘Die Gesichtfeldbreite des dreiseitigen Kantglases, die ohne
diese zweiten Blenden dem Gesichtfeld des vierseitigen Kantglases be-
deutend überlegen ist, wird durch die zweiten Blenden nur etwa !/, kleiner
als dieses. Die Behauptung in einem bekannten Werk über Vermessungs-
kunde, das vierseitige Kantglas habe etwas grösseres Gesichtfeld als das
dreiseitige, trifft nur dann zu, wenn man das Auge auf grössere Ent-
fernung von der Schaufläche abhält, so dass sich die Grenzstrahlen der
Parallelität nähern. Für eine solche
Auglage sind aber die zweiten Blen-
den auch nicht störend; denn die
einfallenden Strahlen gehen dann
an den Blenden, deren von der
Kante des Kantglases aus gerech-
nete Länge gleich - hc (Fig. 8)
sein muss, vorbei, wenn man mög- |
lichst mit einem Einfallwinkel « il
|| i | Be ı 27°02°
—= 450 beobachtet (Fig. 8). Das Hui ":. cd - FB =952
dreiseitige Kantglas ist jedoch dem ln rl = %
vierseitigen gegenüber dadurch sehr |: dl ; Co = 4
im Vorteil, dass es bei derselben
Höhe eine bedeutend grössere Gesichtfeldhöhe hat (Abschnitt I), wes-
halb es sich weit besser als dieses zur Herstellung von Doppelkant-
gläsern eignet. Ein solches aus dreiseitigen Kantgläsern zusammengestelltes
366 Schellens. Winkelkantgläser (Prismen) mit Schliff etc. , Vermassungen für
Doppelkantglas kann ausserdem zweiseitig verwendet werden, so dass man
nach Bedürfnis entweder das oben- oder das untenstehende für die
Rechts- oder für die Linkssicht verwenden kann, während ein Doppel-
kantglas aus 2 vierseitigen Kantgläsern als Doppelkantglas nur einseitig
verwendet werden kanı. Die Behauptung des Katalogs der Firma Reiss,
Liebenwerda, das vierseitige Kantglas habe ein um 1000/, grösseres Ge-
sichtfeld als das dreiseitige, beruht auf einem Irrtum. Man darf aller-
dings nicht, wie das an einer bestimmten Form der Reissschen dreiseitigen
Kantgläser der Fall ist, das Gesichtfeld durch die Fassung dadurch ein-
schränken, dass man um die Kante des rechten Winkels anscheinend zum
Schutz dieser Kante ein schmales Winkeleisen legt; auch darf man die
Kathetenfläche und damit die Gesichtfeldhöhe nicht von unten her dadurch
beschränken, dass man die Fassung darüber greifen lässt.
Fig. 9 stellt ein Kantglas
tg. 9 | mit Blenden dar. Da die obere
und untere Verbindung der Blen-
den mit der Fassung die Gesicht-
feldlhöhe etwas einschränken,
| ANNIE i macht man das Kantglas am
TEN 2 NEN ib besten um ı/, höher, als es nach
& il jen Abschnitt I sein muss. Seine
Höhe muss also gleich etwa 0,4
seiner Kathetenlänge sein. Die
Form der Oben- und der Unten-
platte der Fassung ist in Fig. 8
durch die gestrichelten Bögen
dargestellt. Die Platten sind vor
den Schauflächen ausgerundet,
um auch dadurch zu erreichen,
dass die Gesichtfeldhöhe möglichst wenig beschränkt wird.
Der Handgriff oder Steckstift ist bei Punkt O der Fig. 8 anzubringen,
so dass co = 2 ist. Damit steht er zwar nicht zentrisch zum wahren
Fusspunkt, d.i. in der Mittellage bei Punkt O Fig. 1 oder bei Punkt D,
aber er steht dann in der Mitte des üblichen Gesichtfeldes. Beobachtet
man in Haltung s (Fig. 7a), so liegt der wahre Fusspunkt stark 1 cm
hinter dem mit dem Lotstab oder mit dem angehängten Lot ermittelten
Fusspunkt. Das Mass beträgt bei dem Kantglas von Reiss 1,3 cm und
bei dem von Busch 1,5 cm. Man hat daher dem ermittelten Fusspunkt
dieses Mass bei Haltung s nach vorwärts zuzusetzen. Lässt man den
Lotstab oder das Lot vorher durch einen Gehilfen einrichten, so muss
man den Stab oder das Lot und damit das Messzeug um das Mass zurück-
nehmen, bevor man den rechten Winkel absteckt. Beobachtet man in
Y rat. Große.
Vermessungswesen Schellens.. Winkelkantgläser (Prismen) mit Schliff etc. 367
Ilaltung p (Fig. 7b), so liegt der wahre Fusspunkt um dasselbe Mass
rechts oder links vom ermittelten Fusspunkt, je nachdem man an der
rechten oder an der linken spitzen Kante beobachtet. In dieser Haltung
kann man also auch den I.otstab von einem Gehilfen einrichten lassen,
ohne dass man ihn vor der Absteckung des rechten Winkels nach vor-
wärts zu verschieben hat. Man hat nur zu beachten, dass der wahre
Fu:spunkt um das angegebene Mass rechts oder links liegt. Der üble
Fehler, der meist dadurch entsteht, dass der Handgriff unter dem Schwer-
punkt des Messzeuges angebracht ist, ist dadurch beseitigt. Man kann
freilich auch den Handgriff genau zentrisch anbringen, wie ich das im
Jahre 1906 vorschlug (Zeitschrift für Vermessungswesen 1906 Seite 457
bis 463). Ich halte das aber nicht für unbedingt erforderlich, wenn nur
der veränderliche Fehler dadurch beseitigt ist, dass man den Stift an
der von mir hier vorgeschlagenen Stelle anbringt; denn dadurch bleibt
nur der sich aus der Grösse des Messzeuges ergebende konstante Fehler :
übrig, der leicht, wie vorhin erläutert ist, berücksichtigt werden kann.
Dadurch, dass der Steckstift nicht genau zentrisch zum Fusspunkt ange-
bracht wird, vermeidet man, dass die Gesichtfeldhöhe noch weiter einge-
schränkt wird, und man kann bei Haltung p
ungestört unter dem Kantglas hinsichten. fi. 70
Bei zentrischer Stellung des Steckstiftes
hindert der Stift oder Handgriff immer etwas
bei allen solchen Messzeugen.
4. Fig. 10 stellt ein Doppelkantglas zur
Absteckung rechter Winkel und zur Ein-
richtung in eine Gerade dar. Es ist aus
zwei Winkelkantgläsern zusammengesetzt,
die nach Abschnitt I geschliffen sind und
deren Fassung mit Blenden zur Abwehr der
beweglichen Strahlen versehen ist. Es hat
folgende wesentliche Vorzüge:
a) Abwehr der störenden beweglichen
Strahlen.
b) Jedes Kantglas hat fünf Gesichtfelder,
-wovon die Tiefhochsicht und die Hochtief-
sicht es ermöglichen, mit dem einen Kant-
glas einen hohen, mit dem anderen aber
gleichzeitig einen tiefstehenden Stab zu er-
blicken, was bisher nicht möglich war. Dass
das untenstehende Kantglas nicht den Einfall einer erforderlichen Tief-
‚sicht, das obenstehende nicht den Einfall einer Hochsicht in das andere
Kantglas verhindert, erreicht man dadurch, dass man etwas schräg nach
368 Schellens. \Winkelkantgläser (Prismen) mit Schliff etc. ER aeg
. 1919.
der Kante des rechten Winkels, also mit einem Einfallwinkel « > 45°
hinblickt. Dadurch gehen die einfallenden Strahlenan den unten- oder an
dem obenstehenden Kantglas vorbei.
c) Vielseitige Verwendbarkeit: Das Messzeug kann von allen vier
Seiten her verwendet werden. Wird es als Doppelkantglas benutzt, so
dient das obenstehende Kantglas vornehmlich für die Hochsichten und für
die Tiefhochsichten und das untenstehende für die Tiefsichten und die
Hochtiefsichten und zwar, je nachdem die betreffenden Stäbe links oder
rechts des Beobachters hoch oder tief steben, indem das obenstehende
Kantglas entweder links oder rechts steht, was sich übrigens bei der Be-
obachtung von selbst ergibt. Darin liegt ein grosser Vorteil gegenüber
dem aus zwei vierseitigen Kantgfäsern zusammengesetzten Doppelkantglas.
(las zur Absteckung eines Winkels von 180° — Einrichten in eine gerade
Linie — nur in einer Haltung benutzt werden kann. Jedes der Kant-
gläser kann ausser in Haltung s auch noch in Haltung p für sich allein
nach 2 Seiten hin zum Abstecken rechter Winkel benützt werden, wobei
das obenstehende vorzüglich für Tiefsteilsichten, das untenstehende für
Hochsteilsichten verwendet werden kann.
d) Die Mittelplatte, die das oben und das unten liegende Kantglas
trennt, wird durchgehend aus einem Stück hergestellte. Dadurch bedarf
die Stellung der Horizontalschnitte der Kantgläser zueinander keiner Be-
richtigung; denn deren Parallelität wird dadurch gewährleistet, dass das
oben liegende Kantglas auf der Platte ruht und das untenstehende gegen
sie angedrückt wird, wie Firma Busch das sehr glücklich bei ihrem Kant-
glas gelöst hat.
e) Die Kantglaskanten sind gegen unmittelbaren Stoss geschützt.
Streifen von Filz oder Fliesspapier müssen zwischen Spiegelflächen und
die Metallfassung geschaltet werden, um den empfindlichen Belag zu schützen.
f) Verbesserung der Gesichtfeldhöhe dadurch, dass das Kantglas etwa
1/;, höher zemacht wird, wie das bereits bei den Kantgläsern von Busch
(Rathenow) der Fall ist. Das ist deshalb nötig, weil die ausgerundeten
Verbindungsstücke der Blenden nit der Fassung es verhindern, den
höchsten oder tiefsten Durchsichtpunkt m (Fig. 5) an die Oben- oder
Untenkante zu verlegen, wie das bei Ermittelung der zweckmässigen Höhe
für ungeschützte Kantgläser nach Abschnitt A I 2 angenommen werden
konnte. (Vergl. auch Abschnitt B I 3 Abs. 2.) Der Mittelpunkt der
Ellipse (Fig. 5) verschiebt sich daher für Hochsichten nach oben und für
Tiefsichten naclı unten. |
g) Der Handgriff oder der Steckstift stelit zwar exzentrisch, aber bei
Haltung s in der Verlängerung des rechten Winkels, so dass der walıre
Fusspunkt nur etwa 1,5 bis 1.5 cm — Reiss und Busch — hinter dem
ermittelten Fusspunkt liegt. Bei Haltung 9 steht der Steckstift in der
Vormankunge wesen Schellens. Winkelkantgläser (Prismen) mit Schliff etc. 369
919
Verlängerung’ des einfallenden Strahls, so dass der wahre Fusspunkt um
dasselbe Mass links oder rechts neben dem ermittelten Fusspunkt liegt,
je nachdem man an der linken oder an der rechten spitzen Kante beob-
achtet. Vergleiche Abschnitt II A 3 Abs. 4.
h) Für Sichten unmittelbar unter dem Kantglas hin stört bei Haltung p
der Hangriff oder der Steckstift nicht, der hierfür bei Kantgläsern mit
zentriertem Steckstift wie z. B. auch bei dem vierseitigen Kantglas immer
etwas hinderlich ist.
B. Das vierseitige Winkelspiegelkantglas.
Der Strablengang der festen Strahlen beim Winkelspiegelkantglas ist
in Fig. 6 dargestellt. Das vor der Schaufläche ae beobachtende Auge
wird von den auf de auffallenden festen Strahlen getrofien. Gleichzeitig
FigHl
% nat. Große
„erblickt es aber auch eine Anzahl beweglicher Bilder, von denen die in
Fig. 11 dargestellten Strahlen sehr lästig sind; denn die von ihnen er-
zeugten Bilder haben farbenzerstreutes Licht, das die Augen stark an-
strengt. Da sie von der den festen Strahlen entgegengesetzten Seite her-
kommen, so sind sie dann besonders grell, wenn die Gegenstände auf
dieser Seite heller beleuchtet sind als jene auf der Seite, von der die
festen Strahlen herkommen. Auch engen sie die Gesichtfeldbreite, wie
nachstehend erläutert werden soll, etwa um 1, ein.
Fig. 12 stellt die Formen dar, wie sich das Kantglas im Innern
unter Berücksichtigung der Strahlenbrechung fortpflanzt, wenn der Winkel
370 Schellens. Winkelkantgläser (Prismen) mit Schliff etc. Vormessungsn un
.
von 450 wie üblich abgeschnitten ist. Die in Fig. 6 dargestellte, unge-
brochene Form erscheint dem Auge in der Gestalt der Fig. 12, wobei
die Linie eda’e” gleich der kleinen Halbachse der Ellipse ist, d.i.
eda’e“ (Fig. 6)
| n
edu‘e” (Fig. 12) =
Wird die Breite der Schaufläche ae gleich 1 gesetzt, so ist eda’e”
(Fig. 12) für den Einfall-
a winkel x = 0 und Bire-
v4 .
= Fig 7 & chungswinkel 8=0 nach
P, \ Y4 nal.Große N Gl. (9) und (13)
\ 3,414
EN eda’e’ = —-— (14)
Die in den einzelnen ver-
N zerrten Formen der Fig. 12
„ sich entsprechenden °
Punkte sind mit denselben
Buchstaben bezeichnet.
Taaryn Die Flächen, die dem bei o
\ \ / beobachtenden Auge sicht-
\\ / i BG bare Bilder erzeugen, sind
Q N ] re mit dicken Linien darge-
\ H] stellt.
V Das bei de einfallende
0) Bild der festen Strahlen
erscheint dem Auge in der Fläche d‘e“, ist also unter dem Gesichtwinkel
d’oe‘ sichtbar. Die Punkte d’ und e“ rücken allerdings in Wirklichkeit
dadurch sehr wenig näher nach ae, dass der Winkel 8 für die Grenz-
strahlen od’ und oe‘ nicht gleich Null ist. Diese Vernachlässigung be-
deutet aber nur einen kleinen Fehler, wie aus der für kleine Winkel 3
noch schwachen Krümmung der Ellipse Fig. 5 ersichtlich ist.
Die nach Fig. 11 aus der Richtung fg auf ae auffallenden Strahlen
erscheinen dem Auge o am Grenzpunkt d vorbei in a’n. Die aus der
Richtung li auf ae auffallenden Strahlen erscheinen ihm an den Grenz-
punkten 5’ und d’ vorbei auf der Fläche e’“a’“ bei p»g. Beide Bilder
a'n und pq haben farbiges Licht. Der Strahlengang fghio (Fig. 11)
hat einen viel kürzeren Lauf im Inneren des Kantglases, als der feste
Strahl. Seine Gesichtfeldhöhe ist deshalb bedeutend grösser. Dagegen
hat der Strahlengang Zimnspgo einen längeren Lauf, seine Gesichtfeld-
höhe ist daher kleiner als die des festen Strahls.
Während nun der Gesichtwinkel noa’ des rechten farbigen Bildes
von dem Gesichtwinkel e”od‘ der festen Strahlen noch durch einen
Zeitschritt für _Schellens. Winkelkantgläser (Prismen) mit Schliff etc. 371
TORDONT INES EREN
schmalen Gesichtfeldwinkel e’or beweglicher Strahlen mit unzerstreutem
Licht getrennt ist, liegt der Gesichtwinkel p og der linken farbigen Strahlen
unmittelbar neben den festen Strahlen. Die Fläche d’e‘“ hindert es nun
zwar, die Restfläche ga‘ der Fläche e’“a“ zu sehen. Neben der farben-
, zerstreuenden Eigenschaft haben die farbigen Strahlen aber noch eine
zweite sehr störende Eigenschaft: sie runden gerade Linien derart, dass
das rote Licht noch ziemlich weit über die durch das Brechungsgesetz
für weisses Licht gegebene Lage herüberreicht. Die einzelnen Farben
haben bekanntlich verschiedene Brechungskoeffizienten.
Kommt das Bild a‘ e‘ von der heller
beleuchteten Seite her, so erscheint die ig 73
senkrechte Bildkante d’d’ der Bildfläche d' e’ r
d’ e'‘ stark verschoben, wie es Fig. 13 dar- )
stellt. Man kann dies deutlich feststellen,
wenn man im Zimmer stehend die Einlass-
fläche ed der dem Fenster gegenüber-
liegenden Wand zukehrt, so dass die be- ad’
weglichen, farbigen Bilder von der Fenster-
seite her einfallen. Die Beugung beträgt in dem durch die Aughöhe be-
stimmten Horizontalschnitt etwa ı/, der Breite d’e”. Ebenso wird die
Kante a’a‘’ durch das rechte farbige Bild so gebeugt, dass sie das Bild e“r
Fig. 12 überstrahlt und sogar noch etwas in das Bild der festen Strahlen
hineinragt, wie es die punktierte Linie e“e” der Fig. 13 darstellt. Die
farbigen beweglichen Strahlen engen daher das Gesichtfeld der festen
Strahlen stark ein. .
Den Eintritt dieser Strahlen in die Schaufläche ae oder ed wehren
die Seitenblenden at und du. Sie sind in einem solchen Winkel eat
und edu Fig. 11 anzubringen, dass sie das Gesichtfeld nicht einengen.
Das grösste Gesichtfeld erhält man, wenn man das Auge der Schaufläche
soweit wie möglich nähert. Augen, die nicht mit Augengläsern bewaffnet
sind, können noch sehr wohl einen Mindestabstand von 1 cm einnehmen.
Fig. 12, die das Messzeug abgesehen von der Verzerrung inr Innern in
natürlicher Grösse darstellt, stellt in Punkt o etwa die natürliche Lage
des Auges dar mit dem hieraus sich ergebenden Gesichtwinkel d’oe“.
In der Richtung der Grenzstrahlen d’o und e‘o fallen somit auch die
Grenzstrahlen ein. Winkel eat gleich edu (Fig. 11) muss daher gleich
Winkel e’d’q (Fig. 12) sein. Grösser braucht er nicht zu sein. Er kann
aus Fig. 12 abgegriffen werden.
Ynak: Große
III. Schlussbemerkung.
Die Winkelprismen sind wie kaum ein anderes Messzeug auf der
ganzen Erde von Geodäten und Ingenieuren ständig benutzte Instrumente.
372 Bücherschau. Zeitschrift für
- le
Daher muss man für sie eine solche Gestaltung fordern, die bezüglich
Helligkeit und Grösse des Gesichtfeldes, bezüglich Genauigkeit und Halt-
barkeit die Möglichkeiten erfüllen, wie sie die Theorie des Messzeuges
überhaupt zu erfüllen vermag. Es wird einleuchten, dass meine Vorschläge
einen wesentlichen Fortschritt auf dem Wege zur Vollkommenheit be-
deuten. Die Verbesserungen sind patentamtlich geschützt.
Bücherschau.
Förster, Gustav, Dr., Observator am Kgl. Geodätischen Institut: Kreis-
teilungsuntersuchungen. Veröffentlichung des Preussischen Gco-
dätischen Instituts. Neue Folge Nr. 74. 55 S. m. 15 Abb.
Berlin 1917.
Die Wertschätzung von Kreisteilungen, die auf selbsttätig arbeiten-
den Maschinen hergestellt sind, ist im Laufe der letzten 10 Jahre
zweifellos gestiegen, nicht zuletzt durch die Ergebnisse der ‚Unter-
suchung zweier Teilkreise der Firma G. Heyde und M. Hildebrand auf
einem Wanschaffschen Teilungsprüfer‘“, über die Prof. Dr. Förster im
Jahre 1913 in der Zeitschrift für Instrumentenkunde (Heft 1, S. +0 ii.)
berichtet hat. Im allgemeinen schätzt man wohl die nach dem alten
Verfahren ‚„abgenommene‘“ Teilung bei feinen Instrumenten doch noch
etwas höher ein, als die selbsttätig gewonnene, jedoch ist der Fort-
schritt im selbsttätigen Teilverfahren schon so bedeutend, dass er trotz
bestehender Mängel voll anerkannt werden muss. Die Grundlage für
einen weiteren Schritt nach vorwärts bietet die vorliegende wertvolle
Arbeit.
Es ist bekannt, dass die zufällige Unsicherheit, mit der eine gut
gebaute Teilmaschine arbeitet, im allgemeinen kleiner ist, als der stetig
bleibende Einfluss von Zahnradfehlern und periodischen Fehlern der
Tangentialschraube. Es lag daher nahe, den hierdurch vorgezeichneten
Weg zur Verbesserung des selbsttätigen Teilverfahrens zu gehen. Die
Ausführungsformen der einzelnen grossen feinmechanischen Woeırk-
stätten sind natürlich verschieden. Der Verfasser beschreibt das Ver-
fahren der Werkstätte von Otto Fennel-Söhne in Kassel, das in der
geschilderten konstruktiven Ausbildung die Schwindelfehler der Hohl-
schraube tilgen und ferner die grossperiodischen regelmässigen Tei-
lungsfehler ausschalten soll. Die Grundlagen für die praktische Aus-
führung einer solchen selbsttätigen Teilmaschine gesteigerter Grenauig-
keit liefert die neue Förstersche Untersuchung.
Zur Verwendung gelangte der bekannte Wahnschaffsche Teilkreis-
prüfer mit vier Mikroskopen des Geodät. Instituts, der allerdings bis-
lang nur zur Ermittlung von Durchmesserverbesserungen gedient hatte.
„eZeltschrift für Bücherschau. 373
1919.
Der Teilkreis von 25 cm Durchmesser ıst auf Veranlassung von
Prof. Dr. Förster in der Fennelschen Werkstatt zunächst in 20° geteilt
worden. Dann wurde er von der Teilmaschine abgehoben, um reichlich
1800 (genauer um zufällig 18003°45”) gedreht, wieder aufgelegt und
nochmals geteilt. Durch eine solche Doppelteilung sollte neben der Be-
hebung der Exzentrizitätsschwierigkeit eine „möglichst einwandfreie
Bestimmung der Zuverlässigkeit gewonnen werden, mit der die Teil-
maschine arbeitet, d. h. es sollte der mittlere zufällige Anteil des
Teilungsfehlers getrennt von dem sich bei jeder neuen Teilung wieder-
holenden, bleibenden Teilstrichfehler erhalten werden“. Der Teilkreis
besass ferner Sonderteilungen auf 5° zwischen 12% und 229 und
192° und 2020 der Hauptteilung.
Für die Wahl der Beobachtungsfolge dienten die grundlegenden
Ausführungen von Prof. H. Bruns in den ‚„Astronomischen Nachrichten,
\r. 3005 bis 3099, Bd. 130° als Muster, wobei natürlich die Unter-
suchung nicht auf die rein praktischen Ziele allein gerichtet wurde.
Die Untersuchung der Gradstriche erfolgte in Abständen von 15°.
Als „Irosettenwinkel‘“ sind die Grössen 300, 450, 600, 75°, 90% zur Ein-
stellung gekommen. Das Berechnungsverfahren ist in geschickter
Weise vereinfacht worden.
Nacheinander werden berechnet:
1. die mittleren Durchmesser-Verbesserungen ;
2. die mittleren halben Unterschiede der Verbesserungen im Durch-
messer gegenüberstehender Striche. Im Anschluss hieran wer-
den die Ergebnisse einer anderen Bestimmung der Exzentrizität
mitgeteilt;
3. Unterschied der Durchmesserverbesserungen von Haupt- und
Nebenteilung;
4. Unterschied zwischen Haupt- und Nebenteilung in den Unter-
schieden der Verbesserungen im Durchmesser gegenüberstehen-
der Striche. Hierbei wird der Mittelwert des Schlotterns der
Drehungsachse gefunden zu + 0,70, d.h. linear + 0,42 u.
Eine Untersuchung der Sonderteilungen in 5’-Zwischenräumen, die
die Fehler der Tangentialschraube der Teilmaschine zum Ausdruck
bringen soll, auf Strichfehler erfolgte mit nur einem Mikroskop unter
Ausnutzung des ganzen Gesichtsfeldes. Die ermittelten Teilstrichfehler
als Ergebnisse der mit besonderen Genauigkeitsberechnungen durch-
geführten, belangreichen Untersuchung sind zeichnerisch dargestellt.
Folgende Zahlen seien hierher gesetzt; sie geben die an den Strich-
374 | Bücherschan. Zeitschrift für
ablesungen zur Ausscheidung der Schraubenfehler anzubringenden Ver-
besserungen an:
für die Sonder-
teilung 199° bis 209° 19° bis 29° im Mittel für die
die Strichver- Teilstriche
besserungen + 0,43 + 0,53 + 0,48 +0,04 0° 20° 40
+ 0,71 + 09,73 + 0,72 + 0,04 5 25 45
— 0,35 — 048 — 0,41 +0,04 10° 30° 50
— 0,80 — 078 — 0,79 +0,04 15° 35° 55°
Als weiteres Ergebnis finden sich für die Teilmaschinenverbesse-
rung der Fennelschen Werkstätte folgende, für beide Teilungen gemit-
telten Strichverbesserungen [i]
0 Lil
00°: + 0%,05 1800 | + 0”,83
15 |; — 0,02 195 | — 0,38
30 | —0%11 210 -£ 1%,11
45 | — 0,20 225 | + 0,80
60 | + 0,03 240 | +0,49
75 | - 0,84 255 —+- 0,26 Mittlerer Fehler einer
90 Min 0,07 270 —- 0”,19 Verbesserung + 0,12.
105, — 0',08 285 | — 09,72
120°; — 1,05 300 | — 1,59
135, — 1,51 315 | — 0,65
150! — 0,59 330 | -+ 0,03
165 | + 0,56 345 | + 17,78
Ausser diesen rein praktischen Ergebnissen sind noch eine Anzahl
anderer gefunden, die über die innere Sicherheit des Teilungsvorgang®
Aufschlüsse geben können. Zweifellos wird sich ein selbsttätiges Teil
verfahren erst dann einen sicheren Stand erwerben können — immer
gesprochen von wirklich feinen Teilungen —, wenn die innere Ruhe
des Arbeitsvorganges sicher gestellt ist, d. h. wenn man überzeugl
sein darf, dass dieser durch seine Eigenart keinesfalls, auch bei län-
gerem Gebrauch der Teilmaschine nicht, unregelmässige Fehler er
zeugt, die ihrer Grösse nach so bedeutend sind, dass die weitgetriebent
Ausschaltung regelmässiger Fehler ihnen gegenüber wesentlich an Be-
deutung verliert. Fasst man alle Fehler, die eine innere Unsicherheit
im mechanischen Teilungsvorgang den einzelnen Teilstrichen heilegt.
zusammen, so erhält man einen zufälligen Strichfehler, der in dem
"halben Unterschied der Strichverbesserungen beider Teilungen voll zum
Ausdruck kommt. Prof. Dr. Förster gibt hierfür folgende Zahlenwerte:
Zeitschrift für Bücherschau. 375
En
00| + 0”,08 1800 | — 0%,18
15 | — 0”,17 195 ! — 0%,08
30 | + 092 210 | — 0,60
45 | -+0%.18 225 | +0,42
60 | + 0”20 240 |; +0,12
75 | — 0,65 255: -+- 0,03
90 | — 0%17 270, — 011
fi — 0,62 285 - 0”, 24
120 | + 0,06 300 +0,02
135 | + 0%41 315 — 0645
150 | + 0”,54 3300,00
165 | 0,00 345 — 0,54
Daraus ergibt sich als mittlerer Beitrag «ler inneren Unsicherheit
zum Teilungsfehler der grosse Wert + 0”.40, «der nach Ansicht von
Prof. Dr. Förster im wesentlichen aus folgenden 4 Fehlerquellen fliesst:
„1. unsichere Führung der Vertikalachse (Schlottern);
2. unsichere Führung des Gravierstichels;
3. unsichere Klemmung des Teilkreises in den Ruhepausen;
4. vorübergehende Anwesenheit von Staubteilchen im Getriebe.“
Für beide Sonderteilungen fand sich im Mittel der mittlere zufäl-
lige Strichfehler zu +: 0,26, so dass man dem Schlottern der Vertikal-
achse einen Beitrag von
Vv,192 — 0,262 = + 0.42
zum zufälligen Strichfehler zuschreiben kann.
Nun ist eine Verbesserung der Achsenführung eine theoretisch
einfache, mechanisch-technisch schwierige Sache. Prof. Dr. Förster
beschränkt sich daher auf einen Vorschlag, die gleitenden Flächen auf
ein möglichst geringes Mass zu bringen. Ohne auf diese Anregung und
manche andere hier näher einzugehen, sei nur darauf hingewiesen,
dass ausser der Dicke der Ölschicht noch andere wichtige Einflüsse zu
beachten sind. So darf z. B. selbst beim hachwertigsten Edelstahl,
wie ihn grosse feinmechanische Werkstätten nach eigenen Erfahrungen
für Achsen herstellen lassen, das „Leben“ einer fertieen Achse nicht
übersehen werden, Veränderungen, die sich anch durch künstliches
Altern nicht immer ganz ausschalten lassen.
Auf die Fehlerquellen 2 und 3 geht Prof. Dr. Förster nicht näher
ein. Es sei hier jedoch gesagt, dass Unsicherheiten im Reisserwerk
mit Sicherheit klein gehalten werden können, so klein jedenfalls, dass
sie bei dem ‚alten‘ Teilvrerfahren zum zufälligen Fehler nicht nennens-
wert beitrugen. — 5
376 . Bücherschau. Zeitschrift für
5 A
Die Strichfehlerdarstellungen von selbsttätig geteilten Kreisen
zeigen neben den zufälligen Unregelmässigkeiten und den grossen
Perioden auch eine Anzahl starker Ausbiegungen, kurzperiodische Ab-
weichungen, die nur wenige Grade der Teilung umfassen und durch
Annahme zufälligen Charakters der Strichfehler nicht wohl erklärt
werden können. Prof. Dr. Förster bezeichnet sie als „quasisyste-
matische Strichfehler‘“ oder als „Fehlernester‘ und gibt zu ihrer Erklä-
rung zunächst zu, dass sie ihre Ursache in dem Vorhandensein von
Staubkörnchen und ähnlichen Eindringlingen im teilenden (ietriebe
haben können. Tatsächlich haben mir besondere Untersuchungen ge-
zeigt, dass hier eine ganz bedeutende Fehlerquelle liegt, die man
allerdings durch geeignete Massnahmen zum grössten Teil versiegen
lassen kann.
Dann aber geht Prof. Dr. Förster näher ein auf das Zusanımen-
arbeiten von Zahnkranz und Hohlschraube beim Teilungsvorgang und
findet, dass sich die ausgleichende Wirkung der Hohlschraube nur
wenig über ihre eigene Länge erstreckt und dass die ‚Fehlernester“
ihren Grund in rein zufälligen Radzahnfehlern haben und ‚‚durch er-
höhte Sorgfalt und Sauberkeit beim Teilungsvorgang nicht vermieden
werden können“. Hier liegt zweifellos eine bedeutende Schwäche des
selbsttätigen Teilverfahrens, die sich vielleicht überwinden lässt. Hierzu
müssten allerdings Kreisteilungsuntersuchungen vorgenommen werden,
die den Kreis von 1° zu 1° oder doch von 20 zu 2° oder mindestens
von 4° zu 4° in seinen Strichfehlern erfassen lassen, eine Arbeit, die
für praktische Zwecke bei ihrem riesigen Umfang schlechterdings nicht
ausgeführt werden kann. Prof. Dr. Förster schlägt daher vor, unter
Ausnutzung der mechanischen Grundeinrichtungen der selbsttätigen
Teilmaschine die Vorteile des selbsttätigen Teilungsvorganges, der
Schnelligkeit und die Unpersönlichkeit, auch für die Teilkreisunter-
suchung zu verwenden. —
Eine Schrift von hervorragender Bedeutung für das behandelte
Sondergebiet, deren Studium durch ihre Klarheit zudem einen grossen
Genuss bietet. |
Vogesenfront, 1918, März. K. Lüdemann.
Lehrbuch [für den Unterricht in der Navigation an der Kaiserlichen
Marineschule. Herausgegeben auf Veranlassung des Reichs-
Marine-Amts. XVI u. 778 S. Mit 40 räumlichen Photogra-
phien, 13 Tafeln und 285 Fig. im Text. 80%. Berlin 1917, E. S.
Mittler u. Sohn.
Das vom Reichsmarineamt herausgegebene und von seinen Mif-
arbeitern verfasste Lehrbuch der Navigation verdient in den Kreisen
ve Fimenkungewosen Bücherschau. 377
der Geographen und Geodäten volle Beachtung, nicht nur, weil der
Navigation manche Methoden eigen sind, deren sich zugleich die Topo-
graphie bedient, sondern weil die behandelten Gebiete in dem vor-
liegenden Werk nach jeder Richtung hin, sachlich und didaktisch, eine
mustergültige Darstellung gefunden haben. Der Lehrer der Geographie,
der Geodäsie, der Topograph und Forschungsreisende wird das Werk
mit Nutzen zur Hand nehmen. Einer weiteren Begründung bedarf es
daher nicht, wenn an dieser Stelle dem schönen Buche einige Worte
gewidmet werden. |
Die 9 Teile sind von verschiedenen Autoren bearbeitet worden;
die Redaktion lag in den Händen des Korvettenkapitäns a. D. Capelle.
Unter den vielen vortrefflichen Abschnitten seien hier diejenigen her-
vorgehoben, die in den unmittelbaren Interessenkreis des (reographen
. und Geodäten hineingehören.
Gleich der I. Teil (Terrestrische Navigation, Bearbeitervon Gör-
schen) rechnet dazu. Hier lernt der angehende Geograph und For-
schungsreisende viele Methoden und Instrumente kennen, die ihm bei
flüchtigen Aufnahmen in fernen Ländern (geodesie expeditive, flying
survey) von grossem Nutzen sein können und die im Ernstfalle eine
wesentliche Bereicherung seiner fliegenden Vermessung bilden wür-
den. Erinnert sei nur an die einfachen Peilscheiben und ihre Verwen-
dung zur Beobachtung und Rechnung.
In noch höherem Maasse erfüllt der umfangreiche II. Teil (Astro-
nomische Navigation, von Kohlschütter und Wedemeyer, 160 S.)
die Bedürfnisse des Forschungsreisenden. Es wird die astronomische
Ortsbestimmung mit Spiegelinstrumenten gelehrt und alles das ein-
gehend vorgetragen, was zur praktischen Auswertung der Standlinien-
methode dienen kann. Mit Dank wird auch der Fachmann die zahl-
reichen Hinweise aus der neueren Literatur durchsehen und mit Inter-
esse die objektive Übersicht aller instrumentellen, zeichnerischen und
numerischen Hilfsmittel begrüssen, die bisher zur Vereinfachung der
Berechnung der Höhe, des Azimutes und des Stundenwinkels konstru-
iertt und veröffentlicht worden sind. Eine allgemein befriedigende
Höhentafel besitzen wir noch nicht, trotzdem!’ sie die wertvollste Er-
leichterung für die stets wiederkehrende sphärisch-trigonometrische
Berechnung bei der Ableitung der Standlinie bilden würde. Der geo-
graphische Forschungsreisende ersieht aus dem Abschnitt, wie er in
seinen Routen die astronomische Standlinie unmittelbar kartographisch
verwerten kann. Fehlerbetrachtungen, Hinweise auf die geometrischen
Eigenschaften der Standlinie in der Karte geben ihm eine gute Anlei-
tung für seine Arbeiten. Die Rechnungsschärfe bildet bei der Marine
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft 10. 25
i Zeitschrift für
378 Bücherschau. Vermessungswesen
die Bogenminute, der Beobachter zu Lande wird leicht einen geringeren
Messungsfehler erzielen und seine Berechnung entsprechend genauer
führen, freilich nicht über den Rahmen fünfstelliger Logarithmen hin-
aus. 40 lose dem Buche beigegebene Stereoskopbilder vermitteln die
räumliche Anschauung an der Sphäre; sie enthalten Figuren aus der
mathematischen Geographie und Geonomie und führen alle Fälle von
mehreren Gesichtspunkten aus vor Augen. Gegenüber der Darstellung
in dem vom Reichsmarineamt herausgegebenen Lehrbuch der XNavi-
gation von 1906 hat die vorliegende astronomische Navigation an Klar-
heit und Einfachheit des Aufbaues gewonnen. Dagegen ist der Methode
der Monddistanzen zur Längenbestimmung oder Chronometerkontrolle
überhaupt nicht mehr gedacht. Es kann jedoch Fälle und Erdgegenden
geben, in denen der Reisende zu Lande nicht gerne auf die Längen-
bestimmung durch den Mond verzichten mag und kann.!)
Im IV. Teil (Winkelmesszeuge, von Kohlschütter und Wede-
meyer) wird Gebrauch und Konstruktion der Spiegelsextanten an Bord
beschrieben, deren neue bequeme Ablesevorrichtungen man in Wort
und Bild kennen lernt. Der Spiegelsextant wäre auch dem Forschungs-
reisenden als Begleiter dringend zu wünschen, nicht nur für astro-
nomische Beobachtungen, sondern auch für Messungen von Winkeln
zwischen irdischen Objekten während des Marsches. Der Sextant bil-
dete vor hundert und mehr Jahren noch ein wichtiges Instrument für
die Landesvermessung, heute sollte er wieder für die flüchtige Auf
nahme und allgemein im geodätischen Neulande zur. Geltung kommen.
Der V. Teil, mit seinen 198 Seiten der umfangreichste von allen
(Kompasswesen, von Maurer), hat zwar keine unmittelbare Anwen-
dungsmöglichkeit in der Landmessung, desto grösser ist aber die all-
gemeine physikalische Bedeutung dieses Abschnittes. Nicht nur, dass
er die Theorie der magnetischen Kraftwirkung auf den eisernen Schiffs-
körper in ebenso didaktisch klarem wie sachlich natürlichen Aufbau
lehrt, wir finden hier auch die erste zusammenhängende Theorie und
Praxis des neuen Kreiselkompasses. Auf den 50 Seiten, die diesem
wissenschaftlich fesselnden Apparat gewidmet sind, hat der Verfasser
die Mechanik der Kreiselbewegung in elementarer Wiedergabe an den
Anfang gestellt und dann den Kreisel auf der rotierenden Erde behan-
delt. Die beiden deutschen Konstruktionen des Kreiselkompasses, der
ursprüngliche Einkreiselkompass (H. Anschütz-Kaempfe) und der
zuletzt, von M. Schuler, erfundene, kompliziertere Dreikreiselkompass
unserer Tage, der den dem Einkreiselkompass anhaftenden Schlinger-
fehler vermeidet, werden gleich eingehend vorgeführt, ihre Theorien
1) Vgl. diese Ztschr. 47, 1918, 66. |
_
Zeitschrift für Bücherschau. 379
Veen
abgeleitet und ihre Fehler besprochen. Auf den gewöhnlichen Land-
reisen kann ja vorderhand ein Kreiselkompass nicht mitgeführt werden.
Dagegen ist klar, dass eine Vergleichung des Kreiselkompasses mit dem
Magnetkompass sofort die magnetische Deklination liefert, und man
erhält eine vollständige magnetische Ortsbestimmung, wenn man noch
die Inklination hinzufügt. Zur Ausführung magnetischer Bestimmungen
hat die Marine das Deviationsmagnetometer mit Vertikalkraftwage
eingeführt, das nicht minder an Land und auf Landreisen seine viel-
seitige Verwendungsmöglichkeit beweisen würde. Auch anderes mag-
netisches Gerät, bestimmte Formen des Fluidkompasses und der mag-
netischen Peilvorrichtungen könnte der Topograph mit Nutzen von den
Bordinstrumenten an Land übernehmen und für die flying survey
heranziehen.
Vollständig in das Gebiet des Geodäten fällt der letzte, IX. Teil
(Nautische Vermessung, von Kurtz). Er behandelt alle diejenigen Ar-
beiten, die zu einer Küstenvermessung gehören, sei es, dass man nur
flüchtige Aufnahmen vom Schiff aus im Auge hat, sei es, dass man
mehr Zeit darauf verwendet und eine reguläre Dreieckskette über das
Aufnahmegebiet legt. Hier sind die Betrachtungen über angestrebte und
erreichte Genauigkeit beachtenswert und im Zusammenhang damit das
von der Marine benutzte Basisgerät, das auch für beiläufige Abstands-
messungen zu Lande in Betracht gezogen werden sollte (vgl. die Fehler-
tabelle S. 689). Die Anleitung zur Lotarbeit, zur Bestimmung der
Wassertiefen, dürfte dem wissenschaftlichen Reisenden besonders will-
kommen sein. Die Anweisungen gelten ohne weiteres auch für Binnen-
seen, und die Pegelbeobachtungen kann der Reisende nutzbringend
dann verwenden, wenn er während seines Aufenthaltes an einem
Küstenplatz Beiträge zur Kenntnis der Gezeiten sammeln will.
In den hier nicht berührten Abschnitten (Chronometerkunde,
Wetterkunde, Meereskunde, Gezeiten) werden noch Themata behandelt,
die in minder enger Verknüpfung mit den Aufgaben des wissenschaft-
lichen Forschungsreisenden stehen, soweit sie sich auf das Gebiet der
Landesaufnahme im Rahmen der ihm zugänglichen Genauigkeit er-
strecken.
Trotz der Vielheit der Mitarbeiter ist es dem Redaktor gelungen,
dem Buche den Charakter des einheitlichen Entwurfs zu wahren. An-
derseits versuchte er aber keineswegs, den Reiz der Subjektivität der
verschiedenen Verfasser zu unterdrücken. Denn man merkt auch an
dem objektiven Stoff in vielen didaktischen oder pädagogischen An-
merkungen, sei es die Mahnung des Lehrers, sei es den Rat des erfah-
renen Kollegen oder Kameraden. Dazu kommen historische und lite-
Zeitschrift für
erMeSsuUngswesen
1919.
380 Schulze. Kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte etc. u
rarische Notizen, die entschieden zur angenehmen Belebung des Vor-
trages und zur Anregung des Lesers beitragen.
Das Buch in der vorliegenden Gestalt ist in hohem Masse geeignet,
den Geodäten an diejenigen Methoden der Nautik zu erinnern, die mit
Vorteil in :die reizvolle Praxis der geodesie expeditive herüber-
genommen werden könnten. Anderseits leitet es ihn wieder unmittel-
bar an, wenn er vor flüchtige Aufnahmen zu Wasser gestellt wird.
Darüber hinaus macht es allgemein bekannt mit den Problemen, die der
modernen Schiffsführung erwachsen, und es bereitet die physikalischen
und mathematischen Methoden vor, die zur Lösung führen.
Abschliessend darf man sagen, dass aus dem Zusammenwirken
der Mitarbeiter des Reichsmarineamtes das beste bisher erschienene
Lehrbuch der Navigation hervorgegangen ist. Es soll an Bord keines
deutschen Schiffes fehlen. Und fehlen sollte es auch nicht in der Hand
des jungen Seemannes, der die Navigationsschule besucht. Allerdings
muss er an diesen Schulen von Schule zu Schule wechselnde I.ehr-
bücher brauchen, die gemeinhin von Lehrern der betreffenden Schulen
geschrieben worden sind. Wäre da nicht eine Einigung und die Kin-
führung des Lehrbuches des Reichsmarineamtes möglich? Im Inter-
esse des jungen Seemannes läge ein solcher Wandel jedenfalls.
Die von dem Werke ausgehende Anregung aber kann — dies zu
zeigen war Zweck dieser Zeilen — über die an der Schiffahrt inter-
essierten Kreise hinausgehen.
Es würde den Gebrauch des nahe 800 Seiten starken Bandes sehr
erleichtern, wenn das rasche Nachschlagen bestimmter Gegenstände
durch die Beigabe eines ausführlichen alphabetischen Registers er-
möglicht worden wäre. Besseren Einband und besseres Papier wird
uns freilich erst eine Friedensauflage bringen können. Die zahlreichen
Tafeln und Beigaben sind noch immer gut und auf gutem Papier
gedruckt. |
Zurzeit im Heeresdienst, 1918 März. C. Wirtz.
Kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte und bis-
herigen Tätigkeit der „Obersten militärischen Ver-
messungsstelle im Deutschen Reiche und in seinen
| Schutzgebieten.“'
Von Schulze, Hauptmann.
Es ist von den verschiedensten Seiten, besonders auch aus Landmesser-
kreisen, der Wunsch laut geworden, etwas über die Oberste militärische
Zeitschrift fir‘ Schulze. Kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte etc. 381
ul
Vermessungsstelle zu erfahren. In Folgendem soll daher in Kürze dar-
gestellt, werden 1. wie die Oberste militärische Vermessungsstelle ent-
standen ist und 2. wie die Oberste militärische Vermessungsstelle sich
bisher betätigt hat.
Im Laufe des grossen Krieges hatte sich die zwingende Notwendigkeit
ergeben, eine Vermessungszentrale für militärische Zwecke zu schaffen,
um die geodätischen Grundlagen zu vereinheitlichen, eine gleichmässige
Ausbildung herbeizuführen, kurzum alles für das Vermessungswesen im
Mobilmachungsfalle Notwendige in Zukunft rechtzeitig in die Wege leiten
zu können. Es sei hier gleich bemerkt, dass es ausserordentlich be-
dauerlich ist, dass wir nicht schon zu Beginn des 'Krieges eine solche
militärische Vermessungszentrale, oder noch besser eine allgemeine Reichs-
Vermessungszentrale hatten. Die Gründe für diesen Fehler aufzuführen,
ist hier nicht der Platz. Im Jahre 1917 wurde der langjährige Chef der
Preussischen Landesaufnahme, Generalleutnant von Bertrab, vom Chef
des Generalstabes des Feldheeres beauftragt, zu. versuchen, die Ein-
richtung einer Vermessungszentrale für das ganze Reich herbeizuführen.
Am 2. April 1917 fand im Kriegsministerium in Berlin die erste Sitzung
zur Klärung der Frage statt. Vertreten waren, da es sich ja um eine
rein militärische Organisation handelte, naturgemäss .in erster Linie die
militärischen Aufnahmebehörden sämtlicher Bundesstaaten. Es waren aber
auch zugegen ausser Vertretern der Reichsämter (Reichs-Marineamt und
Reichs-Kolonialamt, Reichsamt des Innern) Vertreter des Preussischen
Ministeriums des Innern, Landwirtschafts-Ministeriums, Ministeriums der
öffentlichen Arbeiten, Handels-, Kultus- und Finanzministeriums, des
Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen, des Sächsischen Finanz-
ministeriums und des Württembergischen Statistischen Landesamts.
Generalleutnant von Bertrab schlug zur Erreichung des ihm gesteckten
Zieles 3 Wege vor:
1. Schaffung einer Reichsstelle für das Vermessungswesen unter Heraus-
nahme dieses Gebietes aus den Befugnissen der Bundesstaaten und
der einzelnen Ministerien usw.,
D&D
. Beibehalt der bisherigen Unterstellung des Vermessungswesens unter
die Bundesstaaten unter gleichzeitiger Schaffung einer Obersten
gemeinsamen Stelle, die die technische Ausführung aller Arbeiten
und die Ausbildung des Personals überwacht,
3. Ausbau des preussischen Zentral-Direktoriums der Vermessungen
und Beitritt der Bundesstaaten.
Als Ergebnis der anschliessenden Aussprache wurde festgestellt, dass
alle Teilnehmer der Sitzung ihr Einverständnis damit erklärten, dass eine
382 Schulze. Kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte etc. Vermensangen für
Stelle geschaffen werden müsste, die für das System der einheitlichen Aus-
bildung des Personals durch Uebungen bei den Vermessungs-Abteilungen
zur Vorbereitung der Mobilmachung notwendig ist. Welcher Weg am
besten zu diesem Ziele führte, sollte späterhin geklärt werden.
In den auf diese Sitzung folgenden teils mündlich, teils schriftlich
geführten Verhandlungen wurde der einzig gangbare Weg zur Vereinheit-
lichung darin gefunden, den unter 2. gemachten Vorschlag in die Tat um-
zusetzen. So entstand also die „Oberste militärische Vermessungsstelle
im Deutschen Reiche und in seinen Schutzgebieten“. Zu bemerken ist
noch, dass eine neue Reichsstelle nicht geschaffen werden sollte. Daher
war die Anlehnung an die Preussische Landesaufnahme geboten. Aehnlich
wie der Chef des Generalstabes eine Vormachtstellung im Deutschen Reiche
hat, oder wie der preussische Kriegsminister gegenüber den Kriegsmini-
sterien der übrigen Bundesstaaten besondere Befugnisse hat, lediglich in
einer solchen, scharf abgegrenzten Weise sollte die Vormachtstellung der
Preussischen Landesaufnahme gegenüber den anderen Landesaufnahmen
zur Geltung kommen. So kam es auch, dass der Chef der Preussischen
Landesaufnahme zugleich Vorsitzender der Obersten militärischen Ver-
messungsstelle wurde.
Im Einvernehmen mit den Bundesstaaten wurde die Satzung für die
Oberste militärische Vermessungsstelle beraten und niedergelegt. In einer
kommissarischen Beratung im Reichsamt des Innern „über die Vereinheit-
lichung des Vermessungswesens“ am 14. September 1917 wurde der Eit-
wurf der Satzung von Generalleutnant von Bertrab begründet. Die end-
gültige Fassung der Satzung wurde durch Bundesrats-Beschluss am 22. No-
vember 1917 genehmigt. |
Nachstehend ist in grossen Zügen der Inhalt der 7 Paragraphen der
Satzung wiedergegeben:
8 1. Zweck und Standort.
Die Oberste militärische Vermessungsstelle im Deutschen Reiche und
in seinen Schutzgebieten hat ihren Standort in Berlin. Sie ist Ausführungs-
organ des Chefs des Generalstabes des Heeres in allen Angelegenheiten
des Vermessungswesens. |
Das Selbstbestimmungsrecht der Bundesstaaten auf dem Gebiete des
Zivilvermessungswesens bleibt unberührt.
Die Oberste militärische Vermessungsstelle wird nach Umfang und
Art ihrer Arbeiten gleichzeitig eine beratende und begutachtende
Stelle auch in allgemeinen Vermessungsangelegenheiten für die
Bundesstaaten und eine Auskunftsstelle über den Stand und die
Ergebnisse der Vermessungstätigkeit in den einzelnen Bundes-
staaten bilden. Sie wird bei allen Arbeiten, soweit es die militärischen
N
Wermessungeweren für_ Schulze. Kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte etc. 383
Forderungen zulassen, gleichzeitig den wirtschaftlichen Interessen der
Einzelstaaten nach deren Wünschen und Anträgen dienen.
8 2. Aufgaben.
Schaffung und Erhaltung einheitlicher Vermessungsgrundlagen.
Sorge für einheitliche militärische Schulung aller im Vermessungs-
wesen tätigen Personen.
Sorge für die Entwicklung des Vermessungswesens.
8 3. Zusammensetzung.
Vorsitzender: Chef der Preussischen Landesaufnahme.
Ständige Mitglieder: Die Vorstände der militärischen und zivilen Auf-
nahmebehörden der Bundesstaaten und Vertreter der Bundesstaaten und
Reichsämter, in deren Geschäftsbereich Vermessungen ausgeführt werden.
Auf Antrag der ständigen Mitglieder kann die Heranziehung nicht-
ständiger Mitglieder erfolgen.
4 Obliegenheiten und SERLERIEIS
N Der Oberstenmilitärischen Vermessungsstelleimallgemeinen;
1. Die Oberste militärische Vermessungsstelle setzt fest:
a) die Grundlagen für ein einheitliches und zeitgemässes mili-
tärisches Kartenmaterial,
b) die Ausführungsbestimmungen für dessen einheitliche karto-
graphische Darstellung,
c) die Anforderungen für die geodätischen Unterlagen, die in den
Bundesstaaten bereitzustellen sind,
d) die für die Arbeiten der Kriegsvermessungsabteilungen anzu-
wendenden Mess- und Rechenmethoden.
2. Die Oberste militärische Vermessungsstelle hält sich dauernd unter-
richtet über alle innerhalb des Deutschen Reichs und seiner Schutzgebiete
ausgeführten und geplanten Vermessungsarbeiten, welche für das Kriegs-
vermessungswesen von Bedeutung sein können. Sie erfordert alljährlich .
von den Bundesstaaten Uebersichten und Listen über den Stand der Ver-
messungsarbeiten in den einzelnen Bundesstaaten und über die geplanten
Neuarbeiten, soweit sie für das Kriegsvermessungswesen und die Her-
stellung der militärischen Karten in Betracht kommen; diese Uebersichten
erstrecken sich nicht nur auf solche Arbeiten, welche aus Reichs- oder
Staatsmitteln hergestellt werden, sondern auch auf alle Arbeiten grösseren
Umfanges, deren Ausführung im öffentlichen oder allgemeinen wirt-
schaftlichen Interesse liegt.
384 Schulze. Kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte etc. Vormensungen fin
3. Die Bundesstaaten bestimmen, dass über alle Endergebnisse der
bei ilınen ausgeführten Vermessungs- und Kartierungsarbeiten mit kurzen
Erläuterungen alsbald nach ihrem Abschluss der Obersten militärischen
Vermessungsstelle berichtet wird.
Die Oberste militärische Vermessungsstelle richtet eine Sammel- und
Auskunftsstelle ein.
B. Des Vorsitzenden:
Pflicht des Vorsitzenden ist es, dafür Sorge zu tragen, dass für den
Kriegsfall Planmaterial und vorgebildetes Personal für die Vermessungs-
Abteilungen in ausreichendem Umfange vorhanden sind.
Er ist dafür verantwortlich, dass alle Fortschritte der Wissenschaft
und Technik, welche für die Entwicklung des Kriegsvermessungswesens
von Bedeutung sein können, eingehend studiert, praktisch erprobt und
sachgemäss für die Landesverteidigung verwertet werden.
C. Der Mitglieder der Obersten militärischen Vermessungsstelle
und ihrer vorgesetzten Behörden:
Hier sind die Verpflichtungen der Mitglieder einerseits ihrer Regierung
bezw. Behörde, andererseits der Obersten militärischen Vermessungsstelle
gegenüber niedergelegt.
8 5. Beratungen und ihre Ergebnisse.
Es wird hierin festgesetzt, ob und in welchen Fällen die Oberste
militärische Vermessungsstelle eine Entscheidung treffen kann.
6. Büro der Obersten militärischen Vermessungsstelle.
Insbesondere liegen dem Büro ausser den rein militärischen folgende
Aufgaben ob:
Die Verfolgung der Fortschritte auf allen Gebieten der Wissenschaft
und Technik, soweit sie das Vermessungswesen betreffen,
die Beobachtung der Ausgestaltung des Vermessungswesens für Krieg
und Frieden im Ausland,
die Buchung und Sichtung der eingehenden Vermessungspläne und
Ergebnisse.
8 7. Kosten.
Den Bundesstaaten wird der besondere Aufwand, der ihnen auf Grund
der Satzung für militärische Vermessungszwecke erwächst, aus Reichs-
mitteln ersetzt.
Wenn auch die Oberste militärische Vermessungsstelle in erster Linie
als militärische Organisation gedacht war, so wird doch nach Kenntnis
Vormensungs u. Schulze. Kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte etc. 385
nahme der Satzung zugegeben werden müssen, dass auch die volkswirt-
schaftlichen und rein wissenschaftlichen Interessen durchaus
nicht vernachlässigt worden sind.
Für das Zustandekommen der Satzung hatte sich in hervorragender
Weise der langjährige Direktor des Münchener Topographischen Büros,
der bayerische Oberst Lammerer, .verdient gemacht. Ihm wurde nun-
mehr auch vom Vorsitzenden der Obersten militärischen Vermessungs-
stelle, Exzellenz von Bertrab, zunächst provisorisch die Stelle als Vor-
stand des einzurichtenden Büros übertragen.
Die Haupttätigkeit des provisorischen Büros bestand darin, eine erste
Gesamtsitzung, der Mitglieder der Obersten militärischen Vermessungsstelle
vorzubereiten. Dank der unermüdlichen Arbeit der bisher zu dem Büro
kommandierten. Offiziere und der Hilfe seitens der Preussischen Landes-
aufnahme konnte die erste Gesamtsitzung in den Tagen vom 25. Februar
bis 1. März 1918 in Berlin stattfinden.
Im Folgenden sind in gedrängter Form unter Benutzung eines Berichts
von Oberst Lammerer die Ergebnisse dieser hochwichtigen Beratungen
niedergelegt.
Der Zweck der ersten Vollversammlung der Obersten militärischen
‚Vermessungsstelle war:
1. die Anforderungen festzustellen, welche die heutige Kriegführung
an das Vermessungswesen im Kriege und dessen Vorbereitung im
Frieden stellt, und
to
. die Bundesstaaten von der Notwendigkeit zu überzeugen, dass sie
ihre gesamten militärischen und bürgerlichen Friedenseinrichtungen
für Vermessung und militärisches Aufnehmen nach den von der
Obersten Heeresleitung ausgegebenen Weisungen für die Stärkung
des Heeres und die Kriegsvorbereitung im Frieden einsetzen.
Bei den Beratungen waren die in $ 3 der Satzung benannten Stellen
vorschriftsgemäss vertreten. Einige kleine Bundesstaaten hatten aus-
drücklich erklärt, ihre Rechte vorläufig, jedoch widerruflich, ruhen lassen
zu wollen. Die Oberste Heeresleitung war vertreten durch den Kriegs-
vermessungschef und Abordnungen vom Kommandierenden General der
Luftstreitkräfte und aus dem Kriegsvermessungswesen; ausserdem waren
Vertreter der einschlägigen Wissenschaften als nichtständige Mitglieder
anwesend,
Als Grundgedanken für die zu schaffende Arbeit wurden festgehalten:
‘Alle Arbeiten für Kriegsvermessungswesen, die im Frieden vorweggenommen
werden können, müssen im Frieden ohne Rücksicht auf die Aufwendungen
fertiggemacht werden. Insbesondere müssen
386 Schulze. Kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte etc. _ Zeitschrift für
la
1919.
l. in der Friedensarbeit soviel Personal in allen im Kriege verwend-
baren Mess- usw. -Verfahren ausgebildet werden, dass der Bedarf
nicht nur für die Kriegsvermessungs-Abteilungen, sondern auch für
Stäbe und taktische Verbände, für Artillerie, Minenwerfer, Flieger-
‘ abteilungen usw. reichlich gedeckt werden kann,
2. an Vermessungsarbeiten im Frieden zum mindesten für alle ge’
fährdeten Fronten ein dichtes, mit wissenschaftlicher Genauigkeit
ausgeführtes Netz von Festpunkten, welches auch in das fremd-
staatliche Gebiet übergreift, und ein reiches lebenswahres topo-
graphisches Kartenmaterial im grossen Massstab verwendungsbereit
hergestellt werden,
3. alle die für 1 und 2 aufzuwendenden Arbeiten so gestaltet werden,
dass damit auch den Forderungen der Volkswirtschaft und Wissen-
schaft entsprochen wird, und auch die für militärische Zwecke ge-
schaffenen Werte müssen unter gebührender Gewähr der Gehein-
haltung für das Wohl der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt
werden.
Die für 1 und 2 aufgestellten Grundzüge entsprachen vollkommen
den auch von den anwesenden Vertretern des Kriegsvermessungswesels
und der Luftbildabteilung des Kommand. Generals der Luftstreitkräfte
vertretenen Anschauungen. Bezüglich der Personalausbildung wurde über-
einstimmend verlangt: Heranziehung aller Fachleute zur Ausbildung für
die Verwendung im Kriegsvermessungswesen, Ausbildung nicht nur für ei
einzelnes Sonderverfahren, sondern vielmehr zu vielseitiger Verwendbar
keit, daneben unbedingt militärische Erziehung zum Vorgesetzten wd
Untergebenen und taktischer Unterricht. Uebereinstimmend wurde festge-
stellt, dass im Stellungskriege Pläne grösster Massstäbe notwendig sind
und dass Aufnahmen kleinen Massstabes (1: 25000 und kleiner) hierfür
genügendes Grundmaterial niemals bieten können; vielmehr wurde als
militärische Mindestforderung eine Aufnahme in 1:10000 aufgestellt, je
doch anerkannt, dass erst 1:5000 erlaubt, alle Gegenstände flächentreU
und alle Einzelheiten vollzählig darzustellen, und dass 1:10 000 nur
unter ganz besonders günstigen Verhältnissen allen Ansprüchen genügen
kann. Vollen Wert für wirtschaftliche Ausnützung wurde erst beider
Grösse der Aufnahme in 1:5000 zugebilligt.
Das Kriegsvermessungswesen stellte als unerlässliche militärische For-
derung weiterhin auf, dass die Gebiete sämtlicher Kriegsschauplätze vol
einem einheitlichen Kartennetz überdeckt werden, in das ebenso einheitlich
ein Schiessnetz eingefügt wird, welches ohne Ueberschneidung oder System-
wechsel lückenlos das ganze Kartenwerk überzieht. Bezüglich der Ein-
heitlichkeit des Kartennetzes bestand volle Uebereinstimmung, dass das
vermbasungen un Schulze. Kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte etc. 387
bisher schon für Generalstabskarten verwendete System der Polyeder-
projektion beibehalteu werden muss.
Als dringend erwünscht wurde anerkannt, dass das einheitliche Karten-
material nicht nur das Gebiet des Deutschen Reiches überspannt, sondern
auch die Gebiete der Nachbarstaaten, mindestens der verbündeten und be-
freundeten Reiche umfasst.
Die Forderungen der Tagesordnung:
1. Referenzellipsoid nach Bessel,
2. Geographische Koordinaten nach den Werten der Potsdamer Stern-
warte,
3. Festsetzung eines einheitlichen N.N. nach dem Festpunkt der
Preussischen Landesaufnahme bei Berlin im Einvernehmen mit Oester-
reich und die Versicherung des Landeshorizontes durch Schaffung
von N.H.-Punkten in den Bundesstaatsgebieten mit eigener Höhen-
messung,
4. Rechnung der Triangulationsergebnisse in rechtwinkligen Koordi-
naten nach Gauss bezogen auf Meridianstreifen nach Krügerscher
Methode
wurden einstimmig gebilligt, jedoch von Vertretern einzelner Bundesstaaten
die Annahme von der Zustimmung ihrer Regierung abhängig gemacht.
Die Vertreter der Wissenschaft konnten über die Annahme des Bessel-
schen Referenzellipsoids auch für die Schutzgebiete nicht einig werden:
militärische Rücksichten zwingen jedoch dazu. Die Vertreter des Reichs-
marineamts und der Kolonialverwaltung erheben dagegen kein Bedenken.
Die Forderungen: Zählung der Meridiane nach Ferro und Beibe-
haltung des Quadranten zu 90°, jedoch mit zentisemaler Unterteilung des
Grades, riefen lebhaftesten Meinungsaustausch hervor, welcher jedoch zu
keinem Ergebnis führte, so dass diese Fragen aus der Debatte zurück-
gezogen werden mussten.
Im Folgenden sei über einige besonders interessante Fragen, die zur
Verhandlung kamen, näheres berichtet:
1. Luftlichtbild-Messverfahren.
Der Kriegsvermessungschef wies auf die gewaltige Bedeutung dieses
Verfahrens hin, auf ihre Unersetzbarkeit für Feststellung von Punkten
und Gewinnung von Karten und Plänen der Gebiete hinter den feindlichen
Linien, und erwähnte insbesondere die Möglichkeit, einzelne Zielpunkte
im Bereiche der mittleren Artillerie auf etwa 10 m genau zu bestimmen,
was für das Planschiessen als genügend zu erachten sei. Die Vertreter
der Luftlichtbildmessung, Oberleutnant Cranz uud Prof. Hugershoff,
388 Schulze. Kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte etc. Vermessungswesen
machten nähere Angaben über die Art der neuesten Messverfahren, deren
Gesamtleistung und ihre Genauigkeitsgrenzen, über letztere durch Grenz-
zahlen. Es wurde festgestellt, dass bei keinem der Anwesenden darüber
ein Zweifel besteht, von welch unersetzlicher Leistungsfähigkeit das Luft-
lichtbildmessverfahren für die graphische Bearbeitung der Gebiete hinter
der feindlichen Front oder an solchen Stellen sind, wo wegen feindlichen
Feuers und dergleichen unmittelbare topographische Aufnahmen im Ge-
lände mit geodätischen Instrumenten und Messtisch untunlich werden oder
die Zeit fehlt, um mit Instrument und Krokiermappe alle Punkte abzu-
gehen. Ferner waren sich alle Anwesenden darüber 'klar, dass durch Er-
gebnisse dieses Verfahrens nicht nur Millionen an Kostenaufwand für
Munition gespart, sondern auch die blutigen Verluste von Kämpfern um
Tausende varringert würden.
Inwieweit das Verfahren ausserhalb der von den feindlichen Waffen
beherrschten Gebiete mit Vorteil verwendbar ist, hängt einerseits von der
im Verfahren ruhenden Arbeits-Genauigkeit, andererseits vonden Genauigkeits-
forderungen ab, welche für die einzelne Aufgabe und den gewählten Mass-
stab gestellt werden. Voraussetzung für zweckmässige Verwendbarkeit ist
die sichere geodätische Grundlage, eine zuverlässige Triangulation. Je
dichter das geodätische Netz ist, desto genauer werden die photogram-
metrischen Ergebnisse, ebenso wie dies bei unmittelbarer Topographie der
Fall ist, und je weiter die Messung sich von diesen Ausgangswerten ent-
fernt, desto unsicherer wird das Kartenbild, desto mehr zerflattert der
‘ Zusammenhang der einzelnen Messungen.
Die vom Vertreter der Luftlichtbildmessung beanspruchten Genauigkeits-
werte und die von den Kriegsvermessungsabteilungen vorgenommenen Unter-
suchungen ergaben, dass eine nur annähernd entsprechende Darstellung
des Geländes bisher noch nicht gelungen ist, dass die Grundrissmessungen
nach Luftbildmessverfahren in ihrer Genauigkeit erheblich zurückstehen
gegenüber den geprüften Ergebnissen bei unmittelbarer Aufnahme durch
Topographen, dass der für die Luftlichtbildgewinnung und ihre photo-
grammetrische Auswertung nötige Zeit- und Personalaufwand wohl etwa
dem für unmittelbare Topographie entspricht, dass jedoch das sogenannte
photogrammetrische Bild nicht allen Anforderungen genügt, denen die Topo-
graphie entsprechen muss, dass vielmehr zur Ergänzung noch eine fast
lückenlose Begehung notwendig ist zur Darstellung von Einzelheiten der
Oberflächen-Gestaltung, Füllung von Lücken, Bewertung der Wege und
Bodenfeuchtigkeit, der Bodenbedeckung, zur Ausstattung mit Namen und
Erläuterungen über militärisch wichtige Einzelheiten. Wird für die Auf-
nahmen ein grosser Massstab, welcher erlaubt und gebietet alle Gegen-
stände flächentreu darzustellen und alle Formwechsel der Bodenfläche,
auch die unscheinbarsten, nach Grundriss und Höhe zu veranschaulichen,
Zeitschrift für_ Schulze. Kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte etc. 389
VERIODELBRWEREN
gewählt, so genügt das Luftlichtbild und das darauf gegründete Mess-
verfahren nach keiner Richtung. Die Vermessungsbehörden verlangen
neuerdings fast übereinstimmend zahlenmässige Behandlung, während das
Luftlichtbildverfahren, welches zur Grundlage nur Werte kennt, die mit
Winkel- oder Längenmassstab auf dem Negativ abgelesen sind, nur den
Wert eines graphischen Verfahrens beanspruchen kann.
Gegen diese Feststellungen wurde von keiner Seite Widerspruch er-
hoben.
Nach den bisher bestehenden reichsgesetzlichen Bestimmungen kann
den Bundesstaaten nicht vorgeschrieben werden, welche Messverfahren sie
für ihre Grundstücksmessung und ihre Höhenschichtenaufnahmen anwenden
sollen. Die Umfrage ergab, dass das Lichtbildmessverfahren für Grund-
stücksmessung und Triangulation restlos abgelehnt wird, und dass die
topographischen Behörden sie niemals und nirgends als Ersatz verwenden
können für die unmittelbare Topographie, dass sie aber für gewisse Auf-
gaben und unter gewissen Voraussetzungen zur Füllung von Netzmaschen.
mit Erfolg als Behelfsmittel benützt werden kann (Hochwasserschäden bei
Gebirgsflüssen, ebene nicht kultivierte und nicht bewäachsene Gebiete. und
dergl.). Die Kolonialverwaltung und das Reichsmarineamt standen der
Sache abwartend gegenüber, weil in den steinigen Gebieten gerade die
wichtigsten Objekte wie Pfadspuren, Eingeborenen-Hütten usw. auf dem
Negativ nicht erkennbar sind. |
Zur behelfsmässigen Aufnahme im besetzten Gebiete, weiche bald
wieder geräumt werden muss, ist das Luftlichtbildverfahren das einzige,
welches ein grösseres Gebiet vollständig erfassen kann, und so beanspruchte
der Kriegsvermessungschef dessen Zweckmässigkeit für die Arbeiten im
Osten.
Für die Friedensaufgaben wurde ins Auge gefasst:
Ausbildung zahlreichen Personals für photogrammetrische Aufgaben.
Die Ausbildung muss umfassen: allgemeine kartographische und topo-
graphische Kenntnisse, zeichnerische und rechnerische Bildauswertung,
Arbeiten im Gelände zu verantwortlicher Darstellung von Grundriss und
Bodenform, Verwendung im Truppendienst bei besonderen taktischen
Uebungen oder anlässlich der regelmässigen, grösseren Truppenübungen.
Es wurde anerkannt, dass die Luftlichtbildmessung im Frieden unter
Ausnützung aller Möglichkeiten gefördert .werden und daher insbesondere
bei der einzurichtenden Versuchsabteilung der Obersten militärischen Ver-
messungsstelle stets Gegenstand theoretischer Forschung und praktischer
Uebung sein muss.
| 2. Teilung des Quadranten.
Die Gründe, welche zur Unterteilung des Grades statt in 60 Minuten
zu 60 Sekunden nach der Teilung im Zentisemalsystem drängen, sind
390 Schulze. Kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte etc. : eFnberuge N
einmal die bequemere Art des Rechnens, sodann der Umstand, dass die
Richtmittel der Artillerie zum Teil schon nach dem Zentisemalsystem ge-
teilt sind.
Die Vertreter der Wissenschaft und des Reichs-Marineamts stimmten
für Beibehaltung der Sexagesimalteilung, letztere insbesondere mit Rück-
sicht auf den Wert der Seemeile — 1 Minute. Die Geodäten wünschten
Zentisemalteilung, aber mit Einbezug der 100 Gradteilung des Quadranten
und wiesen darauf hin, dass letztere doch einmal kommen werde und dann
eine erneute Umarbeitung der Instrumente, Rechentafeln, Tabellen, Dia-
gramme usw. und damit eine erneute Störung der Einheitlichkeit ver-
ursachen müsse. Die Interessen des Kriegsvermessungswesens fordern
gebieterisch unbedingte Einheitlichkeit der Teilung aller zu benützenden
Instrumente samt den zugehörigen Hilfsgeräten, Tabellen und Rechen-
tafeln. Die Vertreter der geodätischen und topographischen -Anstalten
einigten sich wohl auf die Einführung der Zentisemalteilung für den Grad,
nicht aber auf die Beibehaltung des Quadranten zu 90%. Eine Einigung
auch in dieser Beziehung ist jedoch nötig, weil die Instrumente und Ge-
räte der geodätischen und Landesvermessungsbehörden der Hoch- und Fach-
schulen im Kriegsfalle in den Dienst der Vermessungs-Abteilungen gestellt
werden müssen.
Die Einführung der Zentesimalteilung bedingt folgerichtiger Weise
auch eine Aenderung in der Minutenteilung der Blattränder unserer General-
stabskarten. Dieser Umstand steht wieder im Zusammenhang mit der
Meridianzählung. Während die Uebereinstimmung mit Oesterreich-Ungarn
Beibehaltung des Nullmeridians nach Ferro fordert, verlangen die Ver-
treter der geographischen und astronomischen Disziplinen und jene de
Marineamtes Umwertung nach Greenwich. Dass diese, welche sich mit
internationalen Verhältnissen beschäftigen, jedoch nur von rechnerisct
Grundlagen ausgehen, andere Wege gehen als jene Benützer, welche —
wie die Stäbe und Truppen — die Karten nur als graphische Unterlagen
benötigen und benutzen, kann geschehen, ohne dass dadurch die Zählung
der Meridiane auf den topographischen Karten festgelegt würde; es tu
auch nichts zur Sache, wenn die nautischen und Seekarten nach wie vol
nach Greenwich zählen.
Demgegenüber muss die Militär-Kartographie unbedingt festhalten an
der bestehenden Kartenblattteilung nach Ferro für ganz Mitteleuropa und
zwar nicht allein aus nationalen Gründen. Die unabänderliche Festhaltung
dieses Rahmens (für Messtischblätter, Karte des Deutschen Reiches und
Karten kleinerer Massstäbe) erfordert die Schlagfertigkeit des Heeres, da
jede Abänderung zeit- oder stückweise grobe Störungen, Zerreissungen,
klaffende Lücken im Zusammenhang des gesamten Kartenmaterials ver-
ursachen müsste. Die bestehenden Blattrahmen müssen und können un-
Zeitschrift für Schulze. Kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte etc. 391
le rn
abänderlich bleiben, auch wenn sich die geographischen Werte der mass-
gebenden Potsdamer Sternwarte, welche seiner Zeit bei Einführung des
Blattrahmens als Ausgangswerte dienten, als fehlerhaft erweisen oder sich
im Laufe der Jahrzehnte ändern sollten, auch wenn die Einführung der
Zentisemalteilung und des 100°-Quadranten erfolgt und selbst wenn die
Zählung von Ferro gegen jene von Greenwich geändert werden müsste.
Mit folgendem Vorschlage erklärten sich schliesslich alle Teilnehmer
einverstanden:
Es ist gleichgültig, welche geographischen Werte den Blattecken zu-
kommen;
die bisherigen Blattrahmen bleiben ungeändert bestehen;
die Grad- und Minutenteilung wird unabhängig davon vorgenommen
nach den von der Sternwarte Potsdam neuermittelten Werten.
Ausser den Werten nach Ferro würden auf den Blatträndern auch
die Grad- und Minutenwerte nach Greenwich eingetragen.
Wegen des innigen Zusammenhanges muss auch die Blatteinteilung
der neuen Aufnahmeblätter 1:5000 dem bestehenden Blattrahmen an-
gepasst werden; sie soll so getroffen werden, dass die Blattgrösse un-
gefähr der Messtischblattgrösse entspricht.
Eine harmonische Weiterteilung der Aufnahmeblätter 1:5000 nach
geographischen Koordinaten würde endlich ein artilleristisches Schiessnetz
ergeben, welches gegenüber den heute bei den Vermessungsabteilungen
üblichen Quadratsystemen den grossen Vorteil hätte, dass es — so wie
die Blattrahmen der Generalstabskarten aller Massstäbe — widerspruchs-
jos und ohne Ueberschneidung und Verschiebung ein einheitliches Netz
über alle Kampfgebiete von Mitteleuropa darstellen würde. Verloren gehen
allerdings jene Vorteile, welche die Teilung in Quadrate in sich trägt:
denn die Maschen des geographischen Schiessnetzes sind Trapeze, welche
allerdings vom Rechteck so wenig abweichen, dass sie für graphische
Zwecke als solche betrachtet werden dürfen. Ein Nachteil liegt aber
sicherlich, insbesondere für die Herstellung der Batterie- usw. Pläne darin,
dass die Grössen der Rechtecke mit den geographischen Breiten wechseln.
Ein Ersatz der Zelluloidquadrate mit Kleinquadratnetz könnte unbedenklich
durch Winkelhaken erfolgen, wie sie in Oesterreich und stellenweise auch
im Deutschen Heere gebraucht werden. Die Benennung der einzelnen
Rechtecke statt nach fortlaufenden Zahlen nach den geographischen Werten
würde ebenso einfach, aber weniger unliebsamen Verwechselungen unter-
worfen sein.
3. Topographische Grundkarte 1:5000.
Für Beschaffung von Grundmaterial grösseren Massstabes wie bisher
„ wurde der Massstab 1: 5000 vorgeschlagen. Hiergegen erhob sich kein
392 Schulze. Kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte etc. _ Zeitschrift für
VORDSRFTDESWSRER
Widerspruch, auch nicht dagegen, dass die Bundesstaaten mit eigener
Behörde für topographische Aufnahmen in den von der Obersten Heeres-
leitung bezeichneten Gebieten ihres Staatsbezirkes diese Arbeiten über-
nehmen sollen. Die endgültige Zustimmung einzelner Vertreter wurde
jedoch von der Stellungnahme ihrer Regierung abhängig gemacht. Ein-
stimmig wurde anerkannt, dass aus wissenschaftlichen und volkswirtschaft-
lichen Gründen die Annahme dieses Massstabes für das gesamte Reichs-
gebiet erwünscht sei. Jedoch mussten die Vertreter von Preussen und
Hessen, teilweise auch Baden, dahingestellt sein lassen, inwieweit ihre
Regierungen diesem Bedürfnis nachkommen werden.
Zur Beratung kamen Richtlinien für die Ausführungen solcher mili-
tärisch topographischer Aufnahmen 1 : 5000, welche vom Büro der Obersten
militärischen Vermessungsstelle unverbindlich aufgestellt worden waren.
Es wurden hiergegen keinerlei grundsätzliche Einwendungen erhoben.
Entwürfe über die kartographische Bearbeitung wurden den Teilnehmern
eingehändigt mit dem Ersuchen, baldmöglichst schriftlich dazu Stellung
zu nehmen, um darauf einen Entwurf zu gründen, welcher der Obersten
Heeresleitung zur Genehmigung unterbreitet werden könne. Dafür, dass
zu diesen Arbeiten die Regierungen der Bundesstaaten ihr gesamtes Ma-
terial an Stadtplänen, Katasterblättern, Flurplänen usw. zur Verfügung
zu stellen haben, herrschte volle Uebereinstimmung und Bereitwilligkeit.
In den Richtlinien werden die Endergebnisse umrissen; sie greifen aber
nicht in das Recht der Bundesstaaten ein, die Art der zu verwendenden
Instrumente und Messverfahren selbst zu bestimmen; die Regierungen ver-
pflichten sich aber, im Mobilmachungsfalle ihre Instrumente usw. und die
zugehörigen Tabellen, Diagramme u. dergl. zur Verfügung zu stellen. Die
Vertreter stimmen auch zu, dass die Offiziere usw. des Büros unter
Wahrung der Sonderrechte der Bundesstaaten die geodätischen und topo-
graphischen Arbeiten und die Tätigkeit im Gelände in Augenschein nehmen.
Bei Besprechung über Geheimhaltung des Planmaterials ergaben sich
naturgemäss Widersprüche zwischen den militärischen Interessen und dem
Verlangen, das Material für die Volkswirtschaft dienstbar zu machen.
Ueber Herbeiführung vollständiger Einheitlichkeit der Kartenzeichen
usw. für Steuer-, Flurpläne und dergleichen, ferner für
topographische Aufnahmen 1: 5000,
Messtischblätter 1: 25000,
neue Deutsche Karte 1: 50000
wurden Erhebungen eingeleitet.
Aus der Mitte wurden noch folgende Anträge gestellt:
dass ein preussischer N.N. Punkt an anderer, weniger von lokalen
Bewegungen der Erdrinde beeinflusster Stelle angelegt,
Zeitschrift für_ Schulze. Kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte etc. 393
N regal
dass eine einheitliche Regelung der Pegel-Verhältnisse im Einvernehmen
mit dem Reichsmarineamt herbeigeführt werde, und
dass bei den topographischen Aufnahmen auch magnetische Erd-
beobachtungen ausgeführt werden. |
_ Diese Fragen wurden vom Büro der Obersten militärischen Veımes-
sungsstelle weiterbehandelt.
Im Verlaufe der Sitzung teilte das Büro seine Absicht mit, eine
Aenderung des Reichsgesetzes über Urheberschutz und eine reichsgesetz-
liche Regelung über die Versicherung geodätischer Punkte anzubahnen
und erbat baldigste Mitteilungen der Bundesstaaten zu diesen Vorlagen.
Den Vertretern wurde besonders dringend die Mitwirkung für nachstehende
Aufgaben ans Herz gelegt:
Kartenlesen und Geographie in den Volks- und Mittelschulen,
Topographie an den Fach- und Hochschulen,
einheitliche Beamtenausbildung für das Vermessungswesen in allen
Bundesstaaten und Vereinheitlichung der Amtstitel,
Werbung der heimischen Wissenschaft und Technik zur Beibringung
neuer Forschungs- und Konstruktionsergebnisse, wissenschaltlichen, geo-
dätischen und kartographischen Materials des Auslandes, sowie zur Zu-
| weisung von Zeichen- und Druckarbeiten der staatlichen usw. Stellen an
die reichlich mit Maschinen versehenen topographischen und kartographi-
schen Abteilungen des Heeres. |
Das Büro der Obersten militärischen Vermessungsstelle sagte seiner-
seits bestmöglichste Unterstützung der Anregungen zu, welche eine ge-
bührende Berücksichtigung der Vorbildung und beruflichen Stellung der
Staats-- und Kommunalbeamten für Vermessungswesen sowohl bei der
Friedensausbildung wie bei der Verwendung im Kriege erstreben.
Aus dem Vorstehenden erhellt wohl zur Genüge, dass man der
Obersten militärischen Vermessungsstelle nicht vorwerfen kann, sie habe
nichts getan und nichts erreicht. Es muss dies betont werden, da leider
ähnliche Vorwürfe gemacht worden sind. Das wichtigste Ergebnis der
ersten Gesamtsitznng ist zweifellos darin zu sehen, dass die Mitglieder
sich bereit erklärt haben, einmal im Jahre einen Bericht über die von
ihnen ausgeführten und geplanten Vermessungsarbeiten an das Büro der
Obersten - militärischen Vermessungsstelle einzureichen. Es ist dies die
einzige Möglichkeit, um Doppelarbeit zu vermeiden.
Nach der Sitzung beschäftigte sich das Büro mit der Sichtung der
Ergebnisse derselben und der Zusammenstellung des „Ausführlichen De-
richts über die Verhandlungen der Obersten militärischen Vermessungs-
stelle während der ersten Gesamtsitzung vom 25. Februar bis 1. März 1918“,
Zeitschrift fir Vermessungswesen 1919. Heft 10. 26
394 Schulze. Kurze Darstellung der Entsteliungsgeschichte etc. Zeitschrift für
er
einer Druckschrift von 144 Seiten. Ferner machte sich das Büro an die
Ausführung der von ihn in der Sitzung zugesagten Arbeiten.
Im Mai 1918 wurde vom Preussischen Kriegsministerium eine Stärke-
nachweisung für das Büro für die Kriegszeit genehmigt. Danach setzte
sich das Büro zusammen aus:
deın Vorstand (Brigade- oder Regiments-Kommandeur),
4 Stabsotfizieren, Hauptleuten oder Leutnants als Hilisotffiziere.
1 Trigonometer, 2 Topographen und dem nötigen Büropersonal.
Die 4 Hilfsoffiziere sollten den 4 Kontingenten (Preussen, Bayern.
Sachsen, Württemberg) entnommen werden und zur Verbindung mit ihrem
Bundesstaat dienen.
Ende Dezember 1918 wurde das Büro vom Preussischen Kriegs-
‚ministerium wieder aufgelöst, während das Weiterbestehen der Obersten
militärischen Vermessungsstelle als solche ausdrücklich verfügt wurde.
Die Geschäfte des Büros werden von einem zur Treussischen I,andes-
aufnahme kommandierten Offizier weitergeführt. Zu bemerken ist noch,
dass an Stelle von Generalleutnant von Bertrab im Oktober 1918 General-
major Weidner an die Spitze der Preussischen Landesaufnahme trat
und damit auch Vorsitzender der Obersten militärischen Vermessungsstelle
wurde.
Zum Schluss sei noch ein kurzer Ausblick gestattet. Es unterliezt
keinem Zweifel, dass jetzt mehr denn je von den verschiedensten Seiten
eine Vereinheitlichung des zesamten Vermessungswesens im Deutschen
Reiche angestrebt wird, ein Ziel, das selbstverständlich nur mit Freu !en
zu begrüssen ist. Die mannigfaltigsten Vorschläge sind gemacht worden.
Nach Ansicht des Verfassers dürfte der einfachste und gangbarste Wex
zur Klärung dieser Frage der sein. cine Sitzung der Mitglieder der
Obersten militärischen Vermessungsstelle einzuberuien und ihr die Frare
zu unterbreiten. Die Gefahr, dass in einer solchen Sitzung einseitig nur
die militärischen Interessen wahrgenommen werden, ist ausgeschlos-en, da
sich die Oberste militärische Vermessungsstelle aus 32 Zivil- und nur 8
Militär-Mitzliedern zusammensetzt.
Es wird nach obigen Ausführungen doch wohl allgemein anerkannt
werden müssen. dass durch die löinrichtune der Obersten militärischen
Vermessungsstelle zum mindesten eine Grundlage für die Vereinheitlichumz
des gesamten Vermessungswesens Im Reiche seschaffen worden ist. Auf
dieser Grundlaze nieht weiterzub:auen. würde fehlerhaft sein.
Zeitschrift für Strintz. Zur Umgestaltung des Vereinswesens. 395
WORD ep Ina weRen
Zur Umgestaltung des Vereinswesens.
In der am 22. Juni d. J. in Halle beschlossenen Satzung des neuen
Deutsehen Vereins für Vermessungswesen (D.V.V.) heisst es im $ 44:
„Der Vertreterversammlung bleibt die Aufstellung einer einheitlichen Satzung
und Geschäftsordnung für die Gauvereine vorbehalten.“ Es ist natürlich
wünschenswert. dass der Vertreterversammlung zu diesem Zwecke ein
Entwurf vorgelegt wird. Ausserdem ist wohl in manchem der bereits ge-
bildeten Gauvereine und besonders anch bei den bestehenden älteren Ver-
einender Wunsch vorhanden. jetztschon Klarheit darüberzu gewinnen, in welcher
Weise sie ihre Satzung ändern müssen, um sie der des D.V.V. anzupassen.
Aus diesen Gründen hat der auf der Versammlung in Halle für die.nötigen
Verhandlungen mit den bestehenden Vereinigungen zwecks Ueberleitung in
den Grossverein gewählte Arbeitsausschuss den Unterzeichneten beauftragt,
bestimmte Richtlinien, die sich aus der Satzung des D.\.V. ergeben, zu-
sammenzustellen, welche für die. Umbildung der bestehenden Vereine zu
ihrer Ueberführung in, den Grossverein und für die Neugestaltung ihrer
Satzung massgebend sein müssen.
Es erscheint zweckmässig, dabei auch die Fachvereine und die Landes-
vereine in den Kreis der Betrachtungen zu ziehen. Es wird sich ja binnen
kurzem die Frage erheben, ob der Landesverband Preussischer Landes-
vereine (l..P.L.) als neuer Landesverein des D.V.V. sich umbilden oder
sich ganz auflösen soll. Bekanntlich sieht die neue Satzung des D.V.V.
L.andesvereine nur -als „möglich“ vor. Der Einheits- und Reichsgedanke
ist vorangestellt worden. Sobald eine einheitliche Ausbildung des Land-
messers verbunden mit der Freizügigkeit in allen Bundesstaaten wie bei den
Regierungsbaumeistern erreicht ist, werden ja Landesvereine unnötig sein.
Bis dahin werden wir sie aber wohl behalten müssen,
Wenn man dies anerkennt, wäre vielleicht eine klarere Gliederung
des D.V.V. in Landesvereine, die sich ihrerseits wieder in Gauvereine und
Ortsgruppen gliedern, zweckmässiger gewesen. Nachdem aber die Ver-
sammlung in Halle die vorliegenden Beschlüsse gefasst hat, muss an dieser
Satzungsgrundlage festgehalten werden. Sie bietet jedenfalls die Möglich-
keit der Bildung und Einordnung von Landesvereinen in den Rahmen der
neuen Organisation.
A. Gauvereine.
Die Bestimmungen für die Gauvereine befinden sich in den SS 33—41
der Satzung des D.V.V. Sie behandeln zunächst ihre örtliche Abgrenzung,
die sich der politischen I,andeseinteilung möglichst anpassen soll. Daraus
geht schon liervor, dass die politischen Grenzen nicht massgebend sein
396 Strintz. Zur Umgestaltung des Vereinswesens. Zeitschrift für
abe
sollen; das wäre auch bei der in Deutschland leider immer noch herrschenden
Kleinstaaterei, von der uns erst eine zweite Revolution, so wenig diese
sonst zu wünschen sein mag, befieien zu können scheint, sehr vom Uebel.
Am wenigsten sollten politische Grenzen masszgebend sein bei Gliedstaaten,
die keine eigenen Vorschriften für die I.andmesserausbildung besitzen und
ihre Vermessungsbeamten von einem benachbarten oder sie umschliessenden
grösseren Bundesstaat ausbilden lassen, wenn sie sich nicht, wie es zu-
weilen noch vorkommt, mit Vermessungstechnikern, die eine lediglich
praktische Ausbildung besitzen, behelfen. Inı übrigen ist bei den politi-
schen Grenzen an die Provinzgrenzen gedacht; dass Württemberger und
Bayern oder Preussen und Sachsen in einem (Gauverein gemeinsam sich
zusammenfinden sollten, erscheint ja wohl ausgeschlossen. Aber auch die
Absrenzung der Gauvereine nach Provinzgrenzen wird sich nicht überall
durchführen lassen, erscheint auch nicht gerade notwendig, wie z. B. an
der Provinzgrenze Rheinland— Westfalen im dortigen Industriebezirk. Der
& 33 stellt daher als allgemeine Regel auf, dass in solchem Falle die
Mitgliederzahl von Gauvereinen, die nicht nach Provinzen abgegrenzt sind,
mindestens 100 betragen müsse. Im übrigen bedarf die Abgrenzung der
Zustimmung des geschäftsführenden Ausschusses (G.A.) des D.V.V. Die
Gauvereine werden also gut tun, ihr Gebiet einmal auf der Karte abzu-
grenzen, ihre Nachbarn festzustellen und da, wo sich Zweifel erheben, mit
diesen gemeinsam die Grenze festzulegen. Bei mangelnder Einigung wird
der G.A. entscheiden. Jeder Gauverein teilt seine Abgrenzung im übrigen
dem G.A. an Hand einer Kartenskizze mit. Bei J.euten, die im Grenz-
feststellen so bewandert sind, wie wir Landmesser, wird eine derartize
Regelung ja nicht schwierig sein.
Die $$ 33—41 enthalten die wichtigsten Angaben über die Organi-
sation und die Geschäftsführung der Gauvereine, sowie die Regelung der
Beitrags- uud Kostenirage. Die Gliederung in Ortsgruppen ist in den
88 42 und 43 behandelt. Hieraus und aus den sonstigen allgemeinen Be-
stimmungen ergeben sich für die Satzung der Gauvereine die folgenden
Richtlinien. Es ist dabei als Beispiel der Mittelsächsische Landmesser-
verein angenommen und überall auf die 88 der Satzung des D.V.V. Bezug
genommen.
Richtlinien für Gauvereine.
Name. Gauverein Mittelsachsen des Deutschen Vereins für Ver-
messungswesen. (G.M. des D.V.V.)
Gliederung. Der G.M. gliedert sich in Ortsgruppen, deren Mit-
glieder gleichzeitig Einzelmitglieder des G.M. und des D.V.V. sind ($ 5
letzter Absatz).
Zeitschrift für Strintz. Zur Umgestaltung des Vereinswesens. 397
NOTORTUNERWERER
Zweck. Der G.M. soll den Verkehr zwischen den Ortsgruppen und
der Verwaltung des D.V.V. vermitteln nach den von dieser aufzustellenden
Richtlinien ($ 35). Er soll Träger des Vereinslebens sein, zu diesem
Zwecke die Fachgenossen aller Berufsrichtungen mindestens einmal im
Jahr in Versammlungen zusammenführen, um die fachlichen Belange auf
allen Gebieten zu erörtern, den Verkehr und Meinungsaustausch unter
den Berufsgenossen zu pflegen und die Arbeit des D.V.V. zu unter-
stützen ($& 33).
Mitgliedschaft. Die Mitgliedschaft, zu der jeder im Vereinsgebiet
sesshafte preussische Landmesser zugelassen ist ($ 4), wird bei den Orts-
gruppen angemeldet, die den Antrag an den geschäftsführenden Ausschuss
des G.M. weitergeben. Die Aufnahme erfolgt gemäss $ 5 der Satzung
des D.V.V.
In der Berufsvorbereitung befindliche Personen *) können, aufgenommen
werden. Sie erlangen keine Rechte und Pflichten, doch wird ihnen die
Zeitschrift geliefert und sie können an den Versammlungen teilnehmen ($ 8).
Rechte und Pflichten der Mitglieder regeln sich nach $ 6, Beginn
und Ende der Mitgliedschaft nach $ 7 der Satzung des D.V.V.
Beitrag und Kosten. Die Mitglieder zahlen Eintrittsgeld und Jahres-
beitrag gemäss $ 8 der Satzung des D.V.V. (10 M. und 25 M.). In der
Berufsvorbereitung befindliche Personen zahlen nur einen Jahresbeitrag
von 10 M.
Die Kosten der Geschäftsführung des G.M. werden vom D.V.V., an
den die Eintrittsgelder und Jahresbeiträge abzuführen sind, bestritten. In
Ausnahmefällen sind mit Genehmigung des D.V.V. besondere Umlagen
zulässig (S$ 38—39 und 41).**)
Mitgliederversammlung. Mindestens einmal im Jahre findet eine
Mitgliederversammlung statt und zwar abwechselnd an den Sitzen der
Ortsgruppen. Jedes Mitglied hat eine Stimme. Schriftliche Stimmüber-
tragung bis zu 10 Stimmen auf eine Person ist zulässig. Der Beschluss-
fassung der Mitgliederversammlung unterliegt die Wahl des geschäfts-
führenden Ausschusses und der Abgeordneten für die Vertreterversammlung
des D.V.V. ($ 11).
Geschäftsführender Ausschuss (G.A.). Von der. Mitgliederver-
sammlung wird gemäss $ 34 der Satzung des D.V.V. ein G.A. gewählt;
*), Es ist sehr wichtig, gerade diese Personen frühzeitig der Organisation
zuzuführen.
**) Man vergleiche die Ausführungen über die Unzweckmässigkeit des S 39
unter C. Fachvereine.
398 Strintz. Zur Umgestaltung des Vereinswesens. Zeitschrift für
Vene)
er besteht aus dem Vorsitzenden und einer Anzahl Beisitzer, die die
Vereinsgeschäfte unter sich verteilen.
Fachgruppen. Nach Bedarf können Versammlungen von Fach-
gruppen innerhalb des Gaus durch ihre Vertreter im geschäftsführenden
Ausschuss berufen werden (8 31).
Die Fachgruppe wählt einen Obmann, der die Beschlüsse dem G.A.
zur Kenntnisnahme und Weiterverfolgung übermittelt und sie ausserdem
unmittelbar an den Fachausschuss der Landesfachgruppe ($ 32) weiter-
geben kann.
Es wird vielleicht in einigen Provinzen des Ostens nicht zur Bildung
von Ortsgruppen kommen, weil die Fachgenossen zu sehr in der Provinz
verstreut sind. In diesem Falle sind die Aufgaben der Ortsgruppen vom
Gauverein selbst zu übernehmen und die Satzung sinngemäss zu ändern.
B. Landesvereine.
Ueber die Landesvereine enthält die Satzung nur wenige Bestimmungen.
In $ 3 sind sie als Gliedvereine genannt. In $ 9 heisst es, dass nach
Bedarf Landesversammlungen abgehalten werden können. Ueber ihre Be-
rufung trifft 8 19 nähere Bestimmung: Die Abgeordneten der Gauvereine
eines Gliedstaats können die Berufung durch den G.A. des D.V.V. bean-
tragen; dem Antrage muss stattgegeben werden, wenn er von der Melhr-
heit der Abgeordneten gestellt wird. In $ 20 endlich wird auf die Mög-
lichkeit der Bildung von Landesvereinen durch Zusammenschluss der
Gauvereine hingewiesen. Die Landesvereine sollen sich ihre Satzung selbst
geben, die der des D.V.V. natürlich nicht widersprechen darf. Die Be-
schlüsse der Landesvereine sollen dem D.V.V. zur weiteren Verfolgung
überwiesen werden.
Dieser letzte Punkt ist in $ 37 nochmals ausführlicher behandelt.
Nach dem ersten Satz dieses $ ist den Gau- und Landesvereinen die
selbständige Verfolgung von Anträgen bei den Staatsbehörden und
Volksvertretern nur mit schriftlich erteilter Genehmigung des G.A. oder
des Vorstandes des D.V.V. erlaubt. Der zweite Satz gestattet den Landes-
vereinen aber, Anträge an Staatsbehörden und Volksvertreter zu stellen,
die sie dem G.A. des D.V.V, unverzüglich zur Kenntnis bringen müssen.
Es wird hier also unterschieden zwischen Anträgen und selbständiger
Verfolgung dieser Anträge. Der Zweck dieser etwas verwickelten Bestim-
mungen war wohl der, die Stellung des Reichsvereins als der mass-
gebenden Berufsvertretung für das ganze Reich klarzustellen,
ohne den Landesvereinen die eigene Betätigung damit abzuschneiden. Es
Zeitschrift für Strintz. Zur Umgestaltung des Vereinswesens. 399
SEE ERED
muss eben unter allen Umständen ein einheitliches Vorgehen gewährleistet
werden. Im übrigen wird die Praxis hier schon den richtigen Weg finden.
Für die Aufbringung der Kosten, welche die Organisation der Landes-
vereine verursacht, gibt auch hier der S 38 die Grundlage: „Alle Un-
kosten, die dem D.V.V., seinen Gliedern und Fachausschüssen erwachsen,
sollen aus den Mitteln des D.V.V. bestritten werden.“ Ergänzender Weise
bestimmt $ 40, dass den l.andesvereinen, die keine Fachausschüsse haben,
alljährlich ein besonderer Betrag zu überweisen ist. Man hat damit den
ausserpreussischen lLandesvereinen besonders entgegenkommen wollen.
Natürlich kann diese Bestimmung nicht den Sinn haben, dass ein preussischer
Landesverein, weil er Fachausschüsse besitzt, deshalb keine Mittel er-
halten sollte.
Es können also Landesversammlungen berufen werden, ohne dass ein
Landesverein besteht. Für die Ausführung der Beschlüsse hat der Reichs-
verein zu sorgen. Dauernder Landesvereinsorgane bedarf es in diesem
Falle theoretisch nicht. Praktisch wird man aber wohl die Landesvereine
beibehalten wollen, schon damit eine Stelle besteht, die sich ausschliess-
lich mit den Fachangelegenheiten des einzelnen Gliedstaates befasst, so-
lange diese Angelegenheiten so verschieden voneinander sind, wie bis Jetzt.
Für die Satzung der Landesvereine lassen sich aus dem Vorhergehenden
folgende Richtlinien aufstellen. Als Beispiel sei der preussische Landes-
verein genommen.
Name. Landesverein Preussen (L.P.) des D.V.V.
Gliederung und Mitgliedschaft. Der L.P. des D.V.V. umfasst
alle dem D.V.V. angehörigen preussischen I.andmesser als Einzelmitglieder.
Die Gauvereine und Ortsgruppen des D.V.V. innerhalb Preussens sind
seine Unterglieder.
Die Anmeldung und Aufnahme neuer Mitglieder regelt sich nach der
Satzung des D.V.V. Der 1.P. kann keine Mitglieder aufnehmen, die nicht
gleichzeitig Finzelmitglieder des D.V.V. sind und den Untergliedern an-
gehören.
Zweck. Der L.P. will die gemeinsamen Angelegenheiten aller preussi-
schen Landmesser im Rahmen des D.V.V. vertreten.
Beitrag und Kosten. Eintrittsgeld und Beitrag werden gemäss der
Satzung des D.V.V. entrichtet. , Die Kosten der Geschäftsführung des L.P.
werden vom D.V.V. getragen. In Ausnahmefällen sind mit Genehmigun«
des D.V.V. besondere Umlagen zulässig. -
Organe. 1. Die Vertreterversammlung, gebildet aus den Abgeord-
neten der Gauvereine bein D.V.V. Diese wählt den
400 Strintz. Zur Umgestaltung des Vereinswesens. Zeitschrift für
Vermessungswesen
1919. _
2. Landesausschuss, in dem alle Fachrichtungen einen Vertreter haben
und dessen Vorsitzenden,
3. die Landesversammlung, die nach Bedarf vom Vorsitzenden be-
rufen wird.
4. Die Landesfachgruppen und Fachausschüsse, deren Bildung sich
nach der Satzung des D.V.V. ($ 32) vollzieht. Im übrigen geben sich
die Landesfachgruppen ihre Satzung selbst. die der des I1..P. nicht wider-
sprechen darf.
Die weiteren Bestimmungen über die Geschäftsordnung des 1..P. trifft
der Landesausschuss.
Auch kleine Landesvereine ohne Fachgruppen, sowie solche, die nur
einen Gauverein umfassen, werden hiernach und nach den Richtlinien für
Gauvereine beurteilen können, wie sie ihre Satzung gestalten müssen, um
sie mit der des D.V.V. in Einklang zu bringen.
C. Fachvereine.
Fachvereine als selbständige Gebilde im bisherigen Sinne kennt die
Satzung des D.V.V. natürlich nicht mehr. Sie werden sich in Fachgruppen
des D.V.V. umbilden müssen. Dafür werden ihnen in Zukunft aber auch
alle Fachgenossen angehören, d. h. es wird keinen der Grossorganisation
angehörigen Landmesser geben, der nicht auch einer Fachgruppe ange-
hörte. Um diese Umwandlung der Fachvereine zu erleichtern, ist den
Fachgruppen eine so grosse Bewegungsfreiheit gegeben worden, wie es
mit ihrer Einordnung in den Rahmen des Grossvereins nur eben verträg-
lich ist. Wie dies auch bisher schon beim 1L.P.L. der Fall war, müssen
sie ihre Beschlüsse dem Landesverein und dem D.V.V. mitteilen; dieser
muss sie dann weiter verfolgen. In dringenden und wichtigen Fragen ist
es innen aber unbenommen, unmittelbar mit Behörden und Volksvertretern
in Verbindung zu treten. Dazu bedarf es dann allerdings des Einver-
ständnisses des Vorsitzenden des G.A. des D.V.V. Die Geschäftsordnung
wird noch festzusetzen haben, welche Stelle die endgiltige Entscheidung
trifft, wenn der Vorsitzende des D.V.V. einmal sein Einverständnis ver-
weigern sollte und die Fachgruppe sich dabei nicht beruhigen will. Der
Fall ist übrigens umso weniger zu befürchten, als der Vorsitzende des
G.A. und ganz besonders der Geschäftsleiter des D.V.V. auch den Fach-
gruppenversammlungen beiwohnen werden und bei der Beratung derartige
Meinungsverschiedenheiten schon zur Sprache gebracht und ausgeglichen
werden können.
Auch hinsichtlich der Mittel für ihre Geschäftsführung sind die Fach-
Zeitschrift für ut
Vermessungswesen Strintz. Zur Umgestaltung des Vereinswesens. 401
gruppen besonders bedacht worden. Der grundlegende $ 38 bringt die
Sonderbeiträge, die von den Mitgliedern der jetzigen Fachvereine bisher
zu zahlen waren, in Fortfall.e Alle Unkosten sollen aus den Mitteln des
D.V.V. bestritten werden. Nach $ 40 ist den Fachvereinen alljährlich ein
bestimmter Betrag zu überweisen. Was geschehen soll, wenn diese über-
schritten wird, ist nach dem zweiten Absatz des $ 38 dem G.A. des
D.V.V. überlassen. Der Betrag ist nicht zahlenmässig festgelegt, denn
das wäre kaum möglich und brächte zudem die Gefahr mit sich, dass für
einige Fachgruppen die Mittel nicht reichen und womöglich Umlagen er-
hoben werden, während andere Vermögen ansammeln. Diese Regelung
ist deshalb besser als die in $ 39 für die Gauvereine getroffene, wo der
Betrag auf 5 M. für jedes Mitglied festgesetzt ist. Da ist es tatsächlich
möglich. dass einige Gauvereine aus Ueberschüssen Vermögen ansammeln,
während andere Zuschüsse erfordern. Es dürfte sich empfehlen, dies zu
ändern. Der $ 39 kann überhaupt gestrichen werden, da die grund-
legenden Bestimmungen des $ 38 genügen.
Die Bestimmungen über die Organisation der Fachgruppen sind in
den $$ 31 und 32 der Satzung niedergelegt und zwar werden Fach-
gruppen im Gebiet der Gauvereine und Landesfachgruppen unterschieden,
wobei die ersteren als Glieder der letzteren zu betrachten sind. Man
könnte mit der Gliederung unbedenklich bis zu den Ortsgruppen herunter-
gehen; jedoch werden nicht bei allen Fachgruppen eine genügende Zahl
von Fachgenossen auf dieser untersten Stufe der Gliederung vorhanden
sein, vielleicht nicht einmal bei den Gauvereinen. Man wird dies daher
der Praxis überlassen können.
Hiernach ergeben sich für die Satzung der Fachvereine folgende
Richtlinien.
Name. Verein Preuss. Landm. im Kommunaldienst (L.i.K.), Landes-
fachgruppe des D.V.V.
Gliederung und Mitgliedschaft. Der L.i.K. umfasst als Landes-
fachgruppe alle dem D.V.V. angehörigen Fachgenossen im Kommunaldienst
als Einzelmitglieder.
Insoweit Fachgruppen bei den Gauvereinen oder ÖOrtsgruppen. des
D.V.V. gebildet werden, sind diese als seine Unterglieder zu betrachten.
Anmeldung und Aufnahme neuer Mitglieder regelt sich nach der
Satzung des D:V.V. Der L.i.K. kann keine Mitglieder besitzen, die nicht
gleichzeitig Einzelmitglieder des D.V.V. sind und als solche dessen Unter-
gliedern, den Gauvereinen, angehören.
Zweck. Der L.i.K. will die gemeinsamen Interessen aller preussi-
402 Bericht über die 3. Sitzung des Arbeitsausschusses etc. _ Zeitschrift für
Me WEN
schen Fachgenossen im Kommunaldienst wahrnehmen und sie im Rahmen
des D.V.V. vertreten.
Beitrag. Eintrittsgeld und Mitgliedsbeitrag werden gemäss $ 8 der
Satzung des D.V.V. an diesen entrichtet. Die Kosten der Geschäfts-
führung des L.i.K. werden vom D.V.V. getragen.
Organe des L.i.K. sind:
1. Die nach $ 32 der Satzung des D.V.V. zu berufende Fachgruppen-
versammlung,
2. der von dieser gewählte Fachausschuss und
3. der Vorsitzenee oder Obmann.
Der Vorsitzende kann im Einvernehmen mit dem Fachausschuss auch
selbständig die Fachgruppenversammlung berufen. *)
Die weiteren Bestimmungen über die Geschäftsordnung im Rahmen
der Satzung des D.V.V. trifft der Fachausschuss.
Wie man sieht, trägt die vorliegende neue Satzung den verwickelten
Verhältnissen unseres Berufs mit seinen durch die verschiedenartige Aus-
bildung und Betätigung des Landmessers in den verschiedenen Staaten
und bei den verschiedenen Verwaltungen sowie im freien Erwerbsleben
verursachten Verschiedenheiten der Bedürfnisse und Bestrebungen nach jeder
Hinsicht weitgehend Rechnung. Das Ziel ist dabei die Herbeiführung
möglichst einheitlicher, den höchsten Anforderungen gerecht werdender
Ausbildung des Landmessers und seiner Stellung sowie des Vermessungs-
wesens im ganzen Reiche. Erreichen lässt, es sich nur durch festen Zu-
sammenschluss aller. Dann werden auch jene Verschiedenheiten ver-
schwinden, die jetzt noch manchmal hemmend zwischen uns treten. Dann
werden wir auch vielleicht einmal auf Landesvereine und Fachgruppen
verzichten können!
Magdeburg, im August 1919. C. Strine.
Bericht über die 3. Sitzung des Arbeitsausschusses
zur Begründung des D.V.V. am 17. 9. 19 zu Berlin.
Der Ausschuss hat am 17. 9. 19 im Restaurant „Zum Heidelberger“
in Berlin seine 3. ordentliche Sitzung abgehalten. Es waren anwesend:
*) Dieser Zusatz müsste noch in die Satzung des D.V.V. aufgenommen
werden.
Zeitschrift für N über die 3..Si i
Vormesnungswesen Bericht über die 3..Sitzung des Arbeitsausschusses etc. 403
1. Der Obmann des Ausschusses: Herr Verm.-Insp. Dengel-Hamburg,
ferner die Herren: Verm.-Dir. Strinz-Magdeburg, Oberlandmesser
Dr. Borgstätte-Dessau, Oberlandmesser Blumenberg-Hannover.
2. Ausserdem wohnten beratend bei vom Vorstand des D.G.V. und
L.P.L. die Herren: Steuerrat Lotz-Allenstein, Oberlandmesser
Drolshagen-Greifswald, Oberlandmesser Splettstösser-Berlin
und Gemeindelandmesser Dr. Klempau-Pankow-Berlin.
Herr Steuerinsp. Lex hatte sich entschuldigt und zugleich sein Amt
niedergelegt, weil er durch seine Versetzung nach Wiesbaden am Reisen
behindert ist. N
Vereinszeitschrift.
Herr Dr. Borgstätte hat die Verhandlungen mit den verschiedenen
Verlegern übernommen, ein Abschluss dieser Verhandlungen ist noch nicht
herbeigeführt, steht aber bevor. Die endgültige Beschlussfassung wird
der Hauptversammlung des D.V.V. unterliegen.
Bei den Verhandlungen über die Zeitschrift hat sich herausgestellt,
dass ihre Kosten sich auf annähernd 80000 M. belaufen werden. Die
Kosten der „Zeitschrift für Vermessungswesen“ und des „Landmessers“
betragen rund 40000 M. bei einer Auflage von 2500 bezw. 2700 und bei
einer Bogenzahl von kaum der Hälfte des vorgesehenen Umfanges der
neuen Zeitschrift. Unter Berücksichtigung der voraussichtlichen Ver-
waltungskosten und übrigen Aufwendungen wird sich die Gesamtausgabe
des D.V.V. dermassen erhöhen, dass der in Aussicht genommene Beitrag
von 25 M. voraussichtlich wesentlich wird erhöht werden müssen.
Ausschreibung der Stelle des Vereinsleiters.
Es haben sich 5 Herren gemeldet. Mit zwei in engerer Wahl be-
tindlichen Bewerbern soll noch weiter verhandelt werden.
Anmieten von Räumen für die Geschäftsstelle.
Es liegt das erbetene Gutachten des Brandenburgischen Landmesser-
vereins vor, nach dem es doch wünschenswert erscheint, die Geschäfts-
räume möglichst in die Nähe des Zentrums von Berlin zu verlegen.
Ueberleitung der bestehenden Vereine in den Grossverein.
Das Inslebentreten des D.V.V. ist nach den vorliegenden Anmeldungen
in greifbare Nähe gerückt. Voranzeige für die demnächst einzuberufende
Hauptversammlung des D.G.V. und L.P.L. wird in allernächster Zeit in
der Fachpresse erscheinen.
Für den Anschluss der bayerischen und württembergischen \ereine
bestehen die besten Aussichten, zumal da der Beibehaltung der dortigen
Landesvereine nach den Satzungen des D.V.V. nichts entgegenstcht.
Pr A aan Zeitschrift für
404 us den Zweigvereinen Vermensungswesen
Aus Veranlassung von eingegangenen Anfragen wurde beschlossen,
den Beitrag für den D.\V.V. vom 1. Oktober ab für das letzte Vierteljahr
1919 zu erheben.
Der Obmann des Arbeitsausschusses Der Schriftführer
gez. Dengel gez. Blumenberg
Verm.-Insp. in Hamburg, Oberlandmesser in Hannover,
Bleichenbrücke 17. Freytagstr. 141.
Aus den Zweigvereinen.
Sächsischer Landmesserverein.
Von sächsischen Landmessern haben im Laufe des Weltringens 1914
bis 1918 den Tod für das Vaterland im Kampfe gefunden oder sind Wunden
oder Krankheiten erlegen, soweit bis jetzt bekannt geworden ist: *)
Selbst. Landmesser *Berger, Lt. d. L., Annaberg, 1916
Amtslandmesser *Donner, Lt. d. R., Dresden, 1915
Stadtlandmesser Fleck, Vzf. d. R., Chemnitz, 1914
s *Helbig, Lt. d. R., Dresden, 1918
selbst. Landmesser Hirche, Lt. d. R., Bischofswerda, 1914
n 5 *Kirsten, Hauptm. d. R., Dresden, 1918
R 2 *U. Oertel, Lt. d. R., Aue, 1917
Bezirkslandmesser *Poeschmann, Lt. d. R., Oschatz, 1914
selbst. Landmesser *R. Rentsch, Ers.-Res., Grossröhrsdorf, 1915
Finanzlandmesser *G. Richter, Hauptm. d. R., Dresden, 1914
Baurat *Scharnhorst, Lt. d. L., Dresden, 1914
Stadtlandmesser *Schalck, Vzf. d. R., Dresden, 1917
Landmesser *Schobert, Vzf. d. R., Dresden, 1915
Amtslandmesser Stein, Lt. d. R., Dresden, 1914
Bezirkslandmesser Türschmann, Uffz. d. Ldst., Grimma, 1917
Stadtlandmesser E. Wagner, Ldstm., Dresden, 1916.
In der Heimat sind 1914—1918 gestorben:
Bezirkslandmesser *Burkhardt, Oelsnitz i. V., 1916
selbst. Landmesser *Dietze, Radeberg, 1915
Oberlandmesser *Götze, Dresden, 1914
Landmesser OÖ. W. Hempel, Dresden, 1914
Oberlandmesser *Kästner, Leipzig, 1916
*) Die Namen derer, die treue und meist langjährige Mitglieder des Sächsischen
Landmesservereins (früher Verein prakt. Geometer im Königreiche Sachsen) waren,
sind durch * gekennzeichnet.
Zeitschrift für Aus den Zweigvereinen. 405
PROBEN
selbst. Landm.i.R. Kupfer, Meissen, 1916
z . *Lochner, Freiberg, 1915
Oberlandmesser Lorenz, Löbau, 1914
5 Lungwitz, Borna, 1916
Stadtlandmesser "Michalke, Leipzig. 1915
selbst. IJandmesser A. Müller, Döbeln, 1918
Stadtlandmesser °‘Pressprich, Leipzig, 1916
Bezirkslandm.i.R. E. Raschke, Dresden, 1914
Stadtverm.-Insp.i.R. Thomas, Dresden, 1917
Oberlandmess.i.R. Voigt, Dresden, 1918
R „» v. Wolffersdorff, Dresden, 1917.
Die sächsischen Landmesser werden den T'apferen, die ihr Leben dem
. Vaterlande geopfert haben, und denen, die in der Heimat schieden, allzeit
ein treues Gedenken bewahren. R.
Landmesservereinigung Niedersachsen E. V. Hannover.
Die Landmesservereinigung Niedersachsen (Hannover) hielt am Sonn-
abend, den 6. September d. J., im kleinen Rathaussaal zu Hannover ihre
Monatsversammlung ab. Es wurde allgemein der Wunsch zum Ausdruck
gebracht, dass der Deutsche Verein für Vermessungswesen möglichst bald
ins Leben gerufen werden möchte. Nach einem Beschluss der Ver-
sammlung sollen die unserer Vereinigung noch fernstehenden Kollegen des
Bezirks durch Werbeschreiben zum Eintritt aufgefordert werden.
Auch an dieser Stelle werden alle Amtsgenossen dringend gebeten,
im Interesse unserer gemeinsamen Sache sich den Provinzialvereinen
anzuschliesssn.
Die nächste Monatsversammlung findet am 4. Oktober, nachmittags
5 Uhr, im kleinen Saal des alten Rathauses zu Hannover statt.
Müller.
Deutscher Verein für Vermessungswesen, Gauverein Thüringen.
Am 24. August d. J. hielten im Erfurter Hof zu Erfurt der Thüringer
Landmesserverein und die Bezirksvereinigung deutscher Landmesser in
Thüringen eine gemeinsame Hauptversammlung ab. Auf ihr wurde die
Vereinigung beider Vereine beschlossen in der Form, dass der seit d. J.
1876 bestehende Thüringer Landmesserverein den Namen
„Deutscher Verein für Vermessungswesen, Gauverein Thüringen ‘
406 Aus den Zweigvereinen. Zeitschrift für
/ VOrNORSUHEuWSRen
annahm und die erst vor einem halben Jahr gegründete Bezirksvereinig-
ung sich diesem korporativ anschloss.
In dem Gauverein Thüringen sind nunmehr vertreten die Kollegen
1. im preussischen Regierungsbezirk Erfurt nebst den preuss-
ischen Spezial-Kommissionen in Eisenach, Meiningen, Hild-
burghausen und Coburg,
2. im Freistaat Weimar,
3. im Freistaat Meiningen,
4. en | Freistaat Altenburg,
5. im Freistaat Gotha,
6. im Freistaat Schwarzburg-Sondershausen,
. im Freistaat Schwarzburg-Rudolstadt,
8. im Freistaat Reuss.
Die Kollegenschaft im Freistaat Coburg hat sich vorläufig zurück-
gehalten, um erst den Ausfall der Volksabstimmung abzuwarten.
Um die Belange der Kollegenschaft der einzelnen Staaten zu wahren,
mussten ausser den Berufsgruppen, die in Preussen notwendig sind, noch
Berufsgruppen für die übrigen unter 2 bis 8 aufgeführten Staaten ge-
bildet werden. Innerhalb dieser Staaten erscheinen einzelne Berufsgruppen
nicht nötig.
Den Kollegen bei den städtischen Verwaltungen und den Privatland-
messern wird der Anschluss an die betreffenden preussischen Berufs-
gruppen empfohlen.
In den geschäftsführenden Ausschuss wurden gewählt:
1. a) Kataster: Steuerinspektor Umbach, Nordhausen
b) Gereralkommission: Regierungslandmesser Feilhauer, Erfurt
c) Eisenbahn: Eisenbahn-Landmesser Siebert, Erfurt
d) Kommunal-Verwaltung: Stadtvermessungs-Direktor Witte, Erfurt
e) Privat-Landmesser:
2. Weimar: Oberlandmesser Teubert, Eisenach
3. Meiningen: Kataster-Kontrolleur Lorz, Meiningen
4. Altenburg: Bezirkslandmesser Honigmann, Eisenberg S.-A.
5. Gotha: Regierungslandmesser Schönwetter, Gotha
6. Schwarzburg-Sondershausen: |
7. Schwarzburg-Rudolstadt:
8. Reuss:
‚ Zeitschrift für Personalnachrichten. 407
v Brmeonsuneaweaen
ı ®
In den engeren Vorstand wurden gewählt: die Herren zu
1 d) als Vorsitzender 1 b) als Schriftführer
4) als zweiter Vorsitzender 2) als Kassenführer.
Als Vereinsbeitrag bis 1. I. 1920 wurden 3.— Mark festgesetzt. Von
diesem Zeitpunkt an regelt sich der Beitrag nach den neuen Satzungen
des D. V. V. Die Beiträge sind dem unter 2 aufgeführten Herrn mög-
lichst bald zuzuführen.
Nach $ 42 des D. V. V,. können Ortsgruppen sich im Einvernehmen
mit dem zuständigen Gauverein dort bilden, wo das Bedürfnis für den
unmittelbaren persönlichen Verkehr mit dem Gauverein nicht erfüllt werden
kann. Wir fordern unsere Mitglieder auf, von dieser Möglichkeit recht
viel Gebrauch zu machen.
Der Vorstand des Gauvereins T hüringen
Witte, Vorsitzender.
Personalnachrichten.
Preussen. Katasterverwaltung. In den Ruhestand versetzt sind:
Der Kat.-Insp. Geh. Reg.-Rat Meyer in Berlin, die Kat.-Kontr., Steuer-
inspektoren Thon in Hanau, Leinweber in Höchst, Kronisch in Schwetz,
L,yhme in Schleswig, Wüstenei in Bielefeld II, Orland in Schneidemühl,
Selbach in Herborn. Buth in Berlin, Itschert in Diez, Oskierski in
llohensalza, Dworek in Guben, Hayn in Iirschberg I, Grünberg in
Culm, Maetzke in Jauer, Weilandt in Essen 11. Keller in Essen IV,
Baranowski in Spremberg, Camphausen in Kreuznach, Schäfer in
Wittenberg. Schultze in Weilburg, Kahm in Dillenburg. Sauer in
Militsch. die Reg.-Landm., Steuerinspektoren Grage in Schleswig, Schütz
in Wiesbaden, Bertrams in (loblenz, Neubert in Coblenz. — Versetzt
sind: Die Kat.-Kontr. Stommel von Birnbaum nach Runkel. Steuerinsp.
Marx von Perl nach Beurig, Selbach von Bochum I nach Herborn,
Steuerinsp. Lex von Wächtersbach nach Wicsbaden als Reg.-Landm.,
Küntzel von Hermeskeil nach Schneidemühl. Steuerinsp. Schütter von
Stargard nach Düsseldorf als Reg.-l.andm., Steuerinsp. Castner von Bütow
nach Stargard i. P., Steuerinsp. Quandt von Sigmaringen nach Berlin-
Zentrum, Steuerinsp. Henn von Meisenheim nach Coblenz als Reg.-Landn.,
Steuerinsp. Rommeiss von Lissa nach Merseburg, Steuerinsp. Dörr von
Düsseldorf nach Kreuznach, Steuerinsp. Bruckisch von Wongrowitz nach
Hirschberg, Steuerinsp. Rosenberg von Karthaus nach Guben, die Reg.-
Iandm. Steuerinspektoren Hartung von Düsseldorf nach Diez, Effern
Per hrichten. zei
408 ersonalnachrichten we
von Erfurt nach Dillenburg als Kat.-Kontr. — Befördert sind: Die Kat.
Landm. Reichardt in Merseburg zum Reg.-Landm. in Erfurt, Braos
in Wiesbaden zum Kat.-Kontr. in Carden, Peiner in Potsdam zum Kat.-
Kontr. in Gersfeld, Reimke in Osnabrück zum Reg.-Landm. in Osnabrück,
Dammann in Arnsberg zum Kat.-Kontr. in Bochum I, Schachtzabej
in Wiesbaden zum Kat.-Kontr. in Meisenheim, Seibert zum Kat.-Kontr.
in Dorsten, Kat.-Landm. Schulz in Erfurt zum Kat.-Kontr. in Bütow. — |
Verstorben ist: Reg.-Landm., Steuerinsp. Wetzel in Erfurt.
Landwirtschaftliche Verwaltung. Gestorben ist: Stahb,
tegierungslandmesser, Assistent für Geodäsie an der landwirtschaftlichen
Hochschule zu Berlin. — Dem ÖOberlandmesser Merten zu Minden i.W.
wurde das Eiserne Kreuz Il. Klasse verliehen.
Eisenbahnverwaltung. Planmässig angestellt sind die Eisen-
bahnlandmesser Hampe und Schröder in Münster. Von der Reichs-
eisenbahnverwaltung übernommen ist: Eisenbahnlandmesser Körling in
Münster.
Stadtverwaltung. DerVermessungsinspektor Peters ist zumDirektor
des Vermessungsamtes und des Grundstücksamtes der Stadt Düsseldorf
ernannt worden.
Württemberg. Durch Entschliessung des Herrn Staatspräsidenten
ist der Bezirksgeometer, tit. Vermessungsinspektor Stuber in Heidenheim
seinem Ansuchen entsprechend in den bleibenden Ruhestand versetzt worden.
.Ferner ist der Bezirksgeometer Sigmund in Münsingen seinem Ansuchen
entsprechend auf die Bezirksgeometerstelle Calw versetzt worden.
Reuss ä. L. Der Vorstand des Katasteramtes Greiz, Bezirksgeometer
Vermessungskommissar Gläser ist zum Vermessungsinspektor ernannt
worden.
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: Gleichzeitige Einschaltung mehrerer Dreiecks-
punkte mit gegebenen Abständen, von Eggert. — Winkelkantgläser (Prismen)
mit Schliff für steile Sichten und mit Blenden zur Abwehr störender Neben-
'strablen, von Schellens. — Bücherschau. — Kurze Darstellumg der Entstehungs-
geschichte und bisherigen Tätigkeit der „Obersten militärischen Vermessungs-
stelle im Deutschen Reiche und in seinen Schutzgebieten“, von Schulze. —
Zur Umgestaltung des Vereinswesens, von Strintz. — Bericht über die
3. Sitzung des Arbeitsausschusses zur Begründung des D.V.V. am 17. 9. 19 zu
Berlin. — Aus den Zweigvereinen. — Personalnachrichten. |
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart.
Druck von Carl Hammer (Inh. Wilh. Herget), Kgl. Hofbuchäruckerei in Stuttgart.
XLVII. Band. ' November
„FI. Heft. 1919.
} . ofa., Le _
Zeitschrift für Vermessungswesen
- 2.5 Organ des Deutschen Geometervereins
Du Er Herausgegeben von
® Dr. O. Eggert,
Professor a. d. Techn. Hochschule in Danzig-Langfuhr
Preis des Jahrganges 10 Mark.
Im Postbezug 10 Mk. 10 Pfg. ohne Bestellgeld.
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart, Schloßstraße 14.
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen : Ueber den Korrelationsfaktor, von Meissner,
— Der Hohennersche Präzisionsdistanzmesser, von Eggert. — Berichtigung zu
„Hohenner, Der Hohenner’sche Präzisionsdistanzmesser*, von Hohenner. —
Das arithmetische Mittel kein Universalheilmittel, von Krebs, — Zur Geschichte
der Feldbereinigung, von Martell. — Die Moore Kurlands, von Wolff. —
Bericht über die 4. Sitzung des Arbeitsausschusses zur Begründung des D.V. V.
am 19, Oktober 1919 zu Magdeburg. — Vereinsnachrichten. — Aus den Zweig-
vereinen. -— Hochschulnachrichten. — Personalnachrichten.
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ZEITSCHRIFT rn VERMESSUNESWESEN
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. O. Eggert,
Professor an der Techn. Hochschule
Danzig-Langfuhr, Hermannshöfer Weg 6.
> Heft 11.
1919. November. Band XLVIII.
c
=
Der Abdruck von Original-Artikeln ohne vorher eingeholte Erlaubnis
der Schriftleitung Ist untersagt.
Ueber den Korrelationsfaktor.
Von Otto Meissner, Potsdam.
x 1. Einleitung. Während die Zufallskriterien!) Aufschluss über
das systematische Verhalten der Werte einer einzelnen Beobachtungsreihe
geben, bestimmt der Korrelationsfaktor die Beziehung zweier einander zu-
seordneter Reihen von Beobachtungswerten.
$S 2. Definition des Korrelationsfaktors. Es seien x und
y die Wertepaare der einander zugeordneten Reihen, ihre Anzahl betrage
n. Nimmt man dann, wie in der Ausgleichungsrechnung üblich, die eckigen
Klammern als Summationssymbole, so sind die Mittelwerte
(a) = ,lh m,
Bezeichnet man nun weiter zur Abkürzung die Abweichungen vom
Mittel
(2) z— m=S$, YyYm — MN
so lautet die formelmässige Darstellung des Korrelationsfaktors zwischen
x und y:
(3) k(r. y) == Is] =
Vieöllen
$S3. Die lineare Beziehung. Wie man sieht, steht der Kor-
relationsfaktor in naher Verwandtschaft mit der linearen Beziehung zwischen
den Grössen x und y, wie man sie aus der Methode der kleinsten Qua-
drate erhält. Denn ist etwa n = «&, so hat man:
5
n nz a
während für & = ßr sich
[in]
= Pam
\, Vergl. Zeitschrift für Vermessungswesen Bd.XLVII (1915). Tleft 7,S.169— 181.
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft 11. 9%
410 Meissner. T’eber den Korrelationsfaktor. ‚ Feitschrift für
\ ne)
ergeben würde. Will man von den Mittelwerten auf die Grössen x und
y selbst rekurrieren, y = a, -+ aı x oder r = b, + bı y haben, so drücken
sich die Grössen a, aı db, dı folgendermassen durch & 3 m ym aus:
(4a) Au — Ym — Am, a = «a
(5a) bu nn By. b, >= ß.
Aus den Gleichungen (3) bis (5) folgt ferner:
(6) aß= 8,
d.h.: der Korrelationsfaktor ist das geometrische Mittel der
beiden Grössen « und 8. Er hat aber noch ein Vorzeichen, und zwar
das von |$n], das, wie sofort ersichtlich, positiv ist, wenn & und n
gleichsinnig wachsen und fallen, negativ im entgegengesetzten Falle.
$4. Berechtigung der Einführung des Korrelations
faktors. Unter Berufung auf die Gleichung (6) kann man fragen, wo-
zu denn noch die Einführung des Begriffs des Korrelationsfaktors nötig
sei, und ob man sich nicht an der ebenso bequemen Berechnung der
linearen Beziehungen genügen lassen könne. Man darf in der Tat seine
Bedeutung nicht überschätzen, wie dies augenblicklich von meteorologischer
Seite manchmal geschieht. Indes gerade in der Meteorologie — aber
auch auf andern Gebieten — kommen Fälle vor, wo seine Einführung
entschieden zweckmässig ist. Besonders gut eignet er sich auch zu Ver-
gleichszwecken, da er als Quotient, als absolute (wenn auch mit Vor-
zeichen behaftete) Zahl von der zugrunde gelegten Masseinheit völlig un-
abhängig ist.
$5. DieGrenzwertedesKorrelationsfaktors. Die Grenz-
werte des Korrelationsfaktors sind + 1 und — 1, die seines absoluten
Betrages O0 und 1. Denn im Falle die lineare Beziehung 7 —= «& bezw.
y=%%-+ 0x streng erfüllt ist, wird |&£7] = «[&], [nn] = [ER
vies Inn] = |e|[ö5]| und kA = & —= +1, je nach dem Vorzeichen
von «; vergl. hierzu den Schluss von $ 3.
Bei rein zufälliger Verteilung hingegen wird |&»7] mit um so grössere!
Näherung _ 0, je grösser die Zahl n der Wertepaare (z, „) ist. Der
Grenzwert k = 0 entspricht also reiner Zufallsverteilung.
Man könnte somit geradezu den absoluten Wert | % | des Korrelations-
faktors als Mass für die Wahrscheinlichkeit der Existenz einer linearen
Abhängigkeit zwischen den Grössen x und y ansehen.
$6. Der mittlere Fehler. Nach den bekannten Formeln der
Ausgleichungsrechnung!) betragen die mittleren Fehler u(«) und u(P)
bezw. ihre Quadrate:
ı 2 GEilnm])— En)’
m le) = „5 [ge
1 SR 2
(8) =, en
n7.B. Helmert, 2. Aufl., Ss. 88—839.
„ Zeitschrift für Meissner. Ueber den Korrelationsfaktor. 41]
V BNIORTTNERWeRMN
Der Divisor ist n — 2, weil ausser der Unbekannten « bezw. 8 noch
als weitere das arithmetische Mittel x. bezw. ym zu betrachten ist.
Aus den Gleichungen (6) bis (8) ergibt sich I)
1 lem lön’
\ uk) = 13 [Een]
(9)
En ale ‚2)
S 7. Berücksichtigung des Gewichtes. Haben die einzelnen
Wertepaare (x, y) ungleiche Gewichte p, so wird bekanntlich
r 1 1
(1) Ee [p] |x?]. Ym = imj Iypl.
ferner
(3°°) k(x, y) — -— önpl
VisEpllnnp]
und schliesslich (annähernd):
g% DIESE dee 1 hR
(7°) u2(k) = a
360°
und durchläuft » alle Werte von O bis n — 1. also ® in äquidistanten
Intervallen einen Vollkreis, so ist
88 Anwendung auf periodische Reihen Ito=
|sinvw]) — Br
(10) \covw| = .
\sinvo] = |cosv w]) = |sinv wcosv wo] = 0:
diese Formeln gestatten bekanntermassen die bequeme Ausgleichung der-
artiger Wertereihen und Entwicklung in eine Fouriersche Reihe, weil nur
die quadratischen Glieder übrig bleiben. Denn aus (10) unter Hinzu-
nahme der Additionstheoreme
sin(«e PB) = sinxcosß + eosasinß
cos(« + B) = cosacosß — sin«sinß
folgen hieraus die Formeln
BR * n
sinwo+g)| = 5:
(11) sin? +!(vo +9)] = 0;
|sin*v wcos"vw| = 0: A -+ u ungerade
|
usf. Haben nun die Wertepaare x, „ der vorgelegten Reihe die gleiche
!, Unter Benutzung der Formel (8) in Helmert a.a. 0, 8.173.
2?) Schmidt, Ergebnisse der magnet. Beob. in Potsdam 1900—1910, 8. 32
Anm. hat statt n — 2 den Faktor n, was nur auf einer etwas anderen Anuf-
fassung von dem Wesen des Korrelationsfaktors beruht.
412 Meissner. Ueber den Korrelationsfaktor. „Zeitschrift für
\ a ra
1919.
Periode, ist also etwa x = n„sin(!&« tg) v = ysinva + v) sw
zeigt die Ausrechnung, dass
ey] = syulsinve + y)sinwe + Ww)|
— ER pn)
und somit
(12) k(z, y) = cos(p — ı)
wird. Wenn die Phasen der Periode von x und „ um 90° verschoben
sind, so wird k = 0, sind sie um 180° verschieden, wird k = — 1 us.
Diese Formel (12) kann von grosser Bedeutung sein, wenn es sich
um den Einfluss meteorologischer, insbesondere von Temperaturver-
hältnissen, auf Messungsreihen handelt. Denn da jedes Instrument
den Temperaturänderungen der Umgebung mit einer Phasenverzögerung
folgt, wird der Einfluss der gleichzeitig mitbeobachteten Temperatur auf
die Messungsergebnisse nach (12) stets kleiner als der wirkliche ge-
funden, unter den ungünstigsten Umständen sogar = 0, obwohl er beliebig
gross sein kann. Allerdings beobachtet man ja schon aus diesem Grunde
nicht die Aussentemperatur allein, sondern auch die der Instrumente, aber
sobald die wahre Instrumententemperatur gegen die von seinem Thermo-
meter angezeigte eine annähernd konstante Phasenverschiebung zeigt, wird
auch dann der Temperatureinfluss zu klein gefunden. Dass es sich in
der Praxis nicht wie in unserem fingierten Beispiel um Durchlaufung einer
vollen Periode handelt, kann die zu dem ausgesprochenen Ergebnisse
führenden Erwägungen nur unwesentlich beeinflussen.
Ein meteorologisches Beispiel: die Phasen von Sonnenmittagshöhe
und Temperatur sind in Norddeutschland um etwa 250 verschieden. Diese
Differenz allein genügt, um den Korrelationsfaktor von 1 auf 0,9 herab-
zudrücken, obwohl doch kein Zweifel besteht, dass für den jährlichen
Temperaturgang allein die als lineare Funktion der Sonnenhöhe anzu
sehende ungleiche Erwärmung durch die Sonne verantwortlich zu machen
ist. Beim täglichen Temperaturgang ist die Phasendifferenz sogar etwa
300, also %k höchstens 0,85; höchstens, denn da die tägliche 'Temperatur-
schwankung keine reine Sinuswelle ist, sondern zu ihrer Darstellung
mindestens noch der 1/;- und !/stägigen Welle bedarf, wird hierdurch de!
Wert des Korrelationsfaktors noch weiter herabgedrückt, da z. PB.
[sinvosin2v wo] = 0 ist.
8 9. Korrelation von Vektoren; Sverdrupsche Formel.
Sind « und v die Absolutwerte zweier Vektorpaare u und vd, g = dem
Winkel, den sie miteinander bilden, so ist nach H. U. Sverdrup!) als
Korrelationsfaktor
1) Ueber die Korrelation von Vektoren usw. Meteorol. Zeitschr. 34. 1917.
S. 288 f.
Zeitsehrift für Meissner. Ueber den Korrelatiousfaktor. 413
VOL ONUNAEW OREN
} — / lursimgl? + [uncnng?
zu [«?] [v*]
anzunehmen. Oben steht also die Summe der Quadrate der sog. skalaren
und vektoriellen Produkte. Sverdrup macht selbst darauf aufmerksam,
dass, im Gegensatz zu dem „skalaren“ Korrelationsfaktor, hier statt der
Abweichungen (dort der Skalare) vom Mittel die Grössen (hier die Vek-
toren) selbst auftreten. Er hält dies aber für keinen Mangel und meint
ausserdem, dass die Ableitung eines „mittleren Vektorpaares* gar nicht
immer ınöglich sei. Das vermag ich aber nicht recht einzusehen: man
kann doch sehr wohl als Mittelwert von n Vektoren mit den 3 Kom-
ponenten zıyı 24, 2Y92g . . . den Vektor mit den Komponenten x y z.
-_B -_M ,_®M
Ber y—yn? me
(13)
annehmen. HBichtig ist, dass etwa ein Ansatz wie
Me __
Via’) '
also genau wie bei skalaren Grössen, nicht brauchbar ist, weil er auf die
Richtung der Vektoren keine Rücksicht nimmt, und auch der Dietziussche
Ausdruck !)
un]
Voalte
unterliegt. wie Sverdrup mit Recht sagt, ähnlichen Bedenkeı:.
$S 10. Andere Formel. Jedenfalls erfüllt auch der von Sverdrup
gegebene Korrelationsfaktor nicht die Bedingung, dass man beim Ueber-
gang von Vektoren zu Skalaren %k aus f, Formel (3) aus (13) erhält, weil
eben % und v Absolutwerte und keine Abweichungen vom Mittel sind.
Man kann doch Skalare ansehen als Vektoren mit 2 stets verschwindenden
Komponenten. Ob man dabei den Winkel g nun als 0 oder beliebig sonst
annimmt, die Sverdrupsche Formel (13) geht dann über in
Be u [wo]
— Visite
eine Grösse, die, im Falle dass u und v stets das gleiche Vorzeichen
haben, erheblich von O verschiedene Werte ergibt, auch wenn der wirk-
liche skalare Korrelationsfaktor
[le — um) (e — vm)]
Vie — ua]lr = om
ist (4. und v„ als Mittelwerte gedacht). krfüllt wird dagegen die Be-
dingung, im Falle skalarer Grössen in k überzugehen, von dem durch die
ne —= 0
tolgende Formel definierten vektoriellen Korrelationsfaktor K:
I) Sıtz.-Ber. der Wiener Akad. d. Wiss. ITa. 125, 3-- 20. (1916).
+14 Meissner. Ueber den Korrelationstaktor. Zeitschrift für
Vermessungswesen
1919.
aM 2 =, BEP + Inn? + 227
2 a a u
wobei zur Abkürzung x — x = & usw. gesetzt ist. Die Formel (14) geht
in der Tat sofort in (3) über. wenn man alle Grössen 7 n‘ &£’ verschwinden
lässt. (Nur ist dort die Bezeichnungsweise etwas anders, indem dort 7
heisst, was hier 5° ist.)
Ss 1l. Prüfung der Formel. Im Falle gänzlicher Unabhängig-
keit der Vektorenpaare muss nach dem Zufallsgesetz
el =0 Imil=0 ferl=0
sein mit um 80 grösserer Annäherung, je grösser nist (mit _;- proportionaler
Vn
Das andere Extrem ist die strenge lineare Abhängigkeit des einen
Partners des Vektorenpaares vom andern. Ist diese nun überall vor-
handen, so folgt nach bekannten elementaren Sätzen der Vektorenrech-
nung aus
Annäherung nämlich),
U = qad»d
auch
mithin ebenfalls
ur n == dr, = at.
und es wird in diesem Falle tatsächlich, und nur dann, X = 1.
s 12. Der Fallg = const. Im Falle die Vektorenpaare den koı-
stanten Winkel @ miteinander bilden, nimmt der Sverdrupsche Korrelations-
faktor f stets einen Wert > O0 an, während dies bei X nicht der Fall
ist. Nehmen wir (was nur eine scheinbare Beschränkung der Allge-
meinheit ist) in diesem Falle die Vektoren als eben an, und ist etwa stets
& = An & = 4%‘, was eben besagt, dass der Winkel zwischen den Vek-
toren konstant ist, so geht X über in
.. ar U
Viar + DiA® Do]
was im Falle gegenseitizer Unabhängigkeit der Vektoren = 0 wird. (Der
. pi .. . EEE R —
Maximalwert für „= er‘. dso&-= a zu tn (AN 4-1): Var+ 1)(4? +)
bleibt stets < 1, denn
EDER EDEITF FFIR]
> AX+ 19% — 1? +2IX% +1
wie man leicht verifiziert. indenı man von der Ungleichung beiderseits
244’ abzieht, was A? — 9A +i2 = (A —ı)? > 0 ergibt. Nur im
Falle A = A‘, wo also auch v = «v und u = «v und der Winkel 9 = 0
wird, wird der Korrelationsfaktor = 1, wie es sein muss.)
Zeitschrift für Meissner. Ueber den Korrelationsfaktor. 415
a
Sverdrup meint, der Korrelationsfaktor müsse unter allen Umständen
in diesem Falle einen von 0 verschiedenen Wert behalten, da g = const.
eine doch immerhin ziemlich enge Beziehung zwischen den Vektorpaaren
darstelle. Ganz recht; aber — keine lineare; und der Korrelations-
faktor bezieht sich nur auf lineare Relationen zwischen Grössenpaaren.
Z.B. wird in dem Falle y = x? k niemals = 1, obwohl die Beziehung
bei allen Wertepaaren streng erfüllt ist. So ist im Falle
& 9 | n
1 1 — 46 | — 4178
5 25 — 42 | — 4154
83 6889 +36 | + 2710
99 9801 +52 | + 5622
zum =47 | ym = 4179 |
|] = 7880. [m] = 736624.10°, [En] = + 754560,
k = + 0.9904.
Oder für x = 3, 5, 8, 12 würde % sogar nur 0.9887 werden. Es beruht
dies auf dem bekannten Satze, dass das geometrische Mittel stets kleiner
ist als das arithmetische. — Noch geringer wird die Annäherung von k
an 1, wenn y gleich einer höheren Potenz von z (oder einer Potenzreihe
von &) wird.
Die Sverdrupsche Grösse f kann somit wohl in vielen Zwecken ein
Mass der mehr oder weniger engen Beziehungen zwischen Vektorpaaren
darstellen, ist aber keine natürliche MEERE MEINSEUNE des für Skalare
gültigen Korrelationsfaktors.
$S 13. Mehrdimensionale Vektoren. In dem von Minkowski
in den Grundlagen errichteten, von Einstein zu schwindelnder Höhe
emporgeführten Gebäude der Relativitätstheorie kommen auch Vektor-
srössen (Bi-, Trivektoren u. ä.) von mehr als 3 Dimensionen vor. Ohne
jede Schwierigkeit kann die Formel (14) auf beliebige n-dimensionale Vek-
toren verallgemeinert werden; wenn man die Komponenten statt mit &n£
mit &ı . . . &» bereichert, wird
ERBAIU
(143) Kee =
[2 ®][3 8)
vl
Auch hier wird, falls u = av ist, A* = 1, bei reiner Zufallsvertei-
lung jede [&,5‘,], also auch %* selbst, — 0.
Ss 14. Beziehung zwischen Skalaren und Vektoren; Ver-
anlassung der vorliegenden Arbeit. Inallen vorhergehenden Be-
trachtungen hat es sich entweder um Skalaren- oder um Vektoren-
416 Meissner. l’eber den Korrelationsfaktor. Zeitschrift für
ten
paare gehandelt. Die erste Veranlassung zur vorliegenden Arbeit gab mir
aber das bei einer meteorologischen Untersuchung auftretende Problen.
die Beziehung zwischen einem Skalar (der Temperatur) und einem Vektor
(der Windrichtung) zu untersuchen.
In diesem Falle gilt die Formel
(15) m VET-METHEST
a a
in der &° die Abweichungen des Skalars von seinem Mittel bedeuten, $ı 7
aber die Abweichungen der 3 Vektorkomponenten von ihrem Mittelwerte.
Dies ist leicht, wenn auch nicht ohne einen gewissen Rechenaufwand,
zu verifizieren. Falls Unabhängigkeit vorliegt, muss offenbar [&&/) = 0.
In&] = 0, |c&]) = 0 sein, und es verschwindet 7 tatsächlich.
Ist ®=ustßntyo
so wird % seinen Höchstwert 1 noch nicht annehmen, vielmehr erst im
Falle x = 8 = 7, der eine noch engere Beziehung zwischen dem Skalar
und dem Vektor darstellte In diesem Falle hat man noch zu berück-
sichtigen, dass im allgemeinen bezw. mit einer Vn umgekehrt pro-
portionalen Annäherung
| 531 = [521 = Ing] = 9
ist, was besagt, dass die Komponenten des Vektors voneinander unab-
hängig sind. Das trifft freilich nicht immer zu, insbesondere war dies
bei dem genannten meteorologischen Beispiele nicht der Fall. Will man
dann auf die Formel (15) verzichten, so ist es am besten, die einzelnen
Korrelationsfaktoren
K(SS'). K(ys‘). kics‘)
gesondert zu berechnen, wobei nun nz völlig als Skalare behandelt werden
dürfen bezw. müssen. (Letzteres habe ich bei dem erwähnten Problem
auch schliesslich als am meisten sachgemäss gefunden.)
$ 15. Folgerung. Man könnte aus der wichtigen. weil zwei
heterogene Grössen in Beziehung setzenden Formel (15) folgendes er-
schliessen: &° sehen wir nach früherem als einzige Komponente eines
Vektors an; diese ist in (15) nicht nur mit der einen Komponente $,
sondern auch mit den beiden andern 7 und z des (andern) Vektors multi-
pliziert. Man könnte. also meinen, man sollte in (14) analog verfahren.
also dem Vektor eine der Formen
(a) Eee rer dr Fr Far
1) Er tHR Histo +e@t nt Dt
(ec) (Str, +d&ö+1r-+ ML
geben. Das kann man in der Tat. Aber wieder muss man bedenken.
Zeitschrift Tür Meissner. Ueber den Korrelntionsfaktor. 417
VDE DE Wan
dass sich die Abhängigkeit nur auf die einzelnen Komponenten erstreckt,
„im allgemeinen Falle“ die Produkte [& 7], |&r‘] usw. verschwinden müssen,
so dass sich aus (a) (b) (c) immer wieder der Zähler der Formel (14)
ergibt. Da nach $ 14 auch [Sn] usw. —= 0. könute man (14) sogar in
der Form schreiben:
(16) u 1, ErerDe en.
u E+tr+2 ++ HN
aus dieser Formel lässt sich der Uebergang nun nicht nur zu (3), sondern
auch zu (15) mit formal vollkommener Strenge vollziehen.
Praktisch aber wird man statt der „eleganten“ Formel (16) die
„handlichere“ (14) benützen, besonders auch darum, weil die in (16) auf-
tretenden Produktsummen |&r] [&$&°] u.s.f. nie genau = O sind und in-
folgedessen den Wert des Korrelationsfaktors zu sehr herabdrücken (er-
höhen können sie ihn niemals).
Insbesondere muss statt (16) die Formel (14) (eventuell l4a) ver-
wandt werden, wenn es sich um gebundene Vektoren handelt, bei denen
ja die Komponenten aller Vektoren derselben Reihe in konstantem Ver-
hältnis zueinander stehen, die Bedingung |[&7] = |5z] = [n£]| = 0, unter
der die Formel (16) abgeleitet wurde, also keineswegs erfüllt ist.
8 16. Der mittlere Fehler des vektoriellen Korrelations-
faktors. Die Berechnung des mittleren Fehlers des Korrelationsfaktors
der Vektoren gestaltet sich umständlicher als bei dem für skalare Grössen.
Dort gibt Formel (9) (bezw. (9*)) eine für die praktischen Zwecke aus-
reichende Annäherung, wenn man den Nenner n— 2 durch n—” er-
setzt, wo 9 — 1 die Anzahl der Komponenten des Vektors ist. Es braucht
deshalb hier wohl nicht ausführlicher auf diesen Punkt eingegangen zu
werden.
S 17. DerKorrelationsfaktor als Wahrscheinlichkeits-
mass. Falls es sich nur um eine lineare Beziehung der Wertepaare zu-
einander handelt, kann man den Korrelationsfaktor direkt als die
Wahrscheinlichkeit für die lineare Beziehung ansehen, da er wie jene
zwischen den Grenzen O0 und 1 schwankt.
Das im $ 12 gegebene Beispiel (y = x?) zeigt jedoch, dass zwischen
den Wertepaaren c und y sehr wohl eine in allen Fällen streng erfüllte
Beziehung bestehen kann, ohne dass der Korrelationsfaktor seinen Maximal-
wert 1 erreicht, wenn eben die Beziehung nicht linear ist. Aber auch
in solchen Fällen kaun man Ak immer noch als eine Art Wahrscheinlich-
keitswert ansehen, wie jede mit der Wahrscheinlichkeit monoton wachsende
Funktion (bei der also pi stets >- 0: ausserdein f(V) —= 0 ist). Schliess-
lich sei aber nochmals auf die in $ 8 behandelte Wirkung der Phasen-
418 Meissner. Ueber den Korrelationsfaktor. Zeitschrift für
a
verschiebung hingewiesen, die gleichfalls eine, unter Umständen sogar selır
bedeutende Verkleinerung des Korrelationsfaktors bewirken kann.
$ 18. Korrelationsfaktor und Abbe-Helmertsches Kri-
terium. Zum Schlusse sei noch auf eine Beziehung zwischen dem Kor-
relationsfaktor und dem Abbe-Helmertschen Kriterium (vergl. meine
eingangs angeführte Arbeit!)) hingewiesen. Ist in einer Reihe [eE?] = 4
A
die Fehlersumme [(£, + ı — €,)?] = B, so lautetes:24A— B=0(t vs)
n —
bezw. = = LE en im Falle reiner Zufallsverteilung der Fehler.
nn —
Nun ist bei hinreichend grossen na — und für kleine ist die Anwendung
der Zufallskriterien überhaupt bedenklich —
B = |&,.18] — 2le,&,.1|+ le)?
= 24 — 2l8,8E,;1|:
im Falle des Waltens des Zufallsgesetzes ist eben die Summe der Pro-
dukte = 0, B also = 2A; wenn aber auch systematische Ursachen vor-
liegen, ist sie von O verschieden. An andrer Stelle?) habe ich gezeigt.
dass B höchstens = 4A sein kann. Die Grösse
(17) el _ = nn
kann somit zwischen den Greuzen — 1 und + 1 variieren: letztere kann
sie nicht ganz erreichen. Sie ähnelt also sehr einem Korrelationsfaktor
und ist, wie aus der Definitionsgleichung auch sofort hervorgeht, als Faktor
der Korrelation zwischen zwei unmittelbar aufeinanderfolgen-
den Gliedern einer Reihe anzusehen. Man könnte sie, um dem Kinde
einen Namen zu geben, etwa als Veränderlichkeitsfaktor bezeichnen. Ist
er = 0, so ist die Veränderlichkeit „normal“, ist sie < 0, so ist sie
stärker als zu erwarten, ist sie > 0, geringer, d.h. es besteht dann
eine Tendenz der Fehler, in gleichem Sinne und annähernd gleichem Be-
trag aufeinanderzufolgen. Ich habe diese Veränderlichkeiten / für die
60jährige Berliner Temperaturreihe berechnet. Da wird % z.B. für April
und Dezember — 0,28 bezw. — 0,20, d.h. nach einem warmen April oder
Dezember ist mit der Wahrscheinlichkeit k ein kalter zu erwarten. Um-
gekehrt ist im Juli und Oktober % merklich positiv: ersteres ist der
mathematische Ausdruck für die „Neigung“ der zu kühlen und zu heissen
Sommer. gruppenweise aufzutreten. Die Wissenschaft kann sich natür-
lich erst dann als befriedigt erklären, wenn solche „Neigung“ zahlen-
mässig festgelegt werden kann. Dies eben leistet die Grösse k, darin
besteht ihr Wert. Obwohl sie ja nichts weiter als eine Umformung des
!) Diese Zeitschr. 1917 S. 169 ff.
?2\ Astr. Nachr, 202. Bd.. Nr. 4825.
Zeitschrift für Eggert. Der Hohennersche Präzisionsdistanzmesser. 419
Venen ee w onen
Abbeschen Kriteriums ist, halte ich ihre Einführung doch für gerecht-
fertigt, weil gerade diese Kombination der Grössen A und B die ge-
schilderten Verhältnisse am klarsten hervortreten lässt, bezw. weil sie
am einfachsten gedeutet werden kann.
Der Hohennersche Präzisionsdistanzmesser.
In einer im Anfange d. J. erschienenen Schrift*) beschreibt Prof,
Hohenner einen neuen Fadendistanzmesser, mit dem eine Erhöhung der
Genauigkeit der gewöhnlichen Fadendistanzmessung mit möglichst einfachen
Mitteln erstrebt wird. Beim Reichenbachschen Distanzmesser wird in der
Regel der eine Faden auf die Mitte eines Zentimeterfeldes oder auf eine
besondere Nullmarke an der I.atte eingestellt, und die Stellung des andern
Fadens abgelesen, wobei bekanntlich der mittlere Ablesefehler erheblich
grösser ist, als der mittlere Fehler der Einstellung auf die Feldmitte.
Prof. Hohenner sucht eine Verfeinerung der Messung dadurch zu er-
reichen, dass beide Fäden gleichzeitig auf die Mitten zweier Zentimeter-
felder eingestellt werden.
Das entfernungsmessende k'ernrohr ist hierzu wie folgt eingerichtet.
Um der in gewöhnlicher Weise mit zwei Entfernungsfäden versehenen
Gesichtsfeldblende eine unveränderliche Stellung im Fernrohr geben
zu können, ist der Okularauszug in Wegfall gebracht und statt
dessen das Objektiv vermittelst eines Triebes beweglich gemacht. Ferner
ist zwischen Objektiv und Fadenkreuz eine verschiebbare Zerstreuungs-
linse, die Schaltlinse, vorgesehen, die ebenfalls durch einen Trieb in der
l.ängsrichtung des Frernrohrs verschoben werden kann, und deren Stellung
an einem ausserhalb des Fernrohrs angebrachten Massstab abgelesen
werden kann: die Ablesung möge mit a bezeichnet werden. Da die Ver-
schiebung der Schaltlinse eine geringe Aenderung der Vergrösserung des
l"ernrohrs verursacht, so lässt sich durch passende Einstellung der Schalt-
linse erreichen, dass das Bild eines durch zwei Intervallmitten der L.atte
begrenzten Abschnittes genau gleich dem Fadenabstand wird. Der Mes-
sungsvorgang ist demnach der folgende. Nachdem das Fernrohr auf die
Latte gerichtet ist, wird zunächst durch Verschieben des Objektivs die
Bildebene auf die Fadenebene eingestellt. Durch Verschieben der Schalt-
linse sowie geringe Kippbewegung des Fernrohrs wird dann das Bild ein
wenig vergrössert oder verkleinert und aut- oder abwärts verschoben. bis
*) Der Hohennersche Präzisionsdistanzmesser und seine Verbindung mit
einem Theodolit (D.R.P. Nr. 277000) von Dr.-Ing. H. Hohenner, o. Professor
an der Grossherzogl. Technischen Hochschule in Darmstadt. Mit 7 Abbildungen
im Text und 1 Tafel. Verlag und Druck von B. (. Teubner, Leipzig-Berlin, 1919.
420 Eggert. Der Hohenuersche Präzisionsdistanzmesser. _ Zeitschrift für
ARTE EIm mel
die beiden Fäden genau mit den Mitten zweier Zentimeterfelder zusammen-
fallen.
Aus der optischen Zusammensetzung des Fernrohrs ergibt sich bei
wagrechter Sicht die folgende Grundgleichung für die Entfernungsmessung
F=e+(G+Ka)l "
wobei
F 7 Fk |
m (1 iz r) ce 2
Hierin bezeichnet e, den Abstand der Schaltlinse vom Fadenkreuz bei der
Zeigerablesung a = 0, während k die Intervallgrösse des zur Ablesung
.o... EF „sen ...9J
.e» oo 09009090 a am van ooaa00. 0. ee oh
@--onnonunnnnnnnnnnnnnennnenn FE OÖ3Ä------ 0000 000
von @ dienenden Massstabes darstellt. Die Bedeutung der übrigen Be-
zeichnungen geht aus der Abbildung hervor. Die Grösse e entspricht der
kleinen Konstanten des Reichenbachschen Entfernungsmessers, ist jedoch
bei dem vorliegenden Fernrohr infolge der Verschiebung des Objektivs
veränderlich. Indessen beträgt die Schwankung von c bei einem Fernrohr
von 240 mm Objektivbrennweite im Höchstfalle nur 4 mm, welche Grösse
im Hinblick auf die erreichbare Genauigkeit der Entfernungsmessung ver-
nachlässigt wird. Wählt man den Fadenabstand p so, dass wie beim
Reichenbachschen Entfernungsmesser = nahezu —= 100 wird, so lässt
sich durch Veränderung von e, die Konstante C, genau gleich 100 machen.
Ferner ist k so gewählt, dass die Konstante Ä nahezu gleich. 1 ist. Man
kann also den Multiplikationsfaktor der Gleichung (1) auch in der Form
schreiben
+ Ka = 1W-+a-f(a)
wo f(a) eine von der Ablesung a abhängige kleine Grösse ist, die aus
einem leicht anzulegenden Hilfstäfelchen entnommen werden kann.
Die vorstehende Konstruktion ist vom Mechaniker Fennel in Cassel
bei einem kleinen Repetitionstheodolit mit 21facher Fernrohrvergrösserunf
ausgeführt worden. Die Elemente des Fernrohrs sind die folgenden
F = 242 mm p = 25 mm
f = — 1000 mm k = 9,2 mm
Die Bestimmung der Konstanten erfolgt hinsichtlich c unmittelbar,
Zeitschrift fär
Eggert. Der Hohennersche Präzisionsdistanzmesser. 49]
een
während C, und Ä auf indirektem Wege unter Zuhilfenahme bekannter
Entfernungen ermittelt werden können.
Für das zur Verfügung stehende Instrument wurde auf diesem Wege
gefunden
C, = 100 + 0,051
K = 1 — 0,0064
c = 0,359 mm
Zur praktischen Prüfung der Leistungsfähigkeit des Instruments wurde
ein 1500 m langer geschlossener Polvgonzug mit 10 Punkten bei mitt-
leren Geländeverhältnissen gemessen, wobei für die Messungen nicht die
günstigsten Zeiten ausgesucht wurden. Öhne auf die Einzelheiten dieser
Messungen einzugehen, stellen wir in Tabelle 1 die zweimal (also von P;
nach Pı und von 2’, nach P;) gemessenen wagrechten Polygonseiten so-
wie ihre durch l.attenmessung gefundenen Werte zusammen.
Tabelle 1
Distanzmesser Lattenmessung
1. Messung | 2. Messung Mittel 1. ‚Messung 2. . Messung | Mittel
Eee eng Ds m ns va un = i%
130,56 m 130,49 m | 130,52m| 130,61 m 130,63 m | 130,62 m
165,87 165,91 . 165,89 165,93 . 165,94 165,94
169,38 169,31 ;, 169,34 169,35 : 169,37 | 169,36
159,57 159,49 159,53 159,50 159,53 159,52
133,16 133,16 133,10 133,14 133,12
150,16 150,11 150,14 150,14 150,16 150,15
151,98 152,10 152,04 152,17 152,19 152,18
142,00 141,98 . 141,99 141,96 141,94 141,95
98,25 98,29 98,27 98,33 98,31 98,32
154,33 154.40 154,36 154,41 154,42 154,42
Die Höhenmessung, für die die Höhenwinkel an dem Höhenkreise
von 12 cm Durchmesser und 0,01 Zentesimalgrad Nonienangabe abgelesen
wurden, ergab die in Tabelle 2 zusammengestellten Höhenunterschiede.
die durch Nivellement geprüft wurden.
Tabelle 2
Höhenunterschiede
1. Messung | 2. Messung. Mittel | Nivellement
9,177 m 2,159 m! 2,168m] 2,162 m
7,187 7,169 7,178 7,151
10,091 10,080 10,086 | 10,068
0,200 0,201 0,200 0,213
1,086 1,074 1,080 1,087
3,463 3,434 3,448 3,457
1,993 1,993 1,993 1,989
3,727 3,723 3,725 3,733
0,177 0,166 0,172 0,181
9,100 9,106 9,103 9,083
4929 Krebs. Das arithmetische Mittel kein Universalheilmittel. _ Zeitschrift für
a he
Man sieht hieraus. dass der neue Entfernungsmesser sich bei diesen
Versuchsmessungen gut bewährt hat. Es ergibt sich aus den Doppel-
messungen ein mittlerer Fehler von rund + a der l,änge. Für ein-
fachere Aufnahmen, für die eine geringere Genauigkeit genügt, kann
übrigens von der Benutzung der Schaltlinse abgesehen werden. Letztere
wird dann zweckmässig auf die Ablesung a = 0 eingestellt, womit das
Instrument in einen Reichenbachschen Entfernungsmesser mit der genauen
Konstanten 100 übergeht. Eggert.
Berichtigung zu ‚„Hohenner, Der Hohenner’sche Präzisionsdistanz-
messer‘, Verlag von B. G. Teubner (Leipzig u. Berlin) 1919.
Soeben bemerke ich (ohne irgendwelchen von anderer Seite kommenden
Anstoss), dass mir in $ 12, Ziff. 2, Seite 53 des in der Ueberschrift ge-
nannten Buches ein Versehen bei der Berechnung des mittleren Entfernungs-
fehlers aus den Differenzen der ausgeführten Doppelmessungen unterlaufen
ist, und ich ersuche, dies im Sinne des Folgenden richtig zu stellen.
Sind D; und D‘ die Ergebnisse der Hin- und Hermessungen.
d; = D‘; — D; deren Differenzen, dann besteht hier, wenn m den mitt-
leren Fehler der längeneinheit vorstellt, die Beziehung
d® = m?(D®-+ D®) — m?.2D® (statt m?(2.D)®) Formel (52).
Die Gewichte der n wahren Fehler d sind also
1 1
Pı= pop (statt en) Formel (53), und deshalb wird
E „1 [ dd
DD 1 DD |
nn = u Pe statt a erg Formel (54).
Der nach der eingeklammerten Formel (54) berechnete Zahlenwert von m
muss also noch mit Y2 multipliziert werden, um den richtigen Wert zu
erhalten, der dann weiterhin stets, z. B. in $ 13, zu verwenden ist. Dem-
zufolge wird
m = + 0,0324 cm (statt 0,0229); M=;+ 0,0458 cm (statt 0,0324); | Formel
orme
mp = + 0,000458.D x +
D 2 D |
+ 5950 (statt 0,0003235.D I gog5) | (85%
Darmstadt, 10. Juli 1919. Prof. Dr. Hohenner.
Das arithmetische Mittel kein Universalheilmittel !
Von H. Krebs, Physiker an der Städt. Gewerbeschule zu Dresden.*)
Im Sommer 1918 erhielten die Vermessungsabteilungen der Westfront
die Aufgabe, an verschiedenen Orten ihres Arbeitsgebietes die magnetische
| u; Schreiber dieser Zeilen war vom 22. III. 17 bis 28. XI. 18 bei der Marine-
Vermessungs- Abteilung als „Geräteverwalter“ tätig.
Zeitschrift tür_ Krebs. Das arithmetische Mittel kein Universalheilmittel. 493
Than
Deklination zu bestimmen und zwar nach einer Methode, die wegen der
merkwürdigen Art der Elimination der Instrumentfehler wert ist, auch an
dieser Stelle bekannt gegeben zu werden, umso mehr, als man im Kriegs-
vermessungswesen wissenschaftlichen Bestrebungen gern mit Ausdrücken
wie „Gelehrtenhochmut“* usw. begegnete.
Die vom Kriegs-Vermessungs-Chef ausgegebene Vorschrift lautete
wörtlich:
„Erstes Verfahren zur Bestimmung des Winkels zwischen örtlichem
Meridian und blauer Nadel (Missweisung).
Mit 12cm Theodolit Nr. x von Hildebrandt wird vor 11 Uhr vor-
mittags oder nach 4 Uhr nachmittags von einem trigonometrischen Boden-
punkt A aus, der nicht in der Nähe von Starkstromleitungen, Eisenmassen
usw. liegen darf, nach einem anderen B gezielt. Dabei muss der Be-
obachter eisenfrei sein. Die zur Ruhe gekommene Magnetnadel wird mit
einem kleinen eisernen Gegenstand 1—2 mal um dieselben Ausschläge
nach rechts und nach links abgelenkt, und aus sämtlichen so entstehenden
Ablesungen wird das Mittel genommen. Dies ist nötig, weil die Nadel bis-
weilen auf der Spitze klemmen kann, was grobe Fehler erzeugt. Das
Fernrohr wird durchgeschlagen und der Messvorgang wiederholt. Ablese-
genauigkeit 0,10. Endergebnis: Magnetischer Richtungswinkel (mit Ein-
schluss des dem Theodoliten Nr. x eigentümlichen Fehlers) plus dem
Azimut AB im Gitter. Das Gitter-Azimut AB wird in Minuten er-
rechnet und an dem gemessenen Winkel angebracht. Man erhält für A
den magnetischen Richtungswinkel des Theodoliten Nr. x, also noch
keinen allgemein gültigen.
Dieselbe Messung wird im I,aufe der nächsten Tage mit allen anderen
Hildebrandt-Theodoliten der Vermessungsabteilung wiederholt. Die Er-
gebnisse werden zusammengestellt und gemittelt, das Enndmittel gilt als
fehlerfreier magnetischer Richtungswinkel für den Punkt 4. Die Ab-
weichungen der einzelnen Theodolite vom Mittel sind ihre „Instrumenten-
fehler“. Sie werden mit Tag der Feststellung in die Gerätestammbücher
eingetragen.
Nun wird auf einem beliebigen Punkte jedes zweiten oder dritten
Einzelblattes mit irgend einem Hildebrandt-Theodolit die Messung
wiederholt und vom Instrumentfehler befreit. Die Ergebnisse werden durch
Anbringung der für die Beobachtungspunkte geltenden Meridiankonvergenz
in örtliche Missweisung verwandelt, in ein Uebersichtsblatt (etwa 1: 100000)
eingetragen und mit den Werten der Landesaufnahme in Vergleich gestellt.
Schliesslich wird aus diesen Aufzeichnungen für jedes Einzelblatt der
Karte 1:25000 der magnetische Richtungswinkel bestimmt, wozu eine
gewisse Ausgleichung der Missweisungen unter Umständen erforderlich
424 Krebs. Das arithmetische Mittel kein Universalheilmittel. eitschrift für
2
Vermessungswesen
1919.
ist. Die gesammelten Missweisungsergebnisse werden von Zeit zu
Zeit der Landesaufnahme unter Angabe der Geräte, mit welchen sie xe-
wonnen wurden, und der Zeit der Messungen eingereicht.“
Wer die Vorschrift, besonders das Verfahren zur Bestimmung der
Instrumentfehler ausgearbeitet hat, ist mir nicht bekannt. Vielleicht stammt
es von einem der Kunstmaler oder Innenarchitekten, die leider auch im
Kriegsvermessungswesen Verwendung fanden. Sicher war der Verfasser
kein Fachmann; denn eine solche Mittelbildung, wie sie hier zur EIi-
mination der Instrumentfehler angegeben wird, dürfte sich kaum der An-
fänger im physikalischen Praktikum leisten, und dieser weiss noch nichts
von der „Theorie der Beobachtungsfehler“ und der „Ausgleichungsrechnung
nach der Methode der kleinsten Quadrate“, jenen Rechnungen, die gerade
im Vermessungswesen die wichtigste Rolle spielen, so dass es umso mehr
zu verwundern ist, dass auf diesem Gebiete eine solche Vorschrift ent-
stehen konnte; dass man das aritlimetische Mittel zum Universalheilmittel
zur Beseitigung von Instrumentfehlern machte.
‘Und dabei wäre es so einfach gewesen, wenigstens den wesentlichsten
Teil dieses Instrumentfehlers zu bestimmen. Dieser Fehler setzt sich
nämlich zusammen aus der Abweichung des Durchmessers 00°—1800 der
Bussolenteilung von der Normalebene zur Kippachse des Fernrohres und
der Abweichung der geometrischen Achse der Nadel, an welcher die Ab-
lesung stattfindet, von der magnetischen Achse der Nadel. Die Abweichung
zwischen geometrischer und magnetischer Achse der Nadel ist im all-
gemeinen gering.!) Sie lässt sich ermitteln durch Umlegen der Nadel.
wofür aber die Bussolen der meisten geodätischen Instrumente nicht ein-
gerichtet sind. Viel wichtiger ist dagegen die Kenntnis des ersteren Fehlers.
Zur Bestimmung desselben gibt es eine Reihe Methoden,2) die aber alle
gewisse Hilfsmittel erfordern, mit denen im Felde nicht gerechnet werden
konnte. Aber diese Hilfsmittel wären auch gar nicht nötig gewesen, zu-
mal jede Vermessungsabteilung über eine Anzahl Theodolite verfügte, s0
dass man die Untersuchung leicht in der folgenden einfachen Weise vor-
nehmen konnte.
Dem zu prüfenden Instrument (A) wird ein zweites Instrument (B)
so gegenüber aufgestellt, dass die Visierebenen beider Instrumente zu-
sammenfallen. Kippt man jetzt das Fernrohr (B) so, dass man die Teilun?
der zu prüfenden Bussole im Fernrohr sieht, so wird dann kein Fehler
vorliegen, wenn Teilstriche am Fadenkreuz erscheinen, die gleichweit von
den 00 und 1800 entsprechenden Teilstrichen entfernt sind und auf der-
1) Vergl. z.B. Jordan, Physische Geographie und Meteorologi«, der Libyschen
Wüste. Cassel 1876. S. 21.
?) Vergl. z.B. Dokulil, Anleitung für die Herstellung und Justierung ge0
dätischer Instrumente, I. Teil. Nikolassee 1907. S. 210. — Jordan, ebenda S. U.
Fermessungswasen Martell. Zur Geschichte der Feldbereinigung. 495
selben Seite der Geraden 0°—-180° liegen. Andernfalls bilden Visierebene
und Nullrichtung der Bussole einen Winkel, der sich aus den Ablesungen
an der Bussolenteilung berechnen oder auch nach Lüftung der Justier:
schrauben und entsprechender Drehung der Bussele auf ihrer Bodenplatte
beseitigen lässt. Sollten infolge eines zu hohen Randes der Bussole zu-
nächst nür die rechts und links der Null liegenden Teilstriche im Fern-
rohr zu sehen sein, so dreht man das Instrument A nach der ersten Ab-
lesung um 180% und nimmt dann erst die zweite Ablesung vor.
Und endlich klingt es auch recht wenig exakt, wenn man in einer
Vermessungsvorschrift sagt: ein Winkel & ist an einem andern Winkel ß
„anzubringen“. Man kann wohl ein Schild an einem Hause anbringen. aber
einen Winkel kann man immer nur zu einem anderen Winkel addieren
oder von einem anderen Winkel subtrahieren. Gerade im Kriegsvermessungs-
wesen musste man so zweideutige Ausdrücke vermeiden. Oder sollte etwa
gar das Wort „Anbringung“ das deutsche Wort für eine dieser beiden
Rechnungsarten sein” Im Kriegsvermessungswesen hat man sich ja manche
merkwürdige Verdeutschung geleistet. Ich erinnere nur an die. Worte
„Wetterglas“ und „Linsenglas“, die als deutsche Worte für Barometer
und Lupe eingeführt wurden und hoffentlich nun wieder verschwinden samt
der „Logarithmentafel für den 6400-teiligen Kreisumfang*, für deren Ein-
führung für alle Kleinmessungen des künftigen bürgerlichen oder staat- |
lichen Lebens, also auch für die Schulen, der Kriegs- Mermesbungs- Opel
bestrebt sein wollte. ea
Dresden, 18. 2. 19.
Bu nn Um nn nn
Zur Geschichte der Feldbereinigung.
In der agrarischen Rechtsgeschichte bildet das Kapitel der Feld-
bereinigung eines der interessantesten, zu dessen ‘richtigen \er-
ständnis ein geschichtlicher Rückblick unerlässlich ist. So vetschlun-.
sen die rechtlichen Pfade der Feldbereinigung sind, so auch die:
sprachlichen, tritt uns doch hier eine Fülle von gleichbedeutenden
Worten, wie Gemeinheitsteilung, Güterverleguung, Flurbereinigung, Kom-
massation, Separation und Segregation, entgegen, ohne hiermit alle
Namen erschöpft zu haben. Die heute in fast allen Kulturstaaten
vorhandenen Gesetze über die Feldbereinigung beweisen trotz man--
cher Gegnerschaft derselben ihre Berechtigung, und wenn sich auch
unzweifelhaft‘ bei der Durchführung der ‚Feldbereinigung in einzel-
nen Fällen Härten ergeben mögen, so muss andererseits doch die mil
staatlichene!-Zwang durchgeführte Feldbereinigung als im Interesse
der Allgemeinheit liegend betrachtet werden und ist hiermit auch
ihre Rechtfertigung gegeben.
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heit 11. 28
426 Martell. Zur Geschichte der Feldbereinigung. „Zeitschrift für
Das deutsche Recht aus der frühesten Zeit sah als einzigen
Träger des Grundeigentums die Markgenossenschaften, die aus der
Gesamtheit der Dorfgenossen gebildet wurde. In jener Zeit verteilte
der von allen erwählte Vorsteher der (remeinde die verschiedenen
Feldflächen an die einzelnen Familien. Ein Rest der Feldmark blieb
ungeteilt als Gemeingut, auch Allmende genannt, der Gemeinde zur
Verfügung, die dieses Land den Dorfgenossen zur allgemeinen Be-
nutzung freiliess, meist als Weide behandelt. Nach der Ernte wurde
auch das unbebaute Land von allen Dorfgenossen als Weide benutzt,
bis die Feldbestellung aufs neue begann. Von Zeit zu Zeit nahm die
Markgenossenschaft eine neue Verteilung von Grund und Boden vor,
so dass ein ständiger Besitzwechsel eintrat. Hier haben wir einen
der heutigen Feldbereinigung sehr ähnlichen Vorgang vor uns.
Das Mittelalter beseitigte dann den von der Markgenossenschaft
geübten ständigen Besitzwechsel der Feldmark, und mehr und mehr
gelangte die Grundherrschaft mit dem festen Besitz an Grund und
Boden zur Geltung. Daneben aber hatte sich das Gemeindeland bis zu
Anfang des 19. Jahrhunderts noch im starken Umfange erhalten, bis
man auch hier in zahlreichen Fällen dazu überging, dieses Gemeinde-
land in Privateigentum umzuwandeln, wobei es oft in den einzelnen
Gemeinden zu bitteren Kämpfen kam. Aus dieser geschichtlichen
Entwicklung heraus wäre schliesslich eine Massnahme, wie die Feld-
bereinigung, noch nicht zwingend und dringend geworden, wenn hier
nicht der Faktor der Erbteilung hinzugetreten wäre. Durch die Erb-
teilung war im Läufe der Zeit in vielen Gebieten eine solche Zer-
splitterung des landwirtschaftlichen Besitzes eingetreten, dass in zahl-
reichen Fällen eine ergiebige Bewirtschaftung der Feldmarken in
Frage gestellt wurde. Besonders schwierig lagen oft die Wegeverhält-
nisse, die bei einer eigennützigen Gegnerschaft der Besitzer jeder Lö-
sung spotteten. Hier bot nun in den weitaus meisten Fällen die Feld-
bereinigung einen glücklichen Ausweg, und so entstanden in fast allen
Kulturländern entsprechende Gesetze.
In Preussen finden sich schon unter Friedrich dem (ifrossen
Ansätze, die Feldbereinigung auf staatlicher Veranlassung durchzu-
führen. Von wirklicher Bedeutung war jedoch erst die Gemeinheits-
teilungsordnung vom Jahre 1821, nach welcher alle Gemeinheiten,
wie Weide, Mast, Streurechen usw., auf Antrag einzelner oder mehre-
rer Dorfbewohner aufgehoben werden mussten. Die Entschädigung
erfolgte in Land und hatte jeder Beteiligte ein Anrecht auf einen
Weg zu seinem Besitztum. Amtlich wurde das Verfahren mit dem
Namen ‚„Separation‘“ belegt. Ursprünglich war also die Zusammen-
legung, Verlegung der Grundstücke nicht als eine selbständige Mass-
: Aigner Martell. Zur Geschichte der Feldbereinigung. 497
regel gedacht, die sich erst als eine nötwendige Folge ‘aus: der Zu:
weisung der Entschädigung in Land ergab. Zur praktischen‘ Durch-
führung wurden sogenannte Generalkommissionen gebildet, ‘die aus
Ländwirten, Juristen, Technikern und Forstmännern bestanden: - Die
Generälkommissionen verfügten über sehr weitreichende Befugnisse,
so dass sich die verschiedenartigsten Verfahren entwickeln: konnten):
Im Osten bestand die Hauptaufgabe in der Ablösung‘ der‘ Weide-
rechte, da hier der Weidebetrieb mit in dem Vordergrund ’' stand,’ im
Westen handelte es sich mehr um eine Beseitigung der durch’ viel:
fache Erbteilung entstandenen ungünstigen Gemengelage der Grund:
stücke, da hier der bäuerliche Kleinbesitz vorherrschte. Für den
Osten trat die Bedeutung der Feldbereinigung durch den vorherrschen-
den Fideigrossgrundbesitz ziemlich ‘zurück, da hier die Erbteilung der
Güter seltener praktisch ‘wurde. Durch das preussische Gesetz von
1872 ging 'man noch einen Schritt‘ weiter, gestattete auf Antrag- der
Beteiligten auch die Zusammenlegung solcher Grundstücke, welche
keine 'Gemeinheitslast zu tragen hatten, wozu jedoch stets‘ die Staat-
liche Gene hmigung erforderlich war. Dieses Gesetz’ hatte zunächst
nur ‘für die alten Provinzen Preussens Geltung, wurde dann aber
1885 auf die Rheinprovinz und Hohenzollern ausgedehnt. In“ "Han:
nover war die Gemeinheitsteilung ebenfalls durch ein Gesetz’ ‘vont
Jahre 1802 eingeleitet worden, wobei jedoch die Verkoppelüng; wie
man die Zusammenlegung der Grundstücke dort nannte,“ Auf ‘dem
freien Entschluss der. Beteiligten beruhte. Das ‘hannövörsche Ge-
setz von 1856 erweiterte dann die Feldbereinigung, bis 1883 "dh
preussische Verfahren in Hannover eingeführt wurde. In Kurhesäeit
ist man lange Zeit nitht an eine 'gesetzliche "Regelung ’ der‘ “urigük-
stigen Flurverhältnisse herangetreten, erst das (esetz von” 1887
brachte auch Kurhessen die Feldbereinigung. In Schleswig- -Holsteiti
hatte seit altersher das dort herrschende Erbrecht eine Zerstückelung
der Bauernhöfe ziemlich erschwert, so dass hier die Feldbereinigüng
nicht so dringend war. Es war nur notwendig, die vielen vorhandeneh
Einkoppelungsordnungen zu einem einzigen Gesetz zusanimehzufasschi,
was durch das Gesetz von 1876 geschah. Im‘ damaligen’ erzegttiih
Nassau hatte die Entwicklung ‘der Besitzverhältnisse der "Güter elle
fast entgegengesetzte Richtung genommen. Hier‘ Hatte das" "Erbrecht
zu einer ununterbrochenen Teilurig "der Gürtel geführt;‘'so dass der
bäuerliche Grundbesitz unter einer w eitgehenden Zerstückelung' tt.
Andererseits aber hatte man hier im 18. Jahfhündert dureh‘ Ab-
lösung der Servituten manche Besserung geschaffen. Durch das nas-
sauische Gesetz von 1829 über die Konsolidation ‘der Güter wurde
die Feldbereinigung in erfolgreicher "Weise eingeleitet und eine Nen-
428 Martell. Zur Geschichte der Feldbereinigung. für
Verraessungewesen
einteilung der Gemarken ermöglicht. Der Wegebau und die Anlage
der Feldgräben wurden nach wirtschaftlichen Grundsätzen geregelt,
zu kleine Feldmarken verbesserte man durch Zusammenlegung, wo er-
forderlich, wurden Be- und Entwässerungen geschaffen. Auch die
Anlage von Feldwegen ohne Verlegungen, nur mit guter Vermessung
der Grundstücke, war als Güterregulierung gestattet. Die Feldberei-
nigung war vorzunehmen, wenn sich wenigstens zwei Drittel der in
Betracht kommenden Grundbesitzer dafür aussprachen, sofern sie
mindestens die Hälfte der fraglichen Feldflächen zu Eigentum hatten.
Das Verfahren wurde hauptsächlich durch die Geoineter und unteren
Verwaltungsbehörden durchgeführt. So zeigt sich das nassauische
Gesetz mehr den Bedürfnissen des Kleinbesitzes angepasst, währen(d
das preussische Gesetz mehr auf den Grossgrundbesitz zugeschnitten
ist. Preussen änderte an dem nassauischen Verfahren nur wenig.
Lediglich die einfache Güterregulierung wurde beseitigt, die Aufsicht
ging auf die Landräte über und fortan genügte zur Antragstellung auf
Feldbereinigung, wenn die Grundbesitzer mehr als die Hälfte des
Steuerkapitals der beteiligten Fläche vertraten, wobei die Personen-
zahl ohne Bedeutung blieb. Welchen grossen Umfang die Feldberaei-
nigung seinerzeit nahm, ergibt sich aus der Tatsache, dass in Preussen
bis zum Jahre 1874 die Grundstücke von rund 1830000 Besitzern
mit 19 Millionen Beat Fläche der Feldbereinigung unterzogen wor-
den waren.
Im Königreich Sachsen wurde die Feldbereinigung durch das
Gesetz von 1834 eingeführt, das 1863 durch eine Verordnung erweitert
wurde. Sachsen lehnte sich stark an das preussische Verfahren an.
Auch in Sachsen sind meist unter der Führung landwirtschaftlicher
Spezialkommissare umfangreiche Feldbereinigungen durchgeführt
worden.
Auch in den anderen örd: und mitteldeutschen Staaten traten
Mitte des 19. Jahrhunderts Feldbereinigungsgesetze in Kraft. Manche
der thüringischen Staaten, wie Sachsen-Meiningen, Schwarzburg, so-
wie Schaumburg-Lippe und Anhalt, haben auf Grund von Staatsver-
trägen Preussen mit der Durchführung der Feldbereinigung betraut.
Entscheidend hierbei war hauptsächlich die Kostenfrage, da die
grossen, gut geschulten preyssischen Generalkommissionen rasche und
eine sehr erfahrene sachverständige Arbeit leisteten. In Sachsen-
Weimar fanden im grossen Umfange Ablösungen von Hütungen, Zehn-
ten und Frohnden statt; auch Meliorationen wurden viel vorgenon-
men. In Reuss und Sachsen-Altenburg war die. Feldbereinigung da-
durch erschwert worden, dass man eine zu grosse Majorität für die
Einleitung des Verfahrens festgelegt hatte. In Oldenburg erlangte
vermenangs er ‚Martell. Zur Geschichte der Feldbereinigung. 429
die Feldbereinigung insofern geringere Bedeutung, als das hier herr-.
schende Erbrecht die Teilung der Gutshöfe nur schwer zuliess. Ahn-
lich lagen die Verhältnisse in Lippe-Detmold.
In Süddeutschland zeigen die landwirtschaftlichen Besitzverhält-
nisse gegenüber Norddeutschland ziemlich starke Abweichungen, .da
hier die geschichtliche Entwicklung in den früheren Jahrhunderten
von Anfang an mehr den Kleinbesitz begünstigte und diesen zu
der bei weitem vorherrschenden Besitzform machte. Die Gemein-
heitsteilungen und Bodenentlastungen sind in Süddeutschland sehr
früh als selbständige agrarpolitische Massregeln zur Durchführung
gekommen, so dass man, obgleich oft eine erhebliche Zersplitterung
des Grundbesitzes anzutreffen ist, dennoch nicht dringend nach einer
Feldbereinigung verlangte. Als sich in Süddeutschland trotzdem Feld-
bereinigungsgesetze Bahn brachen, blieb die vollständige Zusammen-
legung von Grundstücken auch jetzt noch eine Seltenheit, iediglich
die gar zu. kleinen Parzellen wurden beseitigt. :
Im Grossherzogtum Hessen wurde die Frage der Feidbereinigung
durch ein Gesetz vom Jahre 1834 geregelt, da jedoch Einstimmigkeit
ler Interessenten für die. Durchführung .einer Feldbereinigung ver-
langt wurde, zeitigte das Gesetz nur schwache praktische Erfolge.
Etwas besser wurde es durch das Gesetz von 1871, da jetzt der
Antrag der Hälfte der Eigentümer mit der Hälfte der Fläche für die
Einleitung des Feldbereinigungsverfahrens genügte. In Baden betont
ddas in dem weiten Gebiet des Schwarzwaldes herrschende Erbrecht
eine Unteilbarkeit der Höfe, so dass die Feldbereinigung für das
Schwarzwaldgebiet ziemlich gegenstandslos war. Für das andere ba-
dische Gebiet wurde 1856 ein Feldbereinigungsgesetz geschaffen, das
1886 vereinfacht und verbessert wurde. Zusammenlegungen sind hier
weniger erfolgt, dagegen wurden Strassenverbesserungen und Ent-
und Bewässerungsanlagen im grösseren Massstabe durchgeführt.
In Württemberg entstand 1862 zunächst ein (iesetz, welches
die Anlage von Feldwegen mit Trepp- und Überfahrtsrechten_regelte.
Doch kam man mit diesem Gesetz nicht weit, so dass 1885 ein wirk-
liches Feldbereinigungsgesetz geschaffen wurde. Das Gesetz hatte
mit einer starken Gegnerschaft zu kämpfen, da man die rechtlichen
Eingriffe in den Besitzstand für zu weitgehend erachtete, anderer-
seits auch die Entwickelung eines Grossgrundbesitzes befürchtete,
den man nicht zu haben wünschte.
In Bayern ist das Bild der landwirtschaftlichen Besitzformen
überaus mannigfaltig. In einzelnen Gebieten ist die ungeteilte Ver:
erbung der Bauernhöfe üblich, in anderen Teilen Bayerns wieder
trifft man eine weitreichende Zerstückelung an. Daneben ist, wenn
430 Wolff. Die Moore Kurlands. Vermenmungs wesen
auch wenig, Grossgrundbesitz vorhanden. Das bayerische Feldberei-
nigungsgesetz vom Jahre 1886 schuf eine Zentralbehörde, welche die
Zusammenlegung der Grundstücke durchzuführen 'hat. Die Feldbereini-
gung ist vorzunehmen, sobald eine einfache Mehrheit der Grund-
besitzer dafür ist. In gewissen Fällen leisket der Staat auch Zuschüsse.
‚Das erste, später verbesserte bayrische Flurbereinigungsgesetz stammt
‚aus dem: Jahre 1861. Schon frühzeitig erfolgten in dem Hochstift
Kempten . Feldbereinigungen, die ohne Gesetz 1692 eingeleitet und
1791 durch ein Gesetz im verstärkten Masse fortgeführt wurden. Da-
ınals bezeichnete man in Kempten die Feldbereinigung als Vereinödung,
‚die damals in grosszügiger Weise vorgenommen wurde. Die Grund-
'stücke wurden nicht nur zusammengelegt, sondern man baute die
‚Höfe auch aus, indem man die Gebäude abbrach und sie mitten in den
verbesserten Grundstücken wieder neu .errichtete. Ähnlich ging man
‚in:den Bodenseegebieten vor. Auch in Bayern hat die Feldbereinigung
auf die landwirtschaftlichen Verhältnisse äusserst. segensreich ein-
‚gewirkt. So zeigt die Feldbereinigung überall das Beispiel einer Ver-
'einfachung der Rechts- und Wirtschaftsverhältnisse, die aus beiden
eine ‚WEEtvoHe Stärkung zum Nutzen des Staatswesens zog.
| - Dr. P. Martell.
— on 22 0.000. u nn
Die Moore Kurlands.
Um eine Unterlage für eine spätere systematische Ausnutzung der
Moore zu technischen und landwirtschaftlichen Zwecken zu bekommen,
wurden .die Moore Kurlands nach Lage, Art, Grösse und Mächtigkeit auf-
genommen und auf ihre Ausnutzungsmöglichkeit geprüft. Das Ergebnis
der Aufnahme ist in einem Aufsatz von Dr. Dreyer „Die Aufnahme der
Moore Kurlands nach Lage, Grösse, Beschaffenheit und Ausnutzungs-
möglichkeit“ in Heft 10 der Mitteilungen des Vereins zur Förderung der
Moorkultur im Deutschen Reiche mitgeteilt, dem die folgenden kurzen
Angaben entnommen sein mögen. Als Gesamtumfang der Moortlächen
und der anmoorigen Flächen ergaben sich für den Stand am 1. Sept. 1917
1687750 ha. Davon sind 121900 ha Flachmoor und 46850 ha
Hochmoor. Als genaue Angaben können diese Zahlen aber nicht ange-
sehen werden, denn sie beruhen zum Teil auf oberflächlicher Schätzung.
Der genaue Umfang der Moore dürfte erst nach der Durchführung der
geologischen Aufnahme des Landes angegeben werden können. Auch der
Nährstofigehalt der kurischen Moore ist aus der genannten Arbeit zu er-
sehen. Es ergibt sich, dass dieselben für die Landwirtschaft ausser-
ordentlich wertvoll sein werden, wenn-erst die Kultivierung planmässig
durchgeführt sein wird. Es steht zu. hoffen, dass der junge Staat nach
seiner J,oslösung von Russland auch in dieser Hinsicht erfolgreiche Arbeit
leisten wird. | H. W.
e efmessunge für Bericht über die 4. Sitzung des Arbeitsausschusses etc. 43]
Bericht über die 4. Sitzung des Arbeitsausschusses
zur Begründung des Deutschen Vereins für Vermessungswesen
am 19.10.19 zu Magdeburg.
Der Ausschuss hat am 19. 10. 19 in Kochs Hotel in Magdeburg seine
vierte ordentliche Sitzung abgehalten. Es waren anwesend: Der Obmann
des Ausschusses: Herr Vermessungsinspektor Dengel-Hamburg, ferner
die Herren: Oberlandmesser Blumenberg-Hannover, Oberlandmesser
Dr. Borgstätte-Dessau, Vermessungsdirektor Strinz-Magdeburg und
Herr Oberlandmesser Hoffmann-Tilsit, der an Stelle des ausgeschiedenen
Herrn Steuerinspektors Lex zu den Verhandlungen zugezogen war.
Ausschreibung der Stelle des Geschäftsleiters.
Im ganzen haben 10 Bewerbungen vorgelegen. Die Liste der Be-
werber ist hiermit geschlossen. Nach eingehender Beratung hat der Aus-
schuss seine Wahl getroffen und einen Entwurf für den Anstellungsvertrag
fertiggestellt. Mit einer Versicherungsgesellschaft soll zur Klärung der
Alters- und Hinterbliebenenversorgung in Verbindung getreten werden.
Vereinszeitschrift.
Die Verhandlungen des Herrn Dr. Borgstätte mit den verschiedenen
Verlagsfirmen haben besondere Schwierigkeiten geboten. Sie haben schliess-
lich zu einem Vertragsentwurf mit der Firma Konrad Wittwer-Stuttgart
geführt, der durch eine Reise nach Stuttgart zu einer mündlichen
Aussprache mit Herrn Wittwer ermöglicht wurde. Diese Reise ist zu-
gleich dazu benutzt worden, um einer Bitte des Württembergischen Geo-
metervereins nachzukommen, der um Entsendung eines Vertreters zur Auf-
klärung über die Ziele des D.V.V. ersucht hatte. Es ist gelungen, die
Kosten für die Zeitschrift mässiger zu gestalten, als ursprünglich er-
wartet wurde.
Anmieten von Räumen für die Geschäftsstelle.
Die Frage über die Anmietung der Räume für den Geschäftsleiter
und über die Beschaffung der nötigen Einrichtung wurde eingehend durch-
gesprochen. Es erschien nicht zweckmässig, Büroräume anzumisten Bevor
feststeht, ob der zukünftige Geschäftsleiter die Zuzugsgenehmigung nach
Berlin erhält. Auch von dem Ankauf der Büroeinrichtung musste aus
diesem Grunde abgesehen werden.
Ueberleitung der bestehenden Vereine in den Grossverein.
Der D.V.V. ist nach Anmeldung von 3000 Mitgliedern als gegründet
anzusehen. Die erste Hauptversammlung wird daher für den 30. No-
vember d. Js. nach Halle a. Saale, Gasthof „Schultheiss“ einberufen.*) Es
wurde folgende Tagesordnung festgesetzt:
*) Siehe auch Ankündigung auf S. 440.
’erel -hri Zeitschrift für
432 Vereinsnachrichten. Vormessunes waren
| Tagesordnung:
1. Bariehterstättung des Arbeitsausschusses (Berichterstatter \Ver-
messungs-Inspektor Denge!]).
Wahl des geschäftsführenden Ausschusses:
a) des Vorsitzenden. |
b) des stellvertretenden Vorsitzenden und
c) der 5 Beisitzer.
3: Wahl des Geschäftsleiters und Genehmigung des mit ihm abzu-
IX
schliessenden Vertrages (Berichter statter Oberlandmesser Blumen-
berg).
+4. Wahl der 'Schriftleiter und Genehmigung der mit ihnen abzu-
schliessenden Verträge (Berichterstatter Oberlandmesser Dr. Borg-
stätte).
5. Abänderungsanträge zur Satzung (Berichterstatter Vermessungs-
Direktor Strinz).
6. Genehmigung des mit der Firma Konrad Wittwer-Stuttgart ab-
ıY.. .zuschliessenden Vertrages über die Zeitschrift (Berichterstatter
Oberlandmesser Dr. Borgstätte).
.Voranschlag für den Jahreshaushaltsplan (Berichterstatter Ober-
= landmesser Dr. Borgstätte).
3. Entlastung des Ausschusses.
* Allgemeine Fragen. und Wünsche über Standesaugelesenheiten.
u Jeitschrifienfrage und ‚dergl. m. (Öberlandmesser Hoffmann).
Mit Rücksicht: anf. die Verkehrslage erwies es sich als nicht angängig.
einer . früheren: Zeitpunkt für die Versammlung in Aussicht zy nehmen.
‚Die Einladungen hierfür wurden abgefasst und es wurden geeignete Mass-
.nahmen ‚getroffen, ‚um sie. den Mitgliedern auf dem schnellsten Wege zu-
zustellen.
Der Obmann des Arbeitsausschusses 5 Der Schriftführer
gez.. Denyel . . | | gez. Blumenbery
Verm.- -Insp. in Hamburg, | Oberlandmesser in Hannover.
"m _Bleichenbrücke 17. | Freytagstr. 141.
Vereinsnachrichten.
Aus Elsass-Lothringen.
Nachtrag zu den auf Seite 311—341 dieser Zeitschrift bereits ver-
öffentlichten Adressen der aus 'Elsass-Lothringen ausgewiesenen Faclı-
: kenossen. :
. Albert, Karl, Katasterfeldmesser, früher Hagenau, jetzt Würzburg.
= | | bei Fabrikant Max Ott.
Barth, Alfred, Katasterkontrolleur a. D., früher Hagenau, jetzt Baden-
Baden-Lichtental, Geroldsauer: Str. 6.
Zeitschrift für Vereinsnachrichten. 433
Vermennungswosen
3210.
2063.
6.
2333,
2514.
51745.
3508.
3862.
699.
Bauder, Georg, Katasterkontr., früher Schlettstadt, jetzt l,orch ( Württ.)
Bischof, Hermann, Katasterkontrolleur, früher Hagenau, jetzt. Enıs,
Wasserpromenade 4.
Blum, Anton, Steuerinspektor, früher Zabern, jetzt l.iebenzell.
Blum, Jakob, Steuerinsp. a. D., früher Riedisheim, jetzt Balingen (Wttb.)
Böhm, Anton, Steuerinspektor. früher Colmar, jetzt Dischingen (Wttb.)
Böltz, Otto. Reg.-Feldm., früher Mülhausen. jetzt Schw. Hall, Marktstr.2.
Braun, Christian. Katasterkontrolleur a. D.. früher ?, jetzt Freiburgi.B.,
Günterstalstr. 19.
Brum, Johs.. Katasterkontr. a. D., früher ?, jetzt Bruchsal. Rheinstr. 15.
Bündgens, städt. Obergeometer, früher Mülhausen, jetzt Niederweiler
bei Badenweiler (Villa Koch).
Drecksträter, Otto. Katasterfeldin., früher Strassburg, jetzt Dortmund.
Droste, Heinrich, Katasterkontrolleur, früher Gebweiler. jetzt Königs-
berg i. P’r., Oberpräsidium.
Fischer, Juset. Katasterfeldmesser, früher Saargemünd, jetzt Mann-
heim, Werftstr. 27.
Fischer, Rudolf, Katasterfeldniesser, früher Strassburg. jetzt Sens-
| burg, Ostpr., Bergstr. 2.
Föhr, Heinrich, Katasterfeldmesser, früher Strassburg, jetzt Karls-
ruhe i. B., Kreuzstr. 26.
Föhr, Josef, Katasterkontr. a. D.. früher ?, jetzt Herborn, Kaiserstr. 25.
Friz. Reinhard, Stadtgeometer, früher Diedenhofen, jetzt Cassel.
Wilhelmshöher Allee 129 Il.
. Groll, I,andmesser. früher Strassburg, jetzt Höchst a. M.. Königs-
steinerstr. 49.
Hahn. Wilhelm, Katasterkontrolleur, früher Hagenau, jetzt Ess-
| lingen, Ruiterstr. 5.
llamann, Heinrich. Katasterfeldmesser a. D., früher ?, jetzt Ahnısen
bei Schötmar (l.ippe).
Häussermann, Gottlob, Katasterfeldmesser, früher Strassburg. jetzt
Stuttgart, Gasthof zum Herzog Christoph.
Haug, Johannes, Reg.-Feldmesser, früher Metz, jetzt Neckartenzlingen
OA. Nürtingen.
Ifaydt, Wilhelm, Katasterfeldmesser, früher Strassburg. jetzt Freuden-
stadt, Kl. Rheinstr. 21.
Herrmann, Ilans. Reg.-Feldmesser. früher Strassburg, jetzt Barten-
stein (Ostpr.), I,andratsamt.
Hleuer. Wilhelm, Katasterfeldmesser, früher Strassburg, jetzt Stutt-
sart. Laisburgstr. 7.
Hilger. Heinrich, Katasterteldmesser, früher Strassburg, jetzt Kel-
berg. Kreis Adenau (Eifel).
i :hrichte Zeitschrift für
434 Vereinsnachrichten. a nu
5645. Jansen, Joh., Steuerinspektor, früher Brumath, jetzt Coblenz-Metter-
nich, Triererstr. 94b.
Janssen, Gisbert, Katasterkontrolleur, früher Strassburg, jetzt Wehr
Bez. Aachen.
Knoll, Paul, Reg.-Feldmesser, früher ”, jetzt Horb a. Neckar.
Krauss, Adolf, Katasterkontrolleur, früher Mülhausen, jetzt Stutt-
gart, Wilhelmstr. 13.
Machwirth, Christian, Katasterfeldmesser, früher Strassburg, jetzt
Johannisburg (Ostpr.), Landratsamt.
Meisinger, Johann, Katasterkontrolleur, früher Saarburg, jetzt Hötzing.
Post Cham (Oberpfalz).
Mever, Karl, Katasterfeldmesser a. D., früher ?, jetzt Dinglingen.
Amt Lahr (Baden), Gasthof z. Sonne.
6080. Möller, Heinrich, Katasterfeldmesser a. D., früher ”, jetzt Rehbach
bei Michelstadt (Hessen).
4834. Mors, Otto, Verm.-Ingenieur, früher Strassburg, jetzt Frohnstetten,
Hohenzollern.
5631. Nieder, Karl, Katasterkontr., früher Strassburg, jetzt Ilfeld (Südharz).
Petry, Adolf, Katasterfeldmesser, früher Strassburg, jetzt Tuchel
(Westpr.), Speicherstr. 2.
Poska, Franz, Katasterfeldmesser a. D., früher ?, jetzt Voorde bei
bei Kiel, Villa Lossen.
Reiber, Peter, Katasterfeldmesser, früher Strassburg, jetzt Wackers-
hofen, Post Messkirch (Baden).
kKiempp, Gustav, Katasterfeldmesser, früher Strassburg, jetzt Dettingen
bei Urach (Württb.)
5630. Roeder, Karl, Steuerinspektor, früher Strassburg, jetzt Osterode
(Ostpr.), Burgstr. 4
2437. Rudhardt, Wilhelm, Reg.-Feldmesser, früher Strassburg, jetzt Stutl-
gart, Olgastr. 13011.
6102. Ruhmann, Wilhelm, Katasterfeldmesser, früher Strassburg, jetzt Man
heim (beim Bezirksgeometer).
Sayler, Karl, Reg.-Feldm., früher Strassburg, jetzt Güglingen (Witbg.)
2080. Schäckeler, Karl, Steuerinspektor, früher Colmar, jetzt Aldingen
OA. Ludwigsburg.
Schneider, Wilhelm, Katasterfeldmesser, früher Strassburg, jetzt Königs
berg i. Pr., Oberpräsidium.
Schüz, Johann, Reg.-Landmesser a. D., früher ?, jetzt Baden-Lichten
tal, Schafbergstr. ?
5644. Schüz, Landmesser, früher Saaralben, jetzt Gernsbach i. Murgthal.
3207. Schuster, Fritz, Katasterkontrolleur, früher Schiltigheim, jetzt Weblau
Landratsamt.
- Zeitschrift für, Aus den Zweigvereinen. 435
Seyfert, Wilhelm, Katasterkontrolleur, früher Diedenhofen, jetzt Blies-
kastel (Rheinpfalz).
Sturm, August, Stadtgeometer, früher Strassburg, jetzt Staufen (Baden)
Frickstr. 48.
Sturm, Ferdinand, Katasterkontrolleur, früher Metz, jetzt Berlin W 8,
Wilhelmstr. 72.
Szepansky, Robert, Katasterfeldmesser, früher Strassburg, jetzt Augs-
| burg, Schwarzenbergerstr. 17.
5207. Tetzner, Kurt, Katasterfeldmesser, früher Mülhausen, jetzt Appen-
weier, Gasthof z. Sonne.
Walther, Albert, Katasterkontr., früher Thann, jetzt Sulz a. Neckar.
4798. Werner, Ludwig, Steuerrat, früher Strassburg, jetzt Baden-Baden,
Fremersbergstr. 64.
2539. Zeininger, Verm.-Ingenieur, früher Saargemünd, jetzt Oberesslingen,
Obertorstr. 61.
Jettler, Georg, Reg.-Feldmesser, früher Strassburg, jetzt Ludwigs-
burg, Schillerstr. 54.
4634. Zwink, Ernst, Reg.-Feldmesser, früher Strassburg, jetzt Stuttgart,
Birkenstr. 12.
Von den aus Elsass-Lothringen ausgewiesenen Fachgenossen sind in-
zwischen gestorben:
Autenrieth, Reg.-Feldm. a.D., am 18./1. 19, zuletzt in Ebingen (Wttbg.)
Scherer, Katasterkontrolleur a. D., am 4./5. 19, zuletzt in Essen.
Harleshausen, im Oktober 1919. 4. Hüser.
Aus den Zweigvereinen.
Bericht
über die 26. Hauptversammlung des Vereins Mecklenburgischer gepr. Ver-
messungs- und Kulturingenieure am 13. September 1919 im Restaurant
Dabelstein zu Schwerin.
Tagesordnung:
1. Berichterstattung des 1. Vorsitzenden über die Versammlung der
Berufsvertreter in Halle zwecks Gründung des Deutschen Vereins
für Vermessungswesen (D.V.\.)
2. Beschlussfassung über unsern Beitritt zum D.V.V. und über die
dadurch notwendig werdende Auflösung unseres Vereins und
Gründung eines Landesvereins des D.V.V.
Mitteilungen des Vorstandes über die beim Staatsministerium in
Sachen der Neuordnung unternommenen Schritte.
Vo
Erschienen waren folgende Mitglieder: Ministerialrat Brumberg,
436 Aus den Zweigvereinen. „Zeitschrift fir
| 19.
gepr. Vermmessungs- und Kulturingenieur Burmeister, Distriktsingenieur
Fensch, Regierungsingenieur Havemann, gepr. Vermessungs- und Kultur-
ingenieur Hermes, Distriktsingenieur Kortüm, Regierungsingenieur
Krüger, Distriktsingenieur Mau, Distriktsingenieur Müller, Regierungs-
ingenieur Peters, gepr. Vermessungs- und Kulturingenieur Piper, Distrikts-
ingenieur Schmidt, Distriktsingenieur Studemund, gepr. Vermessungs-
und Kulturingenieur Stüdemann, Distriktsingenieur Timm.
Gegen 31/, Uhr eröffnete der erste Vorsitzende die Versammlung und
begrüsste die anwesenden Mitglieder. Anschliessend ging er zu Punkt |
der Tagesordnung über und erstattete ausführlich Bericht über die an
22.]23. Juni d. Js. in Halle gepflogenen Beratungen des Deutschen Geo-
metervereins. an denen als Vertreter unseres Vereins die Kollegen Kor-
tüm und Havemann teilnahmen. Von einer Wiedergabe der Ausführungen
des 1. Vorsitzenden zu diesem Punkt der Tagesordnung kann an dieser
Stelle Abstand genoınmen werden mit dem Hinweis auf den Versammlungs-
bericht in Heft 7 der Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Es sei hier
nur noch einmal hervorgehoben, dass der D.V.V. als gegründet gelten
soll, wenn sich 3000 Einzeliitglieder angemeldet haben.
Uebergehend zu Punkt 2 der Tagesordnung setzte der 1. Vorsitzende
die Gründe auseinander, die nach seiner Auffassung für. den Beitritt der
Mitglieder unseres Vereins zum D.V.V. und zur Bildung eines mecklen-
burgischen Landesvereins des D.V.V. sprächen. In der anschliessenden
eingehenden Debatte wurde darauf hingewiesen, dass die $$ 5 und 37 der
Satzung des D.V.V., wie sie abgedruckt ist in Heft 7 der Zeitschrift für
Vermessungswesen 1919, nicht unseren Interessen entsprächen, auch nach
den Mitteilungen unserer nach Halle entsandten Vertreter nicht den dort
gepflogenen Beratungen und den unseren Vertretern gegebenen Zusiche
rungen Rechnung trügen. Der ‚Vorstand wurde deshalb beauftragt, mi
dem für die Gründung des D.V.V. in Halle gewählten Arbeitsausschuss
zwecks Aenderung der beiden Paragraphen in Verbindung zu treten, und
„war soll etwa folgende Fassung vorgeschlagen werden:
$ 5 Abs. 1. Die ordentliche Mitgliedschaft ist durch Anmeldung bel
den untersten örtlichen Gliedern des D.V.V. zu beantragen. Die Aufnahmt
von ordentlichen und ausserordentlichen Mitgliedern erfolgt durch den &#
schäftsführenden Ausschuss binnen 4 Wochen nach Eingang des Antrages
wenn dieser von dem für die Anmeldung zuständigen untersten örtlichen
Gliede des D.V V. befürwortet wird.
Abs. 2 und 3 bleiben ungeändert. |
S 37. Die selbständige Verfolgung von Anträgen bei den Staatsbe
hörden und Volksvertretern ist den Gauvereinen nur mit schriftlich erteilte!
Genehmigung des geschäftsführenden Ausschusses oder des Vorstandes des
D.V.V. erlaubt. Dagegen soll es den l,andesvereinen. gestattet ‚sein, AM
Zeitschrift für Hochschulnachrichten. 437
et he
träge an die Staatsbehörden und Volksvertreter des betreffenden Landes
zu stellen. Dem G.A. des D.V.V. ist die Eingabe unverzüglich zur Kennt-
nis zu bringen. | |
In den weiteren Besprechungen zu diesem Punkt der Tagesordnung
wurde dann hervorgehoben, dass einerseits jetzt noch nicht an die Auf-
lösung unseres Vereins gedacht werden könne, da der D.V.V. noch nicht
gegründet ist, andererseits die Versammlung auch garnicht in der Lage
wäre, einen Auflösungsbeschluss zu fassen, da 2/; der sämtlichen Vereins-
mitglieder satzungsgemäss solchem Beschluss zustimmen müssten, die Zahl
der anwesenden Mitglieder jedoch nicht eine solche Mehrheit darstellte,
Im Anschluss an die eingehende Aussprache zu Punkt 2 der Tagesordnung
erklärten dann ihren Beitritt zum D.V.V. und stimmten demgemäss für
die demnächstige Auflösung des Vereins Mecklenburgischer Vermessungs-
und Kulturingenieure die Mitglieder Brumberg, Fensch, Havemann.
Kortüm, Krüger, Mau, Müller, Peters, Piper. Schmidt, Stude-
mund, Stüdemann, Timm.
Doch sind diese Kollegen dabei von der bestimmten Erwartung aus-
gegangen, dass die Satzung des D.V.V. wie vorhin vorgeschlagen geändert
wird. Uebrigens ist ein entsprechender Antrag inzwischen vom Vorstand
bei dem Arbeitsausschuss für die Gründung des D.V.V. eingebracht worden.
Weiter wurde beschlossen, die in der Versammlung nicht anwesenden
Mitglieder brieflich zur Abgabe einer schriftlichen Erklärung über ihre
Stellungnahme zur Auflösung unseres Vereins und in der Frage ihres Bei-
tritts zum D.V.V. zu veranlassen.
Zur eingehenden Behandlung des Punktes 3 der Tagesordnung fehlte
die Zeit, da die auswärtigen Mitglieder leider zu 7 die Abendzüge bereits
wieder zur Abreise benutzen wollten. Herr Kortüm berichtete, dass aut
unsere an das Staatsministerium gerichtete Eingabe vom Februar d. Js.
keine Antwort erfolgt sei, deshalb seien er und Kollege Krüger im Juli
d. Js. persönlich beim Ministerialdirektor Walter vorstellig geworden.
ohne jedoch bisher eine befriedigende Antwort erhalten zu haben.
(regen 6 Uhr schloss der Vorsitzende die Versammlung, nachdem vor-
her noch von einer Anzahl Mitglieder unter allgemeiner Zustimmung an-
geregt worden war, in diesen Zeiten häufig Versammlungen abzuhalten
und den Beginn derselben tunlichst auf den Vormittag. etwa 104/, Uhr,
zu verlegen.
Schwerin, 23. September 1919. Havemann. 1. Schriftführer.
Hochschulnachrichten.
Die Bauingenieur-Abteilung der T’echnischen Hochschule München hat
den Dipl.-Ing. Albrecht Rösch, geprüfter Geometer am Landesvermes-
438 Personalnachrichten. a Zeitschrift fr
1919.
sungsanıt in München, am 22. Februar 1919 auf Grund der Dissertation
„Zur Beurteilung der Repetitionsmessung und ihrer Fehler sowie ihrer
praktischen Ergebnisse bei der ersten Triangulierung Bayerns auf Grund
eines neugebildeten Hauptdreiecksnetzes“ zum Doktor-Ingenieur ernannt.
Personalnachrichten.
Freistaat Bayern. Vom Staatsministerium der Finanzen wurden
vom 1. Juni 1919 an auf ihr Ansuchen in gleicher Diensteseigenschaft in
etatsmässiger Weise versetzt der Bezirksgeometer Joseph Schmidt bei
dem Messungsamte Burghausen an das Messungsamt Straubing, der Bezirks-
geometer Alfred Sporer bei dem Messungsamte Zweibrücken an das Mes-
sungsamt Burghausen; vom 1. August 1919 an der Bezirksgeometer Heinrich
Gollwitzer in Tirschenreuth auf sein Ansuchen in gleicher Diensteseigen-
schaft in etatsmässiger Weise auf die Stelle des Vorstandes des Messungs-
amts Nabburg versetzt; an ihren bisherigen Dienstsitzen zu Obergeometeri
in etatsmässiger Weise befördert die Bezirksgeometer Franz Neundori.
Vorstand des Messungsamts Kusel, Friedrich Fischer, Vorstand des Mes-
sungsamts Schwandorf, Friedrich Nett, Vorstand des Messungsamts l.and-
stuhl, Joseph Mauerer, Vorstand des Messungsamts Mindelheim, Hermanı
Schönamsgruber, Vorstand des Messungsamts Neumarkt, Otto Wirtlı
Vorstand des Messungsamts Eschenbach und Ferdinand Moosmüller.
Vorstand des Messungsamts Pottenstein; vom 1. September an in etats-
mässiger Weise befördert die Bezirksgeometer Emil Oestreicher, Vo-
stand des Messungsamts Volkach, Heinrich Gollwitzer, Vorstand des
Messungsamts Nabburg, Karl Reinmund, Vorstand des Messungsamts
Hammelburg, Richard Donderer, Vorstand des Messungsamts Weiden.
Johann Herrmann, Vorstand des Messungsamts Lichtenfels, Otto Kreuzen,
Vorstand des Messungsamts Cham, zu Obergeometern an ihren bisherigen
Dienstsitzen, der Kreisgeometer MathiasGeiger in München zum Regierung:-
und Steuerassessor bei der Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg,
Kammer der Finanzen; auf ihr Ansuchen in etatsmässiger Weise versetzt
der Bezirksgeometer Rudolf Heil in Würzburg auf die Stelle des Vor-
standes des Messungsamts Frankenthal, der Bezirksgeometer Karl Korı-
dörfer in Abensberg an das Messungsamt Nürnberg, beide in gleicher
Diensteseigenschaft, der Kreisgeometer Konrad Kleinlein in Würzburg
unter Ernennung zum Bezirksgeometer an das Messungsamt Würzburg:
in etatsmässiger Eigenschaft ernannt die geprüften Geometer Friedrich
Fink, verwendet im Regierungsbezirk Schwaben und Neuburg, zum Bezirks-
geometer bei dem Messungsamt Abensberg, Karl Grüneis, verwendet ii
Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, zum Kreisgeometer bei der
Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg, Kammer der Finanzen.
Zeitschrift für Personalnachrichten. 439
Ve nenn
Georg Buttner, verwendet im Regierungsbezirk Oberbayern, zum Kreis-
geometer bei der Regierung von Oberbayern, Kammer der Finanzen; Titel
und Rang eines Steuerrates den Obergeometern G. Greger in Regensburg
und A. Hedrich in Fürth; Titel und Rang eines Obergeometers den Ka-
tastergeometern H. Silberbauer und A. Moreth in München verliehen;
vom 1. Oktober an der mit dem Titel und Range eines Regierungs- und
Steuerrates bekleidete Regierungs- und Steuerassessor Dr. Gustav Clauss
in München zum Regierungs- und Steuerrat des Landesvermessungsamts
n ‚etatsmässiger Weise befördert; in etatsmässiger Weise berufen der
Kreisgeometer Wilhelm Stadlinger in München auf die Stelle des Vor-
standes des Messungsamts Tirschenreuth unter Ernennung zum Bezirks-
geometer, die Bezirksgeometer Ludwig Langguth in Kaiserslautern auf
die Stelle des Vorstandes des Messungsamts St. Ingbert, und Heinrich
Weber in Ludwigshafen auf die Stelle des Vorstandes des Messungsamts
Grünstadt in gleicher Diensteseigenschaft; auf ihr Ansuchen in etats-
mässiger Weise versetzt die Bezirksgeometer Karl Kässer in Nürnberg
an das Messungsamt "Günzburg, Joseph Winter in Lauterecken an das
Messungsamt Neustadt a. H., Friedrich Gettert in St. Ingbert an das
Messungsamt Ludwigshafen in gleicher Diensteseigenschaft. der Kataster-
geometer Sigmund Gerle in München an das Messungsamt Nürnberg und
der Kreisgeometer Franz Tremel in Speyer an das Messungsamt Hof
unter Ernennung zu Bezirksgeometern; in etatsmässiger Eigenschaft er-
nannt die geprüften Geometer Karl Niedermeier, verwendet im Regierungs-
bezirke Oberbayern, zum Bezirksgeometer bei dem Messungsamte Kaisers-
lautern, Konrad Hofmann, verwendet im Regierungsbezirke Oberbayern,
zum Bezirksgeometer bei dem Messungsamte Lauterecken, Michael Schinner,
verwendet im Regierungsbezirke Oberpfalz und Regensburg, zum Bezirks-
geometer bei dem Messungsamte Regensburg, Anton Schwarz, verwendet
im Regierungsbezirke Oberbayern, zum Bezirksgeometer bei dem Messungs-
amte Miesbach, Anton Rachinger, verwendet im Regierungsbezirke Ober-
bayern, zum Bezirksgeometer bei dem Messungsamte Nabburg, Ferdinand
Schmitt, verwendet im Regierungsbezirke Oberbayern, zum Kreisgeometer
bei der Regierung von Oberbayern, Kammer der Finanzen, Luitpold Maurue
in München und Georg Eichelsdörfer in München zu Katastergeometern
bei dem Landesvermessungsamte, Kuno Gampert, verwendet im Regierungs-
bezirke Oberbayern, zum Bezirksgeometer bei dem Messungsamte Burg-
hausen, Christian Würz, verwendet im Regierungsbezirke Pfalz, zum Be-
zirksgeometer bei dem Messungsamte St. Ingbert. — Das Staatsministerium
für Land- und Forstwirtschaft hat vom 1. Juni 1919 an in etatsmässiger
Weise die Flurbereinigungsgeometer Karl Leidig, Hermann Decher, Karl
Denninger, Georg Eichinger und Theodor Müller vom Landesamt für
Flurbereinigung in München zur Abteilung für den Regierungsbezirk Unter-
| 'ersonaln; IC }1. Zeitschrift für
440 ’ersonalnachrichter Vermessung
19.
franken und Aschaffenburg in Würzburg und die Flurbereinigungsgeometer
Johann Söllner und Ludwig Schmid von der Abteilung des J.andesamts
tür Flurbereinigung für den Regierungsbezirk Unterfranken und Aschaffen-
burg in Würzburg zum l.andesamt. in München versetzt: vom 1. Oktober
an in etatsmässiger Weise den Obergeometer Karl Burger von der Ab-
teilung des l.andesamts für Flurbereinigung für den Regierungsbezirk Unter-
franken und Aschaffenburg in Würzburg zum J,.andesamt München. aui
Ansuchen, und den Obergeometer Heinrich Sammet beim Landesamt für
Flurbereinigung in München zur Abteilung des l.andesamts in Würzburg
versetzt.
Württemberg. Durch Entschliessung des Herrn Staatspräsidenten
ist die Bezirksgeometerstelle Heidenheim dem Hilfsgeometer Sattler, die
Bezirkszeometerstelle Münsingen dem Hilfsgeometer Grüner und die Be
zirksgeometerstelle Ehingen dem Hilfsgeometer Ott übertragen worden.
EEE EEE SER EESEEIEEEREENDSSEESEIENSESEEEEESE ERSTE SIEEBEEEEREREIEN
Die 1. Hauptversammlung des Deutschen Vereins für VWermessungs-
wesen (1).V.V.) ist durch das Einstellen des Personenverkehrs auf den
Eisenbahnen verhindert worden. |
Sie wird nunmehr auf Sonntag, den 30. November 1919 nach Halle,
Gasthaus Schultheiss, mit der bereits bekanntgegebenen Tagesordnung
einberufen.
Am Sonnabend, den 29. November, nachmittags 3 Uhr findet die ausser-
ordentliche Mitgliederversammlung des Landesverbandes preussischer Land-
messervereine unıl
am Sonntag, den 30. November, vormittags 9 Uhr die ausserordentliche
Hauptversammlung des Deutschen Geometervereins ebendaselbst statt.
Der Obmann des Arbeitsausschusses:
Denyel, Verm.-Insp.
; Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: djber den Korrelationsfaktor, von Meissner.
— Der Hohennersche Präzisionsdistaßzmesser, von Eggert. — Berichtigung zu
„Hohenner, Der Hohenner’sche Präzfsionsdistanzmesser“, von Hohenner. --
Das arithmetische Mittel kein Universalheilmittel, von Krebs. — Zur Geschichte
der HFeldbereinigung, von Martellr— Die Moore Kurlands, von Wolff. —
Bericht über die 4. Sitzung des Arbeitsausschusses zur Begründung des D.V.V.
am 19.10.19 zu Magdeburg. -- Vereffisnachrichten. — Aus den Zweigvereinen.
— Hochschulnachrichten. -_- Personalnachrichten.
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart.
Druck von Carl Hammer (Inh. Wilh. Herget), Kgl. Hofbuchdruckerei in Stuttgart.
| Re, re AT R
XLVIU. Band. a Kg
12. Heft. EN |
Zeitschrift für Vermessungswesen ö
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. O. Eggert,
Professor a. d. Techn. Hochschule in Danzig-Langfuhr
Preis des Jahrganges 10 Mark.
Im Postbezug 10 Mk. 10 Pfg. ohne Bestellgeld.
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart, Schloßstraße 14.
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: Zur Photogrammetrie ohne Theodolit, von
Hänert. — Uebersicht der Literatur für Vermessungswesen vom Jahre 1918,
von Petzold. — Das Reichsvermessungsamt, von Lotz. — Neue Schriften. —
Hochschulnachrichten. — Prüfungsnachrichten. — Vereinsnachrichten. — Personal-
nachrichten. — Titel und Inhaltsverzeichnis zum XLVIll. Band (1919).
EIER INSTRUMENT
=) UNÜBERTROFFEN Ta
in
EINFACHHEIT der Handhabung u. GENAUIGKEIT der Messergebnisse
MIT oder OHNE
KIPPSCHRAUBE
m REIT- oder
REVERSIONS-
m LIBELLE =
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KOSTENFREI
OTTO FENNEL S
CASSEL
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ZEITSCHRIFT ro VERMESSUNGSWESEN
Organ des Deutschen Geometervereins
Herausgegeben von
Dr. O. Eggert,
Professor an der Techn. Hochschule
Danzig-Langfuhr, Hermannshöfer Weg 6.
ee ZZ. Het 12. >
1919. Dezember. Band XLVIIl.
Der Abdruck von Original-Artikeln ohne vorher eingeholte Erlaubnis
der Schriftleitung ist untersagt.
Zur Photogrammetrie ohne Theodolit.
Von Dr. Hänert, Marine-Oberlehrer, Kiel.
Vorgelegt seien zwei photographische Geländeaufnahmen, etwa Flug-
zeugaufnahmen, von denen man nur den Schnittpunkt der Objektiv-
achse, den sogen. Hauptpunkt*) F bezw. F“, kennt. Die Standpunkte,
Plattenneigung und Verkantung, die Brennweiten der Platten seien unbe-
kannt. Will man die beiden Aufnahmen zu einer Vermessung verwenden,
so hat man zunächst die sogen. Kernpunkte zu ermitteln.
In der aus Figg. 1 und 2 ersichtlichen Weise denke man sich mit
:ader Platte ein rechtwinkliges Koordinatensystem verbunden. Der Anfangs-
‚„unkt desselben ist der hintere Knotenpunkt des Objektivs.. Die x- und y-
Achsen sind parallel zu cd bezw. ab und die z-Achsen fallen mit den
:}bjektivachsen zusammen. Die positiven Richtungen der Achsen sind in
ligg. 1 und 2 durch Pfeilspitzen markiert. Alle Bezeichnungen, die sich
auf die Il. Platte und das damit verbundene Koordinatensystem beziehen,
sind mit einem Strich versehen.
"Es sollen die Kernpunkte X und X’ der beiden Platten unter der
°- .ahme ermittelt werden, dass die Brennweiten f und f’ der Platten be-
‚sanni sind; dann soll b) die Aufgabe olıne diese Voraussetzung behandelt
and die unbekannten Brennweiten ermittelt werden.
a) Ermittelung der Kernpunkte bei bekannten Brennweiten
der beiden Aufnahmen. |
Die Punkte P,, Pa, Pa... und P‘, Ps‘, Ps‘... der beiden Auf-
nahmen seien die Bildpunkte derselben Geländepunkte A,, Ag, Ag . . . ; die
Koordinaten X, Y,, Ag Y2 .: . X Yı', Xg’Yg‘... der Bildpunkte, bezogen
-— *, Der Hauptpunkt sei auf jeder Platte durch 4 an den Kanten befindlichen
.‚arken a, d, c, d (s. Figg. 1, 2) festgelegt. a en Teck
Zeitschrift für Vermessungswesen 1919. Heft 12. 29
Zeitschrift für
Vermessungswesen
1919.
Hänert. Zur Photogrammetrie ohne Theodolit.
442
l. Platte.
Y-Achse
X
\
1
Y,
X’+ Pr VP+X’+n?
X, y,
VrHRH+r VFrER FT
ll. Platte.
X‘- Achse | Y’-Achse
BEER. VO B VRR Y,'
VRFREFR SyaFREr
Y,
HT yagRtT
PER: Eier
VPFX+ Ye
f
VPFW+n
ee ee
rı = Vf’ + x? +Yy
ESSORRORORORE JUSBRFER
» TVm£xrr+rV
Zeitschrift für_ Hänert. Zum Ehölögranmetnie ohne Theodolit. 443
Vermessungswesen
auf ein Koordinatensystem, dessen X-Achse mit der Geraden cd und. dessen
Y-Achse mit ab zusammenfällt (s. Figg. 1, 2), werden den Platten .mög-
lichst genau entnommen.*) Die Richtungskosinusse «,, ßı, }ı; a2, Ba‘ya - -
und ay’, Bi’ yı'5 ag’, Ba’, ya’... der Strahlen IP, IP, .... bezw. IIP,',
IIP,'... inbezug auf das Koordinatensystem I bezw. II sind dann durch
die nebenstehenden Tabellen gegeben (siehe Seite 442).
7
Fig. 1.
Man denke sich nunmehr das Koordinatensystem II derart gegen das
Koordinatensystem I verschoben und verdreht, dass die Strahlen / ?,, IP»:
IPs; ... des Systems I mit den entsprechenden Strahlen IIP,', IIP,,
IIP,' des Systems II zum Schnitt kommen. Diese Aufgabe kommt-auf
die Ermittelung der sogen. Kernpunkte A und X’ der beiden Aufnahmen
hinaus; es sind dies die Schnittpunkte der Verbindungsgeraden der I: beuw.
Il. Platte mit der Verbindungsgeraden der beiden Standorte F’und' 1,
wenn das Koordinatensystem II die soeben angegebene Lage gegen das
System I eingenommen hat (s. Fig. 3). Hat in dieser I,age die Gerade
Fig. 8. eh N ee al
& In Fig. 8 sind nur die zum Geländepunkt .1, gehörigen Stücke, gezeichnet.
444 Hänert. Zur Photogrammetrie ohne 'Theodolit. _ Zeitschrift für
a Sala
I II relativ zu dem Koordinatensyvstem I bezw. II die Richtungskosinusse
I, u, 9 bezw. A’, w’, 9, so sind die Koordinaten X,. Ys bezw. Xr’. Yı‘
der Kernpunkte A und A’ gegeben durch
i 4
u=f,: X — f' el |
bezw. w' ()
nert. "wert.
N A N A' .
Es sind mithin zunächst die Werte . bezw. E a zu er-
’
mitteln. In den laufenden Koordinaten x, y, 2 bezw. x’. y‘, ge’ lautet. die
Gleichung des Strahles I Pı im System I bezw. I/Pı‘ im System II
zT — 2a xy 4 — 2’ u ‘
a a (1) bezw. B (1)
m, eß, ) yYıız Hhı
Entsprechende Gleichungen gelten für die Strahlen IP, IP; .... und
IIP,, IIPs ....
Ist die Bezeichnung der unbekannten Richtungskosinusse der Achsen
des Systems II gegen die des Systems I durch das Schema
| X-Achse | Y-Achse Z-Achse
X'-Achse
Y’- Achse
„7-Achse | Es | ng | 63
gegeben und bedeuten w’, v‘, w bezw. die X’-, Y’-, Z’-Koordinate des
Punktes I relativ zum Koordinatensystem Ill, dann erhält man die Glei-
chung des Strahles ZIP,‘ relativ zum System I, wenn man in den
Gleichungen: (1) setzt
x = a5 + ym +: FW,
y' 5 tym tea tv
= rt Yo +2 + w.
Die Gleichung des Strahles //7’,‘ inbezug auf das System I lautet damn:
an + ymm‘ + eb + Wr‘ = #ösor + Yo! + Pla‘ + Wie,‘
nr + Ymarı + Eberı + vr = Rs + Yahı? + Rah + ih‘
Durch Einsetzen der sich aus Gl. (1) für x und y ergebenden Ausdrücke
folgt hieraus:
I
(ar th mtr er Bar — rl) W ya — up y
2 (aıyı Ei yı'ne+ Yı Yı' 6 — uı Bi’; —Bı Br“ ng — 1 Br’ 6) = ut yıßı'— vyıyı.
Die Bedingung des Schneidens der Strahlen /Pı und IIPı‘ folgt hieraus
durch Elimination von z; führt man gleichzeitig für «a, ßı,y, und as‘, Bi. yı‘
die in der Tabelle (S. 442) angegebenen Werte ein. so erhält man
Zeitschrift Dur - Hänert. Zur Photogrammetrie ohne Theodolit. 445
VArIn a DIEEWERED
Xı Yı’(w'ös — u 5) +Yı Yı’(u‘ ij —-wm)+ Yı’f(w &;— w’{$ı) A
+X1 X (w 5, — 055) + YıXı’ (win — vn) +Xıf(wis— vd) (—=0. (2a)
+Lıf(wä —u5)+ Yıf(d'm — un) + ff (v/ 5 — we)
Die Bedingung des Schneidens der Strahlen /P, und II P,’ lautet ent-
sprechend
Ku Yy (u Es — w 5) + Nele (u, — wm) + Ya‘ flu' 5; — w'Lı) |
+ X, X (w 5, — v5) + YoXs' (wing — v'n3) + X’ flw’ig— v'L5) \ =0. (2b):
+LfwWs —wW&)+Yflwnm un) +trffwWo —w).
Die Bedingungen des Schneidens der Strahlen /Ps und /IPs‘, IP, und
IIP,‘ usw. erhält man, wenn man den X und Y die Indices 3 bezw. 4
sibt. Man erhält so ein System von so vielen Gleichungen, als
Geländepunkte auf beiden Platten identifiziert sind. In diesem
Gleichungssystem sind die Faktoren der Klammerausdrücke bekannt, wäh-
rend diese selbst unbekannt sind. Diese Klammerausdrücke fassen wir
zunächst als Unbekannte auf und setzen:
vs—vVh=n. un —-wn = wWo—wb = 2%
u & — y’ Es = Iy w' ng ——- v ns = I; w' &g — y Es = Iı (3)
va —- u =, Um—uUn =. vo uU = a
/ur Ermittelung dieser Unbekannten steht uns das System der linearen
rleichungen (2a), (2b) usw. zur Verfügung, das nocheinmal hier zusammen-
gestellt sei:
X, Yı'zı + Yı Yı'z, + Yı'fzz + Xı X, + Yı Xı’%, + Xı fx
+Xfa +Yfas + ff = 0
AgYy'zı + Y, Ya‘, + Yofaz + KaX,'0, + Yadg'2; + Kr’
+Kfa +hfatffo=0( W
YaYya'zı + YzYs'a, + Yz'fag + X, Xs'0, + Ya Xg'0 + Agfa
+% fr. + fa +ffo, = 0
usw.
Subtrahiert man die erste Gleichung des vorstehenden Systems von den
übrigen. so folgt:
(X2 Y2’ — X, Yı)aı + (YYr — Y,Yı)zz + (Ye — Yı)fas
+ (Age — KK’), + (X — X) + (Ar — Xı)f
ee
(X3 Ys’ — Xı Xı')zı + (Vs Ys’ — Yı Yı') oa + (Ys‘ — Yı))fas
+ (Ks X3‘ — Xı X), + (Xs’ — Xı)f25 + (Xs — Aı)fz,
+ (Y: — Yı)f az = 0
USW,
446 Hänert. Zur Photogrammetrie ohne Theodolit. Vermessungswesen
Führt man die Abkürzungen
(X, Y,‘ — X, Y) = aı, (Y, Yy‘ — Yı Yı‘) —=b,, (Ya u Yı‘)f = Cı.
(X, X,’ — Xı X‘) = dı, La — X) =ıua (BK— X) = 9
(Y%,— Yı)ff = hi:
und entsprechend
(X Ys’ — Xı Yı‘) = a, (Ys Ys’ — YıYı‘) = db, usw. usw.
ein und setzt gleichzeitig
E7 X 2; x, x, Ks X Lo |
Ze —:; — | — = eye (4a)
so lautet das Gleichungssystem
ayı by tag tay taysthu ty th = 0)
Hy hy tays thkyı Tas thy ta + = \ (>
USW,
/ur Bestimmung der 7 Unbekannten yı, % ...%7 sind 7 Gleichungen er-
forderlich; da ferner die Koeffizienten aı, d, .. . Aı, Ay de... Ay Aa, dn... A,
die Koordinaten von 8 auf beiden Platten identifizierten Punkten enthalten.
so braucht man zur I,ösung dieses Gleichungssystems mindestens 8 identische
Punkte. Nun wird man aber, besonders bei Fliegeraufnahmen, wohl stets
weit mehr als 8 Punkte identifizieren können. Man kann sich somit eine
Anzahl überschüssiger Gleichungen verschaffen. Hätte man die Bildkoordi-
naten und die Brennweiten absolut genau messen können und zeichnete
das Objektiv absolut geometrisch richtig, so dürften sich die Gleichungen
nicht widersprechen. Dies wird jedoch wegen der unvermeidlichen Unge-
nauigkeiten der Fall sein. Man wird deshalb eine Ausgleichung nach der
Methode der kleinsten Quadrate vornehmen und so zugleich die Möglich-
keit erhalten, sich durch Bestimmung des mittleren Fehlers ein Urteil über
die Genauigkeit zu bilden. Aus dem Gleichungssystem (5) ergibt sich in
bekannter Weise das System der Normalgleichungen:
laalyı +lab]y+lacly+ladly,+laely +lafly +laglyr +iah]| =
[db]yg+[belys+[balys --[bely +ld/]ve +löglyr + dr] =
leels +ledly, +leely +leflyv +leglyv +leh] =
[dd]y,-Idely-+Idf\y+laglys + ah] =
leely +leflys +lesly» +lehl = 0
rve+lfslv +ifhl = 9
saly +lghkl = 0
Dieses Gleichungssystem ist nach %,. %, . . . y; aufzulösen. Der Wert von
8. ©: ©
T . e . .
Yy—,„ ergibt sich aus einer der Gleichungen (4).
8
Zeitschrift ür Hänert. Zur Photogrammetrie ohne Theodolit. 447
VERDOBFONEUWE OBEN
Die Werte von - und a und somit (nach I) die Koordinaten des
Kernpunktes X’ lassen sich nunmehr leicht finden. Aus den drei Vertikal-
reihen der Gleichungen (3) folgt zunächst
zwtzıv+nw = 0
sw 45V + 2wW = 0 (68)
GW +20 +aw = 0
woraus folgt:
u = IX, — %,%, 257 X%, — Xe%e A IT = x Kg
(7)
r KuXg ——— %,%7 Tr == T6Xg XuXg me) IX,
- en BE — rest | ea cn
1e' x T, — IX, Ig%e rm X%,%g zT, %s er Xokı £
u 2' v Be R 5 ’
Da. =, ud, = £ — ist, so erhält man für die Koordinaten
des Kernpunktes X’ der II. Platte nach Gl. (I), wenn man zugleich an
Stelle der 2), &,... die durch (4a) definierten %,, %, . . . einführt:
Kt Ih _ NH _ Ya |
YaYı — YsYı YaYs — YeYa a9 7 YıYa ()
Vf MN _ IN _ „Is Yesı \ |
YıYs — YaYı YaYe — YsYs YıYo — Yıyı
Diese drei für Xx‘ und Y,’ gefundenen Werte stimmen natürlich überein,
da ja die Determinante der Gl. (6a) verschwinden muss:
1 | 1
‚ 9,0% ‚ YıYıYı
%%o% | = 0 oder! „y1 =U\. (9)
. 8 %3 Tg Ys Y5 Ya
In ganz entsprechender Weise wird jetzt der Kernpunkt Ä der Platte I
ermittelt. Man erhält zunächst die Gleichung des Strahles / Pı relativ
zum Koordinatensystem II, indem man in die Gl. (1) für x, y, 2 die Aus-
drücke
rer ty t25+u
a Ya 4 298 1 v
e = tr + Yo 2 --Ww
einsetzt. Man erhält
sr YSyt Fin Han = or tra tr + Wan
l
np typen tun = aß typ +ebhı + wi
Setzt man hierin nach Gl. (19) r’ = Br ‚y-= en ein und eliminiert
i 1
2’ und führt gleichzeitig für wi. Pi, z, und ai‘. Bi‘, yı’ die in der Tabelle
(5. 442) angegebenen Werte ein, so folgt
448 Hänert. Zur Photogrammetrie ohne 'I'heodolit. _ Zeitschritt für
Vermessungswesen
1919.
X Yıldav — a0) + YıYırikar - m) + Yı fin %o)
+ X X (sv — me) + Yıkı! (ir -- Sıa) + Kr fa — Sı v) = 0
+Xıf (Gr) HYıf Seu—GW+Ff (nu — 50 \
oder, wenn man setzt
Gone, St — bu = u. el — St = rl
vr - men, SgGe—huam in. mu-Sgti= N =
Gt — gen, Ste- Gran. NU-Srm a,
X, Yı'rı' + Yı Yı'az! + Yı’f.rs‘ 1- A Kt + Yı Xı' as‘
+ Kt + N + NH N:
die Bedingung des Schneidens der Strahlen /P, und IIP,’ lautet.
Yin + YyYılay! 4- Yrlos’ 4 Mdtr 9
+ Na + fo + Yafg Hit - 0
Entsprechend lauten die Bedingungen des Schneidens der Strahlen I Ps
und IIPs‘, IP, und IIP,' usw. Man sieht, dass man so zur Be-
stimmung der y‘, #9... ein Gleichungssystem erhält, dessen
Koeffizienten mit denen des Systems (4) übereinstimmen.
Es ınuss demnach sein
4‘
zn’ = 1, 9° Kg, 88
4‘
Yı Yı, Ye‘
l
rg
Bi
|
£ oder auch
Y» Ys’ = 45... Yo >
Ä i
Zur Ermittelung der Werte von -- und - gehen wir auf das Gleichungs-
system (3°) zurück. Aus den drei Horizontalreihen folgt
zu mV uw = 0) (Da die gestrichenen x gleich den un-
yu+2,v-+2,w = 0' gestrichenen sind, sind die Striche
zU4t 23% +2W = 0 weggelassen worden.)
Hieraus folgt
u ren XgX%g FE; %%, Bu 9X; Zn XIX FIR IgTg Xg Xg
ww X, %, — %4%g u TyXa — %1%; zu T,tg — IX,
(1)
“ X Le re X5X%, u TyX, un 26T, MEER TgL, BEE X3X7 \
Sr Ber u j ® RB. "
Berücksichtigt man, dass = „, „ = „ Ist, und führt man an Stelle
der x mit Hilfe von (4a) die y ein. so erhält ıman für die Koordinaten
des Kernpunktes X der Platte I
= ht Ih a = Tr oa ar AIR |
YıYs — YıYs Y— Yıy, Y—yıyı | ze
Y,. = Alk Ih a = rg TIN A —- f Yoyı T IaIı \
YYı — Yıys YsYı — Yı Yayı — Yı
Die Uebereinstimmung der drei für X, und Y, gefundenen Werte kommt
wieder auf das Verschwinden der Determinante (9) hinaus.
Zeitschrift für Hänert. Zur Photogrammetrie ohue Theodolit. 449
Tach
b) Bestimmung der Kernpunkte bei unbekannten Brennweiten
und Ermittelung derselben.
Zwischen den Grössen zı, z2... x, oder Yı, ya... Y, bestehen noch
drei Beziehungen. Die erste ist die Gleichung (9), die nocheinmal ange-
schrieben sei ö
| YıYaYy8
| yyıl >09 (9)
' 91%
Ferner folgen sowohl aus Gl. (3) als Gl. (3°) dieselben Gleichungen:
v? + w? ze +22 +0°, vv»? tu? = a2 +02 + 100.
wu? = n?-+ 1,2 410°, und «2-2 — 1? 4 122 + 73°.
Wet = nut, v + u? = nr? + 4.
woraus folgt
\
u Sa a mar +; ln u u u u 2 2
w? zz’ + 2% +2?+ a9 +2? + 2° — — (20° + 20? + 29)
Ra 2 ur eh,
war + tat tat — at t+ 9°)
° . . . . ° u ® . m .
Setzt man hierin die bereits für n und Be gefundenen Werte (7°) ein und
ersetzt gleichzeitig die :r durch die y, so gelangt man zu der Beziehung:
(dei u)? _ Metern Ye tg (10)
YıYs — YıYya wert yr +4 +1 — (4? + Yet + 90°)
(Heu). tut —- tus tDtYt+tYR ty (11)
YYı — Yıys Yy + 9° w+yu?tn?+ y° +1— (1? + ye + 4°)
Oben (S. 446) wurde vesagt, dass zur Ermittelung der Unbekannten
Yı: 4... mindestens 8 Punkte auf beiden Platten identifiziert sein müssten.
Da aber schon die drei Beziehungen zwischen den Unbekannten bestehen,
genügen 5 identische Punkte. Man wird jedoch die Gl. (9), (10), (11) nicht
mit zur Bestimmung der Unbekannten verwenden. da man sonst Gleichungen
höheren Grades erhielte. Jedoch kann man sie zur Bestimmung der Brenn-
weiten verwenden, falls diese unbekannt sind.
Sind die Brennweiten unbekannt, so hat man an Stelle der :rı,
%g ...%g bezw. der %,, % ... Y9 andere Unbekannte z,. x, . . . bezw.
Yı. Ya - - . einzuführen, wie sie folgendermassen definiert sind
rn ben vu, syn be te Tier
(12)
l
fa. y=fr.1= ffir
450 Hänert. Zur Photogrammetrie ohne Theodolit. Zeitschritt für
verm nn
Das Gleichungssystem (4) lautet dann
Xı Yı'zı 4- Y, Yı’ıra + Yı'r, + X, Xı'r, -I- yı Yı’r, + X’ Te
+ Xı7; + Yı2y +7, ef)
Ka +YY ni, + +YrYınt+Xein, 4
+%r, +9, + = 0 |
USW.
Man führt wieder entsprechend wie oben die Unbekannten
| ni |
wen yet (13).
Te Ts Te
ein und löstdasGleichungssystem(4”) ganz wieoben, dasSystem(4)
nach Yyı Y2 .-. Y, auf.
Wegen Gl. (12) und (13) ist
4 r
= fyı. %-= f' ya: Y = fr Y3; Y4:— ty,
=. f' j Br 1 a (14)
»=fyu %= f Is Y = Y. WW — N Ya.
Setzt man diese Ausdrücke in den Gl. (10) und (11) für die y, % --.
ein, so erhält man zwei Gleichungen für die beiden Unbekannten f und f“.
Es ergibt sich
a V ___(@—e)(a+c— kb) pn —_\/ 9@ — 0) — klea—de).
by(a — ec) — (a+c)(ea—de) ' (d—-e)(a+tc—kb)
hier ist
a= (Yyı — Yy)". b = (YyıYs — Yıya)°ı ce = (Yıy — Ysy)d
damit et yawWtre imyı, = yo.
Ersetzt man schliesslich in den Gl. (8°) und (8) mit Hilfe von (14) die
Yı, Yg -.. durch die berechneten yı. %5 ... , so erhält man die Koordi-
naten (er Kernpunkte
Yo Yo Yo — Ya) Ye Yı Y— YsYa_ yı
YıYs — YıY: Ya y —Yıys
Re (15)
ee I zo -Yaı Ye __Ya = YsYı j
y: yı ze Yy yı Yı y— y: Yı |
l:s erscheint beachtenswert, dass in diesen Formeln die Brennweite
nicht vorkommt. Die Berechnung der Koordinaten der Kern-
punkte setzt also nicht die Kenntnis der Brennweiten voraus.
Es liegt nahe, umgekehrt die Brennweiten mit Hilfe der bereits gefundenen
Kernpunkte zu ermitteln. Jedoch sei hierauf jetzt nicht weiter eingegangen.
Zeitschritt ür_ Hänert. Zur Photogrammetrie ohne Theodolit. 451
run
Es sei zum Schluss angenonmen. dass die beiden Aufnahmen vom
festen Boden aus mit genau senkrechten und unverkanteten Platten ge-
macht seien. ein Fall, der wohl bei der Aufnahme von Gebirgslandschaften
vorkommt. Diese Aufgabe hat Herr Fuchs in der Zeitschrift für Ver-
messungswesen XXXIV. Band, Heft 20 unter der Ueberschrift Photo-
vsrammetrie ohne Theodolit behandelt. Es sei hier noch angenommen,
dass man die Bıennweiten der beiden Aufnahmen nicht kennt. Die Richtungs-
kosinusse der mit Platten in der oben (Figg. 1 und 2) angegebenen Weise
verbunden gedachten Koordinatensysteme I und II gegeneinander sind dann
durch das Schema |
| X-Achse | Y-Achse Z-Achse
gegeben. Aus den Gleichungen (3) und (3°) folgt dann
I8ıdn
05% >= und
Lg Tg %g
el gen art dee sn
oder in y ausgedrückt
Yı YıYı
0y1 | = 0 (ee
Y3Y6Ya |
»y =0 (B)
yr = N’ (7)
Y° = Yı (8)
y?’ty?=wHt | (E). i
Man .führt auch hier wieder mit Hilfe von (12) und (14) die neuen Un-
bekannten 1, X: » . . 29 bezw. Yı, Yo -». Y, In (4) ein und berechnet
die Grössen Yı, Ya, Y3 -.. Die Anzahl der Unbekannten verringert sich
hier um eine, da % = 0 ist. Führt man mit Hilfe der Gl. (14) die über-
strichenen Grössen in die Gleichungen (,) und (6) ein und löst sie nach
f und f‘ auf, so erhält man für die Brennweiten
4523 Petzold. Uebersicht der Literatur für Vermessungswesen. Zeitschrift für
VermEsennga went
Die Koordinaten der Kernpunkte ergeben sich nach (15), day = 0 ist, zu
X, = — Y; R Y = — YıJo — Yı)s_ . und
1 195
X’ _ -— 1 . Yı‘ = — Ya — Ya Yr Sch
Ys Yı Ys
Mit der Ermittelung der Kernpunkte ist die Aufgabe einer Vermessung
auf Grund zweier Aufnahmen im Prinzip gelöst. Man ist damit in der
lage, ein Modell der photographierten Landschaft herzustellen. Will
ınan eine Karte, d. b. die senkrechte Projektion dieses Modells auf die
Horizontalebene, anfertigen, so muss man von mindestens drei aufgenom-
menen Punkten wissen, dass sie in der gleichen Horizontalebene liegen.
Weiss man ausserdem noch von einer aufgenommenen Strecke die Länge
und die Himmelsrichtung, so hat man den Masstab und die Orientierung
der Karte.
Der Nachteil des hier angegebenen Verfahrens besteht in der ziemlich
umständlichen Berechnung der Y,. 45... Immerhin hat es aber den Vor-
zug, dass es über die Standnrunkte der Aufnahmen, die Richtung, Ver-
kantung, Brennweite der Platten keine Voraussetzungen erfordert und zahl-
reiche Kontrollen bietet. Dieses Verfahren dürfte vielleicht in Betracht
kommen, wenn Flugzeugaufnahmen von einem völlig unbekannten, unzu-
gänglichen Gelände vorliegen oder auf den Platten keine bereits vermes-
senen Punkte zu erkennen sind.
Was die Genauigkeit des Verfahrens anbelangt, so ist so viel ohne
weiteres klar, dass diese sich mit der Zahl der der Rechnung zugrunde
gelegten identifizierten Punkte erhöht. Ungenauigkeiten in der Ausmessung
der Bildkoordinaten würden sich dann mehr und mehr ausgleichen. Da
die Ausmessung also nicht allzu genau zu sein braucht, so dürften wobl
ziemlich einfache und billige Vorrichtungen zum Messen der Bildkoordi-
naten genügen. Hierin scheint ein Vorteil des vorgeschlagenen Verfahrens
zu liegen. Eine eingehendere Untersuchung der Genauigkeit muss einer
späteren Arbeit vorbehalten bleiben.
%
Uebersicht der Literatur für Vermessungswesen
vom Jahre 1918.
Von M. Petzold in Hannover.
Einteilung des Stoffes.
1. Zeitschriften, Lehr- und Handbücher, sowie grössere Aufsätze, die
mehrere Teile des Vermessungswesens behandeln.
2. Mathematik, Tabellenwerke, Rechenhilfsmittel; Physik.
3. Allgemeine Instrumentenkunde, Masse; Optik.
Zeitschrift tür _ Jetzold. Uebersicht der Literatur für Vermessungswesen. 453
N wenn "
1919.
4. Flächenbestimmung, Längenmessung, Stückvermessung. Katasterwesen,
Kulturtechnisches, markscheiderische Messungen.
5. Triangulierung und Polygonisierung.
6. Nivellierung, trigonometrische Höhenmessung und Refraktionstheorie.
7. Barometrische Höhenmessung und Meteorologie.
8. Tachymetrie und zugehörige Instrumente, Topographie im allgemeinen
und Photogrammetrie.
9. Magnetische Messungen.
10. Kartographie und Zeichenhilfsmittel; Kolonialvermessungen und Hlüchtige
Aufnahmen; Erdkunde. |
11. Trassieren im allgemeinen, Absteckung von Geraden und Kurven usw.
12. Hydrometrie und Hydrographie.
13. Ausgleichungsrechnung und Fehlertheorie.
14. Höhere Geodäsie und Erdbebenforschung.
15. Astronomie und Nautik.
16. Geschichte des Vermessungswesens, Geometervereine und Versamm-
lungen.
17. Organisation des Vermessungswesens, Gesetze und Verordnungen,
Unterricht und Prüfungen.
18. Verschiedenes.
1. Zeitschriften, Lehr- und Handbücher, sowie grössere Aufsätze,
die mehrere Teile des Vermessungswesens behandeln.
Berg, A. Geographisches Wanderbuch. Ein Führer für Wandervögel und
Pfadfinder. 2. Auflage. Mit 212 Abbildungen im Text. 23. Band
von Prof. Dr. Bastian Schmids Naturwissenschaftlicher Bibliothek.
Leipzig 1918, Teubner. Preis geb. 4.40 M. Bespr. in d. I,andmesser
1918,.S. 124.
Büteberger, F. Lehrbuch der ebenen Trigonometrie mit vielen Aufgaben
und Anwendungen. Sechste, verbesserte und vermehrte Auflage. Mit
zahlreichen Figuren im Text. (XII u. 98 S.) Zürich 1916, Art.
Institut Orell Füssli. Preis geb. 2 Fr. Bespr. in d. Archiv der
Mathematik u. Physik 1917, 26. Bd., S. 170.
Crante, P. Arithmetik und Algebra zum Selbstunterricht. I. Teil 5. Autl.
Il. Teil 4. Aufl. Aus Natur und Geisteswelt, 120. u. 205. Bändchen.
Leipzig u. Berlin 1918, Teubner. Preis geb. 1,50 M. Bespr. in d.
Zeitschr. f. d. Berg-. Hütten- u. Salinenwesen im preuss. Staate 191S,
Literatur S. 130.
— Planimetrie zum Selbstunterricht. 2. Auflage. Leipzig 1918, Teubner.
340. Bändchen der Sammlung „Aus Natur und Geisteswelt.“ Bespr.
in d. Landmesser 1918, S. 196; der Zeitschr. f. d. Berg-, Hütten- u.
Salinenwesen im preuss. Staate 1918, Literatur S. 71.
Davis, W. M. und Braun, G. Grundzüge der Physiogeographie. I. Grund-
454 Petzold. Uebersicht der Literatur für Vermessungswesen. _ Zeitschrift für
YETMOBBEEn ETW eRen
1 .
lagen und Methodik zum Gebrauch beim Studium und auf Exkursionen.
von G. Braun. 2. Aut. Mit 89 Abbildungen im Text, 1 Tafel und
Hilfstabellen. Leipzig 1917, Teubner. Preis geb. 6 M. Bespr. in
d. I,andmesser 1918, S. 124.
Defant, A. Wetter und Wettervorhersage. (6 u. 200 8. 8° mit 142 Fig.
im Text u. 1 Karte.) Leipzig u. Wien 1918, F. Denticke. Bespr.
in d. Annalen der Hydrographie u. Marit. Meteorologie 1918, S. 388.
Frech, F. Allgemeine Geologie. I. Vulkane: II. Gebirgsbau und Erd-
beben; III. Bodenbildung, Mittelgebirgsformen und die Arbeit des
Ozeans. 3. Aufl. Leipzig 1917/18. Teubner. Jeder Band 1,50 M.
Bespr. in d. Geograph. Zeitschrift 1918, S. 319.
(rraete, L. Die Physik. Mit einer Einführung in das gesamte Werk von
W. Ostwald. XXXI u. 569 S., mit 385 teils farbigen Abbildungen
im Text und 15 farbigen u. schwarzen Tafeln. Leipzig 1917. Verlag
„Naturwissenschaften“. Preis 16 M., geb. 20 M. I. Band von „Die
Naturwissenschaften und ihre Anwendungen“. Eine allgemeine Natur-
kunde für jedermann. Herausgegeben von C. Thesing. Bespr. in
d. Archiv der Mathematik u. Physik 1918, S. 151.
Handbuch der Ingenieurwissenschaften. Zweiter Teil: Der Brückenbau.
Begründet von 'T'h. Schäffer und Ed. Sonne. Herausgegeben von
Th. Landsberg. 1. Band: Die Brücken im allgemeinen. Massive
Brücken in Stein, Beton und Eisenbeton. 5. Aufl., bearbeitet von
M, Förster, Th. Landsberg und G. Mehrtens. (551 S. mit 355
Abb. u. 22 Tafeln.) Leipzig 1917, Engelmann. Preis 33 M. Bespr.
in d. Kulturtechniker 1918, S. 36.
J,ehrbuch für den Unterricht in der Navigation an den Deckoffizierschulen
der Kaiserlichen Marine. Herausgegeben auf Veranlassung des Reichs-
Marineamts. Zweite durchgesehene und erweiterte Auflage. Mit 40
räumlichen Photographien, 10 Tafeln u. 261 Figuren im Text. Berlin
1918, Mittler & Sohn. Preis geh. 25,30 M., geb. 30,45 M, Bespr.
in d. Annalen der Hydrographie u. Marit. Meteorologie 1918, S. 307.
Lehrbuch für den Unterricht in der Navigation an der Kaiserlichen Marine-
schule. Herausgegeben auf Veranlassung des Reichs-Marineamts. Mit
40 räumlichen Photographien, 13 Tafeln und 285 Figuren im Text.
(XVI u. 778 S. 80.) Berlin 1917, Mittler & Sohn. Bespr. in d.
Annalen der Hydrographie u. Marit. Meteorologie 1918, S. 97.
Lindow. Differentialrechnung, unter Berücksichtigung der Anwendung in
der Technik. 2. Aufl. Aus Natur und Geisteswelt. Leipzig, Teubner.
Preis 1,50 M. Bespr. in Glückauf 1918, S. 670.
Machs. Grundriss der Physik für die höheren Schulen des deutschen
Reiches bearbeitet von F. Harbordt und M. Fischer. U. Teil:
Ansführlicher Lehrgang. Mit 357 Abbildungen und 1 Spektraltafel.
Zeitschrift ür_ Petzold. Uebersicht der Literatur für Vermessungswesen. 455
VOTINEASUBREW BED
1918.
Zweite verbesserte und durch Uebungsaufgaben erweiterte Auflage.
Zweiter unveränderter Abdruck. (376 S.) Wien 1917, F. Tempsky.
Preis geb. 4,80 M. Bespr. in d. Archiv der Mathematik u. Physik
1918, S. 158.
Mendelssohn, W. Kinführung in die Mathematik. Aus Natur und Geistes-
welt, 503. Bändchen. Leipzig 1918, Teubner, Preis 1,50 M. Bespr.
in d. Zeitschr. f. d. Berg-, Hütten- u. Salinenwesen im preuss. Staate
1918, Literatur S. 130.
Müller, C. Kalender für Landmessungswesen und Kulturtechnik, begründet
von W. Jordan, fortgesetzt von W. v. Schlebach, jetzt unter Mit-
wirkung vieler anderer herausgegeben. 42. Jahrgang für 1919. Stutt-
gart, K. Wittwer.
Neuendorf, R. Praktische Mathematik. II. Teil: Geometrisches Zeich-
nen, Projektionslehre, Flächenmessung, Körpermessung. Aus Natur
und Geisteswelt, 526. Bändchen. Leipzig 1918, Teubner. Preis geb.
1,50 M. Bespr. in d. Zeitschr. f. d. Berg-, Hütten- u. Salinenwesen
im preuss. Staate 1918, Literatur S. 130.
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Index). Auskunft über Veröffentlichungen der technischen Fachpresse
nach Sachgebieten, mit Technischem Zeitschriftenführer. Ausgabe 1917
für die Literatur des Jahres 1916. Berlin W 62 und Wien, Verlag
für Fachliteratur. Preis 6 M. Bespr. in d. Oesterr. Zeitschr. f. Ver-
messungsw. 1918, S. 12.
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Supan, A. Leitfaden der allgemeinen politischen Geographie. (V u. 1408.)
Leipzig 1918, Veit & Co. Bespr. in d. Geograph. Zeitschrift 191x,
S. 375. ’
Technische Abende im Zentralinstitut für Ersiehung und Unterricht.
1. Heft: Die Bedeutung der Persönlichkeit für die industrielle Ent-
wicklung, von Prof. K. Matschoss. Berlin 1917. 2. Heft: Maschine
und Werkzeug, von Geh. Reg.-Rat Prof. Kammerer und Prof. Dr.-
Ing. Schlesinger. 3. Heft: Die Psychologie des Arbeiters und seine
Stellung im industriellen Arbeitsprozess, von Prof. A. Wallichs in
Aachen. 4. Heft: Handarbeit und Massenerzeugnis, von Geh. Reg.-
456 Petzold. Uebersicht der Literatur für Vermessungswesen, Zeitschrift für
SENIOREN WAREN
Rat Dr.-Ing. II. Muthesius in Berlin. 5. Heft: Ueber die Bezieh-
ungen der künstlerischen und technischen Probleme, von Prof. P.
Behrens. 6. Heft: Werke der Technik im Landschaftsbild, von
(seh. Reg.-Rat Prof. W. Franz in Charlottenburg. 7. Heft: Philo-
sophie der Technik, von Dr. E. Zschimmer. 8. Heft: Technik und
Volkserziehung, von Th. Bäuerle in Backnang. Verlag von E. S.
Mittler & Sohn in Berlin. Preis des Heftes 0.50 M.
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Siebente, vermehrte und verbesserte Auflage. (VI u.188S. 80.) Biele-
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(136 S.) Berlin u. Leipzig 1917, Teubner. Preis steif geh. 1,20 M.
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den Jahren 1888 bis 1904. Der Kulturtechniker 1918, S. 198—215
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1918, S. 136 u. f. |
— Ueber lleidekultur. Vortrag. Der Kolturtechniker 1918. 8. 1—94
:49—76 u. 3 Karten. |
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zu Sinning an der Rohrdorfer Achen. Der Kulturtechniker 1918.
S. 183—187. Pemerkungen dazu und über die Genauigkeit hydranli-
scher Rechnungen von l.uedecke ebendas. S. 187 u. 188.
„eitsehrifn tm Petzold. Uebersicht der Literatur für Vermessungswesen. 450
a 7 Khan
Radtke. Genauigkeit des Ablotens bei I,attenmessungen. Zeitschr. f. Ver-
messungsw. 1918, S. 236 u. 237.
— Praktische Winke für die Vermarkung und Signalisierung von Ver-
messungspunkten bei Stadtaufnahmen. Zeitschr. f. Vermessungsw.
1918, S. 134—137.
Reuss. Entwässerungsanlage des im Staugebiet des Elektrizitätswerkes
Poppenweiler gelegenen Hochberger Wiesengeländes.. Der Kultur-
techniker 1918, S.'173—182. | |
Spiecker. Umschau auf dem Gebiete der Moorkultur und T'orfverwertung.
Der Kulturtechniker 1918, S. 25—32 u. 152.
Stahb, L. Herleitung der Gauss’schen Flächenformel mittels Polarkoordi-
"naten. Zeitschr. f. Vermessungsw. 1918, S. 125—127 u. 192.
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der Sandheiden. Wilster 1916. Bespr. in d. Kulturtechniker 1918,
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5. Triangulierung und Polygonisierung.
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Zeitschr. f. Vermessungsw. 1918, S. 145-154.
Harksen. Beöobachtungsverfahren. Fehlerberechnungen und Rechenpläne
für Kleintriangulierungsnetze. Allg. Vermessungsnachr. 1918, S. 42
bis 48, 50—54, 94—100, 150—153 und Fortsetzung im nächsten
Jahrg. ders. Zeitschr.
Scheffelmann, L. Berechnung der Koordinaten eines Punktes durch Rück-
wärtseinschneiden. Zeitschr. d. Vereins d. Höheren Bayerischen Ver-
messungsbeamten 1918, S. 84—86.
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in der praktischen Geometrie. Vortrag. Zeitschr. d. Oesterr. Ingenieur-
u. Architektenvereins 1918, S. 220—222 u. 232—23h.
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| Refraktionstheorie. |
Baeschlin, F. Die Nivellements hoher Präzision und die internat. Vor-
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71. Bd., S. 1-3 u 19—22.
7. Barometrische Höhenmessung und Meteorologie.
Defunt, A. Die nächtliche Abkühlung der unteren Luftschichten und der
Erdoberfläche in Abhängigkeit vom Wasserdampfgehalt der Atmo-
sphäre. Meteorvlog. Zeitschr. 1918. S. 224—245.
Hann, J. Die jährliche Periode der’ halbtägigen I.uftdruckschwankung.
460 Petzold. Liebersicht «der Literatur für Vermessungswesen. „Zeitschrift für
Vermensungs waren
Sitzungsberichte d. Akademie d. Wissenschaften in Wien 1918, Abt.
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Ss. 20 u. 76.
Schmalenbach. Monats- un Jahresmittel erdmagnetischer Elemente in
Hermsdorf. Mitteilungen a. d. Markscheidewesen 1918, S. 20 u. 76.
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Jahrbuch f£. d. Berg- u. AUMENWeSen in Sachsen 1917, S. B 80 und
1918. S. B 82.
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Mededeelingen en Verhandelingen v. h. Kon. Nederl. Met. Inst. Nr. 102.
(VII u. 117 S. 80. nebst 1 Taf.) Utrecht. 1917. Bespr. in d. Mete-
orolog. Zeitschr. 1918, S. 153. | |
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Rässö, G. Das Croquis-Gratikon als Behelf für Terrainaufnahmen, (15 S.
120 mit beigelegten Mustern des Grafikons.) Budapest 1916, W. Kun-
städter. Preis 0.40 Kr. Bespr. von E. v. Hammer in Dr. A. Peter-
' manns Mitteilungen 1918, S. 34. _ = |
Teege, H.. Winkelmessungen auf Diagrammen und Karten. Annalen d.
- Hydrographie u. Marit. Meteorülogie 1918. S. 363—366.
Tiessen, E. Einheitskarten. ' Eine statistisch-kartographische Gase
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S. 1—10 und Taf. 1u 2.
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191
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und E. Kohlschütter ebendas. S. 239—242 u. 248—'249.
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1917, F. Rouge & Cie. Preis weich geb. 6 Fr. Bespr. in d. Schweizer.
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Querausgleich. Organ f. d. Fortschritte d. Eisenbahnwesens 1915,
S. 341—344, 361—364 u. 384.
— Neue zeichnerische Verfahren zur genauen Erdmassenermittelung bei
Eisenbahn- und Strassenbauten als Ergebnis einer Fehleruntersuchung
der üblichen Weise der Berechnung. Organ f. d. Fortschritte d. Eisen-
bahnwesens 1918, S. 149—155, 165—170 u. 384.
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ratorium.) Vortrag. Zeitschr. d. Oesterr. Ingenieur- u. Architekten-
vereins 1918. S. 257 u. 258.
Schaffernak, F'. Umschau auf dem Gebiete der Hydrologie. Vortrag.
Zeitschr. d. Oesterr. Ingenieur- u. Architektenvereins 1918, S. 249
bis 252, 259—262, 269-—-273, 279—283 u. 289—293.
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1917 bis November 1918. Nach den amtlichen Nachrichten der Landes-
anstalt für Gewässerkunde. Zentralblatt d. Bauverwaltung 1918, S. s6
u. 87, 127, 156, 208, 247, 288, 327, 388, 408, 464 u. 508.
Zeitschrift für Petzold. Uebersicht der Literatur für Vermessungswesen. 463
Vermersungswesen
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Eggert, ÖO. Pestimmung einer Geraden aus den gemessenen Koordinaten
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Kobelt, K. Genauigkeitsuntersuchung der graphischen Triangulation.
(65 S. 80 u. 9 Tafeln.) Zürich 1917. Gebr. Leemann. Bespr. in d.
Schweizer. Bauzeitung 1918, 71. Bd., S.122. Eine gekürzte Abhand-
lung findet sich in der Schweizer. Bauzeitung 1918, 72. Bd., S. 141
bis 143, 155—158 u. 187—188.
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Buchwaldt, F. A. Geometrisk bidrag til geoidens bestemmelse. (V u.
39 S. 40 mit Textabb. u. 2 Netzk.) Kopenhagen 1916, Bianco Luno.
Bespr. von E. v. Hammer in Dr. A. Petermanns Mitteilungen 1918,
S. 33. |
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Galitein, B. The principles of instrumental seismologv. Proceedings of
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Galle. Die Figur der Erde. Deutsche Revue 1918, S. 232.
Geodätisches Institut, Preuss. Veröffentlichung, neue Folge. Nr. 76. Seismo-
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bis 31. Dezember 1918. Berlin 1919. P. Stankiewiez.
Hauptstation für Erdbebenforschung in Strassburg i. E. Jahresbericht
für 1913. Gerlands Beiträge zur Geophysik 1918, 14. Dd., Heft 4.
Enthält auch die Berichte der übrigen deutschen Staaten.
Janne, H. Sur la rigidite du globe. Annales de la societe scientifique
de Bruxelles, 1° partie, 37. Bd., S. 133—137.
Krüger, L. Die kürzeste Entfernung und ihre Azimute zwischen zwei ge-
gebenen Punkten des Erdellipsoids. (35 S.) Göttingen 1918. Lbespr.
in d. Oesterr. Zeitschr. f. Vermessungsw. 1918, S. 11.
— Die Uebertragung geographischer Koordinaten mittels Potenzreihen
der linearen Länge der geodätischen Linie. Zeitschr. f. Vermessungsw.
1918, S. 161—173. Ä |
Meissner, O0. Isostasie und Küstentypus. Dr. X. Petermanns Mitteilungen
1918. S. 221. .
— Isostatische Reduktion von 34 Stationen, ausgeführt im Geodätischen
Institut von Dr. E. Hübner und. OÖ. Meissner. Astronom. Nachr.
1918, Bd. 207, S. 273—282. |
— Tabellen zur isostatischen Reduktion der Schwerkraft. Astrononi.
Nachr. 1918. Bd. 206, S. 25—44.
AR Iatyı : ‚gie er J.iter: ir Ve sSUNneswe „Zelle chf] "far
464 Petzold. Uebersicht der Literatur für Vermessungswesen. Vermessungswosen „
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eine Rolle spielt: mit einer Anwendung auf das Vermessungsgebiet
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Wellisch, S. Die Abmessungen der Erde. Mit besonderer Betonung der
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scheidewesen 1918, S. 1—16. u
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Ozean. Zeitschr. f. Vermessungsw. 1918. S. 33—45,
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Marit. Meteorologie 1918, S: 366—36R8.
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Sciences de Toulouse pour les sciences mathematiques et les sciences
physiques (3) 3. Bd., S. 151—207. Bespr. in d. Jahrb. üb. d. Fort-
schritte d. Mathematik Bd. 44, Jahrg. 1913: (gedr. 1918), S. 1090.
Capelle, H. Die mathematische Geographie und ihre AUODWSndNNg,
(IV u. 268 S. 80.) Berlin, Mittler & Sohn.
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graphie u. Marit. Meteorologie 1918, S. 369— 370. i
Courvoisier, [L, Zur Frage der we an und des
2-Gliedes. Astronom. Nachr. 1918, -Bd. 207, S. 1—10.
Deutsche Seewarte. Bericht über die 41. auf der Deutschen Seewarte
abgehaltene Wettbewerbprüfung von Marinechronometern (Winter
1917/18). Annalen d. Hydrographie u. Marit. Meteorologie 1918,
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Nr. 291651, Kl. 42. Zeitschr. d. Deutsch. Gesellsch. f. Mechanik u.
Optik 1918, S. 34. .
Gotzhein. Kurs- und Abstandsbestimmung eines passierenden Schiffes..
Annalen d. Hydrographie u. Marit. Meteorologie 1918, S. 337—344. '
Harzer, P. 7u einer Aeusserung Herrn Hammers über meine Methode
„Zeitschrift für Petzold. Uebersicht der Literatur für Vermessungswesen. 465
Pr SBSUnERWegEn z
der geographischen Ortsbestimmung ohne astronomische Instrumente.
Astronom, Nachr. 1918, Bd. 2.77, S. 253—250. Bemerkung dazu von
E. Hammer ebendas. S. 303 u. 304. |
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H. Schaper. Preis 1 M. Bespr. von E. v. Hammer in Dr. A. Peter-
manns Mitteilungen 1918, S. 232. |
Hopmann, J. Ergebnisse von Horrebow-Messungen in Bonn. nebst Unter-
suchungen über das Deklinationssystem von Boss. Astronom. Nachr.
1918, Bd. 206, S. 225—234.
Immler, W. Ein Universaldiagramm zur l,ösung des Winddreiecks. An
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bearbeite. Hamburg 1917, Eckardt & Messtorff. Preis 1,75 M.
Bespr. in d. Annalen d. Iydrographie u. Marit. Meteorologie 1918,
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Lindberg, J. H. Justierbarer Kursanzeiger. D.R.P. \r. 290920, Kl. 42.
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— The application of the methode of W. Ritz to the theory of the tides.
Proceedings of the 5. Intern. Math. Congr. 2., S. 202—208. Beide
Abhandlungen sind bespr. in d. Jahrb. üb. d. Fortschritte d. ln
mathik Bd. 44, Jahrg. 1913 (gedr. 1918). S. 1091.
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Möller, J. Die Differentialformeln des. nautisch-astronomischen Grund-
dreiecks. Ein Beitrag zur Didaktik der Nautik und mathematischen
Geographie. Annalen d. Hydrographie u. Marit. Meteorologie 1918.
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graphie u. Marit. Meteorologie 1918, S. 95—97 u. 148.
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Schumann, R. Untersuchung einer neueren Pulkowaer Beobachtungsreihe
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ders. Zeitschr. | |
Zentralbureau der Internationalen Erdmessung. Neue Folge der Ver-
öffentlichungen, Nr. 32. Bericht über die Tätigkeit des Zentralbureaus
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für 1918. Berlin 1918, P. Stankiewiecz.
— Neue Folge der Veröffentlichüungen, Nr. 33. Bericht über die Tätig-
_ keit des Zentralbureaus der Internationalen Erdmessung im Jahre 1918
' nebst dem Arbeitsplan für 1919. Berlin 1919, P. Stankiewiez.
18. Verschiedenes.
Benemann. Die Besiedelung der baltischen Provinzen und Litauens., Zeitschr.
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470 . l,otz. Das Reichsvermessungsamt. Zeitschrift für
a ar la
Peters, G. Der deutsche Wohnungsausschuss. Zeitschr. f. Vermessuugsw.
1918, S. 70—73.
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tanistische Rundschau 1918, S. 605—609, 633—637 u. 657—662.
Das Reichsvermessungsamt. .
In Nr. 20 der Allg. Vermessungs-Nachrichten vom 27. v.M. (S. 179)
hat Herr Vermessungsdirigent Abendroth mitgeteilt. dass vom 1. Oktober
ab ein Reichsvermessungsamt (R.A.) unter der Oberaufsicht des Reichs-
ministers des Innern ins Leben treten werde.
Es erscheint notwendig, auf die Umstände etwas näher einzugehen,
als Herr Abendroth es getan hat.
Der Anlass zur Schaffung des R.A. ist in der Tatsache gegeben, dass
nach Auflösung des alten Heeres und Bildung der Reichswehr infolge des
Friedensvertrages für die bisherigen militärischen „Landesaufnahmen“ (L.A.)
der ehemaligen Bundesstaaten in der Angliederung an die so sehr ver-
ringerte Wehrmacht kein Raum mehr verblieben ist. Vom 1. Oktober d.J.,
dem Zeitpunkte der Beendigung der Auflösung des alten Heeres, ab hätten
die noch vorhandenen Offiziere und Beamten der L.A. verabschiedet und
ihr gesamter Betrieb eingestellt werden müssen. Es ist aber notwendig,
die Aufgaben der L.A. für wirtschaftliche Zwecke des Reichs und seiner
Länder fortzusetzen; die lebensnotwendigen Einrichtungen zur Herstellung
und‘ den Vertrieb von lLaandeskarten müssen ohne Unterbrechung weiter-
geführt werden. | |
Der Gedanke liegt auf der Hand, dass mit der Aenderung der Ver-
hältnisse die Aufgaben der L.A. nunmehr von dem Militär- an das Zivil-
vermessungswesen übergehen müssen. Denn in Zukunft werden auch die
militärischen Bildungsanstalten fortfallen, an welchen die im Vermessungs-
dienste des Heeres verwendeter Offiziere und Beamten für ihre Sonder-
aufgaben vor- und herangebildet wurden. Ihr Ersatz kann nach aller
Voraussicht nur den zivilen Vermessungstechnikern aller Grade entnommen
werden. Anderseits kann die Uebernahme des ganzen Betriebes der L.A.
in die zivile Verwaltung unmöglich mit einem Schlage, von heute zu
morgen, erfolgen: denn die zivilen Vermessungstechniker sind auf diesem
Sondergebiete z. T. zwar theoretisch, aber in ihrer Gesamtheit doch zu-
nächst nicht hinlänglich praktisch vorbereitet, um ohne weiteres die.eigen-
artige Arbeit, deren technische und wirtschaftliche Gliederung zudem vor
einschneidenden Aenderungen stehen dürfte, in ihrem ganzen Umfange
aufzunehmen.
m.
\
Zeitschrift füı l.otz. Das Reichsvermessungsamt. 471
tr
Diese Sachlage zwingt dazu, einen Weg der allmähligen Ueberleitung
aus dem bisherigen in den künftigen Betrieb der 1.A. zu beschreiten. Er
bietet sich zwanglos vor allem in der Weiterverwendung der noch dienst-
fähigen Offiziere und Beamten und sonstigen Angestellten sowie in der
weitgehenden Weiterverwendung aller bestehenden Einrichtungen und An-
stalten der L.A.
Ohne solche Massnahmen würde die Gefahr schlimmster Störung des
Betriebes, wenn nicht sein vollkommenes Stocken. binnen kurzer Zeit zu
besorgen sein. | 4
Es ist aber ebenso ein Gebot der Fürsorgepflicht des Staates, die
noch nutzbaren und dienstfähigen Arbeitskräfte weiterzubeschäftigen; denn
es würde für alle schwer sein, anderweit geeignete und befriedigende Tätig-
keit zu finden. Sie würden die grosse Zahl der Opfer vermehren, welche
der unglückliche Kriegsausgang und die daraus entstandene wirtschaftliche
Not unter den ehemaligen Heeresangehörigen leider gefordert hat.ı)
Diese Sachlage musste die nächsten Massnahmen der Reichs- und
Staatsbehörden, nachdem aın 1. Oktober d. J. das deutsche Heer zu be-
stehen aufgehört, zwingend bestimmen, für die L.A. und ihre Angehörigen
neue Lebensbedingungen zu schaffen, zumal in dem neuen Heeres-Haushalt
von dem gleichen Zeitpunkte die L.A. nicht mehr erscheinen konnten.
Aus diesen Gründen ist als erste Massnahme die Uebernahme der
L.A..auf den Zivil-Haushalt des Reiches für die beteiligten früheren Bundes-
staaten vom 1. Oktober d. J. ab vollzogen worden mit der Bildung des
„Reichsvermessungsamtes“, als dessen erstes Glied die ehemaligen Landes-
aufnahmen zu gelten haben.
Zugleich mit dem Auftauchen dieser Absichten entstand die Frage,
aus diesem Anlass eine Vereinheitlichung des gesamten staatlichen Ver-
messungswesens anzubahnen, sobald die Sonderstellung der L.A. aufgehoben
sein würde, dies mit dem Ziele, die L.A. selbst in das Vermessungswesen
organisch einzuordnen.
Die Vereinheitlichungspläne knüpfen an die während des Krieges, zu-
mal im Februar 1918 gepflogenen Verhandlungen der „Obersten militäri-
schen Vermessungsstelle im Deutschen Reich und in seinen Schutzgebieten“
an, welche auf Betreiben des Chefs der preussischen 1..A. im Jahre 1917
geschaffen worden war.?)
Die Verhandlungen betrafen zunächst weniger organisatorische als viel-
mehr theoretisch wissenschaftliche Fragen: Einführung einer einheitlichen Pro-
jektion, eines gleichen Ausgangsmeridians, Uebertragung in Meridianstreifen
') Vergl. die Ausführungen in der Zeitschrift „Landmesser“, S. 103/104
Heft 6 d. J. und Zeitschr. f. Vermessungsw. S. 146, Heft 5 d. J.
”) S. „Landmesser“ 1909 Heft 6 S. 104 links mittlerer Absatz: Zeitschr. f.
Vermessungsw. Heft 5 S. 147.
Nam
479 l,aotz. Das Reichswermessungsamt. Zeitschrift für
VOR
nach den Krüger'schen Vorschlägen, Landes-Horizont, Kreisteilung und
Unterteilung des 'Grades,. Wahl der Massstäbe für Landeskarten usw. Da-
bei wurde auch die Frage der Herstellung einer sog. Einheitskarte und
ihres Massstabes (1:5000°) mit Höhenschichtlinien und in Verbindung
hiermit die Vereinheitlichung des Zivilvermessungswesens bereits gestreift.
Es kam zun Ausdruck, dass zweckmässig Jie Katastervermessung allgemein
zur Grundlage und zum Ausgang für das gesamte topographische Karten-
wesen zu machen sein werde.
Alle diese Vorgänge sind von der Berufsvertretung durchaus beachtet
und in ihrer Wichtigkeit für Jas Zivilvermessungswesen nicht unterschätzt
worden, sobald ihr die, anfänglich wohl des Kriegszustandes wegen, der
breiten Oeffentlichkeit vorenthaltenen Verhandlungen überhaupt zur Kenıt-
nis. kamen. |
Als in einigermassen greiftbarer Form bekannt wurde, dass die durch
den Umsturz der alten Verhältnisse geschaffene Lage zu einer Entschei-
dung über die Umgestaltung der L.A. drängte, ist die nachstehende Ein-
gabe an das Reichsamt des Innern abgegangen: |
oo "Allenstein, den 27. August 1919.
Die bisher dem preussischen Grossen Generalstab angegliederte „Landes-
aufnahme“, als militärische Behörde nicht mehr haltbar, ist Zeitungsmeldungen
zufolge dem Reichsamt des Innern unterstellt worden. ‚
Als berufene Vertretungen der wissenschaftlich vorgebildeten, im
Deutschen Zivilvermessungswesen tätigen Fachgenossen halten wir es für
unsere Pflicht, darauf hinzuweisen, dass die Sonderstellung der „Landes-
aufnahme“ innerhalb des gesamten Vermessungswesens seither ein Haupt-
hindernis für dessen freie und wirtschaftliche Entwickelung und für die
Verwirklichung der berechtigten Wünsche der Angehörigen des Berufe
gebildet hat. | |
Nur durch die Zusammenfassung und sachdienliche Gliederung des
Vermessungswesens in allen seinen Zweigen zu einem selbständigen Organ.
mit eigenen selbständigen Aufgaben, kann unter Beseitigung der gegen-
wärtigen, oft widerstreitenden Zuständigkeiten der einzelnen, nicht tech-
nischen, obersten Staatsdienststellen, eine Einrichtung geschaffen werden,
welche unter weitgehender Zusammenfassung jetzt nebeneinander wirkender
Kräfte mit dem geringsten Aufwande an Arbeitskraft und Mitteln den
Staatsbelangen, den Bedürfnissen des Grundeigentums und den oft be
gründeten Wünschen der Berufsangehörigen aller Grade und Richtungen
nach befriedigender Regelung ihrer Vor- und Ausbildung, sowie ihre!
Stellung in den Beamtenkörpern, gerecht zu werden vermag.
Es scheint uns jetzt der gegebene Zeitpunkt, dem Vermessungswesei
endlich den seiner Bedeutung und Wichtigkeit gebührenden ‚selbständigen
Zeitschrift für Lotz. Das Reichsvermessungsamt. 473
VERISPSUDERIEREN i
Platz im Staats- und Wirtschaftsleben zu- geben. Dies umso mehr, als
dessen: Wiederaufbau auch das Vermessungswesen auf weiten Arbeitsge-
bieten für Siedlung, Verkehrsanlagen, I,andeskultur und Stenerzwecke be-
anspruchen wird. ’
/ur: eingehenden ‘Begründung der Notwendigkeit, dem Vermessungs-
wesen eine einheitliche, selbständige Organisation zu geben, gestatten wir
uns hier beizufügen:
1. v. Bertrab: „Die Notwendigkeit der SenozgapEan02 des staat-
lichen Vermessungswesens ‘“,
2. Landesverband preussischer Landmesservereine: „Denkschrift über
das Zivilvermessungswesen in ‘Preussen“,
3. Desselben: „Gesuch und Denkschrift betr. Zulassung eines Arbeits-
'ausschusses für die preussischen Landmesser zum Zentraldirektoriun
der Vermessungen im preussischen Staate“.
Wir beantragen:
1. Die Errichtung eines „Reichsvermessungsamtes“. Es soll auf die
einheitliche und zweckentsprechende Regelung und Gliederung des
Vermessungswesens, den planmässigen, gleichartigen Aufbau alter“
Kartenwerke der Gliedstaaten und auf die gleichmässige Gestaltung:
der Dienst- und Besoldungsverhältnisse der beschäftigten Arbeits-
kräfte hinwirken.
Die Berufung anerkannt tüchtiger Fachleute des Vermessungs-
wesens zur Leitung des Reichsvermessungsamtes.
3. Den Erlass eines einheitlichen Vermarkungsgesetzes für das Reich
zum Schutze des Grundeigentums und der 'Realberechtigten.
4. Die einheitliche Regelung der Vor- und Ausbildung der im Ver-
messungswesen des Reichs und der Gliedstaaten tätigen Land-
messer, Vermessungsingenieure und Geometer auf voller wissen-
schaftlicher Grundlage und Ueberweisung ihres Studiums an die
Technischen Hochschulen, wo dies bisher noch nicht der Fall ist.
5. Die einheitliche Regelung der Vor- und Ausbildung der im Ver-
messungswesen des Reichs- und der Gliedstaaten verwendeten
“ Vermessungstechniker (Vermessungsassistenten) nach dem noch.
festzustellenden ‚Bedürfnis, ähnlich den Einrichtungen bei den
Bauverwaltungen. | |
to
Es ist unsere Ueberzeugung, dass dem Reiche und den Gliedstaaten
durch die seit Jahren erstrebte Vereinheitlichung des Vermessungsdienstes
und durch die Beseitigung der bestehenden Zersplitterung sowie durch
eine zweckentsprechende, gerechte Regelung der persönlichen Verhältnisse
der in ihm wirkenden Kräfte, erhebliche sachliche und wirtschaftliche Vor-
teile erwachsen werden.
Zeitschrift für Vermessungswesen 1910. Heft 1%. al
474 l,aotz. Das Reichsvermessungsamt. Zeitschrift für
j ar aha
1919.
Allen Berufsständen ist ihre Neranziehung zur Mitwirkung bei der
Neuordnung der sie berührenden Verhältnisse zugesichert worden. Des-
halb bitten wir, auch die von uns noch zu benennenden Vertreter des
Vermessungswesens zur weiteren Erörterung der vorstehend kurz behan-
delten Fragen und zur Begründung vorzuschlagender Massnahmen zuzu-
lassen. Die Vorstände
des Deutschen Geometervereins und des Landesverbandes
preussischer I,andmesservereine.
Im Auftrage: J,ote, Steuerrat, Katasterinspektor.
Infolge dieser Eingabe fanden in der Zeit vom 16. bis 20. September
seitens unserer Fachvertretung. soweit sie jeweils dazu herangezogen werden
konnte oder in der Lage war. Vorbesprechungen mit den zuständigen
Dezernenten des Zivilvermessungswesens der beteiligten preussischen Mini-
sterien, dem derzeitigen stellvertretenden Direktor des Geodätischen
Instituts. dem Chef der Landesaufnahme und dem die Angelegenheit be-
arbeitenden Dezernenten des Reichsministeriums des Innern statt. Von
diesem wurde auf den 22. September nachmittags 3 Uhr alsdann die von
‘Herrn \Vermessungsdirigenten Abendroth erwähnte „unverbindliche Be-
sprechung“ in einem grösseren Kreise von Beteiligten im Reichsministeriun
des Innern anberaumt. Daran nahmen teil von Vertretern der geodätischen
Wissenschaft die Herren Professoren Dr. Foerster, Dr. Krueger und
Haussmann; unter einer Anzahl von Offizieren und Beamten der bis-
herigen preussischen Landesaufnahme die Herren General v. Bertrab.
Generalmajor Weidner und Vermessungsdirigent Abendroth: von un-
serer Fachvertretung die Herren Dr. Klempau und Splettstösser so-
wie der Unterzeichnete; ferner Herr Twardy (Mitglied der preuss. I.andes-
versammlung). |
Die Verhandlungen befassten sich in der Hauptsache vorerst mit den
für die Erhaltung und Fortführung der Landesaufnahmen Preussens und
der Bundesstaaten zu treffenden Massnahmen und ihrer Uebernahme auf
den Zivil-Haushalt des Reiches vom 1. Oktober d. Js. ab. Sie ergaben
Uebereinstimmung darüber, dass die noch .dienstfähigen Offiziere und: Be-
amten der Landesaufnahme zur Fortführung des Instituts demnächst als
‚Zivilbeamte dem Reichsministerium des Innern zu unterstellen seien und
das erste Glied in dem vom 1. Oktober ab ins Leben zu rufenden „Reichs-
vermessungsamts“ bilden sollten. Ueber weitere Gestaltung und den Aus-
bau des Reichsvermessungsamtes mit dem Ziele einer vollkommenen Ver-
einheitlichung und Zusammenfassung des gesamten Vermessungswesens im
Reiche wurden nur ganz allgemeine Gedanken ausgetauscht und einige
Vorschläge gemacht. Darunter von dem Unterzeichneten für die Gliederung
der Behörde: |
an tn
n
, „ Zeitschritt für Lootz. Das Reichsvermessungsamt. 475
NAD SRSUDERWEREN
A. Zentrale: Chefpräsident
Abtlg. I: Wissenschaftliche Abteilung
| Geodätisches Institut, (Erdmessung), Hauptnivellements usw.
Abtlg. II: Reichsaufnahme
Unterabteilungen für die bisherigen Landesaufnahmen der
früheren Bundesstaaten.
Abtig. III: Landmessung
a) Katastermessung (Grundbuchmessungen), Unterabteilungen
für Preussen, Bayern usw. für jeden Bundesstaat).
b) Sonstige Landmessung aus dem Bereich der öffentlichen
Arbeiten. Unterabteilungen wie zu 11lla.
Abtlg. IV: Landeskulturverwaltung
Vermessungen aus deın Bereich der landwirtschaftlichen Ver-
waltung. Unterabteilungen wie zu Ill.
B. Provinzial-Instanzen
nach A II: Landesvermessungsämter (zur Fortführung der bis-
herigen I,andesaufnahmen (Triangulationen 1. u. Il. Ordnung)
und Hauptnivellements):
nach A 11Ia und Illb: Vermessungsdirektionen (Triangulationen
und Nivellements niederer Ordnung):
nach A IV: Landeskulturämter.
(. Lokal-Instanzen
nach A Illa: Messungsämter (Aufgaben der bisherigen Kataster-
ämter, bayerischen Messungsämter usw.):
nach A IHb: Messungsämter (Aufgaben der bisherigen Liegen-
schaftsabteilungen bei den Eisenbahndirektionen und wasser-
wirtschaftlichen Vermessungsstellen):
nach A IV: Kulturämter.
Diese Vorschläge erstreben möglichste Erhaltung bewährter Gliede-
rungen in dem staatlichen Vermessungsbetriebe, auf welche auch in Zukunft
schwerlich verzichtet werden kann. Inwieweit bei den Lokal-Instanzen
die kommunalen Vermessungsämter eingeordnet werden oder sie für die
staatlichen überhaupt eintreten können, bedarf besonderer Erwägung.
Iiine Erörterung dieses und anderer Vorschläge fand in der Be-
sprechung nicht statt. Es wurde aber in Aussicht genommen, im Laufe,
nächster Zeit darüber besondere Verhandlungen mit den beteiligten Staats-
dienststellen und den Vertretern der verschiedenen Zweige des Vermessungs-
wesens unter Zuziehung der Berufsvertretungen zu führen.
476 l,otz. Das Reichsvermessungsamt. ‚ Zeitschrift füir
POIOPRENLERNEEEL
Um unter allen Umständen die Mitwirkung der Fachvertretungen zu
sichern, ist dann noch folgende Eingabe gemacht nnd an das Reichsmini-
sterium des Innern abgesanıdt worden:
Allenstein, den 1. Oktober 1919.
‚ Infolge unserer Vorstellung vom 27. August d. Js. haben unsere \Ver-
treter an den unter dem Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Janke
am 22. v. Mts. im Reichsamte des Innern zunächst unverbindlich geführten °
Verhandlungen teilgenommen.
"Unter Bezug auf die dabei von unsern Vorstandsmitgliedern abgegebenen
Erklärungen und Vorschläge, stellen und wiederholen wir den Antrag, uns
bei den bevorstehenden massgeblichen Verhandlungen über die Einrichtung
und den Ausbau des Reichsvermessungsamtes, als dessen erstes Glied zu-
nächst die bisherigen militärischen Landesaufnahmen in die Zivilverwaltung
des Reichs übernommen werden sollen. ständig zur Mitwirkung unter vollem
Stimmrecht hinzuziehen.
Wir müssen erwarten, dass der überwiegenden Anzahl der im Zivil-
vermessungswesen Deutschlands tätigen Fachleute von etwa 6600 wissen-
schaftlich vorgebildeten und 18000 sonstigen Technikern volle Berück-
sichtigung in der endgiltiren Einrichtung und. Gliederung der neuen Be-
hörde gegenüber den aus den militärischen Organisationen zunächst zu
übernehmenden (für Preussen etwa 400) vorhandenen Offizieren und Be-
amten von Anfang an, besonders in den leitenden Stellen, zuteil wird.
Die Arbeitsgebiete des Zivilvermessungswesens sind so ausserordentlich
weite und staatswichtige, sie sind den Offizieren und Beamten der bisherigen
Landesaufnabme so fernliegend, dass ihre fachwissenschaftliche Vertretung
in dem Beamtenkörper des Reichsvermessungsamtes nicht zu entbehren
ist, wenn diesem die unerlässliche wirklich lebenskräftize Gestaltung xe-
geben werden soll. | - Die Vorstände
des Deutschen Geometervereins und des Landesverbandes
preussischer I,andmesservereine.
Im Auftrage: Lotz, Steuerrat, Katasterinspektor.
Dies ist z. Z. der Stand der Angelegenheit. Versäumt ist danach
seitens der Fachvertretung nichts. Was geschehen konnte, ist auch ge-
schehen.
Von den oben mitgeteilten beiden Eingaben ist den Zweig- und Anschluss-
vereinen des D.G.V. und L.P.L. sofort Mitteilung gemacht worden. Es
war ihre‘ Aufgabe, den Vereinsmitgliedern davon baldigst Kenntnis zu
geben.
Allenstein. den 20. Oktober 1919. l.otz, Steuerrat.
ZOISSCHLIN EUR Neue Schriften. — Hochschul-, Prüfungsnachrichten. 477
Vermessungswes
1919.
Neue Schriften.
(Grundlagen der Photogrammetrie aus Luftfahrzeugen. \on Dr.-Ing.
R. Hugershoff, ord. Professor für Geodäsie und Dr.-Ing. H. Cranz,
Privatdozent. Stuttgart, Konrad Wittwer, 1919. . Preis geh. 14.50 M.
Ueber Photogrammetrie aus Luftfahrzeugen und die ihr dienenden In-
strumente. Von Prof. Dr. C. Pulfrich. Jena, Gustav Fischer.
Veröffentl. des Preuss. Geodätischen Instituts. N. F. Nr. 78... Unter-
suchungen von Basisapparaten. I. Der Oesterreichische Basisapparat,
Von Prof. Dr. G. Förster. Berlin 1919. |
Veröffentl. des Preuss: Geodätischen Instituts. N. F. Nr. 79. Die Pol-
bewegung in Beziehung zur Zühigkeit und zu einer hypothetischen
‚Magmaschicht der Erde. Von Dr. W. Schweydar. Berlin 1919.
Beiträge- zur Landesaufnahme und Kartographie des Erdsphäroids.: Von
Univ.-Prof. Dr. Johann Frischauf. Leipzig, B. G. Teubner, 1919.
Preis geh. 18 M.
‚Vederlandsche Rijksdriehoeksmeting. De stereographische kaartprojectie
in’hare toepassing bij de Rijksdriehoeksmeting door Hk. J. Heuve-
link, c..i. Hoogleeraar aan de Technische Hoogeschool te Delit.
Delft 1918.
Hochschulnachrichten.
Der Herr Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat dem
lkeg.-Landmesser G. Schewior, Lektor an der Westf. Wilhelms-Universität
zu Münster in Rücksicht auf seine anerkennenswerten ln
Leistungen das Prädikat Professor verliehen.
Landw. Hochschule Berlin. Versetzt: Reg.-Landmesser Max Flegel.
Assistent für Geodäsie, ab 1.Nov. 19 an das Kulturamt Osnahrück; Reg.-
Landmesser W. Balzer. Assistent für Geodäsie. ab 1. Dez. 19 an das
Kulturamt Eisenach. | |
Prüfungsnachrichten.
Der Staatsanzeiger für Württemberg vom 1. d. Mts. enthält nach-
stehende Bekanntmachung: |
Durch Frstehen der vom 8. bis 18. September d. Js. abgehaltenen
+. ausserordentlichen Feldimesserprüfung haben die nachstehend verzeich-
neten 21 Bewerber:
Baur. Eugen, von Dietenheim, Ennderle. Gotthard, von Daustetten.
Bertöche, Emil, von Stuttgart. Huss, Hugo, von Stuttgart,
Dieterich, Max, von Ludwigsburg, Jooss, Ernst. von Dornstetten.
Eitel, Hugo. von Friedrichshafen, Kammerer, Emil, von Ulm a. D.,
478 Prüfungsnachrichten. — Vereinsnachrichten. ‚Zeitschrift für
v a
1979.
Kleiber, Eugen, von L.udwiesburg, Scheb, Michael. v. Unterwaldhausen.
Mayer, Alfred, von Ehingen a. D, Schmauk, Gustav. von Köngen,
Pflüger, Gustav. von Stuttgart. Schönle, Walter, v. Friedrichshafen.
Raiser, Karl, von Besigheim. Trück, Hermann, von Dornstetten.
Ruoftf. Moritz, von Röhlingen, Ulrich, Paul, von Zell.
Sauter, Hang, von J.aupheim, Weiss. Wilhelm. von Stuttgart.
Schäfenacker, Erwin, von Stuttzart. =
das Recht erlangt, nach Massgabe der Verordnung vom 21. Oktober 1845
als öffentliche Feldmesser beeidigt und bestellt zu werden.
Der Bewerber Schwarz, Joh., von Böhringen, der schon auf Grund
des Erstehens der 1. ausserordentlichen Prüfung von 1917 als öffentlicher
Feldmesser bestellt ist, hat sich an der oben genannten Prüfung ebenfalls
mit Erfolg beteiligt.
Stuttgart, den 27. Oktober 1919.
Feldmesserprüfungskommission:
(gez.) Hammer.
DENE MEHR: v
Vereinsnachrichten.
Aus Elsass-Lothringen.
Nachstehender ministerielle an die Oberprüfungskommission für Land-
messer gerichtete Erlass ist mir von einem aus dem Elsass vertriebenen
Kollegen mit dem Ersuchen um Veröffentlichung in der Zeitschrift zuge-
gangen, welchem ich hiermit nachkomme.
Harleshäusen, 19. Nov. 1919. A. Hüser.
Der Finanzminister.
J. Nr. II. 25817. Bart
M.£.L.D.u.F.1.B.1.b.7458. Berlin C2, den 6. November 1919.
M.d.6. A.IILP. 13.12.18. =
a
Auf den gefälligen Randbericht vom 1. d. Mts.
Nr» 3197.
Unter den vorliegenden besonderen Verhältnissen wird ausnahmsweise
zenehmigt, dass den vertriebenen elsass-lothringischen Feldmessern preussi-
scher Staatsangehörigkeit oder Abstammung auf Grund des Ihnen vorge-
legten Trüfungszeugnisses und der Bestallung zum elsass-lothringischen
eldmesser die Destallung als preussischer Landmesser erteilt wird.
Zugleich im Namen des Ministers für Landwirtschaft.
Domänen und Forsten und des Ministers der öffentlichen Arbeiten.
gez. Dr. Südekum.
Zeitschrift für Personalnachrichten. 479
a Ar
Personalnachrichten.
Preussen. Der Eisenbahnlandmesser Chr. Blank in Hannover, Mit-
glied der preussischen l.andesversammlung, ist wegen seiner langjährigen
Betätigung auf sozialem (Gebiet einstimmig in den Vorstand des Arbeits-
ausschusses des akademischen Hilfsbundes gewählt worden. Desgleichen
ist er auch in den 22 Mitglieder zählenden Reichsausschuss der akademi-
schen Berufsstände berufen worden.
Katasterverwaltung. Verstorben sind die Katasterkontrolleure
Steuerinsp Holzgraefe in Dortmund. Steuerinsp. Gerber in Bernkastel,
Kohles in Unna. — In den Ruhestand versetzt sind die Katasterinspek-
goren, Steuerräte Reich in Oöln, Michel in Düsseldorf, die Kataster-
kontr., Steuerinsp. Faulenbach in Linz, Haudy in Ratibor, die Reg.-
Landm., Steuerinsp. Chorus in Liegnitz, Otto in Breslau, Schnieber
in Münster. — Versetzt sind die Katasterinspektoren Steuerrat Ahrens
von Posen nach Frankfurt a.O.. Steuerrat Franzheim von Schleswig nach
Göln, Dr. Raasch von Frankfurt a. OÖ. nach Köslin, die. Katasterkontr.
Steuerinsp. Siegling von Schildberg nach” Wittenberg, Henning, von
Rawitch nach Köslin als Reg.-Landm., Günther von Schöneck nach
Bielefeld, Krug von Posen nach Grünberg, Schermer von Luckau nach
Potsdam als Reg.-Landm., Wolff von Gr.-Strehlitz nach Breslau als Reg.-
lLandm., Pfundt von Bromberg nach Wiesbaden, Mahlich von Filehne
nach Reppen, Lilie von Uzarnikau nach Schönlanke, Göring von Posen
nach Halle, Francke von Posen nach Charlottenburg, Fiebelkorn von
Jarotschin nach Halle, Grzybowski von Samter nach Königsberg i. Pr.,
Käufer von Ostrowo nach Essen, Rinck von Eupen nach Höchst, Hirtz
von St. Vith nach Essen, Günther von Graudenz nach Halberstadt,
Mordhorst von Konitz nach Weilburg, Marx von Lautenburg nach
Meppen, Krefft von Strasburg nach Landsberg a. W., Janik.von Dirschau
nach Düsseldorf, Boenecke von Pr. Stargard nach Erfurt, Motz von
7,oppot nach Hildesheim als Reg.-Landm., die Katasterkontrolleure Blatfau
von Erkelenz nach Coblenz als Reg.-Landm., Temme von Hechingen nach
Sigmaringen, Kneier von Trebnitz nach Breslau als Reg.-Landm., Raddatz
von Znin nach Magdeburg als Reg.-Landm., Ziehm von Wirsitz nach
Brandenburg, Kort von. Schubin nach Aurich als Reg.-Landm., Kühle-
wind von Strelno nach Hechingen, Liebeck von Schroda nach Pyritz,
Hartfiel von Nakel nach Österburg, Ortmann von Mogilno nach Osna-
brück, Galuschke von Schmiegel nach Militschh, Beyrich von Gostyn
nach Liegnitz als Reg.-Landm., Stock von Koschmin nach Trebnitr,
Fraedrich.von Schrimm nach Frankfurt a. O. als Reg.-Landm., Sange
von Pleschen nach Luckau, Froelian von Wreschen nach Königsberg i. Pr.
als Reg.-Landm., Schwerin von Adelnau nach Stettin als Reg.-Landn.,
Jorbandt von Grätz nach Kölleda, Mirschke von Krotoschin nach
ITermeskeil, Johnen von Obornik nach Cöln als Reg.-Landm., Tritzsche
von Kempen nach Nordhausen, Scholtz von Hultschin nach Liegnitz als
Reg.-Landm., Sawallich von Soldau nach Gumbinnen als Reg.-Landm.,
480 Personalnachrichten. Zeitschrift für
Vermessungswesen
... 1918.
Olwig von Thorn nach Schleswig. Gockell von Loebau nach Wächters-
bach, Streiter von Tuchel nach Guben, Kiehne von Neumark naclhı
. Minden als Reg.-Landm., Braun von Zempelburg nach Lehe, Schwarz
von Neuenburg nach Beeskow, Fischer von Briesen nach Arnsberg als
Reg.-Landm., Ihlenburg von Berent nach Cassel als Reg.-Landm., Wolff
von Skurz nach Bunzlau, Hundeck von Tiegenhof nach Deutsch-Krone.
Glaubitt von Putzig nach Syke, Brak von Sullenschin nach Münster.
die Reg.-Landn. Steuerinsp. Hause von Gumbinnen nach Coblenz als
Reg.-Landm., Iggena von Bromberg nach Schleswig als Reg.-Landm..
Hielscher von Bromberg nach Jauer als Kat.-Kontr., Rosalewski von
-Posen nach Belzig als Kat.-Kontr., Hellenschmidt von Posen nach
Spremberg als Kat.-Kontr., der Kat.-Landm. Hesse von Bromberg nach
FTankfurt a. 0. — Dem Katasterinspektor, Steuerrat Pack in Berlin ist
die Katasterinspektorstelle bei der Direktion für die Verwaltung der
direkten Steuern in Berlin übertragen.
| Jl,andwirtschaftliche Verwaltung. In den Ruhestand versetzt sind
‚die Oberlandmesser Baldus in Wiesbaden, Ulrich in Cassel g.t.B. zum
1. 10. 19. — Versetzt am 1. 10. 19 der Reg.-Landm. Volland nach
Arolsen. |
Eisenbahnverwaltung. In den Ruhestand versetzt ist der Oberland-
messer Lorenz.in Magdeburg. — Befürdert ist Eisenbahnlandmesser Fuchs
zum Öberlandmesser in Magdeburg. — Versetzt sind Eisenbahnlandmesser
..Schmack von Posen nach Breslau, die Landmesser Sicius von der Reichs-
eisenbahnverwaltung nach Frankfurt a. M., Frantzen von der Wasserbau-
verwaltung nach Frankfurt a. M.
Mecklenburg-Schwerin. Geh. Regierungsrat Brumberg, bisher vor-
tragender Rat im Finanzministerium, Abt. für Domänen und Forsten, in
Schwerin ist als Ministerialrat in das neuerrichtete Siedlungsamt in Schwerin
berufen worden. — Distriktsingenieur Schmidt in Grabow ist als vor-
tragender Rat mit der Amtsbezeichnung als Ministerialrat in das Mini-
sterium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten berufen und zum Vor-
stand des Messungsbüros in Schwerin ernannt worden. — Distriktsingenieur
‚Brumm in Hagenow ist nach Rostock, Regierungsingenieur Mau unter
. Ernennung zum Distriktsingenieur von Schwerin nach Wismar, Regierungs-
ingenieur Müller unter Ernennung zum Distriktsingenieur von Schwerin
‘nach Lübz versetzt worden. — Regierungsingenieur Havemann, bisher
im Messungsbüro in Schwerin, ist als technischer Mitarbeiter ins Landes-
kulturamt berufen worden. — Auf ihr Ansuchen sind in den Ruhestand
versetzt worden die Distriktsingenieure Müffelmann in Rostock und
Stahlberg in der Revisionsabteilung. des Messungsbüros in Schwerin.
ersterer unter Verleihung des Charakters als Oberdistriktsingenieur.. —
Gestorben ist der Distriktsingenieur Boldt in Lübz. |
Inhalt.
Wissenschaftliche Mitteilungen: Zur Photogrammetrie ohne Theodolit, von
Hänert. — Uebersicht der Literatur für Vermessungswesen vom Jahre 1918,
von Petzold. — Das Reichsvermessungsamt, von Lotz. — Neue Schriften. —
Hochschulnachrichten. — Prüfungsnachrichten. — Vereinsnachrichten. — Personal-
nachrichten. — Titel und Inhaltsverzeichnis für den XLVill. Band (1919).
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart.
Druck von Carl Hammer (Inh. Wilh. Herget), Kgl. Hofbuchdruckerei in Stuttgart.
Beilage zur Zeitschrift für Vermessungswesen.
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1919 Minimaltaxe #1 2.—. Für ständige
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"Schluss der Anzeigen - Annahme
| 12. Heft 4 Tage vor Erscheinen eines Heftes,
Expedition übermittelt werden
sollen, können nur unter Bei-
schluss von 30 9 weiterbefördert
werden. \
Bekanntmachung.
Die durch den Tod des Inhabers freigewordene Stelle des Stadtland-
messers und Vorstehers des städtischen Vermessungsamtes soll baldmög-
lichst neu besetzt werden. Das Gehalt der Stelle beträgt jäbrlich 4200 M,,
steigend von 3 zu 3 Jahren zweimal um 300 M. und viermal um 200 M.
Dabis zum Höchstbetrage von 5600 M. neben wird eine Dienstaufwands-
entschädigung von.300 M. als Pauschalsumme gewährt. Neben dem Ge-
halt wird eine ruhegehaltsberechtigte Zulage von 25"/o bewilligt, welche
jedoch bis auf den Betrag von 200 M. auf die Kriegsteuerungszulage in An-
rechnung kommt. Kriegsteuerungszulagen werden nach staatlichen Grund-
sätzen gezahlt.
Die Anstellung erfolgt nach voraufgegangener Probezeit mit Ruhe-
gehaltsberechtigung und Anspruch auf Witwen- und Waisenversorgung
nach Maßgabe der für die Staatsbeamten geltenden Grundsätze.
Die Dauer der Probezeit bleibt der Vereinbarung vorbehalten,
Nebenbeschäftigung ist dem Stelleninhaber nicht gestattet. Der Bewerber
muß das Zeugnis als Regierungslandmesser besitzen, sowie Erfahrung im
städtischen Vermessungswesen und in der Aufstellung von Bebauungs- .
plänen nachweisen.
Bewerbungsgesuche, denen Lebenslauf, Zeugnisabschriften und et-
waige Empfehlungen beizufügen sind, sind bis zum 15. Dezember 1919 an
uns einzureichen.
Münster,. den 21. November 1919.
Der Magistrat der Stadt Münster 1. W.
Bei der Nassauischen Siedelungsgesellschaft m. b. H.
Wiesbaden ist baldigst die Stelle eines
Geschäftsführers
zu besetzen. Die Gesellschaft ist als provinziell organisiertes gemein-
nütziges Siedelungsunternehmen im Sinne des Reichssiedelungsgesetzes
vom 11. August 1919 anerkannt.
Bewerber wollen ihre Gesuche unter ausführlicher Darlegung ihres
Lebenslaufes, ihrer bisherigen Tätigkeit sowie unter Angabe von Em-
pfehlungen und ihrer Gehaltsansprüche an den Vorsitzenden des Aufsichts-
rates, Landeshauptmann Krekel Wiesbaden, richten. |
Landwirtschaftliche, landmesserische und verwaltungsrechtliche
Kenntnisse erwünscht. Dauerstellung kann in Aussicht gestellt werden.
Verpflichtung zu einer Probedienstzeit bleibt jedoch vorbehalten. Persön-
liche ‘Vorstellung nur auf Auffogdes ung. — Meldeschluß 15. Januar 1920.
Vereideter Landmesser
möglichst erfahren im städtischen Vermessungswesen, als Vorstand eines
städtischen Vermessungsbüros auf sofort unter Angabe der Gehalts-
ansprüche und des Zeitpunktes des Diensteintritts gesucht.
. Stralsund, den 21. November 1919. _
Stadtbauamt. Marx, Stadtbaurat.
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i Vorliegende Nummer enthält als besondere Beilage einen Prospekt
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während im Innern eine Schraubenspindel mit feinem Gewinde
läuft, die in geeigneter Weise gegen die grobe Spindel geklemmt
werden kann. Die Grobkippschraube ermöglicht bei geklemmter
Feinschraube ein sehr schnelles, starkes Neigen der Visierachse,
was beim Anschluss der Polygon- oder Kompasszüge an hoch-
gelegene trigonometrische Punkte von Wichtigkeit ist, während
zum Einspielenlassen der Röhrenlibelle die Feinschraube bei ge-
klemmter Grobschraube dient.
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(1919) (1918) (1917) (1916) (1915) (1914) (1918)
XLI. XL. XXXIX. XXXVILO XXXVIL XXXVl
(1912) (1911) (1910) (1909) (1908) {1907)
XXXV. er a re XXXI XXX.
(1906) (1902) _ (1901)
Fa XX VII. XXVIL. xXV1.
(1899) (1898) (1897) (1896) (1895)
XXI. XXI. XXI XX XIX XVIO XVL.
(1894) (1898) (1892) (1891) (1890) (1889) (1888)
AV XV ZW ZI EX 2 I
(1887) (1886) (1885) (1884) (1883) (1882) (1881) (1880)
vor WE WW %. IV. LI. I.
(1879) (1878) (1877) (1876) (1875) (1874) (1873) (1872)
apa — desgl.— zum Inhaltsverzeichnis Band I—XXXIll. 1872— 1904.
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mit Postanweisung oder Zahlkarte (Nr. 382 Postscheckamt Stuttgart) einzusenden. Das Post-
geld für die Zusenduug beträgt für eine Decke 30 Pfennig (als Drucksache nicht zulässig !)
Ort und Wohnung: | Name:
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Demnächst gelangt zur Atısgabe:
Kalender
| für Landmessungswesen u. Kulturtechnik
|
begründet von W. Jordan, fortgesetzt von W. v. Schlebach,
jetzt unter Mitwirkung von
E. Canz, Oberbaurat in Stuttgart, A. Emellus, Landmesser in Brandenburg, W. Ferber,
Batevermessungsdirektor in Leipzig, Dr.-Ing. E. h. Seb. Finsterwalder, Geheimer Hofrat, ©
Professor in München, Dr. Ing. W. frank, Vorstand der Strassen- und Weasser-
bauinspektion Heilbronn, Dr. A. Galle, Geheimer Regierungsrat u. Professor, Abteilungs-
vorsteher am geodätischen Institut in Potsdam, P. Gerhardt, Wirkl. Geh. Oberbaurat und
Vortragender Rat in Berlin, Dr. Eb. Gieseler, Geh. Begierungsrat in Bonn, Dr. 3. Bansen, |
Geh. Regierungsrat, Professor in Königsberg i. Pr., A. Küser, Oberlandmesser in Harles-
bausen bei Oassel, Dr. Samel, Professor in Bonn, Dr., Dr.-ing., E. h. Ch. A. Vogler,
Geh. Regierungsrat, Professor in Berlin
herausgegeben von Curtius Müller, Geheimer Regierungsrat, Professor in Bonn.
43. Jahrgangs 1920
Drei Bände.
|
|
|
|
|
|
| I. und U. Band als Taschenkalender gebunden.
| ‘ DI. Band als Taschenbuch der Landmessung und
| Kulturtechnik geheftet.
)
|
|
|
| Preis I. und II. Band Mk. ca. 6.—, III. Band Mk. 6.—,
m je zuzüglich des derzeitigen Sortiments-Teuerungszuschlages
von 10 /o.
Band I und II, sowie Band III sind auch einzeln käuflich.
Band I und TI bringen allgemeine Notizen zum Kalender und dergl.; den Schreib-
kalender mit astronomischen Angaben, Zahlentafeln, Formeln, ferner eine vierzehnte Mit-
teilung über Neues auf dem Gebiete des Landmessungswesens und seinen Grenzgebieten
für die Zeit von Mitte September 1918 bis dahin 1919, Angaben zum Gebührenwesen,
eine Ehrentafel, ein Personenverzeichnis und ein Bezugsquellen-Verzeichnis — Band IlI
„Taschenbuch der Landmessung und Kulturtechnik“ bringt von hervorragenden
Gelehrten und Praktikern verfasste Aufsätze über fast alle Einzelgebiete der beiden
genannten Fächer.
Bestellschein umseitig.
‚ Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart.
.
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£) . ‘ . . . . .
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olaojola/oloalo/olojalulalaluja/gjatojolalolofolaloigjatojoigojololalajoialatulaloigiotgie)
Verlag von Konrad Wittwer in Stuttgart.
Die Grundlagen der Photogrammetrie
aus Luftfahrzeugen
von
Dr. ing. R. Hugershoff,
ord. Professor für Geodäsie, und
Dr. ing. H. Cranz,
Privatdozent,
128 Seiten gr. 8°. Mit zahlreich. Abbildung. im Text und auf
10 Tafeln, sowie einer lith. Beilage. Preis geh. M. 13.20, geb. M. 15.60
plus 10°/, Teuerungszuschlag.
Die Verfasser geben in diesem Werk die erste zusammenhängende
Darstellung eines bis jetzt nur wenig und zumeist rein theoretisch behan-
delten schwierigen Sundergebietes der Photogrammetrie, das in der Zukunft
die grösste praktische Bedeutung gewinnen wird.
Das Werk bringt unter anderem wesentliche Vereinfachungen der
bisher sehr komplizierten Rechnungen der Luft-Photogrammetrie; es be-
schreibt neue Instrumente, die eine rasche und genaue Ausmessung der
Photogramme und eine bequeme Konstruktion der aus Luftmessbildern zu
erhaltenden Karten ermöglichen. Ausserdem führt es auf Grund eines
grossen Erfahrungsmaterials den Nachweis, dass die Photogrammetrie aus
Luftfahrzeugen — insbesondere aus Flugzeugen — die gebräuchlichen ter-
restrischen topographischen Aufnahme-Methoden bezüglich der Genauigkeit
erreicht, ihnen aber hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit überlegen ist.
ololalololalololalolololaioioiololojaololololalolololololciolalololalaoie'oloiojolololato
ET
Slolololololco olalalalalalolo ofotorelstetatetarefnarereNe EIERN:
EOBEEE
ie
(Bestellschein mit Umschlag als Drucksache versandfähig.)
» Der Unterzeichnete bestellt hiermit und erwartet Zusendung mit Post- &
nachnahme von:
Sick Kalender für Landmessungswosen u. Kultrtehnik 4
begründet von W. Jordan, fortgesetzt von W. v. Schlebach,
jetzt
herausgegeben von Curtius Müller, Geheimer Regierungsrat, Professor in Bonn.
43. Jahrgang 1920
| I. und I. Band als Taschenkalender gebunden. .
III. Band „Taschenbuch der Landmessung und Kulturtechnik“
P geheftet
Preis I. und II. Band ca. Mk. 6.—, III. Band Mk. 6.—
Do je zuzüglich des derzeitigen Sortim.-Teuerungszuschlages von 10°o- €
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Vorwort
Der Wunsch, die Erde von oben her, vom Luftfahrzeug aus, zu ver-
messen, besteht so lange, wie es Luftfahrzeuge und photographische Appa-
rate gegeben hat. Die meisten der hierfür angegebenen Methoden gehen von
der Voraussetzung eines horizontalen und ebenen Geländes aus. Die Lite-
ratur hierüber ist eine ziemlich ausgedehnte. Sehr viel schwieriger ist die
Aufgabe, die sich die Vermessung eines unebenen Geländes zum Ziele setzt.
Man kommt dann mit einem Bilde nicht aus, es müssen deren mindestens
zwei sein, jedes von einer anderen Stelle des Luftraumes aus aufgenommen.
Hierfür liegen erst wenige keachtenswerte Arbeiten vor.
Die vorliegende Schrift enthält im ersten und zweiten Abschnitt die
Beschreibung von Instrumenten, die schon vor nahezu 10 Jahren vom
Zeißwerk für die photogrammetrische Vermessung der Erdoberfläche vom
Freiballon aus konstruiert worden sind, die aber erst im Sommer des vorigen
Jahres die ihnen gebührende Beachtung gefunden haben. Es sind dies der
damals sog. Ballon-Phototheodolit und der nach dem Vor-
gange von Koppe gebaute sog. Photo-Meßtisch, jetzt Bild-
meß-Theodolit genannt.
Der dritte Abschnitt bringt eine eingehende Kritik des von den
Herren Prof. Hugershoff und Dr. Cranz für den gleichen Zweck
angegebenen und von der Firma Gustav Heyde in Dresden
konstruierten Bildmeß-Theodolits. Ich habe diese Kritik bereits
im Sommer 1918 der preußischen Landesaufnahme, dem
Kriegsvermessungschef und dm kommandierenden Ge-
neralder Luftstreitkräfte vorgetragen. Meine Einwände wurden
von der L.A.und vom Kogenluft anerkannt. Sie sind aber bei den Herren
Hugershoff und Cranz, wie aus den mir übermittelten schriftlichen
Erklärungen der beiden Herren hervorgeht, auf schärfsten Widerspruch
gestoßen. Die Herren haben inzwischen ihre Ansicht geändert, denn in
ihrem vor wenigen Wochen erschienenen Buch „Grundlagen der Photo-
grammetrie aus Luftfahrzeugen“, Stuttgart 1919, setzen sie an die Stelle
ihrer ursprünglichen, von mir als verfehlt bezeichneten Konstruktion
des Bildmeß - Theodolits eine andere, bei der die von mir gerügten
Mängel, wenigstens in der Hauptsache, beseitigt sind. Die diesbezüg-
lichen Vorgänge vom vorigen Jahr sind aber hierbei mit keiner Silbe er-
wähnt worden. Da diese Dinge von allgemeinem Interesse sind, so halte
ich mich für verpflichtet meine Einwände und deren Begründung vorzutragen.
Der vierte Abschnitt ist dem von Herrn Dipl.-Ing. Fischer angege-
benen Verfahren gewidmet, mit dessen Hilfe man imstande ist, aus drei auf
der Platte abgebildeten Fixpunkten der Erdoberfläche diejenigen beiden
Unbekannten einer photogrammetrischen Aufnahme aus der Luft zu er-
mitteln, durch welche sich eine solche Aufnahme einzig und allein von der
Aufnahme vom festen Erdboden aus unterscheidet. Diese beiden Unbekann-
ten sind die Neigung der optischen Achse und die Neigung des Plattenhori-
zontes zur Horizontalen. Sind Neigung und Verkantung, wie man kurz zu
sagen pflegt, ermittelt, und ist alsdann die Kammer des Bildmeß-Theo-
dolits auf diese Werte eingestellt, so liefert die Messung die übrigen vier
Unbekannten (die drei Raumkoordinaten und die Achsen-Richtung der
Kammer) genau in derselben Weise und mit dem gleichen sicheren Er-
folg, wie wenn man diese Bestimmung — den sog. Rückwärtseinschnitt
— draußen im Felde mit Hilfe eines Theodolits nach den Fixpunkten
in der Natur vornehmen würde. Bei dieser Messung können die gleichen
Fixpunkte benutzt werden, die auch zur Ermittelung von Neigung und Ver-
kantung gedient haben. Das Fischersche Verfahren zeichnet sich
'ureh größte Einfachheit aus und ist dem umständlichen sog. Pyramiden-
'hren weit überlegen.
Der fünfte Abschnitt beschäftigt sich mit einer Modifika-
tion des Fischerschen Verfahrens. Ich habe gefunden,
daß man aus der Kenntnis der drei Fixpunkte nicht allein die ge-
suchte Lage der optischen Achse und des Plattenhorizontes, sondern auch
die wahren Vertikalwinkel und die wahren Horizontalwinkel für die drei Fix-
punkte und für alle übrigen der Messung unterworfenen Bildpunkte allein
durch Rechnung auf Grund einer einzigen an der nicht orien-
tierten Platte vorgenommenen Messung dieser Winkel ableiten kann.
In dem Schluß-Abschnitt endlich werden einige Behauptungen der
Herren Hugershoff und Cranz über die Leistungsfähigkeit ihrer Me-
thode gegenüber der Leistungsfähigkeit terrestrischer Methoden auf das
höchstzulässige Maß ihrer Berechtigung zurückgeführt.
Mit dem Vorwort verbinde ich die
Ankündigung
einer weiteren, im vergangenen Winter niedergeschriebenen Arbeit, deren
Veröffentlichung in Kürze ebenfalls erfolgen wird. In dieser zweiten
Schrift werde ich über die von mir gefundene Lösung der Aufgabe berichten,
welche sich de stereophotogrammetrische Vermessung
derErdoberfläche und die stereoautomatische Auf-
zeichnung vonSchichtlinien und Situationsplänen
vom Luftfahrzeug aus zum Ziele setzt. Bisher ist die Stereo-
Photogrammetrie vom Luftfahrzeug aus über die Herstellung von stereo-
skopischen Bildern (Spiegel-Stereoskop) nicht hinausgekommen. Mit Hilfe
des von mir angegebenen und von der Firma Carl Zeiß konstruierten sog.
Stereo-Planigraphen wird man aber in Zukunft imstande sein,
Schrägaufnahmen, die vom Luftfahrzeug aus mit angenähert senkrecht zur
Flugrichtung, im übrigen beliebig gerichteten Achsen gemacht werden,
stereophotogrammetrisch zu verwerten, so, wie dies bisher in gleich einfacher
Weise nurfür Aufnahmen vom festen Erdboden aus— die Achsen horizontal
gerichtet — mit Hilfe des Stereo-Komparators und des Orel-Zeißschen
Stereo-Autographen möglich gewesen ist. Das Arbeiten mit dem Apparat
genießt daher alle Vorzüge, die der stereophotogrammetrischen Methode im
allgemeinen und der stereoskopischen Betrachtung der Erdoberfläche von
oben im besonderen eigentümlich sind. Für die Aufnahmen vom festen
Erdboden aus bleibt nach wie vor der Stereo-Autograph das
gegebene Auswerte-Instrument.
Es sei noch bemerkt, daß das in dieser Schrift beschriebene Instrumen-
tarıum, bestehend aus Flugzeugkammer und Bildmeß-Theodolit, die not-
wendige, aber auch ausreichende Ausrüstung für den Gebrauch des
Stereo-Planigraphen darstellt. Bei dem Bau der neuen Bildmeß-Theodo-
lite sind natürlich die Anforderungen der Stereomethode von vornherein
berücksichtigt worden.
Carl Pulfric.
Von Dr. Carl Pultridi ist ferner erschienen:
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Österreichische Zeitschrift für Vermessungswesen, 1911, Nr. 12:
Dr. C. Pulfrich, der verdienstvolle wissenschaftliche Mitarbeiter der Carl Zeiß-Werke
in Jena, der Begründer der Stereophotogrammetrie, hat für das große Sammelwerk der Ency-
elopaedia Britannica den Artikel ‚The Stereoskop‘‘ verfaßt, zu welcher Arbeit Pulfrich wohl
der berufenste Autor war. Die vorliegende Publikation ist ein erweiterter Abdruck des er
wähnten Artikels aus dem großen englichen Werke. ... Da nun Dr. Pulfrich, der Schöpfer
des stereoskopischen Meßverfahrens, in seiner Arbeit dem Interessenten den Werdegang seiner
Schöpfungen schildert, weiter auch auf neue Instrumente hinweist, die er konstruiert hat
und die noch nicht veröffentlicht wurden, aber die unbedingt namhafte Fortschritte auf dem
Gebiete der stereoskopischen Meßkunst erhoffen lassen, so 'wird‘zweifellos die sehr klar ge-
schriebene Publikation von den zahlreichen Freunden der messenden Stereoskopie wärmstens
begrüßt und die beste Aufnahme ist ihr gesichert. — Das Literaturverzeichnis, welches 276 Auf-
sätze über die stereoskopiscohe Meßkunst und verwandte Gebiete aus den letzten 12 Jahren
bringt, ist nahezu lückenlos und für einen jeden Forscher auf diesem Gebiete von großem Werte,
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| zwischen 8 und 10 [_]mm eingerichtet, je nach Wunsch; Polarm 19 em lang,
Fahrstab 16 cm; das den Fahrstift tragende verschiebbare Stück ist von unten
am Fahrstab angeschraubt, es trägt eine Teilung in !/a mm, auf welcher ein
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Stahl, Teilung derselben und des Zählrades auf matt weissem Celluloid ; be-
quemer. Flüzelgriff mit Stütze; samt Kontrollineal mit zwei Punkten für 4 und
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" versehenem Fahrstab mit Mikrometerwerk, verschiebbar für Werte der Nonius-
F einheit von 10 bis 2 [_]mm, für 4—6 Noniuseinheiten bezw. Fahrstabeinstellungen
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